Kundenrezensionen


6 Rezensionen
5 Sterne:
 (4)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eintauchen ins Zwischenmenschliche, 18. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Zum Leuchtturm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir beim zunehmend begeisternden Lesen dieses Buches gedacht: sollte mich meine jetzt siebenjährige Tochter später je fragen, weshalb sie "schwierige" Literatur lesen solle, so könnte ich ihr einige Stellen in "Zum Leuchtturm" zeigen, in denen minuziöseste Vorgänge auf der Ebene der Kommunikation, des Verhaltens und des Bewusstseins in eine Tiefe ausgelotet und beschrieben (und damit dem Verstehen des Lesers zugänglich gemacht) werden, die für den Grossteil der Literatur (und für das Menschenverständnis im Alltag) unbekannt und unzugänglich sind. Insofern gleicht für mich das Lesen dieses Buches einem teilweise zeitlupenhaften Eintauchen ins Zwischenmenschliche, wobei ständig reales Verhalten und innere Vorgänge (auch der Interpretation dieses Verhaltens durch den anderen) mittels Perspektivenwechsel konfrontiert werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Elegie an die Kindheit, 13. Juli 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Zum Leuchtturm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die erschütterndsten Dramen dieser Welt spielen sich im Innern der Menschen ab. Davon war Virginia Woolf überzeugt, und in keinem Werk setzte sie ihre künstlerische Vision so radikal um wie in "Zum Leuchtturm". Der Inhalt: Ein kleiner Junge träumt von einer Fahrt zum Leuchtturm. Doch es droht zu regnen und der Ausflug kommt erst zehn Jahre später zustande. Um dieses dürre Gerüst wickeln sich die ununterbrochen strömenden Gedanken, Erinnerungen und Fantasien der Romanfiguren. Es gibt kaum ein existenzielles Thema, an dem nicht irgendein flüchtiger Gedanke hängen bliebe: Tod und Vergänglichkeit, die Rolle der Frau, das Wesen der Kunst und die Subjektivität der Wirklichkeit. All das klingt nicht nur sehr abstrakt, sondern ist es auch. Dennoch wirken Mr und Mrs Ramsay, ihre Kinder und Gäste authentisch - sie entstammen weitgehend den Kindheitserinnerungen der Autorin. Das Buch half ihr „wie ein Psychoanalytiker“, sich von der Fixierung auf die früh verstorbenen Eltern zu befreien. Einmal überlegte Woolf, es „Elegie“ (Trauergesang) statt „Roman“ zu nennen - ein passender Begriff für ihre rhythmisch-poetische Sprache und den melancholischen Klang der Gesamtkomposition.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


36 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 'Zum Leuchtturm' handelt vom Vergehen der Zeit., 26. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Zum Leuchtturm: Roman (Taschenbuch)
'Zum Leuchtturm' fesselt den Leser nicht, es strengt ihn an. Man muss aufmerksam lesen, sonst bemerkt man am Ende nicht, dass der erste Teil des Romans nur die Zeit eines Nachmittages umspannt. Dennoch fasziniert das Buch, denn der Erzähler gewährt uns einen Blick in die Gedankenwelt der Menschen. Einzig um die Gedanken geht es hier, die äußere Handlung ist Nebensache. Da gibt es die Ehe zwischen Mr und Mrs Ramsay, die voller Spannungen ist. Da gibt es den ewig missmutigen Mr Tansley, der sagt, dass Frauen weder malen noch schreiben können. Und da gibt es Lily Briscoe, die Malerin ist und eigentlich gerne allein lebt, aber mit der Erwartungshaltung Mrs Ramsays, die findet, dass eine unverheiratete Frau das beste im Leben verpasst, kämpfen muss. Letztere ist der von Woolf beschriebene 'Engel im Haus', den die Schriftstellerin 'töten' musste, um schreiben zu können. Und so ist Lily ein literarisches Abbild Virginias und die Ramsays sind ein Spiegelbild ihrer Eltern. Woolf beschreibt eindringlich die Härte und das Selbstmitleid des Vaters. Bei der Mutter ist die Skizze ambivalenter: Der Leser erkennt, dass Mrs Ramsay ihre eigene Identität zugunsten ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau verloren hat, aber er sieht auch, dass sie die Seele des Hauses und der Familie ist und dass sie den Kindern gibt, was sie brauchen. Allen Figuren ist gemeinsam, dass sie über Zeit und Vergänglichkeit nachdenken, dass sie sich oft angstvoll dagegen wehren und sie schliesslich doch akzeptieren müssen. Bezüglich Handlung und Aktion liefert das Buch, das 1926 geschrieben wurde, nichts. Die Handlung findet im Kopf statt. Dort passiert nämlich das wirkliche Leben, sagt Woolf. Ich werde das Buch ein zweites Mal lesen und das tue ist fast nie.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht süchtig!, 2. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Zum Leuchtturm: Roman (Taschenbuch)
Die Indikatoren für eine Geistergeschichte" sind sicherlich vorhanden, aber Die Fahrt zum Leuchtturm" ist keine klassische Geistergeschichte, die den Leser gruseln soll. Eher ... schön.

Zum Buch: Es geht auf über 100 Seiten um 5 Stunden eines Tages in einem Sommerhaus der Ramsays, die mit ihren 8 Kindern und 4 Gästen dort auf einer Hebrideninsel wohnen. Und wahrscheinlich wird das Buch niemanden begeistern können, der sehr viel Wert auf eine Handlung legt, denn es passiert im ersten längeren Teil so gut wie nichts.

Dann werden 10 Jahre aus der Perspektive des Hauses gerafft und anschließend wird ein Ausflug zum Leuchtturm unternommen, der aufgrund Schlechtwetters im ersten Teil nicht stattfinden konnte. Hört sich langweilig an? Geschmackssache.

Das Buch legt großen Wert auf die Innenansichten der wechselnden Erzählfiguren und damit bricht es schon mal mit 2 aktuellen Paradigmen über erfolgreiches Schreiben. Aber ... die gelieferten Innenansichten sind sowas von gewaltig, so saugeil geschrieben, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Wohlgemerkt: Wegen der Innenansichten! Ich war gefesselt von den Geschehnissen im kleinen Raum, den Beziehungen, den Beschreibungen kleinster Handlungen und Konfrontationen. Induktion ist hier das Zauberwort, denn Woolf gelingt es brillant aus der Beschreibung des Alltäglichen die Brücke zum Allgemeinen zu zeigen.

Ebenso spannend waren für mich die Perspektivwechsel in der fortlaufenden Handlung. Misses Ramsay beobachtet die Malerin Lily Briscoe und verfängt sich in philosophischen Gedanken, passiert die Künstlerin und ab da geht es weiter aus der Innenschau der Lily Briscoe und ihre Gedanken über ihre Beziehung zu Miss Ramsay. Und wieder: Genial! Hammer, wie Sprache da wirken kann!

Fazit: Wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt werden, aber ich kann Leser auch verstehen, die sich davon gelangweilt fühlen. Für meinen Geschmack gibt es 10 von 10 Punkten, das war wirklich ein nachhaltiges Leseerlebnis für mich.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zeitloses Meisterwerk, 13. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Zum Leuchtturm: Roman (Taschenbuch)
Ach, habe ich geflucht auf die Woolf! Diese Schnepfe! Was erzählt sie da am Anfang so langatmig? Warum soll ich dieses Buch zu Ende lesen? Wo ist denn hier die Geschichte? Halte ich hier vielleicht ihr schwächstes Werk in den Händen? Diese Umstandskrämerin soll weltberühmt sein? Wofür denn? Dass sie mich
anödet?
So schaukelte sich in mir die Stimmung auf, bis ich nach 50 Seiten begriff, dass Woolf so zu lesen, eher meine Unreife zeigt, als meinen Kunstsinn.
Es darf auch einmal einen Roman geben, der nicht plotprall daherkommt. Da ist ein Leuchtturm, sein Licht gleitet übers Wasser. Es ist zu sehen, es verschwindet. Mehr als mir den Weg weisen, will der Roman nicht. Es liegt an mir, die Fahrt zu wagen, die mir Virginia Woolf nahelegt. Die Fahrt führt ins 19. Jahrhundert, als Männer und Frauen noch anders lebten als heute. So richtig unterscheiden tun sie sich aber nicht, weshalb das Buch auch nicht veraltet ist.
Es wird eine Familie ins rechte Licht gerückt. Die Mutter, der Vater, die Gäste und die Kinder. Schenkt man dem Roman seine Aufmerksamkeit, wird man reich beschenkt. Es ist ein großes Werk, das im Englischen noch an Kraft gewinnt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll, aber zum Teil etwas langweilig, 23. Juli 2003
Von 
Jochen Fromm (Berlin, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Zum Leuchtturm: Roman (Taschenbuch)
Virginia Woolf's Buch "Zum Leuchtturm" zählt sicherlich zur höheren englischen Literatur, und ist ungefähr das Gegenteil von Harry Potter and the Order of the Phoenix : weder spannend noch unterhaltsam, passieren tut eigentlich nichts, aber dafür ist es anspruchsvoll und anstrengend. Wie ein gutes Musikstück von J.S. Bach, das erst beim zweiten oder dritten Hören richtig interessant wird.
Es enthält all das, was man bei Harry Potter nie finden würde : Elefantensätze oder andere Satzungetüme, die sich über ganze Abschnitte erstrecken, wunderschöne Metaphern, interessante Vergleiche und tiefgehende Gedanken. Eine Stelle über den Unterschied zwischen einem Genie und einem normalen, intelligenten Menschen hat mir besonders gefallen :
"Es war ein glänzender Verstand. Denn wenn das Denken wie die Tastatur eines Klaviers ist, in eine Vielzahl von Tönen unterteilt, oder wie das Alphabet in sechsundzwanzig aufeinander folgende Buchstaben geordnet ist, dann hatte dieser glänzende Verstand keinerlei Mühe, entschieden und akkurat, jene Buchstaben einen nach dem anderen zu durchlaufen, bis er, sagen wir, den Buchstaben Q erreicht hatte. Er hatte Q erreicht. Nur sehr wenige Menschen in ganz England erreichen jemals Q. [..] Doch nach Q ? Was kommt danach ? Nach Q kommt eine Anzahl von Buchstaben, deren letzter für das sterbliche Auge kaum erkennbar ist, sondern der rot in der Ferne glimmt. Z wird innerhalb einer Generation nur einmal von einem einzigen Mann erreicht. Wenn er jedoch R zu erreichen imstande wäre, dann wäre das immerhin etwas. [..] er konnte, ohne es zu wollen, den alten, den offenkundigen Unterschied zwischen den beiden Klassen von Männern erkennen; auf der einen Seite die Unentwegten von übermenschlicher Kraft, die, unverdrossen und hartnäckig, das ganze Alphabet der Reihe nach aufsagen, alles in allem sechsundzwanzig Buchstaben, von Anfang bis Ende; auf der anderen Seite die Begabten, die Inspirierten, die, auf wunderbare Weise, sämtliche Buchstaben blitzartig zusammenballen - das Vorgehen des Genies. Er besaß kein Genie; er erhob darauf keinen Anspruch: er besaß jedoch, oder hätte sie besitzen können, die Macht, jeden Buchstaben des Alphabets von A bis Z in genau der richtigen Reihenfolge aufzusagen. Gegenwärtig blieb er bei Q stecken. Also weiter, weiter zu R."
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Zum Leuchtturm: Roman
Zum Leuchtturm: Roman von Virginia Woolf (Taschenbuch - 1. Oktober 1993)
EUR 8,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen