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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen erst Verwirrung, dann spannend wie ein Krimi ...
Zunächst dachte ich bei dieser Salman - Rushdie - Autobiografie wie kann das denn sein, wie kann der Autor denn ein gewisser Joseph Anton sein? Aber dann löste sich das Rätsel doch schnell auf. Der Autor wurde von der Polizei gebeten sich einen Decknamen zuzulegen und so überlegte er sich eine Vornamenkombination seiner beiden Lieblingsschriftsteller...
Vor 21 Monaten von Christian Döring veröffentlicht

versus
5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu lang
Ich habe ganz gegen meine Lesenatur recht lange für das Buch gebraucht, ich wollte ihm gerecht werden und "gründlich" lesen. Das funktionierte aber nur dadurch, dass ich regelmäßig sehr müde... wurde und ich eben Zeit brauchte.
Ja, der Anfang war packend, Rushdies feiner Witz und seine Ironie überraschten mich. Ich erfuhr viel von den...
Vor 20 Monaten von bowedmyhead veröffentlicht


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen erst Verwirrung, dann spannend wie ein Krimi ..., 11. November 2012
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Zunächst dachte ich bei dieser Salman - Rushdie - Autobiografie wie kann das denn sein, wie kann der Autor denn ein gewisser Joseph Anton sein? Aber dann löste sich das Rätsel doch schnell auf. Der Autor wurde von der Polizei gebeten sich einen Decknamen zuzulegen und so überlegte er sich eine Vornamenkombination seiner beiden Lieblingsschriftsteller Conrad und Tschechow.

Rushdies Aufzeichnungen beginnen mit dem Anruf der BBC - Reporterin, die ihm mitteilt, dass er gerade von Khomeini zum Tode verurteilt wurde. Er nimmt seine Leser mit hinein in sein Denken und Fühlen, in seine Überlebensängste und in den Beginn seines Lebens in Verstecken und mit ständigen Begleitern in Uniform.

Was den Reiz dieses Buches für mich ausmacht ist der Umgang mit dem Islam. Rushdie versucht einen Weg zu finden wie er mit und über den Islam spricht. Selbsverständlich tut er dies sehr subjektiv, aber dafür ist es eine Autobiografie. Bis zum heutigen Tag steht der Autor einem übermächtigen, weil oft unsichtbaren Feind gegenüber.

In seinem Buch holt sich Rushdie selbst vom hohen Sockel auf dem ich ihn bislang immer sah. Verblüffend offen spricht er über seine Frau mit der er erst ein Jahr verheiratet war und doch schon wusste, dass diese Hochzeit ein Fehler war. Der Autor beschreibt Höhen und Tiefen die ins Leben eines jeden Menschen gehören. Das Besondere bei Rushdie ist halt das immer noch bestehende Todesurteil, aber doch ist er mit diesem Buch für mich mehr Mensch geworden.

Sehr zu empfehlen!
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Einsicht in Leben und böse Politiken, 28. Oktober 2012
Von 
Art Hirtman "ARTHIRTMAN" (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
„Joseph Anton“, das ist der nome de guerre Salman Rushdies, zusammengesetzt aus den Vornamen zweier seiner literarischen Idole – ein Pseudonym, das sich der Schriftsteller zulegt, um in seinem Versteck zu überleben. Es erlaubt ihm nun autobiografisch-distanziert von sich in der dritten Person zu erzählen, ohne dass dies affektiert wirkt.

Die autobiografische Erzählung hat zwei starke Pole: Der negative Pol liegt im AUSGELIEFERTSEIN. Ich war verblüfft, wie wenig sich der britisch-indische Schriftsteller nach dem „Todesurteil“ des siechen iranischen Ayatollahs auf die staatsbürgerliche Solidarität seiner Regierung (zunächst Mrs. Thatcher) verlassen konnte. Das politische Spiel um Rushdie ist zutiefst beschämend, erschreckend und zeigt auf, wie leicht sich eine westliche Gesellschaft durch den Angriff auf eine exponierte – und als Künstler per se schwache – Einzelperson selbst entblößen und gegenüber einer zynischen Diktatur opportunistisch entblöden kann.

