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26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Himmelsrichtung nach dem österlichen Sonnaufgang bestimmen
Dieses Werk des Berliner Bischofs Wolfgang Huber zeichnet sich durch drei lesenswerte Eigenschaften aus. Die Reflexionsebene des Buches bewegt sich durchweg auf dem Niveau eines um die Fragen des Lesers bedachten und zugewandten Gesprächspartners.
Die in dem Buch angesprochenen Themen und Probleme werden konkret aufgegriffen, bündig und gut...
Veröffentlicht am 10. Oktober 2008 von Dr. Klaus Dirschauer

versus
10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Weitgehend schwammig - schade, weil Huber es besser kann!
Der Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, - vielen als streitbarer Talkshowgast und inspirierender Redner bekannt - legt zum Ende seiner Amtszeit ein Buch vor. Ein Buch, das den selbstbewussten Titel "Der christliche Glaube" trägt und von Margot Käßmann im Klappentext gelobt wird als eine "evangelische Orientierung", auf die im 21. Jahrhundert viele...
Veröffentlicht am 9. November 2009 von ichthys-Redaktion


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26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Himmelsrichtung nach dem österlichen Sonnaufgang bestimmen, 10. Oktober 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Dieses Werk des Berliner Bischofs Wolfgang Huber zeichnet sich durch drei lesenswerte Eigenschaften aus. Die Reflexionsebene des Buches bewegt sich durchweg auf dem Niveau eines um die Fragen des Lesers bedachten und zugewandten Gesprächspartners.
Die in dem Buch angesprochenen Themen und Probleme werden konkret aufgegriffen, bündig und gut verständlich erörtert. Was dabei zur Sprache kommt und wie das geschieht, erinnert an fassbare Lebenssituationen, in denen der Autor aufgrund seines Amtes den Zeitgenossen Rede und Antwort steht - souverän und einfühlsam.
Diese Selbstverständlichkeit, sich unentwegt dem Gespräch zu stellen, verbindet der Theologe mit der Notwendigkeit, über den eigenen Glauben Rechenschaft abzulegen und Auskunft und Zeugnis über den persönlichen Glauben zu geben. Wohl deshalb steht am Anfang und Ende dieser Gedankengänge auch die eigene Gebetspraxis.
Wolfgang Huber entfaltet den christlichen Glauben in der Weise, wie er von seinen drei Artikeln des Glaubensbekenntnisses bekannt ist und bezieht ihn auf die Momente Glaube, Hoffnung, Liebe. (Im Buch selbst zu blättern und lesen zu beginnen, ist an- und aufregender als nur das Inhaltsverzeichnis zur Kenntnis zu nehmen.) In diesem Durchgang wird hinter dem Amtsinhaber - Theologieprofessor in Heidelberg, Landesbischof von Berlin, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - der Christ mit seinen eigenen Anfechtungen sichtbar.
Gerade diese persönliche Unbefangenheit des Glaubens des Autors, der über seine eigenen wie über die Lebensfragen seiner Zeitgenossen nachdenkt und dieses Denken als kritischen und zugleich erbauenden Wegbegleiter einlädt, macht das Buch und seinen Autor so sympathisch.
Zweifellos eine evangelische Orientierung, die Himmelsrichtung nach dem österlichen Sonnenaufgang zu bestimmen. Ein Buch nicht nur für Spiegel-Leser oder Gebildete unter den Verächtern der Religion... einfach, bemerkenswert und empfehlenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anregend und informativ, 13. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Keine umfassende Darstellung, aber sozusagen ein aktuelles Blitzlicht christlich-protestantischer Positionen,
im Gespräch mit der Denktradition des christlichen Galubens und dem gegenwärtigen öffentlichen Diskurs,
anregend und informativ.
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10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Weitgehend schwammig - schade, weil Huber es besser kann!, 9. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Der Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, - vielen als streitbarer Talkshowgast und inspirierender Redner bekannt - legt zum Ende seiner Amtszeit ein Buch vor. Ein Buch, das den selbstbewussten Titel "Der christliche Glaube" trägt und von Margot Käßmann im Klappentext gelobt wird als eine "evangelische Orientierung", auf die im 21. Jahrhundert viele gewartet hätten.
Allerdings beschleicht den Leser nach der Lektüre das Gefühl, dass Huber besser bei seinem Metier geblieben wäre: Er hätte nicht eine "Glaubenslehre", sondern - wie der frühe Schleiermacher - Reden "Über die Religion" oder "Über den christlichen Glauben" verfassen sollen. In die Form des Lehrbuchs gegossen, erreichen die Gedanken Hubers wohl kaum die breite evangelische Bevölkerung und erst recht nicht die "zweifelnden und suchenden Menschen" (13), die dem Berliner Bischof und Kenner ostdeutscher Kirchenverhältnisse am Herzen liegen.
Bereits im einleitenden Kapitel (7-14) bekommt Huber die Lebenssituation der Postmoderne nicht recht zu fassen. Stattdessen berichtet er langatmig von persönlichen Einschlafritualen, wie dem Rückwärtsbeten des Vaterunsers. Seine Feststellung, dass sich Menschen heute wieder für Religion interessieren und doch "die Frage einer persönlichen Glaubensentscheidung auf[schieben]" (12), bleibt zu allgemein.
