Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer die Dämmerung liebt, muss dieses Buch lesen!, 27. Oktober 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mond gegenüber: Gedichte 1923-1929 (Taschenbuch)
"Die Dunkelheit ist das Blut,
der verwundeten Dinge."

Jorge Luis Borges gehört (für mich) zu den bedeutendsten Lyrikern der Literaturgeschichte; ganz eigen, schlicht und magisch schreibt er in wunderschönen, meist freien Reimen über die Dinge des Lebens, vor allem über die Liebe, die Empfindung und das Entschwinden, den Tod - und, in diesen ersten Gedichten, viel über die Viertel von Buenos Aires, seine Erinnerungen und die Dämmerung.

"Das Morgengrau ist unsere Furcht davor, genaue Dinge zu tun und es kommt über uns.
[...]
In der tiefen universalen Nacht,
der die Laternen kaum trotzen,
hat ein verlorener Windstoß
die schweigsamen Straßen verletzt
wie ein zitterndes Vorgefühl
des entsetzlichen Tagesanbruchs,
der die verwahrlosten Vorstädte der Welt umzingelt.
[...]
Grandios und lebendig
wir das dunkle Gefieder eines Engels,
dessen Schwingen den Tag bedecken,
verliert die Nacht die mittelmäßigen Straßen."

Borges Gedichte leben von Stimmungen, von seinen Bildern, aber auch von der Liebe zum dargestellten Gegenstand, der immer ein direkter und niemals ein nebulöser ist - hier: Die Nacht, wie sie nur der kennt, der genauso wie Borges oft und gerne in ihr wandert und die Wunder dieser anderen Welt sehen kann und jeden Tagesanbruch oder Nachtanbruch im Kleinen als elementare Weltmetamorphose/-erneuerung sehen und spüren kann. Denn Borges hat Recht: "Jeder Abend ist ein Hafen."

Oder: Wer kennt nicht diese wunderbare Nachtstimmung, beim Feiern eines alljährlichen Festes, mit einem großen Feuer, die Gesichter, die leise, langsame Erhebung jeder noch so kleinen Verbindung:

"Der Sonnenuntergang zerbrach, unerbittlich,
in seinem Glanz, mit einem Schwerthieb die Entfernungen.
Mild wie ein Weidenbusch ist diese Nacht.
Blutrot prasseln
die Wirbel ungestümer Scheiterhaufen;
geopfertes Holz,
verblutet in den hohen Flammenzungen,
lebende Fahne und blinder Übermut.
Der Schatten ist behaglich wie eine Ferne;
heute erinnern sich Straßen,
dass sie einst Felder waren.
Die liebe lange Nacht betet die Einsamkeit
ihren Rosenkranz aus verstreuten Sternen."

Insgesamt besteht dieses Buch aus drei frühen Gedichtbänden; nachdenkliche und wunderbar expressive Texte wechseln sich ab. Doch immer wieder findet Borges die richtigen Worte und immer wieder lädt er uns zu neuen Ideen durch unser Empfinden ein.

"...drang in mein eitles Herz
mit der Reinheit einer Träne.

Blindlings verlangt die willkürliche Seele nach Dauer,
obgleich ihr diese in fremden Leben sicher ist,
obgleich du selbst die Spiegel und die Antwort
jener bist, die deine Zeit nicht erreichten,
und andere werden sein (und sind) deine Unsterblichkeit auf Erden."

Borges gehört zu den großartigsten, schönsten Dichtern. Er selber schrieb wohl nur deshalb:

"Also erstattete ich Gott einige Heller zurück
von dem unendlichen Schatz, den er in meine Hände legte."
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Mond gegenüber: Gedichte 1923-1929
Mond gegenüber: Gedichte 1923-1929 von Jorge Luis Borges (Taschenbuch - 1. November 1991)
EUR 7,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen