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72 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaputte Gemütlichkeit
Einen Menschen lieben und im nachhinein nicht wissen, wer er eigentlich war: Unzählige Romane voller Klischees sind zu diesem Thema geschrieben worden - selten allerdings derart berührend wie in Böse Schafe, dem neuen Buch der Berliner Schriftstellerin Katja Lange-Müller.
Die Autorin treibt die Fremdheits-Konstellation auf die Spitze. Soja, die...
Veröffentlicht am 19. September 2007 von H. Horstmann

versus
22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ach wäre es doch ein guter Roman geworden!
Die Geschichte, so unspektakulär sie auch ist, hätte das Zeug zu einem richtig gutem Roman. Dieser wurde leider nicht geschrieben, weil sich Katja Lange-Müller aus mir unerfindlichen Gründen dafür entschieden hat, den Roman im weinerlichen Ach-Harry-Stil zu schreiben. Dabei eignet sich die deutsche Sprache wenig dazu, in der Du-Form von...
Veröffentlicht am 6. April 2008 von Ada


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72 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaputte Gemütlichkeit, 19. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Einen Menschen lieben und im nachhinein nicht wissen, wer er eigentlich war: Unzählige Romane voller Klischees sind zu diesem Thema geschrieben worden - selten allerdings derart berührend wie in Böse Schafe, dem neuen Buch der Berliner Schriftstellerin Katja Lange-Müller.
Die Autorin treibt die Fremdheits-Konstellation auf die Spitze. Soja, die Aushilfsblumenhändlerin, liebt einen Mann, von dem sie erst später erfährt, dass er drogenabhängig ist. Sie entdeckt sein Tagebuch und muss erkennen, dass sie in diesem überhaupt nicht vorkommt. Behutsam nähert sich Soja in dem Roman ihrem Du, einem gewissen Harry, der wie sie aus der DDR stammt. Behutsam, denn Katja Lange-Müller vermeidet die Charakterisierung ihrer Hauptfigur mit allzu großem Selbstmitleid.

Dabei taucht sie ein in das Westberlin vor dem Mauerfall. Der Leser erkennt die kaputte Gemütlichkeit einer Welt wieder, in der die Aussteiger und noch nicht die ehrgeizigen Hauptstädter das Szene-Bild dominieren. Sprachwitz und Schnodderschnauze statt austauschbarer Urbanität: Katja Lange-Müller, die 1984 aus der DDR nach Westberlin übersiedelte, beherrscht viele Tonlagen virtuos. Und sie schafft in diesem wunderbaren Roman etwas, was nur die wenigsten können: Sie lässt den Figuren ihre Würde - bemerkenswert angesichts des Tabu-Milieus, in dem die Handlung spielt.

Am Ende bleibt Soja der Traum von einer gemeinsamen Vergangenheit, die kein später gefundenes Tagebuch zerstören kann: "Wir haben einander und Zeit; nichts sonst, doch davon ganz viel, obwohl es scheint, als existiere sie gar nicht mehr."
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungeheuere Nähe, 12. Oktober 2007
Von 
Dieter Hellfeuer (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Katja Lange-Müller gelingt mit diesem Buch das Kunststück, eine Liebesgeschichte von derart authentisch wirkender Intimität zu erzählen, die vergessen lässt, dass es sich um einen Roman und nicht etwa um reale Tagebuchaufzeichnungen oder Briefe handelt. Nichts an diesem Text wirkt gekünstelt oder gar konstruiert, nichts gefühlsduselig oder gar anbiedernd, und gerade dadurch erzeugt sie eine ungeheuere Nähe zu ihrer Protagonistin, eine Nähe, die einen sämtliche emotionalen Wechselbäder durchleiden lässt, die die Liebe zu einem heroinsüchtigen Menschen mit sich bringt, eine Liebe, die in doppeltem Sinne stärker und schmerzhafter ist als die Sucht.
Dabei ist Böse Schafe" alles andere als ein betroffenheitsschwangerer "Drogenroman". Es ist ein von großer Empathie gezeichnetes Bild zweier sich durch das Leben mogelnder Existenzen im Westberlin der Vorwendezeit, die auf ebenso komische wie tragische Weise eine Symbiose eingehen. Dass Katja Lange-Müller trotz ihrer pointierten Milieuschilderungen jener Nach-68er-Loser-Boheme nahezu alle linksromantischen Klischees zu umschiffen vermag, ist nicht minder bemerkenswert.
Bleibt zu hoffen, dass Katja Lange-Müller auf diesem Weg weitermacht, auch wenn sie angekündigt hat, dass mit Böse Schafe" ihre Berlin-Trilogie" abgeschlossen sei. Es gibt reichlich Themen für eine Autorin, die so klasse schreiben kann.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Na, Mausepuppe, wohin geht's?", 2. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Na, Mausepuppe, wohin geht’s?“ Dieser Satz, der schon nach wenigen Seiten in Katja Lange-Müllers neuem Roman „Böse Schafe“ fällt, wird das Leben seiner Protagonistin Soja nachhaltig auf den Kopf stellen. Genau dieser Satz ist es nämlich, mit dem Harry ebenjene Soja begrüßt, die von Anfang an von ihm begeistert ist.
Die Geschichte des Romans beginnt im April des Jahres 1987 im Westen Berlins, das zu diesem Zeitpunkt von einer Wende noch nichts ahnen konnte. Ebenso wie die Autorin selbst hat die Hauptdarstellerin Soja, getauft auf den Namen einer russischen Partisanin, Mitte der Achtziger das marode Ostberlin gegen den Westen eingetauscht, wo sie sich mit Gelegenheitsjobs wie dem der Aushilfsblumen-verkäuferin mehr schlecht als recht über Wasser hält.
Doch mit dem Eintritt des heroinsüchtigen und, wie sich im Laufe des Romans herausstellen soll, auch HIV-positiven Harry in ihr Leben verändert sich alles. Soja wird zu einer Art Sozialarbeiterin, die sich aufopferungs- und liebevoll um die Liebe ihres Lebens kümmert. Dies jedoch, der Leser wird es bald erahnen, vergebens. Trotz eines Anti-Drogen-Programms, der Triade, mit dessen Hilfe Soja eine Art Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Harry auf die Beine stellt, gelingt es ihr nicht, Harry von seiner Drogensucht zu befreien.
Was zunächst den Eindruck eines tieftraurigen Romans macht, bei dem es um den Tod und das Dahinsiechen von Harry geht, entpuppt sich im Verlauf als teils komische, teils dramatische, aber in jedem Falle bewegende Liebesgeschichte, die durchaus gespickt ist mit heiteren Momenten und einem gewissen Maß an Ironie. So ist es gerade Soja, die Harry retten will, obwohl sie, wie eher unterschwellig erzählt wird, selbst ein Alkoholproblem hat und es an einem Abend auch schon mal schafft, sich mit drei Flaschen Rotwein, wie sie sagt, „zuzulöten“.
Obwohl der Roman geprägt ist von einer gewissen Tristesse und der damit zwangsläufig verbundenen Illusionslosigkeit, schafft es Katja Lange-Müller dennoch, eine Wärme aufzubauen, die einen zu erfassen vermag. Zwar stellt sich eher ein Gefühl des Mitleids ein, wenn man lesen muss, dass Soja, obwohl sie einige Jahre mit Harry liiert war, nicht mit einem Wort in dessen tagebuchartigen Aufzeichnungen, die sie nach seinem Tod findet, vorkommt. Dennoch spürt man förmlich in jedem Wort der erzählenden Soja, wie sehr sie ihren Harry trotz Drogen, Knast und HIV geliebt haben muss und immer noch liebt.
Katja Lange-Müller ist mit „Böse Schafe“ ein Liebesroman gelungen, der seinesgleichen sucht. Voller Liebe, Wärme, Gefühl und Eckkneipenromantik und gleichzeitig so voller zerstörter Hoffnungen, Illusionen und trauriger Drogenrealität zwischen dem ersehnten Rausch und der nächsten Urinprobe. Und auch wenn ich mich damit in die Niederungen der üblichen Klischees bewegen mag, so muss ich dennoch sagen, dass dieser Roman zum Besten gehört, was ich seit langem gelesen habe.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dicht, hart und perfekt gefügt ..., 28. Oktober 2007
Von 
isy3 (lebt nun am Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
... ist dieser großartige Roman. Er ist so wie die Mauern von Macchu Picchu, die ohne Mörtel aufgeführt sind und in deren Fugen man bis heute kein Blatt Papier stecken kann.

