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36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Versprechen des Titels wird nicht ganz eingelöst
"Held" dieses Romans, wie er von seinem jungen Reiseführer Alex zunächst
abschätzig, dann liebevoll genannt wird, ist der Autor selbst, Foer,
amerikanischer Jude mit Wurzeln in der Ukraine. Die Suche nach diesen
Wurzeln hat tatsächlich stattgefunden und wird in diesem Buch auf sehr
eigenartige Weise literarisch aufbereitet.
In...
Veröffentlicht am 15. Juli 2003 von Thomas Liehr

versus
28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erleuchtung leider nicht garantiert
Aus drei formell und sprachlich getrennten Perspektiven schildert Foer in seinem hochgelobten Debut die - fiktive - Geschichte eines jüdischen Schtetls in der Ukraine sowie seine von zwei ukrainischen Reiseführern begleitete Suche nach diesem Ort und dem Menschen, der seinen Großvater vor dem Holocaust gerettet hat. Während der Reise kommen die3 sich...
Veröffentlicht am 6. März 2008 von hartmutw


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36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Versprechen des Titels wird nicht ganz eingelöst, 15. Juli 2003
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Held" dieses Romans, wie er von seinem jungen Reiseführer Alex zunächst
abschätzig, dann liebevoll genannt wird, ist der Autor selbst, Foer,
amerikanischer Jude mit Wurzeln in der Ukraine. Die Suche nach diesen
Wurzeln hat tatsächlich stattgefunden und wird in diesem Buch auf sehr
eigenartige Weise literarisch aufbereitet.
In Begleitung von Alex, dessen Großvater und einem permanent furzenden
Hund namens Sammy Davis jr. jr. begibt sich der "Held" auf eine Odyssee
durch die Ukraine, seine stoppeligen Felder, die zementenen Städte, die
verwaisten Dörfer, von denen die meisten im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden
gleichgemacht wurden.
Das Buch beschreibt in einem Handlungsstrang, den Alex erst in schwachem
Englisch (in der Übersetzung natürlich in Deutsch), durchsetzt von vielen
liebevollen Fehlern und falsch eingesetzten Idiomen, später stilsicherer
und prägnanter erzählt, von der seltsamen Fahrt der drei, die erst wenig
miteinander anfangen können und sich nach und nach schätzen lernen, ihren
Begegnungen, den kleinen Widrigkeiten, mit denen in diesem etwas
abseitigen Land während einer Zwischenzeit gerechnet werden muß. So nimmt
ein überaus komischer Dialog mit einer Kellnerin, der leider - wie viele
Stellen des Buches - ein wenig in den Slapstick abgleitet, fast zwei
Seiten ein - niemand in der Ukraine begreift, was ein Vegetarier ist, und
warum.
Der zweite Handlungsstrang erzählt aus "Heldensicht" die fiktive
Geschichte des halbjüdischen "Schtetls" Trachimbrod, des Örtchens, der
vermeintlich der Ursprung von Foers Familie ist. Diese überbordende, fast
märchenhafte, leider aber auch oft deutlich überzogene Historie bietet
viele amüsante, herzliche, ergreifende und dramatische Episoden,
präsentiert seine skurillen Bewohner und ihre "urjüdischen" Schrullen,
hauptsächlich die schöne, von allen geliebte, aber zur Liebe unfähige
Brod, die Wassergeborene, ein Findelkind, das aus der Strömung des Flusses
(namens Brod) auftauchte, nachdem ein fahrender Händler (namens Trachim)
mit Sack und Pack in selbigen gestürzt war. Die Historie des Örtchens
bricht, als Brod stirbt, und wird zweihundert Jahre später, in den
Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts fortgesetzt, mit dem promisken
Großvater des Helden, dem Angriff der Nazis, der Vernichtung aller Juden,
ihrer Angst, ihrem gegenseitigen Verrat.
Dritter Handlungsstrang ist ein Briefwechsel zwischen Alex und seinem
"Helden", wobei nur die Briefe des ukrainischen Reiseführers wiedergegeben
werden, des jungen Mannes, der so gerne nach Amerika möchte, Geld liebt
und schöne Frauen, "erstklassige" Nachtclubs und seinen Bruder,
Klein-Igor, vor allem aber, in bewundernder Liebe, den "Helden".
Das Buch ist nicht leicht zu lesen, hat seine Längen, aber auch seine
