Kundenrezensionen


15 Rezensionen
5 Sterne:
 (10)
4 Sterne:
 (4)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als eine Biografie
Orlando, ein Mensch. Ein aufgeklärter Geist. Ein Romantiker durch und durch. Ein Werkzeug seiner Schöpferin. Die Lebensgeschichte Orlandos ist fantastisch und schön. Oberflächlich sehen wir einen Menschen, der durch die Kraft der Liebe (oder einen Fluch) jung bleibt und nicht sterben kann. Als Nebeneffekt ändert sich jedoch mit der Zeit das...
Veröffentlicht am 12. November 2004 von P. Lankau

versus
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zunehmend langatmig und verwirrend
Trotz der gehaltvollen Idee der langsamen Transformation des Geschlechts- und Zeitsubjekts Orlando wird der Roman am Ende zunehmend langatmig und kann kaum mehr halten, was er am Anfang verspricht. Die Sprache von Virginia Woolf verliert sich in Abstraktionen und Phantasmagorien Orlandos und die Erzählung wird zunehmend unkonkret. Im Grunde ist auch kaum etwas...
Veröffentlicht am 10. Dezember 2009 von Mad Circus


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als eine Biografie, 12. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Taschenbuch)
Orlando, ein Mensch. Ein aufgeklärter Geist. Ein Romantiker durch und durch. Ein Werkzeug seiner Schöpferin. Die Lebensgeschichte Orlandos ist fantastisch und schön. Oberflächlich sehen wir einen Menschen, der durch die Kraft der Liebe (oder einen Fluch) jung bleibt und nicht sterben kann. Als Nebeneffekt ändert sich jedoch mit der Zeit das Geschlecht. Was sich seelisch schon lange anbahnt, verführt körperlich die Wanddlung mit einem Paukenschlag. Also keine müde transsexuelle Geschichte. Jedoch sollte die Betrachtung nicht so oberflächlich bleiben.
Es amüsiert den Leser, wie die Autorin eine verrückte Geschichte nutzt, um ein Gemälde ihres Landes durch die Zeit des größtesn Wandels zu malen. Orlando führt uns von Elisabeth der ersten bis in die Neuzeit, die Gegenwart der Erzählerin.
Während dieser Zeit erleben wir auch den Wandel der Literatur, immer geschildert durch das Auftreten bekannter Schriftsteller und Kritiker. Dabei kommen die Kritiker weit schlechter weg als die Autoren.
Zudem erhalten wir ein Sittengemälde der Epochen. Nicht zu vergessen die spöttisch ausgeführte Kritik an der Unfähigkeit der Protagonisten, über den eigenen Schatten zu springen. Das gipfelt in dem Prozess gegen Orlando, in dessen Verlauf dem Ex-Pier zwar seine Existenz trotz Geschlechterwandel zugesprochen wird, ich will nicht zu viel verraten.
Meine Angst, es handele sich hier um eine lesbische unerfüllte Liebesgeschichte, die in der Realität der Autorin bestimmend für ihr Leben war, mich aber nicht viel angeht, hat sich nicht bestätigt. Es ist zwar erhellend, diesen Umstand zu kennen, trägt aber zum Verständnis der Geschichte nicht bei.
Die Sprache ist in der Übersetzung fein und spritzig. Der Esprit der Autorin kann sich dank der guten Übersetzung voll entfalten. Ich liebe das Buch und empfehle es allen romantisch veranlagten Menschen.
Gehört nicht hierher, steht aber trotzdem da: der Film ist auch *****, das Hörbuch ist nicht so.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ist dies, was die Leute Leben nennen?", 13. Juli 2008
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Broschiert)
Virginia Woolfs "Orlando" erschien am 11. Oktober 1928 in London. Als befreiende Entspannung nach den Strapazen im Zuge der Entstehung von "Miss Dalloway" und "To the Lighthouse" (dt. "Die Fahrt zum Leuchtturm") geschrieben, steht "Orlando" nicht in einer Reihe mit den ganz großen Werken Virginia Woolfs. Die Autorin schlüpft darin in die Figur eines Biographen, der über mehrere Jahrhunderte hinweg die Geschichte des androgynen Wesens Orlando schildert. Die Zeitspanne, die dabei abgedeckt wird, reicht vom elisabethanischen England bis ins Jahr 1928.

