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46 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (Liebes)Geschichte und
MRR hat mich -- die wenigen Male, die ich ihn im Literarischen Quartet gesehen habe -- eigentlich immer nur irritiert. Mein Eindruck war dass MRR zwar wortgewaltig, vor allem aber ein polternder und selbstveliebter Selbstdarsteller war. Meines Erinnerns habe ich nie was von ihm gelesen.

Vor einigen Monaten hab' ich dann im Ramschladen das Buch gekauft. Ich...
Veröffentlicht am 22. Oktober 2006 von Ein zufaelliger Leser

versus
18 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Ich habe mich über dieses Buch geärrrrgert"
sagte er selbst öfters im Lit. Qu. und so ging es mir in diesem Fall auch. Die positiven Rezensionen kann ich nicht bestätigen. Zwar erfährt man viel über die Biographie von MRR (und das ist auch interessant), aber ein Verständnis für das "Innere" ergibt sich kaum. Dauernd betont er seine Liebe zur deutschen Literatur, WAS er daran genau...
Am 16. Juli 2001 veröffentlicht


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46 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (Liebes)Geschichte und, 22. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
MRR hat mich -- die wenigen Male, die ich ihn im Literarischen Quartet gesehen habe -- eigentlich immer nur irritiert. Mein Eindruck war dass MRR zwar wortgewaltig, vor allem aber ein polternder und selbstveliebter Selbstdarsteller war. Meines Erinnerns habe ich nie was von ihm gelesen.

Vor einigen Monaten hab' ich dann im Ramschladen das Buch gekauft. Ich weiss nicht warum. Aber ich hab' es nicht bereut.

Dies ist, in der Tat, ein grandioses Buch ueber juedische Schicksale (nicht nur seins, auch vieler anderer inclusive seiner Eltern) im und nach dem Dritten Reich, ueber die Faszination, die die Literatur ausueben kann (und nicht nur die deutsche des 20. Jahrhunderts), eine ungewoehnliche Liebesgeschichte, und viel viel mehr (z.B., viele Vignetten -- manchmal nur Paragraphen lang -- ueber Personen der Zeitgeschichte)!

Es gibt eine Stelle im Buch -- irgendwo ziemlich am Anfang -- wo MRR bedauert dass er keine akademische Ausbildung hatte. Es scheint mir, dass grade dieser Umstand massgeblich zu seiner heutigen Prominenz und Ausnahmestellung beigetragen hat: Die Faehigkeit eine dezidierte Meinung zu haben, und sie auch klar und verstaendlich auszudruecken, haette ihm die deutsche Universitaet mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgetrieben.
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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Leben des jüdischen Literaturpapstes: ehrlich, fesselnd und machmal sogar selbstkritisch, 22. November 2006
Von 
Helge Denker (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Nein, man muss ihn nicht lieben, aber man sollte ihn lesen. Denn die Autobiografie des jüdischen Literaturpapstes (sic) liest sich streckenweise spannend wie kaum eine sonst - abgesehen vom ersten Kapitel, in dem MRR so ziemlich jedes Theaterstück beschreibt, dass er in Berlin gesehen hat. Der zweite Part schildert die Über-Lebenszeit im Warschauer Ghetto, die Marcel Reich-Ranicki und seine Frau Teofilia "aus Zufall" überleben. Ein drittes Kapitel ist, sehr aufschlussreich, der Zeit nach dem Krieg in Polen gewidmet. Hier kann MRR zum ersten Mal, wenn auch begrenzt und gegängelt, seine "portative Heimat" die deutsche Literatur, vorstellen, beschreiben und kritisieren. Die Flucht nach und das Leben im Nachkriegs-Deutschland macht Teil Nummer vier aus, vielleicht das interessanteste Kapitel. Hier trifft MRR so ziemlich jeden namhaften Schriftsteller und Dramatiker - auch die, die damals noch keinen bekannten Namen hatten. Das liest sich heute wie ein Who-is-who der deutschen Nachkriegsliteratur. Der letzte Teil reicht fast bis an die heutige Zeit heran, beginnt mit dem unheimlichen Zusammentreffen mit Albert Speer auf einer Party und endet mit der Schlussstrich-Rede Martin Walsers in der Frankfurter Paulskirche 1998. Alle Autoren, die MRR in ihrer Eitelkeit verletzt hat, das sind nicht eben wenige und die auf billige Rechtfertigungs-Prosa gehofft hatten, werden von MRR enttäuscht: seine Autobiografie ist ehrlich, fesselnd, glänzend geschrieben und stellenweise sogar selbstkritsich. Allein dafür lohnt es sich, das Buch über sein Leben zu lesen. Danach wird man ihn vielleicht nicht lieben, aber zumindest besser verstehen.
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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bewegtes und bewegendes Leben!, 15. Mai 2007
Als Marcel Reich-Ranicki kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag seine Lebenserinnerungen veröffentlichte, nahmen Kritik und Leserschaft in selten einmütiger Begeisterung dieses Buch auf.

