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5.0 von 5 Sternen Bestechend durch die Sprache
Josef Haslingers Roman ist ein Paradebeispiel für die Montagetechnik. Es gibt hier zunächst eine Rahmenhandlung und zwei Binnenerzählungen. Die Rahmenhandlung ist die Autofahrt von Rupert im dichten Schneefall. Sie wird immer am Anfang der vier Teile erzählt. Sie ist die eigentliche Handlung, läuft streng chronologisch ab und ist zeitdeckend...
Veröffentlicht am 13. Februar 2003 von Augustus Justus

versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannende Erzählungen, klobig zusammengeführt...
Helmut Rupert Kramer, genannt Ratz, ist der Spross einer durch und durch sozialdemokratischen, österreichischen Familie, dessen Familenvater es sogar zum Verkehrsminister gebracht hat, Im Gegensatz zu seinem ambitionierten Vater, ist Rupert in ziemlich allen Belangen des Lebens erfolg-, teilweise sogar antriebslos. Neb...en seinem täglichen Joint kann er sich...
Veröffentlicht am 16. November 2010 von Danijel Majic


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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bestechend durch die Sprache, 13. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Taschenbuch)
Josef Haslingers Roman ist ein Paradebeispiel für die Montagetechnik. Es gibt hier zunächst eine Rahmenhandlung und zwei Binnenerzählungen. Die Rahmenhandlung ist die Autofahrt von Rupert im dichten Schneefall. Sie wird immer am Anfang der vier Teile erzählt. Sie ist die eigentliche Handlung, läuft streng chronologisch ab und ist zeitdeckend erzählt. Dazwischen eingeschoben machen die Binnenhandlungen den Hauptteil, den wichtigen Teil der Geschichte aus. Die erste Binnenhandlung, die Geschichte von Ruperts Familie, ist die Erklärung für den zunächst direkten Einstieg, der sich am Anfang sehr schwer liest, da man sich kaum auskennt. Die Familiengeschichte ist chronologisch, wirkt wie eine Lebensgeschichte von A bis Z. Sie ist zwar zeitraffend, erzählt jedoch jedes noch so kleine Detail an der Familienhistorie und macht so ungefähr  der Buchseiten aus. Sie wird dreimal unterbrochen durch die zweite Binnenhandlung, dem Protokoll der Zeugenaussage von Jonas Shtrom. Diese wirkt noch chronologischer und wirkt wie wochenlang vorbereitet. Jedes Mal gibt es einen großen Knick in der Geschichte, da meist am Höhepunkt von Ruperts Familiengeschichte das Protokoll eingeschoben wird. Aber kaum hat man zwei Seiten gelesen, wird alles noch spannender als zuvor. Man bekommt hier einen schockierend detaillierten Einblick in das Kaunauer Ghetto und dem Holocaust als Ganzes. Es dauert allerdings bis Seite 450 von 573, dass man kapiert, warum hier immer wieder das Protokoll eingeschoben wird. Man erfährt, dass Lucas Munkaitis tatsächlich Kriegsverbrecher ist und zu allem Überdruss noch Mimis Großonkel ist und sich in New York versteckt. Haslinger behandelt in diesem politischen Thriller zweierlei Themen: die österreichische Vetternwirtschaft und Nazi-Gräueltaten bzw. den Umgang mit diesen. Zum Teil satirisch wird die (traditionelle) österreichische Vetternwirtschaft beleuchtet, die einen Mann wie Jörg Haider groß gemacht hat. Haslinger übt hier sicherlich deutlich Kritik an diesem verkrusteten Nachkriegs?Proporz?System, indem er Ruperts Vater, einem Nutznießer, als korrupt und anti-familiär darstellt und ihn vom ultralinken Jungsozialisten zum arrivierten Politiker, der in zahlreichen Aufsichtsräten sitzt, wandern lässt. Das zweite Thema wird wahrscheinlich leichtes Übergewicht für Haslinger gehabt haben. Es geht hier primär nicht um die Verbrechen während des nationalsozialistischen