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121 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine operative Theorie des freien Willens
In diesem Buch verfasst Bieri eine operative Theorie des freien Willens, eine gesellschaftlich-soziale Definition von Freiheit, also eine Definition, die im Leben und im Umgang mit anderen relevant ist.
Waehrend viele modernen Wissenschaften die These vertreten, der Mensch habe keinen freien Willen und sein Handeln entstehe aus einer unbewussten (und eventuell...
Veröffentlicht am 28. Juni 2005 von Dichtung&Kritik

versus
32 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gut geschrieben, aber...
Zugegeben, das Buch ist gut geschrieben: klare Sprache ohne unnötigen Jargon, klar strukturiert, sehr anschaulich, eine Fundgrube für sorgfältig analysierte Beispiele v.a. von unfreiem Handeln (aus Unbeherrschtheit, inneren Zwängen, Hörigkeit etc.). Inhaltlich finde ich es dennoch ziemlich enttäuschend, und zwar aus drei Gründen:...
Veröffentlicht am 21. Mai 2012 von Momos


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121 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine operative Theorie des freien Willens, 28. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
In diesem Buch verfasst Bieri eine operative Theorie des freien Willens, eine gesellschaftlich-soziale Definition von Freiheit, also eine Definition, die im Leben und im Umgang mit anderen relevant ist.
Waehrend viele modernen Wissenschaften die These vertreten, der Mensch habe keinen freien Willen und sein Handeln entstehe aus einer unbewussten (und eventuell prinzipiell unvorhersagbaren) Kombination aus Erziehung, Vererbung und Erfahrung, versucht Bieri hier, die menschliche Freiheit noch einmal anders zu definieren und dem Menschen dadurch die Freiheit zurueckzugeben.
Fuer ihn ist Freiheit definiert als: Die Summe der Moeglichkeiten, fuer die man sich entscheiden kann. Freiheit heisst fuer ihn: handeln. Je mehr Handlungsspielraum ein Mensch hat, desto mehr Freiheit hat er. Und nur, wer ueberhaupt handeln kann, ist frei.
In diesem gedanklichen Rahmen entwickelt er dann unter anderem den folgenden interessanten Gedanken:
Stellen wir uns einen Willen vor, der grenzenlos ist, ungebunden, frei. Dieser Wille wird sich NIE entscheiden koennen! Denn aus einer Fuelle moeglicher Dinge, die er tun koennte, kann er keine auswaehlen! Alle Dinge sind gleich interessant, alle gleich gut, und da der Wille grenzenlos ist, findet er keine Bewertungsgrenze, nichts, was ihm sagt, was er waehlen soll.
Deswegen ist dieser grenzenlose Wille gar nicht frei, so Bieri. Sondern ganz unfrei, weil er eben GAR nichts machen kann. Es sei denn, er entscheide sich spontan und zufaellig fuer eine der Moeglichkeiten, aber das waere ja keine wirkliche bewusste Freiheit.
Bieris Idee also lautet: Erst, wenn der Wille seine grenzenlose Pseudo-Freiheit aufgibt und persoenlich wird, sich also an einen Menschen bindet, der bestimmte Einschraenkungen hat, durch seine Physis und seine Erfahrungen, erst dann wird ein Wille ENTSCHEIDUNGSFAEHIG, erst DANN wird er frei und KANN sich ueberhaupt fuer etwas entscheiden (und eben DAS bedeutet fuer Bieri Freiheit, sich entscheiden zu koennen).
Man muss aber stets bedenken, dass Bieri hier ueberhaupt nur eine gesellschaftliche Definition von Freiheit formuliert. Wer eine streng wissenschaftliche, biologisch-physikalische Debatte sucht, der sollte sich lieber das Buch von Doerner zulegen, "Bauplan fuer eine Seele", das ich hier gerne empfehlen moechte. Denn auf Gedanken zur fundamentalen Determiniertheit der Menschlichen Entscheidung und auf die Debatte um die eventuelle Freiheit der Gedanken aufgrund von Quantenwahrscheinlichkeiten geht Bieri in seinem Buch nicht ein.
