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am 28. Juli 2009
"Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?" Auf den ersten Blick eine recht verwirrende Frage. Gerade unsere vom empirischen Wissenschafts- und Wahrheitsverständnis geprägt Zeit lässt die Tatsache vergessen, dass die Wissenschaft nicht nur im beobachtbaren Raum nach Wahrheiten sucht(e), ja es aus wissenschaftlicher Perspektive nicht nur die Eine Wahrheit geben kann. Und so macht sich Rüdiger Safranski auf die Suche nach einer Wahrheit, die sich entgegen dem zeitgenössischen Verständnis nicht außerhalb als viel mehr im Inneren des Menschen befindet und beschreitet damit den Pfad des Konstruktivismus.

Safranski nimmt den Leser an die Hand und begibt sich mit ihm in die tief greifenden philosophischer Überlegungen von Rousseau, Kleist, Nietzsche und Kafka - und findet dort mehrere Wahrheiten.
Die Pluralität des Wahrheitsbegriffes bzw. die Negation einer objektiven Wahrheit, klingt heutzutage vermutlich recht spekulativ, doch beweist unsere Historie das Gegenteil. Rüdiger Safranski widmet ein ganzes Kapitel Hitler, Goebbels und damit dem Nationalsozialismus. Er zeigt wie eine Ideologie, ein konstruiertes Wahrheitsbild aus dem Inneren eines Menschen heraustreten kann, eine neue moralische Ordnung mit eigenem Gewissen schafft, die dann eine ganze Nation in ihren Bann ziehen kann und damit auch zur äußeren Wirklichkeit wird. Zwar veramt das Leben "wenn man [...] nur das zu denken wagt, was man auch glaubt leben zu können". Doch verwüstet das Leben, "wenn man [...] um jeden Preis, auch um den der Zerstörung, etwas leben will, bloß weil man es gedacht hat".

Die Frage, wie viel Wahrheit der Mensch nun braucht, wird nicht beantwortet. Ja man kann sie nicht einmal beantwortet, da es die eine Wahrheit nicht gibt, nicht geben kann. Rüdiger Safranski schließt sein Buch mit dem Vorschlag eines Lebenskonzeptes, welches subjektive Wahrheiten mit vermeintlich objektiv-empirischen verbindet, um ein möglichst lebbares Leben zu gewährleisten.
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am 29. Januar 2010
Rüdiger Safranski nimmt den Begriff Wahrheit als Auftaktzeichen eines schön durchkomponierten Versuchs über die Frage, wieviel aus der Gedankenwelt wir im Leben gebrauchen können. Der Mittelteil über die Metaphysik ist als kleine Geschichte dieser Wissenschaft von dem Sein jenseits des Dinglichen kaum lesbarer und verständlicher zu machen. Von den Griechen über die Agonie in der Allmachtsvision der Monotheismen hin zur Krise der Metaphysik im Missbrauch der Überzeugungstäter des 20. Jahrhunderts werden die Entwicklungen im Denken des an sich schwer Denkbaren geschichtlich eingeordnet.
Auftakt und Schluss der Beweisaufnahme vor dem Schlussplädoyer bilden zwei Variationen des Scheiterns. An den Anfang werden mit Rousseau, Nietzsche und Kleist drei Denker gestellt, die mit dem Denkbaren über das Lebbare hinausgingen und so im Leben höchst unterschiedlich scheiterten. Der Schlussteil gehört Kafka- wesentlich entlang der Motive aus dem Schloss, dessen Lebens- und Schaffensthema war, sich mit dem Denkbaren nicht ins Leben zu trauen.
Die Vorarbeit stärkt für eine finale Betrachtung zur Freiheit im Umgang mit der Wahrheit. Ein duales System wird postuliert. Die Kultur dürfe fast alles denken. Für die Politik gehört da dann aber wieder einiges in den gelben Sack. Vorsicht vor Überzeugungstätern im Politischen! Politik heisse, Schmerzen zu vermeiden.
Lesen!
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TOP 1000 REZENSENTam 11. Oktober 2005
... kann ich alles denken, sagt Spinoza. Wallenstein in seinem Monolog beginnt: „Nicht mehr zurück wie's mir beliebt, ich muss die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht."
Dieses ist die Natur des Menschen, die erste und die zweite Natur. Und als Quintessens sage ich, gilt die Sache Dazwischen als Synthese: Beschränke nicht dein Denken, weil du glaubst es nicht leben zu können. Zerstöre aber nicht dein Leben, weil du glaubst, um jeden Preis das Gedachte leben zu müssen.
Safranski philosophiert entlang von konkreten Beispielen und so macht er den Text leicht verständlich, nachvollziehbar und klar. Personen und deren Ziele als „zweite Natur" helfen ihm, dem interessierten Leser die Sachlage zu erklären. Hier geht es um die Hinführung eines an sich großen Themas. Rousseau, Kleist wie auch Nietzsche gelang es nicht in letzter Konsequenz, das Gedachte in das Lebbare zu transformieren. Deren Scheitern wurde deutlich an der immer kleiner werdenden Menge an Personen, die dem Gedanken folgte. Bei Rousseau war es der Gang in die Einsamkeit, Kleist inszenierte seinen Tod als letzte große Tat und Nietzsche setzte sich gleich mit der „Einsamkeit" und verlor letztendlich den Verstand. Die Freiheit, zwischen Denken und Handeln zu unterscheiden und Wallenstein folgend dieses Duo zu betrachten, wurde ihnen zum Verhängnis. Die Wahrheit des Ichs entsprach nicht der Wahrheit der Welt.
Diese Wahrheitsfindung betrachtet Safranski im Folgenden aus der Sicht der Metaphysik, beginnend mit Sokrates, den christlichen Abschnitt über Thomas v. Aquin zu Descartes über Kant zu der Form der totalitären Metaphysik des Dritten Reiches. Allen Zeiten zu Eigen war, die Wirklichkeit einem selbst geschaffenen Bild zu opfern, imaginär oder als prophetische Aussage. Analog der chinesischen Fabel, wo ein Maler in seinem Bild verschwindet und damit die innere wie die äußere Wahrheit seines Selbst vereinigt.
Kafka und seine Texte schließlich bilden den letzten Teil vor dem eigentlichen Finale dieses Buches. Das „Zögern zur Geburt" wird hier so deutlich, dass Angst, sich selbst zu leben, dadurch entsteht, so leben zu müssen, wie man denkt. Der selbst auferlegte Sachzwang wird zum Verhängnis, zur Verzweifelung und letztendlich wird ein Medium notwendig, um mit Menschen zu kommunizieren, das Schreiben. Wie Sloterdijk das zweite Zur-Welt-Kommen durch Sprache definiert, geling auch Safranski die Analyse kafkaesker Verhaltens- und Sinnformen so zu beschreiben, dass die Differenz zwischen Tat und Denken, eben das Dazwischen zum Kern der selbst bestimmten Freiheit wird.
Dieser Überleitung folgt nun als rauschendes Finale die „Variation" über Freiheit und diese in Bezug auf die Wahrheit, der Suche danach und den möglichen Taten gleich oder ungleich dem Denken mit den entsprechenden Überlegungen zu den Konsequenzen. Beispiele (Heidegger, Benn ) dienen auch hier der Klarstellung.
Safranski ist ein Buch gelungen, welches sich lohnt zu lesen. Es lohnt sich, weil es Perspektiven eigenen Denkens neu positioniert, weil er verständlich über Beispiele sich dem Leser nähert und weil seine Analyse der Sachverhalte nicht endgültig und final erscheint, sondern eher den Leser fordert, mitzudenken und mitzudiskutieren. Diese Form des Aufrufs zu denken ist schon eine Form des Handelns. Er wird nicht müde zu sagen, das Mehr-Denken und Mehr-Handeln sich gut macht, solange das Handeln geprägt ist, den Zweck des Handelns der Freiheit des anderen unterzuordnen.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Oktober 2013
Das Buch von Safranski verdankt sich einer Grundthese:
der Mensch braucht Wahrheit, um sein Leben zu ordnen und sich in der Wirklichkeit zu orientieren. Die prekäre Suche nach ihr schlägt jedoch schnell um in die feste Bindung an äußere Wahrheiten, um der Sicherheit und Geborgenheit in einer Gemeinschaft mit Menschen willen. Gleichzeitig aber will der Mensch frei sein, um nach seiner Facon glücklich zu sein. Freiheit opponiert daher immer gegen die Autorität äußerer Wahrheiten. Wahrheit und Freiheit - für Safranski Nektar für einen spannungsvollen Dualismus, aus dem das Buch reichlich saugt.

Radikale Freiheit führt zur Einsamkeit und zum Außenseitertum. Wer aber will sein ganzes Leben schon als Außenseiter verbringen? Aus dieser Angst vor meiner inneren Freiheit resultieren grundsätzlich zwei Handlungsmöglichkeiten: erstens der Wille die eigenen Ideen in die Tat um- und gegen die Freiheit der anderen durchzusetzen. Die Angst vor der Einsamkeit kann aber auch zur Selbstaufgabe führen und zur Flucht unter die wärmende Decke äußerer, vorgefundener Wahrheiten.
Freiheit wird von Safranski verengt auf die Freiheit des Denkens. Die Gedanken sind frei! Der Mensch lebt also in einem Dualismus des grenzenlosen Denkens und des faktischen Lebens, das immer schon in einem gegebenen sozialen Rahmen, also in einer objektiven Wahrheit, stattfindet. Für jeden schöpferischen Menschen ist es eine empörende Provokation, wenn die Welt ihren Gang geht und sich nicht darum schert, was man selbst denkt und will. Der Autor untersucht nun, wie sich Philosophen und Schriftsteller mit diesem Stachel im Fleisch der Existenz auseinandergesetzt haben - und dies nicht nur in ihren Werken, sondern auch biographisch.

Safranski gelingt anhand dieses Leitgedankens ein leicht lesbarer, klarer und verständlicher Blick auf wichtige Teile der abendländischen Geistesgeschichte. Und - er zeigt sich wieder einmal als ein Meister, wenn es darum geht, ein Werk vor dem biographischen Hintergrund des Autors zu interpretieren. Safranski sei Dank! Er erweckt in uns die Lust, wieder einmal die alten Klassiker zu lesen.

In dem Kapitel "Wahrheit des Ich gegen den Rest der Welt" zeigt er, dass Rousseau, Kleist und Nietzsche große Werke schreiben konnten, weil sie die Wahrheit aus unterschiedlichen, auch biographisch nachvollziehbaren Gründen nur in sich fanden - dort draußen ist die Lüge. Alle drei sind der Welt da draußen entfremdet, weil sie mit den inneren, einzig wahren Selbstschöpfungen gänzlich fremd gehen. Während sich Rousseau schließlich ganz zurück zieht in seine Einsamkeit des Gedankens, gleitet Nietzsche in Machtphantasien ab.

Die abendländische Metaphysik verdankt sich dagegen einem ganz anderen Impuls. Sie lässt den Menschen in seinem Denken nach Hause kommen. Das eigene Denken erfährt sich als Teil einer umfassenden Kraft. Der Mensch ist Teil eines Ganzen, Teil des Wunders, dass sich Leben nennt.
Safranski skizziert ebenfalls sehr einprägsam die Metaphysik des Platon über Kant bis zum deutschen Idealismus. Letzterer verstand sich als ein Aufbäumen gegen den Kantischen Dualismus. Kant hatte die kausale außere Welt, die erklärbar und gesetzmäßig ist, getrennt von der inneren Welt der Freiheit und des Gewissens.
