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49 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klarer gehts nicht!
Endlich wird mal klar und deutlich die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern erklärt und wie wichtig es ist, dass ein Kind Kind sein darf. Dies kann nur geschehen, wenn die zu erziehende Person die Verantwortung auf sich nimmt und dem Kind altersangemessene Strukturen gibt. In diesem Buch wird klar, dass es eben nicht schädlich für das Kind ist ihm...
Veröffentlicht am 16. Dezember 2009 von K., Yvonne

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77 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Solche Bücher müssen nicht sein ...
Winterhoffs "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" ist ein beängstigend erfolgreiches Buch. Es hat bis dato über 200 Kundenbesprechungen auf Amazons Homepage erfahren und ist zu einem Beststeller unter den Erziehungsratgebern des letzten Jahrzehnts geworden. Halt: Es wollte ja kein Erziehungsratgeber sein! Auch Band 2 der Winterhoff'schen Kinderanalyse sperrt...
Veröffentlicht am 8. Oktober 2010 von J. Streif


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49 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klarer gehts nicht!, 16. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Endlich wird mal klar und deutlich die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern erklärt und wie wichtig es ist, dass ein Kind Kind sein darf. Dies kann nur geschehen, wenn die zu erziehende Person die Verantwortung auf sich nimmt und dem Kind altersangemessene Strukturen gibt. In diesem Buch wird klar, dass es eben nicht schädlich für das Kind ist ihm (liebevoll) Grenzen zu setzen und klar zu definieren, wo das Kind steht und wo der Erwachsene.
Interessant ist auch, welche Beziehungsmuster, die so liebevoll zu sein scheinen, ausgesprochen schädlich für die psychische Entwicklung des Kindes sind. Diese Buch sollte Pflichtlektüre für alle Erziehungspersonen sein.
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85 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen durch dieses Buch ist bei uns mehr Ruhe in den Alltag gekommen, 26. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
wir verbieten unserem Sohn jetzt früher manche Dinge, die wir sonst mit vielen Argumenten versucht haben zu erklären und sein Einverständins und damit eine friedliche /harmonische Stimmung zu erreichen - das Gegentail war der Fall: unser Sohn war öfter lange wütend oder unzufrieden. Jetzt machen wir eher einfach wie wir'S für richtig halten auch wenn es gründlich gegen seinen Willen ist; was unseren Sohn aber offensichtlich eher ruhiger und zufriedener gemacht hat; wenn wir ihm deutlich die Grenzen zeigen, nimmt er davon sichtilich keinen Scahden - sonst käme er wohl kaum singend aus seinem Zimmer, wenn wir trotz seines Protests auf dem Einhalten einer Regel bestehen; er kann mit Frustrationen wesentlich besser umgehen; die ewige Diskutiererei (Partnerschaftlichkeit) hat viele Nerven gekostet, weil es in jeder Situation von vorne losging. jetzt muss man einiges 1x "durchstehen" aber wir werden in der nächsten Situation nicht wieder in eine Dikussion verwickelt, weil er gelernt hat, dass es Dinge gibt, die "einfach so sind" oder die wir so machen, weil wir die ELtern sind PUNKT.
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79 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufrüttelnde Beschreibung einer dramatischen Entwicklung - Haltung für Halt!, 27. Januar 2009
Von 
Detlef Rüsch "detlefruesch" (Landshut, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (#1 HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Wer verändern will, der gebraucht manchmal anstoßende Begriffe und Formulierungen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Beim neuesten Buch des Kinderpsychiaters Michael Winterhoff gelingt ihm wieder mit seiner klaren Art, auch unbequeme Thesen und Analysen aufzustellen. Ob als Eltern, Pädagoge/-in oder Therapeut/-in und hoffentlich auch als Politiker/-in wird man hier wachgerüttelt und auf eine unglückliche Entwicklung der Kinder bzw. in ihrer Erziehung aufmerksam gemacht.