Tiefen, amüsiert häufig, verwirrt manchmal, liefert tiefe Einblicke, aber
auch ausgewalzte Vorurteile, wirkt an vielen Stellen dicht, an vielen
anderen lakonisch-distanziert, manchmal bemüht amüsant. Die Geschichte des
"Schtetls" hat etwas von einem Provinztheater, die Geschichte des
Großvaters trägt viele Elemente, deren Bedeutung sich nicht offenbart. Der
Schluß ist dramatisch, ergreifend, fast erschlagend. Eine feine, überlegt
konstruierte, unterhaltsame Lektüre, stilistisch von großer
Eigenständigkeit, die nachdenklich stimmt, zum Lächeln und Seufzen bringt,
aber das Versprechen des Titels nicht vollständig einlöst.
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85 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Wurf, 11. März 2003
Ein Roman, zwei Erzähler, drei Erzählebenen, vier Themen - kann so etwas überhaupt gutgehen? Ja, es kann, denn Foer hat alles, was ein Schriftsteller braucht, um die sich gestellte Aufgabe mit Bravour zu meistern. Er verfügt über die nötigen Einfälle, den nötigen Sprachreichtum. Er verfügt über Stilsicherheit und Stringenz in Komposition und Umsetzung. Er besitzt die Gabe, sich selbst zurückzunehmen und einzig seine Figuren die Geschichte erzählen zu lassen. Vor allem aber hat er das Entscheidende: ein einfaches Thema, aus dem heraus er durch die Art der Beschreibung Ungeahntes zu entwickeln vermag.
Worum es oberflächlich geht: ein junger Amerikaner reist 1997 in die Ukraine, um dort das Dorf zu besuchen, in dem sein jüdischer Großvater einst gelebt hat. Gleichzeitig versucht er, die Frau zu finden, der sein Großvater angeblich die Rettung vor den Nazi-Schergen zu verdanken hat. Begleitet wird er auf dieser Suche von einem jungen Ukrainer, der als Dolmetscher fungiert, und dessen Großvater, der die beiden fährt.
Diese Autofahrt ist jedoch viel mehr als eine Reise an die ukrainisch-polnische Grenze. Sie ist eine Reise in die Vergangenheit: sie führt in die Welt jener Schtetl, die im II. Weltkriegs ausgelöscht wurden, und in die Geschichte ihrer jüdischen Bevölkerung. Sie ist eine Reise in die persönliche Vergangenheit des Alten und eine Reise der Handelnden zu sich selbst.
Mal heiter und leicht, mal ernst und beklemmend, nie slapstickhaft und nie belehrend, immer gekonnt komponiert - so gelingt es Foer, einen virtuosen Bogen vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu schlagen.
Doch das Buch ist noch etwas. Es ist ein Buch über die Liebe - die Liebe zu den Menschen mit all ihren Wirklichkeiten und Träumen, ihrer Traurigkeit und Freude, den kleinen Begebenheiten ihres Alltags und den Skurrilitäten ihrer Charaktere, ihrer Vergangenheit, ihrer Erinnerung, ihrer Liebe und ihrem Leid, zu ihren Freundschaften untereinander - über die Liebe zum Leben.
In einer der schönsten Episoden des Buches wird geschildert, wie die Liebe Menschen glühwürmchengleich leuchten läßt, wie dieses Licht langsam in den Weltraum steigt und dort eines Tages von Astronauten als kleiner Lichtpunkt wahrgenommen werden kann. Und deshalb gilt, solange es Menschen gibt, auch auf einer oftmals furchtbaren, grausamen und unwirtlichen Welt: „Alles ist erleuchtet".
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erleuchtung leider nicht garantiert, 6. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Aus drei formell und sprachlich getrennten Perspektiven schildert Foer in seinem hochgelobten Debut die - fiktive - Geschichte eines jüdischen Schtetls in der Ukraine sowie seine von zwei ukrainischen Reiseführern begleitete Suche nach diesem Ort und dem Menschen, der seinen Großvater vor dem Holocaust gerettet hat. Während der Reise kommen die3 sich näher und bemerken, dass die Vergangenheit noch präsenter ist, als sie es schon geahnt hatten.
Während Foer die Geschichte des Schtetls in klassicher Erzählform beschreibt, lässt er die Reise selbst von seinem jungen Führer Alex in schrägem Filserenglisch aus der Ich-Perspektive schildern. Zusätzlich beschreibt er die Entwicklungen nach der Reise sowie die Verfassung des Buches selbst als Briefroman, eine wahre Vielfalt an Formen!