Auswüchse der Metaphysik münden jedoch im 19. Jahrhundert dann in die Verbrechen des Nationalsozialismus. Diese Bewegung stellt Safranski als Versuch dar, eine einzige Wahrheit, ein Weltbild in die schreckliche Tat umzusetzen. Es zeigt sich, dass der Wille die eigene Wahrheit in die Wirklichkeit zu übersetzen immer zur gewaltsamen Unterdrückung anderer tendiert.
Sehr lesenswert ist auch die Interpretation Kafkas. Im Roman das Schloss zeige sich, so der Autor, die Kunst Kafkas in der Fremde zu bleiben. Erzählen ist für Kafka ein Akt der Befreiung von äußeren, gesellschaftlichen Zwängen, eine Abwehr gegen innere und äußere Mächte.

Am Ende des Buches schlägt Safranski dann eine eigene Lösung des Dualismus von Freiheit und Wahrheit vor. Beide Bereiche haben ihre Berechtigung nebeneinander und sollen voneinander getrennt bleiben. Lebenskunst besteht darin, eine Trennung zwischen dem Lebbaren und Denkbaren aufrechtzuerhalten, damit das Denken wie das Handeln zu seinem Recht kommt. Safranski zeigt sich damit als ein in unsere Zeit passender Vertreter des radikalen Subjektivismus und Relativismus. Denke und tue was du willst, aber störe dabei gefälligst nicht die anderen. Privat darfst du alles machen, was dir beliebt (Freiheit) aber ohne jeden Anspruch auf Relevanz für andere (Wahrheit). Es wundert daher nicht, dass für Safranski die Politik nur noch dazu dient, diesen Subjektivismus zu schützen. Während der Privatmensch das Intensitätssteigernde, wenn er mag auch die Tragik, die Lust und Leidenschaften für sich suchen darf, muss die Politik all das verhindern. Eine Bindung an allgemeine und verbindliche Wahrheiten ist kaum mehr möglich.

Diese Safranskische Auflösung des Gegensatzes von Freiheit und Wahrheit halte ich für schwach. Das reibungslose Nebeneinander von Freiheit und Wahrheit bedeutet, dass das gesamte Thema des Buches verschwinden würde. Nur noch Sonne? Bitte schön, dann bekommt ihr die Wüste. Und hierin liegt nun gerade der Hinweis auf eine ganz andere Sicht.
Ich behaupte, die Trennung von Freiheit und Wahrheit gibt es gar nicht. Wahrheit gibt es nur, weil es die Freiheit des Denkens gibt. Ohne diese könnten wir Wahrheiten gar nicht erkennen und anerkennen. Die Freiheit des Gedankens selbst ist eine objektive Wahrheit. Jedes Denken hat seine Berechtigung und greift aus dem Reich des Möglichen heraus, was ein Mensch für wahr hält. Jedes menschliche Werk, unterstellt für sich einen Wahrheitsanspruch. Alle Blitze des abendländischen Geistes entzündeten sich aus dem konfliktären Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Wahrheitsansprüchen.
Der Konflikt spielt sich daher nicht zwischen Wahrheit und Freiheit ab, sondern zwischen unterschiedlichen, je für sich berechtigten Weltsichten. Hieraus enstehen erst die Krisen, Umbrüche und Revolutionen. So bitter es ist - so lange es Menschen gibt, wird es diese Begleiterscheinungen des menschlichen Fortschritts geben.