Nach einem kurzen Überblick über die Entdeckung der Kindheit" beschreibt der Autor vier Konzepte, nach denen in unserer Gesellschaft Kinder gesehen werden:
1. Kind als Kind"
2. Kind als Partner"
3. Ich will vom Kind geliebt werden"
4. Das Kind ist Teil meiner selbst"
In einer Mischung aus entwicklungspsychologischen, kinderpsychiatrischen und pädagogischen Erkenntnissen macht Winterhoff deutlich, wie selten Kinder tatsächlich als Kinder gesehen werden.
Ob Zuhause, im Kindergarten oder im Schulbereich (das sind die Erlebensbereiche, aus denen Winterhoff seine vielen, situativ beschreibenden Beispiele herausnimmt): der Alltag vieler Kinder ist davon geprägt, dass sie nicht klaren Erwachsenen gegenüber stehen, sondern auf Menschen treffen, die eine Partnerschaft mit den Kindern leben wollen - unabhängig der jeweiligen Entwicklungsstufe". Aus dieser gestörten Beziehung erwachse eine gestörte Kommunikation zwischen Lehrern/-innen und Schülern/-innen bzw. Eltern, zwischen (Groß-) Eltern und Kindern sowie auf der Paarebene. Aber ebenso sei in Kindergärten und in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe oftmals ein fatales Verständnis von Partnerschaft mit dem Kind zu sehen, welches vielfach die Verantwortung (der Erwachsenen) den Kindern überlasse. Was als Selbstbestimmung der Kinder daherkomme, sei oftmals eher ein überforderndes sich selbst überlassen.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen geht Michael Winterhoff noch auf die Auswirkungen der Tempobeschleunigung auf das Zusammenleben und die Psyche" ein und gibt richtungsweisende Auswege vor, wie mit Beziehung und Struktur eine neue Balance im Generationenverhältnis hergestellt werden kann und welche Erfordernisse auf privater, öffentlicher und politischer Ebene notwendig sind.
Wer hier einen Erziehungsratgeber schlechthin mit vielen Details vermutet, wird überrascht sein; denn es geht dem engagierten Autor vor allem um eine Veränderung in der Haltung gegenüber Kindern, ohne wieder in das Zeitalter autoritärer Extreme zu verfallen. Diese Haltungsänderung würde den Kindern wieder mehr Halt geben.
Leider fehlen in dem Buch sowohl Stichwortverzeichnis als auch ein zusammenfassendes Literatur- bzw. Quellenverzeichnis. Ansonsten aber wird die unbequeme und doch gut lesbare Lektüre Einspruch und Widerspruch hervorrufen und so mancher Ausspruch wird Anstoß erwecken.
Wenn dies geschieht und die nach dem Lesen des ganzen Buches ohne Polemik geführte Diskussion sich bis in die Elternhäuser und pädagogischen Institutionen ausweitet, dann ist den Kindern und den ihnen verantwortlichen Personen wirklich geholfen!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zum Nachdenken und Beobachten anregendes Buch, 31. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Als Dipl.-Psych. und Mutter von zwei Kindern habe ich mich immer für Erziehung interessiert und mich sehr umfangreich mit den Gedanken und Konzepten von Erziehern in Kindergärten und Schulen sowie anderen Eltern auseinandergesetzt. Mich hat immer interessiert, wie die Erfahrungen und Gedanken anderer Menschen sind, die pädagogisch arbeiten. Von professionellen berufserfahrenen Pädagogen habe ich anschaulich berichtet bekommen, dass die Arbeit mit Kindern über die Zeit schwieriger geworden sei, da viele Kinder keine Regeln akzeptieren würden, zu viel Fernseh gucken (auch Filme, die nicht altersgemäß sind) und Szenen des Gesehenen nachspielen, was zu größeren Verletzungen führt, da die Kinder Fiktion und Realität noch nicht gut unterscheiden können. Zudem haben sie weniger Achtung vor anderen und deren Eigentum, können sich weniger ruhig verhalten und konzentrieren, sind motorisch schlechter entwickelt und zeigen sich gegenüber Regeln ablehnend. Das Gespräch mit den Eltern sei schwieriger geworden, da sie das Verhalten ihrer Kinder meistens schützen, bagatellisieren oder sich auf den "Schlips getreten" fühlen. Ein konstruktiver Austausch sei sehr schwierig geworden.

Mich hat das Buch von Winterhoff angeregt, stärker noch als bisher die Augen zu öffnen und herauszufinden, warum sich viele Kinder heutzutage so unangemessen verhalten. Und wenn ich Eltern, Kinder und Pädagogen in Interaktionen beobachte, so erhalte ich viele Bestätigungen der Thesen von Winterhoff. Ich danke ihm für dieses Buch, hat es mir doch weitere Anregungen gegeben, Diskussionen und Gespräche mit anderen Eltern und Pädagogen auch hinsichtlich der Beobachtungen von Winterhoff zu führen. Für mich ist es immer wichtig gewesen, weniger auf z. B. momentanes unangemessenes Verhalten von Kindern zu achten (da sich Kinder in der Entwicklung befinden und vieles - wie wir eigentlich auch - noch lernen müssen), sondern darauf zu achten, was Eltern in einem solchen Fall tun. Und da erlebe ich zum Teil erschütternde Szenen, die sich mit Winterhoffs Erklärungsansätzen sehr gut beschreiben lassen und die Eltern und Pädagogen in den Fokus rücken.
Wie oft habe ich erlebt (ein vielleicht für manche banales Beispiel), dass aus einem liebevollen "Nein, Du kannst heute nicht bei Deinem Freund übernachten" nach endlos langer Diskussion ein ängstliches "Na gut, ich spreche mal mit dem Papa oder der Mama." und dann ein sich ergebendes : "O.k., wenn Du Dich dann beruhigst." wird. Wer die Welt beobachtet und sich mit Erziehenden bespricht, kann die Erklärungsansätze von Winterhoff tatsächlich bestätigt finden.

Es handelt sich nicht um Grusellektüre :-) - das Buch regt zum Nachdenken Diskutieren an.
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147 von 173 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auswege aus dem Regelkreis, in dem Erwachsene ihre Kinder nicht wirklich Kind sein und dann nicht erwachsen werden lassen, 28. Januar 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Das erste Buch Michael Winterhoffs mit dem Titel "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" ist nicht nur gut verkauft worden, sondern seine Rezeption war sehr kontrovers. Was in der Regel zeigt, dass der Autor wichtige und auch wahre Dinge angesprochen hat. Jedenfalls hat sein Buch, das kann man sagen, die Diskussion angestoßen, und den einen oder anderen auch auf mit weniger reißerisch daherkommenden Titeln publizierende Autoren wie etwa Jesper Juul aufmerksam gemacht.

Nun liegt, lange schon angekündigt, sein zweites Buch vor mit dem Untertitel "Warum Erziehung nicht reicht. Auswege". Hier erläutert er noch einmal die verschiedenen Beziehungskonzepte von Eltern: Partnerschaft, Projektion und Symbiose, in denen, in der Regel unbewusst, Erwachsene ihre Beziehung zu Kindern leben. Beziehungsstörungen nennt er diese Konzepte im ersten Buch und zeigt hier wie dort auf, welche verhängnisvollen und beklagenswerten Folgen dies für die Entwicklung der Kinder hat.

Das neue Buch stellt neben die Analyse des Problems die Suche nach Auswegen und kommt auch weniger anklagend daher. Erziehung allein, so sehr sie auch überall fehlt und manches Mal geradezu vermieden bzw. diffamiert wird, wie ich finde ( vgl. dazu kritisch die Bücher von Bernhard Bueb, "Lob der Disziplin" und "Von der Pflicht zu führen") reicht nicht aus. Sie muss in der Familie, im Kindergarten und der Schule zur Be-Ziehung werden, sollen die Kinder zu reifen und autonomen Erwachsenen heranwachsen. "Kinder müssen Kinder sein dürfen und Erwachsene müssen Erwachsene sein wollen", so nennt Winterhoff die Aufgabenstellung. Dabei ist eines vorrangig nötig:
"Kinder brauchen in der Schule und im Kindergarten genauso wie im Elternhaus Struktur, weil Struktur Halt gibt. Neben überschaubaren Abläufen (und Ritualen, wie sich der Rezensent erlaubt hinzuzufügen) gehört dazu beispielsweise auch eine sehr persönliche Ansprache des einzelnen Schülers durch den Lehrer. Es ist äußerst wichtig, als Lehrer seine Schüler gezielt auf sich zu beziehen. Aus meinen bisherigen Ausführungen ist auch klar ersichtlich, warum das so wichtig ist. Denn es geht auch hier nicht um Er-Ziehung, sondern und Be-Ziehung."

Dem Buch und seinen Thesen, die so auch schon von anderen formuliert wurden (vgl. Jesper Juul und auch Bernhard Bueb etwa) ist zu wünschen, dass sie nicht nur kontrovers (weg)diskutiert werden, sondern dass sie einsickern in die Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten und Schule, die Beratungsstellen und Jugendämter und die politischen Entscheidungsgremien. Denn viele Erwachsene, die Eltern geworden sind, brauchen Hilfestellungen und Angebote, um in ihre Rolle wirklich hineinzuwachsen und den Regelkreis zu unterbrechen, der seit Jahrzehnten beobachtet werden kann: nicht wirklich reife und erwachsene Männer und Frauen können Kindern nicht wirklich Erzieher und Vorbild sein. Die Kinder ihrerseits werden nicht wirklich erwachsen, lernen keine Disziplin und Verantwortung zu übernehmen und geben dies, wenn sie dann überhaupt welche bekommen wollen, diese unreifen Haltungen und Werte wieder an ihre Kinder weiter.

Im Kindergarten meines Sohnes David (5), in dem ich durch eine wöchentliche "Lesezeit" mithelfe, die Sprachkompetenz und die Leselust der Kinder zu fördern, kann man gut beobachten, wie das durch das Engagement von Eltern und Erzieherinnen gut funktionieren kann. Wenn sich das dann auch in die Grundschule fortsetzt, kann die Entwicklung vielleicht für die Kinder und ihre Familien wirklich nachhaltig sein.

Wir dürfen als Gesellschaft unsere Kinder nicht einem unreifen Schicksal überlassen, müssen sie als Kinder Kind sein lassen, und den Erwachsenen helfen, ihre Rolle zu finden. Ein langer Prozess, der nötig ist und sich lohnen wird, davon bin ich als Vater überzeugt.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das neue Buch stellt neben die Analyse des Problems die Suche nach Auswegen und kommt auch weniger anklagend daher, 19. Mai 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Das erste Buch Michael Winterhoffs mit dem Titel "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" ist nicht nur gut verkauft worden, sondern seine Rezeption war sehr kontrovers. Was in der Regel zeigt, dass der Autor wichtige und auch wahre Dinge angesprochen hat. Jedenfalls hat sein Buch, das kann man sagen, die Diskussion angestoßen, und den einen oder anderen auch auf mit weniger reißerisch daherkommenden Titeln publizierende Autoren wie etwa Jesper Juul aufmerksam gemacht.

Nun liegt, lange schon angekündigt, sein zweites Buch vor mit dem Untertitel "Warum Erziehung nicht reicht. Auswege". Hier erläutert er noch einmal die verschiedenen Beziehungskonzepte von Eltern: Partnerschaft, Projektion und Symbiose, in denen, in der Regel unbewusst, Erwachsene ihre Beziehung zu Kindern leben. Beziehungsstörungen nennt er diese Konzepte im ersten Buch und zeigt hier wie dort auf, welche verhängnisvollen und beklagenswerten Folgen dies für die Entwicklung der Kinder hat.

Das neue Buch stellt neben die Analyse des Problems die Suche nach Auswegen und kommt auch weniger anklagend daher. Erziehung allein, so sehr sie auch überall fehlt und manches Mal geradezu vermieden bzw. diffamiert wird, wie ich finde ( vgl. dazu kritisch die Bücher von Bernhard Bueb, "Lob der Disziplin" und "Von der Pflicht zu führen") reicht nicht aus. Sie muss in der Familie, im Kindergarten und der Schule zur Be-Ziehung werden, sollen die Kinder zu reifen und autonomen Erwachsenen heranwachsen. Kinder müssen Kinder sein dürfen und Erwachsene müssen Erwachsene sein wollen", so nennt Winterhoff die Aufgabenstellung. Dabei ist eines vorrangig nötig:
"Kinder brauchen in der Schule und im Kindergarten genauso wie im Elternhaus Struktur, weil Struktur Halt gibt. Neben überschaubaren Abläufen (und Ritualen, wie sich der Rezensent erlaubt hinzuzufügen) gehört dazu beispielsweise auch eine sehr persönliche Ansprache des einzelnen Schülers durch den Lehrer. Es ist äußerst wichtig, als Lehrer seine Schüler gezielt auf sich zu beziehen. Aus meinen bisherigen Ausführungen ist auch klar ersichtlich, warum das so wichtig ist. Denn es geht auch hier nicht um Er-Ziehung, sondern und Be-Ziehung."

Dem Buch und seinen Thesen, die so auch schon von anderen formuliert wurden (vgl. Jesper Juul und auch Bernhard Bueb etwa) ist zu wünschen, dass sie nicht nur kontrovers (weg)diskutiert werden, sondern dass sie einsickern in die Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten und Schule, die Beratungsstellen und Jugendämter und die politischen Entscheidungsgremien. Denn viele Erwachsene, die Eltern geworden sind, brauchen Hilfestellungen und Angebote, um in ihre Rolle wirklich hineinzuwachsen und den Regelkreis zu unterbrechen, der seit Jahrzehnten beobachtet werden kann: nicht wirklich reife und erwachsene Männer und Frauen können Kindern nicht wirklich Erzieher und Vorbild sein. Die Kinder ihrerseits werden nicht wirklich erwachsen, lernen keine Disziplin und Verantwortung zu übernehmen und geben dies, wenn sie dann überhaupt welche bekommen wollen, diese unreifen Haltungen und Werte wieder an ihre Kinder weiter.

