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38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kafkaeskes Werk des Nobelpreisträgers 2003, 7. Januar 2004
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Als ich auf dem Buchrücken las: „Man muß schon auf Kafkas „Prozess"- oder „Schloß"-Parabeln zurückgehen, um einen Vergleich für diese intensive Darstellung der existentiellen Situation eines identitätslosen Menschen in einer fremden Umwelt zu finden.", habe ich an eine Übertreibung des Kritikers der Frankfurter Rundschau geglaubt. Aber es stimmt. Nicht nur aufgrund des Namens (K.) der Hauptfigur, sondern insbesondere durch den sehr charakteristischen Schreibstil drängen sich Vergleiche mit Kafka auf. Das Buch ist eine Mischung aus dem „Schloß" oder „Amerika" und Thomas Manns Roman „Der Erwählte". Zum Teil verändert sich die Welt um Michael K. in Sekunden (beispielsweise bezeichnet er einen Fremden, der ihm von seinem Kuchen abgibt, innerhalb Minuten als "seinen Freund"), andererseits vegetiert er über Monate in einem Erdloch, ohne nennenswerte Nahrung, ohne Kontakte, ohne erwähnenswerte Beschäftigung.
Ein verstörendes Werk, faszinierend in der Sprache, das auch einen guten Einblick in die Welt Südafrikas vor dem Ende der Apartheid gibt. (Ich war gerade in SA, und die früheren Umstände sind fast nicht mehr vorstellbar.)
Nach dem Lesen von Coetzees "Schande" konnte ich mir noch kein Urteil bilden, ob er den Nobelpreis 2003 verdientermaßen erhielt (soweit ich überhaupt so anmaßend sein darf, dies zu beurteilen). Nach "Leben und Zeit des Michael K." bin ich persönlich sehr wohl der Meinung, daß nach Imre Kertecz zum zweitenmal hintereinander ein Autor völlig verdient diesen renommierten Preis erhalten hat. ich werde Coetzee weiterhin lesen.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach dem eigenen Garten..., 21. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
J. M. Coetzee entführt den Leser in seinem parabelhaften Roman "Leben und Zeit des Michael K." in ein von Krieg gebeuteltes und anarchistisches Kapstadt (wobei die Kaphalbinsel hier symbolisch für ganz Südafrika ist), ein Horrorszenario, in dem auf den Straßen geplündert und geschossen wird. Die Regierung führt einen "Krieg", der jeden betrifft, dessen Grund (bzw. Motivation) aber offensichtlich niemand verstehen kann. Michael K., der sympathische, vaterlose Antiheld, der in einem Heim aufgewachsen ist, der fast identitätslos und wurzellos ist, der die Welt nicht verstehen kann und auch nicht verstehen will, der eigentlich nur Gärtner sein will, flieht trotz seiner Apathie, trotz fehlender Leidenschaft, aus reinem Pflichtbewusstsein zuerst mit seiner Mutter, nach ihrem Tod nur noch mit ihrer Asche aufs Land um dort in Ruhe von dem zu leben, was das Land ihm geben kann. Einzig der Wunsch, Gärtner zu sein, scheint ihn zu beflügeln. Er wird von den Behörden schikaniert, in ein Lager gesteckt, aus dem er fliehen kann, bis er als vermeintlicher Helfer einer terroristischen Gruppe verhaftet, aber aufgrund seines schwachen Zustands in ärztliche Behandlung in ein weiteres Lager (hier wird ihm sogar das letzte bisschen Identität genommen, das er noch hat, er wird hier statt Michael K. nur mehr Michaels genannt) kommt. An dieser Stelle wechselt Coetzee die Erzählperspektive und lässt nun den Arzt fast Reporthaft seine Eindrücke schildern. Der letzte, ganz kurze dritte Teil ist dann wieder Michael K. vorbehalten.
Es ist faszinierend, wie einfach und lakonisch J. M. Coetzees Prosa ist, wie genau er mit wenigen Worten sagt, was er sagen will. Ein Roman, der Spuren hinterlässt, der betroffen macht, der sehr lange im Gedächtnis bleibt. Ein Meisterwerk und einer jener seltenen Romane, bei denen die Fünf-Punkte-Wertung eigentlich ungenügend ist...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedrückende und fesselnde Geschichte eines Sonderlings, 23. März 2010
Von 
J. Lohfink (Sachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Was für ein Mensch ist Michael K.? Zu Beginn wirkt es so, als wäre er dumm - er kann keine normale Schule besuchen, es reicht gerade für die Arbeit als (Hilfs-)Gärtner. Doch spätestens, als Michael sich in der südafrikanischen Wildnis durchschlägt, habe ich mich gefragt, ob er wirklich so dumm ist - er ist zwar langsam und kann nicht gut mit anderen Menschen, die ihn zu irritieren scheinen. Dafür hat er aber ein Händchen für die Natur, für die Pflanzen und für das Leben in der Einsamkeit.

Gleichzeitig wirkt Michael oft verloren in einer Welt voller wirrer Ereignisse. Der Krieg interessiert ihn nicht, alles was er weiß ist, dass er ihm entfliehen will. Er verfolgt keine langfristigen Ziele, sondern scheint häufig einfach in den Tag hinein zu leben. Das ändert sich, als Michael beginnt, auf der verlassenen Farm Gemüse anzubauen. Er wartet und freut sich darauf, seine Pflanzen wachsen zu sehen. Coetzee schafft es, dem Leser zu vermitteln, wie wichtig Michael K. dieses einsame Leben ist. Wie viel es ihm bedeutet, dort zu sein, auf dieser Farm in der Einöde, bei seinen Pflanzen. Als Michael die Farm für einige Zeit verlassen musste, habe ich deshalb wirklich mitgelitten.

Michael ist ein Sonderling, anders als die meisten Menschen, auf jeden Fall ganz anders als ich. Trotzdem hat er mich unglaublich fasziniert, hat Coetzee es geschafft, mich Michaels Welt aus dessen Augen zu sehen und ihn zu verstehen. Am Schluss des Buches ist auch ein Arzt in einem Krankenhaus, in das der in der Wildnis halb verhungerten Michael aufgenommen wird, auf seltsame Weise von ihm angezogen. Während der Großteil des Buches aus Michaels Sicht erzählt wird, wird er am Ende von dem Arzt von außen beschrieben - eine sehr interessante Wendung, die das Buch meiner Meinung nach zu einem würdigen Abschluss führt.

"Leben und Zeit des Michael K." ist ein fesselndes, bewegendes Buch über einen ungewöhnlichen Menschen in schwierigen Umständen, der versucht, ein für ihn erträgliches Leben zu führen. Coetzee hat mich damit wieder ein Stückchen mehr zu einem Fan seiner Bücher gemacht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tragischer Tor, 27. Juni 2014
Von 
Felix-ine - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Die alleinerziehende Anna K. mag ihren neu geborenen Sohn Michael, der mit einer Gaumenfehlstellung zur Welt kommt, nicht. Sie ahnt nicht, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt, als sie schwer erkrankt, auf ihren zudem geistig leicht behinderten Sohn angewiesen sein wird.

Sie leben in Sea Point Südafrika ein karges, von äußester Armut geprägtes Leben. Erleben die Zeiten kurz vor dem Ende der Apartheid, wo Diskriminierung, Maßregelung, Ausgegrenztheit, Gewalt, Plünderungen, Not und Aufstände an der Tagesordnung sind. Kriegsähnliche Zustände beherrschen Südafrika. Die schwer erkrankte Anna will dem entfliehen und zurück in ihr ehemaliges Elternhaus in Prince Albert.

Beide machen sich ohne die damals notwendige Reisegenehmigung auf einem zur Rikscha umgebauten Fahrrad auf den Weg nach Prince Albert, geraten immer wieder in Poizeikontrollen und Sperrstunden, werden von selbsternannten Milizen aufgegriffen und selbst die wenige Habe wird ihnen geplündert.

Sie übernachten unter freiem Himmel in Erdkuhlen, leiden Hunger und frieren. Anna übersteht diese Tortur nicht und stirbt in einem Krankenhaus in Stellenbosch. Die Asche ihrer verbrannten Leiche bekommt Michael vom Krankenhauspersonal in einem kleinen Karton überreicht.

Michael K. ist ohne Verwandte, obdachlos und ohne jegliche Perspektive einer sozial besser gestellten Lage. Er macht sich allein auf den Weg nach Prince Albert, um die Asche seiner Mutter, die er die ganze Zeit bei sich trägt, in ihre Heimatstadt zu ihrem Elternhaus zu bringen. Dort angekommen nimmt er vorerst Besitz der verfallenen Farm und entwickelt sich zu einem ums Überleben kämpfenden Sonderling.