Katja Lange-Müller hat ein Meisterwerk geschrieben, über ein Sujet, das so psychologisch stimmig wie verstörend ist: Die Liebe einer jungen tatkräftigen Frau zu einem Mann, dessen Charakter von der Rauschgiftsucht zerfressen ist. Jeder, der sich überlegt, ob er sich mit einem Junkie zusammentun will, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Außerdem gibt der Roman die Stimmung einer Kindheit in der DDR wieder und die Atmosphäre von Westberlin kurz vor dem Mauerfall. So echt und lebensnah, dass das Buch einen Ehrenplatz in der Hausbibliothek verdient, weil es zu seiner packenden Handlung auch noch das Zeitdokument eines Lebensgefühls ist. Dies hat die Autorin gekonnt eingefangen und so glaubhaft eingesetzt, dass es ganz selbstverständlich den Roman mitträgt und die Handlungen der Figuren überhaupt nachvollziehbar macht.

Dass "Böse Schafe" ganz wunderbar geschrieben, und auch noch etwas für den Leserausch ist, muss ich hier auch noch unbedingt erwähnen. Man sollte allerdings nicht darauf hoffen, dass man sich bei der Lektüre wohl fühlt. Dazu ist die Geschichte einfach zu verstörend. Hinter jeder Idylle tut sich in diesem Buch das Grauen auf. Und ein Happyend gibt's auch nicht, das ist von Anfang an klar. Dies ist ein großartiges, logisches, hartes Buch voll innerer Wahrheit, das man trotzdem unbedingt gelesen haben muss.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ach wäre es doch ein guter Roman geworden!, 6. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte, so unspektakulär sie auch ist, hätte das Zeug zu einem richtig gutem Roman. Dieser wurde leider nicht geschrieben, weil sich Katja Lange-Müller aus mir unerfindlichen Gründen dafür entschieden hat, den Roman im weinerlichen Ach-Harry-Stil zu schreiben. Dabei eignet sich die deutsche Sprache wenig dazu, in der Du-Form von Vergangenem zu erzählen: Du saßest, du nuscheltest, klopftest du, ihr aßet, verließest du '- Wortungetüme die bei jedem Satz aufhorchen lassen.

Wenn es nur das wäre, geschenkt. Aber es ist schlimmer: Das Selbstgespräch mit dem Verflossenen lässt die Leserin auf eine ärgerliche und unnötige Weise außen vor. Selbst dramatisierende Vorgriffe auf die Zukunft sind langweilig zu lesen, weil der, an den sich die Rede richtet, sowieso schon alles weiß: was passierte, warum es passierte und wieso sie es bald erzählen wird. Bei dieser (nebenbei: oft viel zu kompliziert geschriebenen) Zwiesprache bleibt die Leserin Zaungast und hat nur die Wahl sich mit der in die Jahre gekommenen Ach Harry jammernden Protagonistin zu identifizieren oder ähnlich wie bei einem Zwiegespräch, von dem sie nur die Hälfte versteht, auf Distanz zu bleiben.

Ärgerlich ist überdies, dass viel Uninteressantes erzählt wird, aber Interessantes außen vor bleibt, so über Sojas Flucht vor Harry, den sie letztendlich im Stich lässt. Indem Katja Lange-Müller eine Protagonistin sprechen lässt, der das Gefühl für sich selbst (aber leider nicht das Selbstmitleid) abhanden gekommen ist, entzieht sich die Erzählerin geschickt dem Wunsch der Leserin, mehr über diese Soja zu erfahren. Inkonsequenz kann man Katja Lange-Müller dabei kaum vorwerfen, eher das Gegenteil: Die scheinbar so robuste Soja mit all ihren emotionalen Narben wird im Laufe des Romans dieselbe bleiben, nur noch ein paar mehr hinzu bekommen. Es passt zu ihr, dass sie sich ausgerechnet in einen Junkie verliebt, der ihr nicht viel zu bieten hat. Dass ihr Leben mit ihm so im Alltagsstress eines Süchtigen gefangen bleibt, dass für Gefühle keine Zeit bleibt. Manchmal ist die Hilflosigkeit anrührend, mit der die Protagonistin die Liebe ihres Lebens trifft, vögelt und verliert. Häufiger ist es anstrengend und langweilig mit zu verfolgen, wie die Ich-Erzählerin ihre Gefühle sprachlich nicht auszudrücken vermag und sich ersatzweise in Nebensächlichkeiten, Rechtfertigungen, Sentimentalitäten, Allgemeinplätzen und Jargon verliert. Durch beherztes Streichen von Geschwätzigkeiten und überflüssigen Einschüben wäre Sojas Sprachlosigkeit nicht weniger eindrücklich, aber weniger langweilig geworden. Gewonnen hätte dabei der Roman als Millieustudie Westberlins vor dem Mauerfall, die gelungen ist. So sind der Drogentherapeut-Sozialarbeiter und seine Methoden ganz wunderbar getroffen, auch Harrys Kumpel und seine Betreuer werden so lebensnah geschildert, als hätte man in den 80er Jahren neben ihnen auf dem Sofa gegessen. Nicht zuletzt die ostdeutsche Vergangenheit, der Blumenjob, überhaupt das Leben der Protagonistin liest sich interessant, erhellend, sogar stellenweise erheiternd. Dass aus ihr nichts wurde, kommt allerdings wenig glaubhaft daher.

Ich habe viele Rezensionen zum Buch gelesen und bin erstaunt, wie dieses Buch zur Liebesgeschichte stilisiert wird, die die Welt noch nicht gesehen hat. Dabei macht Katja Lange-Müller ja gar keinen Hehl daraus, dass die Protagonistin gar nicht in der Lage ist, Liebe an sich heranzulassen und Harry, der kranke Junkie, hat nun wirklich andere Sorgen. In dieser Geschichte geht es ums Verliebtsein, um Aufopferung und Im-Stich-Lassen, um Sucht, um Angst und um Erstarrtsein. Wenn die Welt das für Liebe hält, na dann gute Nacht.
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wortgewordene Melancholie!, 15. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Katja Lange-Müller erzählt auf knapp 250 Seiten die Geschichte einer unglücklichen Liebe, die für die Protagonistin Soja dennoch ein großes Glück bedeutete. Denn über alle Konventionen und wider besseren Wissens erlebt sie an der Seite Harrys eine ungeheuer intensive Zeit.

Das graue Berlin der Vorwendezeit bildet den Hintergrund für diese ungewöhnliche Geschichte. Soja und Harry begegnen sich zufällig und obwohl Soja ahnt, dass diese Begegnung ihr außer Kummer wenig bringen wird, lässt sie sich auf seine Avancen ein. Von Anfang an wissen die gelernte Setzerin und Republikflüchtige und der geheimnisvolle Harry nicht wirklich etwas miteinander anzufangen. Und schnell erfährt Soja, dass Harry eine schwierige Vergangenheit hat. Dennoch versucht sie ihm zu helfen. Und merkt schnell, wie verloren sie ist.
Viele Jahre nach dieser Beziehung nimmt sie ein altes Heft Harrys zur Hand und stellt fest, das sie in seinen Aufzeichnungen aus der gemeinsamen Zeit noch nicht einmal erwähnt wird. Sie will diese Lücke füllen und erzählt nun von ihren Gefühlen und Erlebnissen...

