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Kundenrezensionen

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am 24. August 2006
Der satirische Roman schildert den Aufstieg eines richtigen Widerlings: Diederich Heßling, größter Fan des deutschen Kaisers, schafft es auf schmutzigem Wege zum reichen Papierfabrikbesitzer.

Zunächst geht man noch etwas skeptisch an die Sache ran: der Wälzer ist ziemlich dick und na ja, Kaiser und so? Das ist doch nun auch schon eine Weile her. Kann man denn damit wirklich noch etwas anfangen? Die Antwort lautet klipp und klar: JA. In Zeiten von Superstars und Co. ist es interessant – teilweise sogar erschreckend, wozu überzogene Idolverehrung führen kann. Man fängt auch einmal darüber an, nachzudenken, wie viel Macht die Medien haben und wie leicht sie die einfachen Leute, aber auch die so genannten großen Köpfe beeinflussen können bzw. von diesen beeinflusst werden. Auch das Privatleben eines Tyrannen wird gnadenlos dargestellt: die Frau wird nur dazu benutzt, an Geld zu kommen und die Karriere voranzubringen.

Sehr viel der politischen Vorgänge lassen sich auf heute übertragen und man kann einiges lernen.

Auch lustige Gemüter kommen nicht zu kurz: Das Buch quillt quasi von Ironie bzw. Sarkasmus nur so über und steckt jede Comedy-Sendung locker in die Tasche!

Beachtlich ist, welche Kritik sich Heinrich Mann an der Kaiserzeit erlaubt hat (das Buch spielt von ca. 1890 bis ca. 1912).

Dieses Buch ist das beste, das ein deutscher Autor jemals verfasst hat. Ich wage sogar zu behaupten, es handelt sich um das beste des 20. Jahrhunderts – weltweit.

Und es sollte wirklich jeder gelesen haben (auch wenn es ziemlich lang ist).