Dieses Buch ist also ein interessanter Neuansatz fuer eine Definition von Freiheit. Und man stellt sich am Ende die Frage: Suche ich eine "wahre", aber fuer das Leben vielleicht irrelevante Beantwortung der Frage, ob der Mensch frei ist... oder suche ich eigentlich vielmehr einen operativen Begriff von Freiheit, den wir im taeglichen Umgang und im gesellschaftlichen Miteinander verwenden koennen, der aber per se nicht fundamental ist?
Ich persoenlich empfand es als Bereicherung, Bieris Facette der Freiheit kennengelernt zu haben. In diesem Sinne: lesenswert.
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46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verständlich und spannend!, 21. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
Dies ist ein philosophisches Buch, und vom Inhalt her keineswegs anspruchslos. Trotzdem fand ich es durchgehend verständlich, durch die vielen Beispiele und Gedankenexperimente außerordentlich anschaulich und spannend wie ein Krimi! Der Leser lernt nicht nur etwas über das eigentliche Thema - Willensfreiheit - sondern nebenbei auch etwas über philosophisches Denken. Auch ich habe vor der Lektüre bei dem Begriff Willensfreiheit - ohne mir darüber ganz klar gewesen zu sein - an ein Element von Unbedingtheit/Beliebigkeit gedacht und Bieris Buch hat mich davon geheilt.
Der Titel "Handwerk der Freiheit" ist auch sehr schön, hier möchte ich allerdings etwas kritisch anmerken: Bieri's Überlegungen zur Praxis freier Entscheidungen sind nicht ganz auf dem neuesten Stand. Es gibt z. B. eine "Technik zur Selbsthilfe bei persönlichen Problemen" und auch Entscheidungsfindung namens "Focusing" von Eugene T. Gendlin, die m. E. hier in verschiedener Hinsicht besser ist als Bieri's Anregungen zu diesem Aspekt (nebenbei bemerkt: Gendlin hat auch eine Philosophie entwickelt, die Bieris Gedanken in vieler Hinsicht ergänzen könnte) - Bücher dazu gibt es auch bei Amazon. Dennoch von mir für Bieris Buch wegen der anfangs genannten Qualitäten auf jeden Fall 5 Sterne. Sehr empfehlenswert!
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113 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Freiheit als geistiges Abenteuer, 19. September 2001
Von Ein Kunde
Ein faszinierndes Buch!
Peter Bieri verwickelt den Leser in einen verführerischen Diskurs. Er nimmt den Leser an die Hand und führt ihn Schritt für Schritt von Argument zu Argument, in seine Sichtweise von Willen und Freiheit hinein. Dabei lässt er den Leser keineswegs unmündig im Schlepptau folgen, sondern gibt ihm immer wieder Möglichkeit, sich selbst in den Argumenten und Geschichten wieder zu finden. Der Leser ist immer gleichzeitig mitten drin und ausserhalb des Argumentationsgeschehens.
Keimt im Leser ein Gegenargument zwangsläufig auf und schürt es in ihm den wie er meint berechtigten Widerspruch, so muss dieser bald feststellen, dass seine vermeintlich aufgedeckten Argumentationslücken im nächsten Schritt geschlossen werden.
Der Autor belässt es aber nicht bei einer Reise entlang des Argumentationsstranges, was wir uns -nach seiner Überzeugung - unter Willen und seinem Bezug zur Freiheit vorzustellen haben. Er geht einen mutigen Schritt weiter. Er stellt die Beziehung seiner Theorie zu Moral und dem individuellen Lebensvollzug her, ohne dabei ins Sektiererische zu verfallen.
Insgesamt ein spannendes Buch, das durch seine Leichtigkeit, ohne auf Tiefe zu verzichten, aus dem Rahmen philosophischer Werke fällt.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Labyrinth und Ariadnefaden im Wechselspiel, 3. Juli 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
Sie sind ein freier Mensch! Sie entscheiden, ob Sie diese Rezension lesen und sich auf eines der bemerkenswertesten Themen der Philosophie einlassen. Sie werden einen brillanten Bieri erleben.

