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921 von 1.012 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffentlich der Anstoß zu einer längst überfälligen Diskussion
Achtung: Dieses Buch ist kein weiterer Erziehungsratgeber, aber es zeigt die Hintergründe auf, warum der Bedarf an Sachbüchern dieser Art in den letzten Jahren so stark gestiegen ist und weshalb ein Showformat wie "Die Super-Nanny" ein Quotenrenner bei RTL werden konnte.
M. Winterhoff stellt auch kein neues erziehungswissenschaftliches Konzept vor. Vielmehr...
Veröffentlicht am 1. Februar 2008 von The-One-who-is-concerned

versus
441 von 496 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alleine gelassen in Weltuntergangsstimmung
Das Buch '"Warum unsere Kinder Tyrannen werden2" vn onMi ahael nwinterterhoff ist ein gutes Buch, ein wichtiges Buch, dazu brilliant geschrieben und daher sehr packend beim Lesen. Jeder, der mit Kindern zu tun hat, sollte sich von diesem Buch wachrütteln lassen. Meine erste Reaktion war: Danke für dieses Buch! 5 Sterne
Aber dennoch nur 3 Sterne: Auch noch...
Veröffentlicht am 5. April 2008 von Der Bratscher


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156 von 194 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kinder brauchen Erziehende, die auch Grenzen ziehen!, 8. Februar 2008
Von 
Neuschäfer "Lesenslust" (Erkelenz, Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Wenn Kinder aus dem Häuschen sind, zeigt sich zumeist, was Zuhause tatsächlich los ist. Wenn Kinder keine Kinder sein können und Eltern nicht mehr ihre Rolle ernst nehmen, sind junge Menschen schnell von der Rolle" und gerät die Gesellschaft aus dem Ruder. Am Ende stehen alle vor einem Scherbenhaufen mit Kindern als Tyrannen, die zwar bei ihren Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräften das Heft in der Hand haben, aber letzten Endes lebensuntüchtig sind.
Wer dieses mutige Plädoyer aufschlägt, wird sich vieles aus dem Kopf schlagen müssen, was seit Jahrzehnten in den Köpfen verantwortlicher Personen in Kindergarten, Schule, Kirche und Zuhause rumgeistert. Begeisterung und Zustimmung oder entgeisterte Ablehnung bestimmen daher die Reaktion auf dieses revolutionäre Buch des Bonner Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff. Hoffen viele Pädagogen noch, dass problematische Phänomene bei Kindern nur ein "Kind der Zeit" sind, die man nicht überbewerten, sondern lediglich als "Selbständigkeit" umdeuten sollte, ist der Autor bedeutend realistischer. Er nimmt die vielfältigen Störungen junger Menschen aus psychiatrischer Sicht wahr und kommt zu einem wahrhaft ernüchternden Ergebnis:
Kinder dürfen kaum noch Kinder sein und Erwachsene wollen zumeist keine Erziehenden sein. Dabei zieht das Buch eine Linie von mangelnder Orientierung, Grenzensetzen und gesunder Autorität hin zu der Sehnsucht der Kinder nach deutlichen Worten und eindeutigem Verhalten der Erwachsenen. Seine Thesen untermauert der Experte mit einer Palette an Einsichten und Beispielen aus der Praxis.
So ist eine Verweigerungshaltung gegenüber einer Erzieherin oder Lehrerin keine gewollte Bösartigkeit, sondern schlicht darin begründet, dass das Kind in ihr kein Gegenüber sieht, das für ihn von irgendeiner Bedeutung wäre. Sehr deutlich wird der erfahrene Inhaber einer eigenen Praxis in punkto Ausflüchten der Eltern: Sie "neigen heute vermehrt dazu, ungewöhnliches Verhalten ihrer Kinder nicht mehr als solches zu erkennen, sondern es zu verniedlichen". Der Autor entlarvt dabei die Tendenz, immer niedrigere Maßstäbe zu akzeptieren und immer weniger Ansprüche an das Verhalten von Kindern zu stellen. Die Fehlentwicklungen der Kinder und Jugendlichen sind mit bisherigen pädagogischen Konzepten und therapeutischen Bemühungen nicht in Griff zu bekommen. Ein "Elternführerschein" sei auch keine Lösung, weil die staatlichen Pädagogen/innen ebenso vom partnerschaftlichen Denken geprägt sind. Daher fordert Michael Winterhoff: "Das Denken muss die Richtung wechseln!" (S. 54).
