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72 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein grosses Buch ueber Schopenhauer,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Broschiert)
Dieses Buch ist mit Abstand eines der wertvollsten, tiefsinnigsten, sensibelsten und bildungsgeladensten Buecher, die ich seit langem gelesen habe.Ruediger Safranski hat sich Schopenhauer, seine Familie und sein Werk, aber auch seine Umwelt, die geschichtlichen Ereignisse, die philosophischen Stroeme vorgenommen. In dieser Umgebung zeichnet er uns ein sensibles, kluges Bild von Arthur Schopenhauer. Wir begreifen, wie sehr Schopenhauer aus der Tradition von Platon, Descartes und Kant erwuchs und wie wichtig es ihm war, sich von den Ich-Subjektivisten um Fichte abzugrenzen. Wir lernen, wie fremd ihm seine Mutter Johanna Schopenhauer wurde, als diese nach dem Tode des vergoetterten Vaters einen Teesalon in Weimar eroeffnete, dem auch Goethe regelmaessig angehoerte. Wir begleiten Arthur auf seinem Weg vom schuechtern gegen den Strom anschwimmenden bis zum heftig wetternden Philsophen, der die Philosophie des Loslassens formulierte, eine Philosophie der Kontemplation: Erst, wenn wir uns ganz in ein Objekt versenken, hoeren wir auf, ein Werkzeug des "Willens" zu sein. Waehrend die Naturwissenschaft die Gesetze der Erscheinungen des Willen beschreibt, vermag es der Kuenstler, hinter die Erscheinung, bis zum eigentlichen "Ding an sich", dem "Willen", hindurchzusehen und ihn zu erkennen. Nirgends mehr als in der Musik wird der "Wille" unmittelbar offenbar. Wir begreifen, aus welcher persoenlichen und allgemein welthistorischen Position heraus Schopenhauer zum Satz der "Verneinung des Willens" kam. Ich bin wirklich beeindruckt von dem Buch. Auf jeder Seite fand ich entweder eine tiefe Einsicht in Schopenhauer und jene Philosophen, die ihn zeitlich oder inhaltlich umgaben, oder aber eine allgemein-sensible Bemerkung Safransiks, die es sich anzustreichen lohnte. Safranski ist von breiter geisteswissenschaftlicher Bildung und vermag es, uns den Menschen Schopenhauer auch persoenlich so nahe zu bringen, dass wir ihn ganz und gar verstehen und mit ihm fuehlen. Daneben wird die Philosophie aus der Tradition so gut motiviert und erklaert, dass man ein festes Netz historischer und gedanklicher Bruecken zurueckbehaelt. Ich bin dankbar, dass kluge Menschen wie Safranski sich Zeit nehmen, das Lebenswerk eines Philsophen so bunt und lebendig zu einem Erinnerungswerk zu verweben. Hoechst lesenswert fuer "sehr" Schopenhauer-Interessierte. Allerdings ist es nicht geeignet als rasche Einleitung oder Uebersicht. Dafuer empfehle ich lieber die auch sehr gute rororo Monographie. Dieses Buch hier ist wirklich ein dicker Band, fuer den man sich Zeit nehmen muss. Aber es lohnt sich. Ein grosses Buch. Lesenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Philosoph des Heulens und Zähneklapperns,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Broschiert)
Ein komischer Kauz muss er gewesen sein, dieser 1787 in Danzig geborene Arthur Schopenhauer. Schon früh zeigte sich sein dominanter Charakter mit einem Hang zur Besserwisserei. Den Grund hierfür sieht Safranski in der fehlenden Bindung zur Mutter in Arthurs frühester Kindheit: "Wem es an grundlegender Lebensbejahung mangelt, nicht aber an stolzem Selbstbewusstsein, der ist, wie Arthur, dafür disponiert, auf alles Lebendige jenen verfremdenden Blick zu werfen, aus dem die Philosophie kommt: die Verwunderung darüber, daß es überhaupt