"Frei ist, was nur den Gesetzen seines eigenen Wesens gemäß handelt und von nichts anderem weder in noch außer ihm bestimmt ist" (Schelling) Weder solche Art von Herleitung noch die Fragen des Determinismus im Widerspruch zur Freiheit sind Bieri wichtig. Er leitet sein Bestreben einzig aus der Fülle der Gedanken über die Jahrtausende ab, mit dem Wissen, nichts Neues bringen zu können außer genau die Transparenz, die dem Leser ein gesellschaftliches Verständnis von Freiheit und Willen ermöglicht. Er möchte zu einer begründeten Entscheidung kommen in einer verwirrenden Sache. Eloquent und eben bestens verständlich leitet er die aus den Begriffen und Schriften von Platon, Aristoteles, über Kant, Fichte, Schelling, Wittgenstein und den anderen Freiheitsphilosophen und -dichtern gewonnene Erkenntnisse in ein flüssiges Leseerlebnis, weil er auf Fußnoten und sonstige Literaturverweise im Text verzichtet. Lassen Sie sich also entspannt in ein Labyrinth der philosophischen Verwirrung führen, bedenken Sie mit Bieri die Möglichkeiten und die Gründe weiterer Wege, um am Ende zu wissen, was Erkenntnis und Entscheidung ist und mit welchen rationalen Mitteln Sie zur angeeigneten Handlungsfreiheit kommen, die aus dem gedanklichen Irrgarten hinausführt. Er spielt gelassen mit Labyrinth und Ariadnefaden zur selben Zeit.

Verständlichkeit als Prämisse legt nahe, Beispiele (z. B. der Literatur) zu verwenden, da hier jeder den Zugriff und eine Vorstellung gewinnen kann. Dostojewski zeigt in "Verbrechen und Strafe" (Schuld und Sühne) die Hintergründe eines Mordes und reibt sich an der Frage, ob Schuld vorliegt, wenn nicht selbst gewählte Bedingungen diesem Vorschub leisten. So erreicht Bieri schnell den Kontext, in dem "Freiheit von" und "Freiheit zu" diskutiert und beleuchtet werden. Freiheit, die zu Handlungen führt, zur Verantwortung der Handlung und zu bedachten Möglichkeiten zukünftiger Art oder rückwirkender Reflexion zur Klärung der Schuldfähigkeit und Verantwortung. Aufgezeigt wird somit der Spielraum von Möglichkeiten, der von inneren Motiven (aktuelles Außen, gespeicherte Erfahrung, Herkunft) beeinflusst wird. Dostojewskis Roman ist die Schnur, Raskolnikov die Figur, an der Bieri jede Idee, jeden Gedanken in seiner Verzwirbelung entdeckt.

Wunsch, Wille, Handlung - real oder in der Phantasie grenzt er ab. Er spürt den Voraussetzungen nach wie Fähigkeit, Mittel oder Gelegenheit; er klärt die Wege zur Entscheidung auf Grund der Voraussetzungen, die zu Handlungen führen, sei es widerwillig oder willenlos. Nur dort wo Wille ist, ist Urheberschaft, ist Ich. Dort ist Entscheidung, diese wiederum bezeugt die Urheberschaft des eigenen Willens. Das gilt ebenso in der Spekulation: "Ich könnte auch anders wollen", denn nur in dieser Überlegung bekräftigt man das erste, Wille ist nicht beliebig und die Freiheit des Willens damit sinnvoll gebunden, nämlich in der Folge des Urteils über das Richtige. Da wo eigene Entscheidung ist, ist eigener Wille, wo Manipulation die Entscheidung scheinbar als eigene girlandet, wird man in der Nachträglichkeit des Überlegens zum "Lakai eines fremden Gedankens", wie Dostojewski es treffend formulierte. Und doch sind wir Menschen aus dem Kontext der Kernfamilie gebunden an Regeln und Vorstellungen, an Gedanken und moralischen Werten. Diese Familie ist wie eine "sanfte Sekte", deren Gedankengut wir in Übereinstimmung oder in kritischer Distanz überblicken und vielleicht in einigen Provinzen des Denkens zur Freiheit verhelfen. Ganz sicher jedoch gelingt dieses nicht, wenn der Wille ein erzwungener ist.

Bieris Brillanz ist sehr einfach und damit umso bemerkenswerter: er lockt nicht gleich mit bündigen Thesen, sein Buch gleicht vielmehr einem Übungsbuch. Der Meister führt Regie und damit das Denken in die unterschiedlichen (Sack-)Gassen des Irrgartens, in denen uns die verschiedenen, nicht selten überraschend andersgearteten Intuitionen der Freiheit entgegenkommen. Bieri bemüht die sokratesschen Methoden des Dreischritts zur Auflösung. (1) Widerspruch erzeugt er in der Idee der "bedingten Freiheit". Dass "frei" und "bedingt" nicht zusammen passen, scheint so offensichtlich, dass sein Bemühen höchste Aufmerksamkeit des Lesers bekommt; und man erkennt, dass gerade die Freiheit des Willens ihre Bedingtheit verlangt. (2) So folgt er Sokrates zweiter Methode, in der der Beweis an seinem Widerspruch erhärtet werden muss. Die Idee einer "unbedingten Freiheit" kann, wie Bieri scharfsinnig dekonstruiert, nur unbeherrschbar, rätselhaft oder verrückt sein. Da wo alles "unbedingt" ist, wird keine Entscheidung möglich, die Frage Warum? gälte als Unverschämtheit, der Wille stürbe im Dilemma zwischen allem Gleichwertigen wie Buridans Esel. Die Unbedingtheit löscht ihn als Wille aus. (3) Die dritte Rede bringt die Synthese in der Idee einer "angeeigneten Freiheit". Aneignen ist eine Tätigkeit, sie macht etwas persönlich. Damit muss persönliche Willensfreiheit mit Engagement erkämpft werden im Strom des Lebens, zwischen seinen Widerständen, Hemmnissen und Passagen. Sie kann kommen und gehen, erreicht werden und wieder verloren gehen. Spätestens hier steht fest, dass Bieri dem Determinismus mikrophysikalische Unbedeutendheit zumisst. Das "Handwerk der Freiheit" so betrachtet lässt vermuten, dass Sie alles bekommen, was sich zu wünschen lohnt. Wünschen Sie sich dieses Buch. Diese Lese-Erfahrung formt ihr Selbstbild, genau wie Bieri selbst die Philosophie einstuft.

Peter Bieri, (1944 -) aus Bern, ist Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Unter dem Alter Ego Pascal Mercier erschienen der bekannteste Roman "Nachtzug nach Lissabon" und der aktuelle "Lea".
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52 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verständigungs- und Entwicklungshelfer für Leute um 40, 10. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
Peter Bieri schafft etwas einzigartiges. Er stellt ein Kochbuch für die Entwicklung von Freiheitsempfinden und das Packen von Lebenschancen zusammen. Wie macht er das? Indem er den eigenen Willen und die Freiheiten ständig wieder neu in Frage stellt, und sie damit die Begriffe Stück um Stück ergänzt und schärft und die eigenen Erfahrungen einordnen lässt.

Nach dem ersten Block meint er selber, man könnte jetzt eigentlich aufhören, wenn man Wunsch, Wille, Entscheidung, Phantasie, Freihet usw. verstanden hat und die Unfreien, den Zögerer, den Getriebenen, den Hörigen, den Mitläufer nur genug bemitleidet hat.

Aber er nimmt uns weiter auf die Reise, indem er schwierige Fragen wie Ohnmacht, innere und äussere Faktoren, die Befreiung von Zwängen und die Frage nach Bedingtheit etc. stellt.

Er spricht uns dabei direkt an, versetzt uns in Situationen eines Flüchtlings, eines Straftäters, eines Bankkassiers mit der Pistole am Kopf, eines Paares auf gedankenlosem Stadtrundgang.

Klasse. Am Ende hilft es mehrfach. Ich schreibe meine eigenen Gedanken und Begriffe besser an, mache meinem Umfeld klar, ob ich gerade auf Willenssuche bin oder schon richtiggehend einen Plan in aller (bedingter) Freiheit umsetze!

Lesenswert, braucht jedoch etwas Ausdauer und vielleicht auch ein Blatt Papier für ein paar Skizzen von Begriffen und Zusammenhängen. Stoff für Leute im Umbruch. Frauen und Männer um 40!
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54 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen philosophische Lebenshilfe, 19. Oktober 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
Was will ich eigentlich? Was sind meine Spielräume? Was bildet überhaupt die Basis für meine Entscheidungen? Habe ich überhaupt die Freiheit Entscheidungen zu treffen? Wo ist meine Freiheit eingeschränkt?

Wer sich solche Fragen stellt, und keine Scheu hat Dingen einmal theoretisch wirklich tief auf den Grund zu gehen, ist bei diesem Buch genau richtig. Bieri schafft es Philosophie lebensnah und ohne "Fachchinesich" auf den Punkt zu bringen. Mit scharfem Blick und einer klaren, einfachen Sprache, führt er vor Augen, was Freiheit bedeuten kann. Dies gelingt ihm über vielfältige Ansätze. Der Leser wird mitgenommen auf eine gedankliche Reise, bei der an viele eigene Erfahrungen anknüpfen kann. Begriffe, die alltäglich erscheinen, werden unter die Lupe genommen und auf den Kern des Erlebens hin untersucht. Ebenso finden sich zahlreiche Beispiele für Unfreiheit, und mit ein wenig Humor ausgestattet, kann man sich da an so einigen Punkten wiederentdecken.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, welche man grob als These, Antithese und Synthese bezeichnen könnte. Die Vorstellung von Freiheit, welche im ersten Teil propagiert wird, wird im zweiten zunächst gründlich über den Haufen geworfen (was durchaus verwirrend aber beabsichtigt ist, man hat das Gefühl man kann beidem zustimmen, und das mit Recht...). Im dritten Teil werden beide Vorstellungen zusammengeführt und der Leser wird ein Stück weit am Schopfe gepackt: Freiheit ist Arbeit. Es ist nicht (nur) die Frage, ob es sie grundsätzlich gibt, sondern es ist vor allem eine Frage ob man sich sie erarbeitet. Darüber Klarheit zu verschaffen und ebenso einen Weg dahin aufzuzeigen, darin liegt für mich ein großer Verdienst dieses Buches.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine schöne Leseerfahrung, die zum Nachdenken und anwenden anregt, 23. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
In dem Buch werden viele Aspekte des Freiheitsproblems sehr verständlich und mit Hilfe von griffigen Beispielen erläutert. Der Aufbau ist klar und verständlich. Trotz der Klarheit ist das Buch niemals langweilig, ich kann dem Buchrückentext "spannend wie ein Roman" durchaus zustimmen. Desweiteren wird immer ein Bezug zu der eigenen Erfahrung und dem eigenen Leben gezogen, sodass man "Handwerk" wörtlich auch als Ratgeber verstehen kann.
Auch auf Methoden und Denkweisen der Philosophie geht das Buch ein, sodass es für jeden, der ein wenig Interesse für das Thema oder die Philosophie mitbringt, sehr zu empfehlen ist. Man darf natürlich keine wissenschaftliche Abhandlung erwarten, auf den Verweis auf Werke der Philosophiegeschichte wird absichtlich verzichtet und das ist auch gut so. Am Ende wir allerdings auf einige Quellen, deren Ideen im Buch aufgenommen werden, ausgewiesen.

Das Buch geht aber meiner Meinung nach zu wenig auf die aktuelle Frage vom Verhältnis Hirnforschung und Freiheit ein. Dieser Bezug fehlte mir, deswegen nur 4 Sterne.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fragen an unseren Willen stellen, 29. Juni 2013
Von 
Carla - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
Gerade habe ich das „Handwerk der Freiheit“ zur Seite gelegt. Jetzt heißt es erst einmal durchatmen. Das Buch war für mich eine Herausforderung. Einerseits gab es viel nachzudenken, andererseits haben mich die Ausführungen durch alle erdenklichen Gefühlslagen gejagt, sodass ich jetzt regelrecht erschöpft bin. Ich will beschreiben, wie es mir mit dem Buch erging:

Nachdem ich mich durch die ersten Begriffsdefinitionen gearbeitet hatte, war ich den darauffolgenden literarischen Beschreibungen regelrecht verfallen. Ich empfand das Lesen wie einen Rausch. Die Personen und ihre Lebenssituationen, die Bieri vorstellte, um seine Argumentation aufzubauen, gingen mir unter die Haut. Ich konnte ihre Reaktionsweisen nicht nur nachvollziehen, sondern fand mich in vielen Denk- und Handlungsweisen wieder. Wie packend verstand es Bieri etwa die Erfahrungen der Unfreiheit darzustellen. War ich es nicht selbst, die da getrieben, scheinbar ohne Urteilsvermögen durch die Welt lief und gerade nur nach dem griff, was ihr das Leben gerade bot? Kannte ich zwanghafte Gedanken und den zwanghaften Willen nicht zu gut, der mich immer wieder Dinge tun ließ, die ich nicht wünschte, die ich ablehnte und doch nicht unterlassen konnte? Dieses Gefühl, da sei etwas in mir, was mich dazu drängte, so zu handeln? Nein, es ist keine andere Instanz vorhanden, klärte Bieri mich auf. Es war mein eigener Wille, der mich trieb. Ich war selbst für diese Handlungs- und Vorgehensweisen verantwortlich. Kannte ich mich nicht auch als Erpresste? Mir kamen Situationen in den Sinn, in denen ich mich aufgrund äußerer Gegebenheiten gezwungen fühlte, Handlungen auszuführen, die ich nicht richtig fand oder Tätigkeiten nachzugehen, die mir nicht lagen. Das Thema Unfreiheit stellte Bieri überwältigend dar. Es bewegte mich mehr als mir lieb war. Trotz all dieser Abhängigkeiten und Zwänge sollte es eine Freiheit geben? Und diese Freiheit ließe sich, wenn auch in mühevollen Prozessen, erarbeiten? Bieri machte mich neugierig.

