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In über 50 Glossen verarbeitet Harald Martenstein die Probleme eines Vaters, der seinen Sohn von der Geburt bis zur Volljährigkeit erziehungsversuchend begleitet.
Ja, wir wollen unsere Kinder zu mündigen Bürgern heranziehen. Aber wenn sie es dann wirklich werden, macht das unseren Alltag noch komplizierter. Plötzlich fangen sie an, zu diskutieren und gewinnen auch noch!
Für den Dauerkonflikt Fernsehkonsum hat Martenstein einen ganz neuen Blickwinkel gefunden. Denn '"der höchste Fernsehkonsum ist in den vergangenen Jahrzehnten bei den willensstärksten, hartnäckigsten, durchsetzungsfähigsten und psychologisch 'taktisch klügsten Kindern zu verzeichnen. Mit anderen Worten: bei Kindern, deren Persönlichkeitsstruktur auf eine spätere Führungsposition hindeutet.'" Persönlichkeitsbildend ist dabei der möglichst harte Widerstand der Eltern, gegen den die fernsehwütigen Kleinen sich behaupten müssen. Das ist die bestmögliche Vorbereitung auf eine glänzende Karriere.
Martenstein beobachtet Kinder in Restaurants, Eltern beim Fußballspiel ihrer Kinder und Kindergeburtstage im Zoo, sinniert unter anderem über Gott, die Gene, Toleranz und die Zukunft, berichtet von gemeinsamen Unternehmungen mit seinem Sohn, und ist dabei immer scharfsinnig und humorvoll.
Besonders Martensteins Ansichten über Bildung und Schule kann ich zustimmen.
Auch meine Kinder lernen Latein, und ich musste mich mit den Fragen anderer Menschen, wozu das gut sein solle, herumschlagen. Martenstein hat auch hier ein hervorragendes Argument: '"Wer Latein lernt, sagt einerseits Nein zum kurzfristigen Zweckdenken, andererseits Ja zum geheimen Gestaltungsprinzip des modernen Lebens, dem Rumspielen und Spaßhaben.'"
Sehr gut gefallen mir auch die Ansichten Martensteins über die Probleme schüchterner Schülerinnen und Schüler. Während früher die schriftlichen Leistungen, also die Zensuren der Klassenarbeiten, höher bewertet wurden, und die mündliche Zensur nur eine Rolle spielte, wenn man zwischen zwei Noten stand, fließt heute die mündliche Mitarbeit zu 50% in die Endnote ein.
'"Die von unserem System diskriminierten schüchternen, zurückhaltenden oder zur Selbstdarstellung unbegabten Menschen können durchaus etwas leisten, sie sind oft recht intelligent. Sie sind halt nachdenklich. Bevor sie sprechen, denken sie nach. Und wenn sie mit dem Nachdenken fertig sind, ist es häufig zu spät. Das ist ihr Problem.
Ich halte die mündliche Mitarbeit für einen Mythos, ihren Stellenwert für ein Zeitsymptom."'
Dieses System benachteiligt Kinder, die gründlich überlegen, um einen sinnvollen Beitrag zu leisten, und begünstigt Mogeleien und Schwätzer. Quantität statt Qualität, das hat mit Bildung nicht viel zu tun.
'"Man erzieht die Leute zu Dauerlaberern, zu Nervensägen und Ichdarstellern. Die sollen alle ins Dschungelcamp.'"
Ich lege dieses Buch, in dem Martenstein intelligent, unterhaltsam und mit scharfer Zunge den Familienalltag auf den Punkt bringt, allen Eltern ans Herz.
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am 18. Juni 2012
'Ich will kein Monlopopi, ich will fernsehen!'.

Sagt das Kind, das endlich im Brettspielalter angekommen ist. Doch nichts da. Fernsehen soll es sein. Ein eiliger Vertrag handelt aus, dass das Kind fernsehen darf, wenn es die Runde Monopoly gewinnt. Was natürlich für ein siebenjähriges Kind gegen solch harte, elterliche Konkurrenz nicht möglich ist. Der Weinkrampf ist vorprogrammiert. Was zur Kapitulation des Vaters führt. Was umgehend zu grundlegenden Fragen der Demokratie führen wird, denn es ist Wahltag in Berlin und 'das Kind' hegt hohe Sympathien gegen die SPD (eher unbekannterweise, sei dazu gesagt, aber vielleicht ist auch nur der Vater Vorbild?).

'Wir haben ihm zu früh zu viel beigebracht', ist die ironisch selbstkritische Erkenntnis des Zeit-Kolumnisten Martenstein, aber da kommt er jetzt nicht mehr heraus. Vor allem nicht, als 'das Kind' im Wahllokal lauthals allen verrät, dass der Vater SPD gewählt hat.

Das aber ist nur eine Art von 'Warmlaufen' für so manche durchaus diffizile Themen, die dem Kind mitsamt seinem Vater in Berlin noch begegnen werden. Die Erläuterung des Christopher Street Days zum Beispiel setzt doch gehörige Portionen an (innerem) Schweiß beim Vater frei, angesichts der Fassungslosigkeit des Kindes im Sichten der als Frauen verkleideter Männer.

Natürlich ist Martenstein ein moderner, politisch korrekter Vater, natürlich erläutert und erklärt er seinem Kind die Dinge auch aus der Erwachsenensicht und natürlich schildert er im Buch unverblümt, dass die Welt des Kindes doch eine andere ist. Denn das Kind würde sich schämen, als Mann Frauenkleider zu tragen und Martenstein bleibt nichts anderes als die Versuche aller Eltern in peinlichen Situationen. Ablenken, ablenken, ablenken.

'Diese ganze Stadt will unentwegt Spaß haben. Wie soll man da Kinder großziehen?'.

Computer und Elite, Fernsehen und Fußball, Geld, Gene, Gott, Insekten, Störche , Weihnachten und dann später, als die Pubertät Einzug hält beim Sohnemann, kommen Handys, Rauchen, Porno genauso hinzu wie Schindlers Liste.

Harald Martenstein verlässt der Humor nicht, das ist bei all den Irrungen und aufrechten Versuchen der 'Welterklärung' schon einmal ein großer Vorteil. Mit ironischer Distanz schildert er die Vielzahl der Themen, und versäumt es auch nicht, immer wieder hintergründig so manche Verrücktheit und manche Merkwürdigkeit der 'modernen und aufgeschlossenen' Welt wie in einem Spiegel sich in den Augen seines Kindes widerspiegeln zu lassen. Nicht immer zum Besten der Welt, im Übrigen. Von der Geburt an bis fast zur Volljährigkeit begleitet Martenstein so im Buch die Jahre. Übrigens auch mit den 'großen' Themen für Väter. Loslassen lernen und Freigeben im Lauf der Jahre. Mit ein wenig Wehmut, natürlich.

Ein amüsanter, durchaus auch nachdenklich machender und die Welt widerspiegelnder 'Reisebericht durch Kindheit und Jugend' als Begleitung und Erziehung des eigenen Kindes ist es, den Harald Martenstein in je kurzen, knappen Kapiteln mit ironischer Distanz und doch spürbarem Engagement vorlegt. Nicht nur für Eltern anregend und in der Sprache gut zu lesen.
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am 24. Februar 2013
Das Buch gefällt mir sehr gut. Da man auf sehr humorvolle Weise den Spiegel vorgehalten bekommt und viel über sich selbst lernen kann - wenn man dazu bereit ist. Die Beispiele sind sehr erheiternd und an den Alltag angelehnt.
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am 24. Juli 2013
Es macht immer wieder Spaß - Harald Martenstein zu lesen, ích lese es oft zwei-dreimal, weil es so amüsant und kurzweilig ist.Ich gehöre auch zu denen, die auf Sonntag warten, wegen der Kolumne (Tagesspiegel).Es wäre schön, wenn es ein Buch geben würde, die die Kolumnen von der "Zeit" mal alle bringen, eine Jahresausgabe zum Beispiel, das wäre ja mal eine Idee........
Alle Liebe für H.M.
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am 8. Dezember 2014
Ich habe viel gelacht beim Lesen des Buches. Der Schriftsteller beschreibt die Erlebnisse mit seinem Sohn sehr lustig und auch kritisch. Ich bin zwar Mutter, aber in vielen kleinen Anekdoten habe ich meinen Alltag wieder erkannt.
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am 26. Juni 2012
Unbedingt lesenswert, weil witzig, charmant und klug geschrieben. Ich habe das Buch gekauft, weil ich den Autor aus seinen Artikeln in der ZEIT kenne und schätze - das Buch hat mich nicht enttäuscht.
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am 16. November 2015
Als Vater eines Sohnes ist es einfach nur erschreckend, wie häufig ich beim Lesen des Buchs dachte : Ja, genauso ist es !
Ein wirklich witziges Buch.
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