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Einst dachten wir, dass sich das ganze Universum um uns dreht. Doch dann mussten wir entdecken, dass wir nur ein unbedeutender Teil eines gigantischen Universums sind. Dann folgten noch viele andere Desillusionierungen. Von der jüngsten berichtet dieses faszinierende Buch. Unser Bewusstsein, so schreibt der Autor, macht nur einen kleinen Teil unserer Gehirntätigkeit aus. Schlimmer noch: Was wir als bewusste Entscheidungen empfinden, erweist sich oft bei näherer Überprüfung als Resultat im Dunkeln liegender Gehirnaktivität, auf die wir keinerlei Zugriff haben.

Eagleman beschreibt in seinem Text die Erkenntnisse von über hundert Jahren neurowissenschaftlicher Forschung ohne dabei wie andere Autoren der Versuchung zu erliegen, uns zu erzählen, welche Gehirnregionen aktiv sind, wenn wir irgendetwas tun. Im Gegenteil, solche Erklärungsversuche empfindet er als Blödsinn, weil er das Gehirn nicht für eine Art lebenden Computer hält, bei dem man nur die entsprechenden Programme finden muss, um es zu verstehen. Unser Gehirn arbeitet viel komplexer und leider auch überraschend anders, als wir uns das vielleicht vorstellen. Und darüber berichtet Eaglemans Buch.

Nachdem er im ersten Kapitel einige solcher Beispiele eindrucksvoll beschrieben hat, kommt er danach zu Sinnestäuschungen. Bei diesem Thema geht es ihm aber nicht darum, seine Leser zu beeindrucken, sondern um die Rolle und das Wechselspiel unserer Sinnesorgane und unseres Gehirns bei unserer Wahrnehmung. Wir sehen beispielsweise, so Eagleman, im Grunde nicht mit unseren Augen, sondern mit unserem Gehirn. Unsere Wahrnehmung funktioniert als Abgleich von eingehenden Daten mit den Erwartungen des Gehirns. So können Blinde, die nach einer Operation ihr Augenlicht zurückgewannen, in der Regel erst einmal nicht begreifen, was sie sehen, weil das Gehirn kein Muster zum Datenabgleich besitzt.

Eagleman interpretiert diesen Datenabgleich als weiterführendes Prinzip und schreibt, dass wir uns unserer Umgebung erst wirklich bewusst werden, wenn die eingehenden Daten unseren Erwartungen widersprechen. Besonders verblüffend sind seine Ausführungen zu unserer zeitlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne sind in erheblichem Umfang manipulierbar, ohne dass wir dies wirklich bemerken: "Trauen Sie Ihren Sinnen nicht. Nur weil Sie meinen oder wissen, dass etwas wahr ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich tatsächlich so verhält." (S. 62/63)

Im 3. Kapitel ("Geistige Abgründe") befasst sich der Autor danach mit Fähigkeiten, die wir nur durch Beobachten erlernen, aber nicht erklären können. Seine hier angeführten Beispiele zeigen, wie wir mit unserem Unterbewusstsein Vorgänge oder Situationen viel früher und besser verstehen als uns das bewusst jemals gelingen würde.

Anschließend erklärt Eagleman im 4. Kapitel, dass "jedes Gehirn selbst bestimmt, was es wahrnimmt beziehungsweise wahrnehmen kann". Die Wirklichkeit ist also sehr viel subjektiver als gemeinhin angenommen (S.98). Völlig verblüffend ist in diesem Zusammenhang auch die von ihm als Beispiel demonstrierte Tatsache, dass unser Gehirn ein und dasselbe logische Problem unterschiedlich schnell und unterschiedlich gut lösen kann, je nachdem, in welchen Kontext es gestellt wird.

Forschungen zur Entwicklung einer künstlichen Intelligenz stagnieren seit langem. Eagleman verweist in diesem Zusammenhang auf die gewaltige Zahl instinktiver Handlungen intelligenter Lebewesen, hinter denen komplexe Unterprogramme stehen, auf die wir keinen Zugriff haben. Das Gehirn funktioniert eben nicht wie ein Fließband, sondern erweist sich als komplexes System konkurrierender und diskutierender Routinen mit zahlreichen Rückkopplungsschleifen.

