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58 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine politische Biografie des letzten deutschen Kaisers
Mit "Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600-1947" hat Christopher Clark ein Standardwerk vorgelegt, in dem er es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Dämonisierung und Verklärung Preußens entgegenzuwirken. Und es hat funktioniert, Clark stellte Preußen anders dar, als die meisten Historiker vor ihm, für ihn waren die vermeintlichen...
Veröffentlicht am 10. November 2009 von Mario Pf.

versus
24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bemühen ohne Mut
Christopher Clark nimmt sich einige der Bilder über den letzten deutschen Kaiser vor und kann sie glaubhaft zurechtrücken. Er konzentriert sich dabei auf die Person selbst und sieht sie eingebettet im Kontext der Ereignisse. Man hat jedoch den Eindruck, dass ihm der letzte Mut gefehlt hat, die ganze Wahrheit über die Gründe für den Ersten...
Veröffentlicht am 22. Dezember 2011 von Christian Wernecke


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58 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine politische Biografie des letzten deutschen Kaisers, 10. November 2009
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Mit "Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600-1947" hat Christopher Clark ein Standardwerk vorgelegt, in dem er es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Dämonisierung und Verklärung Preußens entgegenzuwirken. Und es hat funktioniert, Clark stellte Preußen anders dar, als die meisten Historiker vor ihm, für ihn waren die vermeintlichen Widersprüche, die Janusköpfigkeit des Hohenzollernstaates, Ausdruck der Ambitionen seiner Herrscher und erst die Begründung des Deutsche Kaiserreichs wurde zum Verhängnis Preußens. Der Erfolg von Clarks "Preußen" hat es möglich gemacht, dass nun auch seine 2000 erstmals veröffentlichte Biografie Kaiser Wilhelm II. in deutscher Sprache aufgelegt wurde.

Kaiser Wilhelm II. wurde nach dem Ersten Weltkrieg lange Zeit dämonisiert, als Vorboten Hitlers, antisemitischen Militaristen und sogar psychisch kranken Kriegstreiber wurde er dargestellt. Christopher Clark unternimmt nicht den Versuch den letzten deutschen Kaiser zu rehabilitieren, sondern Verunglimpfungen und Verständnis für sein Handeln ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei ist das Buch keine auf die Persönlichkeit, sondern das politische Agieren des Kaisers konzentrierte Biografie. Die Schilderung von Kindheits- und Jugenderlebnissen bleibt also aus, genauso wie das Erwachsenenleben Wilhelms vor allem aus einer Perspektive dargestellt wird, in der seine Politik und offiziellen Handlungen die wichtigste Rolle spielen.

Die dominierende Frage ist, wie Wilhelm II. zu dem Kaiser werden konnte, der er war. Dafür verantwortlich war von anfang an, seine Stellung im Kaiserhaus, als ältester Sohn des Kronprinzen. Während sein Vater Kronprinz Friedrich Wilhelm es sich mit Kaiser Wilhelm I. durch seine liberale und englandfreundliche Haltung, in der er vor allem von Kronprinzessin Victoria, der Tochter Queen Victorias, bestärkt wurde, verscherzt hatte, beschritt Prinz Wilhelm andere Wege. Als Haushaltsvorstand konnte der Kaiser sich in die Erziehung des künftigen Kronprinzen einmischen und die missliebigen Eltern so umgehen. Prinz Wilhelm nutzte diesen Effekt seinerseits, um repräsentative Aufgaben wahrzunehmen, die eigentlich seinem Vater zugestanden wären.

Als 1887 der Kaiser seinen 90. Geburtstag feierte und beim Kronprinzen ein Kehlkopfgeschwür diagnostiziert wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Wilhelm den Thron besteigen sollte und schon ein Jahr darauf, war es soweit. "I bide my time" - "Meine Stunde wird kommen", war Wilhelms Leitspruch und Ausdruck der Ambitionen die er verfolgte. Von seinen Eltern als manipulierbar und Spielball der Hofsparteien unterschätzt, nutzte Wilhelm die verschiedenen Personen sehr geschickt für sich aus. Als Kaiser wurde er so nicht zum Anhänger einer bestimmten Partei, sondern konnte unabhängig von diesen einen Kurs verfolgen. Seine politische Wendigkeit und sein Machtstreben brachten ihn jedoch schon bald in Konflikt mit seinem Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen Rücktritt als erster großer politischer Erfolg des Kaisers gewertet werden kann.

Nach Clark war Wilhelm II. trotz seines Ehrgeizes weniger an Expansionen interessiert, als seine Position als Kaiser zu festigen und das Reich zu konsolidieren. Wie viele seiner Vorfahren war es auch Wilhelms dringlichstes Ziel, Preußen oder nunmehr das deutsche Reich zur Großmacht zu machen und seine Position zwischen den europäischen Mächten zu stärken. Ein Ausdruck dieser Politik war auch Wilhelms Ernennung Admiral Alfred von Tirpitz zum Marinestaatssekretär, mit dem er seine ambitionierte Flottenpolitik zu verfolgen begann, um mit dem britischen Empire gleichzuziehen und sich als Großmacht auch weltweit Geltung zu verschaffen.

"Der Glaube an sein Talent, für die deutsche Öffentlichkeit und zu ihr zu sprechen, war ein zentraler Bestandteil der Vorstellung Wilhelms von einer erfolgreichen Monarchie, und indem er die nationalen Zeitungen geradezu verschlang, trachtete er danach, ein Gefühl der Verbundenheit mit den großen Themen zu wahren, die damals die Nation bewegten." Das ging soweit, dass Wilhelm sogar ausgeschnittene Artikel mit Notizen versah und an seine Minister weiterleitete. Aus den Medien holte sich der Kaiser wichtige Ideen für seine Politik und setzte auch bei persönlichen Auftritten, sehr auf öffentlichkeitswirksame Inszenierungen. Anders als Wilhelm I. wollte Wilhelm II. sein Amt als Kaiser in vollem Umfang ausfüllen und nutzen, um seine Ziele zu verwirklichen und in die Geschichte einzugehen.

Im Gegensatz zum später verfassten "Preußen" stellt Clark das deutsche Kaiserreich in "Wilhelm II." noch als preußisches Projekt dar, in welchem preußische Beamte und Politiker versuchten die Reichspolitik den Interessen Preußens möglichst unterzuordnen. Clarks Biografie des letzten deutschen Kaisers ist trotz des zeitlichen Unterschieds zwischen den beiden Werken eine ideale Ergänzung zum Standardwerk "Preußen" und schildert sehr ausgewogen Wilhelms politischen Werdegang, sowie seine innen- und außenpolitischen Initiativen.

Fazit:
Eine sehr ausgewogene Darstellung der "Karriere" des letzten deutschen Kaisers und seiner Ambitionen, gewissermaßen die ideale Ergänzung zu Christopher Clarks "Preußen", "Wilhelm II. - Aufstieg und Fall 1859-1941"
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk, 8. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Das Buch ist ausgezeichnet recherchiert, in der Darstellung ausgewogen und sehr gut lesbar. Zwar wirkt der Band im Vergleich mit John Röhls monumentaler dreibändiger Biographie recht schmal, doch verdankt sich dieser Umstand Clarks umsichtiger Konzentration auf das Wesentliche und der Herausarbeitung klarer Linien, denen der Autor stets konzentriert und nachvollziehbar folgt. Dabei bettet er Wilhelm II. konsequent in die Geschichte des Kaiserreichs ein und kann so auf die umstrittene Frage, wie weit der politische Einfluss und die Verantwortung des Kaisers reichten, eine differenzierte Antwort geben. Wer allerdings in einer Biographie hauptsächlich Klatsch und Tratsch sucht, kommt hier nicht auf seine Kosten. Insgesamt halte ich das Buch von Clark für die derzeit beste Darstellung zu Wilhelm II. und damit für die erste Anlaufstelle auf der Suche nach Informationen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein objektiver Blick, 25. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Christopher Clark ist es in diesem Buch gelungen einen objektiven Blick auf einen "Kriegstreiber", wie Wilhelm oft auch betitelt wird, zu werfen. Man erfährt einiges über seine Kindheit und sein daraus entstandenes, späteres Verhalten. Das hin und her gerissen sein zwischen seinen Eltern und seinem Großvater, Wilhelm I., ist da wahrscheinlich der wichtigste Punkt sowie die "kalte" fast schon abweisende Beziehung der Mutter auf Grund seiner Behinderung.
Auf die Amtszeit als Kaiser geht Clark besonders auf das Umfeld des letzten deutschen Kaisers ein, und zeigt des öfteren auf, dass Wilhelm die Macht in seinem Reich immer mehr aus der Hand gibt. Er sagt eindeutig, dass Wilhelm kein Kriegstreiber gewesen ist aber auch halt nicht besonders energisch dagegen gearbeitet hat.
Christopher Clark gibt in diesem Buch einen Menschen wieder, der durch diverse Ereignisse in seinem Leben eine Unentschlossenheit entwickelt hat und als Kaiser von Deutschland eigentlich total ungeeignet war.

