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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empire - Analyse der Weltordung auf den Punkt gebracht
Die Postmoderne ist imperial und den beiden Autoren gelingt eine handwerklich glänzende Analyse der herrschenden Kräfte. Die Krise der Postmoderne in Zeiten der Globalität ist eine schlüssig aufbereitet Krise der Moderne und die wiederum Folge der Krisen der Vergangenheit. Die Autoren plädieren für das Ende der Ausbeutung Ressourcen und...
Veröffentlicht am 24. Mai 2010 von GFRR

versus
40 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein nützliches Buch - für G. W. Bush
Dass ein Buch mit angeblich "kommunistischem" Anspruch ausgerechnet im Hausverlag der US-Elite-Univerität Harvard erscheint, wirft schon die Frage auf, welche objektive Funktion die These vom "Empire" hat.
Hardt und Negri machen durchaus einige richtige Beobachtungen über neue Erscheinungen der Internationalisierung von Wirtschaft und Macht. Sie wenden sich...
Veröffentlicht am 8. März 2003 von F. Hofmann


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empire - Analyse der Weltordung auf den Punkt gebracht, 24. Mai 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Empire: Die neue Weltordnung (Taschenbuch)
Die Postmoderne ist imperial und den beiden Autoren gelingt eine handwerklich glänzende Analyse der herrschenden Kräfte. Die Krise der Postmoderne in Zeiten der Globalität ist eine schlüssig aufbereitet Krise der Moderne und die wiederum Folge der Krisen der Vergangenheit. Die Autoren plädieren für das Ende der Ausbeutung Ressourcen und Menschen), wider die Gier, die Macht und die Korruption. Die Krisen des Bankenwesens, die Unvollkommenheit der Ökologie (siehe Golf von Mexiko), die Divergenzen des Einkommens, die Krise von Erwerbsarbeit belegen das permanente Krisenszenario von vermeidbaren Unsicherheiten in der Postmoderne. Negri/Hardt treten ein für Vorschläge zur Emanzipation und zum Wandel - für eine Welt in der das Kapital den Menschen dient und nicht umgekehrt wie im "Empire", die Menschen dem Kapital als Vampirteffekt.

"Empire" sollte den Autoren nach auch nicht als das Amerikanische Imperium alleinig angesehen werden. Europa ist als imperialer Sender ab dem 17. Jahrundert der ursächliche Impulsgeber. Vor allem aber entstehen aber auch neue Imperiencluster, die nach den gleichen - oder verschärften - Prinzipien organisiert sind, wie z.B. China. "Empire" ist damit ein weltumspannendes, monolithisches Phänomen.

Die Widersprüche die das Systems geniert, oder auch die augenfälligen Bedrohungen der Demokratie und ungenutzte Massenkreativität legen die Autoren nahe als ein absehbar kollabierendes System, welches nach Gegensteuerung, wenn nicht Paradigmenwechsel verlangt.

"Empire" ist erfreulich optimistisches Plädoyer zur Wiederaufnahme des humanistischen Prinzips und einer ergebnisoffenen Suche nach der Freude am Sein.
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40 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein nützliches Buch - für G. W. Bush, 8. März 2003
Von 
Dass ein Buch mit angeblich "kommunistischem" Anspruch ausgerechnet im Hausverlag der US-Elite-Univerität Harvard erscheint, wirft schon die Frage auf, welche objektive Funktion die These vom "Empire" hat.
Hardt und Negri machen durchaus einige richtige Beobachtungen über neue Erscheinungen der Internationalisierung von Wirtschaft und Macht. Sie wenden sich auch völlig zu Recht gegen die Träumereien, die das Rad der Geschichte zurückdrehen und mit Hilfe der Nationalstaaten den Kapitalismus unter Kontrolle bringen wollen.
Was aber das Buch selbst für G. W. Bush am Ende tröstlich macht ist die zentrale These, dass es keine Alternative zur imperialen Weltherrschaft gibt. Hardt und Negri versuchen vor allem darzulegen, dass die Arbeiterbewegung tot ist und mit ihr alle Vorstellungen von einer internationalen Revolution gegen die Herrschaft der internationalen Monopole begraben werden müssten. Dieser These kann ich nicht folgen. Schon allein wegen der revolutionären Gärung in Lateinamerika nicht, die für mich ein praktischer Beweis ist, dass die internaitonale revolutionäre Bewegung vor einem neuen Aufschwung steht.
