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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichtsunterricht einmal anders.
An vier repräsentativen Fällen untersucht die Autorin Barbara Tuchmann, das in der Geschichte immer wieder vorkommende Phänomen, dass Regierende eine Politik betreiben, die ihren Interessen zuwiderläuft. Die Beispiele sind gut gewählt, beginnend mit Troja, über die Renaissancepäpste, Englands Verlust von Amerika und Amerikas...
Veröffentlicht am 15. November 2003 von Lothar Hitzges

versus
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Tuchmans bestes Werk
Barbara Tuchman geht in diesem Werk den ungewöhnlichen Weg, historische Episoden zu untersuchen, die eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam haben: Sie sind durch besonders ausgeprägte Dummheit der Herrschenden gekennzeichnet. Besonders detailliert wird dabei auf die Päpste der Rennaissance, den Verlust des amerikanischen Kolonien durch England sowie den...
Veröffentlicht am 11. Oktober 2004 von Edmund Sackbauer


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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Tuchmans bestes Werk, 11. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
Barbara Tuchman geht in diesem Werk den ungewöhnlichen Weg, historische Episoden zu untersuchen, die eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam haben: Sie sind durch besonders ausgeprägte Dummheit der Herrschenden gekennzeichnet. Besonders detailliert wird dabei auf die Päpste der Rennaissance, den Verlust des amerikanischen Kolonien durch England sowie den Vietnamkrieg eingegangen. Was Tuchmann in all diesen Epochen entdeckt hat sind vollkommen irrationale Handlungsweisen der Herrschenden, die den eigenen Interessen zuwidergelaufen sind.
Das Buch ist streckenweise sehr interessant und enthält für den Hobbyhistoriker aufschlussreiche Erkenntnisse über die oben beschriebenen Epochen. Der Ansatz, das Werk auf Epochen historischer Dummheit zu fokussieren ist eine lustige Idee, Geschichte einmal etwas anders anzugehen. Es gibt zwar einen roten Faden. Dieser ist jedoch sehr schwach. Einige Kapitel stechen hervor, wie das Kapitel über den Vietnamkrieg, das einen guten Überblick über diese Epoche gibt. Andere hätte sich die Autorin lieber erspart, wie die Episode über Troja. Die historische Suppe ist da einfach zu dünn. Das Buch kommt daher leider nicht ganz an das beste Werk der Autorin „August 1914 -The guns of August" (das ich überaus empfehlen kann) heran, ist aber dennoch eine nette Lektüre.
Fazit: Wer sich für den Vietnamkrieg und die amerikanische Sezessionsbewegung überblicksmäßig interessiert findet hier die Analyse einer erstklassigen Autorin. Moderat!
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichtsunterricht einmal anders., 15. November 2003
Von 
Lothar Hitzges (Schweich, Mosel, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
An vier repräsentativen Fällen untersucht die Autorin Barbara Tuchmann, das in der Geschichte immer wieder vorkommende Phänomen, dass Regierende eine Politik betreiben, die ihren Interessen zuwiderläuft. Die Beispiele sind gut gewählt, beginnend mit Troja, über die Renaissancepäpste, Englands Verlust von Amerika und Amerikas Vietnamkrieg.
Wer diese vier Ereignisse zunächst im Inhaltsverzeichnis liest wird schwerlich glauben, wie viele Gemeinsamkeiten im verhängnisvollen Handlungsablauf vorzufinden sind, ohne das aus der Geschichte Lehren gezogen wurden. Allen Niederlagen sind nicht auf eine Handlung oder Entscheidung zurückzuführen, sondern hatten eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Das Endresultat war immer bereits am Anfang den Entscheidungsträgern bekannt. In jedem Fall gab es zahlreiche Möglichkeiten vorher auszusteigen und die drohende Gefahr abzuwenden oder zumindest abzuschwächen. In dem Fehlen jeder Skrupel gegenüber Rechtsbrüchen, wiederholte Nixons Regierung die Haltung der Renaissancepäpste. Kassandras Warnungen, Luthers Thesen, die Steuerdebatten in Englands Oberhaus noch die Warnungen von Johnsons Generälen konnten die Selbsthypnose der Regierenden aufheben. Wie Fremdgesteuert folgten sie weiter dem Weg ihres eigenen Untergangs.
Neben den vier sehr ausführlich beschriebenen Fällen zählt die Autorin noch eine Menge weiterer gleichgelagerter Fällen auf und versucht eine Formel zu finden, die solches Verhalten zu verhindern vermag. Doch weder Bildung noch Wohlstand scheinen dazu in der Lage zu sein. Es scheint, die Macht selbst verändert den Regierenden und verleitet ihn zu jenen Fehlern.