Als Beispiel nennt er den erstmals von Kahneman und Tversky experimentell untersuchten Konflikt zwischen dem Drang nach unmittelbarer Belohnung und längerfristigen Interessen. Die im Gehirn offenbar gut funktionierende Mehrparteien-Demokratie hat auch noch den Vorteil, dass sich überschneidende Zuständigkeiten der verschiedenen Untersysteme dem Gehirn eine "kognitive Reserve" verschaffen, mit der Ausfälle kompensiert werden können.

Die Rolle unseres Bewusstseins in diesem System erscheint dagegen eher kläglich. Es wird lediglich hinzugerufen, wenn die verschiedenen Routinen nicht weiter wissen. Im Übrigen gibt unser Bewusstsein auch gerne an, schreibt Eagleman, denn es erfindet im Nachhinein Erklärungsgeschichten für Vorgänge, die es nicht begreift. Eaglemans Beispiele sind entlarvend.

In den letzten Kapiteln kommt der Autor dann ganz zwangsläufig zu ethischen Fragen, denn aus seinen Ausführungen ergibt sich schließlich die Frage, wie verantwortlich wir eigentlich für unser Handeln sind. Und natürlich diskutiert in diesem Zusammenhang auch das Problem des freien Willens. Erstmals hatte Benjamin Libet nachgewiesen, dass relativ lange bevor wir bewusst entscheiden ("Bewegen Sie Ihren Finger, wenn Sie den Impuls dazu verspüren!"), bereits eine Entscheidung physisch messbar ist.

Fazit.
Ein wirklich lehrreiches und die Sichtweise auf uns selbst veränderndes Buch. Es enthält viele eindrucksvolle Beispiele und ist für ein Sachbuch ungewöhnlich spannend geschrieben. Tatsächlich geht sein Inhalt viel tiefer als man das in einer kurzen Rezension beschreiben kann.
44 Kommentare| 108 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
David Eagleman liefert uns nach dem unterhaltsamen FAST IM JENSEITS mit INKOGNITO einen wahren par force Ritt durch die aktuelle Bewusstseinsforschung und seiner Deutung des Verhältnisses zwischen den sich überlappenden Entitäten wie Ich, Gedanken, Gehirn, Wahrnehmung, Bewusstsein und Unterbewusstsein usw. Aufgrund seiner soliden Ausbildung, guten Veröffentlichungen und Vorträgen zum Thema rund um die Welt sowie als Schüler des legendären Biologen Francis Crick ist er dafür gut qualifiziert wie man an dem sehr kurzweiligen aber wissenschaftlich korrekten Werk feststellen kann.

Einer der Grundgedanken Eaglemans ist, daß das Bewusstsein sozusagen nur eine Zeitung ist welche hilft in einer Art Zusammenfassung wichtiges von unwichtigem in der Fülle der täglich auf den Menschen einströmenden Informationen zu filtern. Das Gehirn surrt dabei rund um die Uhr und sammelt Daten auf allen - auch den untersten - Prozessebenen. Es arbeitet dabei im Verborgenen und steuert den Menschen inkognito. Das Bewusstsein selbst erfährt - vereinfacht gesagt - meist als Letzter was überhaupt los ist. Es steht also nicht wie oft kolportiert "im Mittelpunkt des Gehirns und hält die Fäden in der Hand", es ist Beobachter am Rande und "nimmt das Geschehen bestenfalls als leises Flüstern wahr".

Dafür liefert er eine ganze Armada von Beispielen aus dem menschlichen Alltag die wir alle gut nachvollziehen können. Es ist im positiven Sinne populärwissenschaftliche Prosa und es wird keinerlei Vorwissen vom Leser abgefordert, außer Offenheit sich den Gedankenexperimenten und Beispielen des Autors hinzugeben und seinen Schlußfolgerungen zu folgen. Diese sind im Grunde nach und radikal formuliert nihilistisch, denn laut Eagleman ist was wir für Realität halten ist nur ein Schein. Der "freie Wille" als ein Zugeständnis an den Menschen, erhalten von einer potentiellen höheren transzendenten Macht (a.k.a. Gott) im Sinne einer Sinngebung existiert nicht. Ob man dieser Ansicht folgt wäre zum komplex um es hier zu diskutieren, allerdings könnte ich andere Deutungen der Realität und Sichtweisen von Lesern durchaus nachvollziehen.

Somit liefert sich Eagleman natürlich heftiger Gegenwehr entsprechender Gruppen aus und damit ist der Komplex der Schuldfähigkeit im Kapitel "Schuld und Sühne" auch die Frage nach einer radikalen Neubewertung unserer Moral- und Bewertungssysteme wenn es so etwas wie "Schuld" gar nicht gibt ? Diese Gedanken sind alles andere als neu, haben sich doch u.a. schon Wolf Singer und Gerhard Roth länger mit Teilen dieser Thesen auseinandergesetzt. Doch Eagleman verknüpft geschickt und in jovialer Weise diverse Themenkomplexe und bereitet diese sehr anschaulich für ein breiteres Publikum auf und fordert in diesem Zusammenhang ein "hirnkompatibles Gesetzbuch"!

Die ca. 260 reinen Textseiten mit einer Reihe anschaulicher Grafiken gliedern sich in folgende sehr übersichtliche und in etwa gleich große Kapitel von ca. 30 Seiten (außer Kapitel 5 mit rund 60 Seiten):

1 Der Fremde in meinem Kopf
2 Sinnestäuschungen
3 Geistige Abgründe
4 Denkbare Gedanken
5 Ein Team von Gegenspielern
6 Schuld und Sühne
7 Neues Gehirn, neuer Mensch

Zusätzlich findet man rund 40 Seiten ausführliche und weiterführende Anmerkungen die gute und wertvolle Zusatzinformationen und Literaturhinweise liefern welche auch durch eine umfangreiche Bibliografie schön ergänzt werden. Insgesamt also ein sehr empfehlenswertes Buch - um es abschließend mit Pink Floyd/Eagleman zu sagen "There's something in my head, but it's not me !"

5/5 Sternen
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Wenn mir während der Lektüre von David Eagleman Buch immer wieder sein britischer Berufskollege Oliver Sacks in den Sinn kam, ist dies natürlich kein Zufall. Denn beide verstehen es großartig, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungsreisen in spannende Geschichten zu verpacken. Und dass der fast vierzig Jahre jüngere Eagleman die Kunst des Schreibens beherrscht, bewies er mit seinen spekulativen Kurzgeschichten über das Leben nach dem Tod. Inzwischen wurde sein Weltbestseller "Fast im Jenseits" sogar in 23 Sprachen übersetzt und als Vorlage für eine Oper verwendet.

Im Gegensatz zu Sacks erzählt Eagleman kaum eigenen Fallgeschichten, sondern Stories und Experimente, die wir in anderen Büchern zu diesem Thema ebenfalls finden. Aber Eagleman schreibt eleganter, erweist sich als Meister gelungener Übergänge und sorgt mit seinen Originalbeiträgen für die Höhepunkte. Dazu gehört zum Beispiel seine "Radiotheorie", die ich am liebsten im vollen Wortlaut zitieren würde, wenn es der Platz einer solchen Rezension zuließe. Denn wer Eaglemans Aufforderung nachkommt, sich als Buschmann in der Kalahariwüste zu sehen, wird kaum mehr behaupten, das Gehirn lasse sich allein mit den Gesetzen der klassischen Physik erklären. Zu stark und einleuchtend ist die von Eagleman erfundene Geschichte vom Transistorradio und seinem Geheimnis.