Leben gibt" (31). Im Alter von 27 Jahren schrieb Schopenhauer sein bahnbrechendes Werk Die Welt als Wille und Vorstellung: Die Welt als Wille und Vorstellung I: Bd 1, welches aber bis zum Jahr 1853 von der Öffentlichkeit ignoriert wurde, was Schopenhauers Eitelkeit tief verletzte, so dass er sich immer wieder abschätzig über seine Zeit äußerte: "Mein Zeitalter [...] ist nicht mein Wirkungskreis, sondern nur der Boden auf dem meine physische Person steht, welche nur ein unbedeutender Theil meiner ganzen Person ist" (394). Gegen Lebensende lief er oft mit seinem Hund lautstark Selbstgespräche führend durch Frankfurt und als er in hohem Alter endlich die Anerkennung erfuhr, die er sich immer gewünscht hat, kommentiert er selbstbewusst: "Der Nil ist in Kairo angekommen".Nicht nur aufgrund seiner Person, auch aufgrund seiner Philosophie passte Schopenhauer nicht so recht in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hegel, der große Dominator des Zeitgeistes, predigte sein Konzept des Weltgeistes, welches den Weg in eine bessere Zukunft wies. Fichte, der Ich-Philosoph, konzentrierte sich auf die schaffenden Kräfte des Individuums und Marx sah diese schaffende Kraft zwar nicht im Individuum, dafür aber in der Körperschaft des Proletariats. Anders Schopenhauer. Er gilt bis heute als der große Pessimist unter den Philosophen, für den das Leben weniger als etwas zu Gestaltendes, sondern vielmehr als etwa zu Erduldendes gilt. Unvergessen sein Satz: "Eine Philosophie [...] in der man zwischen den Seiten nicht die Tränen, das Heulen und Zähneklappern und das furchtbare Getöse des gegenseitigen allgemeinen Mordens hört, ist keine Philosophie" (453). Kernelement der Philosophie Schopenhauers ist das Konzept des Willens. Der Wille ist die der menschlichen Existenz zu Grunde liegende Grundstruktur. Und diese Grundstruktur ist nichts Schaffendes, nichts Positives, sondern etwas Destruktiv-Negatives: Der Wille, der allem zugrunde liegt, ist eben nicht Geist, der sich verwirklicht, sondern ein blindes, wucherndes, zielloses, sich selbst zerfleischendes Treiben, ohne Transparenz auf etwas Gemeintes, auf etwas Sinnvolles hin" (310f.). Safranski fasst prägnant zusammen: "Der Wille hat kein Ziel, er kreist als blinder Drang. Er berechtigt zu keinen Hoffnungen. Man kann ihm das Projekt einer geschichtlichen Vernunft nicht anvertrauen" (329). Dieser Wille manifestiert sich nach Schopenhauer am Ursprünglichsten im Sexualakt: "Wenn man mich fragt, wo denn die intimste Erkenntniß jenes inneren Wesens der Welt, sein Ding an sich, das ich den Willen des Lebens genannt habe, zu erlangen sei? [...] - so muß ich hinweisen auf die Wollust im Akt der Kopulation. Das ist es! Das ist das wahre Wesen und der Kern aller Dinge, das Ziel und Zweck alles Daseyns" (400). Man kann sich vorstellen, warum es so lange gedauert hat, bis Schopenhauer und seine Zeit zueinander gefunden haben. Rüdiger Safranski schafft es wie kaum anderer deutscher Philosophie, anspruchsvolle Themen massenkompatibel zu verpacken ohne zu große inhaltliche Reibungsverluste in Kauf nehmen zu müssen. Seine Biografien über Nietzsche: Biographie seines Denkens (2000) und Ein Meister aus Deutschland: Heidegger und seine Zeit (1994) waren allesamt Bestseller und Safranskis neuestes Buch Romantik. Eine deutsche Affäre (2007) befindet sich seit Monaten in den Bestsellerlisten. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Safranski ein sehr guter Erzähler ist, der in der Lage ist, auch schwierige Sachverhalte rhetorisch anspruchsvoll und dennoch verständlich zu vermitteln. "Schopenhauer" ist viel mehr las die Rekonstruktion des Lebens eines Mannes, sondern vielmehr die Darstellung eines gesamten Zeitabschnitts aus philosophischer Perspektive. Detailliert geht Safranski auf Teile von Kants Philosophie ein, da Schopenhauer sein Konzept des Willens aus Kants Konzept des "Ding an sich" entwickelte. Auch Hegels Philosophie, die die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmte, wird näher umschrieben. Fazit: Sehr gut geschriebene Biografie eines schwierigen Mannes und eines großen Philosophen, der bis heute nachwirkt. Nachfolgende Denker wie Nietzsche oder auch Michel Foucault ließen sich von Schopenhauer inspirieren. Zugleich entwirft die Darstellung ein Panorama des gesamten philosophischen Diskurses der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr gut lesbare Schopenhauerbiographie,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie. Eine Biographie. (Taschenbuch)
Das Buch stellt eine sehr gut lesbare Schopenhauerbiographie dar, die auch ein Gefühl für die zur damalige Zeit vermittelt. So werden Zeitgenossen Schopenhauers wie zB Goethe und dessen Verhältnis zum sich entwickelnden Schopenhauer mit einiger Ausführlichkeit beschrieben. Der Leser erhält ein Gefühl für die politischen Probleme der damaligen Zeit durch Darstellung der damals agierenden politischen Figuren. Das der Schopenhauerschen Philosophie ebenfalls der gebührende Raum eingeräumt wird ist selbtverständlich. Dies geschieht in einer immer sehr gut verständlichen, spannenden Art der Darstellung. Insgesamt eine der ausführlichsten und am besten lesbaren Schopenhauerbiographien, die sich nicht ausschließlich auf Schopenhauer selbst konzentriert, sondern durch Beleuchtung der die damalige Zeit prägenden Figuren und Ereignisse, ein plastisches Bild der damaligen Zeit und der Entwicklung Schopenhauers vermittelt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Imposant, geistreich, umfassend,
Von Jay2Cees (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Broschiert)
Safranski ist es gelungen, eine Biographie Schopenhauers, die Philosophie des 19. Jahrhunderts und das gesellschaftliche und politische Leben der damaligen Zeit eindrucksvoll darzustellen. Das Ganze so geschrieben, dass es eine Freude und Bereicherung ist, dieses Buch zu lesen. Auch psychologisch kluge und einfühlsame Passagen zu den "Paradoxien" des Philosophen werden eingeflochten. Ein wichtiges, weises, wunderbares Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Die Welt als Wille und Vorstellung",
Von
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Broschiert)
Arthur Schopenhauer (1788- 1860) lebte in einer großen philosophischen Zeitepoche und konnte z.B. Kant und Goethe noch persönlich kennen lernen. Beide waren von Schopenhauer beeindruckt, wobei Kant ihm den Weg ebnete, um als Philosoph seinen ersten Durchbruch zu erlangen.Schopenhauers Denken wurde stark geprägt zum einen von Platon, insbesondere von dem sogenannten "Höhlen-Gleichnis". Dort zeigt sich für ihn eben das "Erkennen", das zugleich ein "anderes Sein" bedeutet. Es ging für Schopenhauer nicht mehr darum die Gegenstände besser zu sehen, sondern in der Sonne zu sein. Zum anderen wurde er geprägt durch den großen Philosophen Kant. Unabhängig von dem damaligen Zeitgeist geht er, geprägt von diesen beiden philosophischen Polen seinen eigenen Weg. Seine Gedanken sind mutig, denn er ist ein großer Denker, der auch die Schwachstellen der großen anderen Philosophen (wie z.B. die von Hegel und Fichte) erkannte und der gegen die vom Zeitgeist favorisierte Vernunftreflektion, mehr die Rolle der verständigen Anschauung betonte. Gefallen hat mir der Hinweis des Autors, dass sich Schoppenhauer später auch mit der östlichen Philosophie stark beschäftigte und diese ihn auch beeindruckte (z.B. Upanischaden: Altindische Weisheiten). Er schrieb dazu selber: "Ich gestehe übrigens, daß ich nicht glaube daß meine Lehre je hätte entstehen können, ehe die Upanishaden, Plato und Kant ihre Strahlen zugleich in eines Menschen Geist werfen konnten."(S.303) Für den "Willen", der in uns und zugleich als "Ding an sich" hinter allen Erscheinungen steckt, glaubt Schopenhauer in den Upanishaden auch eine Entsprechung entdeckt zu haben: das "Brahma", die Weltseele.(S.304) Auch daran erkennt man, er war nach allen Seiten offen und gedanklich der damaligen Zeit schon weit voraus. Fazit: Das Buch ist gut geschrieben und beschäftigt sich nicht nur mit der Biographie von Schopenhauer und seiner Familie (es ist nicht uninteressant zu erfahren, wie er mit seiner Mutter und auch seinem persönlichen Umfeld umging), sondern es folgen auch viele gelungene inhaltliche Verknüpfungen mit den großen Philosophen der damaligen Zeit. An diesen Stellen zeigt der Autor dann auch die erforderliche fachliche Tiefe. Mit Leichtigkeit gelingt es dem Autor so z.B. Schopenhauers Werk: "Die Welt als Wille und Vorstellung" ins richtige Licht zu rücken, und er schwenkt dann mit der gleichen Leichtigkeit rüber zu dem "Menschen" Schopenhauer, wie dieser sich sehr ungeschickt mit seinem neuen Verlag massiv verärgerte, als es um den Veröffentlichungstermin seines gerade genannten Werkes ging. Er war eben auch ein kleiner "Hitzkopf", oder wie der Verlagsinhaber dann sagte, ein "Kettenhund". Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr als nur eine Biographie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Gebundene Ausgabe)
Das Leben von Schopenhauer wird sehr ausführlich und detailliert beschrieben, wobei alle Lebensabschnitte ähnlich viel Raum beanspruchen. Man erfährt viel über ihn und auch, wie einiges von seinen Lebenserfahrungen mit in die Philosophie eingeflossen ist. Man kann sich ein gutes Bild davon machen, wie er gelitten haben muss, als man ihn in eine Kaufmannslaufbahn drängen wollte, ebenso die Gesellschaftsabende, die seine Mutter gegeben hat, auf welcher Prominenz wie Goethe anwesend war. Man erfährt, wie sich die Gedanken entwickelt haben und wie er obwohl seine Philosophie fast sein gesamtes Leben lang keine große Beachtung gefunden hat, wahrscheinlich teils darunter gelitten hat, jedoch nie an dieser gezweifelt hat und für die Philosophie leben konnte. Da er von seinem Vater geerbt hatte, war er nie davon abhängig, Anerkennung von außen zu finden, ansonsten hätten wir heute wohl kaum ein Werk von ihm vorliegen.Desweiteren wird auf die damaligen Verhältnisse eingegangen und selbt wenn man keine große Ahnung von Geschichte hat, bekommt man einen guten Überblick, in was für Unruhen man sich damals befunden hat. Man erfährt womit sich die Philosophie zu Schopenhauers Zeit gerade beschäftigt hat und natürlich Schopenhauers Philosophie, von welchen Philosophen er sich abgrenzen wollte und auf welche er sich bezogen hat. Für mich war dies die erste Schopenhauerbiographie, die ich gelesen hatte, ich kannte bis dahin einige seiner Werke, aber über die Person selbst wußte ich nicht viel. Da ich persönlich die Biographien von bekannten Dichtern und Denkern zum Teil sogar interessanter finde als die Werke selbst, habe ich mir dieses Buch bestellt und bin nicht enttäuscht worden. Zusammenfassend ein sehr gut geschriebenes, ausführliches Buch, was ich auf alle Fälle jedem empfehlen kann. Es gibt nicht nur sehr gut die Philosophie Schopenhauers wieder, sondern vermittelt ein sehr gutes Bild von ihm, man sieht einen genialen, begabten Menschen, welcher teils launisch und merkwürdig gewirkt haben muss und bis auf den Schluss nie viele Anhänger hatte, jedoch aller Zweifel erhaben an seinem Werk gearbeitet hat. Ebenso hat man das Bild einer ganzen Epoche vor sich. Natürlich gehört zum Lesen ein gewisses Interesse für die Materie dazu, aber das versteht sich denke ich von selbst. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aus dem Leben der Philosophie,
Von dobizz "Meine Medienwelt" (Norddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Broschiert)
Rüdiger Safranski: Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie, Fischer Taschenbuch Verlag, 5. Aufl. Jan.2008In diesem Buch wird Philosophie lebendig und das Leben philosophisch! Es ist viel mehr als eine Lebensbiographie Schopenhauers, es ist eine geistige Biographie, die Evolution der Philosophie Schopenhauers und die lebendige Erinnerung an eine turbulenten Epoche der Philosophie überhaupt, spannend und geistreich geschrieben, so daß das Buch schnell zu einem Schmöker wird, das einen nicht mehr los lässt. Mit sehr viel psychologischem Einfühlungsvermögen beschreibt R.S. die Lebensabschnitte Schopenhauers, die biographischen, gesellschaftlichen & geistigen Einflüsse auf die Entwicklung seines philosophischen Weltbildes. Nahtlos in den Lebensteppich sind sogenannte "Philosophische Szenarien" eingewoben, die für sich schon philosophisches Wissensfutter und sehr erhellend sind: über die Romantik, die philosophische Evolution von Descartes zu Kant *in knapper Form so erhellend über die Kantsche Philosophie zu schreiben ist schon ein Kunstwerk an sich* und später zu den Werken Schopenhauers selbst, der Siegeszug Hegels u. v. m. Abgesehen davon, daß das alles sehr spannend geschrieben ist und ein sehr lebendiges Bild einer vergangenen, "wilden" Epoche der Philosophie *und nicht nur der Philosophie* auferstehen lässt... *köstlich und informativ z.B. die "Sitten"gemälde der Städte Danzig, Hamburg, Weimar, Dresden, Frankfurt und die Beschreibungen Goethes, wo sich seine Lebenslinien mit denen Schopenhauers berühren, und vieler anderer Zeitgenossen* ...außerdem vermittelt R.S. einen fundierten Zugang zum Werk Schopenhauers. Besonders gut haben mir dabei die vielen Zitate und Erläuterungen aus den Manuskript- und Tagebüchern Schopenhauers gefallen, die viele philosophisch wertvolle und prägnante Aussagen enthalten. Ich jedenfalls konnte es nach der Lektüre dieses Buches kaum noch abwarten und fühlte mich gut gerüstet, mich an "Die Welt als Wille und Vorstellung" zu machen - nachdem mich vorher die furchteinflößenden Vorreden A. Schopenhauers selbst *wer sie gelesen hat, weiß, was ich meine* immer davor abgeschreckt haben. Philosophie *nicht nur beschreibend sondern selbst philosophierend ausgeführt*, Psychologie, Geschichte, Zeitgemälde - einmalig erzählt! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3.0 von 5 Sternen
Lebensnahe Charakterdarstellung - nicht ausreichende Werkentschlüsselung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Gebundene Ausgabe)
