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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wegbereiterin für Hitlers Bayreuth!
Oliver Hilmes hat schon mit seiner Alma Mahler-Werfel - Biographie "Witwe im Wahn" bewiesen, dass er sich auf umstrittene Persönlichkeiten versteht. In seinem neuen Buch "Herrin des Hügels" über Richard Wagners Frau Cosima widmet er sich einer "Frau an seiner Seite", die viel mehr als nur Muse war. Einerseits erwarb Cosima Wagner große Verdienste um...
Veröffentlicht am 13. Mai 2007 von zeilensprung

versus
22 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig
Cosima Wagner kommt zweifellos das Verdienst zu, die Bayreuther Festspiele nach Wagners Tod erst wirklich etabliert zu haben. Andererseits hat sie der Sache Wagner/Bayreuth unendlichen Schaden zugefügt, indem sie die Festspiele in erzreaktionäres, nationalistisches Fahrwasser lenkte und so den Boden dafür bereitete, dass Hitler ein allzu gern gesehener Gast...
Veröffentlicht am 26. Mai 2007 von Amazon Customer


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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wegbereiterin für Hitlers Bayreuth!, 13. Mai 2007
Oliver Hilmes hat schon mit seiner Alma Mahler-Werfel - Biographie "Witwe im Wahn" bewiesen, dass er sich auf umstrittene Persönlichkeiten versteht. In seinem neuen Buch "Herrin des Hügels" über Richard Wagners Frau Cosima widmet er sich einer "Frau an seiner Seite", die viel mehr als nur Muse war. Einerseits erwarb Cosima Wagner große Verdienste um die Gralshüterschaft, andererseits legte sie eine Saat, die unter der zweiten starken Frau in Bayreuth, Winifred Wagner, am grünen Hügel schließlich unheilvoll aufging. Als Antisemitin reinsten Wassers überflügelte sie gar den "Meister", und sorgte für ein rechtes Klima, in dem Hitler sich schließlich sehr wohl fühlen sollte...

Davon ist jedoch noch keine Rede, als Cosima dŽAgoult als uneheliche Tochter Franz Liszts 1837 geboren wird. Die Beziehung ihrer Eltern scheiterte, ihre Mutter und ihr vielbeschäftigter Vater gaben sie in die wechselnde Obhut verschiedenster Gouvernanten, die ihr eine strenge und lieblose Erziehung angedeihen ließen. Als junge Frau kommt sie schließlich nach Berlin, lernt in dessen Elternhaus den Komponisten von Bülow kennen und heiratet ihn überstürzt. Bülow gehört zum engsten Kreis um Richard Wagner und bald beginnen Cosima und Wagner eine Affäre, die von Bülow lange geduldet wird, bis Cosima sich schließlich doch von ihm trennt. In der Ehe mit Richard Wagner unterwirft sie sich ganz dem Meister, hat aber andererseits ein Talent für das Strippenziehen im Hintergrund, dass nach dem Tod Wagners erst ganz zur Geltung kommt.

Ihr gelingt es, die Bayreuther Festspiele zu einer Institution zu machen, sie führt mit Weitblick die Geschäfte und meistert allerhand Krisen, bis sie das Tagesgeschäft an ihren Sohn Siegfried übergibt, der kurz nach ihrem Tod 1930 ebenfalls stirbt.

Cosima Wagner war eine bedeutende und starke Persönlichkeit ihrer Zeit. Ihr gelang es, sich über Konventionen immer wieder hinweg- und ihren Willen stets durch zu setzen und ihr Feld so zu bestellen, dass Bayreuth bis heute alle Krisen überstand.

Sie war kompromisslos und hart, wenn es um ihre Sache ging, und ihre Sache war stets die Musik und das Andenken Richard Wagners. Dafür hat sie auch in ihrer Familie mit harten Bandagen gekämpft .

Auch damals gab es bereits Familienfehden, die bis heute einen Teil des Faszinosums Bayreuth ausmachen.

Oliver Hilmes ist ein souveräner Biograph, der ausgewogen, klug und sehr lesbar das Leben einer Frau aufblättert, die viel mehr gewesen ist als "nur" die Tochter Franz Liszts und die Frau Richard Wagners.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lange darauf gewartet - es hat sich gelohnt, 17. August 2008
Letztes Jahr wurde diese Biographie in einer Fernsehsendung vorgestellt, seitdem ist dieses Buch mir im Hinterkopf. Und gerade rechtzeitig zu den Festspielen konnte ich mich in die doch sehr kritische Geschichte der ŽWahnfriedsŽ einlesen; zentrale Rolle war in diesem Buch Cosima Wagner, die letzte Ehefrau des Komponisten Richard Wagners.
Eine anfänglich zurückhaltende Frau, die aber in ihrer Rolle der Muse Richard Wagners ganz und gar aufging. Nach seinem Tode riss sie das Ruder komplett an sich und versuchte schon fast rücksichtslos alles darauf vorzubereiten ihrem Sohn Siegfried Wagner die Festspielleitung eines renommierten Hauses übergeben zu können.
In den Briefen die sie schrieb, fiel mir auf, das sie über eine enorme Fähigkeit besaß andere Menschen einzuschätzen und, teilweise nur durch geschriebenes Wort, sie zu Dingen zu bewegen oder ganz und gar für sich zu gewinnen.
Auch habe ich die Ansicht gewonnen, das der anfänglich kleine antisemitische Teil Richard Wagners noch von ihr voll ausgebaut wurde und entsprechend später den Nazis sehr gelegen kam. Wenn sie Kritik verspürte, berief sie sich auf ihren Mann. Dies zieht sich übrigens durchs ganze Buch: wenn jemand die Wahnfrieds kritisierte wurde stets auf Richard Wagner verwiesen Žer hätte es so gewolltŽ
Alles in allem, war Cosima eine starke Persönlichkeit ohne die Bayreuth sicher nicht den Ruhm hätte, den es heute hat. Durch ihre organisatorischen und auch musikalischen Fähigkeiten hat sie hart daran gearbeitet um hier viel voran zu bringen. Andererseits zeigt das Buch auch ihre harte und kompromisslose Art, die sich zum Beispiel recht gut in ihren späten Jahren bei einem Eklat gegen ihre Tochter gezeigt hat.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dienen, nicht lieben - das war die Devise, 24. Juli 2007
Von 
Roland Popp (Bremen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Was im Fussball in den letzten Jahren die "Manager-Frau" (Gabi Schuster, Martina Effenberg, Frau Illgner und Frau Häßler) war, hat Cosima Wagner im Bereich der "Klassik" vorgeführt. Mit kühler und harter Manager-Hand Wagners Ruhm zu mehren (auch mit politischer Andienung an Hitler und Konsorten)und die Wagner-Festspiele zu etablieren.

Oliver Hilmes versteht es, Cosimas Wagners Lebensstationen von Kindheit, "Ehefrau" und "Kulturmanagerin" in Sachen Wagner packend und flüssig darzsutellen. Dabei hat er auch noch Neues entdeckt: Zum ersten Mal hat er Prozessakten ans Tageslicht gefördert, die den Prozess zwischen "Isolde" (die noch von Bülow als Kind anerkannt wurde und deshalb auf Nachlass und Erbe verzichten musste) und Cosima nachvollziehbar machen. Isolde Wagner hat den sog. "Beidler-Prozess" Prozess verloren und Cosima verfügte, dass ihr Name nicht mehr erwähnt werden dürfte.
Oliver Hilmes zeigt in vielen Facetten wie Bayreuth zur kulturellen Ikone werden konnten uhd er zeigt auch, wie verbissen und hartnäckig Cosima Wagner ihren Anteil daran hatte. Ihr Zuneigung zu Richard Wagner war weniger von Liebe geprägt, als von Dienen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cosima Wagner Eine Reportage, 25. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Herrin des Hügels: Das Leben der Cosima Wagner (Broschiert)
HILMES, promovierter Historiker, enttäuscht den geschichtlich interessierten Laien nicht. Vielmehr nimmt er ihn, fast im Stil einer heutigen Fernsehreportage, an die Hand, um ihm mittels eines lebendigen und flüssigen Schreibstil durch das Leben der Cosima Wagner zu führen. Diese 'Reportage' zeichnet sich dadurch aus, daß die handelnden Personen, viele dem Geschichtsinteressierten dem Namen nach bekannt, ausführlich selbst zu Wort kommen, ihre persönliche Lebenswelt knapp aber verständlich in Wort und Bildern dem Leser nahe gebracht werden, er sich also in deren geschichtliche Lebensumstände von ca. 1850 - 1930 hinein versetzen kann sowie die Personen als Bild vor Augen hat. Ähnlich gehen auch anglo-amerikanische Historiker zu Werk, bsplw. MANCHESTER An American Caesar über McArthur,den Marshall mal als eine Primadonna bezeichnete. Und sicherlich kann nach der Lektüre dieses Buches Cosima Wagner als einer der herausragenden Primadonnen ihrer Zeit, aber auch als eine mehr als gewiefte, eiskalte Managerin des Produktes R. Wagner bezeichnet werden.