Zwar habe ich Foers hoch gelobten Erstling gerade nach nur3 oder 4 Tagen ausgelesen, bin aber trotz des Zuges, den das Buch in einzelnen Passagen entfachen könnte, nicht vollends überzeugt von seinen Qualitäten: Zu schmal ist mitunter der Grad zwischen Stil, Sprachwitz und recht teenagerähnlichem Slapstick, der eher grummeln als grinsen macht.
Auch das so gelobte holprige Englisch (bzw. Deutsch), das Foer seinem Helden in den Mund legt, macht zwar einige der dunklen Passagen über die Vernichtung des fiktiven Schtetls Trachimbrod und seiner Bewohner durch die Nazis etwas leichter verdaulich, führt aber an einigen anderen Stellen leider zu einer Verflachung des Buches.
Zum Ende hin schließlich verstrickt sich Foer doch arg in den verschiedenen Schicksalen der beiden Großväter und Augustine - zu viele angedeutete Fäden verlaufen sich wieder ohne zu einer klareren Sicht der Dinge zu führen. Auf wenigen Seiten wird etwa noch Alexs (des Enkels) charakterliche Reifung gestreift, auch das wirkt etwas beliebig.

Außerdem fand ich es schade, dass Foer sich zum Ende hin nicht um eine klarer Erzählstruktur bemühen konnte oder wollte und nur noch durch diverse Handlungsstränge zu taumeln scheint. Das Buch liest sich insofern zwar recht flüssig und größtenteils unterhaltsam, hinterlässt aber am Ende leider auch Ratlosigkeit. Wenn schon literarische Vergleiche gezogen werden müssen, dann bitte zu Franzens auch nicht ganz geglückten Anfängen wie etwa 'Die 27. Stadt' oder 'Schweres Beben'. Ganz oben angekommen ist Foer mit diesem munteren Roman aber noch nicht.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erleuchtung ?!, 19. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Ich muß vorweg zugeben, daß ich drei Anläufe gebraucht habe, um dieses Buch überhaupt zu lesen. Die ersten beiden Versuche endeten ca. bei den Seiten 40 und 60. Bei meinem dritten Versuch hat es jetzt gefunkt.
Dieses Buch aber zu beschreiben, fällt schwer. Ja, die vordergründige Story-Line ist einfach: Jonathan fährt in die Ukraine um Trachimbrod und die Frau zu suchen, die seinem Großvater das Leben gerettet hat. In der Ukraine wird er von Alexander (dessen ukrainisch gefärbtes Englisch im Original wirklich köstlich ist- ich habe ein paar Kapitel nachträglich im Original gelesen), Alexanders Großvater und einem verrückten (bzw. eher "meschuggenen") Hund mit dem Namen Sammy Davis jr. jr. in ihren Funktionen als Übersetzer, Fahrer und Blindenhund des Fahrers begleitet.
Es gibt Alexanders Briefe an Jonathan, dann gibt es Alexanders Reisebeschreibung (Alexanders Buch) und die zum Teil etwas verwirrende Geschichte von Jonathans Ahnen (Jonathans Buch), die zum Teil ins etwas "fantastische" Metier abdriftet.
Ich denke, es ist nicht einfach, die ukrainisch/russischen Idiome, bzw. Wortwendungen (die nur in bestimmten Zusammenhängen verwendet werde) zu übersetzen, bzw. deren Sinn im richtigen Zusammenhang zu verstehen. Mir persönlich kamen zehn in Moskau verbrachte Jahre zu Gute; daher weiß ich nicht, ob ich so viel Spaß gehabt hätte, wenn mir die russische Sprache fremd wäre.
Fazit: einiges hier funktioniert nicht ganz und "Alles ist erleuchtet" hat definitiv ein paar kleinere Schwächen. Trotzdem vergebe ich eindeutig 5 Sterne, einfach weil man dieses Buch dank seiner Originalität mit all seinen Stärken (die dominieren) und Schwächen entweder lieben wird, oder hassen. Ich glaube auch, daß die gebrochene und teilweise chaotisch anmutende Form (Reihung der Ahnenkapitel) paradoxerweise eine der absoluten Stärken dieses Romans ist.
Wie auch immer: ich habe dieses Buch ab einem bestimmten Moment einfach nur noch geliebt...
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplex, aber gut, 25. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Was man Foer vorwerfen kann: Eine weitere amerikanische Familiengeschichte im Zuge von Franzen und Eugenides, nur diesmal in der Ukraine. Ein Plagiat von Marquez' „Hundert Jahre Einsamkeit". Eine Aufarbeitung der Holocaustverbrechen der Nazis, wie bei Kertéz. Alles das mag stimmen. Aber trotzdem ist „Alles ist erleuchtet" anders.
Zuerst einmal der Aufbau der Erzählstruktur. Es sind drei Erzählstile, der Briefroman des ukrainischen Übersetzers Alex, der Familienroman des Hauptdarstellers Jonathan und die Reisebeschreibung ebenfalls von Alex. Diese drei Stile prägen von Anfang an das Buch und sind auch bis zum Ende stilistisch konsequent getrennt.
Alex schreibt in einer Sprache, die vielleicht im englischen Original sehr originell sein mag, in der deutschen Übertragung aber oft sehr gekünstelt wird und bereits zu Beginn abschreckt. Man sollte sich aber eben nicht abschrecken lassen, da man sich mit der Zeit daran gewöhnt und auch die Fremdsprache für Alex leichter wird, je mehr er schreibt. Hier findet Foer einen interessanten Weg. Die Sprachen der beiden Erzähler werden sich mit Fortgang des Romans immer ähnlicher, vermischen sich mehr und mehr.
Ebenso werden die Gedankengänge der Erzähler einander ähnlicher. Ist Alex zu Beginn hauptsächlich daran interessiert sich selbst im besten Licht und seine hervorragende Männlichkeit zu beschreiben, so wird er mit der Zeit immer offener, immer nachdenklicher, seine eigene Geschichte fließt immer mehr in die fiktionale mit ein. Jonathan hingegen beschreibt 300 Jahre in einem ukrainischen Dorf aus dem seine Vorfahren stammen, bevor sie vor den Nazis in die USA flüchteten. Dieses Schtetl wird mit sehr viel Phantasie geschildert und es passieren alle erdenklichen Unmöglichkeiten darinnen.
Dieser Aufbau steuert auf einen Klimax hin, der unvermeidlich ist und dann auch eintritt. Die zunehmende Nähe der Erzähler vermengt sich und löst dann alle Fäden der Handlung auf.
Was man Foer trotz allem vorwerfen kann. Er packt alle Arten an literarischem Schreiben in diesen Roman. Nichts wird ausgelassen, egal ob Schriftgrößen, eingesprenkelte dramatische Dialoge, Tagebucheintragungen, Lautsprache, experimentelles Schreiben. Das mag sehr erfrischend sein, aber auch sehr nervend (um mit Alex' Sprache zu reden). Alles in allem aber ein durchwegs interessantes und packendes Debüt, vielleicht zu sehr in den Himmel gelobt.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Welt des jüdischen Schtelts, 21. Juni 2004
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine ungleiche Gesellschaft reist durch die Ukraine, Alex, der junge Ukrainer mit den kuriosen Englischkenntnissen, Sammy Davis jr jr, der anhängliche Hund, den immer furzen muss und der melancholische Großvater, der seit dem Tod der Großmutter nur noch mürrisch ist - sie kutschieren Jonathan Safran Foer durch das Land, einen jungen Amerikaner, der mit einem Foto in der Tasche „Augustine" sucht, die Frau, die Safran Foers Großvater im zweiten Weltkrieg vor den Nazis rettete. Das ist gleichsam der Rahmen des vorliegenden Buches, ein Rahmen, der gleich zwei Geschichten umgreift, einerseits die Geschichte des jüdischen Schtetls Trachimbrod, einem Mikrokosmos des osteuropäischen Judentums mit den „Entschiedenen" und den „Wanklern", die sich als innerjüdische Sekten bekämpfen, mit Hintertreppenphilosophen, Wucherern und Gelehrten, Viehhändlern und den ganzen pittoresken Personal des vormodernen Europas. Die zweite Geschichte handelt von dem Großvater des Autors, der dieser Welt des Schtetls entstammt und in den letzten Jahren vor der Vernichtung des osteuropäischen Judentums durch die Nazis seine turbulente Jugend erlebt, eine Jugend, in der er mit nicht weniger als 120 Frauen schläft, alten und hässlichen, guten und bösen, ehe er sich in die schöne Zoscha verliebt. Von Kapitel zu Kapitel steuert die Handlung, unterbrochen durch Episoden aus dem Schtetl und die Suchaktionen der Gegenwart, unerbittlich auf das schreckliche Finale zu, die Vernichtung Trachimods durch die Kriegsmaschinerie der Nazis im Jahre 1942, eine Apokalypse, die am Ende des Buches wie eine schockierende und schreckliche Antithese zu den ansonsten eher heiteren Erzähletappen figuriert.