Fazit: Absolute Pflichtlektüre – bringt mehr als 100 Geschichtsbücher (5 + Sterne).
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am 12. Oktober 2010
Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" aus dem Jahre 1912 ist aus meiner Sicht ein lustvoll geschriebenes Kleinod, das sich glänzend zum Einstieg in eine Lektüre der Werke des großen deutschen Romanciers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eignet. Sowohl vom Umfang her als auch thematisch weniger sperrig und groß angelegt als die großen Romane wie "Der Zauberberg" oder "Doktor Faustus", aber doch bereits mit einigen intellektuellen Anleihen an große und wichtige Denkströmungen seiner Entstehungszeit, die Thomas Manns Werke so spannend und aufschlussreich zugleich machen, liest sich "Der Tod in Venedig", sofern man sich einmal auf den natürlich relativ komplexen, dafür aber auch sprachlich einfach wunderschönen Satzbau Manns eingelassen hat, doch recht flüssig und schnell runter, zumal es ein deutlich "handlungsgetriebeneres" (wenn es ein solches Wort gibt) Werk ist als etwa "Der Zauberberg".
Die stark autobiographisch angehauchte Geschichte des alternden und mental wie physisch ausgelaugten, fiktiven Schriftstellers Gustav von Aschenbach, einem preußisch-disziplinierten Künstler von Weltformat, der sich im Zuge seiner großen Lebens- und Schreibkrise von einem "unerklärlichen" ;-) Fernweh heimgesucht fühlt und dadurch schließlich gen Süden fährt, um über Umwege im vor Schönheit sterbenden Venedig zu landen (wie sollte es anders sein?), um dort einen verhängnisvollen Urlaub zu verbringen. Von Unlust und Enttäuschung ob der verfallenden Schönheit geplagt und immer wieder von beängstigend-fratzenhaft anmutenden Gestalten belästigt bis geängstigt, steht Aschenbach schnell kurz vor der Wieder-Abreise, ehe ihm in seinem Hotel ein polnischer Jüngling namens Tadzio auffällt, der ihn fasziniert und offenbar lange unterdrückte Gefühlsregungen in ihm weckt, die ihn schließlich am Ort halten und in ein inneres Dilemma aus versuchter Selbstzucht und homoerotischer Neugier stürzen.
Es ist dieser letztgenannte Aspekt, die Geschichte um Aschenbachs heimliche Liebe zu dem Knaben, bei dem Manns großartige literarische Meisterschaft besonders zu Tage tritt; denn es gelingt ihm wie sonst niemandem, einen solchen inneren Kampf auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen zu beschreiben, die sich bei ihm, und einzig bei ihm, zu einem harmonischen, ebenso kusntvollen wie authentischen Ganzen vereinigen. Einerseits wirkt das Ganze lebensnah, voller Em- und Sympathie für den um seine Würde ringenden Helden, während andererseits die beiden wohl entscheidenden denkerischen Quellen des Werkes sich in diesem Kampf Aschenbachs manifestieren und ihnen ausführliche intellektuelle Behandlung widerfährt: dies sind einmal Sigmund Freuds Psychoanalyse und seine These von der "Wiederkehr des Verdrängten" (hier: der homoerotischen Neigungen Aschenbachs), welche Thomas Mann durch Freuds Lektüre der Novelle "Gradiva" von Wilhelm Jensen kennengelernt und teilweise fast daraus abgeschrieben hat; und darüber hinaus Friedrich Nietzsches Unterscheidung zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, zwischen dem Würdevoll-Ordnenden und dem Rauschhaft-Lustgeleiteten, welche einen immer währenden Hauptkonflikt aller menschlicher Existenz darstellen. Diese damals wie heute bewegenden und auf ewig einflussreichen und wichtigen Denkstrukturen in eine so nahe gehende und empathisch geschilderte Geschichte eines an sich selbst zu zerbrechen drohenden Individuums einzuarbeiten, und das Ganze in die konzise und wunderbar spannend zu lesende Form dieser venezianischen Novelle einzuweben, das ist die wunderbare Leistung, die Thomas Mann mit dem "Tod in Venedig" gelungen ist. Der große Autor der großen Zeitromane zeigt sich hier auch als Meister der Mittelstrecke, und fängt hier mal nicht über einen längeren Zeitraum, sondern ganz punktuell die großen Denkmodelle seiner Zeit ein und macht große Kunst aus ihnen. Unbedingt lesen!
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am 7. Januar 2000
„Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt." So fängt die Lebensgeschichte des Diederich Heßling an und man ahnt schon beim ersten Satz, dass dieses kein gutes Ende haben wird. Sein Leben wird von Anfang bis Ende beschrieben und man sieht, wie sich die Hauptperson entwickelt, wie sie sich zu einem Untertan entwickelt, dessen höchstes Erlebnis es sein wird, den Kaiser aus der Nähe gesehen zu haben. Andere Werte, wie jedoch Liebe und menschliche Gerechtigkeit bzw. menschliches Mitgefühl sind ihm leider jedoch eher fremd. Das Buch schreib einerseits eine spannende Geschichte, andererseits beschreibt es aber sehr gut das deutsche Gedankengut von damals (und sicher auch teilweise von heute), ausgedrückt durch die soziale Unterdrückung, deutsche Burschenschaften, das Militär, die Autoritätenverehrung usw. Eins meiner Lieblingsbücher. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 12. Mai 2015
Wenn man Klassiker ersten Ranges anfasst, erlebt man im Regelfall entweder eine Enttäuschung (denn auch solides Mittelmaß enttäuscht, wenn die Voschusslorbeeren zahlreich waren), oder aber einen wundervollen Lesegenuss.

„Der Untertan“ fällt für mich in die zweite Kategorie. Ein großartiges Buch. Mann stellt bestimmte Teile der kaiserlichen Gesellschaft so prägnant, so packend, so saftig dar, dass es die reine Freude ist, mit den Honoratioren im Ratskeller zu sitzen und zu streiten. Die DDR-Kritik, dass die Arbeiterschaft nur als kursorisch skizzierte Deko vorkommt, ist korrekt – aber kein Beinbruch. Mann hat beschrieben, was er gut beschreiben konnte, und das hat dem Werk gut getan.

Neben der Unterhaltung der eigentlichen Geschichte ist es für den Nachgeborenen beinahe schon gruselig zu sehen, wie präzise Mann viele Mechanismen, Werte und Ansichten des Nationalsozialismus vorweggenommen hat, indem er die Werte des Kaiserreiches bis zur Satire destilliert hat. Das führt dazu, dass man die Kontinuitäten zwischen beiden Systemen geherrscht haben, en passant und gleichzeitig sehr eindrücklich vermittelt bekommt. „Der Untertan“ ist damit die perfekte Vertiefung, wenn man bspw. gerade Evans Band über den Aufstieg des Nationalsozialismus gelesen hat. Evans liefert das Gerippe, Mann das Fleisch.

Die charakterlichen Verrenkungen, die Nationalismus und Obrigkeitswahn erfordern und bedingen, sind ebenso nachvollziehbar wie bestürzend, und müssen jeden modernen Menschen in Zeiten von PEGIDA und Partypatriotismus nachdenklich werden lassen. Kein Wunder, dass Tucholsky damals das Buch geliebt hat; kein Wunder, dass KIZ in ihrem jüngsten Track gegen Fremdenhass immer noch auf dieses Buch verweisen.

Gleichzeitig ist der Charakter Diederichs auch menschlich so eklig, dass man auch ohne all diese Bezüge etwas lernt. Denn Mann baut Diederichs Agieren so breit und lang auf, dass jeder – und zwar wirklich JEDER – sich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen muss. Und dann führt kein Weg am Nachdenken über das eigene Sein, über eigenen Fehler und Schwächen vorbei. Mich hat's jedenfalls mehrfach erwischt.

„Der Untertan“ ist damit alles, was ein Buch nur sein kann: Schön und unterhaltsam, lehrreich und scharfsinnig, nachdenklich machend und anregend.

Es dürfte nur 200 Seiten kürzer sein, aber das war 1913 als Mitglied der Mann-Familie wohl nicht im Bereich des Denkbaren.
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am 13. Dezember 2009
***THOMAS MANN - DER TOD IN VENEDIG UND ANDERE ERZÄHLUNGEN - FISCHER KLASSIK***

Mir liegt Thomas Mann einfach nicht.

Davon war ich bis vor kurzem fest überzeugt, da ich einmal die Buddenbrooks zu lesen begonnen hatte und am großbürgerlichen Schwulst schier erstickt war. Zudem schien mir die Kraft, die etwa sein Sohn Klaus in "Mephisto" erkennen lässt, oder der undiskrete Charme des Bürgerlichen, wie ihn sein älterer Bruder Heinrich im "Untertan" entlarvt, viel näher zu sein.

Aufgrund der unerwartet positiven Begegnung mit dem Hörbuch von "Tod in Venedig", gesprochen von Will Quadflieg, gab ich auch dem geschriebenen Wort des Bürgerlichsten aller Schriftsteller eine neue Chance und kann mich seitdem, ich muss es leider zugeben, durchaus für seine in diesem Band veröffentlichten Erzählungen begeistern!

Mehr noch als der "Tod in Venedig" schätze ich seitdem jedoch "Tonio Kröger" über das innere Empfinden, Werden und Wachsen eines Schriftstellers, dass ich so noch nie irgendwo gelsen habe. Seitdem habe ich zwar nicht meine gesamte frühere Kritik über Bord geworfen: Auch hier wirkt manches stark gekünstelt, geplant und durchkonstruiert. Neu ist für mich jedoch, dass es sich TROTZDEM lohnt, und ich freue mich dass ich diese Erfahrung gemacht und den feinen Lesegenuss gehabt habe.