(Lesern, die hinter der Schwäche des Westens gegenüber dem islamistischen Fundamentalismus stets nur naive „68er“ oder blöde „Mulitkultifreunde“ wittern, wird die Lektüre eine Überraschung bereiten: Zu den größten Rushdie-Feinden – sollen ihn die Mullahs doch kriegen – zählten rechte Torry-Abgeordnete und die rechte Boulevardpresse, die sich mit der produktiven Geistesgröße Prince Charles um die Kosten des Personenschutzes für den nichtsnutzigen Schriftsteller ausließen…)

Den positiven Pol bildet SOLIDARITÄT in Gestalt von Menschen, die das private Leben Rushdies teilten, der schlichten Professionalität der einfachen Polizisten und einer großen Zahl prominenter Köpfe vor allem des britischen, französischen und des US-Geisteslebens. Franziska Augstein hat in der „Süddeutschen Zeitung“ einmal über Stephen Frys Autobiografie angemerkt, diese bestehe aus substanzlosem Namedropping von Showbiz-Prominenz. „Joseph Anton“ könnte man auch so lesen, dass hier allzu viele große Namen der westlichen Geisteswelt dem verfolgten Helden die Hand schütteln – so wäre es wohl, wäre der Anlass nicht: ihre Solidarität.

Rushdie geht mit seinem reichhaltigen eher intimen Desastern recht schonungslos um, dem Scheitern seiner Ehen, die nicht (allein) den widrigen Umständen nach der Fathwa Khomeinis geschuldet waren. Angenehm indes: Diese Schonungslosigkeit liegt weitaus näher an einer lakonischen Erzählung als einer psychologisierenden Selbstanklage. Das lässt sich gut lesen und zeugt meines Erachtens von der richtigen Einstellung gegenüber Brüchen im eigenen Leben. Und da Ehe- und Beziehungskrisen zum Leben des durchschnittlichen Menschen in Europa dazugehören, bringen sie den berühmt-berüchtigten Herrn Rushdie sehr nah an uns Normalsterbliche heran.

Munition für Freunde der These eines „Kampfes der Kulturen“ wird sich wenig finden. Rushdie liebt die Kultur seiner Väter, bemerkenswert allein sein Hass beispielsweise auf die ungebildeten Vertreter muslimischer Gemeinden in England – die faktisch von der britischen Regierung einen verwundbaren Schriftsteller als eine Art Menschenopfer erwarteten, ein Opfer, das ihnen „Anerkennung“ verschaffen sollte - nach dem Muster: Verlange das Unmögliche (die Opferung eines lästerlichen Schriftstellers), bekomme das Mögliche (noch die erste Regierung Blair plante einen ganz widerlichen Gotteslästerungsparagraphen nach russischem Muster).

Würde es mit den rund 700 Seiten nicht jedes Maß für Schullektüre sprengen, böte das Buch viel Lehrreiches für Heranwachsende: Dass der Kampf um Anerkennung und Respekt in einer westlichen Gesellschaft über Bildung, Tapferkeit und Ehrlichkeit zu haben ist, nicht über gewolltes Beleidigtsein, minderbemitteltes Propagandageschrei und schon gar nicht über die Behauptung, im Besitz einer unkritisierbaren (religiösen) Wahrheit zu sein.

Nebenbei: Es finden sich einige blöde Druckfehler (fehlende Buchstaben in Hilfsverben, wechselnde Schreibweise eines Eigennamens in zwei Zeilen etc.). Einerseits schade, dass der reiche Bertelsmann-Verlag sich den kritischen Schlusskorrektor offenbar gespart hat. Andererseits: Insgesamt fällt die Fehlerquote nicht stark ins Gewicht (beim armen Eichborn-Verlag sah es immer viel schlimmer aus).
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein phantastisches Buch!, 23. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Nie und nimmer hätte ich mir einfach so diesen 700 Seiten Schmöker gekauft, aber eine sehr wohlwollende Rezension im Deutschlandfunk veranlasste mich dann doch zum Erwerb. Ich habe es keine Sekunde bereut! Zur Zeit lebe ich mit dem Buch - in der Straßenbahn, am Mittagstisch, in jeder freien Minute. Nicht nur, dass der Plot mitten aus dem Leben äußerst spannend ist. Salman Rushdie versteht es meisterhaft, die Fülle des Lebens, der vielen tausend und abertausend Geschichten, die alle miteinander verwoben sind, in große Literatur zu kleiden. Besonders imponierend, dass er zu keiner Zeit in Selbstmitleid verfällt, sondern mit feiner Selbstironie die eigene Rolle durchaus und immer wieder kritisch sieht. Und das Buch muss so lang sein - die Jahre im Untergrund waren es auch, die Leser bekommen so eine Ahnung von der unglaublichen Belastung, die allein aus der Perspektivlosigkeit erwachsen musste. Dies wird für mich nicht das letzte Buch des Autors sein!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich!, 3. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Kindle Edition)
Wie war das nochmal?
Ja, dieser Autor, dessen Bild berühmter war als sein Werk ... !?
Der sich deswegen verkriechen musste, während sich viele aufgeklärte Zeitgenossen freiwillig und feige wegduckten, ihm
im schlimmsten Fall sogar sein Schicksal zum Vorwurf machten !?
Unglaublich: ein gefühltes Menschenalter wusste man nur, dass er irgendwie im Verborgenen weiterschrieb, es ab und zu
in die Nachrichtensendungen schaffte -irgendwas mit Iran/Fatwa und/oder Menschenrechte/Demokratie- und am Ende wusste man immer seltener
ob das Problem noch bestand oder nicht (und immer weniger, worin es denn eigentlich bestanden hatte?).
Und jetzt die Antwort: auf über 700 Seiten! Chronologisch mit Rückblenden, fast buchhalterisch, zuweilen poetisch, oft wütend.
Die Interaktion mit mehr oder weniger bekannten Weggefährt-/ZeitgenossInnen (allein das Namensregister umfasst 11 Seiten!) mag hie&da
anstrengend sein, aber das gehört schließlich in eine Biographie, deren Deutungshoheit sich Rushdie zu Recht nicht nehmen lassen wollte.
Subjektiv, aber trotzdem meist milde (eines von vielen Highlights: die Dokumentation seines Streits mit John Le Carré, bei der er die pointiertesten Salven
nicht selbst, sondern von [noch] scharfzüngigeren Mitstreitern abschießen ließ) werden öffentliche und private Krisen kommentiert.
Nicht nur seine Sprache, Stil und Erzählvermögen, sondern auch die Entstehungsgeschichte(n) seiner (mehr oder weniger bekannten) Werke bilden
-zumindest für den Rezensenten- einen Anreiz auch diese zu lesen.
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5.0 von 5 Sternen Das Buch, auf das wir gewartet haben, 19. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Wir haben uns immr gefragt, wie es wohl Salman Rushdie geht. Wir waren empört über die Fatwa, und wir fragten uns, ob er das Versteckspiel übersteht. Kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen, wurde die Fatwa aufgehoben, und Rushdie kann sich wieder frei bewegen.
Das Buch schildert die Jahre des Versteckens, der Orts- und Wohnungswechsel. Aber es ist mehr: Es ist eine Autobiografie und eine Folie, auf deren Hitnergrund sich seine großen Bücher - Die Mitternachtskinder, Die satanischen Verse und Des Mauren letzter Seufzer - besser verstehen lassen. Wer die Bücher gelesen und nur teilweise verstanden hat, sollte es nach der Lektüre von Joseph Anton noch einmal tun.
Eine spannende Lektüre, die Einblick in das Leben eines der großen Epiker des 20. Jahrhunderts gibt.
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5.0 von 5 Sternen Geschrieben im Angesicht des Todes, 7. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Das ist eines der erschütterndsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.
Von einem brillanten Schriftsteller im Angesicht des Todes unter jahrelanger Bedrohung geschrieben.
Hier schlägt die Realität jede Fantasie und Fiktion!
Außerdem erfährt man, wie wehrhaft der Literaturbetrieb und die verschiedenen Demokratien wirklich sind...Man liest es mit Beschämung. Überleben unter dem Schutz des britischen Geheimdienstes, der Salman Rushdie schützte.
Ein grandioses Buch, für das man einen Lesebefehl ausgeben möchte!
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5.0 von 5 Sternen alles top, 25. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
alles top!!!!!!!!!!!!!!!!
artikel kam sehr schnell und ich bin total zufrieden.
guter preis, gute Qualität
kann es alles nur weiter empfelen
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5.0 von 5 Sternen Sehr interessant, 14. Juli 2013
Von 
Honeybal Lektor (Regensburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn es teilweise etwas langatmig ist, hat mich das Buch von Anfang bis Ende gefangen genommen. Salman Rushdie beschreibt in seiner Autobiographie, wie sein Leben nach der Fatwa von Ayathollah Khomeini verlaufen ist und wie er sein Leben im Untergrund bewerkstelligt hat. Auch wenn er mir als Person selbst oftmals gar nicht so sympathisch erscheint, sind sein Durchhaltewille, sein Kampfgeist und der unerschüttlerliche Glaube an bestimmte Ideale für mich persönlich sehr bewundernswert. Trotz der Todesdrohungen aus dem islamistischen Lager und vielen Anfeindungen in den westlichen Ländern - selbst von Leuten die auf seiner Seite hätten stehen müssen - kämpft Rushdie unerschütterlich für Grundwerte wie das Recht auf freie Meiungsäußerung und künstlerische Freiheit. All dies verpackt in seinem sehr ausführlichen und teils etwas langatmigen Schreibstil inklusive der Schilderung seiner Liebschaften etc. Obwohl ich kein Fan derartiger Ausführungen bin, ist das Grundthema so spannend und aktuell, dass ich trotzdem immer mit Neugierde weiter gelesen habe. Für mich ein sehr wichtiges Buch, dass grundsätzliche Fragen von nie endender Aktualität aufwirft. Top-Buch - Kaufen!!!
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5.0 von 5 Sternen Ein wahrer Meister als Autor und ein Held in unserer Zeit, 12. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein Buch das mehr als die Biographie von Salman Rushdie enthält. Es zeigt wie wichtig uns unsere Freihet seien muss. Die Redefreiheit, Meinungsfreiheit und dass man sich Despoten die uns diese Freiheit verwehren wollen nicht beugen darf. Es gibt einen Einblick, was es bedeutet wenn man von Mördern bedroht wird und für vogelfrei ausgerufen wird. Wie verhält sich die Umwelt, Freunde, Politik. Was macht es mit dir. Es ist ein gehaltvolles Buch das mir sehr viele Einsichten brachte dabei unterhaltsam und wahnsinnig interessant ist. Es sollte Jeder lesen, besonders die Menschen, welche mit solchen Restriktionen einer Diktatur der Religion oder anderer Idiologien oder oder.... keine Berührung hatten oder haben. Bitte unbedingt lesen und weiterempfehlen. Ich danke dem Autor für dieses Buch und seine Haltung.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Religiöser Wahn, die Sehnsucht nach freier Wortwahl und der Wert guter Freunde, 23. November 2012
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Joseph Anton: Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Sein größtes Problem, so dachte er in seinen trübsten Momenten, war, dass er nicht tot war. Wäre er tot gewesen, hätte niemand in England sich darüber aufregen müssen, wie viel sein Schutz kostete und ob er diese andauernde Sonderbehandlung überhaupt verdiene. Er hätte nicht um sein Recht kämpfen müssen, in ein Flugzeug einzusteigen, noch darum, dass höhere Polizeibeamte ihm ein Quäntchen mehr persönliche Freiheit gewährten. Er müsste sich nicht mehr um die Sicherheit seiner Mutter, seiner Schwestern oder seines Kindes sogen. Er würde nicht mit Politikern reden müssen (Riesenvorteil). Seine Verbannung aus Indien würde nicht mehr wehtun. Und der Stress wäre definitiv geringer.
Er sollte tot sein, doch offensichtlich hatte er das nicht begriffen. Die Schlagzeile wartete nur darauf, gedruckt zu werden. Die Nachrufe waren geschrieben. In Tragödien und selbst in Tragikkomödien war es dem Helden nicht erlaubt, das Szenario umzuschreiben. Doch er bestand hartnäckig darauf, zu leben und -schlimmer noch- zu reden, für seine Sache zu streiten, zu glauben, nicht er habe unrecht getan, sondern ihm sei unrecht getan worden, seine Arbeit zu verteidigen und -ist das zu fassen?- sein Leben zurückzuverlangen, Stückchen für Stückchen, Schritt für Schritt. "Was ist blond, hat dicke Titten und lebt in Tasmanien? Salman Rushdie!", lautete ein beliebter Witz, und hätte er einem Zeugenschutzprogramm zugestimmt und unter falschem Namen an irgendeinen unbekannten Ort sein trostloses Dasein gefristet, wäre das auch in Ordnung gewesen. Doch Joseph Anton wollte wieder Salman Rushdie werden, und das war schlicht unerhört. Die durfte keine Erfolgsgeschichte sein, Annehmlichkeiten hatten darin nicht zu suchen. Tot ließe er sich vielleicht noch als Märtyrer der Meinungsfreiheit würdigen. Lebendig war er öde und geradezu nervtötend lästig.
("Joseph Anton", Seite 467).

