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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein hervorragender Plot, 2. August 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
und ein ganz unwahrscheinlicher dazu, liegt diesem wunderbaren Roman zugrunde. Die Geschichte der beiden Armadales, so unterschiedlich sich man zwei junge Männer nur denken kann, die durch das Schicksal und die Taten ihrer Väter miteinander verbunden sind, gehört zum spannendsten, was die Literatur zu bieten hat. Ich bin vor 30 Jahren im Fernsehen (!) über die Verfilmung der "Weißen Frau" in die Fänge von Wilkie Collins geraten, habe mir dann das Buch gekauft und ihn aus den Augen verloren. Nun habe ich mich mit dem "Roten Schal" wieder diesem Freund von Charles Dickens und dem Erfinder des Kriminalromans genähert und bin wieder fasziniert. Collins "wirkt" über die Jahrhunderte hinweg!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verliebt in eine Schurkin, 25. Januar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
Ein ganz wunderbares Buch gilt es hier zu entdecken! Es erzählt von zwei Freunden, die den gleichen verhängnisvollen Namen Allan Armadale tragen und deren Väter (auch sie hießen beide Allan Armadale) Feinde bis zum Mord waren. Beide Freunde könnten unterschiedlicher kaum sein: Der eine grüblerisch, ernsthaft, in sich gekehrt und mit hauchzarten Nerven geschlagen; der andere rotbackig, frisch, gutmütig-polternd und ein bisschen oberflächlich. Dennoch sind sie die besten Freunde und unzertrennlich.
Nachdem nun aber der ruhige Allan (der sich aus Gründen, die jetzt nicht erläutert werden sollen, Midwinter nennt und seinen wahren Namen verschweigt) von der blutigen Geschichte der Väter erfährt und in einem Brief des Vaters, den dieser auf dem Sterbebett schrieb, liest, er solle sich um jeden Preis fern halten von jenem anderen Armadale, da sich sonst die Geschichte wiederholen werde, kommt er in heftige Gewissenskonflikte. Als dann auch noch ein scheinbar hellseherischer Albtraum nach und nach in Erfüllung geht, muss sich Midwinter mit flatternden Nerven fragen, ob sich die Bluttat der Väter tatsächlich wiederholen muss, ob der Lebensweg also von einem übermächtigen Schicksal bestimmt oder frei wählbar ist. Die mysteriöse Fremde mit dem roten Schal jedenfalls scheint mit dem Schicksal im Bunde zu sein, das es nicht gut meint mit den beiden Armadales...

"Der Rote Schal" zähle ich, seit ich es unlängst gelesen habe, zum engen Kreis der Bücher, die ich noch einmal lesen muss; dies, weil es so heimelig-schön ist, so traulich, warm, spannend und bezaubernd. Noch Wochen, nachdem ich das Buch zugeklappt habe, hänge ich "Armadale", wie es im Original heißt, nach. Das liegt zum Teil an der Geschichte an sich, die perfekt durchkonstruiert und (wenn auch hier und da etwas zu unwahrscheinlich) durch ihre verschiedenen Erzählebenen und -stile wahrhaft meisterlich vorgetragen ist. Zum weitaus größeren Teil aber ging mir dieses Buch wegen seiner heimlichen Hauptfigur so nahe: der "Schurkin" Lydia Gwilt. Hat die Literatur je einen widersprüchlicheren, nachvollziehbareren, skrupelloseren, zärtlicheren, stärkeren, verletzbareren und letztlich liebenswerteren Frauencharakter hervorgebracht? Mir jedenfalls ist auf meinen bisherigen Lesereisen keiner untergekommen, der es mit Lydia Gwilt aufnehmen kann. Und ganz ehrlich: mein Herz schlägt immer noch schneller, wenn ich an sie zurückdenke. Der Wandel den die Figur im Laufe des Buches vollzieht, und der vermittels Briefen und Tagebucheinträgen beleuchtet wird, hat mich denn auch fast mehr mitfiebern lassen als die eigentliche Geschichte um Schicksal und Albtraumerfüllung der beiden Armadales.
Alles in allem eine wunderbare Komposition, die ich jedem allerwärmstens ans Herz lege, der für Romantik und wohliges Schauern zu haben ist.