Gute Recherche, feines Gespür für wichtige Details und eine spannende Darstellungstechnik lassen das Buch zu einer angenehm lehrreichen Gesichtsstunde werden. Neben einem Inhaltsverzeichnis, einer fünfzig Seiten starken Bibliographie und Anmerkungen rundet ein Register das Buch ab. Nach zwei Golfkriegen gewinnt das Buch erneut an Aktualität und sollte vielleicht auch mal von Regierenden gelesen werden.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannendes Thema - leider viele Fehler und Ungenauigkeiten, 4. Juli 2003
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
Torheit als Konstante in der Politik ist leider ein Thema, dass nie an Aktualität verliert; um so schöner, dass sich mit B. Tuchmann eine Autorin schon in den 80er Jahres des Problems angenommen hat. So weit so gut. Dennoch hinterlässt die Lektüre des Buches ein Gefühl der Unzufriedenheit. dafür gibt es vor allem zwei Gründe:
Erstens werden die Hintergründe für Torheit wie etwa kognitive Dissonanz oder beschränkende mentale Modelle nicht explizit betrachtet. Allein im Vorwort wird innerhalb der Danksagungen das Problem der kongitiven Dissonanz kurz thematisiert. Die Beschreibung der Fallbeispiele bleibt somit annekdotisch und erklärt letztendlich wenig.
Zweitens strotzen die von B. Tuchmann präsentierten Fälle zum Teil nur so vor Ungenauigkeiten und Fehlern. Ein Beispiel, um dies genau zu illustrieren: Im Kapitel zum Vietnam- bzw. Indochinakriegs wird die Schlacht von Dien Bien Phu behandelt. Dabei zeigt die Autorin weder die strategischen Motive für den Aufbau dieser Festung vollständig auf (sie erwähnt zwar das geplante Aufreiben des Gegeners in offener Schlacht, vergisst aber die intendierte Unterbrechung der Verbindungswege nach Laos), noch wird der Lauf der Ereignisse richtig beschrieben (sie schreibt die Franzosen hätten ein bereits befestigtes Gelände besetzt). Tatsache ist, dass die Festung von Dien Bien Phu erst im Zuge der Ereignisse aufgebaut wurde. Auch die Aussage, die Truppen von Gen. Giap hätten Luftangriffe auf die Festung durchgeführt, zeugt nicht gerade von grosser Kenntnis der Sachlage; die Vietminh waren eine Guerrillarmee. Solche Angriffe wurden von den Franzosen auf die Stellungen der Vietminh mit geringen Erfolg durchgeführt und nicht umgekehrt.
Fazit: Gutes Thema - schlechte Recherche. Wer eine genaue Darstellung des Vietnam-Konflikts und der Verwicklung der USA sucht, sollte stattdessen R. Aspreys Buch "War in the Shadows" lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Geschichtsschreibung, 27. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
Das Bild am Cover täuscht. Wenngleich das Hineinbringen des hölzernen Pferdes das Musterbeispiel für die Torheit der Regierenden ist, wird der trojanische Krieg nur als Einleitung gebracht. Die Schwerpunkte liegen auf zwei Geschichtsperioden:
1. Die Handlungen der Renaissancepäpste im 15. und 16. Jahrhundert, die letztlich zur Reformation geführt haben, und
2. Die schrittweise Verstrickung der Vereinigten Staaten in den Vietnamkrieg.
Die Autorin zeigt auf, wie politisches Handeln, das zunächst vernünftig erschien, sich letztlich gegen das Interesse der Regierenden gerichtet hat.
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5.0 von 5 Sternen faszinierende geschichtsschreibung, 29. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
einfach höchste geschichtsschreibung
bisher beste autorin in sachen geschichte
berechtigterweise eine der besten im autorendschungel
mfg
gunter bayer

auch ihre anderen bücher sind einfach gut
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht gut und erst recht nicht lehrreich., 4. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
Ich muss gestehen, dass ich das Buch von Tuchmann noch nicht vollständig gelesen habe, das gesamte letzte Kapitel fehlt mir noch.

Aber von allen anderen Kapiteln war ich ziemlich enttäuscht.

Tuchmann versucht, eine Geschichte der "Torheit" der politischen Klasse in der Geschichte des Menschen anhand von (nur) vier Schlaglichtern zu erzählen, von Troja über die Renessaince-Päpste und dem England des späten 18. Jh bis hin zum Vietnam-Krieg; allein schon diese Anlage erscheint enttäuschend, denn man kann kein Universalkonzept aus so einem kleinen Zeitraum glaubhaft ableiten.

B. Tuchmann scheint sich auf eine Idee fixiert zu haben, sie entwickelt eine Art "abstraktes Konzept der Torheit" und versucht in der Einleitung dieser Formulierung etwas Leben einzuhauchen - mit eher mäßigem Erfolg. Es ziehen sich Sätze wie "An dieser Stelle wird wieder die Torheit deutlich...." wie ein roter Faden durch das Buch; solange, bis man das Gefühl hat, eine vorgefertigte Schablone wird den historischen Tatsachen aufgestülpt und dann - "Was nicht passt, wird passend gemacht....."

Jedem halbwegs interessierten Laien fallen die augenscheinliche Banalisierung und Ungenauigkeit, mit der Tuchmann schreibt, sofort negativ auf; man muss kein Historiker sein, um an irgendeinem Punkt einerseits von der Einseitigkeit der Schilderung (die immer wieder von verlegeneitsmäßigen, mehr der Pflicht letzter, verbliebener akademischer Ehre entspringenden "Aber"-Sätzen durchbrochen werden) und andererseits vom unübersichtlichen Schreibstil irritiert zu sein.

Bei allen Formulierungen scheint jedoch stets die gebildete Professorin durch die Worte; jedenfalls in dem Punkt, dass man stets das Gefühl hat, Tuchmann stehe längst über allen Verschwörungstheorien - oder betrachte sich zumindest als entrückte "Weltversteherin".

Zwei Sterne erhält das Buch aber trotz all dieser Mängel aus folgenden Gründen:

Erstens kann man dem Gedanken, dass politisch Mächtige aus unerfindlichen Gründen eine Tendenz zur Handlung wider eigenes besseres Wissen und wider eigene Interessen zu haben scheinen, eine gewisse Berechtigung nicht absprechen; er ist zwar weder sonderlich neu oder originell, noch gilt die Banalisierung, die in diesem Buch tatsächlich vorgenommen wird, in diesem großen Ausmaß, aber das ist nicht die Schuld des Gedanken.

Zweitens wusste das zweite Kapitel, das die Renessaince-Päpste behandelt, in einigen Passagen durchaus zu gefallen (auf eine unterhaltsame, weniger auf eine informative Art); der Schwall an Anekdoten und "Histörchen" ist amüsant, wenn auch wenig geeignet, tatsächlich etwas über die Historie der betreffenden Zeit zu erfahren.

