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5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, der herausfordert
John Keegans Buch war ein Meilenstein für die moderne Militärgeschichtsschreibung: Ein junger, ungedienter, britischer Historiker (man beachte die Kombination!) schreibt ein Buch über die individuelle Erfahrung der Schlacht - eine nicht nur für militärische Zeitgenossen verwirrende, für manche geradezu verstörende Konstellation. Konnte...
Veröffentlicht am 6. Februar 2010 von Ralf Raths

versus
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3.0 von 5 Sternen Das Einmaleins der Kriege
Kriege sind schrecklich, Schlachten sind blutig. Hieran kann es keine Zweifel geben. Dennoch zogen Schlachten Dichter und Schaulustige immer wieder in ihren Bann und in der Berichterstattung stehen kriegerische Auseinandersetzungen ganz oben auf der Tagesordnung; und das Kino greift solche Ereignisse immer wieder gerne auf.
John Keegan, ein britischer...
Veröffentlicht am 20. Juli 2012 von GHFecht


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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, der herausfordert, 6. Februar 2010
Von 
Ralf Raths "Raths" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Antlitz des Krieges: Die Schlachten von Azincourt 1415, Waterloo 1815 und an der Somme 1916 2. Auflage (Campus Bibliothek) (Broschiert)
John Keegans Buch war ein Meilenstein für die moderne Militärgeschichtsschreibung: Ein junger, ungedienter, britischer Historiker (man beachte die Kombination!) schreibt ein Buch über die individuelle Erfahrung der Schlacht - eine nicht nur für militärische Zeitgenossen verwirrende, für manche geradezu verstörende Konstellation. Konnte das gutgehen?

Es konnte.

Keegan sezierte die Schlachten von Azincourt (1415), Waterloo (1815) und der Somme (1916) und produzierte einen Text, der bis heute faszinieren kann. Was sah, was roch, was spürte der Soldat auf dem Schlachtfeld? Was passiert bei einer Kavallerieattacke eigentlich genau? Wie wird Trommelfeuer erlebt? Wie wird Verwundung erfahren? Und vor allem - wie ändern sich diese Aspekte durch die Jahrhunderte? In einer Zeit, in der Militärgeschichte sich noch praktich ausschließlich mit glorifizierten (oder verdammten) Generalen und klinisch-sauberen roten und blauen Pfeilen auf Landkarten beschäftige, war dieses Buch ein Paukenschlag für eine Perspektive von unten.

Über 30 Jahre später ist der Lack natürlich ein wenig ab. Das einführende Kapitel über Militärgeschichte ist selbstverständlich veraltet, daraus kann man dem Buch keinen Vorwurf machen. Aber auch der Text selber ist heute nicht mehr so leicht zu genießen, wie er es unter dem Eindruck der Neuartigkeit des Buches vielleicht war. Quellenkorpus und Belegarbeit sind mehr als dünn - und zwar nicht nur nach den bekanntlich sehr hohen, zeitgenössischen, deutschen Maßstäben. Viele Ableitungen und Generalisierungen sind doch recht gewagt. Im Lichte einer kritischen Sozial- und Kulturgeschichte, die in den letzten Jahrzehnten unsere Perspektive erweitert hat, sind viele Aussagen Keegans hoffnungslos veraltet.

Und doch: Keegans Schlacht bleibt eine unbedingte Leseempfehlung. Wer dieses Buch mit kritischem Blick und akademischer Distanz liest, wird immer noch eine Reihe von überraschenden und anregenden Punkten finden. Die Idee, die Erfahrung der Schlacht zu skizzieren, ist ja nicht vom Tisch, sondern im Gegenteil immer noch ein oft artikuliertes Desiderat. Keegans Buch stellte (und stellt teilweise immer noch!) Fragen, die sehr einfach und naheliegend erscheinen, sobald sie artikuliert waren - aber sie mussten erst einmal artikuliert werden, und das war das Verdienst dieses Buches, auch wenn es aus heutiger Sicht viele Antworten schuldig bleibt. Dass nicht wenige von Keegans Aussagen und Arbeitstechniken heute befremden, ist dabei aber dann eigentlich kein Mangel, sondern sollte kritische Leserinnen und Leser ganz im Gegenteil anregen und dazu beflügeln, sich um so enthusiastischer in die aktuelle wissenschaftliche Literatur zu den Themen zu vertiefen, die Keegan nur angerissen hat.

5 Sterne bekommt dieses Buch also nicht deshalb, weil es heute noch uneingeschränkt zu empfehlen wäre, sondern:
- wegen seines historischen Verdienstes um die akademische Militärgeschichtsschreibung
- weil es auch nach über 30 Jahren noch die Kraft hat, zu reizen und intellektuell herauszufordern
- weil es inhaltlich immer noch ein guter Startpunkt ist.

P.S. Keegan selber hat sich übrigens in den letzten 30 Jahren inhaltlich kaum ein Stück bewegt. War "Face of Battle" noch ein junges, wildes Buch in einem sehr konservativen Rahmen, so hat sich das wissenschaftliche Koordinatennetzwerk in den vergangenen 30 Jahren doch sehr verschoben. Keegan schreibt aber immer noch praktisch das gleiche, so dass sein Werk Die Kultur des Krieges von 1997 plötzlich sehr verstaubt und beinahe klischeehaft chauvinistisch wirkt - trotz des (gescheiterten) Versuches, mit der Integration der kulturhistorischen Perspektive weiter an der Spitze des Diskurses zu bleiben.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Einmaleins der Kriege, 20. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Antlitz des Krieges: Die Schlachten von Azincourt 1415, Waterloo 1815 und an der Somme 1916 2. Auflage (Campus Bibliothek) (Broschiert)
Kriege sind schrecklich, Schlachten sind blutig. Hieran kann es keine Zweifel geben. Dennoch zogen Schlachten Dichter und Schaulustige immer wieder in ihren Bann und in der Berichterstattung stehen kriegerische Auseinandersetzungen ganz oben auf der Tagesordnung; und das Kino greift solche Ereignisse immer wieder gerne auf.
John Keegan, ein britischer Militärstratege der Royal Militäry Academy Sandhurst, versucht in seinem
Buch The Face of Battle", die Vorgänge hinter der Schlacht den Lesern verständlich zu machen.
32 Jahre später erscheint unter dem irreführenden deutschen Titel Das Antlitz des Krieges" die zweite
Auflage seines Buches. Er nimmt drei Schlachten unter die Lupe: Azincourt 1415, Waterloo 1815 und die Schlacht an der Somme 1916, die alle drei bis heute für die britische Geschichtsschreibung von herausragender Bedeutung
sind. Hat man als Philologe nun erwartet, dass Keegan gegen die Sinnlosigkeit des Blutvergießens schreibt, sieht man sich getäuscht. John Keegan analysiert in erster Linie die Strategie und den Verlauf dieser Schlachten. Erst danach geht es ihm darum, wie sich der einzelne Soldat, der Offizier, einzelne Gruppen und Verbände in der tödlichen Konfrontation mit dem Feind gefühlt haben mögen und verhalten haben. Auch wenn er nichts beschönigt, so ist dieses Buch keine Antikriegslektüre. Ganz im Gegenteil, Keegan untersucht die Faktoren, seien es nun waffentechnische oder psychologische, die eine Schlacht als solche bestimmen.
An dieser Stelle wollte ich das Buch eigentlich zurSeite legen. Denn wenn ich etwas über die Schlacht Heinrichs V. bei Azincourt erfahren möchte, kann ich auch den gleichnamigen Film mit Kenneth Branagh schauen, oder wenn ich mich mit der Schlacht von Waterloo beschäftigen möchte, wäre die fast 70-seitige Schilderung zu Beginn des 2. Bandes der Elenden" von Victor Hugo weitaus spannender.
Doch weit gefehlt, das Faszinierende ist, wie Keegan als britischer Lehrmeister "gewissermaßen die Anatomie"
einer Schlacht erklärt. Warum tun sich Soldaten so etwas an? Warum berauschen sich gebildete Offiziere an Schlachten? Was geschah mit Verwundeten?
Wann und wie wird ein Gegenangriff geführt?
Eine Fülle kleinster Details setzen sich so zu einem sehr realistischen Bild zusammen, das den Leser ein Gemälde einer Schlacht im Museum mit einem ganz anderen Verständnis betrachten lässt. Während Victor Hugo im oben genannten Werk die Schlacht von Waterloo mit glühendem Pathos neu aufleben lässt und die französische Niederlage nicht wahrhaben möchte, analysiert Keegan - aus britischer Sicht - die Vorgänge auf dem Schlachtfeld betont sachlich, immer vor dem Hintergrund, Erkenntnisse für die heutige Ausbildung von Kadetten der Militärakademie daraus abzuleiten. Soldaten, die durch die Bildung eines Karrees mit den Offizieren in der Mitte am Fortlaufen gehindert werden; Kavallerie, die hinter den Karrees die eigene Infanterie am Zurückweichen hindert. Kavallerie, die Infanterie attackiert, Artillerie gegen Infanterie, und Infanterie gegen Infanterie und das über eine Breite von 5 Kilometern. Dauerte die mittelalterliche Schlacht von Azincourt einige Stunden, so waren es in Waterloo fast 3 Tage und an der Somme mehr als 3 Monate. Der einzelne Soldat bekam von der Schlacht, so merkwürdig es klingt, am wenigsten mit. Er erlebte sie als auf ihn beschränkte, sichtbare Konfrontation mit dem Gegner oder immer mehr als plötzlichen Einschlag nach stundenlangem untätigem Warten, jedoch nie als Gesamteindruck.
Befand sich der Heerführer im Mittelalter noch in unmittelbarer Nähe seiner Truppen, so zog er sich immer weiter auf Anhöhen zurück, um den Überblick zu bewahren, bis er schließlich im ersten Weltkrieg ganz vom Schlachtfeld, das sich im Fall der Somme-Schlacht über fast 100 Kilometer erstreckte, verschwand und vom Hotel aus ihren Verlauf verfolgte.
Hatte die Planung in Azincourt noch eine geringe Bedeutung und oblag allein dem Heerführer, so verfügten die Feldherrn in Waterloo bereits über regelrechte Stäbe, die den Kommandeur mit Informationen versorgten. Der Somme-Schlacht schließlich gingen wochenlange exakte Planungen voraus, die dann vom leitenden General nicht mehr mit der Flexibilität wie bei Henry oder auch noch bei Wellington verändert werden konnten. Hier vermittelt das Buch für mich neue Erkenntnisse in das Denken der Militärs, das in der einen oder anderen Form sicherlich auch heute noch aktuell ist. Skurrile Züge erhält es, wenn Keegan die psychische Belastbarkeit von Soldaten am Beispiel des ersten Weltkrieges in Tagen und Prozenten ausrechnet. Hier staunt der Philologe.
Keegan ging bei der Erstauflage seines Buches davon aus, das die Stellungskämpfe des ersten Weltkriegs
- wie die Karree-Formationen des napoleonischen Zeitalters - der Geschichte angehörten. Er wurde durch den Irak-Iran-Krieg (1. Golfkrieg 1980-1988) eines besseren belehrt, denn sowohl die Kriegsbegeisterung auf beiden Seiten, als auch die Stellungskämpfe bis hin zum Giftgaseinsatz erinnerten trotz weiter entwickelter Kriegstechnologie an den ersten Weltkrieg.
Auch wenn dieses Buch zum Teil sehr interessante Aspekte zum Verständnis von Schlachten - und nicht von Kriegen, wie es der deutsche Titel suggeriert - bietet, so ist es nur sehr bedingt empfehlenswert. Die Aufmachung des Buches ist äußerst phantasielos, die drei Karten sind schlecht und tragen daher nur wenig zum Verständnis des Geschehens bei. Ermüdend sind die fast endlosen Aufzählungen britischer Regimenter mit Verlustangaben aus den Schlachten bei Waterloo und der Somme. Summa summarum wirft dieses Buch ein klares Licht auf die Denkweise des Verfassers und die heutiger Militärstrategen insgesamt, die beängstigenderweise Schlachten und Kriege mit ganz anderen Augen sehen (müssen?).
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