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am 15. April 2002
Nachdem der "Besuch des Leibarztes" im letzten Jahr sämtliche hiesigen Bestsellerlisten gestürmt hat, schickt Hanser nun einen weiteren Roman von Per Olov Enquist ins Rennen, der im schwedischen Original allerdings schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Wie sein großer Bruder spielt auch "Der fünfte Winter des Magnetiseurs" im 18. Jahrhundert; hier wie dort vermischen sich fiktive Quellen und echtes Zeitkolorit zu historischen Romanen mit überraschender Gegenwartstauglichkeit. Der fünfte Versuch: Die vermeintlichen Fortschritte der Aufklärung Lügen strafend, setzt sich ein ewig wanderndes Sandkorn, der Wunderheiler und Magnetiseur Friedrich Meisner, im Getriebe eines unbedeutenden Landfleckens im deutschen Südwesten fest und vermittelt all denen, die fest genug an ihn glauben, das Gefühl, für einen Augenblick im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Was er mit sich bringt, sind Ahnungen vom "next big thing", der Romantik mit all ihren Ungereimtheiten, und so ist Meisner auch mehr Künstler als Mediziner, Messias und Heimsuchung in einem. Aber heilt er die Menschen wirklich oder gewinnt er Macht über sie durch die Kunst von Lüge und Illusion? Lebt es sich gut in der zugig-kalten Aufklärung, mit ihren unfähigen Medizinprofessoren oder darf es lieber ein bisschen mehr Irrationalität sein? Jedenfalls schon damals ein schmaler Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn, dessen Begehung hier aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben wird. Ein wichtiges Buch, wenn es sich die Zeit nimmt, ins Philosophische abzuschweifen; ein gelungener historischer Roman, der sich nicht damit begnügt, das Fremde der Geschichte à la ‚Medicus' detailgenau aufzulisten und abzustempeln.
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TOP 500 REZENSENTam 14. Dezember 2014
Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches steht der Wunderheiler Friedrich Meisner, der durch die Lande zieht und die Menschen von ihren Krankheiten „heilt“, indem er sie mit einem Magneten bestreicht und hypnotisiert. Bei hysterischen Patienten erzielt er erstaunliche Erfolge, bei biologischen Krankheiten, bei denen seine Methode versagt, hilft er ein wenig nach. Kein Wunder, dass er zum Gegenstand der Hoffnung, der Bewunderung, aber auch der Verachtung wird, immer wieder auffliegt und das Weite suchen muss. Eine durchaus moderne Geschichte, doch sie vollzieht sich im letzten Viertel des 18. Jhdts in Mitteleuropa und ist – wie man unschwer erkennt – dem Schicksal Franz Anton Mesmers nachgebildet, der als eine Mischung von Scharlatan und Genie seine Zeitgenossen verblüffte. Sein alter ego Friedrich Meisner ist eine imponierende, hochgewachsene, gut aussehende Gestalt, den es im Auf und Ab der Erfolge und Misserfolge von Wien nach Paris nach einer lebensgefährlichen Verfolgungsjagd schließlich in das bayrische Städtchen Seefond treibt, wo er die (hysterisch) blinde Tochter eines Arztes auf spektakuläre Weise heilt. Das öffnet ihm das Tor zum Erfolg, bald kann er sich vor Patienten überhaupt nicht mehr retten, immer spektakulärer werden die Fälle, bis er wieder bei einem betrug ertappt wird. Die Geschichte endet damit, dass Meisner vor Gericht gestellt wird, das Urteil jedoch wird ausgespart. Am Ende bleibt die Frage, wieviel Magie die Menschen zur psychischen Gesundheit bedürfen und ob es nicht egal ist, ob sie auf Lüge oder Wahrheit beruht – wenn sie nur nutzt.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven: aus der Sichtweise Meisners selbst, sodann von einem Erzähler aus dem off und auf der Grundlage der Tagebücher des Seefonder Arztes Claus Selinger, dessen Tochter von Meisner von ihrer hysterischen Blindheit geheilt wurde Wie schon in "Der Besuch des Leibarztes“ ist die Sprache nicht leicht zugänglich, sie besitzt einen eigenen Rhythmus, an dem man sich gewöhnen muss, zugleich aber auch die Kraft, den Leser in die besondere Aura der Erzählung hineinzuziehen. Wer dergleichen Fragestellungen und Atmosphären mag, ist mit dem Buch ganz gut bedient. Wer jedoch eine ähnlich gelungene Geschichte wie „Der Besuch des Leibarztes“ erwartet, wird enttäuscht.
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am 23. März 2004
Der eine fragt nur: Was kommt danach?
Der andre fragt nur: Ist es recht?
Und also unterscheidet sich
Der Freie von dem Knecht
(Theodor Storm)
In Per Olov Enquists neu veröffentlichtem Roman „Der fünfte Winter des Magnetiseurs" (in deutscher Sprache erstmals 1966 erschienen) wird die Geschichte des Friedrich Meisner erzählt, der als ungewöhnlicher Heiler eines blinden Mädchens im bayerischen Städtchen Seefond so viele Menschen für seine Theorien, seine Praktiken, seine Illusionen gewinnen kann, dass die Frage, welches Ausmaß an Faszination ein Einzelner auslösen kann, sich in diesem Handlungsstrang als beispielhaftes Leitmotiv entpuppt. Von da an lassen sich Geschichten, Charakteren, Intentionen, Konstruktionen erschließen, auch wenn oder vielleicht gerade weil sich in dem entstehenden Knäuel aus roten Fäden Knoten bilden.
Aus der Ambivalenz des auf den ersten Seiten erzählten und weiterhin begleitenden Hintergrunds, wie sich ein zu einem erheblichen Teil durch Täuschung verschaffter Gewinn mit seiner Vergrößerung einer menschlichen Tragödie oder zumindest der Angst vor derselben nähert, und den variierenden Wiederholungen des Leitmotivs wächst eine ganz eigentümliche Spannung, die den Raum um eine undeutliche, auch subjektive Grenze zwischen dem tatsächlichen Leben und der facettenreichen Menge des Sonstigen füllt.
Indem der 1934 geborene schwedische Autor in dem Protagonisten Friedrich Meisner Biographisches des Franz Anton Mesmer (1734 - 1815, Befürworter der Lehre des ‚animalischen Magnetismus') verarbeitet, wird deutlich, dass sowohl die ursprüngliche Frage nach der Stärke der von einem Individuum ausgehenden Faszination als auch die Antworten darauf immer schon und immer wieder einen aktuellen Bezug zur Wirklichkeit haben, gar inmitten des Lebens überhaupt stehen. Auch darin erklingt der spaltende, teilende, Spannung verleihende, Knoten hervorrufende Charakter dieses Wirrwarrs aus roten Fäden.
Daran (Knoten) anknüpfend hat die sorgfältige Vorstellung der Romanfiguren ihre Bestimmung darin, gleichermaßen in Perspektiven und Welten aufzuteilen wie zusammen zu führen in eine (Ein)Sicht. Einerseits wenige und andererseits verschiedene Charakteren, die sich zudem stellenweise auch in unterschiedlichen Romanformen bewegen, sind wie mehr oder weniger stützende Säulen, die zusammen halten, was sie allein zum Einsturz bringen würden. Der Magnetiseur Meisner und der Arzt Selinger, der Vater des blinden Mädchens, das auf wundersame Weise Sehkraft erhielt, sind aufgrund ihrer konträren Annäherungen an den Magnetismus, ein konkretes Bild für die Macht, von dieser grundsätzlich verschiedenen Art, die sich in ‚Faszinieren' und ‚Fasziniert sein' ausdrückt. Meisner und Steiner, ebenfalls Arzt und Selingers Freund, sind deutlich auf verschiedenen Seiten der angesprochenen Grenze. Berührungspunkte zwischen beiden gibt es insofern, dass des einen Gewinn des anderen Verlust sein muss. Selinger und Steiner hält die Orientierung an der fassbaren Wissenschaft zusammen, auch wenn die Intensitäten unterschiedlich ausgeprägt sind. Der Weber ist einer, der in der Welt des ‚Fasziniert sein' seine Heimat findet, und so Meisner die Möglichkeiten verschafft, zu faszinieren. Maria, Selingers Tochter, hingegen erhält Festigkeit in weitaus geringerer Dosierung und nährt so auch die Unsicherheiten ihres Vaters. Meisners und Steiners Perspektiven werden folgerichtig eher stereotypisch beschrieben, während Selingers jeweils gegenwärtige Gemütsverfassung besonders durch die Briefform regelrecht fühlbar wird. Die Welten, in denen sich Maria und der Weber befinden, Zweifel und Halt, werden von den jeweiligen Leitfiguren Selinger und Meisner erzählt bzw. erwähnt.
Auch wenn der Roman „Der fünfte Winter des Magnetiseurs" am Ende doch ein wenig als ein berechneter Tumult erscheint, ist es Per Olov Enquist gelungen, ein mehr oder weniger historisches Thema auf eine kunstvolle, auf eine zentrale Fläche konzentrierende Weise zu verarbeiten, die sich in der besonders im historischen Roman anzutreffenden Seltenheit, Fiktion und Wirklichkeit zu einer glaubwürdigen Einheit - hier zu einer hinter ‚Faszination' stehenden Welt - zu verschmelzen, die sich weiterhin auf einer anderen Ebene in der zusammenführenden Gegenüberstellung plastischer Darstellungen und Aufzählungen vager Konturen sowie letztlich in dem Ineinandergreifen der verschiedenen Dimensionen manifestiert. Das Ergebnis sind wunderbare Bereicherungen, die die neu aufgespürten Zwischentöne in den alt eingesessenen Zwischenmenschlichkeiten entlocken.
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