Wenn eine sogenannte höhere Tochter, Vater Franz Liszt mithin eine quasi öffentliche Prson, sich nicht scheut, in der damaligen Zeit noch in erster Ehe sozusagen zu Hause mit ihrem Liebhaber R. Wagner zwei Kinder zu zeugen, dann wird sie sich dabei etwas gedacht haben; was.....? Unter anderen diese Frage beantwortet der Autor so spannend, daß der Leser das nächste Kapitel kaum erwarten kann.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Meisterin, 30. Oktober 2013
Von 
Belles Leseinsel (Mainz, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Als uneheliche Tochter des berühmten Franz Liszt kommt Cosima Francesca Gaetana Wagner im Jahr 1837 in Como/Italien zur Welt. Ihre Kinder- und Jugendjahre verbrachte sie in Paris bis sie im Jahr 1857 den Dirigenten Hans von Bülow heiratete. Der Freiherr war ein großer Anhänger Richard Wagners, welchen Cosima Wagner in jungen Jahren bereits kennenlernte, damals war das Interesse beiderseitig allerdings eher gering gewesen. Erst einige Jahre später, nachdem sie bereits zwei Töchter geboren hatte, verliebte sich Cosima Wagner in den weitaus älteren Richard Wagner. Sie wurde zu seiner heimlichen Geliebten, was sich jedoch bald nicht mehr verbergen ließ. Nachdem zwei weitere Töchter geboren wurden, deren Vater Richard Wagner war, wurde Cosima abermals schwanger. Dieses Mal mit ihrem einzigen Sohn Siegfried. Cosima erzwang daraufhin die Scheidung von Hans von Bülow und heiratete im Jahr 1870 Richard Wagner. Doch bereits während ihrer heimlichen Beziehung zu Wagner lebte Cosima nur noch für den Meister, führte dessen Geschäfte und war modern gesehen, dessen Managerin. Nach Wagners Tod war ihr einziges Bestreben, den Mythos um Richard Wagner voranzutreiben. Cosima lebte nur noch für die eine Sache, sie trieb die Bayreuther Festspiele weiter voran und führte sie schließlich zu einem erfolgreichen Familienunternehmen. Gesundheitlich geschwächt übergab sie die Leitung der Bayreuther Festspiele im Jahr 1908 an ihren Sohn Siegfried und verbrachte ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod am 01. April 1930 zumeist in der Villa Wahnfried in Bayreuth, weiterhin als angesehenes Familienoberhaupt und maßgebliche Herrin in Wahnfried.

Doch wer war die Frau und später so mächtige Witwe von Richard Wagner, die um sein Leben und Wirken einen wahren Kult erschuf, sich als Gralshüterin sah, das Vermächtnis Richard Wagners pflegte und verbissen verteidigte? Oliver Hilmes zeichnet mithilfe neuer Quellenfunde ein sehr umfassendes, vielschichtiges Bild der „Herrin des Hügels“, welche von vielen verehrt, von nicht wenigen aber auch gefürchtet wurde.

Als uneheliche Tochter von Franz Liszt und Marie d’Agoults wuchs Cosima zusammen mit ihrer älteren Schwester Blandine und dem jüngeren Bruder Daniel anfangs bei der Großmutter Anna Liszt in Paris auf. Den Vater sahen die Kinder so gut wie nie und nachdem die Beziehung zu Marie d’Agoult scheiterte, entzog der Künstler seinen Kindern auch die Mutter und fortan oblag die Erziehung der Liszt-Töchter zwei betagten, extrem autoritären Gouvernanten, welche die Mädchen fast komplett der Öffentlichkeit entzogen. Erst im Jahr 1855 holte Liszt seine Töchter zunächst nach Weimar, um sie dann wenige Monate später in die Obhut von Freifrau Franziska von Bülow nach Berlin zu geben. Hier lernte Cosima auch ihren späteren Ehemann, den Dirigenten Hans von Bülow kennen und heiratete diesen am 18. August 1857. Doch die Ehe sollte keine glückliche sein, auch wenn aus ihr die Töchter Daniela und Blandine hervorgingen.

Bereits im Jahr 1853 traf Cosima bei einem Besuch ihres Vaters in Paris auf Richard Wagner, doch der Komponist schenkte dem Backfisch Cosima kaum Beachtung. Erst im Jahr 1863 gestanden sich Richard Wagner und Cosima von Bülow ihre Liebe und fortan kreuzten sich ihre Wege gewollt immer wieder. Bald schon wurde Cosima mit Wagners ersten Tochter Isolde schwanger, im Jahr 1867 folgte Tochter Eva. Offiziell galt Cosima als Wagners Sekretärin, so ließ sich ihr Doppelleben lange verheimlichen. In dieser Zeit lernte Cosima auch König Ludwig II. von Bayern kennen, der Richard Wagner finanziell unterstützte und ihm so seinen ausschweifenden Lebensstil ermöglichte. Als dann im Jahr 1869 der Meistersohn Siegfried geboren wurde, forcierte Cosima die Scheidung von Hans von Bülow, zumal ihre Liaison mit Richard Wagner, dem Meister, sich kaum noch verheimlichen ließ. Am 25. August 1870 heirateten Cosima und Richard Wagner.

Fortan trat Cosima bewusst noch mehr in den Schatten des Meisters, hob ihn regelrecht auf das Podest eines Halbgottes, lebte nur noch für sein Schaffen. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten gelang es dem Ehepaar, auch wieder mit Unterstützung durch Ludwig II. von Bayern, den Traum der Bayreuther Festspiele wahr werden zu lassen und so kam es im Jahr 1876 zu den ersten Bayreuther Festspielen, welche bis heute Prominenz aus allen Teilen der Welt anzieht.

Mit der Geburt von Siegfried war auch die Dynastie Wagner gesichert, Cosima zog ihren Sohn zum Meistersohn heran, seine Schwestern hatten ihr Leben nach ihm auszurichten, er war der Spross, der die Wagner-Dynastie weiterzuführen hatte. Ein schweres Erbe, welches auf den schmalen Schultern lastete. Und es wurde nicht besser als Richard Wagner im Jahr 1883 in Venedig starb. Cosima zog sich fast gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück, zog aber im Hintergrund ihre Fäden und behielt die Leitung der Bayreuther Festspiele bis zum Jahr 1908. Villa Wahnfried in Bayreuth wurde die Machtzentrale der Wagners, in deren Gartenanlage Richard Wagner wie auch Cosima Wagner bestattet wurden. Von hier aus trieb die hohe Frau, die Grande Dame von Bayreuth den Erfolg der Festspiele weiter voran und perfektionierte den Mythos um Richard Wagner.