Nach "Die Frau in Weiß" war dies mein zweiter Wilkie Collins. Jetzt warten noch "Lucille", "Der Monddiamant" und "Das Geheimnis des Myrtenzimmers" auf Entdeckung. Ich freu mich drauf...
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historischer Schmökerkrimi für Liebhaber "langsamer" Bücher, 10. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
Mir gefällt an Wilkie Collins' Romanen immer wieder das Erzähltempo, das wohl dem Lebenstempo der geschilderten sozialen Klasse in der damaligen Zeit entspricht. Man bewegt sich mit Kutschen fort, wartet tagelang auf die Post, es gibt keine Telefone, ganz zu schweigen von Handys und anderen heute alltäglichen Kommunikationsmitteln. Auf die mittlerweile etwas altertümlich anmutende Sprache muss man sich einlassen wollen: Dann enthüllt sie akkurate Beschreibungen, psychologisches Feingefühl und durchdachte Konstruktionen. Für Fast-Food-Leser, für die auf jeder zweiten Seite etwas passieren muss, sind diese Bücher nicht geeignet. Der Plot von "Der rote Schal" hat mir sehr gut gefallen, er steht m.E. der "Frau in Weiß" in nichts nach. Schade, dass dieses Buch zu den unbekannteren Werken des Autors gehört. Ich hoffe, es findet vielleicht auf diesem Wege noch den ein oder anderen Leser.
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4.0 von 5 Sternen Ein Spinnenentz aus Intrigen, 25. April 2014
Von 
Nothburga - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
Mit "Der rote Schal" durfte ich wieder ein kleines Lesejuwel für mich entdecken.
Mit viel Freude habe ich diesen vielschichtigen Roman Stück für Stück entblättert und einen sehr gut komponierten Roman vorgefunden.
Dabei haben mich die unterschiedlichen Facetten, aus denen Collins seinen Roman zusammensetzt, begeistert.
Collins mutet seinem Leser ein regelrechtes Wechselbad der Stimmungen zu.
Zu Beginn dominiert eine düstere, geheimnisumwobene Stimmung, in deren Mittelpunkt das Geständnis eines Verbrechens gerückt wird. Der todkranke Armandale diktiert dieses in seiner Sterbestunde einem Landsmann und verfügt, dass dieses verwerfliche Vermächtnis seinem Sohn als Lebensrichtlinie dienen soll. Derart belastet leidet dieser sein Leben lang unter dem bösen Vorzeichen, das sein Vater vor sein noch so junges Leben gesetzt hat.
Unmittelbar vorher skizziert Collins mit spitzer Feder die Gepflogenheiten im deutschen Kurort Wildbad. Immer wieder streut der Autor Passagen mit gesellschaftskritischen Überzeichnungen ein, die dem Leser ein Gefühl für die Zeit geben, in der der Roman verfasst wurde und äußerst unterhaltsam sind.

Durch einen Zufall lernt Armandale, der sich mittlerweile Ozias Midwinter nennt, seinen Gegenspieler kennen. Zwar tragen beide den gleichen Taufnamen, doch die beiden Freunde könnten unterschiedlicher nicht sein. Die beiden jungen Männer hätten einander nie begegnen sollen und immer wieder scheint es, als läge ein Fluch auf der doch innigen Freundschaft. Geschürt wird dies durch das Auftauchen der mysteriösen Frau mit dem roten Schal, die das Leben in dem beschaulichen Dorf gründlich durcheinanderbringt und ein geschicktes Netz aus Intrigen spinnt.

Der Roman ist viel zu facettenreich, als dass ich alle Aspekte, die mich beim Lesen gefangen genommen haben, hier darstellen könnte. Herausstellen möchte ich den lebendigen Schreibstil Collins, der abwechslungsreich und spannend ist und durch wechselnde stilistische Mittel die Handlung stets vorantreibt. Meisterhaft spielt Collins mit diesen Stilmitteln, dass es eine wahre Lesefreude ist.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die meisten Figuren für meinen Geschmack zu plakativ bleiben.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von dem reinen Toren, der guten Bösen, dem Mittwinternachtsmann und dem Pseudofosco, 8. April 2010
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
Wilkie Collins hat mit "Der rote Schal" wieder einmal einen ansprechenden viktorianischen Roman geschrieben, wie so oft mit starken Tendenzen zum Kriminalroman, mit vielen interessanten Figuren, mit einer bestechenden und süffisant-amüsanten Beschreibung der englischen Gesellschaft seiner Zeit, mit Humor, aber auch mit echter Emphase für seine Hauptfiguren. Und wieder einmal ist der Roman sehr lang und recht verschachtelt geraten. Auch wenn Collins diesmal nicht schon in den Überschriften die Perspektivwechsel quasi als Teile eines Protokolls kenntlich macht (Die Frau in Weiß. Roman, Der Monddiamant): Es gibt sie. Daneben gibt es Verschachtelungen auf mehreren Ebenen (beispielsweise Briefe in Briefen in Tagebüchern / das dunkle Geheimnis der Vergangenheit als Aufzeichnung, die verlesen wird, damit ein Sterbender seine letzten Anmerkungen diktieren kann). Der Collins-erfahrene Leser kann sich bei dem puzzle-artig konstruierten Roman darauf einstellen, dass Haupt- zu Randfiguren werden und umgekehrt, und dass Sympathie- zu Antipathieträgern werden und umgekehrt. Das alles ist spannend und gut geschrieben. Bei den wie immer süffisanten Beobachtungen am Rande fällt noch stärker als sonst auf, dass Collins Jura studiert hatte und sich mit einem gewissen Spott über Gesetzesbücher und -kommentare auslässt, der sehr trefflich gewisse Eigentümlichkeiten der "Paragraphenreiter" aufs Korn nimmt.

Nachdem ich auch das Interesse für und die Anteilnahme an den Hauptpersonen lange Zeit bei fünf Sternen gesehen hatte, hinterließ das Buch am Ende doch einen nicht ganz stimmigen Eindruck. Mein Eindruck ist, dass Collins dem Leser diesmal ein bißchen mehr Stimmungs-, Perspektiv- und Schwerpunktwechsel zumutet als sonst - zu viel! Es beginnt ungemein interessant mit zwei Personen etwa gleichen Alters, die beide Allan Armadale heißen, von denen einer sich jedoch Ozias Midwinter nennt. Midwinter, ist das der kürzeste Tag und die längste Nacht im Jahr? Düsternis assoziieren wir auf jeden Fall mit diesem Mittwinternachtsmann, dem all das fehlt, was Allan Armadale hat, und dem es doch zustünde. Midwinter ist zudem von dunklem Teint (gibt es eigentlich ein politisch korrektes Wort für Mulatte?), in der Gosse aufgewachsen, er hat mit zwanzig Jahren schon alles erlebt und gesehen, und man kann ihm selten etwas vormachen. Allan Armadale hingegen ist der reine Tor, mit dem Silberlöffel im Munde geboren und groß geworden, unverhofft zu Reichtum gekommen, und außer seiner Leidenschaft für Segelboote, für Midwinter als Freund und später für den sechzehnjährigen Backfisch "Nellie" hat er wenig im Koppe. In seiner völligen Ignoranz ist er schon wieder sympathisch, zumal dieser Müßiggänger durchaus eisern sein kann, wenn er einmal etwas wirklich will. Bezüglich der Beziehung zu Midwinter heißt das erfreulicherweise, dass er in spontaner Gefühlsregung vom traurigen Schicksal dieses Mannes ergriffen ist und ihm die Freundschaft anbietet und hält, während alle anderen schon der Erscheinung und des Namens Midwinters wegen die Nase rümpfen. Man sieht daran, dass das sehr kindliche Gemüt Armadales etwas ungeheuer sympathisch Unverdorbenes hat; er schert sich nicht um Standesdünkel und ist völlig ohne Vor-Urteile im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der Kehrseite dessen finden sich Leichtgläubigkeit und schlechte Menschenkenntnis. Man ahnt: So einer lässt sich leicht hinters Licht führen.

Dies spürt auch Lydia Gwilt, die typische Femme Fatale, mit Mitte 30 wie Ende 20 aussehend und von verlockender Schönheit, die Männern den Verstand einen Meter weiter runter wandern lässt. Lydia ist sich ihrer Waffen zudem sehr bewusst und hat in der Vergangenheit liegende Motive, sich das Vermögen des nun zum Gutsbesitzer aufgestiegenen Armadale unter die schönen Nägel zu reißen. Gleichzeitig ahnen wir aber, dass diese Frau nicht restlos böse ist, denn sie wird von einer älteren Freundin angeleitet, und wir spüren: benutzt. Letztlich ist auch Lydia Opfer, ein Stück weit wenigstens. Collins hält gut die Waage zwischen den Extremen "die durch und durch verdorbene Femme Fatale" und "das gute schlechte Mädchen als Opfer".