Was ein bisschen zu kurz gekommen bzw. eigentlich gar nicht vorhanden ist, ist das private Familienleben des Kaisers in seiner Amtszeit. Man hätte fragen können, wie seine Frau zu den politischen und militärischen Entscheidungen ihres Mannes gestanden hat oder ihn sogar beeinflusst hat. Da hätte man, meines Erachtens, noch ein bisschen mehr in die Tiefe gehen können, deshalb auch der eine Stern Abzug.

Fazit: Ein wirklich sehr informatives und intensives Buch über die letzten Jahre des deutschen Kaiserreichs. Es besticht durch seine Objektivität. Clark verzichtet darauf Wilhelm in irgendeine Ecke zu schieben sondern wiegt die Argumente genau ab und gibt dem Leser selber die Chance sich eine eigene Meinung zu bilden. Kurz gesagt, wer sich für diese Zeit und vor allem diesen Menschen interessiert, wählt mit diesem Buch genau die richtige Lektüre.
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen, 30. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Der Kaiser-Biograph John Röhl läßt keine Gelegenheit aus, um Wilhelm II. zu dämonisieren und ihm die Schuld für so gut wie alles Unheil in der Welt zuzuschreiben. Christopher Clark liefert mit seinem Werk eine ausgewogene Darstellung, die vieles aus einem anderen Blickwinkel darstellt und fair mit dem Kaiser umgeht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wilhelm II Die Herrschaft, 20. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Ausgezeichnetes Buch. Fantastisch reschergiert. Das Buch ist sehr empfehlendswert! Der falsche Eindruck der Person WilhelmII ,der in der Öffentlichkeit besteht wird revidiert
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24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bemühen ohne Mut, 22. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Christopher Clark nimmt sich einige der Bilder über den letzten deutschen Kaiser vor und kann sie glaubhaft zurechtrücken. Er konzentriert sich dabei auf die Person selbst und sieht sie eingebettet im Kontext der Ereignisse. Man hat jedoch den Eindruck, dass ihm der letzte Mut gefehlt hat, die ganze Wahrheit über die Gründe für den Ersten Weltkrieg darzustellen und damit den Mythos von der Alleinverantwortlichkeit des Deutschen Reiches ein für allemal über Bord zu werfen. So findet die Tatsache, dass Frankreich seit 1871 auf eine Revanche brannte und selbst die äußersten Kriegsanstrengungen für eine kommende Auseinandersetzung zur Rückeroberung Elsass-Lothringens vornahm, keinen Wiederhall und auch die britischen Interessen, nämlich die Zerschlagung der Deutschen Flotte und damit die Sicherung der eigenen Stellung als Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 werden als praktisch belanglos für den Ausbruch des Krieges dargestellt. Auch für Russland war ein Krieg interessant, versprach er doch die Errichtung einer Vormachtstellung auf dem Balkan inkl. Besetzung der Dardanellen zur Sicherung eines Zugangs zum Mittelmeer. Hitler wies in seinen Reden praktisch immer auf das Unrecht von Versailles hin und traf damit den Nerv der Deutschen, die gar nicht wahrhaben wollten, einen Krieg verloren zu haben und dafür auch noch alleinverantwortlich zu sein. Wer sich aber, wie Christopher Clark, an dieses Thema nicht herantraut, verfehlt das Ziel, sich der Wahrheit über die Geschehnisse und deren Gründe zu nähern. Und dazu gehört, dass die Deutschen bis heute zu Unrecht als Kriegstreiber und allein Schuldige am Ausbruch des Ersten Weltkrieges da stehen. Der damalige Erfolg Hitlers hat nicht zuletzt damit zu tun.