Safranski beschreibt farbenfroh die Stationen Schopenhauers (S.) auf seinem Weg durch das in Stadtstaaten, Herzogtümer, Fürstentümer und Königreiche aufgeteilte Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Hamburg, der Stadt seiner Kindheit und Jugend, gibt das angelsächsisch ausgerichtete Patriziat in Verbindung mit dem nüchternen hanseatischen Erwerbssinn den Ton an. S. folgt nach qualvollen Lehrjahren zum Kaufmann - dem Gebot des verstorbenen Vaters gehorchend - seiner Mutter in die Idylle der kleinen Residenzstadt Weimar. Weimar war um die Jahrhundertwende zum Tummelplatz der sogenannten Dichter und Denker geworden, auf welchem S. häufig mit seinem "Ersatzvater" Goethe zusammentraf. Es folgen Jena, Dresden, Berlin und Frankfurt. Von all diesen Städten gibt uns Safranski ihr einstiges Bild zurück, angefangen bei dem Zustand der Straßen über das gesellschaftliche Leben des gehobenen Bürgertums bis hin zu den politischen Veränderungen durch die französische Revolution und in deren Gefolge durch Napoleon.Man lernt S. vor dieser lebendig nachgezeichneten Umwelt als Kind seiner Zeit kennen: Misstrauen, Selbstgerechtigkeit, Herablassung, Bindungs- und Rücksichtslosigkeit sind bis ins hohe Alter hinein die Attribute dieses Mannes. Dank seiner Spürnase für ihn angehende Unannehmlichkeiten, gelingt es ihm, dem Zeitgeschehen auszuweichen - so werden z.B. die Pläne für eine Heirat durch eine eventuelle Erkrankung der Verlobten von ihm wieder fallengelassen. Der Hass auf die Kollegen Fichte und Hegel ist zum einen in der mangelnden Akzeptanz seiner Person als Universitätslehrer und Autor durch Verlage und Öffentlichkeit begründet; seine herabsetzenden und z.T. unkontrolliert polemischen Urteile über deren Philosophie zeigen seine geringe Souveränität. S. ist aufgrund seines väterlichen Erbes nicht auf den täglichen Broterwerb angewiesen; daher wehrt er sich gegen alle möglichen finanziellen Verluste durch betrügerische Banken und verleugnet aus Sorge um sein Vermögen alle durch die Revolution von 1848 in die Wege geleiteten Reformbemühungen. Sein Geiz läßt ihn auch die Loyalität gegenüber Mutter und Schwester vergessen. Sein Leben ist nahezu ausschließlich seinen philosophischen Arbeiten gewidmet - Beziehungen zu Frauen und zu den Wegbegleitern aus Literatur und Philosophie überschreiten nie eine Grenzlinie, welche weit vor Freundschaft und Liebe gezogen ist. In seinem Lebenswerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" steht im Vordergrund seiner Erkenntnissuche nach dem Ursprung des menschlichen Seins der im menschlichen Körper ruhende Wille, der als "Ding" an sich bezeichnet wird. Der Wille folgt dem Wollen, Verstand und Vernunft verfügen über rein dienende Funktion. Seine Ausführungen über die Freiheit unserer Willensentscheidungen heben auf die Kausalität ab, d.h. das Verhalten oder Handeln folgt einer vorgelagerten Wahrnehmung. S. entdeckt außerdem das in uns ruhende Phänomen des Mitleids: dies sei nicht Resultat einer christlichen- oder humanistischen Erziehung sondern ein auf reinen Egoismus angelegtes Wesen, welches erwacht, sobald wir hautnah mit dem Leiden "unseres Nachbarn" konfrontiert werden; so vermacht dieser mit Regungen der positiven Art nicht reich gesegnete Mann, der in seinem Werk Begriffe wie "Gut" und "Böse" stets vermied, sein noch verbliebenes Vermögen den preußischen Invaliden der Revolutionswirren. Bei allem Lob für Safranski - seine Erläuterungen zu S. Darstellung über die "Freiheit unserer Willensentscheidungen" waren für mich unbefriedigend wegen nicht ausreichenden Verstehens. Auch setzt er in etlichen Passagen durch eigene Gedankensprünge S. die Krone auf, wogegen sich dieser stachlige Charakter mit Sicherheit gewehrt hätte. "Das Handwerk der Freiheit" von Peter Bieri war für mich persönlich zur Entschlüsselung des Komplexes "Willen und Freiheit des Individuums" sehr viel besser geeignet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Safranski, Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Gebundene Ausgabe)