Geordnet ist diese geballte Ladung an Wissen in sieben Kapitel. Auf langatmige Einleitung verzichtend fordert Eagleman seine Leser gleich im ersten Satz dazu auf, sich im Spiegel zu betrachten und so einen Blick auf das eigene Gehirn zu werfen. Zumindest von außen. Was drin ist, folgt danach. Und zwar in Sätzen, die man auch ohne Fremdwörterduden versteht. Mit seinem Schreibstil belegt Eagleman die Behauptung, dass sich das Wesentlich begreifen lässt, obwohl das Gehirn ein komplexes System ist.

"Kaum etwas von dem, was sich in unserem Geist abspielt, können wir bewusst kontrollieren", schreibt Eagleman gleich zu Beginn und fährt fort: "Das Bewusstsein mag den Rum einheimsen, aber bei den meisten Entscheidungen, die unser Gehirn zu treffen hat, wird es besser gar nicht gefragt." Wer mit dieser These nichts anfangen kann, darf das Buch jetzt zur Seite legen. Denn der Autor macht keine faulen Kompromisse, nur um ein möglichst großes Publikum bei Laune zu halten. Wer nach Beweisen für die Existenz des freien Willens, von Maslow-Pyramiden und Typenlehren sucht, wird bei Eagleman nicht fündig.

Im Kapitel "Sinnestäuschungen" werden die wichtigsten Gesetze der Wahrnehmungspsychologie nochmals unter neurologischem Gesichtspunkt repetiert, wobei es zu diesem Thema Bücher mit besserem Bildmaterial gibt. Im dritten Kapitel "Geistige Abgründe" geht es um Intuition, vermeintliche Seelenverwandtschaften, Ahnungen und Automatisierungen. Und wer meint, Selbsterkenntnis à la Lebensratgeberliteratur sei möglich, sollte sich ins nächste Kapitel "Denkbare Gedanken" vertiefen. In ihm ist auch von der Liebe, Treue und Eaglemans Spezialgebiet Synästhesie die Rede. Sicher eines der wichtigsten Kapitel ist das fünfte mit dem Titel "Ein Team von Gegenspielern". Denn in ihm beschreibt Eagleman den ewigen Kampf zwischen Verstand und Gefühl, zwischen dem Bewussten und Unbewussten. Anhänger der Hirnhemisphärentheorie könnten allerdings zu Unrecht annehmen, ihr Modell würde vom Autor unterstütz. Aber dem ist nicht so, wenn man genau liest.

Da David Eagleman das "Laboratory for Perception and Action and the Initiative on Neuroscience and Law" leitet, ist es verständlich, dass er dieser Thematik ein eigenes Kapitel widmet. Nach "Schuld und Sühne" folgt dann das siebte und letzte Kapitel "Neues Gehirn, neuer Mensch". In ihm nimmt der Autor nochmals klar Stellung zu wichtigen Punkten und grenzt sich von Reduktionisten und Deterministen ab. Die Seiten 267-303 sind für den ausführlichen Anmerkungsapparat reserviert. Und obwohl das Literaturverzeichnis mehr als zehn Seiten umfasst, zeigt sich einmal mehr die amerikanische Unart, Forscherkollegen aus anderen Teilen der Welt großzügig zu übersehen. Von Wolf Singer ist zum Beispiel geraden Mal ein Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen aufgeführt, obwohl Eagleman auf diesen bedeutenden Berufskollegen in seinem Buch verweist. Alle anderen deutschsprachigen Neurowissenschaftler fehlen ganz. Register gibt es keine.

Mein Fazit: Für einen Malcolm Gladwell der Neurowissenschaften, wie es auf der Rückseite des Umschlags steht, halte ich David Eagleman nicht. Auch weil seine Geschichten weniger schön um ein einziges Thema kreisen lässt wie bei Gladwell. Aber wer sich schon lange vornahm, mehr über die geheimen Vorgänge in seinem Gehirn zu erfahren, sollte das nun mit Eagleman tun. Denn sehr viel verständlicher, kompetenter und unterhaltsamer wird es wohl kaum.
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am 21. Juni 2012
Die neueren Erkenntnisse der Neurowissenschaft sind dazu angetan, das Selbstbild des Menschen nachdrücklich zu ändern. Und dieses neue Selbstbild hat nicht nur wissenschaftlich-theoretische Konsequenzen, sondern auch für den praktischen Alltag, insbesondere in der Wirtschaft, der Politik und der Justiz. Eine dualistische Sichtweise, also eine Trennung von Leib und Seele, wird heutzutage nur noch sehr selten vertreten, dazu gehören in erster Linie einige Religionen. Die meisten Wissenschaftler sind Monisten. Sie glauben, dass Geist und Gehirn letztlich eins sind, das Bewusstsein ein Produkt unserer Nervenzellen ist und somit ein biologisch-stofflicher Prozess. Wir sind also nicht von etwas Göttlichem beseelt, sondern lediglich ein besonders komplexes physisches Produkt der Evolution. Und nun kommt auch noch heraus, dass unser Denken und Handeln weit weniger durch bewusstes Nachdenken, als vielmehr durch unbewusste Programme, die in unseren neuronalen Verbindungen hinterlegt sind, gesteuert wird. Das kratzt natürlich am Selbstbewusstsein des Menschen und hat Konsequenzen auf unser Zusammenleben in der Gesellschaft.

David Eagleman geht dieses Thema wirklich mit einer Leichtigkeit und Lesbarkeit an, die man in der populärwissenschaftlichen Literatur so eher selten vorfinden wird. Mit viel Witz und einigen Anekdoten wird der Leser an ein sehr vielschichtiges Thema herangeführt. Allerdings bleibt dabei die Tiefe der Thematik auf der Strecke. Stellenweise ist das Buch etwas zu oberflächlich, so zum Beispiel bei der Freiheit des Willens, die doch eigentlich eine Schlüsselrolle bei der Definition unseres Menschenbildes einnimmt. Hier wird der interessierte Leser zu weiterführender Literatur greifen müssen, die ausführlicher die psychologischen und philosophischen Aspekte der Neurobiologie beleuchtet. Empfehlenswert sind in jedem Fall die Autoren Gerhard Roth oder Solms und Turnbull sowie der Philosoph Peter Bieri.

Inkognito von David Eagleman ist ein guter populärwissenschaftlicher Einstieg in die neueren Erkenntnisse der Neurowissenschaften, vor allem für Leser, die sich wie einst Immanuel Kant schon einmal gefragt haben: Was ist der Mensch? Spannend und amüsant geschrieben stellt sich so manches Aha-Erlebnis ein, das eigene Selbstbild wird auf die Probe gestellt und wahrscheinlich überdacht.
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am 1. April 2014
David Eagleman ist eine Stimmungskanone. Das kann man auf Youtube sehen, wo Vorträge und TV-Auftritte gezeigt werden. Der hat's drauf. Man merkt es gleich von Anfang an. Er nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch das Gehirn, durch unser Selbst unser Ich oder was wir dafür halten. Er erklärt, was wie funktioniert und was nicht funktioniert, was wir glauben und was wir nicht wissen. was wir nicht wissen können, weil dieses Organ mit seinen ungeheuer komplexen Strukturen sich sehr wohl hütet, uns seine Geheimnisse preis zu geben. Es wäre auch verheerend, könnten wir, dumm wie wir sind, selbst das Steuer in die Hand nehmen. Sind wir doch nur, wie der Klappentext verrät, nur blinde Passagiere. Aber wir sind unterwegs.
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am 11. August 2013
habe ich Eagleman's Buch mit besonderem Interesse gelesen (allerdings die englische Version). Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit der Thematik Psychologie/Neurowissenschaft und finde gerade dieses Werk von herausragender Qualität. Die Darstellung ist verständlich und in allen Teilen nachvollziehbar, die aus den Erkenntnissen gezogenen Schlussfolgerungen zwar für manchen erstaunlich, deswegen aber nicht weniger zutreffend.

Wir werden nicht umhin kommen, die Erkenntnisse der Biologie und insbesondere der Neurowissenschaften auch in anderen Lebensbereichen zu berücksichtigen. Auch wenn manches unser liebgewonnenes Weltbild radikal in Frage zu stellen scheint. Ob der Mensch so etwas wie einen freien Willen hat, wird wahrscheinlich eine noch lange - wenn nicht gar für immer - ungelöste Frage bleiben. Aber bei der Menge der sonstigen Einflüsse auf das, was letztlich zu einer "bewussten" Entscheidung führt, dürfte nur noch sehr wenig Raum dafür bleiben. Wie Wolf Singer mal sinngemäß gesagt hat: Auch das, was wir im bewussten Teil unseres Denkens verhandeln, kommt ja nicht aus dem Nichts. Es spricht vieles dafür, dass auch das dem riesigen Meer des Unbewussten (unserer Erfahrung, derer wir uns nicht bewusst sind) entspringt.
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am 18. Dezember 2014
"Inkognito" von David Eagleman beschreibt sehr anschaulich und vor allem gut verständlich die Komplexität des menschlichen Gehirns. Der Autor zeigt dem Leser in kleinen Schritten die Vielfältigkeit dieses Organs. Unbewusste Handlungen, so erfährt man, sind häufig die schwierigen Herausforderungen für das Gehirn. Es lernt immer dazu. David Eagleman zeigt unter anderem beispielsweise Unterschiede zwischen dem Gehirn bei Frauen und Männern auf und wie das Gehirn auf schwere Krankheiten oder Unfälle reagiert.
Das Buch hat mich sehr gefesselt. Oftmals haben mich die teilweise neuen Erkenntnisse der Neurowissenschaft sehr überrascht.

Ich kann das Buch sehr empfehlen!

Mit freundlichen Grüßen
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Das Buch des amerikanischen Neurowissenschaftler listet eine ganze Reihe der Ergebnisse der Forschung zu Aufbau und Funtkionsweise des menschlichen Gehirns aus den letzten Jahrzehnten auf. Es geht u.a. um optische Täuschungen, um die Steuerung von Bewegungen als Reaktion auf schnell ablaufende Umweltreize, um die Wahrnehmung von Zeit oder biologisch beobachtbare Korrelate von Moral und Entscheidungen. Die unglaubliche Komplexität des Gehirns und die ineinander verwobenen Strukturen werden anhand vieler Beispiele beschrieben. Die Befunde stammen dabei sowohl aus Untersuchungen an Menschen ohne als auch mit neurologischen Auffälligkeiten (wie z.B. Split-Brain-Patienten). Dieser lange Teil wird einer lockeren, etwas flapsigen Art beschrieben, die schon ein bisschen enthusiastischer Forschernaivität zeigt, aber gleichzeitig das Buch auch noch gut lesbar macht.

Im weiteren Fortlauf des Buches widmet er sich aber zunehmend sozialen und ethischen Überlegungen, die sich aus den Forschungsergebnissen vermeintlich ergeben und dann wird es doch zu primitiv und auch gelegentlich falsch, etwa wenn er primitiv (und falsch) behauptet, dass Depressionen eindeutig durch biologische Vorgänge im Hirn zustande kommen und durch Psychopharmaka uneindeutig bekämpft werden können. Seine ethisch-juristischen Überlegungen gehen von einem primitiven "Menschliches Verhalten ist nur eine Konsequenz der Biologie des Hirns" aus und ziehen daraus wenig durchdacht, simplizierte Schlüsse. Höhepunkt ist sein Vorschlag für ein mentales Hirntraining, das im Prinzip Bio-Feedback auf der Basis von neuronalen Erregungen im Hirn ist und als als eine Art neue Wunderwaffe zur Bekämpfung delinquenten Verhaltens dargestellt wird. Ganz am Ende bekommt er noch ein bisschen die Kurve und beschreibt blumig, dass der Mensch mehr sei als die Biologie, bietet aber nicht eine einzige Idee oder Überlegung, was das sei.

Fazit: Über weite Seiten ein ganz gut beschriebenes Buch, das dafür auch knappe fünf Sterne verdient hätte. Wegen der primitiven späteren Anteile, die hochgefährlich sind, wenn sie der sonst weniger informierte Leser glaubt, kann man aus ethischer Sicht aber nur noch drei so gerade vertreten. Man muss das Buch in seiner Gänze auf jeden Fall mit großer Vorsicht genießen und unbedingt mit anderen Veröffentlichungen korrigierend balancieren.
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am 9. Juni 2012
E. gibt einen hochinteressanten Abriss über die Hirnforschung und deren Ergebnisse, verblüfft den Leser anhand von Tests von seiner Unzulänglichkeit, die im Gehirn begründet ist und spricht letztlich dem Menschen eine Willensfreiheit und damit eine Schuldfähigkeit generell ab. Wir werden von unserer Biologie (Gehirn und Gene) viel mehr gesteuert als dass wir Steuermann sind. Der Inhalt ist bereits mehrfach kommentiert worden, deshalb einige Randbemerkungen.

E.s entwickelte Methode des präfrontalen Trainings" (Training des Frontallappens) zur Erlernung der Kontrolle und Lenkung unseres triebhaften Verhaltens ist m. E. nichts anderes als Erziehung im herkömmlichen Sinn: Lernen durch bestimmte Muster und Erfahrungen, Hinleiten zu erwünschten Verhaltensweisen durch positive oder negative Rückmeldungen, z. B.
- bin ich in der Lage, mir (langfristige, vernünftige) Ziele zu setzen, oder lasse ich mich widerstandslos durch meine Triebe (Emotionen) steuern?
- bin ich in der Lage, diese Ziele langfristig weiterzuverfolgen, d.h. mich selbst zu erziehen und zu stärken gegen die Übermacht der Triebe?
- oder gebe ich die Verantwortung lieber ab (Religionen z. B. seien darauf ausgelegt, die emotionalen Schaltkreise von Menschen anzusprechen, wogegen Argumente der Vernunft wenig entgegenzusetzen hätten!)?

Wobei wir bei Nietzsche und seinem Übermenschen sind - nichts anderes verstehe ich unter diesem: Nimm das Steuer über dein Leben in die Hand, lerne, MIT deinem Leib, seinen Veranlagungen und in seinem Interesse, denn du brauchst ihn, dich über deine niederen Triebe hinauszuerheben.

Da, wo die Erziehung durch Eltern und Schule (falls diese noch stattfindet) geendet hat, müssen wir diese selbst übernehmen. Wir sind nicht fertig mit der Volljährigkeit. Ein nicht so leichtes Unterfangen, wie man E.s Buch entnimmt, da unser Bewusstsein nur den kleinsten Teil der Aktivitäten im Gehirn ausmacht und mächtige Triebe in unserem Unterbewusstsein gegensteuern.

Am Ende des Buches öffnet sich das Werk: wir wissen noch viel zu wenig und können mit Kenntnissen über das Gehirn nicht den Geist des Menschen beschreiben. Umwelteinflüsse, Kindheitserlebnisse, Quantenphänomene uvm. spielen eine Rolle = nichts Neues. (Deshalb - meine Anmerkung - sollte man z. B. Gewalt und Schuldfähigkeit, die E. in Abrede stellt, differenzierter betrachten: unser Gehirn kann durch äußere Einwirkungen (z. B. Religionen) soweit trainiert" worden sein, dass wir uns anders verhalten, ich denke dabei an Gewalt und "Ehrenmorde" im Islam. Diese sind in ihrer Zielrichtung nicht biologisch begründet, sondern gesellschaftsfähig gemacht worden und werden leider auch in Deutschland als Teil dieser Religion "toleriert", hier versagt dann wohl unser abendländisches Gehirn, weil es nicht gelernt hat, gesunde Abgrenzungen zu schaffen....?)
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am 20. September 2012
Wer sich für Gehirnforschung oder einfach generell für menschliches Verhalten interessiert, der hat in den letzten drei, vier Jahren eine Reihe von Titeln in den Bestsellerlisten gefunden. Bei vielen wiederholt sich alles und man muss sich wirklich nicht jedes dieser Werke kaufen. Eagelman ergänzt mit seinem Buch sehr gut die vorhandene Literatur: Absolute Kaufempfehlung.
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