Oliver Hilmes erzählt seine Biografie über Cosima Wagner beinahe so spannend wie ein Krimi. Seine Schilderungen sind ständig durchsetzt von Briefauszügen und Kommentaren von Zeitzeugen. Hierdurch erhält man ein sehr vielschichtiges Bild über die Herrin des Hügels, deren Einfluss bis in höchste politische wie aristokratische Kreise wirkte. Cosima Wagner lebte ausschließlich für Richard Wagner und dessen Erbe. Jeder aber auch wirklich jeder, der sich der Sache nicht annahm, ihren Ansprüchen nicht genügte, den Meister nicht genug verehrte und ihm die gebührende Achtung entgegenbrachte, fiel in Ungnade, wurde zur persona non grata erklärt. Cosima Wagner strahlte durch ihre schlanke, gerade und hochgewachsene Gestalt eine machtvolle Autorität aus, ihr scharfer Verstand wurde bewundert wie gefürchtet.

Man lernt in Oliver Hilmes‘ Biografie eine beeindruckende, aber auch nicht gerade sympathische Frau kennen. Cosima Wagners Welt war voll von Heuchelei, Manipulationen und Intrigen, ihre feindliche Einstellung gegenüber Juden allgemein bekannt, welche gerade der Dirigent Hermann Levi zu spüren bekam, welcher u.a. die Uraufführung von Parsifal 1882 in Bayreuth dirigierte. Cosima Wagners Sticheleien und Äußerungen veranlassten den Dirigenten mehr als einmal, den Festspielen den Rücken zu kehren, doch mit schmeichelhaften Briefen gelang es der Wagner Witwe immer wieder, ihn auf den Grünen Hügel zurückzuholen. Denn Cosima Wagner benötigte Levi als Dirigenten bei den Festspielen, lange Zeit gab es keine Alternative zu ihm, da wurde dann auch in Kauf genommen, dass Levi Jude war. So verwundert es auch nicht, dass nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II., was in der Villa Wahnfried mit Schrecken zur Kenntnis genommen wurde, herrschten die Wagners in Bayreuth doch auch wie Monarchen, Adolf Hitler ab 1923 ein gern gesehener Gast in der Villa Wahnfried war.

Fazit: Eine beeindruckende, hervorragend recherchierte wie interessante Biografie über das Leben und Wirken von Cosima Wagner, der Herrin des Hügels.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die "Meisterin" - devot und doch emanzipiert, 18. Januar 2008
Von 
Schon während ihrer strengen Erziehung durch die Gouvernante Mme. Patersi in Paris stand Cosima unter dem Einfluss des Werkes "De imitatione Christi" von Thomas von Kempen, einem Augustinermönch und Hauptvertreter der "Devotio moderna", der "neuen Frömmigkeit". Eine ihrer Lieblingsstellen daraus ("Wer am besten zu leiden versteht, wird den größten Frieden haben") wurde zu ihrem Lebensmotto, mit dem sie zum einen die seelischen Verletzungen in ihrer Kindheit bewältigte und sich zum anderen später ihrem "Meister" Richard Wagner total unterordnete. Selbst beiläufiges Gerede wurde zu "Meisterworten" überhöht und außereheliche Eskapaden ihres Mannes als Bestätigung ihres Märtyrertums gesehen. Der Kult ging so weit, dass Jahrzehnte nach Wagners Tod Musikinstrumente und Einrichtungsgegenstände, die dieser benutzte, nicht berührt werden durften.

Als Cosima von Paris nach Berlin zog, um dort später den Musiker Hans von Bülow - einen Schüler ihres Vaters Franz Liszt - zu heiraten, empfand sie ihre neue Heimat als provinziell und langweilig. Sie vermisste den distinguierten Lebensstil Frankreichs. Verblüffend ist deshalb, dass Cosima, deren Muttersprache Französisch war, später zu einer glühenden Verfechterin des Deutschtums wurde. Genauso paradox verhielt es sich mit ihrem späteren Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain und ihrer Schwiegertochter Winifred, die beide als britische Staatsbürger geboren wurden. Der Chauvinismus gipfelte in einem unsäglichen Antisemitismus, obwohl der Rabbinersohn Hermann Levi zu den langjährigen Festspieldirigenten zählte.

Dass es sich hierbei allein um Wagners geistiges Erbe handelte, bleibt zweifelhaft, denn der einstige Liberale und Revolutionsbegeisterte hinterließ kein geschlossenes Weltbild. Aus der Verworrenheit und Widersprüchlichkeit seiner Äußerungen wurde erst nachträglich vom "Bayreuther Kreis", der von der Witwe dominiert wurde, ein stimmiger Kanon gezimmert.

Und dennoch gibt es trotz aller Schattenseiten viel Bewundernswertes an dieser Frau. Mit der Übernahme der Festspielleitung nach Wagners Tod trat eine emanzipierte Managerin in den Vordergrund, die entgegen dem damaligen Zeitgeist von Heim und Herd ein wirtschaftlich florierendes Unternehmen aufbaute. Mit hoher Intelligenz, Autorität und Durchsetzungsfähigkeit hielt die als "Meisterin" akzeptierte Grande Dame alle Fäden in ihren Händen. Sie pflegte Umgang mit Monarchen, korrespondierte mit illustren Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik. Anderseits galt sie als humorvoll und in der Erziehung ihrer Kinder als liebevolle Mutter. Heute könnte man Cosima mit einer erfolgreichen Frau, die ihre berufliche Topkarriere mit Familiensinn unter einen Hut bringt, vergleichen. Ohne Cosima wäre die Festspieltradition auf dem Grünen Hügel undenkbar.

Oliver Hilmes hat für dieses Buch umfangreiche Recherchen im bis unter die Decke gefüllten Wagner-Archiv getätigt. Ihm ist es gelungen, das Leben der Cosima-Liszt-von-Bülow-Wagner als große Oper zu inszenieren. Manchmal geht sein flüssiger Schreibstil aber zu Lasten der Genauigkeit (Beispiel: "Am 16. Oktober 1901 war es soweit: Cosimas erster Enkel erblickte das Licht der Welt." - In Wirklichkeit hatte sie schon vier Enkel). Zu bemängeln sind auch die an Voyeurismus grenzenden Spekulationen über sexuelle Probleme und Orientierungen der Kinder Daniela und Siegfried, die ausgiebig ausgewalzt werden. Der Gipfel ist das ohne jegliche Quellenangabe in die Welt gesetzte Gerücht über eine Affäre Winifred Wagners mit Adolf Hitler. Hier verläßt der Historiker sein Metier, um sich auf den Boulevard zu begeben, nach dem Motto "Sex sells".

Auch wenn die ultimative Cosima-Biografie wahrscheinlich erst noch geschrieben wird, ist dieses Buch ein interessanter Beitrag zum Verständnis über den Ursprung des Wagner-Kults.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz große Oper, 1. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Herrin des Hügels: Das Leben der Cosima Wagner (Broschiert)
Zugegeben, Wagner und Bayreuth haben mich nie interessiert. Ich bekam das Buch in meiner Buchhandlung empfohlen
und dachte, da ich gerne Biografien lese, ich verlasse mich auf die Empfehlung. Ich war positiv überrascht.
Oliver Hilmes schreibt flüssig und unterhaltsam. Die Geschichte hat mich so fasziniert, dass ich mir jetzt Parsifal ansehen werde und gerne mal Bayreuth besichtigen möchte.
Man kann sich in dem Buch gut ins 19. und den Anfang des 20.Jhrd versetzen
da O. Hilmes auch ein guter Psyschologe zu sein scheint. Er beschreibt die Herkunft, die strenge Erziehung und das daraus resultierende Handeln dieser Frau. Cosima war eine eigenartige,verschrobene,bizarre Frau mit Standesdünkel,Rassenhass und Vorurteilen. Ihre Lebensgeschichte ist spannend und mitreißend geschrieben. Hilmes
beschreibt in diesem Buch auch die Charaktere anderer bekannter Zeitgenossen,er hat sehr umfangreich recherchiert.
Leicht gestört hat mich, dass er nicht ganz chronologisch gearbeitet hat, ich musste manche Absätze mehrmals lesen.
Geholfen hat dann der Stammbaum der Familie Wagner am Ende des Buches.
Mein Fazit: Eine der besten Biografien, die ich kenne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr zu empfehlen, 4. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Herrin des Hügels: Das Leben der Cosima Wagner (Broschiert)
Die Biografie liest sich wie ein Roman, geschrieben mit einer klaren und sachlichen Sprache, wenn auch ohne Poesie. Die Geschichte einer ' ihren Ehemännern gegenüber - unterwürfigen Frau, sie sich zu einer Geschäftsfrau entwickelte, die enorm viel bewegte, stets kämpfend, zielbewusst. Charmant, wenn sie will, beinhart wenn es um ihre Rechte geht. Und begleitet von Sorgen, Verletzungen und Ängsten.