Dazu gehört erstens eine eindeutige Diagnose,
zweitens eine veränderte Sicht auf Kinder, die zwar als Subjekte zu achten, jedoch nicht als Partner zu überfordern oder zu instrumentalisieren sind. Nicht nur Alleinerziehende ziehen gerne an einem Strang mit Psychologen, die mangelndes Sozialverhalten von Kindern mit Selbstbewusstsein verwechseln. Viele Eltern vergessen, dass Erziehung auch Anstrengung und klare Grenzen bedeutet. Kinder sind einfach damit überlastet, wenn sie unentwegt mitbestimmen dürfen und ihnen nicht bestimmt Grenzen gesetzt werden.
Drittens haben Eltern ihre Erziehungsverantwortung überhaupt erst einmal an- und wahrzunehmen, um Kindern als zu respektierendes Gegenüber begegnen zu können. Denn mittlerweile ist es zur Regel geworden, dass Kinder bestimmen und zu den Erziehenden ihrer Eltern werden, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.
Viertens haben pädagogische Modelle von Partnerschaft ihr Scheitern an der Realität einzugestehen und nicht durch veränderte Maßstäbe an Kinder zu kaschieren.
Ein Kapitel zum Einfluss der Medien darauf, wie Kinder Erwachsene sehen, hätte den rundum anregenden Zündstoff abgerundet. Und wenn Michael Winterhoff wüsste, wie es im Osten Deutschlands aussieht, wo Instrumentalisierung von Kindern lange Tradition hat und die meisten heutigen Eltern nie hauptsächliche Erziehung durch ihre eigenen Eltern erlebt haben, wäre dieses Buch noch eine Spur deutlicher und dramatischer ausgefallen.
Ein flüssig geschriebenes Buch voller Einsichten und Einblicke, die pädagogische Tabus ansprechen und mit einem biblisch-realistischen Menschenbild ernst machen. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre in der pädagogischen Ausbildung werden - es sei denn, man würde lieber leiden als die Probleme lösen wollen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen unglücklicher Titel, 19. Januar 2010
Michael Winterhoff berichtet von Fällen, die er selbst in seiner Praxis hatte. Ich konnte mir die meisten Situationen lebhaft vorstellen, weil ich sie zum Teil schon selbst erlebt habe (mit den eigenen Kindern oder auch nur als Beobachter von anderen Kindern). Manches vielleicht nicht ganz so extrem, aber möglich ist das allemal. Seine Analyse ist verständlich und deutlich und zeigt die Schwächen auf, die sich in der heutigen Zeit eingestellt haben.
Es werden verschiedene Situationen dargestellt, in denen das Geschehen aus der Vogelperspektive erlebt wird. Auch das Verhalten der dazugehörenden Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Erzieher) wird beschrieben. Der Weg zum Psychologen ist seiner Meinung nach nicht 'der letzte Ausweg', sondern 'Ausgangspunkt'. Auch wenn scheinbar belanglose Situationen im Einzelnen kein Problem darstellen, behindern sie in der Gesamtheit die Entwicklung.

Ich möchte eine Textpassage zitieren, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat: 'Kinder werden auf diese Art und Weise in eine Rolle hineingezwängt, für die sie nicht geeignet sind, da ihnen sämtliche psychischen Eigenschaften fehlen, diese Rolle ausfüllen zu können. Die Rolle, die ihnen zugewiesen wird, ist die eines Partners der Erwachsenen.'

Wenn der Titel nicht so extrem klingen würde, würde er vielleicht mehr Leute ansprechen. Auch ich habe den Titel mehrmals gelesen, bevor ich mir den Klappentext durchgelesen habe. Meine Kinder sind schließlich keine Tyrannen, auch wenn mir die ein oder andere beschriebene Situation bekannt vorkommt. Mein Vorschlag wäre einfach ein zusätzliches Wort: 'warum unsere Kinder Tyrannen werden können' ' das klingt meiner Meinung nach interessanter. Herr Winterhoff erklärt, warum die Kinder heute schwieriger geworden sind. Seine Sichtweise ist plausibel.

ein Buch, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Die Analysen sind meiner Meinung nach nachvollziehbar und logisch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine mögliche und nachvollziehbare Erklärung, 21. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich bin Lehrerin und erschüttert über die Arbeitshaltung und das Verhalten der heutigen Jugend. Ich bin erst 30, also würde mich noch als modern bezeichnen und verstehe das heutige Verhalten der Jugend trotzdem nicht.
Der Autor liefert eine nachvollziehbare mögliche Erklärung für dieses Verhalten.
Das Buch ist verständlich geschrieben mit anschaulichen Beispielen.
Es ist ein bisschen langatmig. Man könnte die Erklärung theoretisch auch auf wenigen Seiten zusammenfassen, aber dann wäre es ja kein Buch mehr.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Mann hat bei vielem Recht, aber.., 6. September 2008
Von 
Joroka (Darmstadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
....er bietet so gut wie keine Ideen zum Umgang mit den beschriebenen Problematiken an. Ein Ratgeber ohne Lösungsansätze?? Nun ja, indirekt kann man schon seine Schlüsse ziehen, aber ein gut durchdachtes Buch liegt hier meiner Meinung nach nicht vor. Zu viele Wiederholungen und Verallgemeinerungen. Dass jedoch ein Notstand an der "pädagogischen Front" herrscht, das mag ich umfassend unterschreiben. Natürlich gibt es auch extreme Formen der Vernachlässigung von Kindern in unserer Gesellschaft. Aber das umfassendere Problem ist das der "haltlosen" Kinder und Jugendlichen, die in ihrer Erziehung eben nicht die entwicklungsfördernden "Leitplanken" ihrer erwachsenen Bezugspersonen erleben durften und so meist recht orientierungslos durch ihren Alltag trudeln.
Michael Winterhoff beschreibt dies drastisch, fügt einige Fallbeispiele ein und hat seine 3 Grunderklärungsmuster für solch fehlgeleitete Entwicklung: Partnerschaftlichkeit, Projektion und Symbiose im Umgang der Eltern mit ihren Kindern. Doch auch im schulischen und erziehungshelferischen Bereich sieht er diese Mängel im Umgang mit Minderjährigen flächendeckend beim pädagogischen Personal.

Gut, wenn dieses Buch eine überfällige Diskussion mit anzuregen vermag, auch wenn es insgesamt eher massenwirksam polemisch geschrieben wurde, denn die Missstände, die dem Buch zugrunde liegen, könnten zu einem umfassenden gesellschaftlichen Problem heranwachsen (bzw. sind schon mitten auf dem Weg dorthin).
