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61 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Weltliteratur!!
Es wäre eine grosse Beleidigung für dieses Buch, wenn man es schlicht als einen historischen Kriminalroman abstempelt, da dieser Roman von Orhan Pamuk eines der wichtigsten, um nicht zu sagen DAS wichtigste, Problem der Türkei , bearbeitet: Osten oder Westen? Tradition oder Moderne? In diesem Roman wird die Kunst der Malerei verwendet, um auf diese...
Veröffentlicht am 27. August 2004 von michael trust

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ich, die Pferdenasenbohrerei
Früher gingen Literatur-Nobelpreise überwiegend an europäische Autoren. Dies wurde gerügt, und seitdem bemüht sich das Komitee um eine geografische Verteilung. Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass Übersetzungen des Türken Orhan Pamuk wie der vorliegende Roman "Rot ist mein Name" mit dem werbeträchtigen Aufkleber...
Veröffentlicht am 22. September 2010 von jury


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61 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Weltliteratur!!, 27. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Es wäre eine grosse Beleidigung für dieses Buch, wenn man es schlicht als einen historischen Kriminalroman abstempelt, da dieser Roman von Orhan Pamuk eines der wichtigsten, um nicht zu sagen DAS wichtigste, Problem der Türkei , bearbeitet: Osten oder Westen? Tradition oder Moderne? In diesem Roman wird die Kunst der Malerei verwendet, um auf diese Zerreisprobe einzugehen. Dass Orhan Pamauk bei diesem Buch eine Erzählweise gewählt hat, in der es insgesamt ca. 20 verschiedene Erzähler gibt, muss man einfach loben! Denn gerade bei so einem Thema ist es sehr passend, die unterschiedlichsten Stimmen zu hören, Perspektiven zu betrachten und zu fühlen, um ein sauberes Verständinis für die Thematik bilden zu können.
Dass der Roman ausserdem noch Liebesgeschichte und Krimi beinhaltet, sorgt dafür, dass der Leser das Buch nicht so leicht aus der Hand legt.
Dieses Buch ist für alle zu empfehlen, die etwas anspruchsvolleres suchen als einen 'normalen' Krimi. Wer beim Lesen eines Romans auch gerne viel über diesen nachdenkt, wird die manchmal etwas verwirrende Erzählweise locker meistern.
Gerade Mittel- und Westeuropäer sollten dieses Buch lesen, da es die Situation, in der sich die Türkei befindet nur allzugut beschreibt.
Fazit: Ein Geniestreich!!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, historisch, aktuell und einzigartig, 21. September 2007
"Sie werden mich Mörder nennen", "Ich bin Seküre", "Ich bin Olive" ... so sind die Kapitel jeweils überschrieben. Dieser anfangs etwas gewöhnungsbedürftige, orientalische Erzählduktus setzt sich im Werk konsequent fort - und ich jedenfalls bin irgendwann richtiggehend süchtig danach geworden! Er gibt, wie der Zeitraum, in dem das Krimimeisterwerk spielt (9 Tage im Jahr 1691), dem Buch eine historische Dimension. Wir erfahren nicht nur Spannendes über die orientalische Buchmalerei dieser Zeit, sondern auch einiges über politische und soziale Verhältnisse - über die Stellung der Frau, der Juden, der Armen und der politischen Elite, über Ehrgefühl und Prügelstrafen. Man taucht damit in eine völlig fremde Welt ein - und trotz oder gerade wegen des dazupassenden Stils so intensiv, dass man sich irgendwann wie mittendrin befindet. Fast ist man geneigt das Kapitel "Sie werden mich Leser nennen" zu vermissen ... denn alle wichtigen Komponenten, aus denen die Story gestrickt ist, kommen zu Wort, der Mörder, das Opfer, die Verdächtigen, aber auch die Farben der Buchmaler und sogar ihre Bilder. Zugegeben, dass da ein gemalter Hund mit einem spricht, darauf muss man sich erst einmal einlassen ... aber es lohnt sich. Zwischen alten orientalischen Märchen, surrealistischen Elementen, einer Liebesgeschichte und einem Mord findet man sich mithilfe der klar strukturierten Kapitel gut zurecht, denn so viele Perspektiven die verschiedenen Kapitel auch bieten, jedes einzelne ist eindimensional auf eine Perspektive beschränkt. So wird die Vielschichtigkeit leichter verdaulich.
Die Vielschichtigkeit setzt sich aber auch noch in einem anderen Bereich fort: "Rot ist mein Name" ist nicht nur ein historischer Roman. Er besitzt aktuelle Brisanz, denn es geht um den Konflikt zwischen West und Ost. Nicht anders als heute fühlt sich der Orient des 17. Jahrhunderts durch den Westen bedroht. Die perspektivische Malerei schwappt auf den Osten über - ein Affront gegen den Islam, das Ende aller Buchmalertraditionen oder die Chance, Neues einfließen zu lassen? Mit viel Akribie schildert der Autor hier die Einflüsse vorangegangener Jahrhunderte - z.B.: persische -, die die Malerei stets bereicherten. Und doch ist ein Unterschied. Diesmal kommt der Einfluss quasi aus einer anderen Welt.
Der Krimi schließlich ist die dritte aufregende Komponente. Stirbt das Opfer nun, weil es gegen die neue Art zu malen ist oder weil es trotzdem an dem neuen Buch beteiligt ist? Hier tauchen wir in die Wlt religiöser Interpretationen, ja, auch des Fanatismus ein - auch ein brisantes Thema!
Der langen Schreibe kurzer Sinn: man muss sich für das Buch Zeit nehmen, um auch nur einen Teil der vielschichtigen Inhalte zu erfassen - aber es lohnt sich. Und: vielleicht nicht nur einmal lesen. "Rot ist mein Name" kann man ohne Langeweile befürchten zu müssen, immer wieder zur Hand nehmen!
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44 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Fans historischer Romane absolut empfehlenswert, 14. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Einfach schön. Orhan Pamuks Roman "Rot ist mein Name" spielt im Miniaturmalermilieu im Istanbul des ausgehenden 16. Jahrhunderts und ist tatsächlich, wie im Klappentext erwähnt wird, ein Krimi - es gibt immerhin zwei Tote, deren Mörder gesucht wird. Die Aufklärung der Morde ist aber nur eines der Themen diese sprachlich wunderschönen Romans (vielen Dank der Übersetzerin!). Daneben gibt es die Liebesgeschichte zwischen zwei der Protagonisten, Kara und Seküre und vor allem die Diskussion um die Miniaturmalerei an sich. Es geht um lokale Traditionen, Themen, Stil, perspektivische Darstellungen. Was soll warum als ideal, wünschenswert und gottgefällig gelten? Ausführlich werden diese Aspekte aus verschiedenen Perspektiven erörtert indem Pamuk dieselben Themen aus dem Blickwinkel der verschiedenen Protagonisten betrachtet.
Das Buch ist spannend, schon wegen der Sprache einfach schön zu lesen und lehrreich. Viel habe ich über Miniaturmalerei gelernt, aber auch über Sichtweisen von Kunst im Allgemeinen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ich, die Pferdenasenbohrerei, 22. September 2010
Von 
jury - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Früher gingen Literatur-Nobelpreise überwiegend an europäische Autoren. Dies wurde gerügt, und seitdem bemüht sich das Komitee um eine geografische Verteilung. Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass Übersetzungen des Türken Orhan Pamuk wie der vorliegende Roman "Rot ist mein Name" mit dem werbeträchtigen Aufkleber "Nobelpreis für Literatur 2006" in deutsche Buchhandlungen gelangen. Wer wegen eines solchen Stickers beispielsweise Ernst Blochs "Ontologie des noch nicht Seienden" gelesen hat, kann nachvollziehen, dass nicht jedermann mit solchermaßen geadelter Literatur optimal bedient ist.

Wären mir sonst die Vorteile der "eleganten und postmodernen Erzählhaltung" sowie der "Offenheit für Politik" (Hans-Peter Kunisch, Die Zeit) entgangen, und hätte ich auf die "Aufnahme in den Kosmos des europäischen Romans" (Christoph Bartmann, Süddeutsche Zeitung) gerne verzichtet?

Statt wie sonst üblich zwei bis drei Tage muss man diesem Buch fast zwei Monate widmen. Nun sitze ich mit frischen, blutroten Eindrücken hier und überlege, welchem Leser man die Lektüre eigentlich guten Gewissens empfehlen kann - Islamwissenschaftler und an dieser Region und Epoche interessierte Kunsthistoriker möchte ich mal ebenso außen vor lassen wie die Repräsentanten der gleichgeschalteten Leitmedien, deren einheitliche Meinung oft schon vor der Lektüre feststeht - falls eine solche überhaupt stattfindet, denn zwei Monate kann sich im hektischen Berufsleben wohl selten jemand aus der Agenda schnibbeln.

Für Ungläubige geht es vordergründig um eine simple Kriminalgeschichte im Istanbul des 16. Jahrhunderts, die weniger talentierte Schreiber leicht auf zwanzig Seiten ausgebreitet hätten: Der Buchmaler-Meister Fein Efendi wird erschlagen und in einen Brunnen geworfen. Sein Chef Oheim Efendi folgt ihm mittels eines schweren Tintenglases wenige Tage später nach. Achtung: rote Tinte, siehe auch den Titel! Beide hatten unter Geheimhaltung ein frevlerisches Buch in Arbeit: Ein Buch, dessen Bilder auf "fränkische" Art Menschen so darstellen, dass man sie wiedererkennen könnte. Mit einer solchen Beleidigung Allahs kommt natürlich ein gläubiger Künstler nicht zurecht. Lernen scheidet aus - da hilft nach muslimischer Art eben nur metzeln.

Der Illustrator Kara nutzt die Gelegenheit, mit Oheim Efendis Tochter, der verheirateten Seküre ("Sugar"), durch Toterklärung des abwesenden Gatten seinerseits den Bund der Ehe einzugehen. Die Justiz greift ein. Man gibt Kara und dem Malergroßmeister Osman Efendi drei Tage, den Mörder zu enttarnen, bevor man die Sache auf geregeltem Wege mittels Folter aufklären würde. Wer wissen möchte, wie es weiter geht, findet in der deutschen Wikipedia den vollständigen Plot. Hier sei nur soviel verraten: " B l e n d e n d ! "

Was erwartet uns auf den übrigen 530 Seiten? Der geballte Orient in seiner denkbar blumenreichsten Ausprägung, versteht sich! Der Leser erfährt äußerst weitschweifig so viel über Fabeln, Sagen und Anekdoten der Zeit, vor allem aber über jede einzelne Grafik, die dort und damals jemals erstellt worden sein mag, und natürlich über die Maler, deren Werkzeuge, ihre Lebenshaltung und ihre Entwicklung, wie man sich nur wünschen mag. Ich selbst hätte mir übrigens bei weitem weniger gewünscht - ohne weitere Spezial-Literatur sind der Großteil diese Ausführungen ohnedies auch für gebildete Normalverbraucher völlig unverständlich oder irrelevant. Aber vielleicht ist ja nicht jeder Ungläubige so genügsam. Eine Aufstellung der wichtigsten im Detail beschriebenen Bildbände findet man übrigens in der englischen Wikipedia - das Bild zum Ton. Über eine kleine Fachbibliothek sollte man schon verfügen, wenn man Orhan Pamuks wortreiche Ausflüge in alte osmanische Kultur verstehen möchte.

Eingangs stellte ich die Frage, für welchen normalen westlichen Leser dieses Buch interessant sein könnte. Ich könnte mir - mit Ironie - vorstellen, dass Menschen, denen ein Umberto Eco zu schnell und aktionsorientiert erzählt und vor allem viel zu wenig Detailbeschreibungen von allem und jedem liefert, mit Orhan Pamuk glücklicher werden könnten. Doch nichts kann dies besser klären als Leseproben. Ausnahmsweise werde ich daher bei diesem Buch zwei Passagen zitieren - die erste zu einer typischen Geschichtsbetrachtung:

"Dieses Buch wurde mit Allahs Hilfe in Herat von der Hand des Kalligraphen Soltan Veli, Sohn des Muzaffer von Herat, im Jahre achthundertneunundvierzig der Hedschra für Ismet-üd Dänya, die Ehefrau des siegreichen Mohammed Cüki, Bruder des Baysungur, des Beherrschers der Welt, vollendet." Danach war es in die Hände des Sutan Halil vom Weißen Hammel gelangt, dann in die seines Sohnes Fürst Yakup, von dort zu dem usbekischen Sultanen im Norden... (S. 421)

Wer beim Lesen Schwierigkeiten hat, sollte vor der Lektüre mit dem Mini-Türkischkurs am Anfang des Buchs beginnen und dann den osmanischen Geschichtsüberblick am Ende auswendig lernen. Das zweite Zitat verdeutlicht, wie in etwa Bilder beschrieben werden:

"...war es doch von jener Art, die ehrlose Illustratoren ohne weitere Bedenken gegen ein paar Goldstücke für die ungläubigen Reisenden aufs Papier werfen, damit jene den Genossen ihres Unglaubens beweisen können, wie grausam und herzlos wir sind, anstatt die Folter als eine notwendige, unter Aufsicht des Kadis angewandte Methode zur Erhaltung von Allahs Gerechtigkeit in der Welt zu akzeptieren. Dennoch schämte ich mich für die ekelhafte Lust, die der Illustrator beim Malen dieser Bilder von der Bastonade, der Kreuzigung, vom Aufhängen mit dem Kopf nach unten, vom Hängen am Haken, von der Pfählung, vom Abgefeuertwerden aus der Kanone, vom Nageln, Würgen, Durchschneiden der Gurgel, vom Verfüttertwerden an hungrige Hunde, vom Auspeitschen, vom In-den-Sack-gesteckt-, In-den-Schraubstock-gepresst-, Ins-kalte-Wasser-getaucht-Werden, vom Ausreißen der Haare, Brechen der Finger, Abziehen der Haut, Abschneiden der Nase und Ausstechen der Augen empfunden hatte, wie ich offen erkennen konnte." (S. 422)

Welche Bezüge zur heutigen Türkei kann man als Ungläubiger aus unzähligen Eruptionen dieses literarischen Mathmos herausinterpretieren? Es hat sich in den Köpfen der Menschen in dieser Region in den letzten 500 Jahren nicht allzu viel getan, wenn man von technischen Fortschritten bei der Folter absieht. Ansonsten bleibt es selbstverständlich bei der durch die Lektüre des Buchs überzeugend erkennbaren faktischen Unreformierbarkeit des Islam und seinen fatalen Auswirkungen auf das menschliche und kulturelle Miteinander: Es gibt nichts, was sich nicht bei gottesfürchtiger Anwendung der Regeln eines menschenverachtenden Glaubens als unausweichliche Notwendigkeit darstellen lässt. Anhänger dieses zerstörerischen Glaubens respektieren nichts, kein weltliches Gesetz, nicht die Familie, nicht die Freunde, nicht einmal sich selbst und keinen Schmerz - das Letzte, was sich je ereignen könnte, wäre ein Respekt vor anderen Kulturen und deren "Ungläubigen". Sollte es in der Absicht des Autors gelegen haben, etwas zur internationalen Integration beizutragen, hat er gerade durch die Öffnung des Verständnisses das Gegenteil erreicht. Insofern ist das Werk als Aufklärungsbuch durchaus wertvoll.