Auch in den drei Hauptteilen des Buches werden "Glaube", "Hoffnung" und "Liebe" nur selten "in unverstellter Frische" (9) nahegebracht. Sprachlich und inhaltlich wird die tragfähige Grundlage der christlichen Religion eher für die "Gebildeten unter ihren Verächtern" entfaltet, sowie für Gemeindeglieder, die sich in theologischen Diskursen überdurchschnittlich gut auskennen. So ist es irritierend, dass Huber immer wieder völlig unvermittelt Theologen und Geisteswissenschaftler - wie Rüdiger Sachau (212), Richard Schröder (191), Michael Welker (140) oder Fulbert Steffensky (171) - einführt, ohne diese dem Leser nahezubringen.
Nichtsdestotrotz ist "Der christliche Glaube", den Huber präsentiert, nicht einfach toter Buchstabe. Hier und da blitzen Gedankengänge auf, die auf nachdenkenswerte Weise (Hubers) protestantischen Glauben und aktuelle Gesellschaftsthemen in Verbindung setzen. Da merkt man plötzlich, dass Huber nicht nur über Glauben schreibt, sondern dass für ihn dieser Glaube in den unterschiedlichen Kontexten eines Ratsvorsitzenden Lebenswirklichkeit besitzt und schafft.
Etwa, wenn er gleich zu Beginn den christlichen Glauben an einen Schöpfer (17-79) in der Auseinandersetzung mit dem neuen Atheismus entfaltet (34f.). Da fühlt man sich plötzlich an die muntere Talkshow vom 15. November 2007 bei Johannes B. Kerner erinnert, in der Huber den wissenschaftlichen Fundamentalismus des Oxforder Naturwissenschaftler Richard Dawkins offen attackierte. (1: Die Sendung lässt sich noch in der "Mediathek" des ZDF finden und anschauen, via [...] (12.08.2009).) Auch in seiner Glaubenslehre nimmt Huber direkt Bezug auf den Engländer und sein Buch "Der Gotteswahn". Indem Dawkins hierin versuche, offensiv zum Atheismus zu bekehren, stehe der Inhalt dieses Buch "von vornherein in einem weltanschaulichen Zusammenhang, der die Grenzen der Wissenschaft überschreitet." (34)
Nach Huber darf der christliche Schöpfungsglaube seinerseits Gott nicht zum Gegenstand eines reinen Erfahrungswissens machen. "Der Glaube richtet sich auf die Wirklichkeit im Ganzen; er hat es mit dem Grund der Welt wie meines persönlichen Lebens zu tun, dem ich Weltgewissheit und Daseinsgewissheit verdanke, die meinem Leben Sinn verleihen." (30) Darum weist Huber auch Anhänger des Intelligent Design und des Kreationismus (32ff., 192f.) - namentlich den Wiener Kardinal Christoph Schönborn - in aller Schärfe in ihre Schranken und lehnt einen alternativen Evolutionsunterricht in der Schule ab. An Hand aktueller Debatten - wie der Frage nach aktiver Sterbehilfe (47, 211) und den Herausforderungen des Klimawandels (50f.) - versucht Huber, den Reichtum und die Berechtigung eines Schöpfungsglaubens im 21. Jahrhundert darzulegen.
Huber vermag es aber auch, von den unverständlichen Seiten des Schöpfers zu sprechen. Statt nur Ratschläge zu verteilen, malt er im Unterkapitel "Gott sei's geklagt" (53-77) das Bild eines mitleidenden Gottes (55-57) vor Augen, dem man seine Sorgen und offenen Fragen anvertrauen kann. Er wendet sich zugleich den konkreten Anfragen zu, die sich etwa 2004 nach der Tsunami-Katastrophe stellten. Hilfreich und keineswegs rational kühl ist die Unterscheidung, die Huber hier in Anlehnung an Ingolf U. Dalferth zwischen "Leiden", "Übel" und "Bösem" (64-68) trifft. Ein vermeidbares Übel wären sicherlich die summarischen "Spitzensätze" gewesen, die oft keine Klärung bringen, sondern eher - wie folgender Satz - theologisch gestelzt wirken: "[Es] ist von elementarer Bedeutung, ob das Unheil als kontingentes Geschehen oder zu Gott als der alles bestimmenden Wirklichkeit in Beziehung gesetzt wird." (62)
Geschickter ist Huber, wenn es darum geht, theologische Topoi und Alltagsthemen zu verbinden. So schafft er es in überraschender Weise, vom Opfertod Jesu zu einer allgemeinen Kultur der Opferfürsorge und zum Mobbing zu kommen (118-120, 122-127). Die Frage nach einer Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und einer weltweiten Versorgungsgerechtigkeit knüpft er an seine Ausführungen zur Pneumatologie (143-145) an. Öfters haucht das Buch den Impetus des EKD-Impulspapiers "Kirche der Freiheit"; etwa dort wo es ums Ehrenamt (154, 174) oder um die Wertschätzung neuer Spiritualität und kirchlicher Aufbrüche (146-159) geht. Mit deutlichen Tönen kritisiert Huber ein interreligiöses Gespräch ohne Profil (128-131) und bemängelt die zu starke Relativierung biblischer Aussagen in der neuen "Bibel in gerechter Sprache" (114). Mehrmals sucht er das Gespräch mit Papst Benedikt XVI., und obwohl er dessen Verhältnisbestimmung von Glaube und Vernunft (196f.) und dessen historisch-unkritische Jesusdarstellung (85f., 97) problematisiert, bleibt seine eigene Position "ökumenisch offen" (Karl Kardinal Lehmann, Klappentext).
Bei dieser Fülle an aktuellen und brisanten Themen kann man Huber nicht unterstellen, dass er den entscheidenden Fragen "aalglatt" ausweiche (so Friedrich Wilhelm Graf (2: Vgl. Graf, Friedrich Wilhelm: Gutmenschreligion für Sinnhungrige. Bischof Huber erklärt seinen Glauben, Süddeutsche Zeitung, 29.08.2008; vgl. [...] (12.08.2009).). Nichtsdestotrotz gibt es Themen, die man in dieser "evangelischen Orientierung" vermisst. Hierzu gehört die Homosexualitäts-Debatte. Denn obwohl Huber dem Thema "Liebe" einen großen Abschnitt seines Buchs widmet, stellt er hierzu lediglich fest, dass es "glückliche und erfüllte Verantwortungsgemeinschaften auch außerhalb der Ehe" gäbe (248, ähnlich 43). So schwammig wie der Begriff "Verantwortungsgemeinschaft" ist hier Hubers Haltung: Ob man von der Existenz solcher Beziehungen auf deren Legitimität schließen kann, bleibt bei ihm leider offen.