Regimes an sich, sondern um deren Nachwirkung, die bis in die Jetzt-Zeit zu spüren sind. Beide, Opfer und Täter, flüchten nach Amerika. Die beiden ehemaligen Schulfreunde kommen (indirekt) das erste Mal im Kaunauer Ghetto in Kontakt und das zweite Mal (indirekt) wieder, jedoch ganz wo anders, nämlich in New York. Der Täter muss sich nach 32 Jahren des Versteckens in einem Keller noch immer vor seiner Entdeckung fürchten, das Opfer gibt auch nach 32 Jahren nicht auf, ihn zu finden. Und Rupert gerät völlig schuldlos mitten hinein. Auch ihn holt die Vergangenheit ein, sein Großvater war im KZ und er lässt sich überreden, einem derartigen Mensch zu helfen. Darin ergibt sich meiner Meinung nach die gewisse Spannung des Buches. Wörtlich aus dem Buchvorspann: „Bestechend genau beleuchtet Haslinger die Verwerfungen des vergangenen Jahrhunderts und macht eindringlich spürbar, dass man der Geschichte nicht entkommen kann.“
Als ich mir dieses Buch ausgeliehen habe, glaubte ich, ein Buch über irgendwelche „Nazigeschichten“ lesen zu werden, weil dies im Klappentext so angedeutet wird. Ohne Vorkenntnis stürzte ich mich ins Geschehen. Nach und nach wurde es mir klar, dass der Klappentext nicht den Inhalt des Romans widerspiegelt. Kurz war ich enttäuscht, las aber dennoch weiter und im Nachhinein betrachtet war es kein Fehler. Es ist zuallererst Haslingers gestochen scharfer, eigenartig lässiger, Stil, der mich fasziniert. Diese Lässigkeit, mit der Rupert Kramer das Leben meistert, und sein Leben selbst halten mich bis heute in Atem. Obwohl es hier teilweise provinziell wird, ist es doch ein Roman von der großen weiten Welt. Vielleicht kommt hier keine eindeutige Interpretation zustande, da Haslinger nicht nur die Vetternwirtschaft oder nicht nur den Nationalsozialismus kritisiert, trotzdem regt dieser Roman sehr zum Denken an. „Das Vaterspiel“ von Josef Haslinger kann ich nur sehr, sehr empfehlen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein buch zum verschlingen, 17. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Taschenbuch)
nachdem ich haslingers zugvögel gelesen hatte, entschloß ich mich dazu, weitere werke von hasliger zu lesen. vaterspiel ist ein buch, daß mich mit jeder weiteren seite mehr und mehr zu fesseln wußte. ich hatte im vorfeld eine kritik gelesen, in welcher die handlungsstränge und der aufbau kritisiert wurden. wer halbwegs bücher lesen kann, wird mit dem aufbau des buches keinerlei schwierigkeiten haben.

sehr positiv hervorzuheben ist die sprache in diesem buch. einfach, verständlich, aber dennoch faszinierend in aufbau und gestaltungsweise. manchmal ist weniger eben doch mehr. und besonders in den protokollen des überlebenden litauischen juden entfaltet die einfache und klare sprache ihre wirkung. diese seiten gingen mir voll unter die haut und das lesen hat psychisch richtig geschmerzt. haslinger erzählt in einem so nüchternen stil, der gerade deswegen sehr glaubwürdig und realistisch wirkt. er nutzt keine großen übertreibungen oder dramatiserungselemente. er erzählt und dabei tut sich der schrecken dieser zeit auf.

auch die rahmenhandlung weiß zu feseln. ich habe die schneeflocken vor meinen augen gesehen und auch das räumfahrzeug, daß eine weile vor dem auto des protagonisten (ratz) gefahren ist.

mit der eigentlichen familiengeschichte verhält es sich ebenso wie mit den "judenprotokollen". zutiefst beeindruckend (mir ist noch sehr präsent die geschichte mit dem asiatischen freund der schwester von ruppert (ratz). da wird das spießige im menschen voll und ohne viel federlesens aufs korn genommen, das es eine freude für den leser ist.