Der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands, der vorher eher seine Leser, Hörer und Zuschauer polarisierte, blickt hier ungewohnt leise und versöhnlich auf sein bewegt-bewegendes Leben zurück.

Er hat viel zu erzählen: In Polen geboren, kommt er als Neunjähriger nach Berlin. Hier besucht er ein humanistisches Gymnasium und liest schon mit zwölf lieber Schiller als Karl May. Er ist enthusiastischer Theatergänger und hat in der ausgehenden Weimarer Zeit noch Gelegenheit, die größten Darsteller ihrer Zeit auf der Bühne zu bewundern. Doch bald sind die nach Hitlers Machtergreifung immer deutlicher werdenden Repressalien für Juden auch für Marcel Reich unübersehbar. Ihm gelingt es noch, sein Abitur abzulegen, dann wird er nach Polen deportiert. Er leidet unter unmenschlichen Bedingungen im Warschauer-Ghetto, flüchtet mit seiner jungen Frau Tosia und wird von einfachen Menschen auf dem Land versteckt. Nach dem zweiten Weltkrieg will er zunächst in Polen bleiben, wird aber mit seiner offen-streitbaren Art bald zum Risiko, so dass er nach Deutschland zurück kehrt. Sehr bald macht er sich als Literaturkritiker einen Namen, es beginnt ein sagenhafter Aufstieg zur literarischen Instanz, die seit 1988 durch seine Fernsehsendung "Das literarische Quartett" eine ungeheuer große Bekanntschaft für Marcel Reich-Ranicki bedeutet.

Es ist seine Kennerschaft, die ihm viel Bewunderung und vor allem auch den Respekt seiner Gegner einbrachte. Marcel Reich-Ranicki lebt Literatur! Sein Wissen und sein klares Urteilsvermögen sind ohne Beispiel. Hinzu kommt ein mediales Talent und eine Präsenz, die bisher kein Literaturkritiker zuvor und auch niemand danach erreicht hat.

In seinen Lebenserinnerungen, die auch einen höchst unterhaltsamen Rückblick auf die deutsche Literatur des Zwanzigsten Jahrhunderts bieten, paaren sich Weitblick, Klarheit, schnörkellos-schöne Sprache. Als einer der letzten Zeitzeugen kann er noch von der fruchtbaren künstlerischen Atmosphäre im Berlin der Weimarer Zeit berichten, ebenso von den verheerenden Folgen, die jüdische Mitbürger im Dritten Reich zu tragen hatten. Und man kann sicher sagen, dass Marcel Reich-Ranicki zwar auf ein Leben voller Brüche, aber auch auf eines, dass man als geglückt bezeichnen darf, klug und niemals selbstverliebt zurückschaut!