Im Kindergarten meines Sohnes David (5), in dem ich durch eine wöchentliche Lesezeit" mithelfe, die Sprachkompetenz und die Leselust der Kinder zu fördern, kann man gut beobachten, wie das durch das Engagement von Eltern und Erzieherinnen gut funktionieren kann. Wenn sich das dann auch in die Grundschule fortsetzt, kann die Entwicklung vielleicht für die Kinder und ihre Familien wirklich nachhaltig sein.

Wir dürfen als Gesellschaft unsere Kinder nicht einem unreifen Schicksal überlassen, müssen sie als Kinder Kind sein lassen, und den Erwachsenen helfen, ihre Rolle zu finden. Ein langer Prozess, der nötig ist und sich lohnen wird, davon bin ich als Vater überzeugt.
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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen von Tyrannen umzingelt, 9. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Ich unterrichte seit über 20 Jahren an Lernbehinderten-Klassen. In den letzten Jahren sind meine Anordnungen nicht mehr angekommen. Alles wurde verhandelt, diskutiert und abgewertet. Durch das Buch "Tyrannen müssen nicht sein" sind mir die Augen geöffnet worden für die Problematik der jungen Generation. Sie sind nicht "entwickelt" um mit Frustrationen, Verweisen, Warten müssen, Zurückstehen umzugehen. Ihre Eltern haben das Bedürfnis, von ihnen geliebt zu werden. Deshalb sind sie nicht Erzieher sondern Partner ihrer Kinder. Dies ist ein Missbrauch und eine Überforderung! Dies in ganz kurzen Worten der Inhalt des Buches, welches sehr kurzweilig, mit Beispielen untermalt geschrieben ist. Empfehlenswert!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht.., 8. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Thesen und Untersuchungen des Autoren stimmen mit meinen Erfahrungen überein.
Sehr empfehlenswert!! für Eltern, Erzieher, soz.-päd. Berufe, Institutionen in therapeutischen Einrichtungen, Lehrer!
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Winterhoff schreibt Tacheles.... Kinder als Kinder sehen !, 20. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Wir haben einen mittlerweile acht jährigen kleinen "Tyrannen" zu Hause. Uns hat das Buch sehr geholfen, uns noch stärker zu hinterfragen. Was haben wir als "moderne" Eltern mit der Geburt unseres ersten Sohnes nicht alles gelesen, besprochen, uns Konzepte angehört, alles in der Liebe, es besser als unsere Eltern in den "spießigen" 70er Jahren zu machen. Das Ergebnis der gewährten "Freiräume", des "Einbeziehens" in unsere Erwachsenenwelt war in der Tat ein kleiner "Tyrann", aus "guten Verhältnissen". Die Erkenntisse, den Spiegel, den Winterhoff uns da vorhält, absolut hilfrich. Lösungen, also "Auswege" (Untertitel) im Sinne von ausdrücklichen Handlungsbeispielen, wie wir, oder auch Lehrer vor Klassen mit "kleinen Tyrannen" (die uns sehr vetraut scheinen)und somit aus dem nun mitverursachten Dilemma, wieder rauskommen, bietet er indes wenig an. Einzig eben, Umdenken, Kind als Kind sehen, frei nach dem Motto: "Der Weg ist das Ziel" und dafür ist es nie zu spät. Wir sind nun auf dem Weg....
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77 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Solche Bücher müssen nicht sein ..., 8. Oktober 2010
Von 
J. Streif (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. (Gebundene Ausgabe)
Winterhoffs "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" ist ein beängstigend erfolgreiches Buch. Es hat bis dato über 200 Kundenbesprechungen auf Amazons Homepage erfahren und ist zu einem Beststeller unter den Erziehungsratgebern des letzten Jahrzehnts geworden. Halt: Es wollte ja kein Erziehungsratgeber sein! Auch Band 2 der Winterhoff'schen Kinderanalyse sperrt sich im Untertitel gegen die Gleichsetzung mit anderen laienpädagogischen Publikationen. Immerhin ist sein Bekenntnis zur Belehrung offenkundig geworden, verspricht der Autor doch "Auswege" aus dem selbstgeschaffenen Dilemma, dass Erziehung nicht gegen die Folgen ungenügender Erziehung helfen soll.

Um es vorweg zu nehmen: "Tyrannen müssen nicht sein" ist besser als sein Vorgänger. Vielleicht hat die Grundhaltung, im zweiten Anlauf ein Heilmittel gegen den tödlichen Kulturpessimismus der ersten Schöpfung anzubieten, den Autor toleranter gemacht - ein bisschen menschenfreundlicher und optimistischer. Vielleicht auch haben Lektor und Verlag die historisch erprobte Strategie umgesetzt, dem Weltuntergangsszenario einen widerwilligen Propheten nachfolgen zu lassen, der desto glaubhafter erscheinen muss, weil er sich ein bisschen ziert. Immerhin kann man nun einigen Passagen insoweit folgen, als Erziehung veränderlich und die psychosoziale Entwicklung von Kindern gestaltbar ist. Noch immer spricht Winterhoff allerdings von "psychischer Reife", als ob das individuelle Selbstverständnis wie Bananen in der Ethylenkammer unserer Gesellschaft alterte. Aber er nennt nun wenigstens einige zentrale Aspekte einer günstigen Erziehungshaltung, zum Beispiel "dass das Kind die Reaktionen der Eltern auf dem Boden der Beziehung Vater-Kind oder Mutter-Kind mit Affekt begleitet erlebt" (S.26), wenngleich ohne Verweis auf prominente Autoren wie John Gottman, der über das "Emotion Coaching" bereits umfangreich forschte und publizierte.

Ein Hauptmangel auch des zweiten Werks bleibt, dass Winterhoff allenfalls über marginales Wissen in der Entwicklungspsychologie verfügt und daher reihenweise falsche Aussagen insbesondere zur frühkindlichen Entwicklung macht. Nichteinmal Piaget hätte ernsthaft behauptet, dass das Schreien die einzige Ausdrucksform eines Säuglings bis zum Alter von zehn Monaten sei (vgl. S.30). Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien der letzten einhundert Jahre befasste sich mit dem differenzierten Entstehen eines individuellen Selbstverständnisses des Kindes, mit dem es sich von seiner Umgebung zu unterscheiden lernt, doch Winterhoff behauptet, das Kind würde "bis etwa zum Alter von zweieinhalb Jahren in einer Phase verbleiben, in der es respektlos gegenüber seiner menschlichen Umwelt ist, da es sich alleine auf der Welt wähnt" (S.31). Dreijährige gehen für Mama aufs Klo und Fünfjährige werfen nur für Papa den Müll in die Tonne - der Autor hat doch laut Klappentext selbst zwei Kinder, scheinbar aber jeden Blick ins Kinderzimmer vermieden, wo bereits Kleinkinder den Dingen um sie herum eine eigene Ordnung geben.

Ein humoristisches Bonbon für alle Eltern nicht-autistischer Kinder: "Etwa ab dem 14. Lebensjahr ist es Jugendlichen möglich, Fehler und Schwachpunkte bei anderen Menschen zu erkennen. Sie merken jetzt genau, wann Mitschüler, Freunde oder Lehrer sich falsch verhalten. Ab 15 gilt das ebenfalls im Bezug auf die eigenen Eltern, und erst mit 16 Jahren erkennt der Jugendliche diese Fehler auch bei sich selbst." (S.35) Nun wird Ihnen als Eltern, Lehrern und Erziehern endlich offenbar, warum der Sechsjährige trotz ihrer Erziehungsbemühungen überzufällig häufig die Öffentlichkeit des Supermarktes für Wutanfälle nutzt, der Achtjährige sich über den stotternden Klassenkameraden lustig macht und die Zehnjährige die Ursache allen Streits im Hort auf den bösen Kevin mit der ADHS-Diagnose schiebt: Weil die armen Kinderchen es nicht besser wissen! Winterhoff hat damit zugleich für die Anhebung der Strafmündigkeit auf 16 Jahre votiert, denn ist es nicht unrecht, einen Menschen für sein Handeln zu verurteilen, der die eigenen Fehler nicht zu erkennen vermag?!

Ähnlich verwegen sind seine Ausführungen zum "Kindheitsbegriff im Wandel der Zeiten" (S.36ff.). Ausführlich zitiert er Philippe Ariès, auf dessen Hauptwerk "L'Enfant et la vie familiale sous l'Ancien Régime" - im Deutschen großzügig als "Geschichte der Kindheit" übersetzt - der Titel von Winterhoffs erstem Buch anspielt. Dass sich in den 50 Jahren seit Erscheinen von Ariès philologischer Studie eine Armada von Soziologen und Historikern mit den vielfach sozialgeschichtlich nicht haltbaren Aussagen auseinandersetzte bzw. diese akzentuierte, ging an Winterhoff vorbei. Alle Gesellschaften hatten und haben einen funktionalen Begriff von Kindheit, der das Kindsein nach Bedarf ausweitet oder einengt. Lügen wir uns nicht in die eigene Tasche: Es sind ja nicht die Kinder und Jugendlichen selbst, welche Themen wie PISA-Studie und Lehrstellenmangel, Erziehungsnotstand und Jugendkriminalität auf die Tagesordnung der politischen wie auch medialen Verwertung bringen! Da ist es fast schon rührend, wie naiv Winterhoff schreibt: "Eben deshalb sehe ich hinsichtlich des Kindheitsbegriffes einen erheblichen Reflexionsbedarf, da dieser emotionale Missbrauch von der Gesellschaft ja nicht bewusst gewollt ist." (S.41) Für diese Pauschalabsolution bedanken sich die Marketingexperten zahlloser Interessengruppen, die mit tausend verschiedenen Klischees von Kindheit nicht nur Bildungs- und Gesundheitspolitik, sondern v.a. auch blendende Geschäfte machen.

Mit Befriedigung liest man hingegen folgende Sätze: "Der Schutzraum, den Kinder früher dadurch hatten, dass Eltern ihnen Entscheidungen abnahmen, die sie noch nicht treffen können, weil sie deren Tragweite nicht überblicken, ist vollkommen verloren gegangen." (S.55) Sind auch Winterhoffs Beispiele und deren Analyse im Folgenden teilweise fragwürdig, so bleibt doch die richtige Beobachtung, dass eine neue Generation von Eltern ihrem Nachwuchs vom ersten Mehrwortsatz an die Welt erklärt und auf ein immer früheres Weltverständnis der Kleinen hofft. "Nicht die Ampel ist gefährlich, sondern der Straßenverkehr!" - und für die Kinder zählt künftig allein die Gefahr, die sie kennen und erkennen können, nicht aber die Grenze, die ihnen soziale Warnsysteme zum eigenen Schutz setzen. Winterhoff ist nicht der Einzige, der zu Recht die Ausdehnung des psychologischen Persönlichkeitsbegriffs auf die pure Existenz des Menschlichen beklagt, als ob Neugeborene sich bewusst sozial vernetzten und in der Gemeinschaft präsentierten. Auf dieser Grundlage glauben mittlerweile Millionen von Eltern in Europa und den USA, ihr Kleinkind sei hochbegabt und willensstark, obschon es ihm an sozialer Einsicht, Verhaltenskontrolle und Anpassungsfähigkeit mangelt.

Sind wir ehrlich: Mit der Bewunderung für das Kind an sich ist bei vielen Eltern und Pädagogen leider auch große erzieherische Unentschlossenheit und Feigheit verbunden. Winterhoffs Kritik an der falschen Partnerschaft zwischen Erwachsenen und Kindern bekommt in "Tyrannen müssen nicht sein" endlich Fleisch und Zähne - Beispiele und ihre gesellschaftliche Einordnung, welche die Absurdität einer darauf gründenden Erziehung offenbaren. Was der Autor im Kontext der Schule als ein Abschieben der Verantwortung anprangert (vgl. S.64), ist eine Krux unseres Bildungs- und Jugendhilfesystems geworden: Eine Armee an Pädagogen, die seelenruhig mit Kindern über das Messer spricht, in das sie die großen Kleinen und kleinen Großen später laufen lassen. In Schule, Hort und Therapie gehen Kinder quasi Verträge ein, wie sie sich zu verhalten haben, anstatt eine gute Entwicklung auch schwieriger Kinder durch bindende Strukturen und einen festen Rahmen abzusichern. Jenseits von Pausenhofschneeballwurfverordnung und Hilfeplanzielvereinbarung aber lauern Ausgrenzung und Pathologisierung des Kindes.

Das betrifft nicht zuletzt die ADHS-Kinder. Winterhoff schneidet das Thema mehrfach am Rande an, überwiegend im Kontext von Schule. Auf Sei-te 87 bezeichnet er die Diagnose als "schwer zu greifen". 30 Seiten früher schreibt er zum unterschiedlichen Temperament von Kindern: "Wir haben es hier vielmehr mit charakterlichen Eigenschaften zu tun, und zwar angeborenen und vererbten Verhaltensweisen, die kaum zu beeinflussen und daher für mich als Kinderpsychiater eher von nachrangigem Interesse sind." (S.57) Das erstaunt den Fachmann und verwirrt den Laien, dachte man doch bisher, dass die Psychiatrie als ein Feld der Medizin nachgerade um die Verbindung des Körperlichen mit dem Geistigen, des Physischen mit dem Psychischen bemüht sei. Entsprechend mager ist sein Beitrag zur Therapie von Verhaltensstörungen: Würden die Eltern ihre Kinder nicht als ein Teil ihrer selbst, Lehrer und Erzieher sie nicht als Partner begreifen, so wären alle gesund und glücklich. "Auswege", wie dem Untertitel des Buches euphemistisch angefügt wurde, sind da keine erkennbar!

Am krudesten ist das Kapitel 4 "Wohin führt der Weg? Entwicklungsperspektiven unserer Gesellschaft unter dem Vorzeichen fehlender Psycheentwicklung" (S.107ff.). Es ist die eigentliche Fortsetzung der Tyrannen-Prophetie des Erstlingswerkes und leidet unter derselben fragwürdigen Begrifflichkeit, die wie ein tiefenpsychologisches "Second Life" neben der Realität aufscheint - ein Globus, an dem die Welt erklärt wird und Fallbeispiele wie die Beschreibung von Modelllandschaften anmuten. Dabei spricht Winterhoff die eine und andere Wahrheit lapidar aus, für welche manch Pädagoge zu anderer Zeit heftig kritisiert worden wäre: "Das Fehlen einer funktionierenden Gewissensinstanz ist für das gesellschaftliche Zusammenleben ebenfalls keine erfreuliche Perspektive. [...] Für die Weiterentwicklung sozialer Strukturen ist es unerlässlich, die eigene Schuld sehen und verarbeiten zu können." (S.109) Wann haben wir solche Sätze das letzte Mal im Zusammenhang mit Amok laufenden Schülern und Passanten prügelnden Jugendlichen gehört?

Einer wachsenden Zahl von Menschen in unserer Gesellschaft fehlt nicht "Psyche" - diesen Kindern wie Erwachsenen fehlen Anstand und Moral, Werte, die einst zum Segen und Leid in homogenen sozial-religiösen Strukturen tradiert wurden. Heute ist an die Stelle der Konventionalität, welche die Aufklärung vor 250 Jahren als menschlichen Fortschritt feierte, der Götze eines hemmungslosen Individualismus getreten, dessen erstes Opfer die Eltern der verwöhnten Egozentriker sind, die in immer mehr Familien heranwachsen. Diese durch falsches Lob und pädagogische Eitelkeit geschaffene Disposition des Denkens und Handelns ist kein Fixiertsein in einer "oralen Phase", sondern ein erlerntes funktionales Handeln. Eine Gesellschaft, die Angst vor ihren Kindern bekommen hat, weicht ihrer Gewalt aus und gibt ihnen schleichend Recht.

Die Tragik von Winterhoffs beiden Büchern ist nicht so sehr ihr Gegenstand selbst, sondern die Hilflosigkeit, mit der sie dem eigenen Thema begegnen. Winterhoff legt wie der biblische Thomas seine Finger in die Wunden, wie dieser jedoch zur Selbstvergewisserung und kaum zur Heilung. "Ich verstehe mich als Mahner und Wegweiser" (S.181), schreibt er im letzten Kapitel. Er kann und will allerdings nicht sehen, dass seine Bestandsaufnahme eher lähmt als hilft, dass sein Schreiben sowohl inhaltlich als auch methodisch in die Vergangenheit weist statt in die Zukunft. Kein Wunder, dass seine Werke v.a. von jenen Mittelschichteltern geschätzt werden, die keine Probleme mit ihren Kindern haben, doch voll Mitleid und Misstrauen zugleich auf den Nachwuchs der Nachbarn und die Familien der Klassenkameraden ihrer Söhne und Töchter schauen. "Tyrannen müssen nicht sein" ist ein Wohlfühlbuch für all jene, die - durchaus auch aufgrund ihrer eigenen Erziehungsleistung - nicht mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zusammenleben müssen. Eine pädagogische oder psychologische Offenbarung ist es, wie sein Vorgänger, hingegen nicht!
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Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege.
Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung allein nicht reicht - Auswege. von Michael Winterhoff (Gebundene Ausgabe - 12. Januar 2009)
EUR 17,95
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