Der Roman des südafrikanischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers J.M. Coetzee ist geprägt durch seine beeindruckende Sprachgewalt und durchaus authentisch geschilderten Szenen, die das damalige Südafrika beherrschten.
Es ist ein fesselndes 224 Seiten umfassendes Buch, in dem ich als Leser mit seinem Protagonisten Michael K. mitgefühlt, mitgebangt und die Verzweiflung gespürt habe, welche Auswirkungen allein die immer wieder fehlenden Ausreisepapiere Mutter und Sohn in arge Not brachten und ihr Leben in ungewollte Bahnen lenkte.

Ein weiteres spannendes Buch dieses Autors: Schande: Roman

J. M. Coetzee wurde 1940 in Kapstadt geboren. Er lehrte von 1972 bis 2002 als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt und gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Er wurde für seine Romane und sein umfangreiches essayistisches Werk mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Coetzee lebt seit 2002 in Australien.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein besonderes Buch, 27. Januar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Mein erster Roman von Coetzee war "die Schande". Wie genau ich darauf gestoßen bin, daran kann ich mich nicht erinnern. Eins steht jedoch fest, ich bin dem Zufall sehr dankbar, denn er führte mich zu diesem beeindruckenden Autor.
Selbst zwei mal in Südafrika gewesen, erinnere ich mich sehr gut an die riesigen Townships, in denen Menschen auch heute noch - nach dem offiziellen Ende der Apartheid - wie Tiere vegetieren müssen. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Wie schlimm muß es also dem Protagonisten Michael K. tatsächlich ergangen sein? Die wildromantische Schönheit dieses Landes im Hinterkopf vergißt man nur allzu schnell, daß nichts - aber auch gar nichts - ein Heimatgefühl ersetzen kann, wenn es nicht irgend einen Sinn für die Menschen gibt, zu LEBEN. Leben für ein Dach über dem Kopf, einen trockenen Schlafplatz, ein paar Samen in dürrer Erde und
das Gefühl, gebraucht zu werden.
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4.0 von 5 Sternen Kafkaesk? Nicht ganz..., 25. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Der Bürgerkrieg, der Michaels Leben durcheinanderbringt, wird eigentlich geführt, um Rechte von Minderheiten zu stärken. Dabei schwächt er die Menschlichkeit. Michael ist äußerlich durch eine große Hasenscharte entstellt, arbeitet einsam als Gärtner, als seine Mutter, Bedienstete bei wohlhabenden Leuten nicht mehr kann, und er sie aus der feuchten und regnerischen Gegend wegbringen will. Auf dem Weg stirbt die Mutter, er kommt zufällig an der ' jetzt verfallenen - Farm vorbei, in der seine Mutter lange gedient hat. Allein baut er sich einen Unterschlupf, zieht Kürbisse und Melonen, immer in Furcht vor herummarodierenden Freischärlern und die sie verfolgenden Soldaten. Halb verhungert wird er gefaßt, in ein Lager gesteckt, aus dem er flieht. Später landet er in der Krankenstation eines anderen Lagers, dessen Sanitätsoffizier sich auf seltsame Weise zu diesem 32-jährigen Greis hingezogen fühlt. Aber auch von dort geht Michael wieder weg, um unabhängig und allein zu sein.
Es ist eine Geschichte eines Menschen, der sich - aufgrund seiner mangelnden Bildung und seines Aussehens - von der Welt abkoppelt. Er verweigert sogar die Nahrung dieser Welt, die ihm im Sanatorium aufgedrängt wird und scheint nur das von ihm selbst gezogene Gemüse zu vertragen. Als ihm zum Schluß seiner Geschichte von einigen Menschen am Strand Nahrung und Gesellschaft angeboten wird, flieht er auch von dieser Nächstenliebe. Ein nachdenklich stimmendes Buch über einen Außenseiter. Coetzee versteht es auch in dieser Geschichte, die Brutalität seiner Heimat Südafrika darzustellen. Michael K.: 'Meine Mutter hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Sie hat anderen Leuten die Fußböden geschrubbt, ihnen das Essen gekocht, ihnen den Abwasch gemacht. Sie hat ihnen die Wäsche gewaschen. Sie hat nach ihnen die Badewanne saubergemacht. Aber als sie alt war und krank, haben sie sie vergessen. Sie haben sie sich aus den Augen geschafft. Als sie gestorben war, haben sie sie ins Feuer geworfen. Sie haben mir einen alten Karton mit Asche gegeben und mir gesagt: 'Hier ist Ihre Mutter, nehmen Sie sie weg, wir können nichts mir ihr anfangen.''
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5.0 von 5 Sternen Stein im Hals, 2. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Hat mich als Leser sehr runtergezogen, deprimiert, gefordert. Mich hat es eher an "Die Straße" von Cormack McCarthy erinnert als an Kafka.

Was ist der Mensch ? Was bleibt übrig, wenn alles, worüber wir uns definieren, wegfällt ? Wenn uns niemand mehr kennt und wir jede Nacht woanders schlafen, ein zusammengebasteltes Dings mit 4 Habseligkeiten hinter uns her ziehen ?

Dann hört auch das auf. Michael K. reduziert und reduziert und reduziert. Essen kann er kaum mehr, aber Gärtnern ist sein Traum.

Der Mensch ist ein Tier oder eine Pflanze oder ein Stein.

Ich finde, gegen diese Geschichte ist Kafka's "Der Prozeß" ein Komödienstadel. Ein Unterschied ist, daß Josef K. viel genommen wird, er von großer Höhe fällt und deswegen bis zuletzt nicht realisiert, was mit ihm geschieht.

Michael K. dagegen hatte noch nie etwas außer von Anfang an schlechte Karten. Ein Kind mit einer Hasenscharte, das von der Mutter verlassen wird.

Die Geschichte des Michael K. ist komplett humorfrei und konzentriert erzählt. Keine surrealen Kapriolen.

Ich hatte hier keinen Kloß im Hals, sondern einen Stein.
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5.0 von 5 Sternen Der Nächstenliebe entkommen, 4. Oktober 2012
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
In diesem Buch beschreibt Coetzee etwa zwei Jahre in dem elenden Leben des Michael K., eines halb schwachsinnigen armen Teufels aus der untersten sozialen Schicht, eines Schwarzen, (wie man nur vermuten kann). Dazu kommt, dass er auch noch behindert ist, (er hat eine Hasenscharte) und dass er schon über 30 ist, jedoch ganz auf seine Mutter angewiesen wie diese bis zu ihrem Tod auf ihn. Man sieht, Coetzee hat eine Figur dargestellt, wie man sie sich benachteiligter kaum vorstellen kann, und sie in die bürgerkriegsähnlichen Wirren im Südafrika der 70er bis 80er Jahre hineingeworfen, wo sie entsprechend herumgefetzt und –gewirbelt wird, ständig hungernd und am Schluss bis auf die Knochen abgemagert, kaum bei Sinnen und heruntergekommen. Das Überleben dieses Typs grenzt, so formuliert es ein Sanitätsoffizier, der sich in einem Auffanglager einmal um Michael K. kümmert, an ein "Weltwunder" (175).

Aber gerade dieser Geringste nimmt in den Augen des Offiziers in dem Buch dann geradezu messianische Züge an. Michael K. tut etwas, was dem Offizier, in dem wir wohl die Stimme des Autors hören, als Möglichkeit der Errettung aus dem Elend der sogenannten Zivilisation in Südafrika erscheint, (ein Südafrika mit Apartheid, Bürgerkrieg, Verwahrlosung, bürokratisch-roher Verwaltung der Ausgestoßenen in Lagern und Auflösung der Ordnung). Michael bearbeitet nämlich einen "Garten". Fern von aller Zwietracht und allen Grenzen vertraut er auf die Natur und seiner Hände Arbeit, indem er sich auf eine verlassene, vom Krieg zerstörte Farm schleppt, auf der nur noch das Wasserrad funktioniert, und beginnt, wie Robinson zu überleben. Hier findet er sein einziges, kurzes, ständig bedrohtes Glück. Es ist das einzige Mal, dass ihm etwas schmeckt, nämlich die zwei selbst geernteten Melonen und einige Kürbisse. Sonst bekommt ihm – wie Kafkas Hungerkünstler – keine Speise, er verweigert sich gut gemeinter Lagerkost. "Den Lagern bin ich entkommen; vielleicht, wenn ich mich nicht muckse, werde ich auch der Nächstenliebe entkommen." (220).