Zu Beginn steht der Jüngling Orlando: Ein poesiebegeisterter Knabe, der vom großen literarischen Ruhm träumt. Schließlich steht er in den Diensten von Königin Elisabeth und wächst zu deren Günstling empor. Bald folgen die erste große Liebesenttäuschung und daraufhin eine weite Reise als Gesandter an den türkischen Hof. Es ist das große und ewige Thema der Autorin, das uns auch in "Orlando" begegnet: der Wandel des Menschen. Den großen Clou landet Woolf, als sie Orlando nach tagelangem Schlaf als Frau erwachen lässt:

"The trumpeters, ranging themselves side by side in order, blow one terrific blast: --
'THE TRUTH! at which Orlando woke. He stretched himself. He rose. He stood upright in complete nakedness before us, and while the trumpets pealed Truth! Truth! Truth! we have no choice left but confess -- he was a woman."

Vita Sackville-West, die Geliebte Virginia Woolfs, stand Pate für Orlando. Ihre hochadelige Herkunft bedingte eine Familiengeschichte, die über mehrere Jahrhunderte reicht. 8 Illustrationen sind dem Buch beigegeben, teilweise ist Vita selbst darauf zu sehen, teilweise Personen aus ihrem Umfeld selbst. Eine nähere Kenntnis der Biographie Vitas erlaubt es, Verweise zu deuten und Personen wiederzuerkennen. Doch das alles ist nicht nötig, um beim Lesen von "Orlando" großen Genuss zu verspüren. Gewiss, wer Virginia Woolf liebt, der liebt sie für die feuerwerkartigen inneren Monologe, für Passagen erlebter Rede, die in nahezu jedes Handbuch eingegangen sind. "Orlando" gibt sich unter solchen Kriterien deutlich sparsamer, doch liegt seine Stärke besonders in den ironischen Darstellungen der jeweiligen Epochen, die Orlando durchlebt. Wer berühmte Figuren - wie einen Alexander Pope zum Beispiel - kennt, der hat wahre Freude an dessen zynischen Bemerkungen. Im viktorianischen Zeitalter gefällt der romantisch verklärende Unterton.

Eine Schwäche kann auch zur Stärke werden. Und so ist es wohl gerade die augenscheinliche Leichtigkeit des Romans, die Woolf ihren ersten großen kommerziellen Erfolg bescherte. Gehobenen ästhetischen Maßstäben hält diese phantastische Geschichte allerdings dennoch stand. Und auch wenn sich Woolf im Klaren darüber war, dass sie hier nicht ihr Opus Magnum produziert hatte, so weiß ihre in schöne Prosa gegossene - und damit verewigte - Liebe zu Vita Sackville-West auch heute noch zu begeistern. Brillant ediert von Klaus Reichert, macht auch die deutsche Ausgabe große Freude und - bei denen, die Woolf noch entdecken wollen - gewiss Lust auf mehr.

Wer von Orlando nicht genug bekommen kann, der schaue sich die Verfilmung an. Darin gibt es eine gnadenlos gut spielende Tilda Swinton als Orlando, wunderschön fotografierte Landschaften, einen starken Soundtrack und vieles mehr zu entdecken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ja, es gibt bessere Romane - dennoch: mein Favorit, 18. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Taschenbuch)
So grob man den Inhalt dieses Romans auch zusammenfasst - einzigartig bleibt er:
Orlando, anfangs ein stattlicher Höfling, durchlebt (seelisch höchst verwundbar, nie aber sterblich), die Jahrhunderte, und wird, ganz am Rande und ohne ärztliches Zutun, zur Frau.