So weit das anspruchsvolle Thema dieses Buches. Wie aber ist es durchgeführt? Als ambitionierter Erzähler berichtet Foer natürlich nicht von A bis Z, sondern er bedient sich, was Erzählperspektive und Zeitebenen betrifft, kunstvoller kompositorischer Tricks. Dem ersten Kompositionsprinzip verdankt das Buch dabei einen großen Teil seines Charmes, denn Foer lässt Alex, den jungen ukrainischen Dolmetscher immer wieder in seiner witzig-unvollkommenen Sprache zu Wort kommen .Alex „schluckt ein Brötchen", wenn er etwas zugeben muss, er ist „fleischlich", wenn er an Frauen denkt, „schamvoll," wenn er einen Fehler begangen hat, und er kennt persönlich den Ukrainer, der vor kurzem die 69er Stellung erfunden hat. So amüsant die Ausdrucksweise von Alex ist, so routiniert die Technik, mit der Foer den Handlungsteppich webt. Das ganze Repertoire von Erinnerungsmotiven, kunstvollen Dialogen, überraschenden Wendungen und epischer Breite wird eingesetzt - und das in einer Sprache, die unprätentiös, atmosphärisch dicht und intelligent zugleich zuerst und vor allem um das Thema Liebe kreist. „Das ist Liebe", heißt es an einer Stelle. „Wenn man die Abwesenheit von jemanden bemerkt und diese Abwesenheit mehr hasst als alles andere. Sogar noch mehr als man seine Anwesenheit liebt." Kein Wunder, dass dieses Buch mit seinem Thema, seiner Erzählperspektive, seinen Einfällen und seiner poetischen Sprache zum Ereignis wurde - dass die Verschachtelung der Zeitebenen von dem Autor so weit getrieben wird, dass darunter die Verständlichkeit leidet, dass viele der Komparsen wie die Puppen aus der Zauberkiste mitten in der Handlung erscheinen, dass die ganze Handlungsführung mitunter recht unwahrscheinlich ist und der Faden, der das ganze Werk zusammenbindet, am Ende ganz gewaltig franst, wurde deswegen von Kritik im Vergleich zu den zahlreichen Vorzügen des Buches wohlwollend ignoriert. Alles in allem ein Leseerlebnis für denjenigen, der die Bücher in einem Rutsch durchliest oder der sich nicht zu schade ist, bei Lektürepausen auf Papier und Bleistift die Verästelungen der Handlung so festzuhalten, dass er auch nach einer kleinen Pause auch wieder den Einstieg findet.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Originell, aber anstrengend, 17. Dezember 2010
Von 
Floetelei (Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Oh je, so hoch gelobt dieses Buch wird, so originell es sein mag, ich muss gestehen: Ich habe mich ziemlich durchquälen müssen. Vielleicht war es ja ein Fehler, es auf Englisch zu lesen, wobei ich dieser Sprache wirklich sehr gut mächtig bin. Aber es ist nun mal ein Stück anspruchsvolle Literatur und die Lektüre wird nicht unbedingt dadurch erleichtert, dass einer der Protagonisten, der Ukrainer Sascha, der an den "Autor" Briefe schreibt, ein sehr putziges English as a second language spricht. Noch anstrengender aber fand ich die drei Handlungsstränge. Erstens, die Geschichte der Familie des Autors, Safran, die in der Ukraine 1791 beginnt und sich bis zur Auslöschung ihres Dorfes im Zweiten Weltkrieg und das Schicksal des überlebenden Großvaters darüber hinaus erstreckt. Dann gibt es die Story in der Gegenwart: Der Enkel, der "Autor" begibt sich auf Spurensuche in die Ukraine. Und zu guter Letzt gibt es noch die Briefe seines ukrainischen Guides Sascha, der, zusammen mit seinem blinden Großvater als Chauffeur, den Helden herum fährt, und ihm nach der Reise weiter schreibt. Die Geschichte beider Familien verknüpfen sich.
Ja, das Buch ist mit sehr viel Humor geschrieben und gleichzeitig beschreibt es die Tragik des Holocausts am Beispiel eines kleinen Stetls auf Herz ergreifende Weise. Aber mir bleiben am Schluss doch zu viele Fragen offen. Ich fand das Buch zum Teil sehr verwirrend und ehrlich gesagt, ich war froh, als ich damit durch war.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Lese-Road-Trip durch gleißendes Licht - einfach irre und kaum zu beschreiben;Abstriche in Deutsch, 12. Februar 2013
Von 
Pj - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Ich habe etwa ein halbes Jahr lang einen Kotau vor diesem Buch gemacht, ehe ich es jetzt endlich wage eine bescheidene kleine Rezension zu erstellen. Das Buch ist einfach brilliant...Ich habe das Buch in Englisch gelesen und habe vor dieser Bewertung das Deutsche Buch quergelesen. Leider muss ich da einen ganzen Punkt abstreichen, die Magie des Originals geht in der Übersetzung verloren. Wer kann - unbedingt in Englisch lesen!