Ein wichtiges und zeitlos-schönes Buch, dass jetzt in der Spiegel-Edition noch einmal als hochwertige Hardcover-Ausgabe angeboten wird.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach großartig, 2. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Lange Zeit hatte ich enorme Vorurteile gegenüber Herrn Reich-Ranicki. Das Bild von ihm, mit dem ich aufgewachsen bin, war äußerst unangenehm: Kurze Ausschnitte, in denen er nur meckert, schimpft, jammert und spuckt.
Dann, endlich, ein Lichtblick: Ich sah eine Sendung mit ihm, in der er mich sehr beeindruckt hat. Er war sehr viel positiver, als das früher immer wirkte, seine Kritik war gezielt, seine allgemeinen Aussagen über das Leben klug und gewitzt statt arrogant und einseitig.
Nun wollte ich mehr wissen. Und ich wurde fündig. Die Autobiografie ist beeindruckend, zeitweise - ob der Ereignisse - natürlich verstörend, aber auch rührend, sie ist symphatisch, aber nicht frei von Selbstkritik, und vor allem zeugt sie wirklich von einer Liebe zur Literatur, die einfach ansteckend ist.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen: Literaturliebhabern wie Literaturbanausen, Reich-Ranicki-Fans wie Reich-Ranicki-Hassern - es wird jedem ganz neue Perspektiven eröffnen.
Nur schade, dass Autobiografien nur äußerst selten fortgesetzt werden. Einzige Kritik: Das Wörtchen "zumal" kommt mir ein bisschen zu oft vor ;)
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Unzugehörige, 18. März 2006
Von 
thocool "thocool" (Ratekau, Holstein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Zum richtigen Verständnis dieser Rezension muß ich vorausschicken, dass ich Marcel Reich-Ranicki ausgesprochen unsympatisch fand. Diese Beurteilung gründet sich allein auf seine sattsam bekannten Fernsehauftritte, überwiegend jene im Literarischen Quartett. Um so neugieriger war ich darauf, was und wie ein Mann selbst schreiben würde, der andere Autoren gnadenlos zu kritisieren bereit ist und dabei auch vor Polemik nicht zurückschreckt.
Nach der Lektüre dieser seiner Autobiographie bin ich durchaus milder gegen ihn gestimmt. Nicht weil ich plötzlich richtig finde, was ich gerade noch abstoßend empfand, sondern weil ich einiges zu verstehen glaube, was er äußerte und wie er ist. Er prägte diesen vielsagenden Begriff der Unzugehörigkeit, die er zeitlebens verspürt habe. Ein Mensch, der nicht recht hineinpaßt in die Umgebung, in die man ihn nun einmal stellte. Vielleicht, weil ich selbst etwas ähnliches kenne und dieses Wort als ein Erklärungsversuch für manch seltsamen Gemütszustand einen gewissen Trost spendet, wurde meiner Ablehnung dieses Mitmenschen ein wenig die Schärfe genommen.
Eine Erkenntnis, die er selbst als bedeutend bezeichnet, ist die, dass Literatur unterhalten sollte. Er hält sich daran; nicht nur als Kritiker, sondern auch als Autor. Dieses Buch ist Unterhaltung auf hohem sprachlichen Niveau. Er schreibt weitgehend so, wie er spricht, nur weitaus sanfter als im spontanen Gespräch. Daneben ist diese Biographie ein aufschlussreiches Stück Geschichtsschreibung aus der Sicht eines in vielerlei Hinsicht Betroffenen, aber für mich überraschend wenig Verbitterten.
Alles in allem hatte ich durch die Lektüre wirklichen Gewinn und kann dieses Buch deshalb sehr empfehlen.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz grosse Klasse!, 9. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Tja, was soll man sagen? Nachdem das Buch nun einige Monate in meinem Regal gestanden hat, war für mich der kürzlich zelebrierte Geburstag unseres Literaturpapstes Anlass genug um „Mein Leben" zu lesen.
Die beiden ersten Teile des Buches, also die Jahre 1920 bis 1944 werden am ausführlichsten beschrieben. Man kann also von Beginn an das Buch nur schwer zur Seite legen, zu interessant ist seine Kindheit, zu erschütternd seine Jugend in einem Warschauer Getto. Früh kommt der Autor mit, vornehmlich deutscher, Literatur und dem Theater in Berührung, schon hier werden also die bis heute währenden Leidenschaften geweckt. Auch im Getto ist es die Kunst die Reich-Ranicki das schwere Schicksal zumindest für Stunden versüsst. Aber nicht nur sein Schicksal beschreibt er hier ausführlich, viele Einzelschicksale von Freunden und Verwandten werden ebenfalls beleuchtet. Wirklich ergreifend.
Aus den folgenden Jahre werden dann mehr oder weniger immer verschieden Episoden erzählt. Seine Entscheidnung wieder in die Bundesrepublik zu kommen, sein, seit Kindheitstagen währender, Wunsch Kritiker zu werden, seine polit. Vergangenheit beim polnischen Geheimdienst, seine Anfänge in Zeitungen und Rundfunk und, für mich überaus interessant, seine persönlichen Begegnungen mit diversen Autoren wie Grass, Brecht, Seghers, Kästner, Canetti, Koeppen, Böll, Lenz u.a., die jedem Leser, vor allem Freunden der modernen deutschsprachigen Klassiker, mal die andere Seite der „grossen Schriftsteller" aufzeigen. Aber Vorsicht! Man scheint als Leser danach doch geradezu entmysthifiziert.
Marcel Reich-Ranicki hat in diesem Buch, auch sich selbst gegenüber, mit Ehrlichkeit nicht gespart. Viele Fehler und Fehltritte, viele Sachen die er dem einen oder anderen noch gesagt oder vielleicht auch lieber nicht gesagt hätte, kommen hier zur Sprache. Und dann vor allem noch diese kleinen, versteckten Anspielung an grosse Werke bzw. Zitate aus grossen Werken, das alles macht „Mein Leben" zu einem Lesegenuss allerhöchster Klasse!
Ein grandioses Buch über ein jüdisches Schicksal im Dritten Reich, über den Traum eines kleinen Jungen, ein Panorama der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts und, nicht zu vergessen, eine grosse Liebesgeschichte! Wem das nicht reicht...
Ein Buch was in jeder Schule gelesen werden sollte. In Geschichte, in Politik und in Deutsch 
Meine schon immer positive Meinung über M. R. R. ist nach dieser Lektüre noch positiver geworden, weil Marcel Reich-Ranicki für mich eine Person ist, die den allerhöchsten Respekt verdient. Trotz des schweren Schicksals hat er es nicht eine Minute bereut, zurück nach Deutschland gekommen zu sein, eben weil er nicht nur an das „Dritte Reich" dabei gedacht hat und denkt, sondern weil er an Mann, Kleist, Goethe, Schiller uvm gedacht hat. Er, der Intellektuelle, hat also auf diesem Wege seinen inneren Frieden gefunden. Ein Beispiel für viele! Hut ab! LESEN!!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anleitung zum Lesen, 19. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Ich habe Ewigkeiten gebraucht, um dieses Buch zu lesen. Warum? Weil ich es als Anleitung um Lesen verstanden und genutzt habe. Wer nach der Schulpflichtlektüre und der Fachliteratur eines Studiums einen Einblick in interessante, wichtige oder einfach schöne Romane, Erzählungen und Gedichte bekommen will, der findet hier einen möglichen und sehr interessanten Weg.

Also habe ich das Buch stückweise gelesen und dann unter dem Eindruck der Beschreibungen Reich-Ranickis die von ihm gelesen Bücher auch selber gelesen. So nutzte ich seine Biographie als Kanon und kann mir kaum einen besseren Weg vorstellen, an "große" Literatur herangeführt zu werden.

Besonders gut wird das Buch dann, wenn man es am Ende noch einmal als eigenes Werk liest. Viele Empfindungen Reich-Ranickis lassen sich bei Kenntnis der von ihm verarbeiteten Bücher noch besser verstehen. Ein rundherum gelungenes Werk eines sonst vielleicht manchmal etwas zu polarisierenden Menschen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kritik am Kritiker?, 5. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Kann man es als normalsterblicher Literaturliebhaber wagen, eine Rezension über die Autobiografie eines der berühmtesten literarischen Kritiker unserer Zeiten zu verfassen, ohne sich vollkommen lächerlich zu machen, oder gar den Groll des Verfassers auf sich zu lenken?
Höchstwahrscheinlich nicht! - aber ich werde es dennoch wagen, da die Verführung einfach zu groß ist!
Das erste was mir auffiel, als ich mir sein autobiografisches Werk zu Gemüte zog, war Folgendes: Reich-Ranicki schreibt wie er redet, d.h. sein literarischer Erzählungsstil, überdeckt sich vollkommen mit seinem verbalen, wodurch sich das gesamte Buch sehr locker und zügig lesen lässt, ganz so als würde man den „Kritik-Meister" selbst reden hören!
Weiterhin muss man sagen, dass seine Lebensgeschichte durchaus eine Verfilmung wert wäre, so unglaublich ist sie! Dabei wurde er vom Schicksal in viele Rollen gezwängt: die eines Schülers, mit einer Leidenschaft für deutsche Kultur, eines in das Warschauer Ghetto abtransportierten Juden, eines Verfolgten (auf der Flucht sowohl vor den Nazis als auch - später - vor dem kommunistischen Regime), eines Spions für den polnischen Geheimdienst, eines Liebhabers und eines Ehemanns. Nicht zuletzt wäre da noch seine Rolle als Literaturkritiker, der Rest ist bekannte Geschichte: sein unaufhaltsamer Aufstieg in den Kritikerolymp, die Bekanntschaften mit den bemerkenswertesten Schriftstellern Deutschlands (u.a. durch die Mitgliedschaft in der Gruppe 47), die Einführung des Literarischen Quartetts und und und!
Als Script, ein wahres Zuckerl für einen Hollywood-Regisseur!
Als autobiografisches Werk eine wundervolle Hommage an so manchen Schriftsteller und die deutsche Literatur an sich. Reich-Ranicki beschreibt die Ereignisse der turbulentesten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts auf wundersame Art und Weise, sowohl mit Humor als auch mit Melancholie, ohne jedoch jemals zu sehr im „Tränendrüserischen" zu versinken. Seine Selbsteinschätzung ist selbstverständlich oftmals nicht ganz frei von einigen Lobeshymnen, aber er stimmt diese auf so schelmische Art und Weise ein, dass man ruhig ein Auge zudrücken kann, und letztendlich weiß der Mann ja auch was er wert ist.
Das einzige was mich persönlich einwenig störte, sind die für meinen Geschmack etwas zu persönlichen Passagen, was sein Liebesleben mit so mancher Dame anbelangt. Kommt vielleicht seine Macho-Seite dabei raus? - Mag sein, aber vielleicht bin ich ja auch zu pingelig, immerhin gehört ja zu jeder guten Geschichte, auch einwenig Bettgeflüster, und falls sein Leben ja doch einmal verfilmt werden sollte, wird sich Hollywood über diese Einlagen sicherlich freuen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für jeden literarisch Interessierten, 17. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Marcel Reich-Ranicki hatte ein sehr bewegendes Leben, was er äußerst kurzweilig niedergeschrieben hat. Die Chronik seines Lebens ist mit vielen Anekdoten diverser deutschsprachiger Literaten gespickt. Beeindruckend liest sich, wie Reich-Ranicki von Literatur berührt, bewegt, beeindruckt wurde: allein seine Auseinandersetzung mit Büchern, seine Lesetipps, machen dieses Buch zu einer Fundgrube für einen literarisch Interessierten. Stets sagte und tat er, was er auch dachte, ehrlich, unverstellt. "Ich nehme diesen Preis nicht an!" so erinnert man sich noch seiner Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises. In seiner Autobiographie schildert der berühmte - ich möchte sagen, der letzte deutsche Literaturkritiker - wie er die Jahre von 1920 bis 1999 erlebte, angefangen bei seiner Kindheit in Polen und Berlin, über die Zeit im Warschauer Ghetto bis hin zu seinen