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Russland gegen Napoleon: Die Schlacht um Europa
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32 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. November 2011
Dominic Lieven hat aus dem Studium unzähliger russischer Akten, vieler Tagebücher und Erinnerung sowie der Einbeziehung der umfangreichen Sekundärliteratur mit seinem Buch Russland gegen Napoleon. Die Schlacht um Europa." Ein echtes Meisterwerk der Geschichtsschreibung abgeliefert. Diese sechshundertvierzig Seiten, die viel Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit vom Leser verlangen, lohnen sich unbedingt. Nicht nur, dass Lieven mit der Darstellung des Krieges und der Feldzüge gegen Napoleon in den Jahren 1812 - 1814 aus russischer Sicht wirkliches Neuland betritt, bisher ist in der westlichen Historiographie kein solcher Versuch unternommen worden, er versteht es auch durch seinen gut lesbaren und erzählerischen Stil, die spannende und umfassende Darstellung der Ereignisse unddurch das Einbringen von kleinen überlieferten Anekdoten den Leser durchgehend zu fesseln. Mir gefällt vor allem seine abwägende Art der Darstellung bestimmter Schlüsselereignisse, Entwicklungen in Schlachten und Entscheidungen der militärischen Führer in der Lieven die differierende Darstellung in den russischen, preußischen, österreichischen und französischen zeitgenössischen Werken und Erinnerungen gegeneinander legt, plausibel seine Schlussfolgerungen daraus zieht und gut erklärt warum welche Seite wie reagierte ohne scharfe Urteile aus der Sicht des später Geborenen zu fällen.

Lieven stellt im Laufe seines Buches nicht nur die historische Entwicklung der Napoleonischen Kriege aus russischer Sicht dar, sondern geht intensiv auch viele andere Felder und Begleiterscheinungen dieser zunächst primär militärischen Auseinandersetzung ein. Neben den logistischen Herausforderungen der damaligen Zeit, in den großen Heeren Menschen und Pferde auseichend zu versorgen, einzukleiden und sich um Verwundete zu kümmern, frische Rekruten auszubilden und den Einheiten an der Front zuzuführen, schildert er ausführlich die persönlichen Rivalitäten und Auseinandersetzungen der in russischen Diensten stehenden Generälen und Kommandeuren verschiedener Nationen, einer quasi Multinationalen"" Führung, deren persönliche Differenzen und Eitelkeiten immer wieder hinderlich für das Gesamtziel waren. Die Begeisterung der russischen Soldaten die Franzosen aus ihrer Heimat zu vertreiben war noch riesengroß, mit überschreiten des Njemen nach Westen musste Alexander I. gegen viele Widerstände bei seinen führenden Offizieren ankämpfen, um Napoleon zu schlagen und Europa zu befreien, diese hatten nur wenig Interesse daran, ihr patriotisches Ziel war erfüllt.

Lieven geht in seiner Schilderung des Feldzuges von 1813 in Deutschland ausführlich auf die Schwierigkeiten der Alliierten Schweden, Preußen, Russen und Österreicher ein, ihre Einheiten zu koordinieren und die Bewegungen miteinander abzustimmen, neben den sprachlichen Hindernissen war auch hier oftmals die Frage, wer hat wem was und wann zu sagen. Die Anwesenheit der jeweiligen Monarchen machte die Sache nicht gerade einfacher. Ergänzt werden die ausführlichen Schilderungen der wichtigsten Schlachten durch ein gut in den Text eingefügtes Kartenwerk, die dem Leser stets eine Orientierung der beschriebenen Schauplätze ermöglichen.

Neben den großen Linien der militärischen Auseinandersetzungen geht Lieven auch auf die einfachen Soldaten und niederen Offiziere ein und bringt deren schriftlichen Zeugnisse von Rekrutierung, Ausbildung und Erleben des Marsches von Moskau bis nach Paris, mit ein, ebenso die natürlich in deutlich zahlreicher Anzahl vorliegenden Erinnerungen der höheren Offiziere.
Im Summenzug ist diese Darstellung der napoleonischen Zeit 1812 -1814 aus der russischen Perspektive ein unbedingt lesenswertes, hoch interessantes und gewinnbringendes Buch, dass ich nur unbedingt jedem historisch interessierten Leser empfehlen kann.

