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196 von 212 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie unser Denken funktioniert
Kahnemann stellt im Buch die Frage, wie Menschen heute Entscheidungen treffen und welchen Irrtümern und Fehleinschätzungen sie dabei unterliegen. Er geht dabei von einem Zusammenspiel zweier Denk-Systeme aus: einem schnellen, intuitiven, dass häufig zu falschen Entscheidungen führt, und einem zweiten, analytischerem , dass wir erschütternd oft...
Veröffentlicht am 23. Mai 2012 von Falk Müller

versus
95 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kahnemanns Lieblingskritiker behauptet, daß dieses Buch nur Verwirrung stiftet
Der prominenteste und erklärteste Kritiker Kahnemanns ist Gerd Gigerenzer, Direktor des Center for Adaptive Behavior and Cognition (ABC) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Gigerenzer, wie Kahnemann Psychologe, hat sich mit Forschungen zum heuristischen Denken und Entscheidungen bei Risiken und Unsicherheiten einen Namen gemacht und mit einer...
Veröffentlicht am 1. November 2012 von Benedictu


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196 von 212 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie unser Denken funktioniert, 23. Mai 2012
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Kahnemann stellt im Buch die Frage, wie Menschen heute Entscheidungen treffen und welchen Irrtümern und Fehleinschätzungen sie dabei unterliegen. Er geht dabei von einem Zusammenspiel zweier Denk-Systeme aus: einem schnellen, intuitiven, dass häufig zu falschen Entscheidungen führt, und einem zweiten, analytischerem , dass wir erschütternd oft unbewusst umgehen.

Das schnelle, assoziative Denken nennt er System 1. Wenn zum Beispiel nach der Hauptstadt von Frankreich gefragt wird, hat man sofort Paris im Sinn. Und bei der Frage nach dem Ergebnis von 2 + 2 weiss man sofort: 4. Aber dieses schnelle, assoziative Denken hat eben auch seine Tücken, führt zu eingeschränkter Wahrnehmung. Hier sei der berühmte "Gorilla-Test" angeführt. Dabei sollten Probanten in einem Video sich nur auf die Spieler in Weiß konzentrieren. 50 % von ihnen bemerkten nicht den schwarzen Gorilla, der auch mit im Bild war. Oft übersehen wir also Offensichtliches.

Das langsame, wohlüberlegte, rationale Denken soll uns davor schützen. Der Autor nennt es das System 2. Auch hierzu nennt der Autor ein einleuchtendes Beispiel. Ausgehend von der bereits erwähnten Frage nach dem Ergebnis von 2 plus 2 macht er die Rechenaufgabe nun wesentlich schwieriger. Er fragt nämlich nach dem Ergebnis von 13 mal 18. Natürlich kommt man (ohne Taschenrechner) auch irgendwann auf das richtige Ergebnis von 234. Aber es ist schon wesentlich mühseliger.

Das langsame, analytische Denken (System 2) ist also anstrengend, kostet mentale Energie, so dass man unbewusst dazu neigt, es zu umgehen. Hierzu ebenfalls ein Beispiel aus dem Buch. Es wurden die Urteile von Richtern untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass die Urteilsspüche weniger mit den individuellen Fällen und stattdessen mehr mit dem Tagesablauf der Richter zu tun hatten. Die Richter haben viel mehr Leute auf Bewährung entlassen, wenn der Fall früh oder nach der Mittagspause dran kam. Die schlechtesten Chancen hatten Häftlinge, wenn ihr Fall verhandelt wurde und die Richter schon mehrere Stunden gearbeitet hatten. Hier wurden die meisten Bewährungsanträge abgelehnt.

Kahnemann erklärt dieses Phänomen mit mentaler Müdigkeit. Er sagt, dass die Arbeit von Richtern in erster Linie langsames, analytisches Denken beansprucht. Dies ist aber anstrengend und laugt die mentalen Energiereserven aus. Deshalb ist es eine menschliche Reaktion der Richter, irgendwann im "Standard-Modus" zu denken. In diesem Fall mit der Überlegung: er sitzt schon im Gefängnis, also lieber nichts dran ändern.

