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Kundenrezensionen

15
4,2 von 5 Sternen
Kalte Heimat: Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945
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119 von 126 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Krieg war vorbei und die Leute wollten endlich Ruhe. Da kamen die Vertriebenen aus dem Osten. Sie kamen zuhauf und überwiegend in ländliche Gebiete. Außenseiter in Gemeinschaften, in denen jeder alles über alle zu wissen glaubte und jeder seinen in die Nachkriegszeit geretteten Besitzstand sichern wollte. Sichern und mehren, nicht teilen. Vor allem aber wollte man vergessen oder wenigstens verdrängen. Über das Fremde hinaus, waren die Vertriebenen Salz in einer Wunde, die noch heftig schmerzte. Sie verkörperten unübersehbar das Elend des verlorenen Krieges, der mit einem unfassbaren Völkermord einherging. Vor denen musste man sich schützen und abgrenzen. Und eigene Sorgen hatte man mehr als genug. So lebten die "Dahergelaufenen", von denen nicht wenige traumatisiert gewesen sein dürften, als Zwangseingewiesene in Räumen, die man ihnen meist nur widerwillig überließ, und in Barackensiedelungen. Für lange Zeit waren sie sozial isoliert und mussten nicht selten als Sündenböcke herhalten.

Nach heutiger Lesart ist die Integration der Vertriebenen nach 1945 eine glückliche gewesen, noch dazu in relativ kurzer Zeit. Der Wissenschaftler Andreas Kossert verneint diese These in seinem Buch. Sich in etwas Unabwendbares, Aufgezwungenes zu fügen, das Beste daraus zu machen, ist etwas völlig anderes, als eine fulminante Erfolgsgeschichte. Rund 14 Millionen Menschen wurden vertrieben und zwangsumgesiedelt und die meisten haben zweifellos einen Platz im schon bald aufstrebenden Wirtschaftswunderland gefunden. Die bitteren Verletzungen aus der Zeit der Flucht oder Vertreibung mit dem damit verbundenen allumfassenden Verlust der Heimat, vielleicht auch der Gesundheit, sowie der nagenden Angst um die eigene Existenz und die der Seinen, die anschließende Ausgrenzung, Diskriminierung und feindselige Ablehnung bleiben ein Leben lang, heilen nicht vollständig und belasten immer noch diejenigen, die heute alt sind und sich dabei ertappen, dass ihre Gedanken immer häufiger um die Heimat kreisen, die doch schon so lange verloren ist.

Der Autor führt den sich schon bald einstellenden wirtschaftlichen Erfolg der jungen BRD auch auf die Vertriebenen zurück, die mit Mobilität, Fleiß und Anpassung zum Aufschwung beigetragen haben. Er spricht das Lastenausgleichsgesetz von 1952 an und zeigt auf, dass der Ausgleich der Vermögensverluste nicht einmal annähernd stattgefunden hat. Die ausbezahlten Beträge entsprachen bei weitem nicht dem Wert des verlorengegangenen Grundbesitzes und anderen Werten, die zurückbleiben mussten. Außerdem schürte das Lastenausgleichgesetz bei einigen Nichtvertriebenen Neid und Missgunst. Kossert behandelt außerdem die Rolle der Vertriebenenverbände und geht mit dem zögerlichen Verhalten der politischen Parteien, die sich aus wahltaktischen Gründen den Forderungen aus diesen Reihen nicht energisch genug entgegenstellten, hart ins Gericht. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Umgang der Vertriebenen in der ehemaligen DDR, wo dieses Thema weitgehend totgeschwiegen wurde, während es in der BRD eine Zeitlang sogar ein Vertriebenen-Ministerium gab. Worauf aber bereits der prägnante Titel hinweist, bleibt das zentrale Thema des Buches: die Ablehnung der Vertriebenen durch die eigenen Landsleute und die damit einhergehenden verheerenden Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen. Andreas Kossert nimmt sich des Themas mit großem, eindringlichem Einfühlungsvermögen an. Er schärft das Bewusstsein seiner Leser für einen Teil unserer Bevölkerung, deren Platz inmitten unserer Gesellschaft inzwischen nicht mehr strittig ist. Diese Menschen aber, die letzten Zeitzeugen, waren Kinder oder junge Erwachsene, als ihre erste Welt unterging. Sie wissen, dass die Heimat nur im Herzen völlig sicher ist.

