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5.0 von 5 Sternen Wie kam es dazu, dass der Westen heute die Welt beherrscht? Der Versuch einer Antwort
Einige behaupten, dass bereits im alten Griechenland die Voraussetzungen für die westliche Vorherrschaft geschaffen wurden. War also alles gewissermaßen von Anfang an determiniert? Oder entstanden diese Machtverhältnisse, wie andere meinen, als Produkt kurzzeitig wirkender Zufälle, die den Westen an einer bestimmten, aber entscheidenden Stelle der...
Veröffentlicht am 27. März 2011 von Dr. R. Manthey

versus
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fünf düstere Gestalten der Weltgeschichte
Fünf düstere Gestalten der Weltgeschichte

Habe die 600 Seiten zügig geschafft, dabei einige Seiten mit Details der chinesischen Geschichte übersprungen. Das Buch ist insgesamt gut lesbar, da mit Grafiken und Karten illustriert und durchaus unterhaltsam, weil häufig Bezüge zu bekannten Büchern und Filmen hergestellt werden...
Veröffentlicht am 1. September 2011 von Gerhard Günther


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35 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie kam es dazu, dass der Westen heute die Welt beherrscht? Der Versuch einer Antwort, 27. März 2011
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Einige behaupten, dass bereits im alten Griechenland die Voraussetzungen für die westliche Vorherrschaft geschaffen wurden. War also alles gewissermaßen von Anfang an determiniert? Oder entstanden diese Machtverhältnisse, wie andere meinen, als Produkt kurzzeitig wirkender Zufälle, die den Westen an einer bestimmten, aber entscheidenden Stelle der Entwicklung bevorteilt haben? Ian Morris verneint gleich zu Beginn seines umfangreichen Werkes diese beiden gängigen Theorien und kündigt dann eine völlig andere Erklärung an.

Doch dazu müssen wir ihn in diesem Buch auf seinem Weg durch die menschliche Geschichte begleiten. Im ersten Kapitel beginnt diese Reise mit der Untersuchung der Wanderbewegung des Homo sapiens aus Afrika nach Europa und Asien. Da dies fast gleichzeitig geschah, sind rassische Gründe aus der Urzeit nicht verantwortlich für den Vorteil des Westens. Um 17000 v.u.Z. schmolzen in nur zwei oder drei Jahrhunderten die Gletscher auf der Nordhalbkugel. Als Folge dieser Erderwärmung kam es im sogenannten Fruchtbaren Halbmond vom heutigen Israel über die Türkei in den Iran und fast bis zum Persischen Golf zur frühzeitigen Entstehung und Kultivierung von Ackerbau und Viehzucht, was den Westen in Führung gehen ließ. Das ist der Inhalt des zweiten Kapitels.

Das dritte Kapitel spielt eine zentrale Rolle im Buch, denn hier erklärt der Autor seine Methode, die gesellschaftliche Entwicklung zu messen. Dazu bastelt er sich einen Index aus vier Merkmalen: der Energieausbeute, der Organisationsfähigkeit (in Form des Verstädterungsgrades), der Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten und der Fähigkeit, Kriege zu führen. Nachdem geklärt ist, was zu messen ist, wird im Folgenden beschrieben, wie diese Messungen konkret durchgeführt werden. Darauf und auf kritische Punkte dabei näher einzugehen, würde leider den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allerdings liegen einige Probleme auf der Hand, denn wir besitzen einfach nicht zu jeder Zeit und für jeden Ort der Vergangenheit die entsprechenden Daten. Klar ist dagegen sofort, dass die Kurve an ihrem Ende explosionsartig ansteigen muss.

Von nun an arbeitet der Autor mit seinen Messkurven und präsentiert sie im vierten Kapitel für die Zeit von 14000 bis 5000 vor Christus. Dann wendet er sich der Zeit von 5000 bis 1000 vor unserer Zeit zu, in der der Osten ein wenig aufholte. Jedes Kapitel berichtet im angenehmen Erzählstil über die wesentlichen Ereignisse der Weltgeschichte im betrachteten Zeitraum, die für die damals faktisch nicht vorhandene Konkurrenz von Osten und Westen von Bedeutung waren. Obwohl der Text sehr gut geschrieben ist, kann er wegen der ungeheuren Faktenfülle gelegentlich etwas anstrengend werden.

