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5.0 von 5 Sternen Der rote Zar und sein Riesenreich, 28. Oktober 2009
Von 
berti2 "meggie" (Aalen, Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: GEO Epoche (mit DVD): Geo Epoche Stalin und Sowjetunion: 1917-1953: Der Tyrann und das Sowjetreich: 38/2009 (Broschiert)
März 1953: der rote Diktator ist tot. Endlich, so meint man, kann das Sowjetreich aufatmen. Aber merkwürdigerweise ist die Bevölkerung betroffen und trauert um "Väterchen" Stalin. Hat dieser aber den Russen nicht unendliche Schmerzen, Folter und Tod gebracht?
So zeigt sich das ambivalente Verhältnis der Sowjetbürger und die Vielfalt der verschiedenen Meinungen zu ihrem Herrscher.

Über den Aufstieg eines Schustersohnes in Georgien zum Terroristen und Gangster der Zarenzeit über die Darstellung der bolschewistischen Machtergreifung, weiter mit dem Duell mit Trotzki stellt der vorliegende Band die Ereignisse lückenlos dar.
Das Wüten des Bürgerkrieges, die Kollektivierung der Landwirtschaft, die Hungersnöte auch im Agrarland Ukraine, der Industrialisierung mit der gigantischen Stadt Magnitogorsk im Ural wird dem Leser nahe gebracht. Und das in einem Stil, der zu begeistern weiß.
Weitere Kapitel sind die stalinistischen Säuberungen, der grpße Vaterländische Krieg, der Gulag und das Wettrüsten um die atomare Vorherrschaft.

Die Autoren schaffen es immer wieder neu, die Themen so aufzuarbeiten, dass jede Seite fasziniert.
Kurzum: Jeder Essay ein Volltreffer. Mit dem vorliegenden Band hat Geo Epoche wieder mal eine Spitzenleistung hingelegt. Der Band ist auf jeden Fall für jeden Geschichtsinteressierten sein Geld wert.

Noch ein Wort zur DVD. Sie ist im Gegensatz zur Text eher Mittelmaß. Untergliedert in drei Kapitel (der Mythos, der Kriegsherr, der Tyrann) bietet sie nichts Neues.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Anreiz zur weiteren Beschäftigung mit einem mächtigen Psychopathen, 3. November 2009
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: GEO Epoche (mit DVD): Geo Epoche Stalin und Sowjetunion: 1917-1953: Der Tyrann und das Sowjetreich: 38/2009 (Broschiert)
Zum ersten Mal bedient sich GEO-Epoche mit dieser Ausgabe des Ansatzes, über die Biographie eines Menschen eine Epoche zu erschließen. Allen Anti-Treitschke-Vorbehalten zum Trotze kann diese Herangehensweise im Falle Stalins als legitim betrachtet werden, da Jossif Dschughaschwili in besonderem Maße die Sowjetunion nach Lenins Ableben und auch das Mächtegleichgewicht in der ersten Zeit des Kalten Krieges geprägt hat.

Wieder wird eine Vielzahl von Themen angeschnitten: So erfahren wir durch den Artikel von Mathias Messenhöller einiges über die frühen Jahre im Leben des zunächst scheinbar so mittelmäßigen Georgiers, der sich allenfalls schon früh durch die Skrupellosigkeit und Grausamkeit auszeichnete, mit der er durch seine kriminellen Coups im zaristischen Rußland Geld für die Sache der Kommunisten auftrieb.

In Frank Ottos Beitrag "Der Putsch der Bolschewiki" tritt die Figur Stalins einstweilen in den Hintergrund, doch erfährt der Leser genaue Details über die Vorbereitung und die Durchführung des als Oktoberrevolution in die Geschichte eingegangenen Putsches der Bolschwisten unter Lenin. Gekonnt werden hier Ereignisse und die sie bedingenden Machtverhältnisse auf wenigen Seiten vorgestellt. Dasselbe gilt übrigens auch für Ralf Berhorsts Artikel "Kampf um Rußland", der sich mit dem von 1918 bis 1920 währenden Bürgerkrieg auseinandersetzt. Wer über diese Gegenstände noch mehr erfahren möchte, der sei an dieser Stelle auf die ausgezeichnete und packende Darstellung von Orlando Figes in "Die Tragödie eines Volkes" verwiesen.

Jörg-Uwe Albig schafft es, die beiden Charaktere Stalin und Trotzki in seiner Darstellung des erbitterten Duells beider Männer um die Macht in Partei und Staat zum Leben zu erwecken.

Besonders verstörend wirkt die Behandlung der Säuberungen, die nach der mysteriösen Ermordung des Leningrader Parteisekretärs Sergej Kirow Angst und Schrecken verbreiteten. Mit gnadenloser Kaltblütigkeit entledigt sich Stalin, teils aus Paranoia, aber doch noch mehr aus eiskalter Berechnung, seiner alten Weggefährten. Dieser Artikel wird durch Auszüge aus Figes' Buch "Die Flüsterer" ergänzt, das zeigt, wie die Säuberungen den Alltag der kleineren Parteimitglieder und ihrer Familien - vor denen Stalin nicht Halt machte - bestimmten. Unbegreiflich erscheint mir, daß selbst in dieser Situation die Betroffenen oftmals nicht ihren Glauben an die Gerechtigkeit des real existierenden Sozialismus verloren - ein Beweis für die Effektivität moderner Gehirnwäsche?

Besonders pikant dürfte zudem Nicolas Büchses Beitrag über Herbert Wehner sein, der im Jahre 1936 in der Sowjetunion weilte und durch den Verfolgungsdruck dazu bewegt wurde, belastende Informationen über kommunistische Genossen zu "sammeln" und zu liefern.

Jörg-Uwe Albig beleuchtet außerdem die Auswirkungen dieser Atmosphäre des Terrors und des Mißtrauens auf die Kunst.

Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit Stalins Realitätsverleugnung im Jahre 1939 - der einzigen Situation, in der es möglich gewesen wäre, den Diktator zu entmachten -, als er von Hitlers Überfall auf die Sowjetunion völlig überrumpelt wurde.

Neben einer biographisch angelegten Behandlung des Systems der GULAG - hier hätte ich mir noch mehr allgemeine Informationen gewünscht als eine knappe Seite - geht es außerdem um den Wettlauf um Atom- und Wasserstoffbomben, der nach dem Zweiten Weltkrieg entbrannte.

Der meiner Meinung nach packendste Artikel ist der von Johannes Strempel, in dem es um das Ableben des Diktators und die Machtkämpfe seiner Epigonen geht. Strempel gelingt es, durch die Schilderung der Ereignisse und kurze Charakterisierungen der Akteure - etwa des immer paranoider und unberechenbarer werdenden Stalin - einen fesselnden Eindruck der Unmittelbarkeit zu erzeugen. Auch hier fragte ich mich, wie es möglich war, daß viele Menschen in der Sowjetunion, auch Insassen der Lager, aufrichtige Trauer empfanden, als sie die Todesnachricht empfingen. Handelt es sich hier um ein Stockholm-Syndrom größeren Ausmaßes?

Gewiß werden viele Aspekte nur angeschnitten, doch kann die vorliegende GEO-Epoche-Ausgabe als ein Anreiz verstanden werden, sich weiter mit der Persönlichkeit des skrupellosen Diktators zu beschäftigen.

Da ich die beiliegende DVD gänzlich anders beurteile als das Heft, sei an dieser Stelle auf meinen separaten Senf zu Guido Knopps DVD Stalin verwiesen.
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GEO Epoche (mit DVD): Geo Epoche Stalin und Sowjetunion: 1917-1953: Der Tyrann und das Sowjetreich: 38/2009
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