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Kundenrezensionen

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am 8. Oktober 2003
Der arg vom Leben gebeutelte Quoyle zieht mit seinen beiden Töchtern und seiner Tante nach Neufundland. In der Heimat seiner Vorfahren findet er seinen Platz und die große, stille Frau.
Schiffsmeldungen ist ganz bestimmt eines meiner Lieblingsbücher.
Es ist ein merkwürdiges Buch im besten Sinne. Eigentlich ist es nicht die Art von Büchern, die ich sonst lese, aber hier liest man auch nicht wirklich. Hier steht man mitten im kalten, windzerzausten Neufundland und trifft die seltsamen Bewohner dieses Landes. Kauzige Typen gibt es, finstere Familiengeheimnisse und ausserdem stinkt alles nach Fisch. Fernweh ist bei der Lektüre vorprogrammiert.
Die Sprache des Buches ist ruppig, abgehackt und passt wunderbar zur Stimmung. Und dann ist da noch der eine oder andere Satz, der dem allzu arglosen Leser zwei Zeilen später die Nackenhaare aufrichtet. Was stand da eben ...
Ich kann jedem nur raten, dieses Buch zu versuchen. Am besten an einem nebeligen Herbsttag mit viel Zeit.
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am 1. August 1999
Quoyle, Hauptfigur des Romans, wird zunächst beschrieben als ein weinerlicher, unbeholfener, schüchterner und unselbständiger Mann, der anscheinend in seinem Leben nicht auch nur den geringsten Erfolg erzielen könnte. Die Kündigungen seines Jobs nimmt er ebenso kommentarlos hin, wie die ständigen Beleidigungen seiner Frau, Petal, die ihn offen betrügt und sich einen Dreck um ihre beiden gemeinsamen Töchter, Bunny und Sunshine, kümmert. Auch Quoyles Äußeres wirkt eher abstoßend. Er ist groß und fett und verfügt über ein viel zu großes Kinn. Als Petal bei einem Autounfall ums Leben kommt, erscheint Quoyle gänzlich unfähig, sein leben meistern zu können. Seine Tante ist es dann, die beschließt, mit ihm und seinen Töchtern an die Küste Neufundlands zu ziehen, wo einst Quoyles Vorfahren lebten. Die Landschaft der neuen Heimat erweist sich als ebenso abweisend wie gefährlich.
Im Laufe des Romans stellt sich heraus, daß Quoyle nicht der absolute Versager ist, für den man ihn zunächst gehalten hat. Er arbeitet sich bis zum Chefredakteur der lokalen Zeitung hoch und wird von den Bewohnern der Stadt akzeptiert. Er ist ein äußerst liebevoller Vater, der seinen Töchtern jederzeit die nötige Aufmerksamkeit schenkt, und ihnen somit das Gefühl von Geborgenheit vermitteln kann.
Auch die neue Umgebung verliert im Laufe des Romans ihre Bedrohlichkeit. Denn so abweisend und rauh die Natur sich zeigt, so hilfsbereit und gemeinschaftlich sind die Bewohner der Küstenstadt.
Das faszinierende an Proulxs Roman ist zu beobachten und zu erkennen, daß der erste Eindruck, den man von einem Menschen oder auch einer Gruppe von Menschen hat, nicht immer der richtige sein muß. Sondern daß auch etwas scheinbar Bedrohliches und Abstoßendes auf den zweiten oder dritten Blick etwas sehr Liebenswertes sein kann. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 9. November 2004
Schiffsmeldungen handelt von Quoyle, dem Mann, der "36 Jahre lang alles falsch machte" und sich, nach dem er Witwer geworden ist, mit seinen beiden Töchtern und seiner resoluten Tante auf den Weg zu seinen Wurzeln, nach Neufundland macht. Hier, im rauen Küstenklima mit seinen ebenso rauen und zum Teil verschrobenen, aber stets hilfsbereiten Bewohnern beginnt sich sein Leben zu ordnen. Erstmals macht er etwas richtig, packt Dinge an, verliebt sich. Allmählich gewinnt er Kompetenz, Energie und Lebensfreude.
E.Annie Proulx erzählt mit kraftvoller, eigenwilliger Sprache und viel Humor und Wärme für ihre Figuren. In großer sprachlicher Dichte beschreibt sie die Landschaft, das Meer und die Menschen, mal "deftig", mal sensibel. Die Personen des Romans rücken einem beim Lesen näher, werden vertraut.
Ein Buch, das man mit Bedauern nach der letzten Seite schließt.
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am 15. Januar 2006
Die Bedeutung eines Buches kann man an unterschiedlichen Kriterien festmachen. Zugegeben nicht repräsentativ sind Anzahl und Preis der angebotenen gebrauchten Bücher bei amazon.

Demnach müssen viele Leser (Käufer) dieses Buch nicht sehr geschätzt haben - ganz im Gegenteil zu den meisten Rezensenten, die dieses Buch sehr loben.

Der Widerspruch lässt sich auflösen, denn "Schiffsmeldungen" ist ein ungewöhnliches Buch, das sich eben nicht allen Lesern erschließen wird. Viele werden es nach wenigen Seiten als "langweilig" in die Ecke werfen. Andere werden begeistert sein angesichts der Stimmung, die dieses Buch vermittelt.

Auch als "Vielleser" sind mir bisher weder Erzählstil noch Thema so begegnet - am ehesten sehe ich noch Parallelen zum österreichischen Schriftsteller Gerhard Roth. Und zugegeben wäre ich nie auf diese Autorin oder deren Buch gekommen, hätte ich nicht eine Rezension im (Auto-) Radio gehört.

Der größte Charme des Buches liegt für mich in der Langsamkeit. Menschen und Ereignisse haben unendlich viel Zeit sich zu entwickeln. Das tut nicht nur gut, sondern passt auch ausgezeichnet zu der Landschaft Neufundlands, über die der Leser ganz nebenbei allerhand erfährt.

Ein Buch für viele stille Stunden und ganz nebenbei ein Roman über jemanden, der eine zweite Chance im Leben bekommt.
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am 18. Januar 2008
Annie Proulx ist Pulitzer-Preisträgerin. Zumeist sind solche Attribute eher abschreckend als anziehend. Man vermutet die hohe Kunst, die manchmal nur schwer verständlich ist, hinter diesen Auszeichnungen. -Schiffsmeldungen- ist da die Ausnahme von der Regel. Herzerfrischend warm, klar, sensibel und doch handfest geschrieben. Ein Kleinod von Geschichte, eine Ansammlung von Charakteren, so liebevoll und detailliert von Annie Proulx gesammelt. Da bleibt einem nicht viel mehr, als seine grenzenlose Anerkennung auszusprechen.

Quoyle ist ein Mensch, der eigentlich zu gut für diese Welt ist. Er ist Drucker in einem kleinen Betrieb und wurde als Kind von seinem Vater grausam unterdrückt. Er lernt eine Frau kennen, die da weiter macht, wo sein Vater aufgehört hat. Quoyle macht alles mit, lässt sich schikanieren und gängeln. Heiratet die Frau und hat zwei Kinder mit ihr. Als sie ihn verlässt und kurze Zeit später stirbt, steht Quoyle mit den Kindern allein da. Seine Tante erscheint auf der Bildfläche und nimmt ihn mit nach Neufundland, der Heimat der Quoyles, um dort ein neues Leben zu beginnen. Quoyle wird Reporter beim Anzeiger der Stadt, obwohl er keine Ahnung von der Arbeit hat. Er ist für die Schiffsmeldungen zuständig. Bericht über die Schiffe, die im Hafen an- oder ablegen. Nach und nach lebt Quoyle sich ein. Zusammen mit seinen Kindern findet er ein neues Leben und eine neue Liebe. Aber das ist zunächst alles andere als einfach...