Dieses Werk ist wirklich Geschichtsschreibung par exellence.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Februar 2012
Dem Autor ist ein Meisterwerk gelungen!!!
Das Buch liest sich sehr flüssig und ist, trotz der Fülle an Informationen, sehr interessant und spannend geschrieben.
Nach den Memoiren des Grafen Segur, den Aufzeichnungen des Generals Caulaincourt der Lektüre von Clausewitz "Der russische Feldzug von 1812", dem Büchlein "Napoleons Rußlandfeldzug in Augenzeugenberichten" und dem Genuss des althergebrachten Geschichtsunterrichtes in Deutschland, war ich überrascht, so viel Neues über dieses Kapitel der Geschichte zu erfahren.
Allein schon der mit viel Disziplin durchgeführte taktische Rückzug der Russen, wurde bisher als solcher nie beschrieben. Vor allem nicht, dass genau diese Art der Kriegführung russischerseits, von Anfang an geplant war. Dieses Buch rückt, anhand von zahlreichen Fakten, das etwas in der Schieflage befindliche Bild der russisch-französischen Kampfhandlungen in ein neues Licht.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. April 2012
Wie vom Autor selber eingangs erwähnt, fehlte die russische Sicht auf die Umwälzungen in Europa bisher. Und so muß man diesem großartig recherchierten und geschriebenen Werk auch zugestehen, daß es eine 'Retoukutsche' auf preussische und österreichische Geschichtsschreibung enthält. Man fragt sich nämlich, wie ein Schwarzenberg oder Bernadotte bei soviel Dilettantismus bis zu Marschällen (letzterer ja unter DEM Militärgenie jener Epoche!) aufsteigen konnten, wohingegen der Zar, bisher überwiegend als 'Bonvivant' und Frauenheld geschildert, plötzlich fast napoleonisches Genie entwickelt. Gut, das sei zugestanden. Auch, daß russische Fehler meist auf widrige Umstände zurückgeführt werden (1809 bei Aspern z.B.), wohingegen die Österreicher immer aus Schlamperei (oder wegen Metternichscher Intriegen)zu spät oder ineffizient waren.- Wenigstens erfahren Blücher und Gneisenau Anerkennung;-) Etwas störend und den Fluß des Geschehens hemmend empfand ich die zahlreichen Rückblenden auf frühere Schlachten, um die Verdienste der Truppenteile zu würdigen. Noch entbehrlicher aber die Rückblenden auf einzelne Personen, bis hin zum einfachen Soldaten. Wohl aus dem Grund, um die Sorgfalt der Recherche herauszustreichen. Ist man aber gerade konzentriert auf den Aufmarschplan der Verbündeten und erwartet dringend Information über Napoleons Gegenstrategie, dann ist der Werdegang des Soldaten XY, und sei er noch so tapfer gewesen, weniger von Interesse. Überaus wichtig auch, daß an der Verherrlichung Napoleon Bonapartes, welchen ich für den schlimmsten Agressor in Europa vor Adolf Hitler halte, gekrazt wird. Dazu ist die Überlegung des Autors: 'Vielleicht hätte die nachfolgende Geschichte Europas einen glücklicheren Verlauf genommen, wäre die französische Vorherrschaft von Dauer gewesen' (S. 628) etwas gewagt.- Immerhin war Frankreich in nahezu jede kriegerische Auseinandersetzung in Europa seit Franz I Valois federführend oder ursächlich involviert.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Februar 2013
Dominic Lieven schildert aus militärhistorischer russischer Sicht die Strukturen der russischen Armeen und der mit ihnen später verbündeten Mächte wie Preußen und Österreich. Dabei schildert er sehr eindringlich die in anderer Napoleonliteratur vernachlässigten Belange wie Transportlogistik, Verpflegung der Mannschaften und Versorgung der Pferde.
