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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen oder Warum der Übersetzer geadelt und getadelt werden muss, 7. Dezember 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mord nach Modell: Erzählungen (Taschenbuch)
"Die Kunst operiert immer für das Individuelle, das Konkrete; die Kunst ist nie platonisch."
Jorge Luis Borges

H. Bustos Domecq hieß das Pseudonym unter dem Jorge Luis Borges (Fiktionen) und Adolfo Bioy Casares (Liebesgeschichten) erst ihre gemeinsam geschriebenen Kriminalerzählungen und später, mit "Die Chroniken von Bustos Domecq" und "Neue Geschichten von Bustos Domecq" (enthalten in Zwielicht und Pomp), Meisterwerke der phantastischen Literatur veröffentlichten.

"Tai Ans unverletzter Eintritt in das Haus der Calle de Funes wurde von den gleichgültigen Nachbarn nicht bemerkt, die schliefen wie eine wohlausgerichtete Bibliothek von Klassikern."

Dies erste Sammelbuch enthält 6 Kriminalgeschichten um Don Isidro Parodi (Einen Detektiv, der im Gefängnis sitzt und seine Fälle nur anhand der Erzählungen von Zeugen aus dem Verbrechensumfeld löst. Borges meinte: "Ernest Bramah ließ einen blinden Detektiv ermitteln. Wir wollten es noch eine Ecke schwerer machen"), zwei sprachlich höchst abgedrehte Geschichten mit dem Titel "Zwei denkwürdige Phantasien" und einen kurzen, äußerst vielschichtigen Kriminalroman namens "Ein Modell für den Tod".

Sprachlich wird dieses Buch wohl für viele (für mich war es so) anders sein als sie es erwartet (und je erlebt) haben. Die Übersetzer haben zwar erstaunliche und gute Arbeit geleistet, jedoch (wie die editorische Notiz korrekt anmerkt und eingesteht) sind speziell die "Phantasien" und der Roman von einem so starken Netz aus lokalen und allgemeinen Andeutungen und Anspielungen durchwoben und leben dabei noch so ungeheuer vom spanischen Sprachwitz, dass eine getreue Übersetzung nur schwer möglich ist und auch der Einstieg in die Handlung nicht gerade einfach; nicht mal die Argentinier, die das Buch lasen, als es erschien, konnten alle bis zur Raffinesse der Handlung des Kriminalromans durchdringen.
Allerdings muss man hier auch eine kleine Lanze brechen und anmerken, dass der deutsche Leser hier Zugang zu drei Büchern hat, die in vielen Ländern und Sprachen nicht mehr verfügbar sind.

Hier, als eine kleine Kostprobe, der Anfang der zweiten "Phantasie":

"Da steht er ja, der gute Lumbeira, wie er leibt und lebt. Ich werde noch einen Kaffee abonnieren, weil die Geschäfte Kraft verlangen und der Unterzeichnete wird bestimmt nicht diese paar Butterhörnchen verschmähen, und auch nicht diesen saftigen Blätterteig, den ich mit vielen Schlückchen Milchkaffee verdrücken werde, nachdem ich ihn mir so tief unter die Nase geschoben habe, dass mir die Finger abhanden gekommen sind. Nur so bleibe ich in Form, um mit diesem Stapel häßlicher, kleiner Napfküchlein abzurechnen. Keine Aufregung Paganini; sobald mein Abfluß nicht mehr verstopft ist und ich der Parole wieder mächtig bin, werde ich Ihnen eine wahre Plockwurst von Geschichte in beide Ohren jagen, und wenn sie die gehört haben, werden Sie ipso facto die Annäherung des Kellners wünschen und über meinen wirren Kopf ein so gigantisches Menü ergießen, dass danach im Umkreis von 2 Meilen kein Tropfen Fett mehr aufzutreiben ist."

Der vehemente Witz und die abstruse Vitalität ließen sich vielleicht noch mit Boris Vian vergleichen oder (noch kälter) mit dem sublimen Absurden einiger Sätze von Beckett; doch es bleibt dabei: Roman und Phantasien bleiben ein sehr unausgeglichenes Leseerlebnis.

Sehr gefallen haben mir trotz allem die 6 Erzählungen um Parodi. Borges, der selbst ein großer Fan von Kriminalromanen war, hatte im Inhalt wohl etwas zwischen Father Brown und Ellery Queen angepeilt, oft spielen aber auch Mythologie und Philosophie eine Rolle; natürlich haben die beiden Autoren viel argentinischen Lokalkolorit hineingepackt. Das ergibt zwar auch recht eigene und sprachlich überbordend exaltierte Texte, aber man kommt noch zu dem Kriminalplot durch, der meistens gar nicht übel ist.

"Diese Erbin war ein schmächtiges Mädchen von neun Jahren, mit Augen ganz weit weg, wie ins Meer vertieft, mit blondem Haar, mit artigem Benehmen, eine hübsche wilde Blume, wie wir sie alle frühmorgens auf den Wiesen und Hängen des Cerro Presidente gefplückt haben."

Sicherlich könnte dieses Buch gerade sprachlichen Archäologen und Entdeckern viele Anstöße und Anregungen bringen, und auch als einmalige Herausforderung ist es nicht die schlechteste Wahl; für den normalen Verzehr sollte man es vielleicht nicht empfehlen - doch kann ich mich nicht davon abbringen zuletzt noch zu sagen: Borges hat mich wieder einmal verblüfft. Und wer sich verblüffen/faszinieren lassen will, vergesse alles, was ich oben geschrieben habe und kaufe dieses Buch.
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4.0 von 5 Sternen Geschichten wie vom Leben geschrieben, 19. Januar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mord nach Modell: Erzählungen (Taschenbuch)
Herausfallen aus seinem finanzierten Leben als wär man ab jetzt jemand ganz anderes. Sarkastische Worte eines Gefängnisbesuchers, daß das der bessere Weg sei, um Ruhe zu finden. Die Geschichten stecken voller Überraschungen.
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Mord nach Modell: Erzählungen
Mord nach Modell: Erzählungen von Jorge Luis Borges (Taschenbuch - 14. Januar 2009)
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