Da sich der Inhalt von älteren Ausgaben mit ähnlichem Titel unterscheidet, hier noch kurz eine Auflistung der (in der 2008 unter ISBN 978-3-596-90027-5 in der Reihe "Fischer Klassik" erschienenen Ausgabe) enthaltenen Erzählungen:

Der kleine Herr Friedemann
Tristan
Tonio Kröger
Schwere Stunde
Das Eisenbahnunglück
Der Tod in Venedig
Unordnung und frühes Leid
Die Betrogene

Ich wünsche die nötige, mann'sche "Haltung" beim Lesen - und ebenso viel Vergnügen.
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Mit Mitte 30 verfasste Thomas Mann diese Novelle, die vor autobiografischen Elementen geradezu strotzt. Er schildert das Verhängnis einer Künstlernatur, wie der Dichter selbst eine war. Dieser Künstler ist der Schriftsteller Gustav Aschenbach, den ein seltsames Fernweh zur Ferienreise nach Venedig lockt. Vor der Kulisse dieser Stadt des Verfalls entspinnt sich für Aschenbach eine ungeheuerliche Romanze - zu einem halbwüchsigen Knaben. Ganz der vergeistigte Romancier, vergöttert er den blondgelockten Jüngling als Ideal der Schönheit und als lebendig gewordenes Kunstwerk. Es dauert eine Weile, bis er sich eingesteht, dass er das Unvorstellbare für den Jungen empfindet: Liebe. Spätestens jetzt beginnt sein Abstieg, wird sein zuvor maßvolles und diszipliniertes Leben brüchig und endet schließlich in rauschhafter Verzückung - und dem Tod in Venedig. Thomas Mann stattete seine meisterhafte Novelle mit einem reichen mythologischen und ästhetischen Subtext aus. Die typisch Mann’sche Künstlerproblematik, die Themen Tod, Verfall und Auseinanderbrechen bürgerlicher Wertmaßstäbe finden sich, wie so häufig im Werk des großen Dichters, auch hier.
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am 27. November 2001
Thomas Mann, Der Tod in Venedig (1912)
In der Novelle "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann unternimmt der Protagonist Gustav Aschenbach, ein berühmter Dichter, von künstlerischem Ungenügen geleitet eine Reise nach Venedig. Dort verliebt er sich in einen 14-jährigen polnischen Knaben namens Tadzio und er beginnt, diesen Jungen wie ein Kunstwerk zu vergöttern. Infolge dieser unerfüllbaren Liebe schwindet seine Selbstdisziplin und der eigene Druck, seinen Ruhm aufrecht zu erhalten, sodass seine Leidenschaft ein für ihn glückliches Ende nimmt.
Unserer Meinung nach ist die Handlung interessant. Wie bei einer Novelle üblich, strebt sie in einer Steigung dem Höhepunkt zu. Was uns jedoch beide etwas gestört hat, sind die vielen Umschweife und sich wiederholenden Erläuterungen über Sinn und Ästhetik der Kunst, welche das Verständnis des Ablaufs der Handlung erschweren.
Was uns am Inhalt gut gefallen hat, ist, dass Mann mit der Figur Gustav Aschenbach eine künstlerische und menschliche Entwicklung zeigt, deren Ziel es ist, eine Unbefangenheit zu erlangen, die für den Menschen natürlich sein sollte. Dazu muss die betreffende Person ihre Leidenschaften akzeptieren und ein Stück weit ausleben. Das merkt man bei Aschenbach sehr gut: Die Sehnsucht nach Tadzio und dessen Vergötterung bewirken, dass er sich besser fühlt,
obwohl er dadurch gerade die Normen und Werte widerlegt, die er selber vertrat. Und gerade weil sich die Sehnsucht nicht erfüllt und er vom göttlichen Bild Tadzios weg geleitet wird, stirbt er erfüllt und glücklich.