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amokläufer willkommen!, 2. Oktober 2009
Bei dem Buch handelt es sich um ein schlichtweg geniales, längst überfälliges Werk. Man braucht wirklich kein Psychologe zu sein, um zu erkennen, dass in unserer Gesellschaft und mit unserem Nachwuchs einiges im argen liegt. Sicher ist der Großteil der Kinder und Jugendlichen normal und nur wenige gefährliche Ausreißer darunter... nur leider nimmt dieser Prozentsatz ständig zu. In meinem Beruf erfahre ich dies jeden Tag am eigenen Leib und werde überwiegend mit den untengenannten 1-Stern-Kritikern konfrontiert. Es sind immer genau diese Leute, die es partout nicht auf die Reihe kriegen, ihre Kinder zu erziehen - Kinder dürfen Erwachsenengespräche nach Lust und Laune unterbrechen, an den Eltern herumklettern, aus Langeweile schreien, alles angrapschen, auf den Boden schmeißen, etc., alles was Kinder eben so machen - das Schlimme ist nur, dass die Eltern dies entweder hinnehmen oder sogar noch verstärken.

Es ist einfach lächerlich, wenn Eltern glauben, ihre Kleinkinder könnten selbst entscheiden, was sie wann lernen wollen. Wie soll sie das auf das spätere Leben vorbereiten und eine angemessene Frustrationstoleranz schaffen? Natürlich kommt ein solches Kind nicht mit der Gesellschaft klar, ist dauerfrustriert und flüchtet in Scheinwelten, in denen man nur mit lösbaren Problemen konfrontiert wird (z.B. PC, Playstation).

Woher kommt es wohl, dass das Niveau, das zu meiner Gymnasialzeit (bis 1993) schon nicht besonders hoch war, heute einfach nur noch lächerlich ist - und die Eltern das auch noch toll finden (die armen Kinder)? Wieso gab es zu meiner Zeit nicht einmal in den USA Amokläufe? Woher kommen die ganzen S-Bahn-Schläger und -mörder? Wieso boomen bei unseren "Eliten", den sog. Schönen und Reichen, die Privatschulen (an welchen genau die althergebrachten Ideale gelten).

Wer das Buch gelesen hat, bekommt zumindest einen Denkanstoß in die richtige Richtung. Der große Anteil an 1 und 2-Sterne-Kritikern und deren Argumenten ist fast schon beängstigend
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz nett, aber ich hätte mir mehr drunter vorgestellt, 20. Juli 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Buch gelesen und muss sagen, es ist ansich ganz gut geschrieben. Etliche Beispiele aus dem Alltag die so manch einem bestimmt sehr vertraut sind. Allerdings war es das dann auch irgendwie schon wieder.
Hier geht es wirklich ausschließlich um das "Warum". Es ist hilfreich für jene die bei dem Thema absolut im Dunkeln stehen, für Leute wie mich die sich auch schon gedanken über das "perfekte" Gleichgewicht zwischen Kindsein (mit Regeln und Grenzen) und Selbständigkeit gemacht haben steht aber nicht wirklich was neues drin.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Psychiatrische Analyse der Erziehungskatastrophe, 3. April 2010
In zwei Jahrzehnten Berufserfahrung als Kinderpsychiater hat Winterhoff festgestellt, dass psychische Reifestörungen bei Kindern dramatisch zugenommen haben. Waren früher zwei bis vier Kinder pro Schulklasse betroffen, so seien es heute zwei bis vier, die keine entsprechende Störung aufweisen! Die Fallbeispiele dürften bei jedem Leser, der mit Kindern zu tun hat, für manchen Aha-Effekt sorgen. Sehr wichtig ist die Beobachtung, ''dass wir es mit einer Verschiebung aller Maßstäbe zu tun haben, die wir an die Entwicklung von Menschen anlegen'' (S. 51). Was früher als Frechheit oder Unreife von Kindern gewertet wurde, gelte heute im Gegenteil als Zeichen von Reife und eines gesunden Selbstbewusstseins. Die Anforderungen sowohl an das Verhalten als auch an das Lernvermögen von Kindern und Jugendlichen sind in den letzten Jahrzehnten immer weiter heruntergesetzt worden: ''Die Analyseinstrumente vieler Experten passen sich in der Folge dieser Entwicklung an und erfassen damit viele bedenkliche Phänomene gar nicht mehr'' (S. 56). Das erinnert mich an die Dissertation von Dina Weindl, die bei Heavy-Metal-Anhängern besonders hohe Aggressionswerte feststellte und daraus den Schluss zog, die Aggressionsfragebögen müssten wohl überarbeitet werden, da sich die Normen inzwischen verändert hätten ...