Drei Geschichten stellt JSF nebeneinander und verwebt sie mit magischer Hand ineinander - und zwar so eng, dass man als Leser nicht mehr ausbrechen kann. Die "Trägergeschichte" ist die Suche des 21 jährigen jüdischen Jonathan Safran Foer nach seinen jüdisch-ukrainischen Wurzeln in dem zerstörten Dorf Trachimbrod. Eine herrlich abstruse Road-Story mit einer in den Schriftsteller verliebten Hündin Namens Samy Davis Jr. Jr.. JSF macht keinen Halt vor den schrägsten Situationen, wunderbar! Parallel wird der Briefwechsel zwischen dem ich-Erzähler und seinem Dolmetscher Alex aufgezeigt, ein Briefwechsel, der noch lange nach der Suche weitergeht. Jonathan Safran Foer hat hier im Stil eines Bora Cosic oder Gregor Rezzori ein ganz herrliches und auch ein wenig anrührendes Bild eines russischen jungen Mannes, der in einer amerikanischen Pop-Art Welt lebt wie es sie in den USA längst nicht mehr gibt, gezeichnet. Das Russian-Englisch ist ein Genuss zu lesen und ich finde es extrem Nah an der Realität. Als drittes wird dann die Geschichte von Trachimbrod 1791 bis 1942 erzählt. Hier wird die Erzählkunst geradezu perfekt. Die Geschichte rund um das jüdische Shtetl ist bis hin zur Zerstörung durch die Nazis schräg, skurril aber auch magisch und als Lektüre unsagbar packend.