Ein Wort noch zur angeblich umgesetzten kulturellen Auseinandersetzung zwischen Ost und West anhand der Diskussion um die Übernahme "fränkischer" Maltechniken aus Venedig - es geht um "gotteslästerliche" simple Techniken wie Perspektive und Schatten: hier wird höchstens die Gradation zwischen "krank" und "völlig irrsinnig" behandelt und das auch noch penetrant in religiöse Sphären gehoben. Wie stets in dieser lernunfähigen Kultur hat das überlegene Fremde das ererbte Eigene entwertet und schließlich obsolet gemacht, ohne dass das Neue an Stelle des Alten treten konnte, weil die Verbohrtheit eine engagierte Übernahme verbot - dabei entsteht Hass, Hass gegen sich selbst und Hass gegen Ungläubige.

Andere auf der verzweifelten Suche nach Wert bezeichnen die ständigen Wechsel der Ich-Erzähler als kunstvoll. "Ich, das Pferd" oder "Rot ist mein Name" - da erzählt ein Pferd oder eine Farbe eben ein paar lange Seiten durch über Buchmalerei... Nun, im Allgemeinen wird diese Technik verwendet, um Tiefe zu gewinnen, Einblick in Charaktere oder auch, um dem Leser die Handlung besser verständlich zu machen. Hier allerdings handelt es sich um reinen Manierismus, um l'art pour l'art, ist also weniger "kunstvoll" als schlicht nur "künstlich". Wie seinen Meistern im Buch selbst gelingt es auch in der Realität dem Osmanen Orhan Pamuk nicht, "neue" Techniken der "Ungläubigen" überzeugend einzusetzen.

Als "plump" und "spekulativ" würde man - zumindest bei jedem deutschen Schaffenden - auch die deftigen Schweinigeleien und die bluttriefenden Gemetzel geißeln. Das Buch ist ohne Zweifel gewaltverherrlichend und pornografisch, auch die Wonnen der Päderastie und Pädophilie werden begeistert gepriesen.

Wer sich bis zur letzten Seite durchkämpft, wird mit einer träumerischen Schwerbeschädigtenfellatio und einer interessanten Aufdeckung von überraschenden Verwandtschaftsverhältnissen belohnt, die den Schluss nahelegen, dass man bei Pamuks schnell mehrere hundert Jahre alt wird. Das erklärt ja vielleicht den äußerst geschwätzigen Stil, der durchaus an Besuche bei einer mitteilungsbedürftigen alten Dame erinnert.

Beschlagenen Islamwissenschaftlern und an dieser Epoche interessierten Kunsthistorikern mag der Detailreichtum des Buchs ja eine wahre Freude sein, obwohl ich befürchte, dass auch diese für Laien meist völlig irrelevanten Informationen einer sachkundigen Prüfung nur unzureichend standhalten werden. Ob das Buch "normale" Leser ansprechen könnte, sollte jeder nach den obigen Ausführungen für sich abschätzen können.