Wer sich anhand eines Einzelschicksals mit diesem Thema beschäftigen will, dem sei der Roman "Betrogen und vergessen: die Geschichte des Kriegskindes Reinhard Bachner" sehr empfohlen. Der kleine Reinhard war zehn Jahre alt, als er mit seiner Familie die Heimat in Böhmen verlassen musste. Die beschwerlichen Jahre der Flucht, des Ankommens in der neuen, der "Kalten Heimat" und die ersten Schritte zu einem bescheidenen Wohlstand in der noch jungen BRD, beschreibt der Autor Richard Bachmann so eindringlich, dass der Leser das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein. Ein Stück Zeitgeschichte der anderen Art, völlig unwissenschaftlich, aber absolut authentisch und eine passende Ergänzung zu diesem Buch.

Helga Kurz
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Dezember 2009
Da ich bei der Vertreibung aus der CSSR erst 2 1/2 Jahre alt war und die Ereignisse daher nur im Unterbewußtsein vorhanden sind, wollte ich mehr Informationen über die Zeit ab 1945. Dieses Buch hat mein Informationsbedürfnis voll und ganz befriedigt und mir klar gemacht, wie schlimm es für meine Eltern war, über das furchtbare Jahr 1946 und die ersten Jahre danach zu reden; sie haben mir kaum etwas erzählt. Nach der Lektüre des Buches sind mir die Augen so richtig aufgegangen; ein echtes "Aha"-Erlebnis! Ein enorm wichtiges Buch für die Kriegskinder- und die nachfolgende Generationen.
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39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Juli 2008
Es waren neben den üblichen verharmlosenden und die Rolle der eigenen Familie negierenden Bemerkungen zum Dritten Reich, die ersten und über lange Jahre immer wiederkehrenden politischen und überaus abschätzigen Statements in der Herkunftsfamilie des 1954 geborenen Rezensenten an die ich mich erinnern kann. Sehr negative Aussagen über jene Familien von Schulkameraden, zum größten Teil katholischer Konfession, die nach dem Krieg im Heimatdorf des Rezensenten angesiedelt wurden und die "in der Siedlung" mit viel Fleiß und gegenseitiger Nachbarschaftshilfe sich kleine Häuschen bauten und, begünstigt durch das aufkommende Wirtschaftswunder, auch beruflich Tritt fassten und sich sichere Existenzen gründeten. Klar, entsprechende Zuschüsse und Entschädigungen für das in der alten Heimat Verlorene halfen dabei. Aber sie können niemals so groß gewesen sein, wie das meine Mutter etwa in ihrem hasserfüllten Neid gegen die Neubürger behaupten und unterstellen wollte. Flüchtlinge" waren und blieben sie bis weit in die siebziger Jahre hinein.

In dieser Zeit bekam ich dann Kontakt mit einem anderen Vorurteil, das die Vertriebenen nicht weniger wirksam diffamierte. Auch bedingt durch die reaktionäre Politik ihrer Verbände als unbegriffener (?) Teil des Kalten Krieges galten in aufgeklärten und linksliberalen Kreisen die Vertriebenen als Hort des politischen Gegners. Und ähnlich wie diese Konstellation gestaltete sich auch damals die Einschätzung der UdSSR und der DDR. Immer mit der Hermeneutik des Verdachts arbeitend, die ja verhindern sollte, dass man etwa im Hinblick auf die sowjetische Geschichte die gleiche Einschätzung hatte wie Franz Josef Strauss zum Beispiel, schwieg man lieber und betonte gebetsmühlenartig das linke Mantra von den notwendigen Folgen des Faschismus und der Hitlerschen Angriffskriege. Damit waren die Moskauer Prozesse, der Gulag und die kommunistische Diktatur außerhalb jedes Diskurses.

Der 1970 geborene Historiker Andreas Kossert, der auch in Polen studiert hat und derzeit am Deutschen Historischen Institut in Warschau arbeitet und zu den profiliertesten Osteuropahistorikern in Deutschland gehört, hat mit diesem wegweisenden Buch frei von den beschriebenen Ideologisierungen der Nachkriegszeit die schwierige Ankunftsgeschichte der Vertriebenen umfassend erforscht und einen lange Zeit blinden Fleck im Bewusstsein der deutschen Nachkriegsgeschichte beleuchtet.

Er beschreibt eindrucksvoll die Erfahrungen der Millionen von Menschen, die durch den Krieg von ihrer Heimat entwurzelt wurden und nach immensen materiellen und menschlichen Verlusten eine neue, für sie aber lange Zeit "Kalten Heimat" finden mussten. Kossert entlarvt den Mythos von der schnell geglückten Integration und zeichnet erstmals ein wirklichkeitsgetreues Bild von den schwierigen Lebensumständen der Flüchtlinge im Wirtschaftswunderland BRD.

Was mich am meisten bewegt, wenn auch nicht wirklich verwundert hat, ist seine Beschreibung der Folgen dieser Vertreibung nicht nur für die Nachkommen der "Flüchtlinge" sondern für unsere ganze Gesellschaft.

Für alle an der deutschen Geschichte interessierten Leser ein empfehlenswertes, wegweisendes Buch.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. September 2009
Eigentlich ein abgearbeitetes Thema, könnte man meinen. Allerdings hat sich bislang kaum jemand so umfassend mit der Geschichte der Vertriebenen nach der Vertrebung auseinandergesetzt. Welche Auswirkungen das Thema tatsächlich bis heute und auch auf das eigene Leben hat, war mir so nicht bewusst. Dabei geht es an keiner Stelle um Schuld oder Ursache, sondern nur darum, wie diese moderne Völkerwanderung politisch, psychologisch und materiell verarbeitet wurde und wird. Es lassen sich auch erstaunlich viele Parallelen zur aktuellen Diskussion um Russlanddeutsche und andere Migranten finden. Sehr gut recherchiert und trotz des wissenschaftlichen Ansatzes sehr flüssig zu lesen. Pflichtlektüre für die Nachkommen der Flüchtlinge!
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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. August 2008
Ich bin ein Kind der Nachkriegsgeneration und versuche, die Lücken meines DDR-Geschichtsunterrichtes zu schliessen. Meine Großmutter hat so viel Schmerzvolles erlebt (ihr Neugeborenes verhungerte auf dem Treck), dass sie Zeit ihres Lebens nicht darüber sprach.Jetzt kann ich besser verstehen, warum das so war.

Ich finde dieses Buch ganz wichtig und ich hoffe, viele Menschen werden es lesen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Februar 2010
Kalte Heimat" ist eines der bislang noch wenigen Publikationen, die sich mit diesem weithin fremden und unbekannten, vielleicht sogar lange Zeit tabuisierten Thema der deutschen Flüchtlinge nach 1945 beschäftigt. Leider fand dieses Thema lange Zeit keine Beachtung und wurde weithin mit negativ besetzten Patriotismus oder Revanchismus in Verbindung gebracht. Vielleicht ist es an der Zeit- auch durchaus in einem europäischen Kontext- über die Schicksale von Flüchtlingen und Vertriebenen auch deutscher Herkunft nachzudenken, ohne dass dieser Themenkomplex gleich einen rechten" oder revanchistischen Anstrich bekommt- dies ist dem Autor zweifelsohne gelungen, da Andreas Kossert dieses Thema neutral und alle Seiten berücksichtigend angeht, viele Details und gute Recherchen verarbeitet, ohne dabei anzuecken, grundlos zu kritisieren oder gar die Geschichte Deutschlands vor 1945 zu rechtfertigen. Im Gegenteil erklärt er Ursachen- nicht nur geschichtlicher Art- und Gründe, warum die Flüchtlinge" auf welche Probleme stießen und löst damit einen Denkprozess darüber aus, wie man in den Nachkriegsjahren mit Flüchtlingen umgegangen ist und welche Integrationsleistung die deutsche Gesellschaft erbringen musste- auch dieses eine Erkenntnis, die den meisten Deutschen nicht bewusst ist und stets verschwiegen wurde. Vor allen aber bleibt interessant, dass man viel Neues lernt: mir war z.B. nicht wirklich bewusst, auf welche Probleme Neusiedler" stießen, die aus protestantischen Gegenden kommend in katholischen Gegenden angesiedelt wurden, so dass die bis dahin noch relativ stark nach Konfessionen ausgerichteten Regionen und Gegenden eine konfessionelle Durchmischung" erlebten, die langfristig zu gewissen Brüchen konfessioneller Traditionen führten bzw. neue Traditionen mit sich brachten und durchaus auch- neben den bekannten" Integrationsproblemen zu Initiativen wie Nachbarschaftshilfe etc. führten. Interessant ist auch der Aspekt des sog. Wirtschaftswunders", wie schnell und übergangslos sich die gesamte ,neue' deutsche Gesellschaft mit ihren neuen Mitbürgern entwickelte und Nährboden dessen wurde, woraus sich das Wirtschaftswunder ergab. Flüchtlinge blieben zweifelsohne noch sehr lange Flüchtlinge, Fremde in einem- eigentlich- fremden Land, in dem es lange dauerte, Vorurteile abzubauen. Leider gingen diese Aspekte lange unter und man dachte stets an reaktionäre Kreise, wenn es z.B. um Landsmannschaften und deren Treffen ging. Kossert beschreibt jedoch das Schicksal der meisten, d.h. derer, die sich eben an einem neuen Ort eine neue Heimat aufbauen mussten, ohne reaktionär zu sein und zeigt dadurch, dass die meisten Vorurteile bezüglich der Vertriebenen nicht zutreffen, indem er die Schicksale der Mehrheit beschreibt, die nicht landsmannschaftlich organisiert war bzw. keine bzw. nur wenige wirklich politische oder gar revanchistische Ambitionen pflegte. Ein sehr gut recherchiertes und sehr gut fundiertes Buch, das die Tür zu einem spannenden Thema und vielleicht sogar zu einem neuen, interessanten Diskurs einer Episode deutscher Geschichte öffnet, die nie wirklich ein gesellschaftliches Thema war.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Mai 2013
Es ist höchst interessant, so detailreich Informationen über die Situation der Vertriebenen zu erhalten. Alle Informationen werden durch Lektürehinweise belegt. Trotz der Fülle an Daten, ist das Buch sehr eingängig zu lesen. Empfehlenswert.
Meine Großeltern haben nie über die Flucht, die Vertreibung oder ihre alte Heimat gesprochen. Höchstens mal auf neugierige Fragen von uns Kindern wurde mal ein schlesischer Satz gesprochen. Dann verstummten sie wieder. Und da es kein Thema war, war es auch irgendwie kein Thema für uns Enkel. Heute - auch nach Lektüre dieses Buches - ist mir erst klar, WAS sie alles aufgegeben haben. Nicht nur Besitz, Geburtsort und Freunde, sondern alles, was ihnen sonst noch etwas bedeutete. Rezepte. Mundart. Feste. Landschaft. Identität. Erinnerungen. Fotos. Heimat. Und dort, wo sie ansässig wurden, wurden sie jahrzehntelang in der Ortschaft ausgegrenzt. Das galt für alle in der Siedlung lebenden Familien, die tatsächlich aus allen Himmelsrichtungen kamen. In einer Straße Ostpreußen, Sudetendeutsche, Schlesier, Leute aus dem Riesengebirge, Pommern. Vieles hat man für persönliche Eigenheit gehalten, was wahrscheinlicher auf Traumatisierung zurückzuführen war, z. B. die Unfähigkeit, sich auf enge Freundschaften einzulassen. Und wenn man niemanden hat, mit dem man sich austauschen kann, gerät alles in Vergessenheit. Das Buch beleuchtet sehr viele Aspekte der Vertreibung - ohne radikalen Einschlag. Den hatte ich ein bisschen befürchtet, bevor ich das Buch angefordert hatte. Es geht nicht um die Rückforderung irgendwelcher Gebiete. Es wird nur geschildert, wie es den Menschen und Organisationen ergangen ist. Erstaunlich, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit so unter den Tisch gekehrt wurde. Auch wenn schon so viel Zeit vergangen ist, verdient auch das Beachtung.