-Schiffsmeldungen- ist ein Muss in jeder gut sortierten Buchsammlung. Für mich der mit Abstand gelungenste Roman von Annie Proulx. Auch die filmische Umsetzung durch Lasse Hallström ist absolut sehenswert.
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am 1. Dezember 2013
Neufundland. Karg und unwirtlich, Schnee bis Mai, die Buchten mit das Festland bedrängendem Eis gefüllt. Nebel, wenn sich das warme Wasser des Golfstromes in der Nähe der großen Neufundlandbank mit dem kalten Labradorstom vermischt. Wütende, tosende See, die Wellenungeheuer gebiert, alle 10 Tage ein Sturm, 5 Grad Celsius schon heißes Wetter.

Eigentlich wollen alle von hier weg. Nur Quoyle kommt rein, aus den Staaten, mit beiden kleinen Töchtern und der Tante Agnis, die in das Land ihrer Kindheit und Vorfahren zurückkehrt. Von Neufundland im Laufe der Zeiten angefahrenen Seefahrern scheint Quoyle am ehesten von Wikingern abzustammen, von Eirik Raude vielleicht, Erik dem Roten. Groß, vierschrötig, blass, mit rötlich-blondem Körperpelz. Nur sein Gemüt ist so ganz anders. Ständig versteckt er sein wuchtiges Kinn in einer Minderwertigkeitsgeste, geübt seit frühen Kindertagen, hinter der vorgehaltenen Hand. Er, Mitte Dreißig, ein Leben lang gedümpelt vom Vater, gehänselt vom Bruder, hintenangestellt von der Mutter, erniedrigt von seiner Ehefrau Petal. 2 Töchter schenkte sie ihm, Bunny und Sunshin, und entledigte sich mit dieser Schenkung sämtlicher Verantwortung und Pflichten an den Kindern. Aber er himmelt sie an, seine schöne Petal, bereit, ständig zu verzeihen, zu verharmlosen, sogar wenn sie fremde Männer mit in die Wohnung bringt. Einer unbefriedigenden Arbeit nachgehend, erreicht ihn die Nachricht vom Selbstmord seiner Eltern, danach vom Unfalltod seiner Frau, die diesmal die Töchter mitnahm, um sie meistbietend an eine ominöse Agentur zu verkaufen. Quoyle kann sie durch die Behörden aufspüren lassen und zurückholen.

Diese Schicksalsschläge werden völlig unprätentiös erzählt, rufen kaum Rührung beim Leser hervor, der sich dessen irritiert bewusst wird und anfängt, an der eigenen Empathiefähigkeit zu zweifeln. Hier wollte ich dem Buch schon böse werden, bevor ich verstand, dass es darauf nicht ankommt, was Quoyle hinter sich hat, sondern was vor ihm liegt und wie er es bewältigt. Und ab hier wird der Roman dann weniger distanziert und wärmer, obwohl ihm eine Kargheit und Reduktion der Worte eigen bleibt.

Quoyle, Kinder und Tante ziehen in das alte grüne Haus auf die Landzunge Quoyles Point. Das alte Haus ist mit Stahltrossen auf den Felsen verankert, einst von den Vorfahren über das Eis hierhergezogen. Die Trossen surren und zetern des Nachts und im Sturm, begleiten unruhige Träume und Visionen, besonders beim älteren Kind Bunny, 7 Jahre. Bunny verhält sich ohnehin seltsam, macht dem Vater sorgen. Aber die lebenserfahrene, tüchtige und weitsichtige Tante beruhigt den besorgten Vater, wenngleich sie zugesteht, dass Bunny anders ist. Aber muss anders denn schlechter sein? In einem Sturm reißt das Haus aus der Verankerung und versinkt im Meer. Das Geschehen auch hier wie eine Metapher auf die Bewältigung der Vergangenheit. Quoyles Vorfahren waren Wracker, lockten Schiffe mit falschen Leuchtfeuern auf die Klippen und machten so Beute.

Quoyle findet Anstellung beim „Gammy Bird“, einer Lokalzeitung. Er etabliert sich langsam, es fängt an Spaß zu machen, ihm, der für die Schiffsmeldungen zuständig ist, dabei nicht mal schwimmen kann, und ihm dieses Element immer suspekt bleibt.

Seine Kollegen bei der Zeitung, alles vom Leben und vom Klima modellierte Männer. Sein Chef Jack Buggit. Er hat das zweite Gesicht. Fuhr schon wiederholt raus, um Schiffbrüchige erfolgreich aufzufischen, ohne ersichtlichen Anhaltspunkt wann und wo sie zu finden seien. Quoyle läuft zu Hochform auf, als er Schiffsnachrichten bringt, über eine im Hafen liegende, nach dem Vorbild der königlichen Barken auf den Gemälden von Rembrandt, vor 50 Jahren für Hitler gebaute Botterjacht als Vergnügungsschiff.

Die Gespräche der Leute hier drehen sich um den Dorsch, um die Seerobbenjagd, ob die Konföderation mit Kanada glückbringend war, um die großen Ölvorkommen, die vor Neufundlands Küste lagern. Sie entbrennen um die Wohlstand bringenden Petroldollars und das Bild von der Fischfang zerstörenden Ölpest. Es wird gestritten und geflucht über die Ganzjahres- Hochsee-Fabrikschiffe, die nichts mehr lassen für den zeitlich bedingten Fang an den Küsten mit den kleineren Booten und die Küstenfischer zu Wanderarbeitern macht, oder arbeitslos, ebenso die Bootsbauer.

Aber man kann auch feiern. So wie Nutbeems Party, ein Abschiedsfest. Er will lossegeln an seine geliebten südlichen Strände. Es werden 20 l Rum geordert, 30 Tüten Kartoffelchips, 50 Leute versuchen sich in seinen Wohnwagen zu drängeln, der dann im Laufe der Fete ausgehebelt wird, bevor das Boot des Gastgebers im gleichen Delirium versenkt wird.

In dieser Umgebung, wo Arbeit und Leben noch eher eins sind als in den Städten in den USA, wo Quoyle herkommt, die Fischer in blutigem Ölzeug und Stiefeln in die Kneipe von Skipper Will gehen, sich bei Pommes und Dorsch Wolken von der Fritteuse und Zigarettenrauch vermischen, die typische Seehundflossenpastete gegessen wird, gesundet Quoyle zusehends an seiner Seele. Er lernt rückwärtsfahren mit dem Hänger, Boot fahren, sogar schwimmen, Schindeln aufs Dach nageln, und findet in diesen praktischen Arbeiten das erste Mal zu sich selbst. Die Nachbarn Dennis und Betty Buggit tun ein Übriges. In der Küche bei ihnen in der heißen Hefehitze des Brotbackens, bei Kindergeschnatter und Tee, wird das Gift seines Lebens langsam ausgeschwemmt. Die Kinder, die Töchter, sie sind untrennbar eingewoben in diesen Roman, selten ist eine derartige Verschmelzung zu lesen, selten von einem Vater mit dieser unendlichen Geduld und Zärtlichkeit. Dabei hatte er selbst ganz anderes erlebt.

Die Familiengeheimnisse, sie entwirren und klären sich langsam, wie die schreckliche Angst der Tochter Bunny vor dem weißen Hund, wie die Zauber bringenden Knotenfäden, die eine geheimnisvolle Hand auf Treppen und Schwellen des Hauses legt. Der Leser ist vollkommen ahnungslos, obwohl er Einiges hätte bereits wissen können, es gab deutliche Zeichen. Der Rückblick erkennt es erschreckt, wenn die Bedeutung von bereits Gesagtem sich plötzlich enthüllt.

Es ist beglückend zu erleben, wie sich alles überwinden lässt, die äußere Kälte mit der menschlichen Wärme kontrastiert, ein neue Liebe sich langsam aufbaut, nach der zerstörerischen ersten, nach der nichts mehr möglich schien.

Es ist ein stiller, lang nachhallender Roman, eingebettet in die mystische Küste Neufundlands, mit Klippen, Riffen, Felsen, Untiefen, die alle einen Namen tragen, aufreibend und gefährlich für den Fremden, vertraut den Einheimischen. Aber auch diese müssen sich vorsichtig tasten, verschmelzen mit Wogen und Wind, Ebbe und Flut, saugender Strömung und anstürmender Brandung. Auch liebliche Momente bieten Natur und Landschaft. Wenn es die Beeren für den Moosbeerenkuchen zu sammeln gibt und anderes, die Nordlichter leuchten, der Ozean sich ruhig ausbreitet wie ein großes wellendes Tuch, die Wolken wie ein quellender, von Farben angehauchter Seidenschal ziehen. Kein Wunder eigentlich, dass der vom Leben wund geschlagene Quoyle gerade hier zu heilen beginnt.

Das mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Buch von Annie Proulx wurde, ebenso wie ihr Roman "Brokeback Mountain“ verfilmt.
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am 30. Juni 2009
Quoyle ist ein Unglücksrabe. Schon als Kind lehnt ihn sein Vater ab, zieht ihm den Bruder vor, der ihn fortwährend schikaniert und hänselt. Korpulent, schwerfällig und ungeschickt wie Quoyle ist, hat er als Teenager keinen Erfolg bei den Frauen, er schämt sich für sein Äußeres, entwickelt Minderwertigkeitskomplexe, besonders sein breites Kinn wird für ihn zunehmend zum alles überschattenden Makel. Als er Anfang dreißig die attraktive Alarmanlagenverkäuferin Petal kennenlernt, scheint sich sein Leben zu ändern. Sie entjungfert ihn nach allen Regeln der Kunst, entfacht in Quoyle ein Feuer der Leidenschaft, in der ersten Hitze der Emotion heiraten sie. Schon bald beginnt sie ihn zu betrügen. Zwei Kinder werden geboren, Bunny und Sunshine, aber auch sie können die fatale Lebenslust der Mutter nicht bremsen, Petal erniedrigt und demütigt ihren Mann immer mehr, bleibt nächtelang fort, bringt fremde Männer mit nach Hause. Quoyle erträgt alles kritiklos, verzeiht der Liebe seines Lebens jede Demütigung, hofft auf Besserung.
Quoyles Eltern begehen völlig überraschend Selbstmord. Als er von der Bestattung nach Hause kommt, stellt er fest, dass Petal mit einem Liebhaber abgehauen ist und die beiden Töchter Bunny und Sunshine mitgenommen hat. Völlig verzweifelt steht er vor den Scherben seiner zerbrochenen Lebenslüge. Wenige Tage später kommt Nachricht von der Polizei. Letal ist gemeinsam mit ihrem Liebhaber in den Tod gerast, hat sich bei einem Autounfall das Genick gebrochen, die Kinder hat sie einen Tag zuvor um ein paar hundert Dollar an dubiose Leute aus der Pornobranche verkauft.
Quoyle ist am Ende, er liebt seine Töchter über alles. Mit Hilfe der Polizei bekommt er die Kinder unversehrt zurück, erhält das Sorgerecht. Aber was nun?
Wenige Tage später steht seine Tante Agnis vor der Tür, er hat die Frau noch nie gesehen, noch nie von ihr gehört. Sie erzählt ihm von seinen Vorfahren aus Neufundland, vom dortigen Familienbesitz, einem verfallenen Haus auf einer entlegenen Landzunge, nahe der Stadt Killick Claw und überredet ihn, gemeinsam mit den Kindern und ihr dorthin zu gehen, einen Neuanfang zu wagen.
Quoyle folgt ihrem Rat und verlässt den Staat New York. In der rauen Landschaft Neufundlands, wo die Menschen noch aufeinander angewiesen sind und zwischenmenschliche Kontakte großgeschrieben werden, findet er wieder zu sich, verliert langsam seine Menschenscheu, gewinnt wieder an Selbstvertrauen. Mit dem Geld aus der Lebensversicherung seiner verstorbenen Frau beginnt er, gemeinsam mit Tante Agnis, den Familienbesitz zu restaurieren. Durch Zufall erfährt Quoyle die dunkle Geschichte seiner Vorfahren, muss akzeptieren, dass sie von Piraterie und Inzest überschattet wird, auch seine Tante Agnis umgibt ein streng gehütetes Geheimnis.
Er schafft es, wieder Fuß zu fassen, bekommt einen Job bei der Lokalzeitung von Killick Claw. Der wasserscheue Nichtschwimmer muss ausgerechnet für die Rubrik 'Schiffsmeldungen' unterhaltsame Beiträge schreiben. Quoyle nimmt die Herausforderung an, und hat Erfolg.
Bald darauf lernt er die attraktive Wavey kennen, die ihren Mann durch ein Bootsunglück verloren hat und einen behinderten Jungen aufzieht. Vorsichtig nähern sich die beiden einander, aber noch stehen einer Liebesbeziehung die Schatten ihrer verstorbenen Partner im Wege ...

Der Autorin ist mit diesem Pulitzerpreis gekrönten Werk ein anspruchsvoller Entwicklungsroman von enormer Dichte gelungen, zeigt am Beispiel ihrer tragisch-komischen Hauptfigur , dass es möglich ist, jedes Schicksal zu meistern, wenn man sich ihm mutig entgegenstellt.
In extrem knapper Sprache, aber voll wunderschöner, ausdrucksvoller Bilder zeichnet Proulx die wilde Landschaft Neufundlands, beschreibt sie in allen Facetten, zeigt das harte Leben der dort ansässigen Menschen, den täglichen Kampf gegen die Natur, ihre Erfolge und Rückschläge. Alle Figuren des Romans sind lebendig und unverwechselbar profiliert, besonders liebevoll dargestellt erschienen mir die beiden Mädchen Sunshine und Bunny. Unerbittlich führt Proulx aber auch die hässlichen Seiten der Menschen vor, dennoch hebt sie nie den mahnenden Zeigefinger, bleibt tolerant und versöhnlich, bis an das Ende ihres Romans.
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am 6. März 2006
Ein tolles Buch für LeserIn, die sich gerne Zeit nehmen, sich in eine Geschichte hineinzuleben. Die ausführlichen Beschreibungen von Neufundland lassen den Roman in seiner Erzählfolge langsam erscheinen, doch die "Spitzen" sind pointiert gesetzt. Der vermeintliche Aussenseiter fällt trotz aller Rückschläge immer wieder auf seine Beine, wie eine Katze. Toller Inhalt und tolle Schreibweise!
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am 9. November 2002
Der Reporter als Hauptfigur einer Erzählung bietet dem Autor viele Möglichkeiten: er kann ihn schnüffeln lassen, gleichzeitig auf der menschlichen Klaviatur spielen und nebenbei, durch den Status des Reporters, ein zeitkritisches Bild zeichnen. Meist sind solche Reporter tragische Gestalten, die nicht mit sich selbst zurechtkommen -wie eben in diesem Roman. Quoyle ist ein fettleibiger, drittklassiger Reporter, Großstadtmensch und Vater zweier Töchter. Zeit seines Lebens steht er auf der Verliererseite. Nach vielen Enttäuschungen in Ehe und Beruf geht Quoyle mit seiner alten Tante zurück in das Land seiner Ahnen: Neufundland. Hier erwarten ihn karge Natur, ein verfallenes Haus und unwirtliche Witterungsbedingungen.Als Reporter schreibt er die Schiffsmeldungen für das Regionalblatt. Quoyle lernt kulinarische Spezialitäten kennen. Langsam erfährt er Geschichten und Geheimnisse der Nachbarn. Und ausgerechnet in Neufundland, dem letzten Ausläufer der Zivilisation, findet er seine Berufung und das ganz große Glück.Ein dichtes, lebendiges und glaubwürdiges Erzählwerk in herb-poetischer Sprache. Ein umgekehrter Bildungsroman, teils Abenteuer-,teils Liebesroman. Hier kommt jeder auf seine Kosten.
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am 9. Februar 2006
Der Einstieg fiel mir schwer. Zu sperrig, zu wenig heldenfaft wird der Held des Buches geschildert. Aber nachdem die Anfangsschwierigkeiten überwunden sind tut sich ein Kosmos an Personen Landschaften und alltäglichen Ereignissen auf, die einfach nur wunderbar und ungewöhnlich sind. Am Ende des Buches hatte ich einfach nur Lust dieses seltsame Neufundland zu besuchen.
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