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5.0 von 5 Sternen
Standardwerk über den jugendlichen Ausdruck im Web 2.0, 14. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Flickernde Jugend - rauschende Bilder: Netzkulturen im Web 2.0 (Broschiert)
'Flickernde Jugend - rauschende Bilder: Netzkulturen im Web 2.0' ist ein herrlich erfrischendes Buch über eine mittlerweile heiß diskutierte Thematik. Denn die meisten Bücher über digitale Welten, vor allem wenn sie sich auch noch auf Jugendliche beziehen, sind entweder euphemistisch, weil digitale Medien immer mehr zunehmen werden und sie daher schon aus Prinzip gut sein müssen, oder sie haben ein vernichtendes Urteil über die Thematik, geprägt von einem Verfall der Werte und Realitätsverlust, teils geschürt durch Medienhetzen auf 'Killer Spiele' und 'Happy Slapping' Videos. Zu Recht werden natürlich auch 'Happy Slapping' (dt. 'fröhliches Schlagen') und Cybermobbing behandelt, weil es wichtige Phänomene der Netzkultur sind, sie nehmen allerdings nur einen kleinen thematischen Schwerpunkt im Buch ein. Das Buch soll neue Methoden zum Analysieren aufzeigen, da neue mediale Strukturen dies einfach erfordern, denn traditionelle Bild- und Videoanalysemethoden funktionieren nur bedingt bei neuen Medien. 'Flickernde Jugend' beschäftigt sich ansonsten mit dem Wesentlichsten überhaupt, der Selbstdarstellung von Jugendlichen innerhalb des Web 2.0 auf verschiedenen Plattformen wie Flickr, YouTube und Facebook. Bedeutend hierbei ist neben der Inszenierung für Freunde und unbekannte Dritte die Inszenierung für die eigene Person, da man nun die Möglichkeit hat, das virtuelle Selbst so zu erleben, wie es andere tun. Wichtig ist auch der Aspekt, dass Bilder einfach nur als solche wirken sollen, oft in einer seriellen Aufnahme. Es sind Eindrücke die keiner großen Erläuterung oder Hintergrundwissen bedürfen, wie es oft in Bildwelten der Erwachsenenkultur der Fall ist. Als problematisch wird hier die unkritische Nutzung der 'digital Natives' betrachtet, weil der Umgang mit Internet und digitalen Medien für sie als ein 'natürlicher' scheint. Der Gedanke einer potentiell erfolgreichen Inszenierung überwiegt die Angst, dass das veröffentlichte Material zweckentfremdet werden könnte und hinterher negativ auf einen zurückfällt. Die Autoren haben die geschauten Bilder erst einmal rein empirisch in verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel Posing, Modebilder, Bild-Musik-Kombinationen (speziell bei YouTube) oder erotische, inszeniert hässliche und künstlerische Darstellungen einsortiert. Die Autoren kommen darüber zum Ergebnis, dass es das autonome Bild im Web 2.0 nicht gibt, da die Selbstinszenierung hier keine direkt selbständige ist, sondern vielmehr im Dialog mit allen anderen Nutzern und medialen Vorläuferbildern steht. Sehr spannend fand ich vor allem Kapitel 5 'Babes in Toyland ' Widerständige Geschlechterbilder im Web 2.0', das sich um die Selbstpositionierung und Reflektion der eigenen Person innerhalb weiblicher Geschlechterstereotypen dreht. Im Buch wird hierbei der Bart als Motiv abweichender Inszenierungen näher betrachtet und analysiert. Das Bild der Frau mit Bart ist hierbei einerseits befremdlich, andererseits aber auch stark humorvoll. Oft verstärkt der Bart sogar die vorhandene Weiblichkeit durch den entstehenden geschlechtlichen Kontrast und kokettiert auf diese Art und Weise stark. Alles in allem also ein äußerst gelungenes Buch, welches jugendliche Netzkulturen gut erfasst und beschreibt, ohne sie stark auf- oder abzuwerten.
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Für die wissenschaftliche Arbeit mit Jugendkulturen im Web 2.0 ein Muss!, 17. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Flickernde Jugend - rauschende Bilder: Netzkulturen im Web 2.0 (Broschiert)
Das Buch hat es geschafft, mich innerhalb kürzester Zeit für diese Thematik zu begeistern. Angeregt durch Seminare in der Uni, habe ich es gelesen und bin soweit sehr zufrieden damit. Dem Buch geht eine mehrjährige Erhebung von Daten und Bildmaterial voraus, und es versucht anhand dessen neue Methoden für die Betrachtung und Analyse von Selbstinszenierung Jugendlicher im Internet am Beispiel von Facebook, YouTube und Co. zu schaffen. Hierbei wird recht systematisch vorgegangen. Das Buch beginnt mit einer Einführung in soziale Netzwerke und gewissen Problemen, die diese mit sich bringen, wie z.B. der Umgang mit privaten Daten und die Sammlung dieser durch Dritte. Danach werden sämtliche Mittel aufgezeigt, die zur Jugendbildforschung wichtig sind. Einerseits sind das natürlich einfache Kategorien, die mit dem Bild direkt zu tun haben, wie z.B. Farbe, Licht, Schärfe-Unschärfe, Perspektive (Vogel, Frosch, Fischauge), oder thematische Orientierungen wie Tod oder Sexualität (Sexualisierung des eigenen Körpers; das Spielen mit Geschlechterstereotypen,...). Andererseits werden aber auch die sozialen Plattformen selbst in Kürze dargestellt, so dass danach wirklich jeder mit geringem Vorwissen weiß, wozu Facebook, YouTube, usw. verwendet werden können. Im darauffolgenden Kapitel wird näher auf Inhalte eingegangen, was sich in Kürze mit Posen, Fashion Victims, Gewalt, Tod und kreative Musikkulturen zusammenfassen lässt. Interessant finde ich hierbei die Spanne von sehr negativen Formen der Bildnutzung wie 'Happy Slapping' bis hin zu einer sehr positiven und kreativen Nutzung, wie es bei 'Misheard Lyrics' der Fall ist. Misheard Lyrics sind Liedtexte, bei denen man oft etwas anderes versteht, als eigentlich gesungen wird...diese Lieder werden dann mit 'passenden' Bildern und Textfetzen neu arrangiert und veröffentlicht. Weiter im Buch geht es dann mit dem Thema 'Gender' anhand von bärtigen Frauen, ob aufgemalt oder aufgeklebt, befremdend oder sogar die Weiblichkeit unterstützend - sehr interessant, sehr spannend und nicht zuletzt auch auf interessante Weise sonderbar. Die letzten beiden Kapitel gehen dann noch etwas genauer auf das neue künstlerische Potential der Jugend im Internet und auch auf Sinnlosigkeit und Pathos ein. Abschließend kann ich das Buch jedem empfehlen, der sich prinzipiell für diese Thematik interessiert oder auch einfach nur kompakt den aktuellen Forschungsstand kennenlernen möchte.
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