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49 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Juli 2008
Das Buch vermittelt den Eindruck, alle Flüchtlinge hätten von allen nur Ablehnung geerntet. Wir hörten im Westen nach dem Krieg im Rundfunk täglich den Suchdienst des Roten Kreuzes. Da suchten Kinder ihre Eltern und Eltern und Geschwister ihre Familien. Die Schicksale waren erschütternd. In unser Haus hatten wir eine sehr junge Frau aufgenommen, die aufgrund einer Beschießung und Verwundung auf dem Haff, von ihrer Familie getrennt wurde. Sie fand durch den Suchdienst 2 von 7 Geschwistern. Auch der Vater kam eines Tages abgerissen in unser Haus. Die Mutter ist verschollen. Meine Frau (evangelisch) und ich gingen mit den Ostflüchtlingen, die (in unserer katholischen Gegend) vorwiegend evangelisch waren, in die Schule. Der Bruder besuchte die neu errichtete evangelische Schule. In diesem Umfeld gab es keine Ablehnung. Es stimmt, dass die neuen Häuser für die Flüchtlinge vor der Stadt errichtet wurden. In der Stadt war alles zerstört. Die Einwohner hatten selbst ihre Häuser wieder aufzubauen und die Schäden zu beseitigen, wir auch. Von manchen Meckerern gab es sicher auch Missgunst. Das ist heute nicht anders. Die Verallgemeinerung durch den Autor ist eine undiffrenzierte Betrachtung. Er selbst beklagt sich über undifferenzierte Betrachtungen. Das passt nicht zusammen. Dass die Eingliederung für die Flüchtlinge in der Fremde als schwer empfunden wurde, ist nicht verwunderlich und es gab nicht nur Entgegenkommen. Als wir selbst als sechsköpfige Familie ohne Vater, auf der Flucht in der Fremde, nach den Bombenangriffen, von der Landbevölkerung aufgenommen wurden, waren wir für diese eine Last. Aber persönliche Ablehnung haben wir nicht empfunden, stattdessen Freundschaften, die bis heute andauern, soweit die Betreffenden nicht gestorben sind. Zu unserem Verwandten- und Freundeskreis gehören Flüchtlinge aus dem heutigen Polen, Russland und Tschechien. Wenn sich erst mit Günter Grass und Willy Brandt die Lage der Vertriebenen gebessert haben soll, so ist das abwegig, denn die Zeit von Hunger und Not und der Integration war vorbei. Der Autor hat ausführlich recherchiert aber informiert den Leser selektiv sehr einsetig. Die Möglichkeit zur Information hatte und hat auch heute noch jeder selbst, denn viele Menschen aus dieser Zeit leben noch, ich auch, der ich nun bald 80 Jahre alt werde.
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20 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Januar 2009
Was Andreas Kossert hier vorlegt ist zu wenig um den eigenen Anspruch des Autors zu erfüllen. In seiner Einleitung legt er richtig dar, dass das Thema Vertriebene bisher zu stark ideologisiert präsentiert wurde. Im Versuch, analytisch an die Sache heran zu gehen, scheitert er aber dann selber. Das viele spannende Material wird oft lieblos präsentiert. Schlussfolgerungen werden meist oberflächlich gezogen. Widersprüche zwischen den präsentierten Zahlen und dem interpretatorischen Text bleiben ungeklärt. Kossert kann sich vor allem selber einer ideologischen Betrachtung des Themas nicht entziehen. Immer wieder werden die präsentierten Fakten mit wenigen Phrasen zu einem Weltbild verknüpft, statt sie einer kritischen historischen Würdigung zu unterziehen. Das Buch mag manchem aus dem Herzen sprechen. Es trägt jedoch wenig dazu bei, das Verständnis für die Vertriebenen zu steigern. Hier wurde eine Chance vertan. Dieses Kapitel der deutschen Geschichte wartet weiterhin auf seinen Historiker.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. April 2009
Als Kind von Vertriebenen aus dem Sudetenland kam ich erst nach Thüringen, wo meine Familie (Eltern und 3 Kinder), 4 lange Jahre in in einem etwa 20 qm großem Zimmer mit Küchenbenutzung in der Wohnung des Vermieters hausen mussten. Erst dann gab es eine Zuweisung vom Wohnungsamt in eine Wohnung. Als meine Familie dann 1956 in den Westen ging, lebten wir 3 Jahre in einer 35 qm großen Barackenbehausung, erst dann gab es eine Sozialwohnung. Nach den Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass diese bei ihren regelmäßigen Vorsprachen beim Wohnungsamt öfters wie Aussätzige behandelt wurden.
Ich selbst kann mich noch erinnern, dass man mich in der Schule oft als Rucksackdeutschen hänselte, der nicht mal bayerisch sprechen konnte. Naja, Kinder sind eben so.
Dass meine Familie in Ostdeutschland und später in Westdeutschland willkommen geheißen worden wäre, kann ich beim besten Willen nicht behaupten. Und was die so großzügige finanzielle Entschädigung betrifft: in der DDR gabs gar nix, in der BRD erhielten meine Eltern - und das auch erst nach mehrmaliger Vorsprache - gerade mal DM 500,--. Hätten sich unsere Familie nicht selbst durch harte Arbeit was geschaffen, hätten wir es auch niemals zu etwas gebracht.
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