Ein prägnantes Beispiel, um dies zu verdeutlichen, ist die Aussage, ..."um 120.000 Soldaten und 40.000 Pferde nur e i n e n Tag lang zu verpflegen, waren 850 voll beladene Fuhrwerke nötig."
Besonders den Befehlstrukturen der russischen Armeeverbände widmet sich Lieven nachhaltig und bringt drastisch zum Ausdruck, dass nur schwerlich Einigkeit und gegenseitige Achtung unter den Kommandierenden der russischen Armeen bestand und insgesamt gesehen eine äußerst schlechte Verständigung auf hoher Kommandoebene vorhanden war.
"Die russ. Kommandostrukturen glichen einer Schlangengrube - von Rivalität, Neid, Egoismus, Missgunst und Verleumdung vergiftet."
Das trifft vor allem für Zeit von Napoleons Russlandfeldzug 1812 zu.
Adam Zamoyski schreibt in seinem Roman "1812 Napoleons Feldzug in Russland" sehr ausführlich über Grausamkeiten und Kannibalismus, aber Lieven deutet so etwas nur an, und weist in wenigen Sätzen auf Gräueltaten der französischen Fouragiertrupps und Marodeure hin, lässt dabei aber auch die schrecklichen Vergeltungsmaßnahmen der russischen Bauern an französischen Soldaten nicht unerwähnt. Und im Gegensatz zu Zamoyski, der Kutusow als senilen, unfähigen Feldherrn benennt, gesteht Lieven dem russischen Oberbefehlshaber zu, dass dieser zwar kein begnadeter Taktiker, aber zumindest ein mit allen Wassern gewaschener, erfahrener Feldherr und ein schlauer und gewandter Politiker war. Nur die Stalin'sche Historiografie stilisierte ihn zum Militärgenie. Soviel zur Einschätzung von Personen aus subjektiv unterschiedlichster Sichtweise.
Die Chronik der Truppenbewegungen im Frühjahr- und Herbstfeldzug 1813 der verbündeten Armeen, die detaillierte Schilderung taktischer Geplänkel, Gefechte und größerer Schlachten wird haarklein mit genauer Angabe der Verschiebungen der einzelnen Waffengattungen von Lieven erläutert. Das häufig mit Streit verbundene Zusammenwirken der obersten Kommandoebenen der verbündeten Armeen Russland, Österreichs und Preußens beschreibt Lieven einprägsam und nachhaltig. Für Militärhistoriker sehr interessant, auch im Hinblick auf die Völkerschlacht bei Leipzig.
Denn hierbei kann man die doch sehr unterschiedlichen Bewertungen erkennen, wenn man Lievens Darstellung dieser Schlacht mit anderen Beschreibungen vergleicht. Und auch diesmal waren die Kommandostrukturen der Verbündeten uneins ("... bei der für die Verbündeten erfolglosen Schlacht um Dresden wurde sie sogar als "jämmerlich" bezeichnet..."), so dass aus objektiver Sicht eigentlich nur die zahlenmäßig hohe Überlegenheit der Alliierten Grund dafür sein konnte, dass man Napoleon bei Leipzig zum Rückzug gezwungen hatte.
Der 1814 nachfolgende Frankreichfeldzug der Alliierten wurde nur auf Drängen Alexanders I. durchgeführt. Dieser Feldzug, der trotz der nach wie vor zerstrittenen hohen Kommandoebenen der Verbündeten zum Sieg über Napoleon führte. Dass der russische Zar Alexander I. einen erheblichen Anteil am letztendlich erfolgreichen Zusammenwirken der Aliierten an diesem Erfolg hatte, schlussfolgert Lieven mit erheblichen Schilderungsaufwand. Nachdenkenswert allerdings klingt hierzu Lievens Feststellung zu Beginn seines Werkes:
"Großbritannien und Russland waren keine friedliebenden Demokratien, sie waren expansionistische räuberische Staaten."