Ein Familienepos, bei dem für den Leser die Familiendynamik sichtbar wird: Eine harte Jugend durch den kaltherzigen Vater Franz Liszt als Fundament für einen harten Charakter. Dies zeigt sich in jedem Fall in Cosimas Rolle als Mutter und ihr Engagement für den Nationalsozialismus, die Beziehungsunfähigkeit, die sich auf die nächsten Generationen durchsetzt.

Das Leben der Kinder wird ausführlich und interessant geschildert. Als Beispiele seien kurz angeführt: Siegfried Wagner gründet gegen seine Natur eine Familie, Hauptsache der Schein wird bewahrt, den Vorstellungen der Mutter wird entsprochen. Cosimas Tochter Eva, versuchte ihrer Mutter alles recht zu machen. Sie war ihre Reisebegleiterin, Sekretärin, Vorleserin und Krankenpflegerin. '... trotz der vielen Jahre, die sie Cosima geopfert hatte, war sie nie deren Lieblinstochter gewesen, diese Position bekleidete bislang Isolde.'

Spannend sind auch die materiellen Belange im Hause Richard Wagners: Einerseits war sein Budget immer zu klein, andererseits wurde ihm Verschwendungssucht vorgeworfen. Auch für den Bau des Bayreuther Festspielhauses gab es zunächst kein Geld, das Projekt war bereits zum Scheitern verurteilt.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Vor allem, weil ich viel für Familiengeschichten über habe - erklärt sich doch durch sie das Schicksal einzelner Personen, das sich wiederum auf weitere Familien ausbreitet. Oliver Hilmes muss extrem viel recherchiert haben und hat gekonnt eine wunderbar lesbare Biografie einer interessanten Frau geschrieben.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die mächtige Witwe des genialen Komponisten Richard Wagner, 8. Juli 2007
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Jetzt kommt der junge, 1971 geborene Historiker Oliver Hilmes, daher, lässt sich überhaupt nicht abspeisen von den unterschiedlichsten Bedenken aus Bayreuth, lässt sich nicht beeinflussen durch Jahrzehnte alten Legenden, sondern recherchiert selbst gründlich und hat dabei die Gabe großartig zu erzählen. Hilmes ist mit der Biografie "Witwe im Wahn" über das Leben von Alma Mahler Werfel bekannt geworden. Jetzt hat er sich an eine größere Biographie heran gewagt, an den Mythos von Bayreuth "Das Leben der Cosima Wagner" - der Herrin und Festspielleiterin auf dem Grünen Hügel von Bayreuth.
Die uneheliche Tochter von Franz Liszt und Marie d'Agoults heiratet im Alter von 19 Jahren den Dirigenten Hans von Bülow. Die sehr ereignisreiche und schillernde Ehe scheitert und Richard Wagners zuvor heimlich Geliebte wird später seine Ehefrau. von Richard Wagner. Nach dem Tod Wagners hat sie die damals kaum existierenden Wagner Festspiele etabliert und durchgesetzt,hat auch fünfzig Jahre nach Wagners Tod in Bayreuth mit eiserner Hand, geistiger Durchsetzungskraft und organisatorischem Gespür regiert. Was für ein widersprüchliches Leben, was für eine leidenschaftliche Frau! Sie sammelte die Wagner Verehrer vor 1933 zu einer antisemitischen Bewegung und sorgte gleichzeitig für eine "Politisierung" der Wagner Festspiele, die von den Nationalsozialisten natürlich begeistert aufgegriffen wurde.