Allein für diese Fabelführung muss man Virginia Woolf einfach lieben. - Wobei gerade ihr Werk zeigt, dass es einen so allgemeingültiges Abstraktum wie "Man" nicht gibt. Jeder Mensch ist ein Universum für sich, zu komplex, um nichts weiter als ein Teil der Gesellschaft zu sein. Das Überschreiten epochaler und sexueller Grenzen wird in Orlando" als etwas Natürliches, dem Menschen Ureigenes dargestellt. Ursachen für die Langlebigkeit des Protagonisten und Motive für dessen Geschlechtswechsel lassen sich allenfalls erahnen, werden aber in keiner Zeile benannt. Orlando lebt einfach weiter - und nimmt es hin. Wird einfach zur Frau - und nimmt es hin - ungeachtet seiner sonst so leidenschaftlichen Natur.
Auch bleiben Orlandos Empfindungen dieselben. Der Wandel seines/ ihres Verhaltens basiert vor allem auf äußeren Einflüssen (vor allem denen der Mode). Dabei zeigt sich, dass die geschlechtsspezifische Kleidung Gegensätze zwischen Mann und Frau nicht nur hervorhebt, sondern bewirkt.
Dessen ungeachtet verbinden sich auch nach dem Geschlechtswechsel männliche und weibliche Eigenschaften in Orlando. Immer wieder schlüpft sie in die ursprüngliche Männerkleidung, um dann, wie befreit, ins Frauengewand zurückzukehren. (Ein Aspekt, den Sally Potters Verfilmung leider ignoriert).
Obwohl leicht und luftig hingezaubert, mag der Roman (vor allem im letzten Drittel) seine Längen haben. Wie Virginia Woolf selbst bekennt, macht es Orlando ihr bzw. den fiktiven Biografen nicht gerade leicht, da er/ sie über geraume Zeitabschnitte scheinbar grundlos verharrt. So zählt V. Woolf an einer Stelle einfach die vergehenden Monate auf und fügt dann ängstlich hinzu, dass der Leser nun zu Recht den Kauf dieses Buches bereuen darf.

Trotz dieser beständigen Selbstironie der Lektüre fühlte ich mich auf keiner Seite veralbert oder böswillig belogen.

Während Tage, Monate, Jahrhunderte vergehen, wird das Thema Tod kaum einmal aufgegriffen. Verschiedene Personen sind plötzlich einfach nicht mehr da. Orlando trauert nicht, lernt neues Leben kennen. Versucht zu dichten. Versagt. Versucht aufs Neue. Versagt aufs Neue.

Auf diese Weise entsteht "Der Eichbaum" - ein Manuskript, das zusammen mit Orlando die Jahrhunderte überdauert. Und das obwohl es stets Gefahr läuft, sich selbst auszulöschen: Kaum nämlich fügt Orlando eine Zeile hinzu, streicht er/ sie zwei andere. Die Art, wie Virginia Woolf hier die Qualen eines Schriftstellers beschreibt, den ewig unbefriedigten Eifer, die Schönheit des Lebens nicht nur zu empfangen, sondern zu reflektieren, ja selbst zu erzeugen, verdichtet sich zu einer berauschend feinspürigen Gradwanderung zwischen Sachlichkeit und persönlicher Verzweiflung, Gleichmut und Melancholie.

Nur die Eiche als solche, der Baum also, der angesichts seines harten, dauerhaften Holzes schon in der Antike ein Sinnbild der Beständigkeit war, begleitet Orlando als dessen Fundament, Prüfstein und Wegweiser. (Man beachte, wie oft Orlando im Laufe der Jahrhunderte zur heimischen Eiche zurückkehrt und sich ihr zu Füßen wirft, um daraufhin in eine neue Epoche vorzudringen).

Übrigens: Obwohl sich in seit dem Erscheinen des Werkes nicht wenige Rezensenten auf eine rein feministische Interpretation des Romans beschränkten, halte ich es doch für ein Verbrechen, dieses Werk in die Kategorie emanzipatorische Dichtung einzugruppieren (zumal sich V. Woolf der gesellschaftlichen Vereinheitlichung zeitlebens widersetzte). Der Roman lässt, im Gegenteil, auch den männlichen Charakteren Gerechtigkeit widerfahren, indem er sie als durchweg individuelle, teils äußerst sensible Naturen schildert, die Orlando nur in vereinzelten Fällen mit Arroganz oder sexueller Zudringlichkeit begegnen und allenfalls vom herrschenden Geschmack ihrer Zeit zur Härte gezwungen werden. Die Androgynität Orlandos dient also keinesfalls frauenpolitischen Interessen, sondern illustriert vielmehr die Vielstimmigkeit des Ichs.

In Anbetracht von Woolfs homosexueller Beziehung zu der Aristokratin Victoria Sackville-West, deren Lebenslauf auffällige Parallelen zu Orlando aufweist, ist man verführt, den Roman als eine Selbstreferenz bzw. Ode an Woolfs Geliebte zu bezeichnen. Ungeachtet besagter Victoria (deren Kosename ,Vita' übrigens mit dem Gattungsnamen des Buches identisch ist!) kann das Werk aber ebenfalls als Hommage an den Biografien- und Dichtungswahn der Generationen bestechen.