Diese Erlebnisse werden bei Katja Lange-Müller zur Wort gewordenen Melancholie. Denn der Leser spürt schnell, wie sehr Soja Harry geliebt hat. Und das sie - allem Unglück zum Trotz - diese Zeit in ihrem Leben immer wieder so gestalten würde.
Ein trauriges und zugleich sehr tröstendes Buch, eine jener literarischen Neuerscheinungen, die lange nachklingen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein kleines Buch über die große Liebe, 27. Januar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Taschenbuch)
Zu Anfang dieses Buches habe ich gezweifelt: Warum sollte eine Frau in selbstloser Liebe brennen für einen wie diesen Harry? Einen Heroin-Junkie, der emotional wenig gibt, dafür wie selbstverständlich nimmt. Am Ende habe ich die ganze Gesichichte geglaubt. Und verstanden, dass dies eine Geschichte über die Liebe selbst ist:
Liebe verdienst Du nicht, Liebe wird Dir geschenkt.
Liebe ist nicht vernünftig, dafür erfüllend.
Liebe ist nicht rein - nicht frei von Zweifeln, von Ängsten, ja zu manchen Augenblicken von Ekel gegenüber dem anderen -, aber nicht unterzukriegen.
Und vor allem: Die Liebe ist immer dann (wieder) da, wenn der andere sie braucht.
Katja Müller-Lange ist eine versierte und geschickte Geschichtenerzählerin. Das allein macht den - trotz der deprimierenden Handlung - fesselnden und geradezu heiteren Grundton des Buches aber nicht aus. Hier schreibt eine Autorin, eine Frau mit einem ganz großen Berliner Herz. Vier Sterne gibt's von mir auch bloß deswegen, weil diesem Buch das Geklimpere mit fünf Sternen irgendwie peinlich wäre. Das sagt mir mein Gefühl ...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die guten Bösen, 14. Februar 2008
Von 
HG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe (Audio CD)
Katja Lange-Müller hat einen Roman über eine prekäre Liebe in Berlin geschrieben, nicht schön und romantisch, sondern tiefschwarz, aber trotzdem eigentümlich optimistisch. Nun liest sie das Buch selbst vor.

"Es gibt drei Wege, um klug zu werden: durch Nachdenken, das ist der Edelste, durch Nachahmung, das ist der Einfachste, durch Erfahrung, das ist der Bitterste."
Diesen Satz von Konfuzius findet die Ich-Erzählerin des Romans "Böse Schafe" im Tagebuch ihres ehemaligen Freundes Harry. Soja wird im Laufe dieses Hörbuches alle drei Wege beschreiten.
Sie, die 1986 von Ost- nach Westberlin ausgewandert ist, wird mit dem Bittersten beginnen: der Erfahrung. Diese sammelt die Enddreißigerin in Form von Harry, den sie am 17. April 1987 kennenlernt und aus der sich wider jeder Vernunft für die nächsten drei Jahre eine Liebes- und in vielerlei Hinsicht auch eine gegenseitige, schicksalhafte Abhängigkeitsgeschichte entwickelt, denn Harry ist ein Ex-Häftling, Junkie und zudem noch HIV-positiv.