Trotz aller Einwände, die man gegen Cosima Wagner haben kann, gegen ihre Hartnäckigkeit und ihr stets kontrollierten Gefühle, die Äußerungen über Rassismus, Äußerungen weiblicher Demut, die heute kaum noch zu ertragen sind, nationalsozialistische Äußerungen, ihrer Raffinesse im Umgang mit Männern, mit der Liebe und dem erduldeten Zwiespalt zwischen Durchsatz und Unterwürfigkeit bei einem Komponisten der so dominant war wie Wagner, da hatte Cosima Wagner nicht die Wahl zwischen sehr vielen Rollenmöglichkeiten. Posthum muss man dann doch sagen, sie ist eine der ganz großen Frauen des 19. Jahrhunderts gewesen. Und wenn man sieht, wie sie als Kind gequält und gepeinigt wurde, was für eine Erziehung sie hatte, dann ist man geneigt ihr sehr vieles zu verzeihen. Und das tut der Autor aus seiner Perspektive auf bewundernswerte Art und Weise. Als Tochter von Franz Liszt hat sie mit Wagner ja einen Mann geheiratet, der fast genau so alt war wie ihr Vater.

"Mit Cosima zog das Unheil in die Familie"; diese einstige Aussage der Urenkelin Dr. Nike Wagner, wurde zwischenzeitlich von ihr selber revidiert, denn auch sie hatte erkannt, welch Ungeheuerliches Cosima Wagner geleistet hat.

Diese Biographie, die eine Fülle von neuem Material über das Leben dieser schillernden Frau enthält, ist spannender als jeder Krimi. Ich empfehle die Lektüre mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielerlei Gründen.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben der Cosima Wagner, 4. Juni 2007
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Detaiert recherchiert, entfaltet sich mit dem Buch HERRIN DES HÜGELS eine bedeutende Persönlichkeit im Umfeld des Genies Richard Wagner. Der Autor Oliver Hilmes entwirft nach genauem Quellenstudium ein Portrait einer ungewöhnlichen Frau, unter ungewöhnlichen Männern mit einer nicht all zu täglichen Lebensgeschichte. COSIMA WAGNER - in der Tat - die Herrin des Hügels.

Als Tochter des Genies Franz Liszt zur Welt gekommen, aufgewachsen unter Gouvernanten ohne Liebe aber mit viel Ehrgeiz und oft vom Leben und dem Schicksal geschlagen, entwickelte sich Cosima zu einer ungewöhnlich intelligenten und zielstrebigen Frau.

Verheiratet in erster Ehe vielleicht mit dem falschen Mann, aber dem richtigen nach Maßgabe ihres Vaters, entbrannte sie in Liebe zu dem Genie Richard Wagner und betrog ihren Ehemann mit ihm über lange Jahre.

Diese Frau hatte es nicht im Umfeld von Königen, Genies und Wahnsinnigen ein völlig normales Leben zu führen, doch das wollte sie auch nicht. Als Manager ihres zweiten Manns führte sie dessen Kunst und Anliegen zu wahrer Größe aus. Verantwortlich für das was sie tat, war und ist sie selbst, doch ist und bleibt sie ein Geschöpf all der widrigen Umstände innerhalb ihres Lebens.

Der Autor Oliver Hilmes hat gut recherchiert und dem Leser wird ein Familiendrama offenbart, welches so und in diesem Ausmaß sicherlich bisher nicht bekannt war.

Dass sie so wie sie es tat, durch ihr Leben ging, verdient Respekt. Für all die kleinen und großen Katastrophen in ihrem Umfeld, mag man sie aber nicht mehr zur Rechenschaft ziehen, denn auch sie war getrieben von Liebe, Begehren und einer Familie die alles aber nicht gewöhnlich war. Die Schicksalsschläge, welche sie schon zu Lebzeiten verkraften mussten, führten sie weiter auf dem Weg zum Hügel - COSIMA WAGNER eine außergewöhnliche Frau und Persönlichkeit - die Geschichte spricht dereinst das Urteil.

Sehr empfehlenswert!
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Herrin des Hügels: Das Leben der Cosima Wagner
Herrin des Hügels: Das Leben der Cosima Wagner von Oliver Hilmes (Broschiert - 3. November 2008)
EUR 14,99
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