Was mir als persönliche Note gut gefallen hat ist die Leichtigkeit, mit der Foer all das zu Papier bringt. Vergewaltigungen und Pogrome werden nicht beschönigt, aber das Leben geht weiter! Ich weiß nicht, ob das vielleicht der Segen eines jungen begnadeten Autors ist oder ob er das einfach hervorragend gekonnt als Stilmittel einsetzt.

Das Ende des Buches scheint die Lesegeister zu scheiden. Ich persönlich hatte gar kein Problem damit, dass sich alles im Absurden und Unklaren auflöst. Das Buch war aus meiner Sicht nie für einen Punkt am Ende angelegt - der Road-Trip geht weiter. Wenn JSF im Buch "Everything is Illuminated" bildlich gesprochen eine Glühbirne immer heller werden lässt dann endet das Buch für mich in einem hellen Licht in dem man außer Licht nichts mehr sehen kann. Ein wunderbares Ende für ein absolut packendes und fast schon "abgefahrenes" Leseerlebnis.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein ganz eigenes Werk.., 17. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
...das ich so anderweitig noch nicht kennengelernt habe.

Und das mag man in zwei unterschiedliche Richtungen interpretieren. Von "Extrem laut und unglaublich nah" war ich, wie viele andere hier, endlos begeistert - es hat mich weggeweht. Insofern bin ich mit der Erwartung an dieses Buch herangegangen, um ähnliches zu finden. Dies ist jedoch ganz und garnicht der Fall, denn es ist mehr eine Collage denn eine nahtlos erzählte Geschichte, wie es bei "Extrem laut..." war.

Es ist ein extrem gut komponiertes Buch, daß sich verschiedenster Perspektiven, Erzählstile, Elemente aus Drama und Komik etc. bedient. Dabei werden hochtragische Momente aus Krieg und Grausamkeit zielgerichtet komischen und kuriosen Anekdoten entgegengestellt, um so die große inhaltliche Aussage herauszuarbeiten. Das ist in Summe eine Meisterleistung, macht es aber unter der Lektüre teilweise sehr anstrengend, dem großen Ganzen noch zu folgen. Zudem sind in der Tat so viele Teilgeschichten enthalten, daß man 10 Bücher daraus hätte machen können - ein prall gefülltes Buch also.

Vieles der Komik setzt auch entsprechendes Wissen voraus, so z.B. über die jüdische Kultur und Geschichte; fehlt dieses Wissen, entgeht einem sicher das eine oder andere Augenzwinkern.

Keine leichte und keine leicht zu lesende Lektüre, aber sicher ein ganz einzigartiges Buch mit viel Liebe und Herz.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Versuch einer Annäherung an dieses ungewöhnliche Buch...., 18. Mai 2008
Von 
Joroka (Darmstadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Ich habe zuerst den Film gesehen, zu dem das Buch als Vorlage diente; und dieser hat mir ausgesprochen gut gefallen. Normalerweise ist man von der filmischen Umsetzung eines literarischen Werkes enttäuscht, im vorliegenden Fall war es gerade umgekehrt.

Die Geschichte eines jungen jüdischen Amerikaners (Jonathan Safran Foer), der in die Ukraine fährt und sich dort mit Hilfe eines radebrechenden,machohaften Reiseführers und dessen "blinden" Opa als Fahrer, nebst "Blindenhund" auf die Suche nach der Vergangenheit seines eigenen Großvaters macht, ist im Buch als eine der vier Handlungsstränge enthalten.
Daneben geht es um die Geschichte von "Brod", die dem gleichnamigen Fluss "entspringt", als ihre Eltern im Jahre 1791 dort mit Fuhrwerk in den Fluten versinken; des weiteren um die Geschichte der Heirat von Jonathans Großvater vor Zerstörung des Schtetls um 1940 und um die Konmentare von Alex, dem ukrainischen Reisebegleiter von Jonathan, der scheinbar diese Geschichten Korrektur ließt.
Ganz schön verwirrend und so kam es mir beim Lesen auch durchgehend vor. Hätte ich zuvor den Film nicht gesehen, hätte ich bezüglich Orientierung wohl auch gewiss einige Probleme gehabt. Nun, das mag "innovativ" sein, aber meinem Lesevergnügen zumindest nicht zuträglich.

Natürlich sind alle Geschichten miteinander verwoben und auch Alexs Großvater ist involviert. Ein bisschen dick aufgetragen, wie ich finde.
Negativ aufgestoßen ist mir auch die unnötig obszöne Sprache, die in manchen Passagen benutzt wird.
Insgesamt kein wirklich schlechtes Buch. Aber es kommt halt wie ein besonders bemühtes Erstlingswerk eines noch nicht ganz ausgereiften Schreiberling rüber.
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Alles ist erleuchtet: Roman
Alles ist erleuchtet: Roman von Jonathan Safran Foer (Taschenbuch - 23. Mai 2012)
EUR 9,95
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