So wollte ich den zweiten Teil des Buches, in dem es um die die unbedingte Freiheit gehen sollte, gleich überspringen, denn an eine grenzenlose, von Bedingungen unabhängige Freiheit glaubte ich nicht. Und doch machte mir Bieri den Mund wässrig. Hatte ich doch etwas übersehen? Gab es vielleicht doch eine Blickrichtung, die mehr möglich machte, als mir denkbar erschien? Gab es nicht doch etwas Absolutes, Unabhängiges und Eigenständiges in mir, was sich mit Freiheit umschreiben ließ? Mit Spannung las ich weiter. Und Bieri ließ mich gekonnt ins Leere laufen. Er wies nämlich im nächsten Gedankengang nach, dass das was mir gerade noch so verlockend vorkam, doch nicht existieren könne. Soweit war das Lesen ein wirklich atemberaubender Genuss. Nun erklärte Bieri, dass es in der Philosophie jedoch nicht in erster Linie darum ginge, etwas zu beweisen, sondern darum, die Denkfehler aufzudecken, die zu anderen Schlussfolgerungen führten. So fing er an, die Sachverhalte zu drehen und zu wenden, zu diskutieren und zu überprüfen. Es war für mich sehr interessant, zu verfolgen, wie es möglich ist, ein und denselben Sachverhalt immer wieder von einer anderen Seite zu beleuchten und dadurch immer tiefer in die Materie einzudringen. Ich verstand im Großen und Ganzen auch, worauf Bieri jeweils hinauswollte. Doch gelang es mir als philosophisch nicht vorgebildete Leserin leider nicht, alle Argumente bis ins Detail nachzuvollziehen. Trotz eingebundener fiktiver Dialoge, mit denen Bieri die Argumente verlebendigen wollte, war die Darstellung für mich zu abstrakt. Ich empfand sie an dieser Stelle als stark kopflastig und vermisste den erzählerischen Schwung de s Anfangs.

Umso glücklicher war ich, als ich mit dem dritten Teil des Buches beginnen konnte und in Erfahrung bringen durfte, wie ich mir als Getriebene, Zwanghafte oder Erpresste trotz meines fehlgeleiteten Willens Freiheit erarbeiten konnte. Klipp und klar erklärt Bieri, wie wir uns durch gezieltes Nachdenken selbst helfen können. Es muss darum gehen, zu artikulieren, was wir wollen. Schreiben hält er dabei für eine sehr gute Möglichkeit, den Wünschen und dem tiefer liegenden, zu uns gehörigen Willen auf die Spur zu kommen. Er rät uns, Fragen an unseren Willen zu stellen, ihn genauso intensiv einzukreisen, wie er es uns mit dem Thema Freiheit vorgemacht hat. Auf diese Weise können wir zu einem tieferen Verständnis unseres Wollens vordringen. Indem wir uns dem Willen annähern, ihn kennenlernen, einordnen und bewerten, können wir ihn schließlich auch mit unserem Selbstbild in Übereinstimmung bringen, sei es, indem wir den Willen verändern oder unser Selbstbild anpassen. Der Wille wie auch das Selbst sind laut Bieri nichts unveränderliches, sondern im Strom des Lebens befindlich. Eben deshalb wird Freiheit entstehen, aber auch wieder vergehen. Stets von neuem müssen wir um sie ringen und sie uns aneignen. Abschließend macht Bieri auf zwei interessante Formen der Freiheit, bzw. Unfreiheit aufmerksam. Er schreibt über Leidenschaft und über Kitsch. Ein leidenschaftlicher Mensch, der sich seinem Willen hingibt und dabei in der Gegenwart aufgeht, ist laut Bieri ein freier Mensch. Diese Form der Freiheit kann konstant und lebensbegleitend sein. Kitschig ist ein Wille dagegen, wenn er Konventionen folgt. Eigensinn, so Bieris Conclusio, Eigenwilligkeit, die uns von anderen unterscheidet und uns zu einem selbständig handelnden Menschen macht, ist das, wonach wir streben sollten. Die Anstrengung des bewussten Nachdenkens sollten wir nicht scheuen.