Insgesamt ist dieses Buch aus den genannten Gründen nicht empfehlenswert; eventuelle Erwartungen (die durch Titel und Klappentext geweckt werden) dürften sich in den meisten Fällen schnell zerschlagen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echter Tuchman, 27. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
Das Buch zeigt sehr eloquent und gut recherchiert den Zusammenhang zwischen negativen menschlichen Eigenschaften und fünr großen Fehlentwicklungen der Geschichte.

Die Übersetzung aus dem amerikanischen ist streckenweise etwas holprig, zwar korrekt, aber es fehlt gelegentlich der Spannungsbogen.

Alles in allem aber ein wirklich lesenswertes, auch für "Geschichtsmuffel" sehr interessantes Buch, da es hier um menschliche Fehleinschätzungen, deren Gründe und die Auswirkungen für Statten und Staatengemeinschaften geht und nicht so sehr um historische Zahlen und Fakten.
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1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Narrhallamarsch der Dilettanten, 25. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam (Taschenbuch)
Es war kein geringerer als Helmut Schmidt. Nicht ich, der hier rezensierende Rhein-Neckar-Poet. Nein. Es war Helmut Schmidt der ehemalige Kanzler-Poet, der in "DIE ZEIT" (v. 01.04.2004) an die deutschen Historiker appellierte, ihre Publikationen allgemein verständlicher zu schreiben, nebst der sorgfältigen Darstellung der Ergebnisse - mit Erläuterungen, Zitaten und Quellenangaben - "zugleich auch dafür zu sorgen, dass historische Bücher geschrieben und publiziert werden, die für ein allgemeines, nicht fachlich vorgebildetes Leserpublikum gut lesbar sind, die Geschichte interessant darstellen, ohne vielerlei Details und vielerlei Anmerkungen, es sei denn gespickt mit illustrativen Anekdoten - gleichwohl aber historisch wahr und richtig! Ich bewundere in diesem Sinne Barbara Tuchman (...) oder die wunderbar lesbaren englischen Biografien. Von ihnen lässt man sich gerne belehren, weil sie doch gleichzeitig unterhalten."

Und nur zwei Ausgaben später (DIE ZEIT v. 15.04.2004) erwähnt Matthias Naß in seinem Artikel "Im Treibsand des Iraks", dass der Irak-Krieg der amerikanischen Historikerin Barbara Tuchman ein neues Beispiel böte, "für die 'Torheit der Regierenden'. Torheit definierte sie als 'politisches Handeln wider das eigene Interesse'. Gegen amerikanisches und europäisches Interesse wäre es, den Irak sich selbst zu überlassen. Ein zweites Vietnam? Gefährlicher noch. Ein brennender Irak könnte den gesamten Nahen Osten entzünden. Und dann vielleicht tatsächlich der Vorbote neuer Religionskriege sein."

Barbara Tuchman und ihr "Die Torheit der Regierenden", mit "Von Troja bis Vietnam" im Untertitel, sind - siehe die beiden Artikel in der ZEIT - welche der meistzitierten diesbezüglichen Beispiele. Der pulitzerpreisgekrönten New Yorker Korrespondentin Barbara Tuchman (1912-1989), die schon aus dem Madrid der späten 1930er Jahre über den Spanischen Bürgerkrieg berichtete, gelang mit ihrer Abhandlung aus dem Jahre 1984 treffende Darstellungen fehlgeleiteter Politiken.

"Die gesamte Geschichte, unabhängig von Zeit und Ort, durchzieht das Phänomen, dass Regierungen und Regierende eine Politik betreiben, die den eigenen Interessen zuwiderläuft." Das ist Tuchmans Credo. "In der Regierungskunst, so scheint es, bleiben die Leistungen der Menschheit hinter dem zurück, was sie auf allen anderen Gebieten vollbracht hat. Weisheit, die man definieren könnte als den Gebrauch der Urteilskraft auf der Grundlage von Erfahrung, gesundem Menschenverstand und verfügbarer Informationen, kommt in dieser Sphäre weniger zur Geltung und ihre Wirkung wird häufiger vereitelt, als es wünschenswert wäre."

Die Autorin stellt die Frage nach dem Warum? Weshalb "agieren die Inhaber hoher Ämter so oft in einer Weise, die der Vernunft und dem aufgeklärten Eigeninteresse zuwiderläuft? Warum bleiben Einsicht und Verstand so häufig wirkungslos?"

Anhand von drei Beispielen aus der Geschichte belegt Tuchman ihre These; in drei dicken Kapiteln ihres Buches:

- Sechs törichte Jahrzehnte voller Korruption, Amoral und Machthunger der Renaissance-Päpste - Sixtus IV, Innozenz VIII, Alexander VI (siehe das Gedicht des hier rezensierenden Rhein-Neckar-Poeten "Punktsieg für die Schweiz", "Weil Alex lustvoll lustig war, / damals, so ein ums andre Jahr: / gehurt - so konnte man es lesen - / als grad' die Renaissance gewesen"), Julius II, Leo X und Klemens VII - die hochmütige Nichtachtung aller Proteste und Klagen, die zum Protestantismus und zu den Religionskriegen führten: in "Die Renaissance-Päpste provozieren den Abfall der Protestanten: 1470-1530".

- Die Zeit, als der englische König Georg III und seine Regierung die Beziehungen zu den Siedlern in den amerikanischen Kolonien zerstörten. Die Verblendung der englischen Krone und ihrer Berater machte aus Untertanen Rebellen und besiegelte den Verlust eines Kontinents: in "Die Briten verlieren Amerika".

- Amerikas Verwicklung in Vietnam: Von Franklin D. Roosevelts zögernder Unterstützung des französischen Kolonialismus in Indochina über die unsinnige Domino-Theorie bis zu Lyndon B. Johnsons törichtem Bestehen auf einem militärischen Sieg und der kaum verhüllten Niederlage der USA: in "Amerika verrät sich selbst: Vietnam".

Interessant ist, dass Barbara Tuchman den drei Hauptkapiteln noch einen einführenden - etwas kürzer ausgefallenen - Abschnitt voranstellte, in dem die Historikerin, quasi als Zugabe, den - nur vermeintlich historischen - Troja-Krieg beleuchtete: "Das Modell: Die Trojaner ziehen das hölzerne Pferd in die Stadt".

Warner gab es zu allen Zeiten und wird es immer geben. Verächtlich nennt man sie ganz trojabezüglich Kassandra-Rufer. (Siehe auch meine amazon-Rezension zu "Die Feuer von Troia".) Doch die Rufe sind das eine. Denn so richtig tragisch wird es erst - Kassandra auf dem Höhepunkt ihrer mutmaßlichen Unglaubwürdigkeit -, wenn den Rufen nicht geglaubt wird. Wenn die Schlaumeier der Welt, die geborenen und gekorenen, wie auch manch demokratisch gewählten Führer der Nationen, in rechthaberischer Selbstüberschätzung den Lauf der Dinge bestimmen und falsche Wege beschreiten (oder beschreiten lassen, anderen befehlen zu beschreiten). Am Ende landen sie genau in gegenteiliger Lage dessen, welch Ziel sie ursprünglich zu erreichen vorgaben.

Und hinterher will's keiner gewesen sein. Dabei könnte vieles auch mit Besonnenheit und Vernunft geregelt werden, Alternativen gibt und gab es immer: "nämlich das Pferd zu zerstören." Denn wir wissen ja, "unter den Ältesten riet Kapys noch vor Laokoon dazu und nach Laokoon noch Kassandra. Ungeachtet der häufigen Hinweise innerhalb des Epos, dass der Untergang Trojas eine göttliche Fügung sei, hat nicht das Schicksal, sondern der freie Wille das Pferd in die Stadt gezogen. Das 'Schicksal' als Gestalt der Sage verkörpert die Erfüllung dessen, was der Mensch von sich selbst erwartet."
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Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam
Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam von Barbara Tuchman (Taschenbuch - 23. Februar 2012)
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