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am 1. Juli 2008
"Ich gehöre zu jener Art von Menschen, die immer am Rande dessen stehen, wozu sie gehören,
und nicht nur die Menschenmenge sehen, deren Teil sie sind, sondern auch die großen Räume daneben."
(Pessoa, 1930)

Franz Kafka (1883-1924) wäre am 3. Juli 125 Jahre alt geworden. Sich seiner zu erinnern, ist Grund vieler Feuilletons, über ihn zu berichten. Aber ihm nahe zu kommen gelingt nur über seine Erzählungen, Aphorismen, Gleichnisse und Parabeln.

Ab Ende 1916 schrieb er wieder intensiver, nachdem er eine fast zweijährige Schaffenspause ablegen konnte. Dieser Band aus den gesammelten Werken enthält aus dem Nachlass Kafkas stammenden erzählenden Stücke und Aphorismen. Er entspricht der Kritischen Kafka Ausgabe. Kafka widmet sich hier dem Dualismus, dem Orpheus Prinzip des Wandelns zwischen den Welten, den Welten des Lebens und des Todes. Ferne, unerreichbare Mächte, rätselhafte, zu spät eintreffende, vergebliche Bitten, undurchschaubar komplizierte Verfahren, unendlich gegliederte und abgestufte Raumfolgen bestimmen das Dasein der meist vereinzelten Menschen in nächtlich verschatteten, ausweglosen Welten. Das ist Kafka. Die pure Existenz des Menschen ist sein Fokus. Und doch hat er eine schwer zu bestimmende Dimension der menschlichen Existenz in Gleichnissen nachgebildet, die sich hier dem geneigten Leser offenbart.

Kafka hat eben seit November 1916 in Oktavhefte geschrieben, acht sind es geworden. Und so sind sie zu lesen wie eine Ideensammlung. Der Gruft-Wächter, der Versuch eines Theaterstücks, wird lesetechnisch unterbrochen von neuen Gedanken. So wie der Gruftwächter lernte, nachts zu arbeiten, damit die Toten nicht aus ihrem Park hinausgehen. Die Vollendung der Wache ist die Wache in der Gruft selbst, eben als "wirkliche Bewachung unwirklicher dem Menschen entrückter Dinge". Wie es in diesem Stück um das Wandeln zwischen Lebenden und Toten geht, so auch die Erzählung vom Jäger Gracchus nicht minder die Geschichte eines Grenzgängers. Als wenn dieser die Flüsse des Hades mit dem Bootsmann fährt, allerdings so, dass dieser nicht mehr das Boot zu lenken versteht und so ein Toter auf der Barke auf den Ozeanen der wirklichen Welt verbringt. Die Schuldfrage auch hier, denn dem Toten wird nicht die Ewigkeit gewährt. Stellte Kafka noch anfangs fest, dass Tote zuversichtlicher als Lebende sind, weiß er beim Gracchus zu sagen, dass diese Zuversicht der Toten auf der höchsten Stufe vor dem leuchtenden Tor sich als Traum entpuppt und das Erwachen die unteren Stufen der Leiter zuweist. Als Kübelreiter zeigt er sich in der Welt voller Kälte, wo "der Himmel ein silbernes Schild gegen den [ist], der von ihm Hilfe will".

"Schakale und Araber" sind so etwas wie eine Utopie des Friedens, Der Bau der Mauer ist die gigantische Bewegung eines zerstrittenes Europas und in allem streut er Fragmente und Aphorismen wie: "In was für eine Gleichgültigkeit Menschen kommen können, in wie tiefe Überzeugung, für immer die rechte Spur verloren zu haben."

"Ich weiß keinen Ausweg" - Kafka schon krank erkennt seinen nahenden Tod und so schreibt er: "Falls ich nächster Zeit sterben [...]werden sollte - diese Möglichkeit ist groß ..." und die Frage zum Glauben beantwortet er so kurz: "Ich weiß nicht!" Kürzer kann einer, der im jüdischen Glauben aufgewachsen und seine Schriften so geheimnisvoll wie eine Kabbala verfasste den Unterschied zwischen Wissen und Glauben nicht deutlich machen.

"Wer war hier?" - "Eben ist er fortgegangen", so erfährt man bei Kafka den Hang zum Absurden, dem vergleichbar nur noch Beckett fähig war. Kafka ist so wie Beckett, kein Wort zuviel, dem Leser wird schweigend Zustimmung abverlangt, nein, eher Verständnis und Miterleben dieser Tiefen der menschlichen Existenz. Von Kierkegaard über Nietzsche und Kafka hat sich der Existenzialismus gestaltet. In den Schriften Kafkas zeigt er sich in der absurdesten Weise. Und so ist es ihm ein Leichtes zu schreiben, das er als Wandler wie einst Orpheus das Totenhemd überzieht wie ein junges Mädchen ihr Hochzeitskleid.
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