print-jury 2* A0307 25.9.2010
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43 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Weltliteratur!!, 26. August 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Es wäre eine grosse Beleidigung für dieses Buch, wenn man es schlicht als einen historischen Kriminalroman abstempelt, da dieser Roman von Orhan Pamuk eines der wichtigsten, um nicht zu sagen DAS wichtigste, Problem der Türkei , darstellt: Osten oder Westen? Tradition oder Moderne? In diesem Roman wird die Kunst der Malerei verwendet, um auf dieses Thema einzugehen. Dass Orhan Pamauk bei diesem Buch eine Erzählweise gewählt hat, in der es insgesamt ca. 20 verschiedene Erzähler gibt, muss man einfach loben! Denn gerade bei so einem Thema ist es sehr passend die unterschiedlichsten Stimmen und Perspektiven zu betrachten und zu fühlen, um ein sauberes Verständinis für die Thematik zu bilden.
Dass der Roman ausserdem noch Liebesgeschichte und Krimi beinhaltet, sorgt dafür, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legt.
Dieses Buch ist für alle zu empfehlen, die etwas anspruchsvolleres suchen als einen 'normalen' Krimi.
Gerade viele Mittel- und Westeuropäer sollten dieses Buch lesen, da es die Situation, in der sich die Türkei befindet nur allzugut beschreibt.
Fazit: Ein Geniestreich!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbares Buch, 19. November 2008
Dieser Roman Orhan Pamuks ist kein Krimi im klassischen Sinne, auch wenn es zwei Tote gibt, deren Mord es aufzuklären gilt. Auch ist es kein historisches Buch, obwohl das Buch jede Menge "Historie" enthält. Was Orhan Pamuks Werk auszeichnet, ist die Tatsache, dass es von allem ein bißchen ist: Krimi, Historienroman, Liebesgeschichte, Sachbuch... alles miteinander verwoben zu einer reichen Geschichte wie aus 1001 Nacht.
Das Buch ist aufgrund der in ihm enthaltenen Geschichten, die neben dem eigentlichen Handlungsstrang erzählt werden, sicher nicht einfach zu lesen.
Doch wer etwas erfahren möchte über die Zeit Istanbuls im 16. Jahrhundert, das osmanische Reich und über die Miniaturmalerei in der damaligen Zeit, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
Interessant ist sicherlich der Konflikt zwischen der traditionellen Darstellungsweise der Miniaturmaler und der neueren westlichen Darstellungsweise, die Pamuk hier aufwirft. Ein Konflikt zwischen Tradition und Moderne.
Pamuks Sprache ist schön und bilderreich, die Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven macht die Geschichte noch spannender. Selbst Farben und Objekte bekommen in Pamuks Roman eine Stimme.
Für mich sicherlich eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Unbedingt empfehlenswert.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Kulturkrimi; für mich der osmanische "Name der Rose", 4. Dezember 2006
Von 
Hutter, Wolf-Dietrich (Berlin, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Orhan Pamuk ist es auf beiendruckende Weise gelungen eine spannende Kriminalgeschichte, einen Historienroman und eine Liebesgeschichte zu verbinden und seinen Roman dabei in der Welt der Hochkultur und der Bücher zu platzieren. Dabei verwebt er religiöse Motive in das Mordgeschehen und viele Anklänge erinnern an "Der Name der Rose" von Umberto Eco. Allerdings ist Pamuks Werk freier und weltlicher angelegt. Der Leser erfährt viel über den familiären Alltag in Istambul um 1500, die Wurzeln der alten osmanischen Kultur und die Erschütterungen, die sich durch die Öffnung des Landes nach Westen und nach Euopa ergeben. Man muss als Leser Aufmerksamkeit und Geduld für einzelne Abschnitte über die Malkunst mitbringen, aber die Umgestaltung der Sehweise einer ganzen Kultur wird dabei nachfühlbar. Geschickt spielt Pamuk mit wechselnden Charaktären, die er als Erzähler eine jeweils eigene Perspektive darstellen lässt und verleiht der Geschichte dadurch auch formal einen ernormen Reichtum der Perspektiven.
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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrhaft keine Strandlektüre..., 10. Oktober 2006
Von 
Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
...ist dieser lesenswerte Roman von Orhan Parmuk. Er ist nämlich schwierig zu lesen: unheimlich viele Details=ausschweifend; viele Personen; wechselnde Schauplätze; ein für den modernen Leser als Hauptmotiv schwierig zu begreifender Beruf (Buchmalerei) - und trotzdem fasziniert dieses Werk.

Wir befinden uns im Jahre 1591. Es geht um 2 Morde; es geht aber auch um den Zusammenstoß zweier Kulturen in Istanbul: Die der alten persischen Meister von Herat, die Bücher illustrieren und ornamentieren, und die der fränkischen Meister, die bereits die Perspektive verwenden und für die ein Porträt kein Tabu ist. Letztlich ist alles - und damit ist das Buch unheimlich modern - ein Kampf zwischen dem Alten und dem Neuen; ein Kampf zwischen Tradition und Moderne.

Lässt man sich auf das Buch ein, ist es faszinierend, diese Kriminal-, aber auch Liebesgeschichte bis zum Ende verfolgen zu können.

Dass Orhan Pamuk, einer der bekanntesten Schriftsteller der Türkei, diverse Literaturpreise erhalten hat, verwundert nach diesem Werk wirklich nicht.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rot ist mein Name und bunt ist der Roman, 2. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Die Geschichte spielt im Jahre 1591 in der Türkei und beginnt mit der Ermordung eines Vergolders. Der Krieger Kara, der nach zwölf Jahren in seine Geburtsstadt Istanbul zurückkehrt, versucht diesen Mord aufzuklären. Drei Illustratoren sind die Hauptverdächtigen, doch welcher hat den Mord begangen? Dazu kommt, dass Kara in die schöne Seküre verliebt ist, die Tochter seines Meisters, die immernoch auf ihren seit langem verschollenen Ehemann wartet. Und als Kara dann endlich das Glück hold zu sein scheint, geschieht ein zweiter Mord. Doch der Mörder handelt nicht aus niederen Beweggründen...es geht um so viel mehr. Ein wahrer Bilderstreit tobt im Osmanischen Reich und die Art der Malerei, die bis zu diesem Zeitpunkt strengen Regeln unterworfen war, droht von westlichen Einflüssen zerstört zu werden. Was darf man und was darf man nicht? Diese Frage stellt sich mehr als einmal im Roman.
Obwohl das Buch mit seinen über 550 Seiten und der oft äußerst poetischen Sprache und Ausdrucksweise Pamuks nicht unbedingt leicht zu lesen ist, lohnt es sich dennoch, sich auf dieses Werk einzulassen. Denn gerade diese Poesie in der Sprache trägt unmittelbar zur Schönheit dieses Romans bei. Zudem erfolgt eine Vermischung verschiedener Genres, denn dieses Buch ist Krimi, Liebesgeschichte, Bericht und Lehrbuch in einem. Besonders einfallsreich sind die Perspektivwechsel, dass heißt, das jede Figur das Geschehen aus ihrer Perspektive widergibt, was teilweise etwas gewöhnungsbedürftig ist, wenn es sich dabei um eine Münze oder einen gemalten Baum handelt. Aber es trägt eben auch zur Vielschichtigkeit dieses Romans bei und macht ihn zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wer sich für Malerei oder das Osmanische Reich interessiert, dem sei dieses Werk nur wärmstens empfohlen.
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erwartungen nicht erfüllt, 23. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Rot ist mein Name: Roman (Taschenbuch)
Zur Handlung: Der Roman spielt in Istanbul im Jahr 1591. Verschiedene Illustratoren sollen im Geheimen ein Buch illustrieren und dabei Stilelemente und malerische Traditionen der Venezianer übernehmen. Der Vorwurf der Gotteslästerung macht die Runde. Zudem geschehen zwei Morde, deren Aufklärung nur gelingen kann, wenn eine verschwundene Seite wieder gefunden wird. Von der Aufklärung des Mordes hängt außerdem noch eine Liebesgeschichte ab.

Beim Kauf erwartete ich einen gut recherchierten historischen Roman mit literarischem Anspruch. In mancherlei Hinsicht wurden die Erwartungen zu sehr erfüllt. Die Details sind vielfach verwirrend, vor allem wenn es um orientalische Legenden geht, die oft auch nur angedeutet werden. Seitenweise Abhandlungen über die Malstile des Westens und des Ostens sind ebenfalls zwar hochinteressant, zerstören aber die durch die Morde aufgebaute Spannung. Literarisch anspruchsvoll ist der ständige Perspektivenwechsel zwischen Haupt-, zahlreichen Nebenfiguren und sogar Gegenständen, die die Geschichte weiter erzählen. Das ist hervorragend geschrieben, allerdings stockt häufig auch die Handlung.

Wer sich aber mit verschiedenen kulturellen Traditionen von Orient und Okzident auseinander setzen möchte und genug Zeit hat, längere Passagen am Stück zu lesen, wird den Roman sicher mögen.
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Rot ist mein Name: Roman
Rot ist mein Name: Roman von Orhan Pamuk (Taschenbuch - 16. Oktober 2003)
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