Zehn Jahre später findet Soja eben dieses kleine Tagebuch, in das Harry, während ihrer gemeinsamen Zeit, seine Gedanken, Gefühle und Lebenskommentare in genau 89 Sätzen schrieb, und was sie jetzt anregt, nach-, vielleicht auch umzudenken, bevor sie sich ganz aufgibt. In den vergangenen Jahren lebte sie mit dem Toten und fing zunehmend an, ihn nachzuahmen.
Harrys Lebensgedanken dienen ihr nun als Erinnerungsstütze, um die Leerstellen ihrer damaligen gemeinsamen Zeit zu füllen und zu ergänzen. Auch sie selbst ist eine derartige Leerstelle, denn Harry hat sie in diesem Heft mit keiner Silbe erwähnt.
So hangelt sich Soja an diesen Sätzen im inneren Dialog mit Harry, der eigentlich ein Monolog ist, entlang und der Hörer mit ihr.

Große Gefangennahme erreicht die Autorin nicht nur durch die durchaus seltsame Liebe des Junkies und seiner, dem Alkohol nicht abgeneigten "Mausepuppe", sondern auch durch die gewählte sprachliche Form. Soja spricht mit Harry wie mit einem Lebenden. Aber "Böse Schafe" ist der Dialog einer Liebenden mit einem Toten. Die gewählte Erzählform ist über weite Strecken die zweite Person, kombiniert mit dem durchaus unüblichen und seltenen Imperfekt, "Du (...) döstest vor dich hin, lasest keine Fantasy-Romane, hörtest nicht The Doors, sprachst kaum." Das entzieht dem Text auf sanfte Weise die Intimität der Zwiesprache und erzeugt beim Hörer eine eigenartige, aber faszinierende Abgerücktheit. Lange-Müller nimmt dadurch aufkommender Rührseeligkeit sofort jeden Pathos.

Auditiv ist das Hörbuch erst einmal recht gewöhnungsbedürftig. Liebhaber des Altberliner Slangs, der der vorlesenden Autorin deutlich anzumerken ist, werden entzückt sein. Wer jedoch das Berlinerische für kein sehr feinfühliges Ausdrucksmittel hält, hat zu Beginn mit einem gewissen Hörwiderstand zu kämpfen. Verstärkt wird dies noch durch die beinahe monotone, immer leicht distanzierte Vortragsweise der Autorin, bei der scheinbar willkürlich, manches Wort fast überbetont wird. Doch die Erzählung entwickelt einen derart starken Sog, der den anfänglichen akustischen Widerwillen recht schnell überwinden lässt. Und letztendlich ist es Katja Lange-Müllers tiefer, rauer Stimme zu verdanken, dass der im Buch vorherrschende volksmundig-schnoddrige, teilweise derb-ordinäre Gossenjargon "stilecht" vorgetragen wird und geradezu prädestiniert ist, für derartig milieuechtes Erzählen. Das narrative Ausloten tiefster menschlicher Sphären wirkt dadurch extrem authentisch.

Am Ende ist der Hörer berührt und erschüttert von Harry und Sojas ruhiger, unaufdringlicher, einfühlsamer, gar zärtlicher und dennoch mehr als trauriger, ja nahezu schmerzhafter großer Liebesgeschichte in kleinem Milieu. "Böse Schafe" bleibt bis zum Ende unprätentiös, unglaublich realistisch, frei von allen Klischees und ist vor allem weit davon entfernt auch nur an einer Stelle kitschig zu wirken.

Erzählt wird jedoch nicht nur eine Liebes- und Lebensgeschichte auf dem harten Boden der Realität. "Böse Schafe" ist auch ein Buch über deutsch-deutsche Vergangenheit und die Disharmonien und Brüche der Geschichte einer Stadt, die es so nicht mehr gibt. Harry und Soja stehen dabei stellvertretend für das geteilte Berlin. Beide heißen zwar - zufällig - Krüger, doch jeder Krüger ist anders und es kommt eben nicht so leicht zusammen, was auf den ersten Blick zusammengehört.

Fazit:
Katja Lange-Müller ist mit "Böse Schafe" ein wunderbar trauriger, berührender und sehr intensiver Roman über Glück und Unglück der Liebe, über das Berlin der Vor-Wende-Ära und über das Leben gelungen. Treffend formuliert es die "Süddeutsche Zeitung", "eine nackte Wahrheit, aber diese Nacktheit ist eine poetische Kraft."
Sehr lesens- und auch sehr hörenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die guten Bösen, 29. November 2007
Von 
HG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe (Audio CD)
Katja Lange-Müller hat einen Roman über eine prekäre Liebe in Berlin geschrieben, nicht schön und romantisch, sondern tiefschwarz, aber trotzdem eigentümlich optimistisch. Nun liest sie das Buch selbst vor.

"Es gibt drei Wege, um klug zu werden: durch Nachdenken, das ist der Edelste, durch Nachahmung, das ist der Einfachste, durch Erfahrung, das ist der Bitterste."
Diesen Satz von Konfuzius findet die Ich-Erzählerin des Romans "Böse Schafe" im Tagebuch ihres ehemaligen Freundes Harry. Soja wird im Laufe dieses Hörbuches alle drei Wege beschreiten.
Sie, die 1986 von Ost- nach Westberlin ausgewandert ist, wird mit dem Bittersten beginnen: der Erfahrung. Diese sammelt die Enddreißigerin in Form von Harry, den sie am 17. April 1987 kennenlernt und aus der sich wider jeder Vernunft für die nächsten drei Jahre eine Liebes- und in vielerlei Hinsicht auch eine gegenseitige, schicksalhafte Abhängigkeitsgeschichte entwickelt, denn Harry ist ein Ex-Häftling, Junkie und zudem noch HIV-positiv.

Zehn Jahre später findet Soja eben dieses kleine Tagebuch, in das Harry, während ihrer gemeinsamen Zeit, seine Gedanken, Gefühle und Lebenskommentare in genau 89 Sätzen schrieb, und was sie jetzt anregt, nach-, vielleicht auch umzudenken, bevor sie sich ganz aufgibt. In den vergangenen Jahren lebte sie mit dem Toten und fing zunehmend an, ihn nachzuahmen.
Harrys Lebensgedanken dienen ihr nun als Erinnerungsstütze, um die Leerstellen ihrer damaligen gemeinsamen Zeit zu füllen und zu ergänzen. Auch sie selbst ist eine derartige Leerstelle, denn Harry hat sie in diesem Heft mit keiner Silbe erwähnt.
So hangelt sich Soja an diesen Sätzen im inneren Dialog mit Harry, der eigentlich ein Monolog ist, entlang und der Hörer mit ihr.

Große Gefangennahme erreicht die Autorin nicht nur durch die durchaus seltsame Liebe des Junkies und seiner, dem Alkohol nicht abgeneigten "Mausepuppe", sondern auch durch die gewählte sprachliche Form. Soja spricht mit Harry wie mit einem Lebenden. Aber "Böse Schafe" ist der Dialog einer Liebenden mit einem Toten. Die gewählte Erzählform ist über weite Strecken die zweite Person, kombiniert mit dem durchaus unüblichen und seltenen Imperfekt, "Du (...) döstest vor dich hin, lasest keine Fantasy-Romane, hörtest nicht The Doors, sprachst kaum." Das entzieht dem Text auf sanfte Weise die Intimität der Zwiesprache und erzeugt beim Hörer eine eigenartige, aber faszinierende Abgerücktheit. Lange-Müller nimmt dadurch aufkommender Rührseeligkeit sofort jeden Pathos.

Auditiv ist das Hörbuch erst einmal recht gewöhnungsbedürftig. Liebhaber des Altberliner Slangs, der der vorlesenden Autorin deutlich anzumerken ist, werden entzückt sein. Wer jedoch das Berlinerische für kein sehr feinfühliges Ausdrucksmittel hält, hat zu Beginn mit einem gewissen Hörwiderstand zu kämpfen. Verstärkt wird dies noch durch die beinahe monotone, immer leicht distanzierte Vortragsweise der Autorin, bei der scheinbar willkürlich, manches Wort fast überbetont wird. Doch die Erzählung entwickelt einen derart starken Sog, der den anfänglichen akustischen Widerwillen recht schnell überwinden lässt. Und letztendlich ist es Katja Lange-Müllers tiefer, rauer Stimme zu verdanken, dass der im Buch vorherrschende volksmundig-schnoddrige, teilweise derb-ordinäre Gossenjargon "stilecht" vorgetragen wird und geradezu prädestiniert ist, für derartig milieuechtes Erzählen. Das narrative Ausloten tiefster menschlicher Sphären wirkt dadurch extrem authentisch.

Am Ende ist der Hörer berührt und erschüttert von Harry und Sojas ruhiger, unaufdringlicher, einfühlsamer, gar zärtlicher und dennoch mehr als trauriger, ja nahezu schmerzhafter großer Liebesgeschichte in kleinem Milieu. "Böse Schafe" bleibt bis zum Ende unprätentiös, unglaublich realistisch, frei von allen Klischees und ist vor allem weit davon entfernt auch nur an einer Stelle kitschig zu wirken.

Erzählt wird jedoch nicht nur eine Liebes- und Lebensgeschichte auf dem harten Boden der Realität. "Böse Schafe" ist auch ein Buch über deutsch-deutsche Vergangenheit und die Disharmonien und Brüche der Geschichte einer Stadt, die es so nicht mehr gibt. Harry und Soja stehen dabei stellvertretend für das geteilte Berlin. Beide heißen zwar - zufällig - Krüger, doch jeder Krüger ist anders und es kommt eben nicht so leicht zusammen, was auf den ersten Blick zusammengehört.

Fazit:
Katja Lange-Müller ist mit "Böse Schafe" ein wunderbar trauriger, berührender und sehr intensiver Roman über Glück und Unglück der Liebe, über das Berlin der Vor-Wende-Ära und über das Leben gelungen.
Sehr lesens- und auch sehr hörenswert.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Amour Fou, 8. September 2013
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Taschenbuch)
Was bewegt eine Frau in mittleren Jahren, sich bedingungslos auf einen Mann einzulassen, bei dem weder Vergangenheit, noch Gegenwart und schon gar nicht Zukunft irgendetwas versprechen? Soja, Flüchtling aus der ehemaligen DDR, deren Zerfall die Frau auf dem falschen Fuß erwischt zu haben scheint, verliebt sich - tut sie das überhaupt? - in den gerade wieder auf freiem Fuß wandelnden Harry. Nach einem Raubüberfall zehn Jahre im Gefängnis, ist Harry auf Bewährung draußen, mag weder arbeiten noch sich engagiert resozialisieren. Und Soja opfert sich für ihn auf, unterstützt ihn finanziell und moralisch.

Vielleicht ist es aber auch genau das, was manche Menschen suchen, das Glück im Unglück. Das Gefühl, dass es andere Menschen gibt, und am besten einen an der eigenen Seite, denen es schlechter geht als einem selbst, bei denen man sich nützlich machen kann, seine eigene Anwesenheit mit einem Sinn versehen. Da ist es zweitrangig, ob das eigene Tun von Dritten als nachvollziehbar angesehen wird.

Und so kommt es wie es kommen muss, Soja darf Harry nicht nur bei der Resozialisation helfen, sondern am Ende auch beim Sterben. Der drogenabhängige Harry ist HIV-positiv und füllt auch bei nicht immer gegebener totaler Nähe und trotz Abwegen Sojas Leben schließlich voll und ganz aus. Ein lesenswerter Roman, bei dem ich ein wenig gebraucht habe, um anzukommen. Und danach ist es bei 200 Seiten Gesamtumfang auch schon wieder vorbei. Für eintretende Längen ist da keine Zeit.
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Böse Schafe: Roman
Böse Schafe: Roman von Katja Lange-Müller (Taschenbuch - 6. Februar 2009)
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