Das Buch war für mich hochinteressant. Ich bin glücklich, im Moment die Zeit zu haben, mich mit derart anspruchsvollen Texten auseinanderzusetzen, sie wirken zu lassen und sie auch nachzuarbeiten. Was will ich wirklich? Was ist mir im Leben wichtig? Passt das, was ich die ganze Zeit tue eigentlich zu mir? Sind das nicht entscheidende Fragen? Na klar, denken wir. Aber können wir sie aus dem Stehgreif beantworten? Wir stehen erst einmal ratlos da. Doch Bieri lehrt uns anhand lebendig erzählter Szenen das Nachdenken. Und der Gewinn ist nicht zu übertreffen. Wir gewinnen unsere Freiheit.
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32 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gut geschrieben, aber..., 21. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens (Taschenbuch)
Zugegeben, das Buch ist gut geschrieben: klare Sprache ohne unnötigen Jargon, klar strukturiert, sehr anschaulich, eine Fundgrube für sorgfältig analysierte Beispiele v.a. von unfreiem Handeln (aus Unbeherrschtheit, inneren Zwängen, Hörigkeit etc.). Inhaltlich finde ich es dennoch ziemlich enttäuschend, und zwar aus drei Gründen:

1. Bieri tritt an mit dem Gestus "Ich fange ganz von vorne an und mache alles neu". (Vgl. Vorwort: "Nachdem ich eine Unzahl von Texten über Willensfreiheit gelesen hatte, schob ich sie eines Tages alle beiseite..."). Was er vertritt, ist aber in keinster Weise originell, sondern die Auffassung, die unter Philosophen gerade hoch in Mode ist: der Kompatibilismus. Demnach kann eine Handlung zugleich determiniert und frei sein. (Ärgerlich finde ich, dass Bieri Begriffe wie "Kompatibilismus" und "Determinismus" meidet und so die Einordnung seiner Position in die aktuelle Debatte erschwert.) Freiheit heißt demnach nicht die Abwesenheit von Bedingungen. Frei handeln wir, wenn wir auf die richtige Weise bedingt sind, nämlich durch unser Urteilen und durch das, was wir eigentlich wollen.

Aber: Der Kompatibilismus verkennt, dass zu unserer alltäglichen und rechtsstaatlichen Auffassung von freien Entscheidungen und Handlungen wesentlich dazugehört, dass wir unter gegebenen Bedingungen auch anders hätten entscheiden und handeln können, wir also nicht determiniert sein können, wenn wir frei sind. Natürlich stellt sich die Frage, ob wir denn nun tatsächlich determiniert sind oder nicht, aber diese Frage wird von Bieri komplett übergangen, er setzt die Wahrheit des Determinismus (er redet nur von empirischer Bedingtheit) einfach voraus. Er hätte aber wie jeder Kompatibilist hier die Beweislast, da der Kompatibilist die landläufige Auffassung von Freiheit als So-oder-anders-Können in Zweifel zieht. (Zu dieser Kritik und dazu, dass der Determinismus alles andere als selbstverständlich ist, vergleiche das wunderbare Büchlein "Willensfreiheit und Determinismus" von Geert Keil.)

2. Wenn man über Willensfreiheit redet, kommt man nicht umhin, einen Begriff wie "Wunsch" zu verwendet. Hierbei handelt es sich um etwas Mentales. Ein Wille ist ein Wunsch, der handlungswirksam wird, d.h. etwas Mentales tritt in kausale Beziehung zu etwas Somatisch-Empirischem, etwa einer Körperbewegung. Bieri merkt nun selbst an, dass Mentales durch seinen "Gehalt" oder "Inhalt" gekennzeichnet ist, und stellt die Frage: "Wie verhalten sich die inhaltlichen Beziehungen zwischen Wünschen zu den kausalen Beziehungen, in denen sie als natürliche Phänomene stehen?" (S.436) Auch diese Frage, die das Leib-Seele-Problem betrifft, wird von Bieri komplett übergangen, vielleicht aus dem Bewusstsein, dass bisher alle Versuche, mentalen Gehalt zu "naturalisieren", d.h. ihn als natürliches Phänomen rein empirisch-kausal zu beschreiben, jämmerlich gescheitert sind.