und überhaupt, wie haslinger das alles zusammenführt, alle achtung. so macht das lesen von romanen spaß. ich muss nicht schon ab seite 10 erahnen können, wie es weitergeht oder was für einen sinn eingeschobene protokolle haben. der autor weiß schon, was er viel. eine sprachgewalt wird hier mit einfachsten mitteln entfacht, wie ich sie in der letzten zeit selten vor meine augen bekommen habe. ich denke, ich werde mir die anderen sachen von haslinger auch recht bald vornehmen. denn wenn sie nur halb so gut sind wie das vaterspiel sind sie des lesens allemale wert.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gewandt geschrieben. Geschliffen gestrickt., 5. Januar 2001
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Litauische Nazi-Kollaborateure, ein korrupter Verkehrsminister in Österreich mit einem fast nichtsnutzigen Sohn. Verliebte, verlobte, verheiratete - Geschiedene. Lebensdurstige, Geschundene und Ermordete. Und eine flippige Studentin in New York. Josef Haslinger reiht viele geschichte aneinander, die sich erst gegen Schluss zu einem Ganzen fügen. Was erst nur erahnbar ist kommt dann als Paukenschlag. Der österreichische Autor ist ein Meister der Komposition und ein Künstler der sprachlichen Sinnlichkeit. Kommt er mit Farben, leuchten sie. Kommt er mit Gerüchen, duftet es - oder stinkt gewaltig. Schenkt er wein ein, schmeckt man die Lage. Platischer gehts nicht. Einer der besten deutschsprachigen Romane des Jahres 2000.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannende Erzählungen, klobig zusammengeführt..., 16. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Taschenbuch)
Helmut Rupert Kramer, genannt Ratz, ist der Spross einer durch und durch sozialdemokratischen, österreichischen Familie, dessen Familenvater es sogar zum Verkehrsminister gebracht hat, Im Gegensatz zu seinem ambitionierten Vater, ist Rupert in ziemlich allen Belangen des Lebens erfolg-, teilweise sogar antriebslos. Neb...en seinem täglichen Joint kann er sich nur für eine Sache begeistern: Das Programmieren ziemlich seltsamer Computerprogramme, wie seines Vatervernichtungsspiel, in dem der Filius seine Gewaltfantasien gegenüber dem treulosen alten Herren auslebt. In Rückblenden erfahren wir, wie es zum Zusammenbruch der Familie kam, wie sich Ratz immer weiter von seiner Familie entfremdete und dass er keine der guten Eigenschaften (Empathie der Mutter, Ehrgeiz des Vaters, Kreativität der Schwester) auch nur ansatzweise übernommen hat. Mitten in seine Lethargie und Finanzkrise platzt der Anruf einer alten Studienfreundin aus New York. Rupert soll ihr beim Ausbau eines Kellers helfen. WIe sich rausstellt hält sich dort seit 37 Jahren ihr Großonkel versteckt, ein litauischer Nazi-Kollaborateur, mitverantwortlich für die Ermordung tausender Juden....

Hasslingers Roman weiß stellenweise durchaus zu packen. In drei verschiedenen Erzählebenen schildert er die Geschichte der Familie Kramer, Aufstieg und Fall, das Zerbröckeln der bürgerlichen Fassade. Dazwischen gestreut sind die Zeugenaussagen eines Holocaust-Überlebenden, deren Sinn sich erst später im Roman erschließt (sofern man nicht den Fehler macht den Klappentext zu lesen). Während diese beiden getrennten Erzählungen spannend und sprachlich ansprechend gestaltet sind, ist die Rahmenhandlung - das Geschehen in der Gegenwart - in großen Teilen misslungen. Hasslinger verliert sich in unwichtigen Detailbeschreibungen, die weder die Geschichte vorantreiben, noch einen tieferen Einblick in das Seelenleben, dieses seltsam leeren, unpositionierten Charakters "Ratz" ermöglichen. Der Höhepunkt ist gleich zu Beginn die Fahrt zum Flughafen, mit ellenlangen Beschreibungen der Strecke und vor allem der Leitplanken. Der Autor verstrickt sich immer wieder in Nebenschauplätzen, deren Sinn sich einem partout nicht erschließen will. So bleiben am Ende zwei Erzählstränge, die durch die anstrengende Rahmenhandlung mehr schlecht als recht zusammengeführt werden, was auch daran liegt, dass einem die Motivation des Protagonisten, einem überführten Nazi-Kollaborateur zu helfen, bis zum Schluss unbekannt bleibt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der besten Neuerscheinungen dieses Jahres, 3. September 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich kann "Das Vaterspiel" von Josef Haslinger wärmstens empfehlen! Das Buch besteht aus zwei verschiedenen Teilen, die erst in den letzten Kapiteln einen Zusammenhang finden. Es ist in einer sehr klaren Sprache geschrieben und bis zum Schluss mit einer unheimlichen Spannung besetzt. Einerseits fasziniert die von Haslinger ausgezeichnet dargestellte "kleine" österreichische Welt einer Politikerfamilie (insbesondere ist der Konflikt zwischen dem sozialdemokratischen Vater und seinen konservativen Schwiegereltern ausgezeichnet beschrieben!). Andererseits lassen einem die dramatisch beschriebenen Szenen der Judenverfolgungen vor und während d. 2. Weltkrieges in Litauen (von denen man bisher nur sehr wenige Informationen hatte) den Atem anhalten. Ein Buch (mit 576 Seiten), das man eigentlich in einem durchlesen kann, das fasziniert und ganz bestimmt zum Nachdenken anregt.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bester Schriftsteller Österreichs, 19. Februar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach Thomas Bernhards Tod wurde oft die Frage gestellt, wer denn nun seine Nachfolge antreten werde, soll heißen, wer ist der bedeutendste Schriftsteller Österreichs. Damals, nach der Lektüre von "Die Klavierspielerin" war die Antwort für mich klar: Elfriede Jelinek. Doch inzwischen habe ich mehr von ihr gelesen und meine Meinung geändert. Diese Sprache ist zu zynisch, ihre Einstellung im Grunde menscheneindlich. Wer in Österreich hat nach dem Krieg eigentlich wirklich Romane geschrieben, die sich sowohl mit der Vergangenheit, als auch mit der gesellschaftlichen Realität der Gegenwart auseinandergesetzt, und zwar in einer Art und Weise, das man sagen kann, das ist der moderne österreichische Roman? Ich denke, das ist Haslinger bisher am überzeugensten gelungen. Nach dem schon fulminanten Debutroman "Opernball" ist ihm mit dem "Vaterspiel" eine Steigerung gelungen.In der ersten Person aus der Sicht eines erfolglosen Computerexperten, der unverkäufliche Computerspiele entwickelt, geschrieben, zieht der Roman die Geschichte einer typisch österreichischen Politikerkarriere und wohl auch einer nicht untypischen österreichischen Familie nach. Der Vater, um den es hauptsächlich geht, macht eine Politikkarriere durch, in der er es vom sozialistischen Jugendfunktionär bis zum Minister bringt, und dann (auch typisch österreichisch )durch einen im Grunde lächerlichen Skandal abgesägt wird. Irgendwann waren Macht und Geld einfach wichtiger als sozialistische Ideale. Beispiele in der Realität dafür gibt es genug. (Nicht nur sozialistische). Neben dieser Familiengeschichte beschreibt Haslinger die schrecklichen Erlebnisse einer litauischen Judenfamilie, die zur Gänze vernichtet wird, aus der Sicht des einzigen Überlebenden. Dieser Teil ist gerade wegen seines eher sachlichen Tons in Protokollform berührend und beeindruckend. Daneben gelingen ihm auch Szenen von absurder