erfolgreichen Auftritten mit dem Literarischen Quartett. Hatte er sich damit wie kaum ein anderer um gute Literatur verdient gemacht, so ist auch dieses Buch eine unverkennbare Liebeserklärung an die Literatur. Im Gegensatz zu heutigen Kritikern wußte Reich-Ranicki, was gute Literatur ist - und dass er selbst keine schreiben konnte. Darum schrieb er auch nicht. Heutige Kritiker hingegen sind selbst literarisch tätig - warum schreiben sie selbst aber nur schlechte Literatur, während sie den Leuten vermitteln wollen, was gute Bücher sind? Wohl aus Rache dafür, dass ihre eigenen Bücher nur viertklassig sind, üben sich Rezensenten wie Maxim Biller oder Thea Dorn entweder in Rufmord oder loben himmelhoch Bücher, die fast so schlecht sind wie ihre eigenen. So war Reich-Ranicki der letzte deutsche Literaturkritiker. Sein Lebensweg war bewegt, und eindrucksvoll schildert er in diesem Buch, wie er mehr als nur ein tiefes, steiniges Tal im Laufe dessen zu durchwandern hatte. Was nach ihm "Literaturkritik" übt, sind ausnahmslos Selbstdarsteller, die behütet aufwuchsen, behütet studierten, behütet Karriere bei der Zeitung machten und deren grösstes Problem im Leben wohl war, wo man den günstigsten Handyvertrag bekommt. Reich-Ranicki war oft polemisch, aber er meinte wenigstens das, was er sagte und schrieb. Die heutige mainstream-Literaturkritik macht hingegen vor allem Marketing für Verlagsprodukte: Roches schlechtes Deutsch bspw. wird gefeiert als komme es gleich hinter dem, was Goethe geschrieben hat - und gleichzeitig beklagen die gleichen Rezensenten, dass so wenige junge Leute lesen man. Wenn die "Literaturkritikerin" mit dem Echtnamen Tea Dorun auf ihrer Webseite im BH posiert, sagt das genügend über das Niveau der heutigen Literaturkritik aus. Allein diese gut geschriebenen Lebenserinnerungen von Reich-Ranicki sind bedeutungs- und wertvoller als alles, was heutige Kritiker von sich geben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Harte Schale, weicher Kern, 26. Mai 2010
Von 
Regenfisch - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Taschenbuch)
Es ist fast schon vermessen, nach der Lektüre der Autobiographie des bedeutendsten Literaturkritikers der Nachkriegszeit eine Rezension schreiben zu wollen. Dass ich es trotzdem tue, liegt einzig und alleine daran, dass "Mein Leben" ein solch großartiges Buch ist, das viele Leser es mir nachtun mögen.
Als Kind entdeckte ich schon meine Begeisterung für Literatur und las alles, was der elterliche und großelterliche Bücherschrank so hergab. Als Jungendliche begann ich dann mit Begeisterung, das "Literarische Quartett" zu schauen. Es wurden oft Bücher besprochen, die ich schon gelesen hatte und ich ärgerte mich oft über die Kritiken, die Reich-Ranicki dort äußerte. Am liebsten wäre ich in den Fernseher gesprungen und hätte mitdiskutiert. Die Sendung regte mich aber auch dazu an, dort besprochene Bücher zu kaufen und ich hatte den Ehrgeiz, Ranickis Kritiken zu widerlegen. Was mir allerdings auch oft nicht gelang... Auf jeden Fall hat diese Sendung und seine polarisierende Meinung bei mir persönlich dazu beigetragen, dass ich bis heute sehr gerne lese. Dafür bin ich sehr dankbar.
In den Sendungen kam mir Reich-Ranicki oft hart vor und sehr selbstverliebt. Mit dieser Prämisse nahm ich auch die Biografie zur Hand-
und habe jetzt ein komplett anderes Bild von diesem für die deutsche Literatur bedeutenden Menschen.
Über den Inhalt ist schon alles gesagt.
Berührt hat mich wie gefühlvoll und sensibel Reich-Ranicki über die Beziehungen in seinem Leben schreibt. Die tiefe Zuneigung zu seiner Frau wird spürbar, er schreibt über gelebte und verlorene Freundschaften und der Leser spürt deutlich, wie tief so mancher Schmerz über erlittenes Unrecht oder menschliche Enttäuschungen sitzt.Und natürlich über seine alles überdauernde Liebe: die Liebe zur Literatur.
Dieser oft unberührbar wirkende Kritiker öffnet sein Herz für seine Leser. Ich danke Herrn Reich-Ranicki für seine Offenheit und sein Vertrauen, dem Leser Einblicke in ganz private Momente gegeben zu haben, dass er als Augenzeuge sein Überleben des Warschauer Ghettos erzählt hat.
Ein bewegendes, ehrliches und offenes Buch.Sehr zu empfehlen.
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Mein Leben
Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki (Broschiert - 9. Januar 2012)
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