Winterhoff zitiert eine Lehrerin, die bekennt, dass es offizielle Richtlinien gebe, ''die vorschreiben, wie viele Schüler eine Klasse bei einer Klassenarbeit unter dem Schnitt liegen dürfen. [...] Würden wir dieselben Maßstäbe [wie früher] anlegen, könnten so manche dieser Klassenarbeiten gar nicht gewertet werden'' (S. 60). Eine andere Lehrerin sagt, dass ihre Schüler ''im Schnitt mindestens eine ganze Schulnote besser benotet würden, als es ihren wahren Leistungen entspräche'' (S. 126).
Früher habe man Kinder ''intuitiv'' erzogen, sie eben als Kinder und nicht als kleine Erwachsene behandelt. In der modernen Erziehung dagegen seien drei fortschreitende Beziehungsstörungen zu diagnostizieren. Die erste ist Partnerschaftlichkeit, d.h. die Kinder werden wie Partner, wie Erwachsene behandelt, was auch bedeutet, dass sie mit nicht altersgemäßen Themen und Entscheidungen überfordert werden. Bei der zweiten Störung, der ''Projektion'', kommt es gar zu einer Unterordnung unter das Kind, dessen Bedürfnisse und Wünsche über die eigenen gestellt werden. Die Entwicklung gipfelt in der dritten Störung, der ''Symbiose'', bei der die Eltern ''ihre Psyche mit der ihres Kindes verschmelzen'' - gewiss keine leicht nachvollziehbare Beschreibung, die wohl eher symbolisch gesehen werden muss. Gemeint ist, dass Fehlleistungen der Kinder wie unbewusste Handlungen des eigenen Selbst betrachtet werden; der typische Elternsatz dazu ist: ''Das hat es (das Kind) nicht extra gemacht.'' Durch diese Beziehungsstörungen lernen die Kinder nicht, andere Personen als Menschen mit eigenen Bedürfnissen zu erkennen; es behandelt sie wie manipulierbare Gegenstände. Dadurch sind sie ''hochgradig beziehungsgestört sowie arbeitsunfähig, so dass eine Integration in die Gesellschaft schwierig bis unmöglich wird'' (S. 137).
Das Phänomen der psychischen Regression ist in der Literatur im Zusammenhang mit populärer, impulshaltiger Musik wohlbekannt; wobei man bei Kindern eher von einer verlangsamten oder stehengebliebenen Entwicklung, also einer Retardation bzw. Stagnation sprechen muss, denn eine Regression setzt ja voraus, dass eine höhere Stufe bereits erreicht war. Die von Winterhoff beschriebene Entwicklung ist relativ jung und begann vor etwa 15 bis 20 Jahren. Der Autor macht deutlich, dass es sich keineswegs mehrheitlich um Kinder handelt, die aus verwahrlosten Elternhäusern stammen. Als tiefe Ursache sieht Winterhoff vielmehr die aus dem Wohlstand unserer Zeit erwachsende ''Ziel- und Sinnlosigkeit des Alltags'', welche die Eltern dazu führe, sich ''auf die eigenen Kinder als Hoffnungsträger einer neuen Generation und als Sinnbild von Zukunft'' zu fokussieren; der Schritt zu ersten Beziehungsstörung, also die Kinder zu gleichberechtigten Partnern zu machen, sei dann ''fast zwingend'' (S. 176). Dieser Gedanke gewinnt vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um Hartz IV, ''spätrömische Dekadenz'' und Bürgergeld neu an Brisanz.
''Partnerschaftliche'' pädagogische Konzepte seien zu Beginn der 90er Jahre auch in Kindergarten und Schule entstanden, so dass diese als Korrektive elterlicher Fehlerziehung wegfielen. Die schwerwiegendste Beziehungsstörung, die Symbiose, sieht Winterhoff allerdings nur bei Eltern: ''die meisten Erzieherinnen und Lehrer sind maximal in einem Projektionsverhältnis'' (S. 186).
Wer nun glaubt, der Autor propagiere ein Zurück zur Prügelstrafe, der irrt. Vielmehr sieht er auch Gewalt gegen Kinder als Ausdruck der Symbiose. Da Kinder bei einem Fehlverhalten wie ein den Dienst versagender eigener Körperteil als ''funktionsuntüchtig'' betrachtet werden, versuche man dies durch eine Strafe, gegebenenfalls auch eine körperliche Strafe, zu beheben (vgl. S. 150); eine Interpretation, die mich nicht überzeugt; ebensowenig wie die Prognose, wir würden uns durch das zunehmende Fehlverhalten von Kindern auf dem Weg in ein Land befinden, ''in dem Kinder gehasst werden'' (S. 151). Vielmehr befinden wir uns eindeutig in einer gegenteiligen Entwicklung, wie unter anderem die Vorstöße, Kinderlärm als ''sozialadäquat'' zu legalisieren, belegen.
Ein wirkliches pädagogisches Rezept gibt der Autor nicht, will es auch (noch) nicht geben, da niemandem damit gedient sei, ''sich einer vermeintlich simplen Lösungsstrategie für ein Problem zu bedienen, wenn er die Hintergründe und Grundlagen für dieses Problem nicht verstanden hat'' (S. 191).
Unterstützen nun Winterhoffs Erkenntnisse die Behauptung, der Werteverfall habe mit der Erziehung zu tun, nicht mit der Verbreitung populärer Musik über die Massenmedien? Keineswegs. Zunächst ist entgegenzuhalten, dass die erste Generation des Werteverfalls noch traditionell erzogen wurde. Die großen negativen Veränderungen in der Gesellschaft fanden statt, bevor die von Winterhoff diagnostizierte Zunahme der psychischen Reifestörungen begann. Die Kriminalität hatte beispielsweise schon in den frühen 1990er Jahren ihren Höhepunkt erreicht (mit Ausnahme der jugendlichen Gewaltkriminalität, die dank Rap/HipHop weiter anstieg). Wir haben es also mit einem relativ jungen Phänomen zu tun, das die These von populärer Musik als Hauptursache des Wertewandels in keiner Weise schwächt. Des weiteren ist zu bedenken, dass die Eltern- und Pädagogengeneration, die für die von Winterhoff beobachteten Entwicklungen mitverantwortlich ist, selbst durch Pop und Rock geprägt wurde. Wichtig ist ferner, dass es hier um Störungen geht, die bereits im frühesten Kindesalter angelegt werden; und es ist zu beobachten, dass gerade in dem von Winterhoff überblickten Zeitraum die populäre Musikbranche immer jüngere Zielgruppen für sich erschloss. So werden z.B. seit einigen Jahren HipHop-Kurse für Fünf- und Sechsjährige angeboten, und der ''Beat'' der populären Musik hat Einzug in Kindersendungen des Fernsehens und ''neue Kinderlieder'' à la Rolf Zuckowski gehalten. Die regressive bzw. psychisch retardierende Kraft der populären Musik dürfte also neben den Erziehungsfehlern eine weitere Ursache der von Winterhoff beschriebenen Phänomene sein.