Das ärgerlichste an dem Buch von Hardt und Negri ist die Methode, eine Behauptung aus der anderen abzuleiten ohne irgendwelche konkreten Fakten als Beweise vorzulegen. Wenn man das neue Buch von Stefan Engel "Götterdämmerung über der neuen Weltordnung" gelesen hat, wo die internationale kapitalistische Wirtschaft wissenschaftlich analysiert wird, dann kann man einen solchen oberflächlich-überheblichen Stil nur noch schwer ertragen.
Fazit: Wenn sich frustrierte Seminarmarxisten selbst bestätigen wollen, dass man nichts mehr machen kann, dann ist "Empire" genau richtig. Wer allerdings die Welt verändern will, der sollte lieber zu dem Buch von Stefan Engel greifen.
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20 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt, in der wir leben, 12. Juni 2002
Von Ein Kunde
Mit den Thesen aus Empire ist sicher nicht jeder einverstanden, aber eine sachliche Auseinandersetzung kann auch dann nicht schaden, wenn man Hardts und Negris politische Überzeugungen nicht teilt. Empire ist eben nicht nur ein Manifest, sondern vor allem eine politische Analyse und Theorie. Empire erklärt uns die Welt: das Zeitalter des globalen Kapitalismus und eine Macht- und Herrschaftsform ganz neuen Ausmaßes (Biopower). Die originelle, oft überraschende und letztendlich immer schlüssige Kombination vielfältigster Theorien und Denkansätze in marxistischer Tradition ist aufregend zu lesen und ermöglicht am Ende eine ganz neue Sichtweise auf die politische Verfasstheit der Gegenwart und damit auf die Welt, in der wir leben. Und in dieser Welt ist Veränderung möglich - das ist die grundsympathische und hoffnungsvolle Vision von Michael Hardt und Antonio Negri, die all jenen, denen Denken und Weltverändern Spaß macht, ans Herz gelegt sei. Und wie singen doch gleich Tocotronic auf ihrer neuen CD: „Hier kommt das Imperium"!
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4.0 von 5 Sternen Global Networking, 5. Oktober 2009
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Mit "Empire" bezeichnen Hardt und Negri ein globales Netzwerk, ein neues Weltreich ohne nationalstaatlichen Einfluss. Infolge der Globalisierung entsteht ein politisches und ökonomisches Konstrukt ohne Grenzen und ohne Zentrum, das v. a. durch moderne Kommunikationstechniken vernetzt ist. Kurz nach der Erstveröffentlichung vor zwei Jahren avancierte diese Gesellschaftsanalyse von Hardt und Negri zur Bibel der Globalisierungsgegner. Selbstbewusst folgt das Autorenduo der Tradition anderer Denker und Philosophen wie Adorno und Horkheimer, Marx und Engels. Wer einen schnellen Überblick wünscht, sollte die Finger davon lassen: Der weitaus grösste Teil des Buches beschäftigt sich mit der europäischen Ideengeschichte. Es ist ein philosophischer Text, den manch einer schwer verdaulich finden wird, wenn er sich durch die mit "Ontologie", "Immanenz" und "Dialektik" durchtränkten Seiten mühen muss. Doch an vielen anderen Stellen wiederum erfreuen die Autoren durch scharfsinnige und mit feiner Ironie abgeschmeckte Beobachtungen. getAbstract.com empfiehlt diesen faszinierenden Entwurf allen, die bei der hitzigen Diskussion um das Reizwort "Globalisierung" mitreden wollen und die die Lese- und Denkarbeit nicht scheuen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Epire, die neue Weltordnung - Auf dem Weg zu einem neuen Kommunistischen Manifest?, 8. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Empire: Die neue Weltordnung (Taschenbuch)
Das Buch beschäftigt sich mit den Auswirkungen der monopolaren Welt, die sich nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Verfall der Sowjetunion als einer weltmachtpolitischen Grundsäule im neuen Jahrhundert ergeben werden, nachdem nur die eine weltmachtpolitische Kraft, die USA, als Einziges gemäß ihrer machtpolitischen Bedeutung geblieben ist. Die Autoren beleuchten diese Frage auf dem Hintergrund der Tatsache, daß zusätzlich zu dieser machtpolitischen Frage auch die Erwerbs- und Industriegesellschaft nach altem Schlag des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu Ende geht und uns ein neuer entfesselter Kapitalismus in globalisiertem Maßstab bevor stehen könnte: eine neue Weltökonomie im Rahmen globalisierter Gesellschaften, die eine ganz neue Form der Herausforderung im 21. Jahrhundert erbringen wird. Das Buch, das eine pessimistische Hypothese für diese Nachzeit zu sein scheint, gibt, ohne die philosophischen Wurzeln des sog. Abendlandes mit Aufklärung und Humanismus aus dem Auge zu verlieren, Risiken und Möglichkeiten einer neuen, fortschrittlichen Gesellschaft an – wenn auch die Indizien, soweit sie heute verfügbar sind, noch kein klares Bild zu geben erlauben. Hardt und Negri verfolgen, gemäß einigen Lesern ihres Buches, ein neues Kommunistisches Manifest; mir allerdings scheint wichtiger, dieses viele Phänomene des letzten Jahrhunderts zusammenfassende Werk zu verstehen als das, was es ist: Der Versuch einer Generalsicht dessen, was war, und dessen, was sein könnte. Insofern ein Buch, das zu Debatten und kontroversen Überlegungen herausfordert, in produktivem und provokativem Sinne. Für mich deshalb ein produktives, ein sehr lesenswertes Buch.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Standardwerk der Globalisierungskritiker, 12. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Empire: Die neue Weltordnung (Taschenbuch)
Ich gebe zu: die Lobgesänge der Medien sind leicht übertrieben.
Dennoch bekommt "Empire" von mir die volle Punktzahl, weil es im Ganzen einfach ein absolut lesenswertes Buch ist.
Damit stehe ich nicht alleine. An vielen Universitäten wurden Seminare nur auf dieses Werk abgestellt, nachdem die Popularität immer weiter zunahm. Der renommierte Philosoph und KWI-Preisträger Slavoj 'Zizék nannte es gar das "Kommunistische Manifest des 20. Jahrhunderts" !
Ein lesenswerter Artikel erschien übrigens in der Zeitschrift "konkret" (ausgerechnet) Jahrgang 2002, aber auch jede andere Zeitung von Rang hat sich intensiv mit diesem Buch auseinandergesetzt. Stöbern nach Rezensionen lohnt sich also!
Im Gegensatz zu zahlreichen Beschreibungen, die man über "Empire" liest und hört, ist es das erklärte Ziel der Autoren, einen "Werkzeugkasten" für den Kampf gegen die Auswüchse der globalen Ungerechtigkeiten bereitzustellen.
Dass dafür auch eine Analyse des Ist-Zustandes vonnöten ist, ist logisch. Völlig neu ist dabei die Postulierung eines weltumspannendes "Empire". Ob Negri/Hardt damit immer der Realität nahe kommen, das darf diskutiert werden.
Und ob man ebenfalls die "Leichtigkeit, ein Kommunist zu sein" so zu spüren bekommt, wie die Autoren am Schluss noch heimlich anmerken, darf abgewartet werden.
Dieses Buch sollte man lesen, zumindest in Grundzügen, da es einen grundlegenden Beitrag darstellt zur Standortbestimmung unserer Zeit darstellt. Anschliessend darf kritisiert werden.
Da die gebundene Ausgabe nur zu einem wirklich unverschämt hohen Preis zu haben ist, sollte auf die nun endlich vorliegende broschierte Ausgabe zurückgegriffen werden oder sich die englische Originalausgabe besorgt werden, die inzwischen für unter 15 Euro zu haben ist und gut lesbar ist.
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22 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Linke weiß zu unterhalten - Die Hardt'n'Negri-Show, 10. Juli 2003
Von 
Andreas Heller "shagreen" (Chemnitz, Sachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Mit und trotz "Empire" ist Hardt und Negri ein houdinisches Kunststück gelungen, der Ausbruch aus dem Benthamschen Panoptikum, nach dem man sich selbst eingewiesen hat. Und während die Menge, äh Multitude, auf den Rängen noch applaudiert, fragt man sich doch nach dem Sinn der ganzen Veranstaltung. Ist es etwa das Spektakel selbst?
Denn entweder ist das Empire in dieser Verfasstheit selbst eine Illusion oder die Herausbildung eines Machtvakuums im Herzen des Empire, in der sich ein Gegen-Empire konstituieren kann, ist illusorisch. Das Buch ist ein weiterer Beweis für die Ohnmacht der Linke, man muß sich erst vollständig ins System integrieren lassen, um daraus ausbrechen zu können. Nennt sich das Emanzipation, "echte" Selbstbefreiung? Auch wenn man keine Alternative mehr zum status quo ante hat, darf man aber doch noch die Hoffnung auf ein "Anti-Empire" hege(l)n. Das Himmelreich auf Erden kommt, soviel ist sicher, wenn nicht heute, dann übermorgen, üben wir uns also in Geduld, da kennen wir uns aus.

Was André Gorz schon über die Diktatur des Kapitals sagte, läßt sich auch für die Definition des Empire verwenden: »Das Kapital [Empire] übt seine Diktatur nicht nur über Produktion und Verteilung der Güter, sondern ebenso über die Form der Produktion aus, über das Modell wie auch die Art und Weise des Konsums, über die Art zu arbeiten, zu denken, zu leben. Es übt sie nicht nur über die Arbeiter, die Fabriken und den Staat [die Welt] aus, über deren Ideologie, Prioritäten und Ziele, auch über das Bild, das sich die Individuen von sich selbst, ihren Möglichkeiten, ihren Beziehungen zum Nächsten und der übrigen Welt machen, diese Diktatur ist zugleich wirtschaftlich, politisch, kulturell und psychologisch, sie ist total.« Empire ist also nichts anderes als die Glücksdiktatur des Kapitals und der Reichtum wird nicht durch die (biopolitische) Produktion des gesellschaftlichen Lebens (Biomacht) geschaffen, wie die Autoren zu beschönigen wissen, sondern wie gehabt durch die auf sich selbst rückgekoppelte Akkumulationsbewegung des Geldes. Die achso postmoderne, zivilisierte Welt zeichnet sich gerade durch einen Bevölkerungsrückgang aus, durch eine Krise des Lebens selbst; nur hemmungslose Utilitaristen können darin einen Gewinn für die Menge sehen.

Hardt und Negri meinen ganz im Sinne des Traditionsmarxismus, daß die Entwicklung des Kapitalismus über den Imperialismus zum Empire nur durch den Kampf der Arbeiterklasse bedingt war. Aus der Tatsache, daß das Proletariat dem waltenden System immer wieder kleine Zugeständnisse abtrotzte, mußte es sich weiterentwickeln, und jeder weitere Schritt führt "systematisch" zum Untergang. Gäbe es diesen Druck von unten nicht, würde der Kapitalismus ewig auf gleichem Niveau fortbestehen und die Produktionsweise nie ändern. »Das Kapital wäre aus mehreren Gründen zufrieden gewesen: weil die natürlichen Schranken der Entwicklung ihm reichen; weil es von der Entwicklung immaterieller Arbeit bedroht wurde; weil es wußte, dass die transversale Mobilität und die Hybridisierung der Arbeitskraft weltweit das Potenzial neuer Krisen und Klassenkonflikte von nie zuvor gekannten Ausmaß bargen« (S. 186). Die Irrationalität des kapitalistischen Fetischismus, die selbstzweckhafte Verwertung des Werts, leugnen sie hier, betonen aber an anderer Stelle, daß »im Zentrum kapitalistischer Reproduktion und Akkumulation die Notwendigkeit imperialistischer Expansion impliziert ist. Das Kapital kann nicht anders, es ist seine Natur« (S. 241).
Während Marx die soziale Revolte der ludditischen und anderer "Maschinenstürmer"-Bewegungen im frühen 19. Jahrhundert zeitlich nicht mehr gewahr werden konnte und sie wegen der Rückwärtsgewandtheit zur familienorientierten, traditionellen Produktionsweise ablehnte, so richtet sich die Kritik von Hardt und Negri heute gegen die Globalisierungsgegner, die die kapitalistische Wirtschaftsweise sozialverträglich ausgleichen wollen. Alle setzen sie auf die Modernisierung des Systems, denn in der Flucht nach vorn glauben sie dessen Untergang zu erkennen. Was passiert aber, wenn das Empire in die drei "schlechten" Staatsformen hinübertritt und in Tyrannei, Oligarchie und Anarchie endet?

Sie können die Masse nur als Multitude begreifen, als Arbeiterklasse. Die Lobpreisungen der immatriellen, geistigen und künstlerischen Arbeit führt dann auch zu solchen verwegenen Äußerungen wie: »Indem sie ihre eigenen schöpferischen Energien ausdrückt, stellt die immaterielle Arbeit das Potenzial für eine Art des spontanen und elementaren Kommunismus bereit« (S. 305). Nach dem Ende des Wohlstands läßt sich die Menge nur durch Arbeit weiterhin ins System integrieren. Dazu müssen aber nicht zwingend beide Wirtschaftspole, die Produktion und der Konsum, zusammenfallen. In der Tat würde das, das Ende der Akkumulationsbewegung, das Ende des Kapitalismus bedeuten. Das Empire wird deshalb die Doppelstrategie aus Aufpeitschen des Konsums und Anheizen der Produktion auf Teufel komm raus weiterfahren; darin liegt ja der neoliberale Ansatz. Das System wird hochgradig instabil. Und was dann kommt, darauf haben die Herren Hardt und Negri keine Antwort. Wenn die Kommunikation versagt und die Akkumulationsbewegung versiegt, dann fällt die Bombe.
Marx schrieb im Gegensatz zum Arbeiterstandpunkt und des "General Intellect": »Der Arbeiter fühlt sich erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich«. Hier steckt nur einer der Widersprüche des Marxschen Denkens. Leider konnten diese von Hardt und Negri nicht aufgelöst werden, sie wurden vielmehr übernommen. Wenn sie das Dagegensein, die Desertion betonen, müssen sie als erstes gegen die entfremdete Arbeit Stellung beziehen.

Wo sollte man an dieser Stelle weiterlesen? Dazu empfehle ich Robert Kurz "Schwarzbuch Kapitalismus", das auch den "anderen Marx" mehr Beachtung schenkt und mit dem Bild der "emanzipatorischen Antimoderne" einen möglichen Ausweg andeuted. Eine erweiterte Rezension - die komplette Show ;-) - gibt es auf meiner Homepage (paßt hier nicht hin).

So widersprüchlich wie das Buch ist, muß auch meine Bewertung ausfallen. Nimmt man den Unterhaltungswert (B-Note) müßte es 5 Sterne geben, für das Aufzeigen (k)einer Alternative (A-Note) 1 Stern. Deshalb gebe ich 3 Sterne.
Im Vorwort Ani DiFranco zitierend: »Every tool is a weapon if you hold it right«, ließen sich Hardt und Negri trotz ihrer Theorie von der kapitalistischen Bestie auffressen. Tja, meine Herren, das kommt davon, wenn man mit der Waffe in der Hand nur effektheischend über dem Kopf herumfuchtelt.
Wie starb eigentlich Houdini?
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Standardwerk der Globalisierungskritik, 6. Februar 2003
Ich gebe zu: die Lobgesänge der Medien sind leicht übertrieben.
Dennoch bekommt "Empire" von mir die volle Punktzahl, weil es im Ganzen einfach ein absolut lesenswertes Buch ist.
Im Gegensatz zu zahlreichen Beschreibungen, die man über "Empire" liest und hört, ist es das erklärte Ziel der Autoren, einen "Werkzeugkasten" für den Kampf gegen die Auswüchse der globalen Ungerechtigkeiten bereitzustellen.
Dass dafür auch eine Analyse des Ist-Zustandes vonnöten ist, ist logisch. Völlig neu ist dabei die Postulierung eines weltumspannendes "Empire". Ob Negri/Hardt damit immer der Realität nahe kommen, das darf diskutiert werden.
Und ob man ebenfalls die "Leichtigkeit, ein Kommunist zu sein" so zu spüren bekommt, wie die Autoren am Schluss noch heimlich anmerken, darf abgewartet werden.
Dieses Buch sollte man lesen, zumindest in Grundzügen, da es einen grundlegenden Beitrag darstellt zur Standortbestimmung unserer Zeit darstellt. Anschliessend darf kritisiert werden.
Ein besonders guter Artikel erschien übrigens in der Zeitschrift "konkret" (ausgerechnet) Jahrgang 2002.
halber Minuspunkt: hoher Preis für die gebundene Ausgabe!
Lieber die broschierte Studienausgabe abwarten.
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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rückgewinnung des Politischen, 20. März 2006
Von 
B. Gotter "robertzion" (Gelsenkirchen, Nordrheinwestfalen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Seit Spinoza ist in der abendländischen Philosophie nicht mehr ein derart beeindruckender Versuch unternommen worden, die Welt als Ort der vollkommenen Immanenz zu denken, wie in Hardt/Negris "Empire". In Zeiten einer praktisch wie theoretisch schwer zu fassenden "Globalisierung" war dieser erneute Versuch überfällig - und er ist derart überzeugend und aufwühlend geraten, einen Nerv der Zeit präzise treffend, dass man in der Tat von einem epochalen Werk sprechen muss. Jenseits altlinker Scholastik, Dogmen und Träumereien wird hier der König - globaler Kapitalismus und permanenter Weltbürgerkrieg - bis auf die nackte Haut entkleidet - darunter zum Vorschein kommt der Mensch als Möglichkeitsform. Ein großes humanistisches Werk, ein Werk der Liebe und der Rückgewinnung des Politischen. Vergleiche mit Autorenpaaren wie Marx/Engels, Horkheimer/Adorno oder Negt/Kluge liegen nahe, doch ist "Empire" weit mehr - es versammelt die vielfältigen Stimmen der Multitude zu einem gemeinsam Chor: Denken und Handeln haben wieder einen Horizont und die tote und tötende Politik der Gegenwart zeigt im Spiegel dieses Werkes ihre eigentliche Fratze und wir glauben nicht, sondern wir w i s s e n jetzt, dass Demokratie, Frieden und Humanität jenseits der gegenwärtigen Ordnung entstehen. Wir müssen es nur denken und tun.
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19 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Inhaltslos und pseudointellektuell!, 24. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Empire: Die neue Weltordnung (Taschenbuch)
Das Buch ist in vielerlei Hinsicht sehr problematisch.
Die Autoren definieren anscheinend immer wieder alte traditionelle Begriffe entsprechend um, damit sie ihn über eine neue Bedeutung stülpen können. Dummerweise wird aber in den wenigsten Fällen klar, wie sie diese Begriffe nun verstehen, da sie das nie erklären. Man kann keinen Begriff neu belegen und einfach still schweigend voraussetzen, dass die ganze Welt das jetzt einfach so hinzunehmen hat, aber genau das tun die Autoren...und zwar auf jeder einzelnen Seite!
Ich habe mich an vielen Stellen sehr darüber geärgert und finde, dass die Autoren mit (ggf. erläuterten) Neologismen besser dran gewesen wären. So schaffen sie einfach nur Verwirrung und unnötige Verständnisschwierigkeiten.
Am schlimmsten finde ich aber diese Inhaltslosigkeit! Der Leser wird über mehrere Seiten mit Schlagwörtern und leeren Phrasen beinahe totgeschlagen! So ein Prinzip führt dazu, dass sich jeder das darunter vorstellen kann, was er gerne darunter verstehen möchte und genau so eine Taktik kennen wir ja noch...und zwar aus dem Nationalsozialismus!
Als nächstes wäre da noch die Arroganz, mit der die Autoren die Gesellschaft betrachten. Die Gesellschaft kritisch zu sehen ist sicher notwendig, aber anscheinend gehen die Autoren ernsthaft davon aus, dass es kein einziges denkendes Individuum mehr gibt. Die Gesellschaft und das "Empire" richten sich also selbst wechselseitig zu Grunde und das merkt natürlich kein Mensch...außer den Autoren, klar!
Der größte Scherz ist, dieses Buch als die Fortsetzung von Karl Marx’ Werk zu sehen! Mit seinen Ideen, hat das Buch überhaupt nichts mehr zu tun und erst recht nicht mit seinen Zielen! Die Autoren geben im Vorwort zwar an, dass sie für alle schreiben wollen und den Menschen die Augen öffnen möchten, aber wenn das tatsächlich die Intention gewesen sein soll, dann sind Negri und Hardt einfach mal mit wehenden Fahnen daran vorbei geschossen…das Buch ist nicht einfach geschrieben, es werden ständig alle möglichen Philosophen zitiert und das auch noch in einem völlig falschen Kontext und es kommen viel zu häufig Fachwörter aus der Soziologie, den Wirtschafts- und den Sozialwissenschaften vor, mit denen ein Laie spontan sicher nichts anfangen kann.
Am Ende bleibt einfach vieles unklar und zwar entweder, weil die Autoren die Begriffe neu belegt und diese dann nicht mehr hinsichtlich des neuen Kontexts definiert haben, oder weil sie einige Dinge einfach mal falsch auslegen, oder weil sie Fachsprachen verwenden, die man nur mit dem entsprechenden Fachwissen versteht, oder weil sie einfach mal gar nichts erklären und dem Leser einfach ein paar leere Phrasen und Worthülsen servieren, unter denen er sich dann vorstellen kann, was er möchte, oder weil…………[die Liste ließe sich an dieser Stelle endlos fortsetzen.]
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Empire: Die neue Weltordnung
Empire: Die neue Weltordnung von Antonio Negri (Taschenbuch - 17. März 2003)
EUR 19,90
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