Fazit: Das Buch ist sehr wissenschaftlich und oft anstrengend. Schliesslich hat man es auch mit einem Nobelpreisträger zu tun. Aber die Lektüre lohnt doch aufgrund der vielen interessanten Fallstudien und der damit verbundenen Denkanstösse.
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171 von 187 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sehr aufschlussreich !, 28. Juni 2012
Von 
Flo33 (Ampfing) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe mir dieses Buch vor ein paar Wochen bei AMAZON bestellt und bin absolut begeistert davon ! Öfters bleibe ich an bestimmten Stellen hängen und ich muss dann den Satz wiederholen,denn dieses Buch stellt für mich (nur Hauptschulabschluss !) eine wahre Herausforderung dar.
Aber genau das ist ja mitunter das so Interssante an diesem sehr umfangreichen Werk,dass dem Leser einen sehr hohen Informationsgehalt bietet und ihm immer wieder zum Nachdenken und Reflektieren animiert. Es lässt sich meiner Meinung nach ein hoher Nutzen daraus ziehen,da erklärt wird,wie geistige Prozesse im Allgemeinen so ablaufen und wie sehr die Realität oft von Illusionen verblendet wird. Nur,und was mich sehr fasziniert hat ist die Tatsache,dass auch das was man sieht und 100 Prozent für richtig hält oft täuscht und verzerrt und erst bei genauer Betrachtung und unter Einsatz des Denkapparates objektiv transparent wird.
Ich denke,dass es Kahnemann darum geht,dass die Menschen einfach mit bewussteren Augen durch die Welt gehen und dass sie viele Fallstricke schon im Ansatz vorwegnehmen und dann eventuell die Richtung ändern oder den Plan bei mehr Aufwand als Nutzen aufgeben .Was mir auch sehr gut gefallen hat war,dass es nicht von Vorteil ist,schwierige Fragen durch leichte zu ersetzen. Diese erschreckende Thematik wird von einigen Menschen,die ich kenne geradezu passioniert betrieben und ich kann dazu nur ein bisschen was von Einstein zitieren: Innerhalb des Problemrahmens kann man das Problem nicht lösen.
Meiner Meinung nach ist dieses Buch sehr lehrreich und ich empfehle es uneingeschränkt weiter !!
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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Hörbuch erleichtert den Gesamtüberblick, 30. Juli 2013
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schnelles Denken, langsames Denken (MP3 CD)
Der Titel "Nobelpreisträger" scheint viele Leser noch immer in stillen Ehrfurcht erstarren zu lassen. Während andere Rezensenten gleich alles mit 5 Sternen belohnen, was von einem Nobelpreisträger stammt, entschuldigen die Kritiker dieses Buches den zum Teil unnötig schwerfälligen Stil von Daniel Kahneman mit dem Hinweis auf Kahnemans wissenschaftliches Renommee. Aber andere Nobelpreisträger haben zum Glück bewiesen, dass sich selbst komplexe Zusammenhänge und ausgeklügelte Experimente verständlich vermitteln lassen, ohne gleich in dumme Vereinfachungen zu verfallen. Kurz: Es braucht ein gehöriges Mass an Konzentration und Ausdauer, um dieses gut 600 Seiten dicke Werk durchzuackern.

Mit dem Siegeszug der Hörbücher hat sich jedoch die Möglichkeit ergeben, die Leseleistung auszulagern und sich den roten Faden von einem geschulten Sprecher knüpfen zu lassen. Bei Werken, die mich so interessieren wie dieses, mache ich jeweils von dieser Option Gebrauch und kaufe sowohl das Buch als auch die CDs. Das sind in diesem Falle dank dem mp3-Format nur deren drei, obwohl die vollständige Lesung 20 Stunden und 46 Minuten dauert. Und weil Jürgen Holdorf selbst holprige Stellen liest, als stammten die Sätze von Thomas Mann, bleibt die Aufmerksamkeit hoch.

Was der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman geschrieben hat, sei eine Betriebsanleitung für unser Gehirn, meint Denis Schreck von der ARD. Diese Einschätzung teile ich nicht, obwohl wir tatsächlich eine Unmenge über das blumenkohlähnliche Ding auf unserem Hals erfahren. Denn Kahneman konzentriert sich vor allem auf Vorgänge, die mit Entscheidungen zu tun haben. Zudem führt er Begriffe ein, die nicht zum Sprachschatz der Neurowissenschaftler gehören und zu Missverständnissen führen können. Aber indem Kahneman von System 1 und System 2 spricht, umschifft er elegant die fruchtlosen Auseinandersetzungen um die richtigen Definitionen von Bewusstein, Unbewusstem und Vorbewusstem.

Gründe, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen, gibt es genug. Zu den wichtigsten zähle ich den Anstoss, sich intensiver mit der Rolle der unbewusst arbeitenden Hirnareale zu beschäftigen. Denn es ist nun mal so, dass menschliches Verhalten mehrheitlich von Hirnregionen gesteuert wird, auf die unser bewusstes Ich keinen Einfluss hat. Und weil wir das noch immer nicht wahrhaben wollen, trägt der dritte Teil die Überschrift „Selbstüberschätzung“.

Nach der Einleitung, in der Daniel Kahneman eine kurze Bestandesaufnahme macht, stellt der Autor die beiden Systeme vor, deren Verständnis unabdingbar ist, um seinen weiteren Ausführungen folgen zu können. Unsere kognitiven Verzerrungen erklärt Kahneman anhand vieler Beispiele, von denen allerdings die meisten auch schon von anderen Autoren aufgenommen wurden. Zu etlichen inhaltlichen Wiederholungen kommt es im vierten Teil „Entscheidungen“, da sich Themen der Heuristik durch das ganze Buch ziehen. Und vor dem gut 100 Seiten umfassenden Anhang sagt uns Daniel Kahneman noch, was er unter „Zwei Selbste“ versteht.

Mein Fazit: Das Verdienst von Daniel Kahneman besteht vor allem darin, dass er mit seinem Renommee ein breites Publikum anzieht und damit den Abschied vom Homo oeconomicus wesentlich beschleunigt. Auch wenn es noch einige Jahre dauern wird, bis die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung und der Verhaltensökonomie lieb gewonnene Weltbilder und Modelle verändern, ist der Anfang nun gemacht. Wer sich mit Daniel Kahnemans Ausführungen über menschliche Verhaltensweisen beschäftigt, erhält jedenfalls ein differenziertes Bild, als es in populärwissenschaftlich verkürzten Werken vermittelt wird.
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95 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kahnemanns Lieblingskritiker behauptet, daß dieses Buch nur Verwirrung stiftet, 1. November 2012
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Der prominenteste und erklärteste Kritiker Kahnemanns ist Gerd Gigerenzer, Direktor des Center for Adaptive Behavior and Cognition (ABC) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Gigerenzer, wie Kahnemann Psychologe, hat sich mit Forschungen zum heuristischen Denken und Entscheidungen bei Risiken und Unsicherheiten einen Namen gemacht und mit einer Reihe von Werken auch an ein größeres Publikum gewandt: Das Einmaleins der Skepsis: Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken, Gut Feelings: The Intelligence of the Unconscious, Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen - 2 CDs - JOK2286C.

A) GIGERENZERS HAUPTEINWAND
gegen Kahnemann greift schon im Titel des Buches an, in dem Kahnemann einen irreführenden Gegensatz zwischen dem schnellen, assoziativen Denken (System 1) und dem langsamen rationalen Denken (System 2) aufbaut.

Um zu begründen, daß Kahnemann irrt, mußte Gigerenzer nur zeigen, daß das rationale Denken auch schnell sein kann, wenn man effektive Heuristiken entwickelt und bewußt anwendet:

I. Unbewußt und schnell: Die Ballannahme beim Fußballspiel
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Um den Auftreffpunkt eines hohen Balles auf dem Rasen zu berechnen, müßte ein Fußballspieler eigentlich eine komplizierte Differentialgleichung lösen, in die u.a. Windgeschwindigkeit, Luftwiderstand und Drall eingehen, dann dort hinrennen und den Ball annehmen. So macht er das gewiß nicht, schafft es aber immer wieder dort zu sein, wo der Ball landet. Des Rätsels Lösung ist die sog. Blickheuristik (engl. „gaze heuristic“): Wenn ein Ball von oben herunterkommt, fixiert ihn der Spieler und fängt an zu laufen. Die Heuristik besteht darin, seine Laufgeschwindigkeit so anzupassen, daß der Blickwinkel, der Winkel zwischen Auge und Ball konstant bleibt.
Der Witz dabei ist, daß der Fußballer den Landepunkt des Balles weder kennt noch vorausberechnet, aber durch Anwendung dieser Methode eben zur gleichen Zeit wie der Ball an der Stelle ist, wo der auftrifft ;-). Der Fußballer muß sie sich nicht bewußt machen, es gelingt unabhängig davon; Hunde können es im Prinzip auch.

II. Bewußt und schnell: Die Vorbereitung einer Notlandung
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Ausgebildete Piloten nutzen die Blickheuristik dagegen ganz bewußt, um zu einer schnellen Entscheidung zu kommen. Das Beispiel, das Gigerenzer gerne verwendet, ist die bravouröse Notlandung des „Helden vom Hudson-River“. Der Pilot Sullenberger des US-Airways-Fluges 1549 war im Jahre 2009 mit dem Unglück konfrontiert, daß seine Maschine noch im Steigflug in einer Höhe von weniger als 1 km durch Vogelschlag einen Schubverlust beider Triebwerke erlitt. Er gelang ihm, auf dem Hudson notzulanden. Vorher meldete er, daß er es nicht schaffen werde zum New Yorker Flughafen LaGuardia zurückzukehren und auch nicht zu einem zweiten Flugplatz mit Sichtkontakt. Wie konnte er das so sicher und schnell sagen? Gigerenzer erzählt, daß Sullenberger bei dieser Frage auf die Blickheuristik der Piloten beim Gleitflug verwies. Sinkt ein anvisierter Zielort im Blickfeld des Piloten relativ zum Horizont, würde er ihn überfliegen, steigt er dagegen, wird er ihn mit Sicherheit verfehlen.

B) ZUR IRRTUMSGEFAHR BEI INTUITIVEN ANTWORTEN
Um die Irrtumsanfälligkeit intuitiver Antworten hervorzuheben, stellt Kahnemann Probleme gerne so, daß jeder prompt eine falsche Antwort gibt. Die berühmte Mammographie-Frage, die fast alle Ärzte falsch beantworten, die Laien erst recht, stellt er so:
a) die Krankheitshäufigkeit von Brustkrebs sei P(K)=1%
b) die Entdeckungsrate der Mammographie liege bei P(Pos/K)=80%
c) die falsch-positive Diagnose, bei der eine Gesunde als krank eingestuft wird, sei P(Pos/G)=10%
Gesucht ist P(K/Pos), also: Wieviel Prozent der Frauen, die positiv getestet wurden, haben wirklich Brustkrebs? Die meisten antworten 75% oder so, was ganz ganz falsch ist und Kahnemann freut sich riesig, daß er recht zu haben scheint.

Gigerenzer würde aber schon die Informationen zur obigen Frage, wieviel der positiv Getesteten wirklich krank sind, erfrischend anders präsentieren. Nämlich so:
a) 10 Frauen von 1000 haben Brustkrebs
b) die Mammographie entdeckt von diesen 10 genau 8
c) von dem Rest von 990 werden 99 falsch-positiv diagnostiziert

Und schon schwant dem Befragten, daß er nun nur noch 8 durch 99 teilen muß, um zu der ziemlich erschreckenden, guten oberen Abschätzung zu gelangen, daß also weniger als 8% der Frauen, die den schlimmen Befund bekommen, wirklich erkrankt sind. Aber selbst die genaue Rechnung ist nicht viel aufwendiger. Dafür muß er 8 durch 99+8, also 8 durch 107 dividieren, was 7,5% ergibt. Richtig gerechnet! Jetzt freut sich aber Gigerenzer.

Das überlegene, aber angeblich immer langsame rationale System 2 Kahnemanns sähe die Anwendung der Bayesschen Formel für bedingte Wahrscheinlichkeiten vor: P(K|Pos) = [P(Pos|K) x P(K)] / P(Pos) = [0,8 x 0,01] /[0,8 x 0,01 + 0,99 x 0,1] . Das ist aber - wie man gesehen hat - bei adäquater Fragestellung überhaupt nicht nötig, so daß auch dieser Punkt m.E. an Gigerenzer geht.

FAZIT
Die Gegenüberstellung vom schnellen Denken in unbewußter und bewußter Variante (I und II) zeigt, daß auch Nobelpreisträger schwere Einwände fürchten müssen. Gigerenzer meint, daß Kahnemann, der Vater des sanften Paternalismus, mit seinem Buch nur heillose Verwirrung stiftet. Meine Empfehlung ist daher, nach der Lektüre unbedingt zum Gegengift der Schriften Gigerenzers zu greifen ;-).
(s.o. oder Simple Heuristics That Make Us Smart (Evolution and Cognition) und Adaptive Thinking: Rationality in the Real World (Evolution and Cognition))
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80 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen (Deutscher) Schreibstil suboptimal, 15. Februar 2013
Da die wirklich sehr interessanten Erkenntnisse des Herrn Kahneman schon oft rezensiert wurden, möchte ich mich hier mehr auf den Schreibstil konzentrieren.

Obwohl der Inhalt des Buches wirklich sehr interessant ist, schafft es der Autor nicht, dass sich beim Leser ein gewisses Lesevergnügen einstellt. Ein "Leseflow" stellt sich hier nur selten ein. Mühsam muss man manche Sätze 2-3 mal lesen (zumindest wenn man, wie ich, gerne alles verstehen würde), ehe man einigermaßen nachvollziehen kann, was der Autor mit seiner abstrakten Bemerkung nun eigentlich sagen will (vor allem auf den letzten 200 Seiten fiel mir das verstärkt auf). Immerhin gibt es zahlreiche Beispiele und Studien, die dann im Anschluss klar machen sollen, was der Autor sagen will, wenn er Sätze raushaut wie z.B.

"Die Definition von Rationalität als Kohärenz ist in einer wirklichkeitsfremden Weise restriktiv." (s.S.508 unten)

Sowas will doch niemand lesen, der kein Masochist ist. Es wirkt geradezu absurd, dass der Autor zu Beginn des Buches darauf hinweist, dass es ein Zeichen von Intelligenz sei, wenn man in der Lage ist, sich durch eine einfache und klare Sprache verständlich zu machen. Unterbewusst will er sich dann als Nobelpreisträger aber wohl doch etwas eloquenter ausdrücken als es tatsächlich nötig wäre. Mag sein, dass das Buch im Original flüssiger zu lesen ist, aber die deutsche Übersetzung (und die wird hier rezensiert) ist meines Erachtens stark verbesserungswürdig.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn Wissenschaftler Bücher schreiben, 11. Oktober 2012
Von 
Rodrot - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
In diesem Buch wird aufgezeigt, dass wir unsere Entscheidungen unglaublich oft nicht nur rational fällen, sondern unser unbewusstes Denken uns viel stärker beeinflusst, als man gemeinhin vermuten würde. Dabei werden recht allumfassend die verschiedensten Lebensbereiche abgedeckt und anhand vieler Beispiele erläutert.

Zunächst ist festzuhalten, dass der Autor schon verständlich schreibt und das Buch somit auch ohne besondere Vorkenntnisse verstanden werden kann. Allerdings ist der Schreibstil des Autors leider oft sehr ausschweifend und der Text ist teilweise auch sehr trocken und wissenschaftlich.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Autor ganz offensichtlich und unbestritten über ausgesprochen fundierte Kenntnisse verfügt und das Buch auch durchaus interessante Informationen vermittelt. Wenn man den Presserummel berücksichtigt erfährt man jedoch, sofern man sich bereits für das Thema interessiert, insgesamt erstaunlich wenig neues.

Fazit:
Für dieses Buch gilt wie so oft, dass begnadete Wissenschaftlich selten gleichzeitig begnadete Autoren sind. Inhaltlich gibt es wenig zu kritisieren, aber der Schreibstil ist alles andere als lesefreundlich, da gibt es bessere Bücher zum Thema.
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54 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Buch beweist sich in gewissem Sinne selbst, 16. Juni 2012
Wenn der Nobelpreisträger und Psychologieprofessor Daniel Kahnemann als Grund aufführt, dass uns oft mentale Müdigkeit zu Fehlurteilen verleitet, so betrifft dies auch sein eigenes Buch. Meine Rezension sollte also ebenso unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden, denn das Buch ist zwar sehr klug, aber auch überaus anstrengend. Eine gewisse mentale Müdigkeit stellte sich beim Lesen schon ein. Aber immer wieder gelingt es Kahnemann spannende Fakten einzustreuen (z.B. eben die "Richter-Studie", die zeigt, wie sehr Justiz-Entscheide von der momentanen mentalen Verfassung der urteilenden Richter abhängen), die verwundern und uns aufzeigen, wie sehr wir uns falsch einschätzen und uns einer Objektivität verdächtigen, die es nicht gibt. Und so lassen wir uns aufgrund unserer nicht erkannten Limiten und Gewohnheiten immer wieder die schönsten Chancen entgehen oder ordnen Dinge in einer Art und Weise ein, die nicht den Tatsachen entspricht.

Das Buch ist kein Ratgeber, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Sachbuch, das Kahnemanns jahrzehntelanges Forschen und Betrachten zusammenfasst. Es zeigt uns, wie sehr unser Denken uns in die Irre führen kann, aber wie schwierig es gleichzeitig auch ist, dieser Falle zu entkommen. Denn es ist ja zuerst einmal unser Denken das dieses falsche Denken erkennen müsste - was naturgemäss schwierig ist.

Die Lösung liegt im Akzeptieren dieser Tatsachen, in einer täglich grössen Achtsamkeit und in vielen kleinen Schritten. Nur durch das Bewusstwerden können wir diese Trittfallen in unserem Leben mehr und mehr wahrnehmen und ihnen entkommen.

Aber wenn wir das angehen, werden wir mit etwas Grossartigem belohnt: mit mehr Freiheit, einer offeneren Sichtweise und neuen Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten.

Peter Steiner, Autor von "Weisheit für Minimalisten", "Das Zen des glücklichen Arbeitens" u.a.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten wissenschaftlichen Bücher, die ich gelesen habe ..., 13. Juni 2014
Von 
Scimitar "axel02" (Aachen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mir ist dieses Buch in einer Weiterbildung über Vortragstechniken empfohlen worden und ich habe es mit wachsender Begeisterung gelesen. Zunächst: Der Nobelpreisträger von 2002, Daniel Kaneman kann schreiben. Der Text strotzt auch in der deutschen Übersetzung von Humor, Selbstironie, Spannung und Vergnügen. Man gewinnt den Eindruck, dass der Autor nicht nur ein vergleichsweise bescheidener Mensch geblieben ist (er nimmt sich nur zu gern selbst auf die Schippe und spricht durchgängig voller Respekt und Begeisterung von anderen Forschern) sondern auch ein echter Forscher ist: Voller unbändiger Neugier auf die Welt.

Diese Art zu Schreiben, die auch den Leser gern immer wieder mit Fragen und Aufgaben einbindet ist gleichzeitig ein wissenschaftlicher Text im besten Sinne. Man gewinnt fast auf jeder Seite neue Erkenntnisse zum Thema und kann alle Thesen und Erkenntnisse gut nachvollziehen, das Buch bleibt auf jeder Seite lebendig.

Zum Inhalt: Der Autor beschäftigt sich mit Urteilsheuristiken. Dabei handelt es sich um Mechanismen, mit denen der Mensch Alltagssituationen bewältigt, ohne dabei auf reflexives, logisches Denken (System 2 genannt) zurückzugreifen. Diese Nutzung von "System 1" führt immer wieder zu krassen Fehlurteilen bei Schätzungen, Entscheidungen, Einkäufen, Planungen usw. usw.

Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Probanden sollten Kaufpreise für zwei Geschirrsets festlegen, die im Ausverkauf eines Geschirrgeschäfts standen. Ein völlig heiles, kleineres Set und ein größeres Set mit einigen kaputten Teilen. Obwohl das größere Set nach Abzug der kaputten Teile noch deutlich mehr heile Teile als das kleinere Set besaß legte die überwiegende Anzahl der Probanden den Preis für das kleinere Set als höher fest - schließlich war das Set komplett heil.

Das Buch geht Abschnittsweise diese verschiedenen Arten der Heuristiken durch, erläutert sie an Versuchen und erklärt ihr Zustandekommen. Bei einem Teil der Heuristiken wird zusätzlich auch erläutert, wie man selbst im täglichen Denken diesem Effekt gegensteuern kann.

Ich habe insgesamt selten bei der Lektüre eines Buches so viel und so gern gelernt und werde es sicherlich auch noch einige Mal im Freundeskreis verschenken. Für jeden Interessierten ist dieser Band eine ganz klare Leseempfehlung.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intuition versus rationalem Überlegen, 28. März 2014
Von 
H. Schneider (Aichtal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schnelles Denken, langsames Denken (Broschiert)
"Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust!", so lässt Goethe seinen Faust aufstöhnen; und zwei Denkungsweisen bestimmen, ach, all unsere Entscheidungen.
Diese beiden namengebenden Denkverfahren sind das "schnelle Denken", im Buch so genannte "System 1", das für automatische und intuitive Interpretations- und Bewertungsprozesse zuständig ist, und das "langsame Denken" oder einfach nur "System 2", welches die "Vorgaben" von System 1 zu prüfen hat oder bei schwierigeren kognitiven Aufgaben, bei welchen System 1 überlastet ist, aktiv wird. Evolutionär bedingt sind die meisten der von System 1 getroffenen Entscheidungen selbstverständlich richtig (sonst könnten wir nicht überleben), aber v. a. in unserer heutigen immer komplexer werdenden Welt sieht es sich allzu oft mit Aufgaben konfrontiert bei denen es schlicht an seine Grenzen stößt. Nun müsste eigentlich immer das bereits erwähnte System 2 eingreifen, aber leider verbraucht dieses im direkten Systemvergleich große Mengen sogenannter "mentaler Energie", weshalb es faul ist und nur wenn irgend nötig aktiv wird.
So kommt es, dass wir v. a. bei komplexeren Problemstellungen oft den Überblick verlieren und, bedingt durch Heuristiken, logische Inkonsistenz, Kohärenzillusionen usw. eine verzerrte Sicht der Dinge gewinnen, welche uns oftmals die falschen Entscheidungen treffen lässt.
In seinem Vergleich zwischen dem rational agierenden "Econ" der klassischen Wirtschaftswissenschaften gegen den subjektiv beeinflussbaren "Human" der modernen Psychologie zeigt Kahneman dabei die Grenzen der menschlichen Fähigkeit zur rationalen Entscheidungsfindung auf.

Ein sehr spannendes Sachbuch, nur leider manchmal für meinen Geschmack etwas zu langatmig und umständlich geschrieben.
Aber trotzdem sehr empfehlenswert für jeden an der Thematik interessierten.
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25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lernen Sie mehr über Ihre kognitiven Fähigkeiten zu erfahren, 25. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Seit einigen Jahren bin ich interessiert zu erfahren, wie Menschen ihre Entscheidungen treffen und wie rational sie sich dabei verhalten.
Gibt des den "homo oeconomicus" das zentrale Postulat der VWL, das nur monozentrisch an der Maximierung seines Nutzens orientiert ist und dabei stets rational handelt, wirklich? Was heißt überhaupt rationales Handeln?

Ich habe zuerst Rolf Dobellis "Die Kunst des klaren Denkens" gelesen, welches wie ein kurzweilig zu lesendes Taschenbuch mit vielen sinnvollen Denkanstößen daherkommt. Jetzt allerdings weiß ich, von wem sich Dobelli hat inspirieren lassen, manchmal war es schon mehr als das....
Kahneman liefert in seinem Werk "Schnelles Denken, langsames Denken" dem interessierten, fachunkundigen Leser den aktuellen, wissenschaftlichen Stand anhand vieler Experimente und erklärte mit einfachen Worten, wie kognivite Entscheidungsprozesse in unserem Innern ablaufen.

Kahneman unterscheidet bei unserem Denken zwei Arten, das schnelle, unterbewußte, intuitive Denken und das bewußte, langsame und auch anstrengende Denken. Ersteres nennt er System 1, letzteres System 2. System 2 ist vordergründig dafür da, die unterschwelligen, leicht abrufbaren Deutungsvorschläge von System 1 zu überprüfen.
Ein Beispiel? Gerne: Ein Ball und ein Schläger kosten zusammen 1,1€. Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball. Wieviel kostet der Ball?
Wenn Sie dazu neigen, die erste Antwort, die irgendwie auf der Hand liegt, nämlich 10 Cent zu geben, sind Sie einem Irrtum aufgesessen, den Ihnen Ihr System 1 aufgetischt hat, denn einfaches Nachrechnen hätte Sie zu dem Schluß kommen lassen müssen, dass 10 Cent nicht stimmen kann. Damit gehören Sie leider zu den weniger rational denkenden Menschen.

Kahneman beschreibt eine Fülle solcher Experimente mit verblüffenden Schlüssen. Fazit: Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch für einen breiten Interessentenkreis.
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Schnelles Denken, langsames Denken
Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahneman (Broschiert - 24. Februar 2014)
EUR 16,99
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