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30 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mut zur Erziehung, 2. Juli 2008
Als Studienreferendar bin ich täglich mit unterschiedlichsten Charakteren von Schülern im Alter von 15 - 25 Jahren konfrontiert. Das vorliegende Buch hat mich in meiner bisherigen Haltung bestärkt, Auffälligkeiten und Störungen von Seiten der Schüler nicht als krankhafte Störungen (ADHS o.ä.) bzw. als Böswilligkeit der Schüler zu sehen, sondern schlicht als Entwicklungsdefizite. Zur irgendeinem bestimmten Zeitpunkt (der Hirnforscher Manfred Spitzer spricht von Zeitfenstern) wurde dem betreffenden Kind eine bestimmte psychische Funktion nicht eintrainiert, z.B. Frustrationstoleranz.
Die Tendenz unserer Zeit sieht so aus, dass immer mehr der Eltern, Erzieher und Lehrer sich diagnostizierend zurücklehnen und die Verantwortung weiterreichen, anstelle mit einfachsten erzieherischen Maßnahmen, die selbstverständlich die Persönlichkeit des Kindes respektieren, das Problem beheben. Wenn natürlich Erzieher und Lehrer in ihrer erzieherischen Tätigkeit von allen Seiten kritisiert und beschnitten werden, ist die gegenwärtige Entwicklung zwangsläufig.
So wird überall von Symptomen auf Diagnosen geschlossen von Menschen, die dazu weder befugt noch befähigt sind, sondern lediglich Inhaber von Bibliotheksausweisen und alle Bücher über ADHS gelesen haben.
Teilweise noch nicht einmal gelesen, sondern man kennt jemand, der jemand kennt, der ein betroffenes Kind hat usw. blablabla.
Wie leicht ist es ja auch, aus den beschriebenen Problemen eine Krankheit zu entwickeln, somit muß sich niemand schuldig fühlen, denn gegen eine Krankheit kann man ja nichts unternehmen, ausser natürlich mit Medikamenten die Kinder schrittweise an den Drogenkonsum heranzuführen.
Solange ich kein Mediziner bin, ausgebildeter Psychologe, Psychoanalytiker, Therapeut usw. würde ich mir nie anmaßen, Diagnosen über krankhafte Zustände von Kindern abzugeben, so wie das heute in Mode gekommen zu sein scheint, nur um von eigenem erzieherischem Unvermögen abzulenken.
Als medizinischer Laie kann ich all die Fachmeinungen eben nur als Meinung wahrnehmen, und mir daraus meine eigene Meinung bilden.
Insgesamt halte ich das Buch für richtig und wichtig,ob nun der Schreibstil gelungen ist oder nicht, sollen die Germanistik-Kollegen entscheiden.
Insgesamt ist festzustellen, wer darüber enttäuscht ist, dass es sich bei dem Buch nicht um einen Ratgeber handelt, ist wahrscheinlich auch schon auf das Buch "Reich in vierzig Tagen" reingefallen bzw. glaubt, nach Absolvieren aller "Guitar Hero"-Lektionen (neues Spiel für die Konsole Wii) ein Rockstar zu sein. In diesem Sinne schließe ich mich dem Groß der Rezensionen der Eltern an, die intuitiv "richtig" erziehen (wobei auch Fehler passieren dürfen), ohne "Eltern"-Abonnement oder den Schrank voller besserwisserischer Erziehungslektüre zu besitzen.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Wachrüttler der heutigen Gesellschaft, 11. April 2010
Das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden, oder: Die Abschaffung der Kindheit" von M. Winterhoff überzeugt mich auf (fast) ganzer Linie.
Seine Argumentation ist sehr gut, plausibel, einleuchted und durch Beispiele gut erklärt.

Lediglich die Stimmung, die er mit diesem Buch verbreitet, ist etwas beängstigend und meines Erachtens eher unangebracht. Winterhoff spricht von Kindern, die von ihren Eltern missbraucht werden; Kinder, die ihre Eltern instrumentalisieren, etc. Mit keinem Wort erwähnt er, wieviele Kinder und Erwachsene nun davon betroffen sind. Es scheint, als ob alle 12 Millionen Kinder in Deutschland davon betroffen wären. Durch die Arbeit mit Kindern verschiedenster Altersklassen kann ich sagen, das dem nicht so ist. Nicht alle Kinder sind "Tyrannen".

