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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Höchste in der Kunst ist die selbstbewusste Freiheit des Geistes( Heinrich Heine),, 8. November 2007
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Moses des Michelangelo: Schriften über Kunst und Künstler (Taschenbuch)
"Töne und Worte, Farben und Formen, das Erscheinungsbild überhaupt, sind nur Symbole der Idee, Symbole, die dem Gemüte des Künstlers aufsteigen, wenn es der heilige Weltgeist bewegt, seine Kunstwerke sind nur Symbole, wodurch er anderen Gemütern seine eigenen Ideen mitteilt. Wer mit den wenigsten und einfachsten Symbolen das Meiste und Bedeutendste ausspricht, der ist der große Künstler" (Heinrich Heine)

Sigmund Freud hat in den hier vorliegenden Schriften psychoanalytische Interpretationen von Kunstwerken und deren Produzenten zu Papier gebracht.
Ihm ist aufgefallen , dass besonders überwältigende Schöpfungen, wie etwa Michelangelos " Moses " sich dem Verständnis des Betrachters zunächst kaum erschließen und man deshalb schon etwas genauer hinsehen muss.Sinn und Inhalt des Kunstwerks stehen bei der Analyse laut Freud im Vordergrund, wenn man das Dargestellte deuten möchte. Was will der Künstler uns mit seinem Werk sagen?

Am Beispiel des marmornen Moses zeigt Freud , wie man eine Skulptur punktuell betrachtet und am Gesichtsausdruck , auch an der Körperhaltung, den Händen etc. nachvollziehen kann, weshalb hier eine authentische und damit ungemein überzeugende Abbildung der alttestamentarischen Gestalt gelungen ist, ganz unabhängig von ihrer ästhetischen Vollkommenheit.

Freud ist sich dabei bewusst, dass die Epoche, in der eine künstlerische Darstellung auf den Weg gebracht wird, sich immer im Ausdruck des Werks widerspiegelt und dadurch von Epoche zu Epoche unterschiedlich psychisch bemerkenswerte Merkmale des dargestellten Protagonisten an die Oberfläche befördert werden, sofern das Darstellungsobjekt von unterschiedlichen Künstlern immer wieder neu gestaltet wird, können die jeweiligen Werke durchaus gleichwertige Authenzität besitzen. Ob sie auch vom ästhetischen Standpunkt aus gleichwertig sein können ist für Freuds Betrachtung unerheblich.

Auch literarische Werken lassen psychologische Interpretationen zu und zeigen Wechselbeziehungen zum Psychogramm des jeweiligen Autoren. Shakespeares "Hamlet" und "Lady Macbeth" auch Dostojeweskis " Spieler" u.a. werden unter genau diesen Gesichtpunkten von Freud in Augenschein genommen. Der Psychoanalytiker dokumentiert , das auch hier seine psychoanalytische Sichtweise zu bemerkenswerten Ergebnissen führen kann., die für die Gesamtbewertung von Kunstwerken sinnvoller Weise stets herangezogen werden sollten.

Empfehlenswert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Kunstinterpretation..., 12. November 2006
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Moses des Michelangelo: Schriften über Kunst und Künstler (Taschenbuch)
Über die Beschäftigung mit Michelangelo kam ich an diesen lesenswerten Aufsatz Sigmund Freuds. Die 1914 in der psychoanalytischen Zeitschrift Imago unter Pseudonym erschienene Schrift spiegelt seine Gedanken zur Moses-Statue Michelangelos wider, die er mehrfach bei Rom-Reisen bewundert hatte.

Er dekliniert verschiedene zeitgenössische Interpretationen der spannungsgeladenen Haltung dieser herrlichen Marmorskulptur durch und zeigt auf, das diese ein wichtiges Detail unberücksichtigt lassen, nämlich die rechte Hand Mose, die zum einen die auf dem Kopf stehenden Tafeln eben noch an den Rumpf drückt, zum anderen aber nicht mehr voll im Bart spielt, sondern nur noch mit dem Zeigefinger eine größere Bartsträhne auf der rechten Seite zurückbehält, während der Kopf sich nach links herübergedreht hat, um zornig, aber nicht aufspringend und die Tafeln zerstoßend, des goldenen Kalbes und dem fremde Götter huldigenden Volk ansichtig zu werden.

Freud erkennt eine "dreifache Schichtung" im vertikalen Aufbau des Moses: bereits beherrschte Mimik im Gesicht, darunter Zeichen der unterdrückten Bewegung im Spiel der Hände, am linken Fuß schließlich noch die Haltung der beabsichtigten Aktion des Aufspringen-Wollens.

Wie Papst Julius, für dessen Grabmal die Mosesfigur geplant ist, ein jähzorniger Mensch ist, der seine Ausbrüche (hoffentlich) zu zügeln weiß, so wird Moses hier auch als ein übermenschliches Wesen dargestellt, das seine Leidenschaften niederzuringen weiß "zugunsten und im Auftrage der Bestimmung, der man sich geweiht hat". (12.11.06)
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Kunstwerke üben eine starke Wirkung auf mich aus". (Freud), 8. November 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Moses des Michelangelo: Schriften über Kunst und Künstler (Taschenbuch)
Schriften über Kunst und Künstler, ist der eigentliche Titel dieser sehr zu empfehlenden Schrift Freuds. Freud (1856-1939) schickt zu Recht voraus, dass er nur Laie sei, aber eben fasziniert von den Werken der Dichtungen und der Plastik. Und diese Faszination zeigt er mit diesem Buch in einer persönlichen Vehemenz, absolut und hervorragend und lässt uns Leser daran teilhaben. Es ist wie ein Dekalog, 10 Freudsche Absichten verbergen sich hinter der hervorragenden Auswahl. Sie werden feststellen, wie freudig im wahrsten Sinne Sie ein Buch womöglich nochmals lesen wollen.

Von diesen 10 Miniaturen seiner Auswahl über Kunst können nicht alle besprochen werden. Aber meiner subjektiven Auswahl entsprechend will ich vier davon anreißen, so dass ein Eindruck entsteht entsprechend dem Freudschen Optimismus: Die Beschränkung erhöht dessen ganzer Kostbarkeit.

(1) Beginnend mit dem "Dichter und das Phantasieren" stellt er fest, dass eigentlich jeder ein Dichter sei und das dieser erst mit dem letzten Menschen aussterbe. Denn so wie in uns das spielende Kind der ersten Jahre eine Erinnerung schafft, so hat der Dichter das Spielen durch Phantasieren ersetzt. Die großen Affekte verlagert er in die Welt der Phantasie, die von der Wirklichkeit gesondert ist. Wo im Realen der Genuss versagt ist, mag er im Spiele der Phantasie umso heftiger bereitet sein. Und so findet die Phantasie im Traum wie im Tagtraum eine Ergänzung, der Dichter findet in dieser Konstellation die wahre Kunst der Poesie, die zusammen fließenden Quellen der Lust und der Verlockung.

(2) "Das Motiv der Kästchenwahl" vermutet eine zu übergehende Erzählung, tun Sie es nicht. Sie lernen in einem fulminanten Galopp, was die Wahl: Eine aus Dreien zu bedeuten hat. Sie stellen fest, dass ein alter Mythos und ein bekanntes Motiv, die Auseinandersetzung mit dem Tod, allen Wahlen zu Grunde liegt. Und so häufig wie die Jüngste, eher die Ruhigste gewählt wird, so wird die Verbindung von Schweigen und Tod zur Wahl des Todes und da dieser immer eintrifft, zeigt sich der Wahl als versteckte Notwendigkeit. In der Umkehrung jedoch, ist die Repräsentantin des Todes immer auch die Jüngste, Lieblichste und Schönste, somit gleichzeitig die Überwindung des Todes und der Notwendigkeit - so wird die vermeintliche Überwindung zum Erlebnis der freien Wahl. Denken Sie an Paris und Aphrodite, an Psyche, an Aschenputtel, an König Lear und an den Kaufmann von Venedig. Und immer werden diese drei zur Auswahl stehenden gesehen wie Klotho, die Spinnerin des Lebens, wie Lachenis, die die Länge des Lebens bemisst und wie Atropos, die unerbittlich das Ende setzt. Diese Geschichte der Moiren oder Parzen ist die brillante Interpretation der profanen Kästchenwahl, die den Tod meint, diesen aber zur Wahl verharmlost.

(3) "Der Moses des Michelangelo": Zu empfehlen ist, sich vor dem Lesen die Statue des Moses in Ruhe anzusehen (Bild im Buch). Länger und detailliert. In diesem sehr persönlichen Blick nimmt man eine Menge mit in den Text und kann den Dialog mit dem Autor fortführen. Das Sichtbare ist das, was es zu beschreiben gilt, aber der Kontext, in dem Moses genau zu dieser Position kam, bedarf einer Vorstellung, die den geschichtlichen Rahmen der Bibelstelle berücksichtigt. Freud nannte ein anderes Essay ursprünglich: Moses, ein Ägypter und verfolgt damit den radikalen Ägyptizismus mit jüdischen Mittel. (vgl. Sloterdijk 2007, Derrida, ein Ägypter, und Freud selbst: Der Mann Moses und die monotheistische Religion). Doch hier bemüht er den Kontext der Übergabe der Gesetzestafel am Berge Sinai, Moses, der zulange die Gruppe verlassen hat, stößt nach Rückkehr auf Aron, der den Sinn, ins gelobte Land zu gehen, mit einem Goldenen Kalb für beendet erklären wollte. Diese unsägliche Wut, der Zorn im Blick offensichtlich und in der Körpersprache bereits gebannt, machen die Faszination der Freudschen Betrachtung Moses aus. Moses wird im betrachtenden Auge mit der Interpretation Freuds nahezu lebendig. Dieses Essay ist ein wichtiges Highlight der Kunstgeschichte.
In Sinne einer neuen Betrachtung, könnte man Franz Maciejewski, ISBN: 3525453744 folgen, der Freud im Bann eines Moses-Komplexes sieht und zu ergänzender Interpretation führt. Hier wird geprüft, ob nicht sehr persönliche Motive die lebenslange Betrachtung der Mosesfigur bedingt haben.

(4) "Das Unheimliche" ist eine bravouröse Entwicklung in der Unterscheidung des Heimlichen, des Heimischen und des Unheimlichen in der deutschen Sprache, im Gebrauch derselben und in der Verwendung in der Literatur. Was nicht vertraut, eben unheimlich ist, bedingt auch Angst. Und so fällt die Angst mit dem Betrachtungshorizont des Unheimlichen, das in den Werken von Schiller (Tell) und vor allem bei E.T.A. Hoffmann (Der Sandmann) in erlesener Güte nachvollzogen wird. Eine Welt der Geister, Dämonen und Gespenster tut sich auf, und so führt uns der Dichter wie zuvor in (1) beschrieben in eine phantastische Welt, die für die Dauer unserer Hingegebenheit wie eine Realität behandelt wird. Diese unheimliche Realität wird ebenso offensichtlich spürbar im Prinzip des Doppelgängers oder noch stärker in den wahr gewordenen Wünschen. Der Ring des Polykrates (Schiller) ist eben so ein Beispiel wie das unsagbare Ibsen Drama "Rosmersholm". Unheimlich in allerhöchsten Grade vermutet Freud was mit Tod, Leichen und der Wiederkehr der Toten, Geistern und Gespenstern zusammenhängt. "Das Denken und Fühlen der Menschen hat sich seit den Urzeiten sowenig verändert. Zwei Gründe geben gute Auskunft: die Stärke unserer ursprünglichen Gefühlsregungen und die Unsicherheit unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse. Keinem Menschen leuchtet es ein, dass alle Menschen sterben müssen". Freuds zusammenfassende Überlegung findet man vielleicht hier: "Das Unheimliche ist jene Art des Schreckhaften, welche auf das Altbekannte, Längstvertraute zurückgeht".

Das Unheimliche im Märchen ist von anderer Qualität. Hier wird man nicht in den Bann gezogen, sondern das Märchen löst die Verstrickung und nimmt die Angst. Dieses allein dadurch, dass der Dichter in der von ihm fingierten Realität Seelen und Geister wie vollständige Existenzen behandelt, so wie wir als Leser materielle Realität sind. Die Schrecken von Hamlet, Macbeth oder gar Dantes Jenseitswelt sind so jedem erspart.
Exkurs: Kierkegaard spricht daher als "von der Angst gebildet". Er sieht im Märchen die Anleitung zur Überwindung der Angst (vgl.: Kierkegaard, Der Begriff Angst) zur besseren Lebensgestaltung.

Was sonst auf Sie wartet:
"Psychopatische Personen auf der Bühne" berichtet von Hamlet, die "Vergänglichkeit" zeigt, dass die Vergänglichkeit des Schönen eine Wertsteigerung ist, weil die Beschränkung in der Möglichkeit des Genusses die Kostbarkeit erhöht. Das Essay über die "Charaktertypen" zeigt psychoanalytische Praxis und Literatur, vor allem mit Shakespeare und Ibsen in Verbindung. "Dichtung und Wahrheit", eine Kindheitserinnerung Goethes als Beginn, in der gezeigt wird, dass weniger die Erinnerung an sich gilt als vielmehr die Erzählungen Dabei-gewesener als vollwertige Erinnerung vorschnell anerkannt werden.
"Dostojewski und der Vatertöter" in der Rolle des Ethikers und doch eher als Patient auf der Couch und eine Rede zum ihm verliehenen "Goethe-Preis" schließen dieses äußerst interessante Buch.

Freud ist bekannt als Psychoanalytiker, der den Menschen mit seiner Wahrheit über das Ich nicht gerade schmeicheln wollte. Doch hier erleben Sie einen anderen Freud, der zwar als Psychoanalytiker schreibt, doch die Welt dessen weit überschreitet und dennoch seine Grenzen kennt.
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Der Moses des Michelangelo: Schriften über Kunst und Künstler
Der Moses des Michelangelo: Schriften über Kunst und Künstler von Sigmund Freud (Taschenbuch - 13. Mai 2008)
EUR 9,95
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