Alles in allem nutzt Virginia Woolf die märchenhaft unbeschwerte Logik ihrer Grundidee, um ein aufrichtiges, zuweilen hemmungslos diffuses Portrait der westeuropäischen Gesellschaft zu zeichnen. Sensibel und poetisch, facettenreich und höchst vergnüglich, zugleich aber von tiefer Wehmut spürt V. Woolf dem Wandel oder vielmehr: dem Kreislauf der Zeiten nach.

Danke.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant, anregend, 2. Hälfte etwas langatmig, 26. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Taschenbuch)
Ein spannender Gedanke, in England, im Mittelalter die Lebensgeschichte eines Menschen zu beginnen, der über Jahrhunderte weiterlebt ohne wirklich zu altern, nach 200 Jahren das Geschlecht und damit ein ganzes Leben wechselt. Orlando lebt in einer tiefen emotionalen und poetischen Innenschau. Er/sie macht alle nur erdenklichen Erfahrungen mit Ruhm, Liebe, Einsamkeit und Beziehungen. Die Sprache des Buches ist sehr schön und tragend,der "Biograf" spart nicht mit eigenen Betrachtungen und Abschweifungen, die im ersten Teil des Buches eine sehr schöne anregende Stimmung erzeugen. Mit dem Anbruch des Victorianischen Zeitalters wird die Erzählung allerdings etwas sehr ausschweifend, da anscheinend in Orlandos äußerem Leben nichts wirklich bewegendes mehr passiert, was vielleicht bei einer gelebten Zeit von 300 Jahren so sein mag. Ereignisse tauchen in den üppigen Sinnbetrachtungen des "Biografen" unter. Alles in allem hat das Buch in mir das Gefühl erzeugt am Leben eines weiblichen Dr Faust teilgehabt zu haben, der die Welt nicht begreifen will, sondern dem sie sich in der tiefe der Gefühle erschließt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll, 17. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Broschiert)
Beim durchstöbern einer Buchhandlung fand ich kürzlich diese Ausgabe von Virginia Woolfs Orlando. Nach kurzem lesen der Inhaltsangabe stand für mich fest das ich es unbedingt haben muss. Dementsprechend ging ich mit recht hohen Erwartungen an dieses Buch heran und ich wurde nicht enttäuscht. Virginia Woolf hat einen sehr eindringlichen, poetischen Schreibstil in den man sich erst hineinlesen muss. Zumindest mir ging es so. Nach ein paar Seiten gewöhnt man sich aber daran und kann sich den feinfühligen Beschreibungen der Autorin kaum mehr entziehen. Die Story ist wundervoll beschrieben und OrlandoŽs Persönlichkeit und Gefühlswelt wurde bis zur Perfektion ausgearbeitet, so das man sich richtiggehend in Ihn/Sie hineinversetzen kann. Sicherlich keine leichte Lektüre, man sollte alle Sinne beisammen haben um diesen Roman in allen Einzelheiten in sich aufzunehmen und genießen zu können. Ich jedenfalls finde Ihn sehr anregend gerade auch der Tatsache wegen das man beim lesen ein bisschen mitdenken muss.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Liebeserklärung, 17. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Taschenbuch)
Bevor man dieses wunderbare Buch von Virginia Woolf liest, sollte man ein wenig über die Beziehung zwischen ihr und Vita Sackville-West wissen, denn dann liest man das Buch mit anderen Augen. Mich hat es sehr tief berührt, nicht nur durch eine der schönsten Liebeserklärungen, die ich kenne, sondern auch durch seine großartige Sprache. Die Beschreibung, wie Orlando den Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert erlebt, ist einfach grandios. Es verschlägt einen den Atem. Ich habe jede Möglichkeit genutzt, um das Buch weiterlesen zu können, weil ich es nie gerne zugeklappt habe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Selbst Raum und Zeit können Orlando nicht aufhalten, 7. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Broschiert)
Im 16. Jahrhundert ist der 16jährige Aristokrat Orlando der Geliebte der englischen Königin, was ihm natürlich nur von Vorteil sein kann. Leider verbaut er sich seinen privaten Aufstieg durch eine Liebschaft mit einer moskowitischen Prinzessin, die ihn dann auch noch sitzen lässt. Frustriert, auch der Schriftsteller Nicholas Greene, dessen Mäzen er war, enttäuscht ihn durch Verhöhnung, lässt er sich als Gesandter nach Konstantinopel versetzen, wo er sogar Herzog wird und heiratet. Dort folgt dann der erste große Knall: Nach einem 7tägigen Schlaf erwacht Orlando als Frau! Bei ihrer Rückkehr nach England befinden wir uns allerdings schon im prüden 19. Jahrhundert, indem Orlando sich als Mann verkleiden muss, um richtig Spaß haben zu können. Irgendwann steht eine erneute Hochzeit an, auch Nachwuchs ist mit an Bord. Am Ende sind wir in der Gegenwart der Autorin, nämlich 1928, angelangt.
Das war natürlich nur die ganz kurze Kurzfassung dieser fiktiven Biographie. Es geschieht hier so einiges und man sollte die 230 Seiten durchaus mit Bedacht lesen. Beispielsweise wird immer wieder auf Orlandos Leidenschaft zur Literatur Bezug genommen, auch dadurch, dass er/sie selbst literarisch aktiv wird und ein Manuskript quasi sein/ihr ganzes Leben mit sich führt. Wirklich spannend an diesem Buch ist ja nun die Tatsache, dass Raum und Zeit überhaupt keine Rolle spielen. Orlando altert gerade mal knapp 20 Jahre, während aber der hier beschriebene Zeitrahmen ca. 350 Jahre umfasst! Und niemand wundert sich darüber, das Orlando nicht wirklich altert oder gar stirbt oder das er plötzlich eine Frau ist. Auch Orlando selbst nicht. Manche seiner/ihrer Zeitgenossen sterben, andere nicht. Da macht das Lesen wirklich Spaß! Virginia Woolf hat sich damit natürlich eine großartige Ausgangsposition erdacht, um in erster Linie auf ironische Art zu zeigen, wie schwer Frauen es in künstlerischer und gesellschaftlicher Hinsicht hatten. An manchen Stellen bricht Sie diesen Geschlechterkampf, wenn zum Beispiel raus kommt, dass eine vermeintliche Frau und Verehrerin Orlandos eigentlich ein Mann ist bzw. war. Andererseits wiederrum schließt sie aber auch die Kluft, indem sie, wie schon erwähnt, Orland als Mann wie auch als Frau an ein und demselben Manuskript arbeiten lässt. Daraus ergeben sich viele lustige Szenen, die mich manchmal sogar ein bisschen an den großen Oscar Wilde erinnert haben. Damit hinterfragt sie die Rollenverteilung der Geschlechter im Allgemeinen. Des Weiteren nutzt Woolf die große Zeitspanne natürlich dafür, um politische, technologische und gesellschaftliche Veränderung darzulegen und anhand von Orlando zu zeigen, wie ein und dieselbe Person mit solchen Veränderungen umgeht. Wobei ich auch wieder sagen muss, dass ich gerade die Szenen, in denen Orlando eigentlich gar nicht viel sagt, am amüsantesten finde. Keinerlei Verwunderung tut sich bei ihr auf, wenn sie plötzlich (denn für sie muss es ja plötzlich kommen) nicht mehr mit einer Kutsche, sondern mit der Eisenbahn nach London fahren kann. Weiterhin sehr interessant finde ich, wie Virginia Woolf hier mit den Methoden eines Schlüsselromans spielt. Vieles in "Orlando" ist dem Leben ihrer damaligen Freundin und Geliebten Vita Sackville-West entnommen, vieles frei erfunden. Auch das Register am Ende (in dem sogar der Elchhund vorkommt!) und die Abbildungen innerhalb der einzelnen Kapitel sprechen bzw. sollen dafür sprechen, dass es sich tatsächlich um eine Biographie handelt. Mir hat das Buch recht gut gefallen, anfangs hatte ich meine Schwierigkeiten, aber irgendwann entsteht ein Fluss, der einen mitzieht und das Buch leicht und schnell zu Ende bringen lässt. Das Buch zu schreiben war für Virginia Woolf wie Urlaub, das Lesen fühlt sich fast ebenso an. Man bekommt einen augenzwinkernden Blick auf Männlein und Weiblein, sowie einen kleinen Blick durch ein Zeitfenster von 350 Jahren serviert. Wer damit klarkommt, dass Raum und Zeit hier einerlei sind, der dürfte ganz gut unterhalten werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mann oder Frau? - Mensch!, 11. Mai 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Broschiert)
Mit unbändiger Fabulierlust erzählt Virginia Woolf vom Leben Orlandos, der als Junge zur Welt kommt und als Frau Karriere macht. Mindestens 350 Jahre umspannt dieses Leben, das im 16. Jahrhundert beginnt, im Jahr 1928 (in dem der Roman endet) noch andauert und anhand dessen die Autorin ein schillerndes Sittengemälde der englischen Gesellschaft zeichnet. Humorvoll weiß sie die verschiedenen Begegnungen Orlandos mit historischen Größen, mit Literaten und Philosophen in Szene zu setzen. Der Wendepunkt im Roman vollzieht sich, nachdem Orlando von einer aufdringlichen Herzogin der Hof gemacht wird. Er flieht als Gesandter nach Konstantinopel, wo Unglaubliches geschieht: Orlando verwandelt sich in einer tumultartigen Nacht in eine Frau ' und muss sich als solche fortan den Ansprüchen der Umwelt stellen. Geschickt verwebt die Autorin das Leben Orlandos mit gesellschaftskritischen Einwürfen ' beispielsweise als der frisch Verwandelten bei ihrer Rückkehr nach London Besitz und Rechte abgesprochen werden. Schließlich findet Orlando den Mann ihres Lebens, der ihr alle Freiheiten lässt, die sie zur Selbstverwirklichung braucht. Virginia Woolf schrieb "Orlando" als Hommage an ihre langjährige Freundin Vita Sackville-West. Entstanden ist ein feinsinniges Fantasiewerk, das zur Zeit seiner Publikation mit sämtlichen gesellschaftlichen Konventionen und Lesegewohnheiten brach.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Biographie, oder auch nicht!, 1. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Der Buchtitel ist gleichzeitig der Name des Protagonisten bzw. der Protagonistin. Denn Orlando wechselt im Laufe eseiner Biographie das Geschlaecht. Obwohl dieser Vorgang an sich schon phantastisch genug ist, erlebt Orlando in seinen/ihren ueber 300 Jahren Lebensdauer viele Geschichten, die,jede einzelne,die Biographie eines Normalsterblichen in den Schatten stellt. Woolfs Erzaehlweise (sog. Stream of conciousness) haelt sich sowohl nach am Geschehen, streift aber auch ab im interessante Anekdoten, Hintergruende und Sichtweisen zu vermitteln. Die Biographie beschriebt die wichtigen Punkte Orlandos Leben lebendig und ohne zu viele Schnoerkel und gekuenstelte Detaillbeschreibungen. Orlando ist eine anspruchsvolle, fiktive Biographie, die jedoch nicht ueberladen oder ueberbetont "wichtig" wirkt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartig und bewundernswert, 9. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Orlando: Eine Biographie (Taschenbuch)
Es fällt schwer, über dieses Werk eine gute, passende Rezension zu schreiben, weil der Roman so unsagbar vielschichtig ist, dass man kaum weiss, wo anzufangen. Die Fiktion einer Jahrhunderte überblickenden Biographie einer einzelnen Person, die in diesem Zeitraum diverse Gestalten und Geschlechter einnimmt, ist einzigartig und bewundernswert. Die Autorin spickt den Roman gekonnt mit Witz und Ironie, was die Geschichte wohltuend auflockert. Denn obwohl sie zu Lebzeiten der Ansicht war, dieses Werk sei schnell geschrieben und gelesen, so fordert sie doch durchgehend die volle Aufmerksamkeit des Lesers, um ihre Formulierungen nicht zu verstehen, aber zu würdigen. Denn sie hat die Gabe, mit Worten umzugehen und mit einer Leichtigkeit Umschreibungen auf das Papier zu bringen, dass es dem Leser ein wahrer Genuss wird, sie zu lesen. Genauso, wie man eine Delikatesse nicht hinein schlingt, sondern genießt, so muss man sich auf Woolfs Sätze einverleiben. Das Schöne und Außergewöhnliche dabei ist, dass alles so leicht und so fließend aus ihrer Feder zu kommen scheint. Wenn es stimmt, dass dieses Werk für Virginia Woolf wirklich eine Abwechslung zur harten schriftstellerischen Arbeit war, dann hat sie ihr eigenes Genie nicht erkannt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Orlando: Eine Biographie
Orlando: Eine Biographie von Virginia Woolf (Taschenbuch - 1. April 1992)
EUR 8,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen