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60 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wissenschaft und Begeisterung
''Wenn Sie sich an irgendetwas aus diesem Buch erinnern sollten, so wird es daran liegen, dass Ihr Gedächtnis sich nach der Beendigung der Lektüre ein wenig verändert hat.' Sätze wie diese bringen neurologische Erkenntnisse auf den Punkt. Davon gibt es in Kandels Mischung aus Wissenschafts- und Lebensgeschichte genügend, um auch dem Laien eine...
Veröffentlicht am 11. Juli 2006 von Fuchs Werner Dr

versus
52 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwei Geschichten
"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" verbindet zwei Geschichten miteinander. Da ist zum einen die Geschichte des Lebens und der Forschung des Eric Kandel, und zum anderen wird die Geschichte der Neurowissenschaften erzählt. Auf gewisse Art und Weise steht Eric Kandels persönliche Geschichte exemplarisch für die Geschichte der Wissenschaft des Geistes,...
Veröffentlicht am 10. Januar 2008 von Media-Mania


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60 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wissenschaft und Begeisterung, 11. Juli 2006
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
''Wenn Sie sich an irgendetwas aus diesem Buch erinnern sollten, so wird es daran liegen, dass Ihr Gedächtnis sich nach der Beendigung der Lektüre ein wenig verändert hat.' Sätze wie diese bringen neurologische Erkenntnisse auf den Punkt. Davon gibt es in Kandels Mischung aus Wissenschafts- und Lebensgeschichte genügend, um auch dem Laien eine verständliche Einsicht in die Erkenntnisse der modernen Neurologie zu ermöglichen. Allerdings dürfen Leser nicht davon getrieben sein, alles verstehen zu wollen. Doch Kandel macht es Leseperfektionisten leicht, über ihren Schatten zu springen. Denn die großen Zusammenhänge erläutert er in anschaulichen Bildern und spannenden Geschichten. Ich kenne jedenfalls nur ganz wenige Bücher, die dem gewöhnlichen Fußvolk die faszinierende Welt der Neuronen so verständlich erläutern.

Wie jedes gute Buch lässt auch das von Eric Kandel verschiedene Lesarten zu. Am wenigsten kommen vielleicht die Liebhaber detaillierter Autobiographien auf die Rechnung. Bis Seite 68, bzw. bis zur Aufnahme seiner Forschungstätigkeit in Amerika gewährt uns Kandel einen tiefen Einblick in sein Leben. Danach steht die Arbeit so im Vordergrund, dass wir gut nachfühlen können, wie Frau und Kinder damit zurechtkommen müssen, Teil einer größeren Aufgabe zu sein.

Jubeln können alle Leser, die aus erster Hand erfahren möchten, was in den Labors von Nobelpreisträgern gebastelt, gedacht und experimentiert wird. Künstler und Werber glauben ja oft, sie hätten die Kreativität für sich gepachtet. Doch mit der Kreativität ist es wie mit der Intelligenz, es gibt die verschiedensten Formen. Die meisten Forscher, von denen uns Kandel berichtet, sehen auf den Bildern aus wie biedere Buchhalter oder Drogisten. Vom äußeren Schein geblendet trauen ihnen die wenigsten so kreative Experimente zu, wie sie im Buch beschrieben werden. Lust am Entdecken weckt ganz offensichtlich die Phantasie.

Was das Inhaltliche betrifft, so verweise ich gerne auf die Besprechung von 'Don Bernardo', die mir sehr gut gefallen hat. Nur bei der Schlussbewertung komme ich zu einem anderen Resultat, weil ich die Fehler nicht so stark gewichte und Kandels Selbstverliebtheit eher unterdurchschnittlich finde. Was 'Don Bernardo' zum Urteil kommen ließ, Eric Kandel schreibe seine persönliche Erfolgsstory und opfere diesem Unterfangen den Realitätsbezug, weiß ich nicht. Bei mir kamen die Geschichten anders an. Denn immer wieder verweist der Autor auf den Zufall, auf Irrwege und auf andere Kollegen. Und es sind diese Verweise, die mir Buch und Autor sympathisch machen. Aber gerade die Beschäftigung mit Neurologie kann dazu beitragen, solch unterschiedliche Wahrnehmungen als völlig normal zu betrachten. Das Gehirn kennt keine Wahrheiten. In unserem Kopf gibt es 'bloß' über 100 Milliarden Nervenzellen, die ihre Muster so bilden, dass es individuellen Sinn ergibt. Sinn für alle Leser ergibt das ausgezeichnete Glossar. Ich kann mich nicht erinnern, auf ein ähnlich kompaktes und verständliches 'Lexikon' dieser Art gestoßen zu sein. Schade nur, dass dem Anmerkungsapparat und dem Namenregister nicht auch ein Sachregister beigefügt wurde.

Mein Fazit: Weder Autobiographie, noch wissenschaftliches Lehrbuch. Eric Kandel führt seine Leser in die Welt des Forschens und des Gehirns. Obwohl er zum Teil erstaunlich tief in die Details geht und dabei auf wissenschaftliches Vokabular zurückgreift, schafft er es auf wunderbare Art, den roten Faden immer wieder aufzunehmen. Wer nicht alles verstehen muss, wird dank Kandel besser verstehen, was sich in unseren Köpfen abspielt.
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73 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Spur und Umschrift, 24. Juli 2006
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das verbreitete Desinteresse innerhalb der pädagogischen Zunft gegenüber Fragestellungen der Neurobiologie und der Kognitionsforschung ist mir weithin unverständlich. Meine Prognose geht dahin, dass in den vor uns liegenden Jahrzehnten die Hälfte der Erklärungen für das menschliche Verhalten mit der Struktur und Funktionsweise des Gehirns zu tun haben werden. Darüberhinaus kann ich mir recht gut vorstellen, dass "Spur" und "Umschrift" schon bald genauso zu unserem Wortschatz gehören wie "Verdrängung" oder "Projektion". Deshalb scheint mir mehr als ratsam, beizeiten zu lernen, seriöse Forschung von marktschreierischer Gaukelei zu unterscheiden.

Man lernt nie aus. Schon allein deshalb halte ich bei der Grundannahme einer biologischen Determination unseres Wesens größte Vorsicht für angebracht. Doch hier enden auch schon meine Gemeinsamkeiten mit den Skeptikern hinsichtlich der Arbeit von Hirnforschern. Besonders die hier vorgestellte Zusammenstellung aus persönlichen Erinnerungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen kann unseren Blick auf die zunehmend an Bedeutung gewinnende Disziplin der Neurobiologie sehr verändern. Eric Kandel hat den Kampf um meine Aufmerksamkeit hinsichtlich der Hirnforschung gewonnen.

Der im Jahre 2000 für seine bahnbrechenden Veröffentlichungen zum Kurz- und Langzeitgedächtnis mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Autor gilt als einer der weltweit führenden Neurowissenschaftler unserer Zeit. Eric Kandels Buch "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" macht uns ein Stück Wissenschaftsgeschichte lebendig. Anders als viele seiner Fachkollegen zeigt er eindrucksvoll auf, dass wir keineswegs die willenlosen Marionetten unserer genetischen Anlagen sind, sondern dass wir, im Gegenteil, ungeahnte Möglichkeiten haben, unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und unsere Umwelt zu verändern.

In seinen Studien fand Kandel heraus, dass einfache Verhaltensformen auf neuronalen Netzen beruhen, welche aus bestimmbaren, untereinander fest verbundenen Neuronen aufgebaut sind, während das Langzeitgedächtnis auf einer Neubildung von Proteinen beruht. In unsere Alltagserfahrung übersetzt bedeutet das vor allem, dass wir Bildung nicht kaufen können wie eine Elektrozahnbürste, sondern eine Menge dafür tun müssen damit sie in uns Gestalt gewinnt, und dass unser Bild vom Gehirn als Schaltzentrale eines kybernetischen Regelkreises weithin unvollständig ist.

Kandel zeigt sehr eindrucksvoll auf, dass das Gehirn ein Ort ist, an dem sich ein Leben lang äußerst beeindruckende psychologisch-biologische Kommunikationsprozesse ereignen, die sogar - und das hat mich am meisten beeindruckt - unser Genom und unser Miteinander verändern können. Denn es ist ja über das verständliche Streben nach dem eigenen Wohlbefinden hinaus eine der interessantesten Fragen unserer Zeit, wie Seele und Gehirn unser Zusammenleben und unser aller Gesundheit beeinflussen. Für mich ist es äußerst interessant, zu lernen, in welcher Weise unser Gehirn und unsere Gene, die es reguliert, dem Einfluss der Umwelt verbunden sind und inwiefern dies einen WECHSELSEITIGEN Prozess darstellt. Deshalb denke und hoffe ich, dass dieses Buch viele weitere lesenswerte Veröffentlichungen zum Thema nach sich ziehen wird.

Nachsatz: Arte TV hat unter demselben Titel - "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" - einen sehr sehenswerten Dokumentarfilm über den Hirnforscher Eric Kandel auf DVD herausgebracht. Rezension ebenda.
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52 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwei Geschichten, 10. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes (Broschiert)
"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" verbindet zwei Geschichten miteinander. Da ist zum einen die Geschichte des Lebens und der Forschung des Eric Kandel, und zum anderen wird die Geschichte der Neurowissenschaften erzählt. Auf gewisse Art und Weise steht Eric Kandels persönliche Geschichte exemplarisch für die Geschichte der Wissenschaft des Geistes, die zunehmend von der Biologie bestimmt wurde. Das Bemühen Kandels um ein Verständnis für das Gedächtnis wendet sich einem biologischen Ansatz zu, wird zu dem Bemühen, das Gedächtnis auf zell- und molekularbiologischer Ebene zu verstehen. Aber es ist nicht nur die zunehmend reduktionistische Arbeitsweise, die Kandels Forscherdasein mit der Geschichte der Neurowissenschaften verbindet, sondern auch die Art und Weise, die Geschichten sich und anderen zu erzählen und dabei eine Kohärenz und Stringenz zu schaffen, die so nicht existiert. Beide Geschichten sind merkwürdig bruchlos, sind schiere Erfolgsgeschichten, so dass man bisweilen ein wenig Reibung vermisst. Kritik oder Provokation sollte man hier also nicht erwarten und sich zudem bewusst sein, dass Vergangenheit, obwohl sie stattfand, vom Erzähler in einem aktiven Prozess in eine Geschichte geformt wird. Hin und wieder wird der Leser vielleicht auch Kandels Optimismus hinsichtlich des Erklärungspotentials der Biologie kritisch betrachten und sich wünschen, dass Kandel dies selbst getan hätte.
In seinem Vorwort schreibt Kandel, dass er sein Buch für Leser geschrieben hat, die ohne jedwede Vorkenntnisse eine Einführung in die Naturwissenschaft des Geistes suchen. Das hat er insofern geschafft, als dass er Fachbegriffe erklärt und überhaupt sehr verständlich und leidenschaftlich schreibt. Die Fülle an Informationen zu Versuchsaufbauten und Untersuchungsdesigns, zur Biochemie und Bioelektrizität macht dieses Buch zwar sehr detailreich und damit informativ, aber auch unüberschaubar. Und so werden wohl einige Leser am Ende weniger wissen beziehungsweise behalten, als sie erhofft haben. Andererseits vermittelt Kandel einen tiefen Einblick in die Forschung und die reduktionistische Sichtweise der Neurobiologie, so dass der Leser am Ende vielleicht nicht "weiß", so doch immerhin ein Gefühl für die Bedeutung der Forschung und die Arbeitsweise Kandels und seiner Kollegen hat.

Mit einer gewissen kritischen Distanz gelesen, bietet Kandels "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" eine spannende und tiefgehende Reise in die Neurowissenschaften. Manchmal ist sie etwas anstrengend und kann den Leser angesichts der Detailfülle und Tiefe überfordern, aber immer schafft sie es, die Begeisterung und Leidenschaft des Autors für sein Fach und das Leben überhaupt zu vermitteln. Zudem lernt man einen großen Wissenschaftler unserer Zeit kennen. Für alle, die Interesse an den Neurowissenschaften haben, ist das Buch also, trotz einiger Kritikpunkte, absolut zu empfehlen.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ich immer schon wissen wollte, 17. Juli 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe weder Pysiologie oder Medizin studiert und war dennoch von den ersten Seiten des Buches an gefesselt. Die Beschreibung der Vorgehensweise in den Anfängen der Erforschung der geistigen Funktionen von Lebewesen, die schrittweise Vervollständigung der Sicht auf die Dinge auf Grund einfachster Experimente, sowie die frappierend einfach dargestellten biochemischen Zusammenhänge können wohl nur einem Autor gelingen, der selbst führend auf diesem Gebiet tätig war. Kein überflüssiger Erläuterungsballast sondern alles einfach und klar. Man wird auf die Reise mitgenommen von den elementaren Funktionen der Neuronen bis hin zur Erkenntnis, daß alle geistigen Eigenschaften bzw. Leistungen biochemisch begründet sind. Auf elegante Weise erledigt sich auch der Jahrhunderte lange Streit der Philosphen zwischen Empirismus (John Locke) und Rationalisten (Immanuel Kant) zugunsten Kants durch ein paar fundamental Experimente und deren Analyse. Das Buch gibt darüberhinaus auch einen guten Einblick in die Amerikanische Wissenschaftskultur. Ich würde die Lektüre dieses Buches auch an Gymnasien empfehlen. Alle Fragen des vorherrschenden Typs "Warum muß ich diesen Scheiß lernen?" sollten sich nach der Lektüre von selbst erledigt haben.

Dr. Friedrich Wörndle
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88 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen faszinierende Neurobiologie - leider mit Mängeln, 14. Mai 2006
Eric Kandel ist sicherlich einer der bedeutendsten Neurowissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Das vorliegende Buch ist eine Mischung aus Autobiographie und Beschreibung der Geschichte der Neurowissenschaften, wobei naturgemäß die eigenen Beiträge des Autors zur Gedächtnisforschung den Schwerpunkt bilden. Kandel gelingt es, die komplexen molekularen Mechanismen neuronaler Plastizität (=Umstrukturierung neuronaler Bahnen durch Lernen) einfach und auch für interessierte Laien verständlich darzustellen. Dazwischen berichtet Kandel auch über das Leben vieler WissenschaftlerInnen, die seinen Lebensweg gekreuzt haben und erzählt kleine Anekdoten, alles abgerundet mit Fotos der wichtigsten Persönlichkeiten.

Kandel wurde von den Nazis als Kind mit seiner Familie aus Wien vertrieben. Die Schilderung seiner Erlebnisse ist berührend und beschämt mich als Österreicher. Auch Kandels Schilderung seiner kürzlichen Besuche in Wien, v.a. sein Eindruck von derzeit noch aktiven Politkern und noch immer existierendem Antisemitismus ist aufschlußreich und regt zum Nachdenken an.

Jetzt zum Inhalt:

Kandel erläutert die Grundlagen der Erregung von Nervenzellen auf möglichst einfachem Niveau bevor er ausführlich auf die Mechanismen der Langzeitverstärkung synaptischer Verbindungen durch Konditionierung in der Meeresschnecke Aplysia eingeht. Als Pionier der Gedächtnisforschung hat Kandel mit diesem Organismus bahnbrechende Entdeckungen gemacht, die wie wir heute wissen, für die Ausbildung von Gedächtnis im gesamten Tierreich und auch im Menschen relevant sind. Im Jahr 2000 hat Kandel für diese Entdeckungen den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie bekommen.

Nach der sehr detaillierten Darstellung der von ihm entdeckten, relativ einfachen Mechanismen der neuronalen Plastizität in der Meeresschnecke Aplysia widmet sich Kandel der Ausbildung von Gedächtnis in Säugetieren und beschreibt dazu vor allem seine Arbeiten mit genetisch veränderten Mäusen. Zuletzt beschreibt er den aktuellen Stand der Forschung über die Rolle von Neurotransmittern bei psychischen Erkrankungen (Schizophrenie, endogene Depression) und mögliche neue therapeutische Ansätze in der Psychiatrie. Es ist ein wesentliches Ziel von Kandel deutlich zu machen, dass Gehirnfunktionen biochemisch/zellbiologisch erklärt werden können und dass psychische Erkrankungen solide biologische Ursachen haben, deren Aufklärung ein zentrales Anliegen der Neurobiologie im 21. Jahrhundert sein wird.

Vom sachlich-wissenschaftlichen Standpunkt ist das Buch vorbehaltlos zu empfehlen. Allerdings wird die Freude an der Lektüre durch mehrere Mängel etwas getrübt:

1. Das Buch enthält zahlreiche Fehler, die das Verständnis der Zusammenhänge für Nichtfachleute manchmal deutlich erschweren (z.B. die plötzliche Verwechslung der Proteine CREB und CPEB).

2. Kandel beschreibt seine wissenschaftliche Karriere als durchgehende Erfolgsstory. Jede seiner Überlegungen war zielführend, jeder experimentelle Ansatz hatte Erfolg. Wenn ausnahmsweise nicht er selbst sondern ein Postdoc eine bahnbrechende Idee hatte (z. B. die Rolle von Prion-artigen Proteinen bei der Ausbildung von Lanzeitgedächtnis), hat er das früher auch schon einmal gedacht usw. Es wäre schön und für die breite Leserschaft lehrreich gewesen, hätte Kandel den Prozess wissenschaftlicher Erkenntnis mit mehr Realitätsbezug und weniger Selbstverliebtheit dargestellt. Gerade die vielen Irrtümer und Sackgassen machen das Leben als Wissenschaftler so spannend. Kandel wäre der Erste, der nur auf der Autobahn gereist ist.

3. Nach der naturgemäß traumatischen Vertreibung aus Wien lebte Kandel sein privates Leben wie wir alle, also ohne besondere Vorkommnisse. Die eingestreuten Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben sind trivial und peinlich. Alle gehen wir gerne gut essen, hören Musik, schlafen manchmal auf dem Boden und bekommen von unseren Kindern selbst verfasste Gedichte zum Geburtstag. Das Buch wäre ohne diese Trivialitäten wesentlich besser und auch ein bißchen kürzer geworden.

Aufgrund der erwähnten Mängel nur drei Sterne, aber dennoch eine ausdrückliche Empfehlung für alle an der Entwicklung der modernen Neurowissenschaften interessierten Leser.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wertvolle Zeitreise nicht nur durch die Gehirnforschung, 2. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes (Broschiert)
Es bedarf nicht so sehr viel, um dieses Buch zu mögen: ein bisschen Liebe zum Buch, ein bisschen Gefallen an richtig gut erzählten Geschichten - den letztendlich ist dieses Buch auch eine wunderbar erzählte Geschichte, und vielleicht noch ein wenig Offenheit neuen Sichtweiten gegenüber und die Bereitschaft, sich auf eine Reise mit nehmen zu lassen. Nicht nur auf eine Reise quasi durch mehr als ein halbes Jahrhundert, sondern auch auf eine Reise durch die Entwicklung der Hirnforschung. Erzählt wird dieses Buch in einer wunderbar verständlichen Sprache von einem der wichtigsten lebenden Gehirnforscher. Auch am Beispiel Eric Kandels bestätigt sich, dass die "wirklich" Wissenden in der Lage sind, ihren Bereich spielerisch und einfach darzustellen, ohne die notwendige Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit zu verletzen.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen KANDEL 'Auf der Suche nach dem Gedächtnis. Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes.', 9. August 2006
Bringt der als Imprint bei RandhomeHouse von seinem rührigen, inzwischen über achtzigjährigen Wolf Jobst Siedler begründeten Verlag ein Buch heraus - und hierbei vornehmlich Autobiographien - darf man als Leser getrost die diesem Genre gegenüber gepflegten Vorbehalte streichen und sich einfach darauf freuen, etwas schön Ediertes und autorenmäßig Hochqualifiziertes in den Händen halten zu dürfen. So wie Verlage für Programme stehen, so werden sie bewertet, und es ist gewiß keine Eloge auf den Siedler-Verlag, sondern das Ergebnis einer weiteren Frucht qualitätsvoller Lektoren- und Verlagsarbeit. So etwas gibt es noch, und dies sollte eingangs erwähnt werden, um zu verstehen, weshalb Autoren nur so gut sind wie Verlage sie machen. Was Kandel, Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie, in dieses Lebenswerk der Reflexionen einbettet an hochkarätigem Wissen und dieses Wissen dem Leser vermittelt, stellt eine Leistung der Extraklasse dar. Nicht nur Stil und Sprache, sondern jene Prise Nonchalance, mit der er sich, rückblickend, seinem schöpferischen Wissenschaftswerk nähert, sind es, die fesseln, sondern auch und gerade Fakten der neurobiologischen Forschung mit Fokus auf Freuds Psychoanalyse und dessen Postulate von der Klassifizierbarkeit des Selbsts in Ich, Es und Über-Ich als Einheit von Geist, Seele und Leib (und als Triebfeder die Libido). Wer als Leser von Synapsen, Neurotransmittern und Verschaltungen schon hörte, diese Termini aber nicht einordnen, geschweige denn sinngebend verstehen konnte, wird von Kandel an die, man möchte hinzufügen großväterliche Hand genommen und in eine noch recht junge Wissenschaft eingeführt, dessen hervorragender Exponent der Autor selbst ist. Das mag ein wenig betulich anmuten, auch wenn die Schilderungen mißreißend sind, gleichwohl weiß der Autor als Prof.em. wohl am besten, wie er Schüler und Zuhörer, Leser und Fragende psychologisch so betreuen kann, daß diese am Ende der Vorlesungen oder hier des Buches mehr wissen als sie zuvor in der Sache wußten. Das offenbart eine große Kunst der didaktischen Führung durchs Geflecht einer mit vielen Rätseln behafteten Wissenschaft vom Funktionieren unseres Intellekts, von der Wissensaneignung und -verwertung und von dem, was uns Menschen als Homo sapiens auszeichnet, nämlich die Fähigkeit korrelativ und deskriptiv zu lernen, das Erlernte zu lehren und darüber hinaus in kausalen Zusammenhängen zu argumentieren. Selbstverständlich mag dies alles sein, doch liegen solchen Selbstverständlichkeiten Ursachen zugrunde, die mitunter immense Wirkungen erzielen. Wie und wann und unter welchen Prämissen das Gehirn arbeitet, Rezeptoren als Zulieferer fungieren und Ergebnisse unseres Handelns immer auch nachverfolgbare Prozesse initiiierten, solche Kontexte zu erfahren ist aufschlußreich. Für den gewiß, der lernen möchte, für den, der sich wenig darum schert, weshalb etwas so und nichts anders seinen Ausdruck findet, nicht. So einfach stellt sich das Muster neuronaler Transmitter dar: Ablehnung, Desinteresse, Befürwortung, Begeisterung. Da wird das Autobiographische des Österreichers amerikanischen Passes zur Nebensache, transportiert aber dennoch etwas ganz Wesentliches: den Zauber, dem einer Person wie Eric Kandel innewohnt, und ohne die dieses Buch weder eine Wanderung durch die Neuobiologie noch ein Exkurs in alter Manier gewesen wäre. Eine wirklich glücklich zu nennende Verknüpfung zwischen beidem ist hier erfolgt und man möchte sich schlicht und einfach für den Lesegenuß und den Erkenntnisgewinn bedanken!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super Einführung in die Neurowissenschaft, 5. Dezember 2010
Eric Kandel stellt vor seinem biographischen Werdegang als Nobelpreisträger und Mitbegründer der modernen Nerowissenschaft die Entwicklung derselben zu einem der einflussreichsten, expansivsten und spannensten Wissenschaftsfelder dar. Sein Buch ermöglicht auch einem fachfremden Publikum in leicht verständlicherweise Näheres über die neuronalen Grundlagen von Lernen und Gedächtnis zu erfahren. Das umfangreiche Literaturverzeichnis eignet sich darüber auch zur Weiternutzung im weitläufgen Themenumfeld.
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5.0 von 5 Sternen Unterhaltsame Wissenschaft, 15. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes (Broschiert)
Dieses Buch habe ich mehrmals verschenkt und öfters weiterempfohlen, und alle meine Bekannten waren begeistert. Inzwischen gibt es wohl eine überarbeitete Neuauflage. Hier kriegt man auf anschauliche Weise unser Gedächtnis nähergebracht und glaubt fast, etwas davon zu verstehen.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neurologie, die Spaß macht!!, 20. März 2010
Beim Thema Neurologie und der Wissenschaft entsteht bei den meisten ein unglaubliches Gefühl mal die eigenen Gesichtsmuskeln weit zu spannen und einen lauten Gähnlaut heraus zu brüllen..Aber nicht bei diesem Buch!!
Selbst in einem Medizinischen Beruf, wo man vor zu viel Fachliteratur fast schon überschwemmt wird, ist dieses Werk eine völlig Gegensätzliche Ausarbeitung, in der mit viel Humor und einfachen Erläuterungen (an Beispielen und Erfahrungen) die Wissenschaftlichen Theorien dargestellt werden.
Es macht einfach Spaß Eric Kandel bei seiner Reise in die Welt seiner Erinnerungen zu begleiten und zugleich seine Thesen mit eingeimpft zu bekommen, ohne dass man je einen Pikser gespürt hatte!!
Ein tolles Buch, was klar verständlich und leicht zu lesen ist und für jeden gedacht ist, die/der gerne humorvoll an Wissenschaftlichen Themen herangehen will!!
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Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes
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