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am 4. August 1999
Dieses Buch wird sowohl für den Philosophie-Kenner als auch für den eher unbedarften Leser eine echte Bereicherung sein. Hat man sich einmal in die Sprache eingelesen, kann man Safranskis aufgeführten Gedankengängen ohne Anstrengung folgen. Vergleichsweise mühelos erfährt man von Rousseaus, Kleists oder Nietzsches Sicht auf die Welt - und damit auch auf sich selbst. Safranski wagt aber auch den Sprung in dieses Jahrhundert und untersucht nicht nur den deutschen Idealismus, sondern auch Gedankengebilde von Hitler oder Goebbels. Das Schöne an diesem Buch ist, daß man die einmal aufgegriffenen Gedankengänge nicht beim Weglegen des Buches abreißenlassen muß - oder kann. Und viele dieser Gedanken haben in der Tat einen Alltagswert! Ehrlich gesagt, als ich diese Buch geschenkt bekam, war ich gar nicht all zu begeistert. Doch inzwischen - nachdem ich es gelesen habe - stelle ich immer wieder fest, wie doch der eine oder andere Gedankengang von dem ich höre oder lese schon oder zumindest schon ganz ähnlich gedacht wurde, was immer wieder lehrreich ist! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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TOP 100 REZENSENTam 15. September 2011
Die Frage nach der Wahrheit setzt Trennung voraus, schreibt der Autor als ersten Satz in dem Buch. Nicht das Sein, nur das Bewußtsein stellt Wahrheitsfragen. Warum will man die Wahrheit über sich herausbekommen? Um endlich in den Besitz seiner selbst zu gelangen, wie es der Autor vermutet?

Der Autor beschreibt in dem Kapitel: "Dreimal die Wahrheit des Ich gegen den Rest der Welt" die Gedanken von Rousseau, von Kleist und Nietzsche zu diesem Thema.
Im Kapitel:"Die weltlosen Wahrheiten" zeigt er wie sich Rousseau, Kleist und Nietzsche aus der gemeinsamen Welt weggedacht, sehr ähnlich wie der Maler, in einem berühmten chinesischen Märchen, der einfach in seinem Bilde verschwindet. Der Autor zeigt dem Leser wie die drei sich in der von ihnen hervorgebrachten Welt eingeschlossen und sich eigentlich selbst verfallen sind. Sie empfinden sich dabei als Menschen die nicht von dieser Welt sind.
Das folgende Kapitel beschreibt "Den Versuch nach Hause zu kommen." Dabei greift der Autor auf den platonischen Sokrates zurück und auf seine vier Beweise zur Unsterblichkeit der Seele. Danach geht es weiter mit Gedanken von Descartes, Kant über Freud zu der totalitären Metaphysik und schleißt mit Kafka, der die Kunst beherrschte, in der Fremde zu bleiben, was sich gerade im Schloss-Roman sehr deutlich zeigte.
Der Autor beginnt das letzte Kapitel mit der Frage: "Wonach sucht man, wenn man die Wahrheit sucht" und reflektiert wie das Denkbare und das Lebbare in eine widerspruchslose Einheit überführt werden könnte.

Fazit: Die Betrachtungen des Autors sind sehr gut ausgearbeitet und reflektiert, sie werden aber sicherlich nicht jeden Leser begeistern. Das Buch ist eben eine tiefsinnige Lesereise zum: "Werde, der du bist." (Nietzsche)
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am 18. Dezember 2013
Rüdiger Safranski begleitet uns in diesem Buch auf einer Reise durch die Philosophiegeschichte und stellt uns dabei einige große Denker und ihre Wahrheiten vor. Zu Beginn lässt er uns in die Geschichte eines chinesischen Malers eintauchen, der in seinem selbstgemalten Bild , beobachtet von seinen Freunden verschwand. Der Maler wurde Eins mit seinem Bild, als hätte er seine persönliche Wahrheit gefunden mit welcher er gleichzeitig verschwand.
Nach dieser Utopie der Wahrheit demonstriert Safranski uns nun, dass die Identität mit sich und seinen Lebensansichten selten, wenn nicht sogar nie zu einer absoluten, verschwindenlassenden Wahheit führen wird. Ob Rousseau, Kleist oder Nietzsche, sie alle waren von der Idee einer großen Kommunion überzeugt und mussten resignierend feststellen, dass ihre Ansichten keine absoluten Wahrheiten waren. Rousseau musste schockierend erkennen, dass seine Freiheitsgedanken in die Angst des Handelns mündeten. Aus dieser Angst heraus flüchtete er sich nach innen und verschwand damit in gewisser Weise in sich selbst.
Als nächsten Wahrheitssucher analysiert Safranski Kleist. Dieser war danach bestrebt sichere Wahrheiten zu finden, die als Stützen für das Leben dienen sollten. In den Wissenschaften meinte er anfangs jene Stützen gefunden zu haben, vor allem die Mathematik begeisterte ihn durch ihre Evidenz und Apriorität. Nachdem er sich allerdings mit Kant auseinander setzte, musste er konstatiert feststellen, dass unsere Vernunft, die Wirklichkeit durch eine Brille schauend, nur nach unseren Maßstäben mittels subjektiver Eigenschaften darstellt.
Bald gab er die Wissenschaften auf und war nun danach bestrebt selber Wahrheiten zu erfinden. Anstatt nach Wissen zu suchen möchte er nun handeln. Erfinden statt finden war sein Motto. Er begann nun erste Gedichte und Dramen zu veröffentlichen, stellte aber auch hier wieder todunglücklich fest, dass seine ehrgeizigen Ziele, etwas noch nie dagewesenes zu schaffen, sich nicht realisieren konnten. Er scheiterte an seinem eigenen Werk, er möchte die Erinnerungen an diesen Fehlschlag so schnell es geht verbrennen. Spätere Rekonstruktionen zeigen hingegen große Brillianz, die er leider nicht mehr erleben konnte. Nach seinem scheitern möchte er nur noch von dieser Welt abtreten, er sieht sich am Ende. Durch seinen Selbstmord sieht er sich als Gewinner, indem er sich selber als sein eigenes Werk betrachtet und über dieses die Gewalt besitzt es zu vernichten. Damit stürzt auch Kleist in sein Werk. Nietzsche ergeht es nicht anders
Er will in dieser Welt aufräumen, er möchte die Welt von ihren metaphysischen Restbeständen befreien und die Werte neu ordnen. Er lässt seinen berühmten Zarathustra auftreten, um für ihn stellvertretend seine neue Lehre zu verkünden. Aber anstatt Herr über sich zu werden, stellt auch Nietzsche fest, dass wir uns durch unsere menschlichen Konstitutionen nicht zum Übermenschen überwinden können.
Im weiteren Verlauf gelingt es Safranski, anhand weiterer Beisspiele aufzuzeigen, dass es sich bei der Suche nach Wahrheit um eine Reise handelt die nicht ans Ziel gelangt, sondern selber das Ziel darstellt. Der eine stirbt für sie, andere sehen sie von Gott gegeben und manche versuchen sie mit Gewalt zu übertragen. Ein Buch für jene, die selber auf einer Suche sind und sich wundern das sie nicht ans Ziel kommen.
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am 13. Februar 2010
Safranski ist ein brillianter Darsteller philosophischer Gedanken; allerdings sind seine Anforderungen an die Intelligenz seiner Leser erheblich. Es geht ihm in diesem Band um den Dualismus zwischen dem Ich und seiner Welt. Wie verhält sich der Mensch, der um seine Selbstbestimmung bemüht ist, gegenüber seiner Mitwelt. Empfindet er andere Menschen dabei als Hilfe oder als Behinderung. Kann sein Ich mit dem Ich Anderer auf harmonische Weise kommunizieren. Rousseau scheitert dabei, Kleist wendet sich innerlich ab von seinen Mitmenschen und steigert sich in egomanische Arbeitswut, Kafkas krankhafte Menschenscheu zwingt ihn in die menschliche Isolation. Schade, dass Kafkas Gedankengänge fast unverständlich sind.
Insgesamt eine bemerkungswerte und interessante Darstellung.
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am 28. Dezember 2003
Niemand interessiert sich für die Lösung eines Problems, das er gar nicht hat. Darum verwundert es nicht, daß jemand auf siebzehn Seiten ein Welträtsel abarbeitet und in der literarischen Öffentlichkeit kein Seufzer der Erleichterung hörbar wird. Ein Stück für das Kabinett.
Es wird nach der Wahrheit gefragt. Bei diesem Thema haben schon Viele zu Recht die Geduld verloren. Denn das Schöne an philosophischen Problemen ist, daß ihre Lösungen nur vorübergehend sind und daß man sich heute noch die Fragen stellt, die schon vor tausenden von Jahren erwähnt wurden. Aber man wird kritischer. Nachdem über die Grenzen der Vernunft dicke Bücher geschrieben worden sind, wurde „Metaphysik" zu einem Reizwort des modernen Menschen, mit dem sich gut beleidigen läßt.
Doch eine Grenze ist noch nicht daß Ende der Welt, und wer nur das Beweisbare für denkbar hält, wird sich noch als erwachsener Mensch am Geländer der Gewißheit entlanghangeln. Denn worüber man nicht sprechen kann, sollte man zumindest laut denken. Anders wird aus unserer Kultur kein Schuh, sondern allenfalls eine Sandalette.
Zwischen dem Gedanken und der Tat liegt aber die persönliche Freiheit, und der wird hier das letzte Kapitel gewidmet, nach dessen Lektüre sich die vorangegangenen als Prolog erweisen. Es zeigt sich, daß das Denkbare und das Lebbare nicht deckungsgleich sind und mit großer Philosophie lieber nicht große Politik betrieben werden sollte.
Safranski liebt das Exempel. Die Probleme von Rousseau, Kleist, Nietzsche und Kafka werden skizziert und nicht wie Einzelfälle behandelt; Vertreter der antiken, christlichen und totalitären Metaphysik werden beleuchtet und geröntgt und schließlich werden hier und da welthistorische Ereignisse zitiert. Die Anschauung ist auch hier das Blut der Theorie.
„Wieviel Wahrheit braucht der Mensch" ist nicht die erste Arbeit von Safranski, die mir das Gefühl gibt, daß diesem Mann zu trauen ist. Vielleicht gerade weil offensichtlich wird, daß seine Gedanken nicht der Weisheit letzter Schluß sind.
Wer also die prinzipielle Unerkennbarkeit der letzten Wahrheiten noch immer nicht als Segen empfindet, dem lege ich dieses Buch nicht ans Herz, ich ermahne zur Konsultation.
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HALL OF FAMEam 1. März 2003
wahrheitssuche birgt in sich die gefahr, in einer verhärteten ideologie zu landen, die sich ungut im zusammenleben der menschen auswirkt. dies 1993 geschriebene buch scheint den konflikt zwischen islamischem fundamentalismus und god's own country, USA, vorausgesehen zu haben - als das typischerweise in der geschichte der menschheit immer wieder auftretende. das vielleicht unsäglichste beispiel, hitler und goebbels, unterzieht safranski einer genauen analyse - die sich nicht in der üblichen feigen behauptung verheddert, das arme deutsche volk sei von hypnotiseuren verführt worden - nein er deckt die vom darwinismus angestoßene argumentationsweise einer rassen-mythologie auf, die nicht nur zwei personen, sondern ein komplettes enthusiastisches volk erfasst hatte. der kommunismus, die elite-verfolgung in kambodscha, die hexen-verfolgung - die geschichte platzt an belegen dafür, wohin es führt, wenn man verordneten ideologien nicht mit genügend distanz, skepsis, ironie, widersetzlichkeit begegnet. an den beispielen rousseau, kleist, nietzsche, benn und heidegger, auch sokrates, zeigt safranski zudem auf, wie der einzelne im privaten rahmen opfer seiner eigenen verengenden selbstdefinition werden kann: bei kleist, wie bekannt, im theatralisch inszenierten selbstmord endend (goebbels und hitler waren an diesem punkt nicht viel anders gelagert). ein sehr lesenswertes buch, philosophische gelassenheit erzeugend ...
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