Manns Schreibstil erinnert an Goethe. Er nimmt das Motiv der unerfüllbaren Liebe, wie es zum Beispiel in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" oder in Shakespeares "Romeo und Julia" vorkommt. Mann, deutlich beeinflusst von Künstlern seiner Zeit, gibt Gustav Aschenbach die leidenschaftlich strengen Züge Gustav Mahlers. Weiter gibt es auch Verbindungen zu Nietzsche. Mann verwendet das Begriffspaar dionysisch und apollinisch, welches von Nietzsche entscheidend geprägt wurde. Tadzio zum Beispiel verkörpert hier einerseits das Apollinische, da er Verbindungen zu den griechischen Statuen schafft,
andererseits zeigt sich aber auch die Verbindung zum Dionysischen, als er im Meer baden geht. Zudem erinnert der erotische Ausdruck Tadzios an die platonische Liebe der griechischen Antike. Durch diese Eindrücke wird Aschenbach wieder inspiriert und literarisch aktiv. So wird er zum Dichter nach den Vorstellungen Nietzsches.
Mann benutzt in seinem Werk die typischen Elemente der Gegenströmungen zum Naturalismus. Die differenzierte Wiedergabe von Stimmungen, der Zynismus, die Ästhetik des Ungewöhnlichen und Schwachen und das Benutzen von Traumbildern und Visionen sind nur einige Beispiele. Manns Werk lebt aus Spannungen zwischen Geist und Leben, Kunst und Bürgertum, Todessehnsucht und Lebenspflicht. Diese Elemente und Spannungen sind auch in dieser Novelle zu finden.
Uns hat vor allem gefallen, dass das Leitmotiv "Tod" immer wieder in den symbolischen Todesboten, denen Aschenbach begegnet, auftaucht. Diese Todesboten bauen ebenfalls eine Spannung auf, deren Auflösung der Leser jeden Augenblick erwartet, welche jedoch bis zur letzten Seite hinausgezögert wird.
Unmittelbar nachdem wir die Erzählung gelesen hatten, fanden wir das Buch eher öde, da die Handlung zum Teil im Hintergrund steht und wir den Sinn der Gedanken und Gefühlswechsel Aschenbachs nicht verstanden. Nachdem wir aber die Hintergründe des Buches kennen gelernt hatten, wurden wir uns der Genialität der verwendeten Stilmittel und der Konzeption bewusst, was uns im Nachhinein stark beeindruckte. Im Grossen und Ganzen hätte uns aber eine packende und spannende Handlung besser gefallen.
Mauro Crameri und Gian-Giacomo Walther
Bündner Kantonsschule, Chur
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am 29. Juni 2001
Ein tolles Buch mit tollen Geschichten von Thomas Mann. Neben "Tod in Venedig" beinhaltet es noch "Tristan", "Tonio Kröger", "Der kleine Herr Friedmann" und "die Betrogene". Einmalig an Thomas Mann ist seine Charakterstudie der auftretenden Figuren. Keiner kann Menschen so beschreiben wie er. Es ist immer wieder ein Genuß, sich diese Leute bildlich vorstellen zu wollen. Ich kann nur jedem raten, der sich Thomas Mann nähern will mit diesem Buch und seinen nicht allzu langen Geschichten zu beginnen (auch da andere Romane Manns allein durch ihren Umfang einige Leser abschrecken könnte).
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Ich war sehr gespannt auf das Hörbuch „Der Untertan“ - aus zweierlei Gründen: gehört doch dieser Roman von Heinrich Mann (trotz quälender Pflichtlektüre in der Schule) zu meinen Lieblingsbüchern und die Verfilmung von Wolfgang Staudte begeisterte mich ebenso. Und nun ein dritter Grund: gehört doch Hans Korte zu meinen absoluten Lieblingssprechern.

Der Inhalt bzw. die Handlung dieses 1914 „zwei Monate vor Ausbruch des Krieges" been-deten Romans dürfte hinlänglich bekannt sein. Daher hier nur eine Kurzfassung: Diederich Heßling, Sohn eines kleinen Papierfabrikanten, wächst auf, studiert und geht zu den Korpsstudenten, dient und geht zu den Drückebergern, macht seinen Doktor, übernimmt die väterliche Fabrik, dann heiratet er reich und zeugt Kinder.