Ich freue mich darauf, sein nächstes Buch zu lesen: "Tyrannen müssen nicht sein". Ich hoffe, dass er wenigstens dort Eltern und Pädagogen einige Ratschläge zum Ungang mit schwierigen oder "frechen" Kindern gibt. Ohne Ratschlag ist ein solches Buch mehr oder weniger sinnlos, da es nur eine Faktendarstellung abgibt.
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43 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Buch mit blinden Flecken!, 15. September 2008
Von 
M. Maierhofer (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Flüssig lesbar und angereichert mit teils erschreckenden Beispielen aus der eigenen therapeutischen Praxis entfaltet Winterhoff die recht bodenständige, in weiten Kreisen gewiss konsensfähige und somit durchaus auch bestsellertaugliche These seines Buches:

Unsere Kinder haben sich in den letzten dreißig Jahren zunehmend zu beziehungsunfähigen kleinen '"Prinzen, Monstern und Tyrannen'" entwickelt. Aus welchem Grund? Allseits überforderte Eltern, Großeltern, ErzieherInnen und Lehrkräfte kompensieren die eigene Unsicherheit und Orientierungslosigkeit, indem sie Kinder auf die Ebene gleichberechtigter kleiner Partner erheben und es dabei versäumen, ihnen klare Grenzen zu setzen. Sie überfordern damit aber die kindliche Psyche und bringen sie um die entwicklungspsychologisch wichtige Phase des Erwerbs einer gewissen Frustrationstoleranz, die für ein funktionierendes gesellschaftliches Miteinander unerlässlich ist. So treffend Winterhoffs Beobachtungen zunächst auch erscheinen mögen: Seine Analyse entgleitet ihm sukzessive zu einer globalen Pathologisierung der Gesellschaft. Zumindest langfristig steht uns ein "Zusammenbruch gesellschaftlicher Strukturen" bevor!

Bedauerlich, dass es dem Autor '- entgegen seinem ausdrücklichen Vorsatz '- nicht gelingt, innerhalb der Grenzen seines Fachbereichs zu verbleiben. Denn mit seinen reichlich pauschalisierenden politischen Statements (gegen die 68-er, gegen die Globalisierung, gegen die moderne Informationstechnologie) positioniert er sich innerhalb eines konservativen Wertehorizontes, den man in solch rudimentärer Ausformung bestenfalls als rückständig bezeichnen kann.

Winterhoffs Analyse bleibt dagegen blind für eines der naheliegendsten und aktuellsten gesellschaftspolitischen Problemfelder, das sich aus seinen Praxisbeobachtungen ableiten läßt: Die Frage nach der Präsenz beider Elternteile im Rahmen der Erziehung. Zwar ist bei ihm immer wieder pauschal von '"Eltern'" die Rede, es fällt jedoch auf, dass es in sämtlichen konkreten Praxisbeispielen Mütter sind, die mit ihren Kindern in den therapeutischen Sitzungen erscheinen und deren erzieherisches Versagen beleuchtet wird. Auch sein Bildungsuniversum ist ausschließlich von überforderten 'Erzieherinnen' und 'Lehrerinnen' bevölkert. Die Frage, ob Frauen und Mütter mit ihrer '"natürlichen Aufgabe'" etwa zunehmend alleine gelassen werden, und ob ihre Überforderung nicht etwa von den allseits feststellbaren Doppel- und Dreifachbelastungen herrührt, stellt sich Winterhoff in keinem Satz! Sind es nicht diese Fragen, denen man sich eigentlich stellen müsste, in Zeiten, in denen die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau unaufhaltsam an Verbindlichkeit verliert?
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Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit
Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit von Michael Winterhoff (Audio CD - 19. Januar 2009)
EUR 7,99
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