Zur Auflockerung der doch recht dokumentarisch geschilderten Kampfhandlungen fügt Lieven immer mal wieder persönliche Geschichten über russische Soldaten und Offiziere ein. Ein besonderes Merkmal an Lievens Darstellungen jedoch ist, dass er sehr häufig und effektvoll die enorme Tapferkeit der russischen Soldaten, das Heldentum der russischen Verbände betont. An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass der russische Historiker Eugen Tarle für seine Glorifizierung der Tapferkeit der russischen Soldaten von westlicher Seite oft kritisiert wurde.
Nachdem Napoleons Ära mit Waterloo seinen blutigen Abschluss fand, atmeten die europäischen Staaten auf.
In Zusammenfassung von Lievens Werk, der unglaublich einprägsam die Wirren der ständigen Kriege, die durch ganz Europa marschierenden Armeeverbände, deren teilweise recht bedenkliche Verpflegungsversorgung ("... eine riesige Armee, die das besetzte Land leer fraß ...") vor Augen geführt hat, kann man außerordentlich gründlich nachvollziehen, welch ungeheueren Belastungen sowohl Militäreinheiten als auch die Zivilbevölkerung in den 20 Jahren der Napoleonischen Herrschaft erdulden mussten.
Das hat Dominic Lieven mit bewundernswerter Intensität, mit äußerst aufwendigen Recherchen nachgewiesen und mit einer Nachhaltigkeit geschildert, wie es mir bisher keine Napoleonbiografie so eindringlich vermitteln konnte.
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23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. März 2012
Es handelt sich hier um eine Militärgeschichte, geschildert im wesentlichen aus russischer Perspektive. Es werden militärische Einheiten gebildet, verändert, ausgerüstet, in Marsch gesetzt, in der Schlacht wie Schachfiguren verschoben, irgendwann aufgerieben. Dazu viele biografische Porträts von den dazugehörenden Offizieren.
Auf die Dauer kann das ermüden. Ich habe viele Seiten überschlagen. Die Leiden der Soldaten, das Sterben auf den Schlachtfeldern und auf den Märschen, kommt mir zu kurz. Wie wurden die verletzten Männer versorgt? Wie viele erkrankten, weil sie ohne Dach über dem Kopf übernachten mussten? Wie überleben die Soldaten bei 30 Grad unter Null? Französische Forscher haben Massengräber untersucht und behaupten, insgesamt seien 29 Prozent der untersuchten Soldaten entweder mit Fleckfieber oder Schützengrabenfieber infiziert gewesen. Davon wenig bis nichts bei Lieven.
Aber auch militärisch bleiben viele Fragen offen: Wie weit, und wie zielgenau konnte man mit den damaligen Gewehren und Kanonen feuern. Wie effektiv waren diese Waffen? Wie sah eine Kavallerieattacke konkret aus? Nur mit Säbel, oder zusätzlich mit Handfeuerwaffe, und wie verteidigte sich die Infanterie demgegenüber? Wie sah die Munition aus? Vor solche Fragen drücken sich merkwürdigerweise viele Militärhistoriker. Wie eine Schlacht aussehen könnte wird stattdessen geprägt von TV und Kino. Gewiss, man muss nicht jedes Detail kennen. Aber dann kann man auch sagen, die Schlacht um Paris wird in einer Weltgeschichte in 2 Sätzen abgehandelt, und das reicht auch, um das Ergebnis zu kennen.
Adam Zamoyski, 1812, C.H. Beck Verlag, gefällt mir besser. Er springt ausgewogen zwischen Napoleon und den Russen hin und her. Er zitiert aus Tagebüchern und Briefen, beleuchtet traurige Einzelschicksale. Er macht die logistischen Probleme anschaulich. Die humane Katastrophe wird im vollen Ausmaß sichtbar, sie geht bis zur Menschenfresserei. Zamoyski schildert auch ausführlich die spannenden Geschehnisse bei der Besetzung von Moskau, Lieven nimmt sich dafür nur wenige Seiten Zeit. Wie die beiden Brücken über die Beresina gebaut wurden und was sich auf diesen Brücken ereignete erfährt man auch nur bei Zamoyski. Kurz: Lieven ist nur etwas für Militärstrategen, Zamoyski aber hat die Fragen beantwortet, die ich schon immer hatte
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Welches Buch könnte man besser lesen als auf einem Flug nach Moskau, denn der Krieg den Kaiser Napoleon gegen Russland führte und der zum Untergang der Grande Armee führte war exemplarisch und in der Geschichte ebenso folgenreich, weil auch Hitler mehr als 100 Jahre später den gleichen Irrtum beging. Russland stand damit Pate für das geeinte Europa und es mutet fast wie ein Treppenwitz der Geschichte an, das es selbst davon kaum etwas hatte. RUSSLAND GEGEN NAPOLEON von Dominic Lieven erzählt die Geschichte des Feldzugs, welcher 1812 begann und der das Ende der napoleonischen Ära einläutete.

Durch die Recherche in russischen Archiven, welche erst seit 1991 frei gegeben wurden und durch die Betrachtung der Nachschublinien und der Versorgungsoffiziere im Besonderen ergibt sich für den Russlandfeldzug Napoleons ein völlig neues Bild.

Gerne wird in älteren Publikationen zum Thema auf die Verdienste der Deutschen Generalität, des französischen Generalstabs oder von Taktik und Heldenmut gleichermaßen hingewiesen, doch wie stand es wirklich um den Russlandfeldzug und die danach folgende Niederlage Napoleons in Leipzig?

Der Autor Dominic Lieven hat brillant geforscht und ausgiebig in Originalquellen geforscht, für ihn bot sich ein völlig neues Bild das es wert ist angesehen zu werden. Selten hat jemand die Originalquellen aus dem Russischen überhaupt in betracht gezogen, die Verdienste des Nachschubs gewürdigt und die Kavallerie und die mit ihnen zusammenhängenden Pferde betrachtet.

Eine ganz exzellente Arbeit die mit Vorurteilen aufräumt und das ewige voneinander abschreiben beendet - ein völlig neuer Blick auf die Niederlage vor den Toren Moskaus für Napoleon. Das dabei die Armeen der gegen Napoleon verbündeten Nationen das erste Vielvölkergemisch waren und zudem sich erfolgreich zu wehren wussten - eine militärische Glanzleistung erster Güte, denn die Mentalitäten und Voraussetzungen waren damals doch sehr unterschiedlich. Ebenso die Taten wie das vorbei schleichen in der Nacht an der Armee Napoleons in nur 1.500 Meter Abstand, ein Husarenstück das heute sicherlich nicht mehr funktionieren dürfte.

RUSSLAND GEGEN NAPOLEON von Dominic Lieven würdigt erstmals die Leitungen des russischen Nachschubs, zeigt die sich schnell verändernden Randbedingungen auf und bringt ein ganz neues Element in die militärhistorische Forschung auf diesem Gebiet.