Diese Vernachlässigung des Problems, wie sich Empirisch-Somatisches und Nichtempirisch-Mentales zueinander verhalten, rächt sich, wenn man betrachtet, wie Bieri mit seinem Hauptgegner umgeht, nämlich dem Vertreter der Auffassung, Freiheit müsse "unbedingt" sein. R.Chisholm etwa hatte vertreten, der freie Wille sei durch nichts bedingt, er sei ein "unbewegter Beweger." Diese Position wird von Bieri ausführlich ins Lächerliche gezogen. Der Grund ist: Bieri kennt nur die Alternative "entweder empirisch bedingt und determiniert, oder komplett unbedingt, mithin rein zufällig". Und dass wir frei sind, könne ja doch wohl nicht bedeuten, dass unsere Entscheidungen und Handlungen reine Zufallsprodukte sind.

Möglicherweise ist dies aber gar keine erschöpfende Alternative. Schon Platon erwägt im "Phaidros", die Seele, d.h. Mentales, könnte ein Fall von "Selbst-Bewegung", d.h. in irgendeinem Sinn ein Fall von "Sich-selbst-Bedingen" sein. Empiristen werden natürlich aufschreien: "Das gibt es nicht, kann/darf es nicht geben!" Wie unglaublich dogmatisch das ist, sieht man, wenn man sich einmal auf eine Theorie einlässt, die das Mentale konsequent als Fall von "Selbst-Verwirklichung" und damit auch "Selbst-Verursachung" und "Sich-selbst-Bedingen" auffasst. Ich kann hier nur wärmstens empfehlen: Gerold Prauss, Die Welt und wir, 2Bde., 1990ff., eine wahrlich unzeitgemäße, aber ungeheuer lohnende Lektüre. Freies Wollen und Handeln ist demnach weder empirisch bedingt oder gar determiniert, noch unbedingt oder zufällig, sondern in einem erklärbaren Sinn "selbst-bedingt" oder (auf Griechisch) "auto-nom".

3. Schon bei Kant hat "Freiheit als Autonomie" eine wesentliche Rolle gespielt. Mein dritter Vorwurf an Bieri ist, dass er die philosophische Tradition, und gerade etwa Kant, fast komplett ignoriert. Bei einem so zentralen Thema wie der Willensfreiheit ausschließlich auf die Tradition der analytischen Philosophie der letzten paar Jahrzehnte zurückzugreifen, grenzt schon fast an Arroganz. So wird man in dieser so wichtigen Frage, die so sehr unser Selbstverständnis betrifft, nicht weiterkommen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Reise in den eigenen Kopf, 14. Dezember 2009
Peter Bieri hat mit "das Handwerk der Freiheit" ein Buch geschrieben, das viel Beifall verdient, dem Leser aber auch einiges abverlangt. Es geht um das alte Problem der Willensfreiheit. Bieri geht es sehr gründlich, gleichzeitig jedoch sehr anschaulich an. Er verzichtet völlig auf Nennung von philosophischen Strömungen, Namen, Theorien, Untertheorien etc. Für ihn zählt die direkte Kommunikation mit dem Leser, den er mit einer sehr klaren und einfachen Sprache auf eine Reise in den eigenen Kopf nimmt. Mit ihm stellt man sich viele Fragen, wichtige Fragen, die einem sonst nicht in den Sinn kämen - Wie entscheidet man sich eigentlich? Wann kommt der Schritt von "Überlegen" zum "Entschluss", falls es solche Phänomene überhaupt gibt? Bieri bleibt dabei auf der rein gedanklichen Ebene, Erkenntnisse aus der modernen Naturwissenschaft zu neurochemischen Prozessen im Gehirn, die in der letzten Zeit sehr "in Mode" gekommen sind, klammert er völlig aus. Wer dieses Thema sucht, sollte eher zu Gerhard Roth greifen. Ein Kapitel widmet er auch der Frage nach dem Für und Wider der strafrechtlichen Verantwortlichkeit unter der Prämisse, dass der Täter sich gar nicht anders hätte entscheiden können. Der dazu erdachte Dialog zwischen Dostojewskis Rodion Raskolnikov und einem Strafrichter ist sehr aufschlussreich.

Das Buch ist sehr gründlich, und ab und an hatte ich als Laie das Gefühl, dass solche eine Gründlichkeit nicht immer notwendig war. Jedoch wird man, wenn man die notwendige Geduld aufbringt, am Ende immer belohnt. Nach der Lektüre kann jeder - und da sei nicht zuviel verraten - mit Sinn und Verständnis proklamieren "Meine Entscheidungen sind bedingt - und trotzdem (oder gerade deswegen) bin ich frei!". Wem das widersprüchlich erscheint, sollte dieses Buch lesen.
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Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens
Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens von Peter Bieri (Taschenbuch - 21. August 2003)
EUR 13,95
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