Damit charakterisiert Heinrich Mann aber nicht nur den Spießer und Machtmenschen Heßling sondern auch den deutschen Kaiser. Diederich Heßling ist einer der kleinen Könige, der Prototyp des Deutschen, damals wie heute - getreu dem kaiserlichen Vorbild: Herrscher und Untertan - nach oben buckeln und nach unten treten. Diederich Heßling bedient alle Klischees vom guten preußischen Untertan.

Verkörperte in einem der gelungensten deutschen Spielfilme der Nachkriegszeit (1951) noch der bravouriöse Werner Peters den sado-masochistischen Heßling, gibt nun Hans Korte mit seiner markanten Stimme den beiden Charaktereigenschaften des Untertans Heßling Ausdruck. Hans Korte ist der ideale Vorleser für diese Polit-Satire von Weltrang. Also letztendlich ein tolles Dreigestirn: Roman, Film und Hörbuch.

Die vollständige Lesung ist auf 13 Audio-CDs verteilt (Gesamtlaufzeit 16 h 11 min). Um den Wiedereinstieg zu erleichtern, wurde ca. alle fünf Minuten ein Track gesetzt. Das Booklet bringt eine Würdigung (Rezension) des Romans von Kurt Tucholsky (als Ignaz Wrobel) in der „Weltbühne“ (1919), der das gesellschaftskritische Werk als „Herbarium des deutschen Mannes“ lobt: „Hier ist er ganz: in seiner Sucht zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Rohheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolgsanbeterei und seiner namenlosen Zivilfeigheit."
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TOP 50 REZENSENTam 2. September 2013
In meiner Jugend habe ich (männlich) sie gespürt: die gierigen Blicke gärender alter und junger Männer auf mir, während mein Interesse völlig normal bei Frauen liegt. Zeitlebens habe ich lediglich Indifferenz gespürt, diese Männer haben mir einzig nur eines getan: leid. Unendlich leid. Lästige Annäherungen, widerliche Abwehr. Der Preis von Schönheit sind u.a. Blicke, die sie Aschenbach, das Alter Ego von Thomas Mann, dem Jugendlichen hinterherwirft, seine Gier nur mit dem Preis des Todes beherrschen kann. Ich werde mich mit der schwülstigen Sprache Thomas Manns nie anfreunden können, so oft habe ich probiert, in seinem Werk mehr zu sehen, große Literatur gar, die man ihm doch zu schulden hätte. Über den Umweg der Stimme Matthias Brandts wollte ich es erneut angehen. Die Ergebnisse sind zwiespältig.

Habe versucht, den von Aschenbach bewunderten Jungen als Synonym für Schönheit, für Natur, für Sonne oder was auch immer zu sehen, ein perfektes Lächeln, Unschuld, der Traum von der eigenen Jugend. Zum ersten Mal habe ich diese Annäherungen irgendwie geahnt, ein Sehnen und Verlangen nach Kindheit, nach der gleichen frohen, verspielten Natur wie ihm, vielleicht hat Thomas Mann so etwas nicht gelebt. Obwohl die Stimme von Brandt hervorragend ist, ich kann nichts in dieser Novelle sehen außer Miss-Trauen zu sich selbst, ein Gefühl der Erstarrtheit zu allem, überlagert durch ein Liebesgefühl zum Äußeren, Hohlen. Liebe zur formellen Schönheit ist nichts, Menschwerdung über die Liebe zur Schönheit von Seelen alles. Die Art, wie Hesse z.B. in Peter Camenzind in die Seele des Krüppels eintaucht, der sein Freund wird, wie er die Schönheit der anderen Seele entdeckt, dies besticht durch Echtheit und Klarheit. Thomas Mann dagegen verharrt im Äußeren, unfähig, sich selbst und das Menschsein überhaupt in seiner Tiefe erkennen zu wollen.
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