Das Buch kaufen, das nächste Café aufsuchen, im Buch blättern, wenigstens den Anfang lesen, den Tee dabei abkühlen lassen und immer weiterlesen, weiterlesen... Das hat Rüdiger Safranski mit dem "Schopenhauer" bei mir fertig gebracht. Zu hause ankommen, sich zurück ziehen und weiterlesen beim diesem herausfordernden Aufbruch einer geistesgeschichtlich geschichtlich bewegten Zeit.Safranski macht Geschichte aktuell, befreit philosophische Gedankengänge von theoretischem Image, macht sie nachvollziehbar und bringt so den Philosophen unmittelbar in die Gegenwart rüber. Mit Begeisterung weckt er fortwährend neu beim Leser das Interesse an der Philosophie, behandelt mit Akribie die Entwicklung des Philosophen mit ausgiebigen Reisen und dessen Umweg durch das Kaufmannskontor, um endlich in der freien Welt des Geistes anzukommen und sich nachhaltig als Philosoph zu etablieren. Der unangefochtene Ruhm reicht in die Gegenwart reicht, weil Schopenhauer, keine Katheder- und Staatsphilosophie, sondern brauchbare Lebensphilosophie verkündet hat. Wie, das vermittelt der Autor auf 558 Seiten. Dem Anspruch, nachhaltiges Interesse für die Philisophie Schopenhauers zu wecken, wird Rüdiger Safranski mit kenntnisreicher erzählerischer Eleganz in vollem Umfang gerecht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Schopenhauers Welt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie (Broschiert)
Als ich die ersten 100 Seiten des Buches gelesen hatte dachte ich: Das ist alles was man über Schopenhauer nicht wissen sollte.Denn einen Helden (egal ob es ein Held des Geistes oder der Tat ist) sollte man gar nicht als Kind kennen. Denn es wirkt lächerlich z.B. Napoleon (der im Buch auch öfters erwähnt wird) im Sandkasten beim Sandkuchenbacken zuzuschauen. Natürlich muß auch Napoleon irgendwann ein kreischendes Kleinkind gewesen sein, aber man kann es sich schwer vorstellen. Wenn man das Buch allerdings weiterliest bemerkt man, dass Safranski wirklich Kenner der Materie ist. Er kann dem Leser philosophische Theorien im Vorübergehen vorstellen, an denen sicher mancher (der nur das Original gelesen hat) verrückt geworden ist. Er schafft es sogar gegenüber einem solchen Denker auf einer Metaebene zu stehen. Ich würde empfehlen zuerst das Schopenhauer Werk (Welt aus Wille und Vorstellung) zu lesen und danach das Buch von Safranski. Ausserdem kennt Safranski ja nicht nur Schopenhauer, sondern vergleicht mit den anderen Denkern der Zeit. Nur eins muß Herrn Safranski klar sein: Schopenhauer selbst war ein erklärter Feind aller Sekundärliteratur. Ihm hätte es nicht gefallen. Dann sei noch erwähnt, dass das Buch von Safranski auch manchmal unfreiwillige Komik enthält. Z.B. schreibt Schopenhauer 1815 einen Brief an Goethe und erwartet sehnsüchtig die Antwort. Als diese nicht kommt ist er sehr verzweifelt. Die Antwort kommt dann irgendwann 1915 (laut Buch). Schopenhauer hat also 100 Jahre gewartet. (Nun gut, nur ein Druckfehler) FAZIT: UNBEDINGT LESEN Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie von Rüdiger Safranski (Broschiert - 19. Juli 2001)
EUR 14,95
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