Komik, wie etwa die Taufe des "roten Kaplans" im großväterlichen Fischweiher. Letztendlich laufen in New York die Fäden zusammen, wo der Erzähler auf Bitte einer ehemaligen Freundin ausgerechnet für jenen "litauischen Freiheitskämpfer", wie er sich später bezeichnet, eine Kellerunterkunft bauen soll, welcher maßgeblich an einem Massenmord an Juden beteiligt war. Doch davon erfährt er erst genaueres, als das Versteck fertiggebaut ist. Außerdem gelingt es ihm, sein "Vaterspiel", in dem es darum geht, seinen Vater zu vernichten im Internet sehr erfolgreich zu vermarkten. Dann erfährt er, daß sein Vater Selbstmord begangen hat. Die reale Wirklichkeit hat also die virtuelle überholt und ad absurdum geführt. Wie Haslinger das alles erzählt, ineinanderschichtet, aufbaut und weiterführt, ist beeindruckend. Ich halte ihn für den derzeit wichtigsten und besten Autor Österreichs und es wäre schade, wenn wir wieder ein halbes Jahrzehnt auf seinen nächsten Roman warten müßten.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Langatmiges kurzweiliges Kaleidoskop, 20. März 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Taschenbuch)
Das Buch ist ein Kaleidoskop an Anekdoten und einer Story vor dem Hintergrund der offenbar sehr genau recherchierten Zeit, als die Nazis Litauen einnahmen. Die einzelnen Anekdoten einer typisch österreichischen Nachkriegsfamilie in Zeiten des rotschwarzen Proporzes sind unterhaltsam erzählt. Auch die Geschichte über die Judenvertreibungen in Litauen sind sehr interessant und machen den Leser betroffen. Die Verquickung der Erzählstränge ist allerdings äusserst krampfhaft gestaltet, und mit unerträglichen Längen versehen: Höhepunkt der Fadesse ist dabei die über mehrere Seiten gehene Beschreibung einer Autofahrt, wo jeder Handgriff im Auto erklärt wird. Die eigentliche Geschichte vom Buchcover ist dann viel zu kurz geraten. Das ganze könnte man auf 250 Seiten kürzen, oder es gäbe Stoff für mehrere Bücher. Wie auch bei anderen Büchern Haslingers (Opernball) beginnt das Buch sehr interessant, unterhaltsam und mit äusserst interessantem und detailreichem Geschichtsbezug, und flacht auf den letzten 150 Seiten unverhältnismässig stark ab, was den Plot betrifft. Ich habe mich gegen Ende richtig geärgert über das, was hier geboten wird und mir Überlegt, ob ich es überhaupt noch fertig lesen soll.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles in allem gelungen, 1. Mai 2001
Von 
Ulrich Hartmann (Mulfingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Obwohl der Roman sehr lang und in seiner Anlage verschachtelt ist, ist er eine fesselnde Lektüre. Ich hatte ihn nach zwei Tagen durchgelesen. Als Teil derselben Generation wie der Ich-Erzähler habe ich einige eigene Erinnerungen wiedergefunden, und zugleich etliches über das Innenleben Österreichs erfahren. Manche Stellen und viele Ausdrücke sind recht unappetitlich, aber der Autor bringt sie nicht, weil er sich am Ekelhaften weidet, sondern weil er etwas wirklich Ekelhaftes zeigen will. Der Ich-Erzähler ist alles andere als ein sympathischer Held; man kann sich vorstellen, daß die Geschichte aus der Perspektive des Vaters ganz anders aussähe. Letztlich schildert das Buch einen Haß, der aus der Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und familiärer Geborgenheit erwächst - und ausgerechnet, da, wo der "Held" das alles zu finden hofft - und findet - trifft er auf einen Menschen, der ein tausendfacher Mörder ist. Das gibt einem viel Stoff zum Nachdenken. Ich muß gestehen, daß ich die Kapitel über die Ereignisse in Litauen im 2. Weltkrieg nur sehr diagonal gelesen habe. Sie kamen mir zu angelesen vor und hatten mir zu wenig Verbindung mit dem Rest des Buches. Aber sie haben seinem Verkaufserfolg sicherlich gut getan...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Scharfsinn und Handwerkskunst!, 22. Januar 2001
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Haslinger beschäftigt immer noch das Thema des Rechtsradikalismus. Dies ist legitim und angesichts zeitgeschichtlicher Ereignisse leider auch bitter nötig. Das Vaterspiel steht im Vergleich zum Opernball aber "mit beiden Beinen voll im Leben". Die Geschichte könnte genau so wirklich passiert sein. Ohne große Sensation und ohne psychopatische Wahnsinnige. Das Leben hat auf dem europäischen Kontinent genug Stoff parat um ganze Bibliotheken mit spannendster Literatur zu füllen.