Coetzees Parteinahme für Michael K. ist stellenweise eine intensive Selbstaussage. Der Sanitätsoffizier – Coetzees Stimme - legt mehr und mehr eine merkwürdige Fixiertheit auf Michael K. an den Tag, er rennt schließlich im übertragenen Sinne hinter dem Nobody her, der sich allem verweigert und verschließt, und möchte von ihm ein Zeichen, dass er ihn richtig verstanden hat: "'Hab' ich recht?' würde ich schreien. 'Hab' ich dich verstanden?'" (204). Aus diesem Pathos heraus ist jedenfalls ein Buch entstanden, das von Coetzees tiefer Verbundenheit mit den benachteiligten Menschen und der Natur Südafrikas zeugt und das den Leser mit seinem realistischen und intensiven Stil in den Bann schlägt.
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5.0 von 5 Sternen Jetzt bin ich wieder da, dachte er'., 17. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Wieder zurück in der Stadt wo er den Raum, den seine Mutter bewohnte, vollgestopft mit Gerümpel vorfindet denkt er sich aus wie es wäre, wenn er neuerlich aufbrechen würde aufs Land um da zu überleben. Er gelernt zu überleben und nirgends hat man ihn festhalten können, abgemagert ist er, ein wandelndes Skelett.

Michael K. ist äusserlich durch eine Hasenscharte gezeichnet aber auch sein Geist "arbeitet" langsam. In einem Heim für behinderte Kinder lernt er die Grundlagen des Lesens, Schreibens,und Zählens, aber auch Anderes, was ihm schliesslich eine Anstellung als Gärtner einbringt. Seine Mutter bewohnt als Hausangestellte ein Zimmer, an dessen Tür ein Schild mit einem Totenschädel und gekreuzten Knochen zu sehen ist, darunter steht "Gefahr" und man ist nicht erstaunt, dass sie irgendwann ernstahaft erkrankt. Mit ihr zusammen bricht er schliesslich nach Prince Albert auf, aufs Land, wo sie sich erholen könne. Unterwegs stirbt sie und er zieht alleine weiter. Weg von Aufstand, Gewalt, Plünderungen, Schiessereien. Auf einer verlassenen Farm lässt er sich nieder in ständiger Angst entdeckt zu werden. Aber dort verdächtigt man ihn Terroristen zu unterstützen, er wird festgenommen und in ein "Lager" gebracht. Ein Arzt möchte ihn entwischen lassen weil er kein eiserner Mann ist so ein Lager zu führen, weil für Menschen wie Michael K. in dieser Welt kein Platz ist. Immerhin aber hat Michael K. es geschafft die Asche seiner Mutter zur Stätte ihrer Kindheit zu bringen, ist zum ÜBerlebenskünstler geworden. Trotzdem hat er sich nicht wirklich in Sicherheit bringen können, weil seinesgleichen irgendwie überzählig sind.

Ein erschütternder Roman von jenseits der Zivilisation dessen Realitätsgrundlage zweifellos aus dem Leben gegriffen ist. Aus dem Leben in Südafrikas bürgerkriegsähnlichen Wirren wo Macht und Gegenmacht ein blutiges Spiel spielen, Willkür der die Armen der Ärmsten ausgeliefert sind. Unbedingt zu lesen.
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4.0 von 5 Sternen Bedrohte Freiheit, 25. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Leben und Zeit des Michael K.: Roman (Taschenbuch)
Ein freies Leben ohne Geld, dass können wir uns ersehnen
aber nicht leben.
Michael K. verdankt es seiner Behinderung, einer Hasenscharte,
dass er es lernt ausserhalb der Gesellschaft zu leben.
Ganz auf sich gestellt als Gärtner, als "Höhlenmensch.
Doch auch er wird entdeckt und in ein Lager gebracht.
Sehr intensiv,macht Coetzee klar, es gibt für uns alle
kein Entkommen aus den diversen Lagern unserer Gesellschaft,
esgibt kaum noch freie Natur, die uns ernähren könnte
in der wir unerkannt leben könnten.
Big Brother hat uns schon erfaßt.
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Leben und Zeit des Michael K.: Roman
Leben und Zeit des Michael K.: Roman von J.M. Coetzee (Taschenbuch - 8. Oktober 2003)
EUR 8,90
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