Etwa ab der Hälfte des Buches lässt Collins die Sympathien für Armadale merklich abkühlen, und das irritiert mich immer noch ein bißchen. Sicherlich, diese Irritation ist beabsichtigt: Erst goutieren wir die Folgen dessen, dass er nur aus dem Bauch heraus und ohne jegliche Diplomatie, aber mit gutem Willen handelt. Dann wird er aus Lydias Blickwinkel als enervierender Trottel geschildert, der außer seiner süßen kleinen Backfischgeliebten Nellie, seinem Freund Midwinter und seinen Yachten keine andere Welt mehr kennt und nicht merkt, wenn sein ständiges Gerede davon einfach nur nervt. Lydia ist klug, ihre Darstellung ist bestechend, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie Recht hat. In der Liebe, da tendiert Allan zwar auch einmal zu Lydia, aber nach ernstzunehmenden Zweifeln an ihrem Leumund doch wieder zu dem Backfisch Nellie, den man in der Tat als bissige Schilderung eines kleinen romantischen Dummchens sehen kann. Das ist schon eine negative Seite Armadales' Naivität, dass er sich die naive, uninteressantere Frauenfigur in dümmlicher Schwärmerei eines Pubertierenden ausgeguckt hat. Oder ist Lydia frustriert, dass SIE, die fast perfekte Verführerin, sich gerade Armadale NICHT angeln kann, weil er in seiner reinen Torheit immer auch das Stück unberechenbar ist, das Lydia ein Schnippchen schlägt? Dies wäre schon wieder passend, und es zeigte außerdem, dass Lydia eben nur die FAST perfekte Verführerin ist: Als ein Naivchen kann sie sich nicht geben, das bringt sie nicht über sich, und nur so könnte sie Armadale kriegen.

Dafür hecheln ihr diverse andere Männer nach, so auch Midwinter - und für diesen entwickelt Lydia tatsächlich Gefühle. Wie sie sich erst dagegen sträuben will, wie sie ihrem Tagebuch all dies anvertraut, und wie sie auch beginnt, langsam kleine Fehler in ihren Ränken zu machen, sind sehr spannende, schöne und berührende Momente des Romans. So ganz bin ich dem Collins aber noch nicht auf die Schliche gekommen, warum es nun gerade in diesem Falle wirklich funken soll. Midwinter, der Weise, der Bedenkenträger, der Mann dunkler Vorahnungen und unheilvoller Schicksalsgläubigkeit: Er fällt genauso auf Lydia herein wie fast alle anderen und verliebt sich in sie, als sie's gezielt darauf anlegt. Warum auch er, der doch schon allen Schmutz der Welt gesehen hat? Und warum findet sie es gut, sehnt sie sich doch im Grunde einmal nach einem Mann, der ihr ebenbürtig ist und nicht wie alle anderen ihr willenlos verfällt? Eine mögliche Erklärung wäre, dass auch Lydia bereits Dreck, Schmutz, Erniedrigung und Gewalt kennengelernt hatte und dass beide unterschwellig einander verstehen. Doch mich stört daran ein wenig, dass eben Midwinter Lydia nicht bewusst und in Kenntnis all ihrer Geheimnisse lieben kann, sondern gerade durch das Hereinfallen auf sie zu einem Teil der Männermasse wird, die Lydia doch verachtet.

Die letzten ca. 150 Seiten sind noch einmal richtig spannend, stellen aber stärker als bei anderen Collins-Werken ein weitgehend eigenständiges Segment dar. Es hängt zwar von der Handlung her mit dem Rest des Romans zusammen, steht aber in der dramatischen Konstruktion sehr weit außerhalb des Restes. Es kommt noch einmal innerhalb des Romans zu einem klassischen dreiaktigen Spannungsbogen mit Exposition einer neuen Situation, dramatischer Entwicklung und kathartischem Höhepunkt. Dies habe ich als etwas unangenehm disparat empfunden, zumal in dieser neuen Situation auch eine neue Hauptfigur eingeführt wird, die sich nicht recht einfügen will. Eine vorher völlig unbedeutende Person wird noch einmal mit aller Macht zu einem Superschurken aufgebaut, der so bedrohlich und wichtig wird, dass es den Eindruck des Verkrampft-Forcierten und Abrupten hinterlässt. Wieso kommt so plötzlich ein hundsgemeiner Mann aus der Versenkung, der an Collins' super Superschurken Graf Fosco (Die Frau in Weiß. Roman) erinnert, aber dem überhaupt nicht die Zeit gegeben wird, sich in einer ähnlich beunruhigenden Dämonie zu entfalten? Am Ende zieht er so heftig die Strippen, dass man den Eindruck hat, Collins habe seinen Pseudofosco durchaus zu einem Superschurken machen wollen. Dafür bietet ein Mini-Roman im Roman einfach zu wenig Zeit und Raum. So spannend das letzte Viertel ist, so passend es die Schicksale von Armadale, Midwinter und Lydia zu einem Ende führt, so aufgesetzt wirkt dieses nachträgliche Drama im Drama von der Konstruktion her. Insgesamt ein faszinierendes Buch, bei dem Collins die bewusst gewählte Uneinheitlichkeit aber nicht so gut meistert wie in anderen Werken.

Das Buch ist ansprechend layoutet - die 766 Seiten sind nicht, wie so oft, künstlich gestreckt, sondern recht prall gefüllt. Die Schrift ist aber auch nicht gar so klein wie in vielen Taschenbüchern vor einigen Jahrzehnten. Die Sprache in der deutschen Übersetzung von Eva Schönfeld ist klar, ohne simpel zu sein, Collins' feine satirische Ironie geht nicht lost in translation. Dem Rang eines modernen Klassikers angemessen scheint mir, dass Schönfeld gelegentlich eine betont klassische Sprache wählt - nicht etwa durch heute als falsch geltende Regeln der Rechtschreibung und Grammatik, sondern durch die Wahl von Wörtern, die vom Aussterben bedroht sind. Da ist man noch indigniert und mesmerisiert (hypnotisiert, fasziniert). In letzterem Falle übrigens eine kluge Wahl, die sowohl eng am Original ist (to mesmerize = hypnotisieren) als auch eine engere Verbindung zur Zeit schafft, in der der Roman entstanden ist und spielt: Der Begriff kommt von dem Namen Franz Anton Mesmers, der um 1770 die Hypnose zu erforschen versuchte, weswegen man noch lange Zeit vom Mesmerisieren sprach und im Englischen noch heute "to mesmerize" gebräuchlich ist.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Buch, 30. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
durch den Roman " Drood " von Dan Simmons, welcher mir weniger gefallen hat, bin ich auf den mir bislang unbekannten Autor
Wilkie Collins gestoßen und habe " Der rote Schal " begeistert verschlungen.
Zum Inhalt nur soviel: Das Buch beginnt mit einem Familiengeheimnis, welches für zwei Personen, die aus bestimmten Gründen den
selben Namen tragen, gravierende Folgen hat und zahlreiche Intrigen in Gang setzt. Die Handlung nimmt dabei immer neue über-
raschende Wendungen und bleibt bis zum Schluß spannend.
Dabei störte es mich auch nicht, daß die Story manchmal etwas überkonstruiert ist, was durch die zahlreichen herrlich schrulligen
Charaktere, durchaus humorvollen Passagen und den für seine Zeit sehr modernen Erzählstil des Romans mehr als wett gemacht
wird.
Was den Erzählstil betrifft war Wilkie Collins seiner viktorianischen Zeit sehr weit voraus, so läßt er die Handlung unter anderem
aus verschiedenen Perspektiven wie Tagebucheintragungen der weiblichen Hauptperson Lydia Gwilt sowie Briefen von verschiedenen
Personen erzählen.
Trotz der manchmal altertümlichen Sprache war es daher für mich kaum zu glauben, daß "Der rote Schal" bereits vor ca. 150 Jahren
verfaßt wurde.
Es wird sicher nicht mein letztes Buch des Autors bleiben!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastischer Spannungsroman aus dem 19. Jahrhundert!, 16. März 2009
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
Als Grammatikfehler noch als bloßstellender Mangel galten und die persönliche Konversation noch ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens war, wurde der englische Schriftsteller Wilkie Collins den Anforderungen seiner anspruchsvollen Leserschaft mehr als gerecht. Er selbst hatte einst eine juristische Laufbahn angestrebt, sich aber dann doch mehr den theoretischen Fällen gewidmet, die er auf vorzügliche Weise literarisch aufzuarbeiten verstand. So ist "Der rote Schal" noch heute der reinste Lesegenuss.

In dem vorliegenden Werk geht es um das Geheimnis einer verhängnisvollen Vergangen-heit, welches zwei junge Männer, die auch noch denselben Namen tragen, wie ein unheilvolles Orakel belastet. Durch einen Zufall begegnen sich die beiden Personen und werden Freunde, bevor sie von den Schatten der Vergangenheit eingeholt werden. Der unbe-kümmerte Allan Armadale nimmt sich dem schwerkranken Ozia Midwinter an, der auf einem einsamen Feld ohnmächtig aufgelesen wurde. Der seltsam rastlose Midwinter scheint für den gutsituierten Armadale keine besonders gute Gesellschaft zu sein. Daher sieht dessen guter Freund, der Pfarrer Brock, die neue Bekanntschaft mit Sorge. Als Midwinter das Misstrauen spürt, verschwindet er.
Kurz darauf besucht eine geheimnisvolle Fremde tief verschleiert und mit Trauerkleidung die Mutter Armadales. Die kühne Besucherin muss der armen Frau schwer zugesetzt haben, denn durch die große seelische Erschütterung stirbt sie bald darauf. Pfarrer Brock rätselt um die Identität der Fremden, deren auffällige Merkmale in der anmutigen Haltung und einem leuchtend roten Schal bestehen, den die Besucherin trug. Kann die geheimnis-volle Schöne auch Allan schaden, wie es die Sterbende in den letzten Atemzügen voraussagte?
Als Allan schließlich seinen Freund Midwinter wieder aufspürt, hat dieser mehr über seine Herkunft herausgefunden und um das Vertrauen des misstrauischen Pfarrers zu gewin-nen, entdeckt er diesem das mörderische Geheimnis seines Vaters. Midwinters Vater hatte als junger Mann aus rasender Eifersucht und Rachsucht den Vater des jungen Allan Armadale auf sehr grausame, aber unauffällige Weise umgebracht. Daher hatte er in Folge auch nicht seinen Geburtsnamen getragen, den er mit dem Opfer gemeinsam hat. Midwinter sollte bei Volljährigkeit brieflich von diesem Geheimnis erfahren. Es war der ausdrückliche Wunsch des Mörders, dass sein Sohn nie mit Armadale junior zusammentreffen solle. Doch das Schicksal ist dem Schreiber nun zuvor gekommen. Midwinter steht vor einer schweren Entscheidung. Soll er seinen guten Freund aufgeben? Durch einen dummen Zufall landen die beiden Freunde auch noch ausgerechnet auf dem Frack des Schiffes, wo Allans Vater sein grausames Ende fand. Allan ahnt nichts davon. Während Midwinter fast den Verstand verliert, weil sie nicht von dem unheilvollen Ort weg können, träumt Allan einen seltsamen Traum. Midwinter ist überzeugt, dass ein schreckliches Geschehen in nächster Zukunft das Leben seines Freundes bedrohen wird. Kann er selbst einen Freund vor Schaden bewahren? Ist es am Besten, den Rat seines verstorbenen Vaters zu befolgen? Und was hat die rätselhafte Frau mit dem roten Schal mit der Zukunft der Armadales zu tun?

Wilkie Collins hat ein übergroßes Talent, seine Figuren fast plastisch in Szene zu setzen. Da ist der grüblerische Midwinter, der mit seiner Vergangenheit kämpft und sein übles Temperament zu zügeln versucht. Sein großer Freund Allan dagegen ist eine so unbekümmerte und fröhliche Natur, dass er nicht nur für sich selbst sondern auch für andere zu einer Gefahr wird. Auf jeden Fall ist er ein gutes Opfer für die zwielichtige, aber wunderschöne Lydia, die mit finsterer Absicht auf den soeben geerbten Herrensitz von Armadale erscheint und sich in die Herzen seiner Bewohner einschmeichelt. Doch da sind ja zum Glück auch noch die wachen Anwälte Pedgift, die ein wachsames Auge haben und Arma-dale vor jeder Dummheit bewahren möchten.

Keine Frage: Bei all den dramatischen Ereignissen und Weissagungen hat der Leser immer noch genug zu lachen! Mit spitzer Feder skizziert Collins seine Figuren und lässt deren Schwächen und Fehler oft grotesk und sehr amüsant erscheinen.

Auch die Schreibweise des Romans ist sehr abwechslungsreich und hält die Geschichte in Schwung. Es werden die Briefe" der verschieden Protagonisten abgedruckt oder man kann in Tagebucheinträgen der Psychopathin Lydia schmökern. Am Ende enttäuscht der Romancier natürlich auch nicht und beantwortet sämtliche Fragen zur Lösung des Rätsels um die Frau mit dem roten Schal!
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der rote Schal, 19. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der rote Schal: Roman (Taschenbuch)
Der zweite Teil zum Buch Die Frau in Weiß! Genauso spannend wie der erste Teil.
Lest ihn, ich kann es euch nur empfehlen!!
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Der rote Schal: Roman
Der rote Schal: Roman von Wilkie Collins (Taschenbuch - 1. April 1995)
EUR 9,90
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