Der Valentinstag ist in der westlichen Welt im allgemeinen ein Tag der Liebenden und der Liebesbotschaften. Man darf jedoch sicher davon ausgehen, dass er für den Schriftsteller Salman Rushdie eine ganz andere Bedeutung hat. Am 14. Februar 1989 erhält er über eine Reporterin der BBC per Telefon eine Todesbotschaft aus fernen Landen. Der Ayatollah Khomeini hat ihn als Autor des Werkes "Die satanischen Verse" (der Titel bezieht sich auf die Entstehungsgeschichte des Korans, wobei ein Teil des diktierten Textes später vom Verfasser zurückgezogen wurde und nicht in den Kanon des Werkes übernommen wurde. Dieser aussortierte Teil ist auch unter dem Begriff "die satanischen Verse" bekannt und bezieht sich auf eine Veehrung von vorislamischen Gottheiten, die nicht in das monotheistische Weltbild des Islams gepasst hätten) zum Tode verurteilt. Was sich zunächst als vorgezogener Aprilscherz anhört, entwickelt sich zur traurigen Wahrheit und macht den Schriftsteller zum unfreiwilligen Nomaden in seiner Wahlheimat England. Unter Polizeischutz fristet er ein merkwürdiges Dasein, begleitet von einer launischen Presse, hilflosen Politikern, aber auch wahren Freunden und guten Bekannten, die den Kämpfer um Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit in diesen verrückten Jahren unterstützen. Beinahe 10 Jahre zieht sich dieser Zustand kaugummiartig in die Länge, Jahre die der Autor, der sich in dieser Zeit Joseph Anton (Mischung aus den Schriftstellernamen Conrad und Tschechow) nennt, akribisch dokumentiert und mit mancher (oft unfreiwillig komischer Note) Anekdote bereichert. Die unrühmlichen Rollen der Vertreter aus Politik, Medien und sogar aus der Welt der Literaten bleiben dem Leser nicht verborgen, aber einen ebenso großen Anteil nimmt man an der Entstehung der literarischen Werke, die in der Zeit des inneren Exils entstanden sind. Man erfährt, warum Rushdie ein besonders märchenhaftes Buch für seinen geliebten Sohn schrieb und man spürt seine Sehnsucht nach Indien, die Heimat seiner eigenen Kindheit, die zu betreten ihm nun verwehrt ist, als er das Werk "Des Mauren letzter Seufzer." mit Kraft und Energie zu Papier bringt.

Salman Rushdie, der das Fremdbild anderer als unfreundlicher Menschenfreund im persönlichen Kontakt zu seinen Mitmenschen immer wieder zu korrigieren suchte, hat auch mit diesem Werk einen Beitrag zur eigenen Imagepflege geleistet, wobei es ihm fast immer gelingt, die nötige Selbstironie aufrecht zu halten. Sehr amüsant ist beispielsweise auch seine Beschreibung der Dreharbeiten zu "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück", wo er einen interessanten Gastauftritt hat.

Die Biographie ist trotz der stolzen Seitenzahl von über 700 beschriebenen Seiten recht abwechslungsreich und für manchen vielleicht sogar eine lesbarere Lektüre als die Romane des Schriftstellers (;-D). Das Werk ist natürlich nicht nur eine Darlegung einer persönlichen Tragödie, sie ist im Spiegel der politischen und gesellschaftlichen Lage zu betrachten. Der Fall Salman Rushdie scheint indes immer noch nicht abgeschlossen zu sein. Erst in diesem Jahr wurde er von der indischen Regierung gebeten, seine Reise zum Literaturfestival abzusagen, bei der er die einleitenden Worte sprechen wollte. Ob indes eine reale Gefahr für das Leben von Rushdie bestand, oder von politischer Seite aus religiöse Unruhen von vorneherein verhindert werden sollten, wird man indes nie erfahren.
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Joseph Anton: Autobiografie
Joseph Anton: Autobiografie von Salman Rushdie (Gebundene Ausgabe - 18. September 2012)
EUR 24,99
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