Von 1000 bis 100 vor Christus verlaufen die beiden Messkurven parallel. In dieser Zeit entstanden die heutigen großen Weltreligionen, und die Gesellschaften entwickelten sich von der Low-End-Organisation zur High-End-Organisation, was nichts anderes bedeutet als die Erfindung des Beamtenstaates. Das erklärt Morris im fünften Kapitel. Hier und schon im vorangegangen Kapitel macht der Autor deutlich, warum die Theorie des langfristigen Determinismus als Erklärungsmodell für die westliche Überlegenheit scheitern muss. Er nennt den Grund "Paradox der gesellschaftlichen Entwicklung". Eine gesellschaftliche Entwicklung, meint Morris, bringt immer auch genau die Kräfte hervor, die sie schließlich untergraben.

Im sechsten Kapitel beschreibt er die Zeit von 100 vor bis 500 nach Christus, in der sowohl im Osten wie im Westen die Großreiche zerfielen. Von dieser Dauerkrise erholte sich der Osten anschließend viel schneller und ging, wenn man dem Index des Autors Glauben schenkt, erstmals in der gesellschaftlichen Entwicklung am Westen vorbei. Doch obwohl man damals in China mit Kohle etwas anfangen konnte und die Eisenherstellung aufblühte, kam es nicht zu einer industriellen Entwicklung wie mehrere hundert Jahre später in Europa. Und selbst wenn es die Chinesen, wie einige behaupten, in dieser Zeit bis nach Amerika geschafft hatten, so eroberten sie es nicht. Das wird sich später als ein schwerer Nachteil erweisen.

Inzwischen jedoch hatte es überlegene chinesische Technologie bis nach Europa geschafft, und die Europäer nutzen das, was Morris den Vorteil der Rückständigkeit nennt. Sie holten in der gesellschaftlichen Entwicklung wieder auf (9. Kapitel) und begannen mit der Erfindung der Dampfmaschine das Zeitalter der westlichen Dominanz, das bis heute anhält. Dem Entwicklungssprung durch die industrielle Revolution in Europa (10. Kapitel) hatten die Asiaten zunächst nichts entgegenzusetzen.

Morris macht in letzter Instanz vor allem geografische Gründe für die Tatsache verantwortlich, dass diese industrielle Revolution im 18. Jahrhundert vom Norden Europas ausging und nicht 600 Jahre früher in China begann. Darüber und auch über einige seiner Interpretationen historischer Vorgänge kann man durchaus geteilter Meinung sein. Wenn man nämlich seine Darlegungen in den einzelnen Kapiteln aufmerksam liest, dann argumentiert er dort manchmal auch anders, zum Beispiel indem er sozio-kulturelle Aspekte ins Spiel bringt oder gelegentlich auch die innere Haltung von Völkern berücksichtigt.

Trennt man sich einmal von der konstruierten Ost-West-Betrachtungsweise und stellt dann die Frage, warum in Europa heute die nördlichen Länder den Ton angeben, obwohl sie erst in der jüngeren Geschichte Europas eine Rolle zu spielen begannen, dann versagen die geografischen Argumente von Morris, die er im 11. Kapitel noch einmal für seine Ost-West-Frage zusammenfasst, sofort, denn Europas geografische Vorteile liegen ganz eindeutig im Süden.

Das letzte Kapitel verdirbt den guten Eindruck des Buches dann etwas, denn hier lässt sich der Autor auf viele recht fragwürdige Spekulationen ein. Ganz nebenbei kommt dabei auch sein Hang zu ausladenden Betrachtungen sehr deutlich zum Vorschein, der das Buch künstlich aufgebläht hat. Hätte sich der Autor etwas konzentrierter seiner zentralen Frage gewidmet und sie als wirklichen roten Faden benutzt, dann wäre das Buch deutlich weniger umfangreich geworden.

Obwohl der Text nach einem riesigen Anlauf einen relativ kurzen und fragwürdigen Sprung zustande bringt, hat es doch den unschätzbaren Vorteil, dass es die wesentlichen Ereignisse der Menschheitsgeschichte auf ungefähr 600 Seiten zusammenfasst, ohne irgendwann langweilig zu werden.

Im Anhang erklärt Morris noch einmal seinen Index der gesellschaftlichen Entwicklung und bringt Zahlen und Berechnungsmethoden, die in den jeweiligen Kapiteln ausgespart blieben.

Fazit.
Ein sehr interessantes Buch, das die Menschheitsgeschichte unter dem Blickwinkel der Entwicklung in Asien und Europa (sowie später Nordamerika) betrachtet. Der Autor untersucht, warum Gesellschaften aufsteigen und fallen. Obwohl man über seine Antwort auf die eingangs gestellte Frage geteilter Meinung sein kann, bietet das Buch einen einzigartigen und sehr gut lesbaren Überblick über die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in Ost und West.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fünf düstere Gestalten der Weltgeschichte, 1. September 2011
Fünf düstere Gestalten der Weltgeschichte

Habe die 600 Seiten zügig geschafft, dabei einige Seiten mit Details der chinesischen Geschichte übersprungen. Das Buch ist insgesamt gut lesbar, da mit Grafiken und Karten illustriert und durchaus unterhaltsam, weil häufig Bezüge zu bekannten Büchern und Filmen hergestellt werden. Gestört haben mich manche überflüssigen Details, z. B. wo Morris seine Ehefrau kennengelernt hat, was jedoch zeigt, dass es sich nicht um eine rein wissenschaftliche Arbeit handelt, sondern dass er auf den Trend aufspringt, den Niedergang des Westens bzw. der US-Hegemonie in historische Zusammenhänge einzuordnen. Der Original-Titel "Why the West Rules - For Now" zeigt dies deutlicher als die deutsche Variante "Wer regiert die Welt?".

Im historischen Längsschnitt wird mit einem "Index der gesellschaftlichen Entwicklung" über 5000 Jahre die Entwicklung im Westen (Vorderasien, Europa, später auch USA) und im Osten (China)
mit vier Merkmalen (Energieausbeute, Gesellschaftliche Organisation mit Indikator der größten Siedlung/Stadt, Kriegsführungskapazität und Informationstechnik - in einem umfangreichen Anhang werden diese Indikatoren diskutiert) dargestellt. Dabei gehen West und Ost oft durch ähnliche Phasen, stoßen an gleiche Ober-Grenzen und werden durch Klimawandel, Hungersnöte, Seuchen, Wanderbewegungen/Nomadeneinfällen, Staatszerfälle in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Solche Krisen bewirken einen Veränderungsdruck, der auch positiv gestaltet werden kann; vor allem ergeben sich dadurch Entwicklungschancen für Randregionen, die nun von ihrer vormaligen Rückständigkeit profitieren. Daher hat die "Bedeutung des Ortes" bzw. der geographischen Gegebenheiten im Erklärungsversuch von Morris einen hohen Stellenwert.

Auch bei Beantwortung der sog. "Needham-Frage" (S. 459, warum die Industrielle Revolution in England und nicht in China stattgefunden hat, obwohl der "Osten" von 541 bis 1772 nach den Daten von Morris einen Vorsprung in der gesellschaftlichen Entwicklung hatte) betont Morris die Bedeutung des Ortes.

Im Schlusskapitel 12 wird gezeigt, dass bei fortbestehenden Wachstumsraten im Jahr 2103 die Werte des "Ostens" über denen des "Westens" liegen werden, China also die "Führung" übernehmen wird.
Angesichts der Globalisierung drohen die "fünf düsteren Gestalten Klimawandel, Hungersnöte, Staatszerfälle, Wanderbewegungen, Seuchen-" in neuer Form. (S.573), daher sind "die nächsten 40 Jahre die bedeutsamsten der Weltgeschichte"(S. 583). Um diese "Weltendämmerung" zu verhindern, sind Verhinderung eines Atomkrieges, Klimaschutz, neue Energieformen und vor allem überstaatliche Organisationen nötig.

Diese zusammenhängende Darstellung der Entwicklungslinien bietet durchaus interessante Einsichten und Aha-Erlebnisse, insgesamt hätte ich mir vieles etwas
wissenschaftlicher vorgestellt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rasanter und inspirierender Durchgang durch die Weltgeschichte mit beunruhigenden Zukunftsperspektiven, 28. August 2013
Von 
Prof Dr Olaf-Axel Burow "oaburow" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt? (Sonderausgabe): Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Broschiert)
So abenteuerlich dieses Unterfangen aus wissenschaftlicher Perspektive auch erscheinen mag, so erlaubt es das von Morris gewählte originelle Vorhenen doch, den komplexen Gang der Weltgeschichte auf einige wenige, grundlegende Entwicklungsmuster zuzuspitzen. Dies bringt Leser/innen, die offen sind für Spekulationen, durchaus Erkenntnisgewinn. Es werden nämlich Grundmuster der geschichtlichen Entwicklung deutlich und man sieht mit Schrecken, welche destruktiven Kräfte immer wieder dafür sorgen, erarbeiteten Fortschritt zu zerstören.

Besonders düster wird die Perspektive, wenn Morris versucht, die gewonnenen Muster für einen Ausblick auf mögliche Zukünfte zu nutzen. Dem Leser wird eindringlich die Dramatik bezüglich Klimawandel, Energie- und Ressourcenutzung sowie wachsender Kriegsgefahr deutlich.

Wer also eine exakte wissenschaftliche Untersuchung wünscht, wird enttäuscht sein. Wer aber bereit ist, sich auf eine packende, in Teilen auch spekulative Reise durch die Weltgeschichte und in mögliche Zukünfte einzulassen, wird belohnt, denn Morris kann nicht nur ausgezeichnet formulieren, sondern verfügt auch über das Wissen eines Universalgenies.

Unter dieser Perspektive gebe ich ihm fünf Sterne, auch wenn ich die Einwände von Kritikern berechtigt finde. Angesichts eines solchen herkuläischen Unterfangens, Muster der Weltgeschichte deuten zu wollen, können zwangsläufig nicht alle Ansprüche befriedigt werden und muss man Kompromisse eingehen. Morris tut dies auf erfrischend originelle Weise.

Fazit: Rasanter und inspirierender Durchgang durch die Weltgeschichte mit beunruhigenden Zukunftsperspektiven.

Universität Kassel: Prof.Dr. Olaf-Axel Burow
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Toll geschrieben - Schwache Analyse, 23. März 2011
Von 
Eines muss man dem Ian Morris lassen: schreiben kann er, und wohl noch nie habe ich ein faktengesättigtes Geschichtsbuch so schnell durchgelesen. Sein Stil ist locker, anekdotenreich, bisweilen sogar flapsig. Wer ein Buch sucht, in dem die letzten 12000 Jahre Menschheitsgeschichte lebendig durcherzählt werden, der wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen (wobei das nicht ganz korrekt ist, denn im Grunde geht es nur um den "Osten" (d.h. China) und den "Westen", der bei Morris alles umfasst, was westlich des heutigen Pakistans liegt.

Doch eigentlich ist es nicht sein Anliegen, im erzählerischen Schweinsgalopp durch 12000 Jahre Geschichte in Ost und West zu eilen. Sein Thema lautet: Warum beherrscht der Westen seit nunmehr 300 Jahren die Welt, und nicht der Osten, der immerhin von etwa 500 n.Chr. bis ins 17.Jahrhundert die weiter entwickelte Zivilisation hatte?
Und hier beginnt die Analyse, zu welcher die ganze(n) Geschichte(n) nur das Material liefern. Ian Morris ist nicht eben bescheiden: es geht ihm ums große Ganze, um die Gesetze der Geschichte.
Er stellt drei Kandidaten vor, die für weltgeschichtliche Umwälzungen in Frage kommen: Biologie, Soziologie und Geographie. Biologie scheidet aus, denn die Menschen(gruppen) sind überall gleich. Der Rassismus des 19. und 20. Jahrhunderts ist wissenschaftlich widerlegt. Der Westen herrscht nicht, weil der weiße Mann dem "Gelben" überlegen ist. Soziologie scheidet seiner Meinung nach auch aus, da zu flüchtig, zu wenig nachhaltig und tiefgreifend. Bleibt nur die Geographie ("maps, not chaps", also "Karten, nicht Kerle", wie er es ausdrückt)

Wenn es um die neolithische Revolution (d.h. Erfindung von Ackerbau und Viehzucht) geht, so ist die Geographie hier sicher der hinreichende Grund für den Vorsprung des Westens (der "Westen" hier: der fruchtbare Halbmond im heutigen Nahen Osten), denn dort fanden sich nun einmal die Pflanzen und Tiere, die sich am leichtesten und ergiebigsten domestizieren ließen. Der Vorsprung, den der "Westen" damals vor 13000 Jahren hatte, war aber um 600 n.Chr,. wieder aufgebraucht. Was also war der Grund für die Entwicklung , die Europa ab etwa 1500 (Stichworte: Renaissance und Entdeckung Amerikas), und dann rasant ab 1700 (Moderne Wissenschaft, dann die Industrielle Revolution) machte? Morris' Antwort ist von bestechender Einfachheit: der Atlantische Ozean ist schmaler als der Pazifik. Deshalb entdeckte ein Europäer Amerika, und nicht ein Chinese. Das löste den Entwicklungsschub aus, der Jahrhunderte später dazu führte, dass England, Frankreich, Holland und Co. die Welt beherrschten.

Wirklich? Warum spielten dann die beiden Länder (nämlich Spanien und Portugal), die bei der Entdeckung und dann Ausbeutung der neuen Länder führend waren, keine Rolle mehr, als Leute wie Bacon oder Newton das revolutionäre wissenschaftliche Weltbild entwarfen, oder James Watt und Co. diese Erkenntnisse dann in Technik umsetzten? Spanien und Portugal verpulverten das geraubte Gold und Silber schlicht, um dann schon bald wieder auf den Stand europäischer Armenhäuser zurückzufallen, aus dem sie erst Ende des 20. Jh. dank EU-Beihilfen halbwegs befreit wurden.

Warum schipperten Holländer und Briten um den halben Globus, und gründeten und unterhielten quasi im Hinterhof Chinas (in Indonesien, Australien, Indien etc.) Kolonien? - Warum verspielten die Araber, die über Jahrhunderte in allen Belangen die Führungsrolle im Westen innehatten, ihren Vorsprung? - Was hinderte die Chinesen, die im Altertum Erfindung nach Erfindung gemacht hatten, zwischen 1500 und 1800 daran, die Dampfmaschine, die Uhr oder die Infinitesimalrechnung zu erfinden? Der breite Pazifik?

Die Krux mit geographischen Erklärungen wie die von Ian Morris (oder auch von Jared Diamond in seinem Buch "Guns, germs and Steel") ist, dass sie auf den ersten Blick bestechend wirken, doch wenn man dann mal genauer hinschaut, und sich Fragen wie die oben genannten stellt, dann fallen sie recht schnell in sich zusammen.
Geschichte ist eine komplexe, oft genug auch eine schmutzige Angelegenheit, und wer sie erklären will, sollte einen multidimensionalen Ansatz wählen. Kultur etwa ist ein wesentlicher Faktor; sie lässt sich nicht unter "Geographie" oder "Soziologie" subsummieren.
Daher mein Fazit: dieses Buch ist auf jeden Fall lesenswert, aber eine tragfähige Antwort auf die Frage, warum der Westen den Rest der Welt beherrschte, sollte man bei Ian Morris nicht erwarten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer regiert die Welt, 21. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt? (Sonderausgabe): Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Broschiert)
Dieses Buch erzählt leicht lesbar die Geschichte der Menschheit und beweißt einmal mehr, dass wir Menschen im Grunde doch nur Bestien sind, denn um unsere Ziele zuerreichen kennen wir keine Tabus.
Aber um zu Überleben müssen wir so sein, denn die Naturgesetze kennen weder Moral noch Mitleid, nur der in jeder Hinsicht Stärkere überlebt.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Themaverfehlung, 1. September 2013
Im englischen Original heißt das vorliegende Werk "Why the West Rules - For Now".

Diese Buch hier ist aber eher ein wirtschaftsgeschichtlicher Streifzug durch die chinesische und westliche Historie mit technickgeschichtlichen Einsprengseln, durchaus interessant.

Die Frage, warum aber der Westen und nicht etwa China die heute reichste und politisch wichtigste Region ist, beantwortet Morris nur unzureichend.

Er führt dies auf die Geografie zurück, genauer auf die Tatsache, dass der amerikanische Doppelkontinent von Europa aus einfacher zu erreichen sei als von China.

Wie aber führt das zum Vorsprung des Westen? Man könnte meinen, die Ressourcen Amerikas hätten dazu den Ausschlag gegeben. Dieses Argument findet man aber kaum
im Buch (und wenn, dann sehr gut versteckt), außerdem ist es sowieso nicht schlüssig.

Die moderne Technik (Maschinen, die mit Dampf getrieben werden) wäre auch ohne den amerikanischen Kontinent entwickelt worden.

Darüber ist das Buch auch höchst unklug gegliedert, da viele Unterkapitel mit völlig nichtsaussagenden Überschriften versehen sind und auch im Text selbst zu sprunghaft sind. Der rote Faden geht da oft leider verloren.

Schließlich ist Morris auch zu anektodenhaft. Zusammen mit den sprunghaften Themenwechsel sogar innerhalb eines Unterkapitels geht die Aussage Morris fast verloren und das Buch wird zu sehr aufgebläht.

Mein Rat an den Autor: Gliedern Sie das Buch neu, versehen sie die Kapitel und Unterkapitel mit neuen Überschriften und begründen Sie klar und deutlich Ihre
These.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Go West!, 9. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt? (Sonderausgabe): Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Broschiert)
Nicht weniger als ein Grundmuster der Geschichte will Morris also in seinem umfangreichen Werk entdeckt haben. - Hat er aber nicht! Das Gegenteil wäre auch schwer überraschend. Dass Menschen auf Herausforderungen reagieren und nicht Hungers sterben wollen - nun ja, das wussten wir auch schon vorher. Morris unternimmt einen gekünstelten, wenn auch groß angelegten Versuch, Ost und West über tausende von Jahren Menschheitsgeschichte miteinander zu vergleichen. Das ist gewagt. Und manchmal ist es auch fruchtbar. Aber eben nur manchmal...
Zunächst einmal benutzt der Autor einen ungebräuchlichen, merkwürdigen Begriff "des Westens", dazu auch noch in der Einzahl! Zum "Westen" nach dieser speziellen Lesart gehört tatsächlich auch der Fruchtbare Halbmond (Palästina, Syrien, Mesopotamien) um zehntausend v. Chr., als Ackerbau und Viehzucht erfunden wurden und erste Dörfer entstanden. Auch den Islam zählt Morris zum "Westen". Aber Definitionen sollten auf nachgewiesenen historischen Fakten beruhen. Vom Westen kann ja erst mit der Teilung des Römischen Reiches (Rom und Konstantinopel, später Byzanz) etwa ab 300 n.Chr. gesprochen werden. Es hilft eben nichts: Die Einzelfallanalyse gibt die Schlüsse aus der Vogelschau oft nicht her. Daher lässt die Weltformel weiter auf sich warten.

Trotzdem ob der Faktenfülle ein lesenswertes, informatives und interessantes Buch.
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3.0 von 5 Sternen Für kurze Einschlafhilfe und Nachbesserung des Wissens, 6. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt? (Sonderausgabe): Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Broschiert)
über Geschichte und deren Völker ideal. Die Bewertung der einzelnen Phasen in der Zivilisation leuchten mir nicht sonderlich ein und tragen zum Buch eigentlich nicht viel bei.
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35 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Standardwerk, 26. Februar 2011
Ohne es geahnt zu haben, muss ich wohl auf der Suche nach genau solch einem Buch gewesen sein, als ich vor ein paar Tagen durch einen gut sortierten Buchladen lief und dieses Buch in meine Hände fiel, während ich auf einen Freund wartete, der jeden Moment erscheinen sollte (Treffpunkt war die Buchhandlung). Mein Freund schien sich zu verspäten, also dachte ich mir, ich fang mal an zu lesen, um meiner Entscheidung für oder wider eines Kaufes eine Grundlage zu verleihen. Schon nach wenigen Seiten war ich von der innovativen Herangehensweise des Buches so beeindruckt, dass ich mich in der Gedankenwelt des Autors ziemlich schnell verlor. So erkannte ich bald: Dieses Buch ist entweder ein neues Standardwerk oder zumindest ein Buch, das weite Diskussionen anregen wird. Also kaufte ich das erst vor knapp zwei Wochen (auf Deutsch) veröffentlichte Buch (mein Freund, der mich beim Lesen notgedrungen unterbrach, war auch schon erschienen). Inzwischen bin ich mit dem rund 650 Seiten umfassenden Buch durch (hab's dann schön in aller Ruhe zuhause gelesen). Das Buch hat (um mal kurz auf die quantitativen Aspekte zu sprechen zu kommen) eine kleine, aber gut leserliche Schriftart, was ich sehr positiv finde, denn nicht selten sind dicke Bücher mit großen Buchstaben bzw. großer Schrift geschrieben, um das Werk "künstlich" aufzubauschen - das ist hier nicht der Fall, d.h. das Buch hat Substanz und bietet Lesevergnügen über viele Stunden hinweg (es in einem Rutsch durchzulesen, wird wohl kaum gelingen, aber auch das ist eher positiv als negativ). Außerdem ist es mit zahlreichen Bildern, Zeichnungen, Graphen/Kurven und Anmerkungen versehen (alles in schwarz-weiß, aber absolut ansehnlich). Ein (vom Gewicht her) schweres Buch, aber ganz und gar nicht schwer zu verstehen. Zum Inhalt (qualitative Aspekte): Was dieses Werk einem an Blickwinkel auf unsere Geschichte (der letzten Jahrtausende sowie der heutigen Zeit) gewinnen lässt, ist mehr als faszinierend. Der Autor schrickt nicht vor provokativen und mutigen Aussagen zurück, ist aber absolut sachlich gehalten, ohne eine gewisse Leidenschaft vermissen zu lassen, was das Buch besonders lesenswert macht. Hier ist alles drin, was man von einem guten Buch erwartet: Fundiertes Fachwissen, Unterhaltung, Spannung, ausgezeichnete Lesbarkeit, Sachlichkeit, Kreativität, Mut. Doch um ein Standardwerk zu sein, braucht es natürlich mehr. Es kann sich jeder selbst davon überzeugen, warum dieses Buch ein Standardwerk sein soll. Das Werk heißt im Original nicht umsonst "Why The West Rules - For Now", denn es stellt sich die Frage, in weit sich anhand von Analysen der Historie Aussagen für die Zukunft ableiten lassen; wird der Westen auch weiterhin dem Rest der Welt mehr oder weniger diktieren, nach welchen Kriterien der "internationale Wettlauf um einen Platz an der Sonne" statt zu finden hat? In diese Richtung gehende Fragen beantwortet der Autor souverän und gibt sehr interessante Einblicke in ein sehr aufgeschlossenes Verständnis der Geschichte. Denn es zieht sich nicht nur ein roter Faden durch die Geschichte der von Menschen gegründeten Zivilisationen, sondern Henry Ford's Auffassung, dass "Geschichte Mumpitz ist" (Original: "History is bunk"), wird der Leser nach der Lektüre wohl kaum teilen können. Denn wie sollen wir wissen, wohin wir überhaupt gehen können, wenn wir nicht wissen (wollen), woher wir kommen? Ian Morris erklärt, warum Zivilisationen herrschen und beherrscht werden. Ein fesselndes, aufschlussreiches Buch, das nicht weniger als ein Standardwerk ist.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ging die zivilisatorische Entwicklung global von statten und was lässt sich daraus für die Zukunft schliessen?, 7. September 2011
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Ian Morris' gewichtiges Buch reiht sich in die Versuche umfassender Deutung von Weltgeschichte ein, wie sie etwa Oswald Spengler (Der Untergang des Abendlandes) oder Arnold J. Toynbee (Der Gang der Weltgeschichte) unternommen haben. Die Faktoren, die der Archäologe Morris aufzeigt, zeichnen den Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung nach. Das ergibt plausible Grundmuster. Toynbees Gedanke, dass sich Kulturen vor allem daran bewähren, wie sie mit Herausforderungen fertig werden, spielt auch bei Morris eine wichtige Rolle. In seinem Buch wird der Westen zwar nicht verherrlicht, aber da Morris hauptsächlich quantitative, d. h. ökonomische und soziologische Aspekte im Blick hat, erscheint der Westen der Gegenwart letztlich doch als vorläufiger Gipfelpunkt einer Art geschichtlicher Evolution. Das ließe sich hinterfragen. Sehr flüssig und teilweise sogar amüsant beschreibt Morris die erstaunlichen Übereinstimmungen zwischen West und Ost. getAbstract empfiehlt dieses Buch wärmstens allen Geschichtsinteressierten - wegen des profunden Überblicks über die Großtendenzen des globalen Geschehens seit dem Ende der Eiszeit und wegen des klugen Ausblicks auf die kommenden hundert Jahre.
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Wer regiert die Welt? (Sonderausgabe): Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden
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