Das Vaterspiel ist ein Werk mit dem Anspruch einer der Romane des 20. Jahrhunderts zu werden. Haslinger navigiert und transportiert den Leser durch Ereignisse und Schauplätze des vergangenen Siecle mit unbeschreiblicher Leichtigkeit. Trotz der Tragweite der abgehandelten Themen ist es ein wahres Reiseerlebnis, das Tourleiter Haslinger zu bieten vermag. Drei wesentliche Handlungsorte kombiniert mit Duftmarken aus einem halben Jahrhundert verbindet der Autor mit einem unsagbaren, ja ungeahntem Geschick und schafft es, sich so tief in die verschiedensten Themen und Persönlichkeiten einzuarbeiten, daß man manchmal den Eindruck hat man lese ein zeitgeschichtliches Zeugnis und und keinen Roman.
Zusammengefaßt wird die unbestreitbare Qualität des Romans vom Aufbau der Geschichte über die Spannweite der Handlung in Verbindung mit den akribisch recherchierten Fakten sowie den psychologisch so ausgefeilten und voneinander so unterschiedlichen Charakteren bestimmt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Österreichische Vergangenheitsbewältigung, 17. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Vergangenheit lässt Österreichs Autoren nicht los. Josef Haslinger, 1955 in Zwettl in Niederösterreich geboren, vor 5 Jahren bekannt geworden durch den Roman „Opernball", setzt sich mit der Väter- und Großväter-Generation auseinander. Wer allerdings die Beschreibung eines Generationen-Konfliktes etwa im Stile eines Thomas Bernhards erwartet, wird enttäuscht. Obwohl der Klappentext (zumindest in meinem Leseexemplar) den Eindruck erweckt: es geht primär NICHT um die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, NICHT um die Verdrängung durch die Täter, NICHT um den verzweifelten Versuch der Opfer, der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Bei Haslinger kommt die Vergangenheitsbewältigung ohne jede Schwarz-Weiß-Malerei daher.Indem der Roman auf mehreren (räumlichen, zeitlichen, personellen) Ebenen spielt, gelingt es Haslinger, von seinen Personen jeweils ein sehr differenziertes Bild zu entwerfen. Es gibt nicht „den Schuldigen" oder die „Opfer". Haslinger entschuldigt aber nichts, er relativiert auch nicht die Verbrechen der Nazis. Es wird vielmehr deutlich, dass sich Geschichte und der Geschichtsprozess letztendlich aus einer Unsumme an Einzelschicksalen zusammensetzen. Noch einmal: Irritierend wirkt der Klappentext des Verlages. Denn letztendlich ist das „Vaterspiel" die Geschichte eines Generationenkonflikts, der mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun hat. Ratzens Vater ist um 1945 geboren; die Konflikte zwischen ihm und seinem Sohn entstehen dadurch, dass der Vater die Mutter betrügt und verlässt. Die nationalsozialistische Vergangenheit bildet eher den Hintergrund zu Ratzens Geschichte und zu der Entwicklungsgeschichte seiner Eltern und Grosseltern. „Das Vaterspiel" weist einige Längen auf; der nächtlichen Flucht Ratzens aus Österreich in die Staaten beispielsweise - nach Mimis Hilferuf - räumt Haslinger viel zuviel Platz ein, ohne dass die Funktion dieses Erzählstranges für das Romangebäude ersichtlich wird. Insgesamt aber eine spannende, unterhaltsame Lektüre; durch den Klappentext werden zum Teil falsche Leseerwartungen geweckt (etwa die, es handle sich um eine österreichische NS-Geschichte).
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Das Vaterspiel: Roman
Das Vaterspiel: Roman von Josef Haslinger (Taschenbuch - 23. Februar 2012)
EUR 10,95
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