Jan Speckmann

ichthys 25 (2009), 2009|2, 244-246
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen lesenswert, 27. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Das Buch ist lesenswert. Besonders interessant fand ich Hubers Stellungnahmen zum Thema Darwinismus / Kreationismus / Intelligent Design. Huber erteilt nicht nur dem Kreationismus eine klare Absage, sondern auch jener Zwischenform des "intelligent design", die glaubt, den Darwinismus mit einem gezielt eingreifenden Schöpfer vereinen zu können.
Nach Hubers Ansicht ist dies eine Fehlinterpretation des Schöpfungsmythos.
Der richtige Weg führe nur über die Trennung von Glaube und Vernunft.
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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen weder christlich noch wissenschaftlich, 12. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Das Fundament des christlichen Glaubens ist ein persönlicher, allmächtiger, immanenter Schöpfergott. Da besteht ein inhärenter Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften. Die Naturwissenschaften sind nicht prinzipiell gottesfeindlich, aber es ist klar, dass die traditionellen christlichen Vorstellungen, dass Gott sich mit Menschen unterhält ("persönlich"), in das Tagesgeschehen eingreift ("allmächtig und immanent"), oder in spezieller Weise in die Schöpfung eingegriffen hätte erst einmal im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Dabei geht es i.A. nicht einmal um obskure und komplizierte Theorien, wie Urknall oder Evolution, sondern oft um einfache Beobachtungen, Statistiken und historische Forschungen, die traditionelle Aussagen über das Wirken Gottes in der Welt und die Quellen des christlichen Glaubens widerlegen.

Anstatt diesen Widerspruch zu diskutieren und Lösungen zu suchen ignoriert Huber ihn einfach: es klingt eben gut, auf der einen Seite vollständige Verträglichkeit mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu postulieren, und auf der anderen Seite zu klingen, als ob man schon immer Recht gehabt hätte.

Es ist zu begrüßen, dass die reformierten Kirchen sich heute offen und tolerant gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen und Wahrheiten stellen. Jetzt verbleibt, sich den daraus folgenden Widersprüchen in der eigenen Theologie und Geschichte zu widmen. Leider tut dieses Buch das nicht.
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27 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Menschenwürde nur für Christen?, 24. September 2008
Von 
Carsten Werner (Kassel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, richtet sich mit seinem neuen Buch Der christliche Glaube" an Menschen, die nach religiöser Klarheit suchen" und an diejenigen, die das Zweifeln noch nicht verlernt haben". Diesen möchte er eine Orientierung aus protestantischer Glaubensperspektive geben und eine tragfähige Grundlage" für ihr Leben aufzeigen.

In der Tat verschafft das Buch dem Leser einen guten Überblick darüber, wie in weiten Teilen des heutigen Protestantismus gedacht wird. Ob das aber für eine tragfähige" Lebensgrundlage ausreicht, steht auf einem ganz anderen Blatt. So wird der Leser leider oft Zeuge von unzähligen Pauschalurteilen basierend auf typisch christlichem Schwarz-Weiss-Denken von gut" und böse", zudem verschwimmen viele Antworten auf spannende Fragen des Glaubens im Nebel theologisch schwammiger Ausdrucksweise oder bleiben gänzlich unbeantwortet. Als Alternativen zum christlichen Glauben betrachtet er nur religiösen Fundamentalismus oder das ziellose Dahinvegetieren in einer von Materialismus und Wohlstandsdenken geprägten postmodernen Spaßgesellschaft.

Schon beim Lesen der ersten Seiten wird deutlich, dass Huber viele Stellen der Bibel symbolisch deutet. So sei der Schöpfungsbericht dann auch nicht als historischer Bericht über die Entstehung der Welt zu begreifen, sondern sage etwas aus über die Stellung des Menschen in der Welt", der Mensch soll in der Schöpfung Heimat finden", der Schöpfungsglaube sei Grundlage einer Daseinsgewissheit, die unserem Leben verlässlichen Halt gibt". Den Auftakt der Erzählung vom Sündenfall, die Erschaffung des Garten Eden, reißt er aus dem Zusammenhang und behandelt ihn als zweiten Schöpfungsbericht. So wird aus Gottes Gebot, seinen Garten zu bebauen und zu bewahren" das Gebot von der Bewahrung der Schöpfung". Dass die Menschen im Anschluss daran aus genau diesem Garten vertrieben wurden, es also im ursprünglichen Sinne gar nichts mehr zu bewahren gibt sondern wir in der, wie es Christen oft nennen, gefallenen Welt" leben, kümmert Huber dabei nicht.

Von Vertretern des Kreationismus oder des Intelligent Design distanziert er sich eindeutig, diese würden den Schöpfungsglauben als wissenschaftliche Welterklärungstheorie" missbrauchen, Glaube und Evolutionstheorie seien miteinander vereinbar. Trotzdem legt Huber großen Wert darauf, dass am Schöpfungsglauben festgehalten werde. Dabei sei die Schöpfung aber kein einmaliger Akt in sechs Tagen gewesen, wie etwa in der deistischen Auffassung von einem Uhrmacher-Gott", sondern Gott habe auch die Zeit geschaffen und Schöpfung geschehe fortschreitend bis an das Ende der Zeit. Aber dieses Schöpfungswirken lasse sich nicht, wie Vertreter des Intelligent Design meinen, mit Hilfe empirischer Forschung nachweisen, denn damit würde man ja Gott den Ursachen in Raum und Zeit gleichsetzen" und Gott würde so nur ein Gegenstand des Erfahrungswissens.

Den Glauben an die Schöpfung versucht Huber nun dadurch schmackhaft zu machen, indem er auf die Wirkung dieses Schöpfungsglaubens verweist. Der Mensch gewänne durch diesen Glauben einen Zugang zum inneren Sinn" der Welt. Der Glaube an Gott als den Schöpfer vermittele die Gewissheit, dass diese Welt die Möglichkeit zum Guten in sich enthält". Dass Gott es mit der Welt im Ganzen ebenso wie mit meinem persönlichen Leben gut meint", sei "der Grundsinn des Schöpfungsglaubens". Der Eindruck drängt sich auf, dass mit solchen Argumenten aus dem Glauben an die Schöpfung nur ein Glauben an den Schöpfungsglauben propagiert wird.

Huber liefert auch einen kurzen Abriss über den wissenschaftlichen Stand zur Erklärung des Universums. Dabei betrachtet er das Universum sowohl zeitlich als auch räumlich. Zeitlich, so folgert er, sei die Entwicklung des Universums zwar offen, aber nicht ewig. Hubers Ausführungen über den räumlichen Aspekt des Universums dürfte dann bei den meisten Physikern wohl lustiges Schenkelklopfen zur Folge haben. So schließt Huber aus der Einsteinschen Relativitätstheorie messerscharf, dass das Universum gekrümmt sei, und man deshalb, wenn man sich so lange wie denkbar in gerader Richtung durch das Universum fortbewegt, irgendwann zum Ausgangspunkt zurückkommt. Damit will Huber in mittelalterlich scholastischer Denkart darauf hinaus, dass das Universum sowohl zeitlich als auch räumlich begrenzt ist, also endlich und vergänglich sei, so dass man Ewigkeit und Unendlichkeit nur mit Gott verbinden könne.
Das Lächeln vergeht dem naturwissenschaftlich denkendem Leser aber spätestens an der Stelle, wo Huber den neuen Atheisten" Dawkins und sein bekanntes Buch Der Gotteswahn" abkanzelt. Die Tatsache, dass Dawkins Biologe ist, nimmt Huber zum Anlass ihn zu entmenschlichen und ganz auf die Rolle des Naturwissenschaftlers zu reduzieren. Dementsprechend richtet er an Dawkins den Vorwurf, die Grenzen der Wissenschaft zu überschreiten, das wissenschaftliche Material, dass er entfalte, stünde ja von vorneherein in einem weltanschaulichen Zusammenhang". Wissenschaftler wie Dawkins, sagt Huber, würden dadurch zu dem, was sie verachten: zu Vertretern eines Glaubens, ja zu dessen Priestern und Propheten" und so bezichtigt Huber Dawkins als einen Anhänger des Szientismus. Inhaltlich geht er allerdings in keinster Weise auf die Ausführungen im Gotteswahn" ein, vielleicht hat er das Buch auch nie gelesen. Denn dann wäre ihm aufgefallen, dass Dawkins keineswegs mit Hilfe der Evolutionstheorie die Nichtexistenz Gottes beweisen möchte, ja dass er sogar sagt, dass dies unmöglich sei. Dawkins betrachtet die Existenz Gottes lediglich als eine Hypothese, die er, als vernunftbegabter Mensch, nicht nur als Wissenschaftler, kritisch hinterfragt. Aber die Denkweise des kritischen Rationalismus ist Huber vollkommen fremd, in Punkto Aufklärung und Erkenntnistheorie scheint er auf dem Stand von Kant stehengeblieben zu sein, wie aus seinen Ausführungen über Glaube und Vernunft deutlich wird.

Mehrmals zitiert er Kant mit seiner Aussage, er habe das Wissen aufheben müssen, um zum Glauben Platz zu bekommen". Er folgert daraus, dass Kant den Gottesgedanken aus dem Einzugsbereich des Erfahrungswissens befreit, die Reichweite der Erfahrungswissenschaften", die sich der Beobachtung und des Beweises bedienen, sei eingeschränkt. In der Auffassung, sich dadurch gegenüber Kritik immunisieren zu können philosophiert er weiter: Der Glaube ist der Zugang zum Ganzen der Wirklichkeit" und indem er das Verhältnis zur Wirklichkeit im Gottesverhältnis verankert, eröffnet er einen Zugang zur inneren Einheit des Daseins, in welchem das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, zu den anderen Menschen und zur Welt miteinander verbunden ist".
Die Vernunft müsse durch den Glauben aufgeklärt werden", sonst bleibe sie unerfahren und unaufgeklärt, weil sie sich keine Rechenschaft über ihre Grenzen ablege". Vernunft folge dem Glauben nach und tritt in seinen Dienst". Andererseits räumt er ein, dass ein nicht durch die Vernunft aufgehellter Glaube die Gefahr in sich trage, barbarisch und gewalttätig zu werden und hat dabei vornehmlich den Islam im Blick. Durch Glaube initiierte Gewaltakte in der Bibel, wie sie beispielsweise der König Josia in seinem laut Bibel einzigartig vorbildichen Glauben verübt haben soll, kommen nicht zur Sprache, so wie alle anderen fragwürdigen Ereignisse in der Bibel auch nicht.
Auch das Theodizee-Problem kommt in dem Buch zur Sprache. Hier räumt Huber ein, dass es sich zwar nicht abschließend lösen lasse, aber er hat einen Trost parat: Gott leidet mit.

Ganz besonderen Stellenwert räumt Bischof Huber dem Begriff der Menschenwürde" ein. Anhand diverser Stellen in der Bibel versucht er deutlich zu machen, dass Gott allen Menschen gleiche Würde verliehen habe. Die Aussage aus der Geschichte vom Sündenfall, der Mensch sei Ebenbild Gottes" ist dabei zentral. Inwiefern aber die Bevorzugung eines Volkes Israel", die mit Vernichtungen von Städten wie Jericho und ganzen Völkern einhergeht, mit der Menschenwürde vereinbar ist, erläutert Huber nicht. Einen Fehlgriff erlaubt er sich dagegen bei der Analyse des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg. Aus der gleichen Belohnung für ungleiche Arbeit schließt er, dass das Gleichnis auf die Begründung der gleichen Würde jedes Menschen in der unausforschlichen Güte Gottes" verweise. Dass er mit dieser Deutung zugleich den Nichtarbeitern im Weinberg, also den Ungläubigen, die Menschenwürde abspricht, entgeht ihm. Nahezu ungeheuerlich sind seine Ausführungen zum Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau. Zunächst beklagt er die Situation, dass die Gleichberechtigung der Frauen bislang nur Stückwerk" sei, die gesellschaftliche Realität bliebe noch lange hinter den formal zuerkannten Gleichheiten zurück. Der Gleichheitsethos des Heiligen Geistes", so sagt er, gehe aber weit über politische Gleichheitsvorstellungen hinaus. Als Beispiel zitiert er den Apostel Paulus, der von der Gleichheit der Verschiedenen" in den höchsten Tönen" rede:
Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seit allesamt einer in Christus".
Einmal abgesehen davon, dass auch hier wieder nur von Christen und nicht von Menschen im Allgemeinen die Rede ist, kann wohl Paulus nicht gerade als ein Vorkämpfer für geschlechtliche Gleichberechtigung herangezogen werden, sagt dieser Apostel doch an anderer Stelle: der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen" und der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde". An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wie hochselektiv Huber sich, einem Bastelbogen gleich, Bibelstellen herauspickt, um sie dann in seinem Sinne interpretieren zu können. Vertrauen in die Verkündigung kirchlicher Amtsträger schafft das bei den Gläubigen sicher nicht. Zudem ist es ausgesprochen dreist, die aktuelle Situation der Gleichberechtigung als Stückwerk" zu kritisieren, wo doch das, was man bislang erreicht hat, gegen den Widerstand des Christentums erstritten wurde.

Eine theologische Überraschung gibt es an der Stelle, wo Huber auf den Begriff Sünde" zu sprechen kommt. Hier hat sich im Christentum eine Doppelbedeutung dieses Begriffs eingebürgert. Zum einen bezeichnet Sünde ganz allgemein eine Trennung von Gott", zum Anderen wird unter Sünde eine Tat im Sinne einer Zielverfehlung verstanden, die zu einer Schuld bei Gott führt. Diese zweite Bedeutung in einer quasi Gleichsetzung von Schuld und Sünde, so Huber, sei ein Missverständnis resultierend aus den Überlieferungen des Vaterunser-Gebetes. Dies sei aber eine Ausnahme im Neuen Testament. Bibelkenner reiben sich hier verwundert die Augen, werden doch an einer Vielzahl von Stellen im Neuen Testament Sünde und Schuld miteinander verknüpft, so zum Beispiel auch in der Erzählung von Jesus und der Sünderin aus dem Lukasevangelium, die Huber in seinem Buch behandelt. Aber Huber nutzt dieses neue Sündenverständnis als Auftakt für seine Interpretation des Todes Jesu am Kreuz. Denn wenn Sünden bei Gott keine Schuld mehr verursachen, dann muss ja das Verständnis des Opfers Jesu als stellvertretendes Sühnopfer im Sinne einer Satisfaktion falsch sein. Diese Satisfaktionslehre gehe, so sagt Huber, auf Anselm von Canterbury, also vorreformatorische Zeit zurück. Für Huber ist aber eine solche Lehre nicht mit dem Gottesbild Jesu vereinbar, er sieht in Kreuzestod und Auferstehung Akte einer Versöhnung der Welt und des Menschen mit Gott", es ginge um eine Erneuerung einer - zerbrochenen - Beziehung zwischen Mensch und Gott". Einer Geschichtsfälschung kommt es dann gleich, wenn Huber zudem behauptet, den Reformatoren sei es darum gegangen, die Versöhnung des Menschen mit Gott durch Christus in diesem Sinne neu zu verstehen. Ein Blick in den reformatorischen Heidelberger Katechismus aus dem 16. Jahrhundert bringt Klarheit, dort wird die Satisfaktionslehre des Anselm von Canterbury haarklein wiedergegeben.

Überhaupt sind viele Äußerungen Hubers dazu geeignet, altkirchliche und altreformatorische Bekenntnisse aufzuweichen. So könne eine neutestamentliche Entfaltungsform", welche die Jungfrauengeburt als historische Wahrheit begreife, nicht zum allein bestimmenden Maßstab" gemacht werden, die Evangelien ließen mehrere Christologien" zu, der historische Jesus sei nicht aus den Evangelien freizulegen". Vielmehr sei das Bekenntnis zu dem Christus des Glaubens" als Sohn Gottes entscheidender, das Bekenntnis Herr ist Christus" sei die Brücke zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens". Das Jesus nach seinem Tod, in das Reich des Todes hinabgestiegen" sei (Niederfahrt zur Hölle), wurde laut Huber deshalb in das christliche Bekenntnis eingefügt, weil der Triumpf über den Tod so umfassend wie nur irgend möglich verstanden werden sollte". Das christliche Bekenntnis sei von einer Konzentration geprägt", dass sich von Jesus Christus alles erhoffe": das Heil und das Leben, die Freiheit von der Schuld und die Auferstehung der Toten". Ist das Bekenntnis also nur ein Ausdruck der Hoffnung?

Dem Thema Liebe widmet Huber einen eigenen großen Abschnitt. Umso überraschender ist es für den Leser, dass das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe vollkommen ausgespart bleibt. Gerade hier hätte man sich eine klare Positionierung gewünscht, war doch Huber dieses Jahr Besucher und Redner der evangelikalen Veranstaltung Christival", auf der Homosexualität als therapierbare Krankheit angesehen wurde.
Dafür kommt Hubers pazifistische Grundhaltung zum Ausdruck, wenn er über christliche Feindesliebe philosophiert. Befremdend sind in diesem Zusammenhang aber Aussagen des Augsburger Bekenntnisses, dass er an anderer Stelle des Buches als grundlegend" bezeichnet. In diesem Bekenntnis werden nicht nur all diejenigen unter den ewigen Gotteszorn verdammt, die nicht durch die Taufe und den Heiligen Geist wieder neu geboren werden" sondern auch solche, die es als unchristlich bezeichnen, wenn Übeltäter mit dem Schwert" bestraft oder rechtmäßige Kriege" geführt werden. Was denn nun ein rechtmäßiger Krieg" ist, hätte man von Herrn Huber gern erfahren, im Buch steht jedoch nichts darüber, außer dass Kritik am Kriegsgebaren der USA geübt wird.

Insgesamt muss man sich fragen, auf welcher tragfähigen Grundlage" denn nun Hubers evangelische Orientierung" überhaupt beruht, die heiligen Schriften" werden nur hochselektiv ausgewertet, die christlichen Bekenntnisse aufgeweicht. Viele Behauptungen scheinen völlig aus der Luft gegriffen und Leben nur von Hubers Autorität als ranghoher Bischof. So wirft das Buch mehr Fragen auf, als es beantwortet und wird so zum Zeugnis der Zerrissenheit des aktuellen Protestantismus zwischen bibeltreuem Evangelikalismus und säkularem Humanismus". Auch die Frage nach dem Sinn des Lebens wird letztendlich nur zum Schein beantwortet. Was macht es für einen Sinn im Diesseits nach einem ewigen Leben zu trachten, wo doch der Sinn eines ewigen Lebens im Jenseits, der Teilhabe an der Ewigkeit Gottes" in einem geistlichen Leib", unklar bleibt?

Für den guten Einblick in aktuelles protestantisches Denken gebe ich zwei Punkte, mehr kann ich aber bei den vielen Widersprüchlichkeiten nicht verantworten.
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15 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Noch nicht der ganz große Wurf, 30. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Ein Bischof schreibt ein Buch. Und nicht nur irgendein Bischof, sondern sozusagen der Oberhirte der evangelischen Welt in Deutschland, falls es denn so etwas gibt. Natürlich gibt es den nicht, denn die Protestanten haben nun einmal eine antihierarchische Tradition, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird nicht nur auf Zeit gewählt - genau wie alle anderen Bischöfe, Präses und Kirchenpräsidenten der Gliedkirchen der EKD - sondern er ist allenfalls der Erste unter Gleichen. Im Grunde hat jeder Bischof einer Gliedkirche mehr Macht als der Ratsvorsitzende selbst.
Aber wie auch immer. Als ebendieser Ratsvorsitzende ist Bischof Wolfgang Huber bekannt. Man kennt sein Gesicht aus dem Fernsehen. Und so hat er sich womöglich auch verpflichtet gefühlt, einmal ein klärendes Wort in die Debatte zu werfen, was denn christlicher Glaube nun eigentlich sei. Schließlich gibt es immer mehr Menschen, die ebendies nicht wissen. Weil sie schon in einem Haus aufgewachsen sind, in dem der Glaube unbekannt war oder weil sie vor vielen Jahren schon der Kirche den Rücken gekehrt haben.
Ein Bischof schreibt also ein Buch, und er will erklären, was dies nun ist: christlicher Glaube. Und zwar auf einem durchaus gehobenen Niveau. Das Buch wendet sich eher an den gebildeten Zeitgenossen, der die Evolutionslehre von Charles Darwin kennt und der im Übrigen auch weiß, wie es sich mit der Entstehung der Erde und des Weltraums verhält. Er hat sein Buch nach dem Vers aus dem Hohelied der Liebe 1. Korinther 13,13, wo es heißt : Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen" in die Abschnitte Glaube, Hoffnung, Liebe" unterteilt und den größten Abschnitt, den über den Glauben wiederum in die Kapitel "Gott - Schöpfer der Welt", "Christus - Gott bei den Menschen" und "Der Heilige Geist - der Geist der Freiheit". Diese Unterteilung ist gut durchdacht. Zum einen zeigt sie, dass Huber den Gedanken der Trinität zugrunde legt und zum anderen, dass er Gott in Beziehung denkt. Keine Spekulation über das Wesen Gottes, sondern Gott als Gegenüber zu den Menschen. Das ist ja im Übrigen auch Konsens in der Theologie. Von daher wohl auch der Beginn mit Gott als dem Schöpfer. Auch das Motto, das er dem Kapitel voranstellt, Luthers Erklärung des Ersten Artikels des Glaubensbekenntnisses: "Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat, samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält ..." weist die Richtung, in die das Buch hineinführen soll: Gott ist gnädig und sorgt für uns.
Und hier gilt es nun zu differenzieren. Ich halte es ja durchaus für begrüßenswert, dass Hubers Buch eine klare Stoßrichtung hat. Es will für den christlichen Glauben werben. Es will das Positive herausstellen. Was mir jedoch fehlt ist eine etwas größere Tiefe. Nehmen wir nur die Frage: "Urknall oder Schöpfung?" Oder muss es vielleicht "Urknall und Schöpfung" heißen? So zumindest verstehe ich Huber. Aber wie kann man denn nun beides zusammen denken? Lief die Entstehung der Welt denn nicht streng nach Naturgesetzen ab, und ist zwischen diesen Naturgesetzen noch Platz für Gottes Handeln? Und wenn ja: wie genau hat man sich das vorzustellen? Auf Fragen wie diese geht Huber nicht ein. So ähnlich ist es auch bei der Frage nach der Theodicee, also der Rechtfertigung Gottes angesichts des Furchtbaren, was in der Welt geschieht. Wie ist denn nun Gottes Allmacht zu deuten? Und geht das denn nun: am Gedanken der Allmacht festhalten, wenn man zugleich am gütigen Gott festhalten will? Solche Fragen streift Huber zwar, aber er antwortet darauf so diplomatisch, wie das sonst Politiker tun, die unangenehme Fragen elegant unterlaufen. Zu einer so radikalen Position wie zum Beispiel Dorothee Sölle sie vertritt, dass er die Allmacht Gottes zugunsten seiner Liebe opfert, kann Huber sich nicht durchringen. Man ahnt zwar, dass Huber meint, Gott habe (beispielsweise) mit Naturkatastrophen nichts zu tun, warum er aber trotzdem noch gütig und allmächtig sein soll, das erfährt der geneigte Leser nicht.
Etwas besser sieht es bei dem Kapitel: "Christus - Gott bei den Menschen" aus. Da kann Huber einigermaßen überzeugend hinüberbringen, was das heißt "Christus ist der Sohn Gottes" bzw. was das bedeutet. Aber vielleicht ist die Zwei Naturenlehre auch kein so großes Problem mehr. Andererseits hätte ich mir etwas mehr Eingehen auf die Opferproblematik bei der Kreuzestheologie gewünscht, aber vielleicht muss man als Bischof mehr ausgleichen als Probleme benennen.
Alles in allem ist das wohl eher eine Einführung in den Glauben als eine wirklich tiefgründige Auseinandersetzung mit ihm. Doch kann man mehr vielleicht auch gar nicht von einem Buch verlangen, das gerade mal 270 Seiten dick ist und doch zugleich umfassend Auskunft darüber geben will, was das ist: Christlicher Glaube.
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3 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Orientierung an der Bibel?, 4. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; (Broschiert)
Für Herrn Huber enthält die Bibel die absolute Wahrheit und deshalb basieren alle wesentlichen Aussagen seines Buches auf Bibelzitaten.
Aber was sagen andere Menschen zu der "Heiligen Schrift"?
Peter Rosin, Theologe: "Wir haben es in der Bibel mit verdichteten Geschichtserzählungen, mit Mythen, Sagen, Legenden, Märchen, Novellen und anderem mehr zu tun, nur nicht mit Texten, die berichten, wie es tatsächlich war".
Edgar Dahl, Philosoph: "Hat es sich denn wirklich noch nicht herumgesprochen, dass die vermeintlich Heilige Schrift eine bloße Anekdotensammlung ist?"
Albert Einstein, Physiker: "Die Bibel ist eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden".
Ernst Mayr, Biologe: "Noch heute schätzen und bewahren wir diese Geschichten als Teil unseres kulturellen Erbes, aber wenn wir die Wahrheit über die Geschichte der Welt erfahren wollen, halten wir uns an die Naturwissenschaft".
Da die christlichen Kirchen im Gegensatz zu diesen Aussagen die Bibel als Gottes Wort interpretieren, erhebt das, was Herr Huber schreibt, aus meiner Sicht einen Anspruch auf die absolute Wahrheit, was nicht widerspruchslos in Kauf genommen werden kann.
Auch wenn bei Herrn Huber durchscheint, dass man Glauben und Wissen unterscheiden muss, so kann man dem entgegenhalten, dass nur das verlässlich ist, was man weiß und alles was mit Glauben zu tun hat, zwangsläufig auf Spekulation hinausläuft.
So gibt es zu dem Buch von Herrn Huber und damit zum Christentum, dessen zentrale Gestalt uns nicht eine einzige Zeile hinterlassen hat, eine Menge teilweise alter Fragen, deren vollständige Erwähnung der hier zur Verfügung stehende Platz aber nicht zulässt. Deshalb nur einige wenige Beispiele:

- Herr Huber schreibt, dass Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie nicht "gegeneinander ausgespielt werden" sollten. Warum denn nicht? Natürlich muss klar gemacht werden, dass die Evolutionstheorie die Entstehung der Arten auf der Grundlage "zweifelsfreier Fakten" (Ernst Mayr), also wissenschaftlich, erklären und deshalb auf die Mitwirkung eines Gottes verzichten kann. Wozu dann noch eine detaillierte Unterweisung über den Schöpfungsglauben? Ein Hinweis darauf, dass es so etwas gibt, sollte doch genügen.

- Huber: "...dass Gott dem menschlichen Leiden nicht gleichgültig zuschaut, sondern dieses Leiden mitleidet". Ist es nicht ein wenig billig, damit zu versuchen, das Nichteingreifen Gottes in das unermessliche Leid von Menschen, beispielsweise in Auschwitz oder Hiroshima, zu rechtfertigen? Ist es nicht auch ein wenig einfach, das Theodizee-Problem u.a. mit den Worten abzutun "Gottes Allmacht zeigt sich in der Liebe, mit der er sich uns Menschen zuwendet, damit wir uns auch angesichts des Unbegreiflichen an ihr orientieren"?

- Wieso bin ich in "Sünden verstrickt"? Wieso bin ich "voller Schuld vor Gott"? Wieso kann die Aufopferung eines Menschen Erlösung bewirken? Warum löst Gott das vermeintliche Problem der Errettung der Menschheit durch einen blutigen Mord an seinem Sohn? Warum hat er der Menschheit nicht einfach ohne Gewaltanwendung verziehen, da er ja GOTT ist, das also können müsste? Diese Fragen werden in dem Buch nicht beantwortet. Es gibt zu Sünde und Schuld nur allgemeine Erklärungen, aber worin "meine" eigene Sündenverstrickung und meine "eigene" Schuld bestehen, erfahre ich nicht.

- Huber: "Es gibt keine Kollektivschuld". Was anderes ist denn die Andichtung der Erbsünde an jeden Menschen? Was habe ich mit dem Sündenfall Adams und Evas zu tun? Genau so wenig, wie mit den Verbrechen der Nazis.

- Ein Dogma, das mir schon, als ich noch Christ war, Kopfzerbrechen bereitet hat und das ein vernünftig denkender Mensch nicht verstehen kann, ist die Dreifaltigkeit oder Trinität. Auch diese wird nicht erklärt, sondern es wird lediglich gesagt:"Gott ist eine Substanz in drei Personen, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist", aber doch ist er in einer Person. Was ist das für ein Unsinn? Wieso nennt sich dann die christliche Religion monotheistisch?

- Der Philosoph Wilhelm Weischedel schrieb über Kant: "Es gibt fast ebenso viele Kant-Deutungen, wie es Interpreten dieses Philosophen gibt". Mir scheint, dass Herr Huber hier eine weitere Deutung hinzugefügt hat, indem er die Worte Kants, er habe "das Wissen aufheben müssen, um dem Glauben Platz zu machen" uminterpretiert in "Er befreite den Gottesgedanken aus dem Einzugsbereich des Erfahrungswissens..." Ich bin zwar kein Philosoph, kann aber Kant nur so verstehen, dass man den Verstand ausschalten müsse, wenn man dem Glauben Platz machen will. Auch Feuerbach bezeichnete Gläubigkeit als "die Scheu, sich des eigenen Verstandes zu bedienen".
Wenn Herr Huber fordert, dass dem Glauben "für den Umgang mit allem Wissen eine orientierende Bedeutung zukommt", schickt er damit christliche Wissenschaftler, deren Forschungsergebnisse sich mit ihrem Glauben nicht vereinbaren lassen (und das dürfte öfter vorkommen) in erhebliche Gewissenskonflikte.

- Huber: "Mit einer neuen Zuwendung zur Religion rebelliert die Seele der Menschen gegen ihre kommerzielle Reduktion". Dass auch Zuwendung zu den Künsten, also beispielsweise zu Musik, Literatur oder Malerei, die Liebe zu einer Frau oder zu einem Mann und zu Kindern oder Enkeln "kommerzielle Reduktion" der Menschen auch ohne Religion aufheben kann, verdient als Alternative leider keine Erwähnung.

- Auch zum letzten Abschnitt des Buches mit der Bezeichnung "Liebe" ließe sich eine Menge einwenden ("Wer Gott liebt, liebt auch den Nächsten" oder "Die Zehn Gebote als Kristallisationskern für die Wertorientierung" usw.), was ich aber vermeiden möchte, um nicht ungebührlich viel Platz zu beanspruchen. Befremdend ist allerdings, dass ausgerechnet ein so genanntes "Hohelied der Liebe" des Frauenhassers Paulus als Leitmotiv gewählt wird. Was ist denn hier für eine Liebe gemeint? Ganz sicher nicht eine diesseits gewandte, auf eine Frau oder ein Kind gerichtete, also hilfreiche Liebe. Was also soll das?

An diesem Buch ist anerkennenswert, dass der Autor niemals in Polemik verfällt oder Personen mit anderer Auffassung diskreditiert. Weiterhin bestreitet er viele Verfehlungen des Christentums nicht, wie Hexenverfolgung, Inquisition, Judenhass usw., sondern setzt sich kritisch mit ihnen auseinander. Trotz aller Kritik ist es ein ehrliches Buch. Außerdem habe ich in meinem Bemühen um Verständnis der christlichen Religion die Einsicht gewonnen, dass es richtig war, mich von einer Religion zu trennen, die ohne solche menschlichen Konstruktionen wie Dreifaltigkeit, Heiliger Geist, Auferstehung, Himmelfahrt usw. nicht auskommt. Ich habe weiterhin durch das Buch einige Unterschiede zwischen Protestantismus und Katholizismus kennen gelernt und finde den erstgenannten sympathischer, weil er (wie Jesus selbst) bescheidener und menschlicher und nicht, wie der letztgenannte, in protziger und selbstherrlicher Form (was mit Jesus nichts zu tun hat) daherkommt. Das hat mir Bischof Huber nahe gebracht. Deshalb bin ich gern bereit, trotz weitgehend diametraler Auffassungen, dem Buch drei Sterne zuzuerkennen.
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Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung;
Der christliche Glaube: Eine evangelische Orientierung; von Wolfgang Huber (Broschiert - 18. August 2008)
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