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am 1. November 2012
Wie konnte sich (West-) Europa, dieser kleine, abgelegene und anfangs unbedeutende Zipfel der eurasischen Kontinentalmasse vor ca. 200 Jahren zu einer globalen Hegemonialmacht aufschwingen? Wie schafften es die Europäer dabei, in historisch gesehen atemberaubend kurzer Zeit die größten Weltreiche der Geschichte zu begründen, ganze Kontinente (Bsp. Afrika) untereinander aufzuteilen- und schließlich ihre Imperien wieder genau so schnell einzubüßen, wie sie sie errichtet hatten? Und wie entstand letztlich aus der Konkursmasse der europazentrierten Imperien unsere moderne globalisierte Welt?
Dies sind die Leitfragen, welche der Autor mit seinem Werk zu beantworten versucht.
Den Ausgangspunkt seiner Beobachtungen setzt er dabei in der Zeit um 1400 an, eingeleitet mit dem Scheitern des letzten Gründungsversuchs eines asiatischen Weltreichs in mongolischer Tradition durch Tamerlans Ableben und dem Anbrechen der Epoche, in welcher sich Europa gerade von der "Krisenzeit" des Mittelalters erholt hatte und auf der iberischen Halbinsel zunächst sehr zaghaft das Zeitalter der maritimen Erkundungen und Expansion begann.
Im weiteren Verlauf seiner "Erkundungen" der folgenden Ereignisse und Jahrhunderte werden dabei zahlreiche Stereotypen der gängigen "Kolonialgeschichte" als solche entlarvt und eloquent verworfen: weder war die frühe europäische Expansion nach Übersee sehr zielgerichtet, noch besonders erfolgreich und zog sich meist nur sehr schleppend dahin; in Ostasien wurden ihre Expansionserfolge von den bestehenden Reichen stark eingedämmt, und auch das relativ leicht eroberte Amerika wussten die Europäer nicht sehr effizient zu beherrschen und auszubeuten. Ihre Kräfte verbrauchten die politisch zersplitterten Europäer meist in Konkurrenzkämpfen welche sie untereinander austrugen, und ihre Machtposition wurde durch die riesigen Reiche Ostasiens und die selbst expansiven Mächte des islamischen Mittleren und Nahen Ostens ausgeglichen wenn nicht gar in Frage gestellt. Erst eine rückblickend urteilende, ideologisch motivierte Geschichtsschreibung habe diese eigentlich marginale Bilanz zur Erfolgsgeschichte der "Europäischen Expansion" umgedeutet.
Erst ab ca. 1750, und verstärkt seit der nächsten Jahrhundertwende habe schließlich eine deutliche Verschiebung des ursprünglichen Kräftegleichgewichts stattgefunden. Die forcierte Besiedlung Amerikas machte dessen gewaltige Ressourcen den Europäern verfügbar; mit der allmählichen Eroberung des indischen Subkontinents gewannen die Briten erstmals eine stabile Ausgangsbasis für weitere Vorstöße nach Asien hinein; die Erlangung der weltweiten Seeherrschaft im Zuge der napoleonischen Kriege beendete nicht nur die dauernden maritimen Konflikte der miteinander konkurrierenden europäischen Seemächte, sondern ermöglichte es den Briten auch fortan die für den weltweiten Handel unerlässlichen Seewege zu kontrollieren und mittels der Durchsetzung des "Freihandels" im Zuge der anlaufenden Industrialisierung Asien mit billigen Industrieprodukten (v. a. Textilien) zu überschwemmen und so die angestammten Volkswirtschaften zu untergraben und eine dauerhafte ökonomische Dominanz zu erringen. Neue Kommunikations- (z. B. Telegraph) und Transportmöglichkeiten (z. B. Dampfschiffe, Eisenbahn) erlaubten den Europäern nun rasche Vorstöße und eine dauerhafte Erschließung und Absicherung besetzter Gebiete.
Ihre politische Dominanz durch direkte oder indirekte Beherrschung riesiger Territorien sicherten die europäischen Imperien dabei durch eine weltweite europazentrierte ökonomische Hegemonie ab, in welcher die Kolonien als willige Abnehmer von Industriegütern und Investitionskapital billige Rohstoffe zu liefern hatten.
Trotz dieser gewaltigen augenscheinlichen Erfolge blieben die Ergebnisse des "Imperialismus" aber stets ambivalent: zur Beherrschung der Reiche blieb man auf die Kollaboration williger einheimischer Eliten angewiesen; in Ostasien entzogen sich China und Japan weiterhin (meist) erfolgreich dem europäischen Zugriff, und auch die nahöstlichen Reiche mochten taummeln, sie fielen deswegen aber noch lange nicht; und eine Eskalation der innereuropäischen Konflikte konnte wieder alles zunichte machen.
Dazu kam es bekanntlich im Zuge des Ersten Weltkriegs. Die vorher scheinbar so stabile Weltordnung war zerfallen, die Wirtschaft kam nicht mehr in Schwung und die konkurrierenden Reiche schotteten sich voneinander ab, bis der Zweite Weltkrieg sie endgültig in die Selbstauflösung trieb. In der bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges konnten sich die ohnehin bedeutungslos gewordenen europäischen Nationen mit ihren angeschlagenen Volkswirtschaften die weitere Erhaltung ihrer riesigen Kolonialreiche schlichtweg wirtschaftlich nicht mehr leisten. Nur zwei umso größere (informelle) "Weltreiche" waren nun noch übrig: die USA und die Sowjetunion mit ihrem Konglomerat von "Bündnisstaaten", von denen nur die USA als letztes "Imperium" bis heute überlebt habe.
Und die Quintessenz des Buches: aufgrund der Divergenz der unterschiedlichen eurasischen Kulturen war jeder Versuch einer dauerhaften Hegemoniebildung einer Zivilisation über die anderen wegen des dadurch ausgelösten Widerstands von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Ein gut lesbares Buch für alle, die wissen wollen, wie unsere heutige Welt zu dem wurde was sie ist.
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Das 544 Seiten starke Sachbuch des als "Beit University Lecturer in the History of the British Commonwealth" am Nuffield College in Oxford beschäftigten Dr. phil. John Darwin ist unter seinem englischen Originaltitel "After Tamerlane: The Rise and Fall of Global Empires, 1400-2000" bereits im Jahre 2007 publiziert worden.....

...anders als seine beiden früheren Werke "Britain and Decolonization: Retreat from Empire in the Post-war World (Making of the Twentieth Century)" (1989) und "The End of the British Empire: The Historical Debate (Making Contemporary Britain)" (1991), liegt es nun in seiner deutschsprachigen Ausgabe als "Der Imperiale Traum" vor.

Nach einem Vorwort und Bemerkungen zu Namen und Schreibweise beginnt der Autor seine Betrachtungen mit dem Erbe des letzten personifizierten Welteneroberers, dem Mongolen Timur bin Taraghay Barlas (1336 - 1405), auch bekannt als Tamerlan oder Timur Lenk. In acht spannenden Kapiteln erzählt Darwin die anschließende 600jährige Geschichte vom Aufstieg und Niedergang von Weltreichen, bis er schließlich auf Seite 461 den Kreis schließt, indem er auf "Timurs Schatten" oder, genauer gesagt, auf den Schatten seines Scheiterns im Zeitalter der Globalisierung zurückkommt. Neben der islamischen Welt, dem China der Mingdynastie, dem portugiesischen Imperium in Asien und den russischen und osmanischen Expansionen gilt die Aufmerksamkeit des Autors vor allem den Interessen Großbritanniens auf dem amerikanischen, asiatischen und afrikanischen Kontinent. Für den britischen Autor nimmt auch der lange Antagonismus seines Landes zu Frankreich einen besoneren Raum ein. Mit Begin des Ersten Weltkrieges befasst er sich auch mit der japanischen Expansion im Pazifik und im Fernen Osten, sowie den Vorgängen im Nahen und Mittleren Osten, bevor er sich mit den Grenzen der nationalsozialistischen Macht im Jahre 1942 auseinandersetzt.

Den Abschluss des Buches bildet ein68seitiger Anhang mit Anmerkungen, Zitaten und Quellenhinweisen zu den einzelnen kapitelnein Verzeichnis weiterführender Literatur, ein Kartenverzeichnis (insgesamt 23 Karten) und ein Register.

"Die Globalgeschichte grosser Reiche 1400 - 2000", so der Untertitel des Buches, ist ein weiteres Standardwerk des renommierten Autors zur Geschichte des Imperialismus, der stets zu Lasten des eroberten Landes und seiner unterdrückten Bevölkerung ging. Eine wissenschaftlich hintergründige, sowie - auch im Hinblick auf die von der letzten Supermacht angestrebte "Pax Americana" - aktuelle Lektüre.

5 Amazonsterne.
44 Kommentare|28 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. September 2010
Inhaltlich gibt es nichts auszusetzen, der Preis ist aber angesichts der mageren Ausstattung (keine Fadenheftung, Pappeinband, etc.) beinahe eine Unverschämtheit!
55 Kommentare|27 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. November 2012
Einfach lesen- mehr kann man kaum sagen. Darwin schreibt unglaublich spannend und informativ. In guter britischer Historikertradition. Ein wirklicher Genuss.
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