Drei Sterne gibt es für die Bemühungen, einige der negativen Bilder über den deutschen Kaiser neu zu beleuchten. Die Übersetzung ist zufriedenstellend.
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5.0 von 5 Sternen sehr gutes Buch, 15. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Leicht zu lesen, die inkohärente Persönlichkeit Wilhelms II wird gut herausgearbeitet.
Im Haus Doorn findet man die Bestätigung einiger Thesen des Autors.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Differenziertes Bild, 3. August 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor versucht ein breit gefächertes Bild des letzten Dt. Kaisers zu zeichnen. Dies ist gut gelungen. Es zeigt sich, dass Wilhelm weniger Einfluss auf nationale und internationale Politik hatte als er wohl selbst glaubte. Er bereits in seiner Kindheit zum Spielball zwischen den Erwartungen seiner Eltern, den Interessen seiner Großeltern und von Bismarck wurde, was sicherlich ein Teil seiner Labilität erklären kann. Aber selbstverständlich nicht die einzige Erklärung für die weitere Entwicklung war, wie der Autor eindrucksvoll darlegt.
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7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Manchmal erhellend, manchmal unzureichend, 23. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Broschiert)
Clark unterscheidet zwischen dem breit angelegten Wunschkatalog Wilhelms II., den dieser häufig ohne Gefühl für dessen schädliche Außenwirkung herausposaunte und seiner tatsächlichen Angst, z.B. vor der realen Konfrontation mit England, Frankreich und Russland.
Der Unterschied zwischen Wünschen und Wollen bei Wilhelm II. wird durch ein ausführliches Quellenstudium (Briefe von W., Briefe an W. mit Randbemerkungen von W., Protokolle etc.) herausgearbeitet - Clark widerspricht damit der Annahme, Wilhelm II sei für den Ausbruch des 1. Weltkriegs allein verantwortlich.
Clark verdeutlicht die durch Wilhelms Wankelmut hervorgehende Überforderung im Amt: das eigentliche Regieren übernahmen mehr oder weniger schlecht die 4 von Wilhelm bestellten Kanzler (von Caprivi, von Hohenlohe, von Bülow, von Bethmann-Hollweg), die den stets nicht konsistenten Standpunkt des Kaisers ignorierten und dessen Einflußnahme auf Regierungsgeschäfte und Reichstag relativierten.
Auch seine Dominanz als oberster Kriegsherr wird durch die seit 1900 von Tirpitz offensiv betriebene Aufrüstung der Kriegsflotte und die damit einhergehende Isolation Preußens in Frage gestellt. Die Berufung Hindenburgs und Ludendorffs zu Oberbefehlshabern des Heeres und der Marine bedeutete eine Entmachtung des Kaisers. In den letzten Kriegsjahren herrschte eher eine Militärdiktatur: Wilhelm stand als ahnungsloser Stratege den Scharfmachern hilflos gegenüber. Immer wenn er nicht spurte, drohten die beiden mit ihrem sofortigen Rücktritt.
Im Schlusskapitel geht der Autor auf Wilhelms Antisemitismus ein, den er im Exil mit hassenswerten Äußerungen kundtat. Er weist begründet zurück, daß Wilhelms kraftmeierische Verstiegenheiten ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus gewesen seien.
Den Anspruch einer Biographie erfüllt Clarks Lebenszeichnung des letzten deutschen Kaisers nicht. Die problematische Erziehung durch die Eltern - mit besonderer Hervorhebung der Mutter - wird als Ursache herausgearbeitet, die ihn zum Trampel werden ließ - die eigene Unsicherheit sollte durch rabiate Allüren überspielt werden. Das umfangreiche Geflecht seiner europäischen und schwerpunktmäßig englischen Verwandtschaftsbeziehungen wird aber nur am Rande gestreift.
Die immer wieder erwähnte Ablehnung dieses Kaisers durch das Volk ist für mich nicht nachvollziehbar: es soll ihm die taktlosen, z.T. rassistischen und die Sicherheit gefährdenden Plumpheiten in seinen öffentlichen Reden übel genommen haben. Trifft diese Beurteilung nicht eher auf die Intellektuellen und Bildungsbürger zu?
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Zusammenfassung, 3. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Clark gelingt es die verschiedenen Facetten des letzten deutschen Kaisers sehr gut zusammenzufassen. Ist dies schon bei geradlinig denkenden Menschen eine Herausforderung, wird es bei Wilhelm zu einer fast unmöglichen Aufgabe. Zu sprunghaft, zu beeinflussbar, zu selbstverliebt, zu schwingend zwischen Depression und Enthusiasmus war dieser Herrscher. Durch diese Wesenszüge, die unzähligen Herausforderungen einer Kompromissverfassung, ungeklärte gesellschaftliche Fronten und die gesamteuropäische Gemengelage löste der schwache Monarch den ersten Weltkrieg vielleicht nicht aus, aber er war auch nicht fähig ihn zu verhindern. Interessant ist Clarks These, dass das Versagen der Monarchie die Sehnsucht der bürgerlichen Eliten nach einem starken, allmächtigen Anführer in den Wirren der ersten deutschen Demokratie förderte.
Gutes Buch!
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Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers
Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers von Christopher Clark (Broschiert - 9. November 2009)
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