Sehr empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Mai 2013
Hinter dem etwas langweiligen Titel verbirgt sich ein hervorragendes und gut lesbares Buch, das insbesondere für den Militärhistoriker geeignet ist und das ein eher vernachlässigtes Thema behandelt. Mit diesem Buch wird die Geschichte der russischen Armee ab 1812 (und teilweise auch schon davor) bis 1815 geschildert. Dabei werden nicht nur Quellen zitiert, sondern diese auch interpretiert und das Ganze gut, spannend - ohne an Seriosität zu verlieren - und anschaulich dargestellt, so z. B. die Charaktere der handelnden Persönlichkeiten. Selbst das eher langweilig erscheinende und oft vernachlässigte Thema der Logistik wird fesselnd nahe gebracht. Einzig ein paar Karten mehr zur Anschaulichkeit wären wünschenswert gewesen; dafür wird man etwas entschädigt mit drei Tafeln von Uniformen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. November 2013
In die Lobeshymnen auf diese Publikation vermag ich nicht einzustimmen, fällt das Bemühen, den russischen Beitrag zu den Kriegen gegen Napoleon mal aus anderer Perspektive zu beleuchten, dann doch gar zu einseitig zugunsten des "Iwan" aus. Sicher ist es zu begrüßen, wenn auf Grundlage neuen Quellenmaterials tradierte Sichtweisen auf die napoleonische Epoche hinterfragt werden. Aber die ständigen Lobhudeleien auf die militärischen Leistungen der Russen zu Zeiten Napoleons sind schlicht und ergreifend nicht schlüssig.
Da ist zum Einen das überwiegend positive Urteil des Autors über das russische Offizierkorps - dabei galten die Offiziere des Zaren kompetenten Zeitgenossen als die schlechtesten aller beteiligten Mächte! Tatsächlich kann die beeindruckende Kette von russischen Niederlagen gegen Napoleon - Austerlitz, Friedland, Smolensk, Borodino, das Versagen an der Beresina, Lützen, Bautzen, Dresden, div. Schlappen im Frankreichfeldzug 1814 - ja wohl kaum als Qualitätsmerkmal für die zaristische Armee im Allgemeinen und deren Offiziere im Besonderen herhalten! Die Russen haben ohne Verbündete keine einzige richtige Schlacht gegen Napoleon gewonnen! Wobei die Feststellung der Tapferkeit und Opferbereitschaft der russischen Soldaten unstrittig, aber nun wirklich nicht neu ist.
Die Behauptung, der Rückzug der Russen in die Tiefe des Zarenreiches 1812 sei das Ergebnis strategischer Planungen und nicht akuter militärischer Nöte gewesen, ist mindestens kühn. Träfe dies zu, hätten die Russen ihre Truppen sinnvollerweise doch wohl anders dislozieren müssen, statt sich wiederholt der Gefahr der Umfassung und Vernichtung ganzer Armeekorps auszusetzen. Dieser Katastrophe entgingen die Russen 1812 letztlich nur aufgrund der Unfähigkeit einzelner Befehlshaber Napoleons bzw. mit unglaublichem Glück; von strategischer Disposition kann man da wirklich nicht sprechen. Von daher ist der Einschätzung Adam Zamoyskis in dessen Buch "1812" deutlich der Vorzug zu geben.
Auch ist dem Autor historische Schlamperei vorzuwerfen, wenn er behauptet, die Russen hätten im 18. Jahrhundert nur triumphiert. Wie erklären sich dann die wiederholten heftigen Niederlagen Peters des Großen im Nordischen Krieg gegen die zahlenmäßig stets deutlich schwächeren Schweden Karls des XII.? Worin bitteschön soll der russische "Triumph" über Friedrich den Großen bestanden haben? Friedrich gewann bekanntlich den Siebenjährigen Krieg, aus dem die Russen 1762 sang- und klanglos ausschieden. Zuvor hatten sie die Schlacht von Zorndorf gegen die Preußen verloren und zwei strategisch letztlich folgenlose Siege in den Gefechten von Groß Jägersdorf und Kay eingefahren. Ein wirklicher "Triumph" gelang den Russen nur 1759 in der Schlacht von Kunersdorf - allerdings mit tatkräftiger österreichischer Unterstützung. Die Früchte dieses Sieges wurden dann prompt durch militärische und politische Stümperei verschenkt - zum Entsetzen des österreichischen Verbündeten. In all diesen Auseinandersetzungen waren die Russen ihrem preußischen Gegner zahlenmäßig erheblich überlegen! Also nicht wirlich triumphal, das Ganze!
Weiß der Autor das Alles nicht, oder lässt er diese Fakten unter den Tisch fallen, weil sich sonst seine Thesen vom tollen russischen Militär nicht halten ließen? Beides wäre gleich schlimm.
Sicher fiel der russische Beitrag zu Napoleons Sturz nicht gering aus - am Ende muss man jedoch unverändert konstatieren, dass es die Engländer waren, die für die Niederlage des Korsen den Auschlag gaben. Ohne Englands immense Finanzierung der alliierten Armeen hätten Österreich, Preußen und Russland Napoleon nie überwunden - selbst nach der Katastrophe von 1812 nicht.
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am 30. Dezember 2013
Kurz gesagt: Wer sich mit den Feldzügen Napoleons beschäftigt und hier die Auseinandersetzung mit Russland nicht ausser Acht lassen will, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Zu den anderen Büchern "1812" und "1813" eine sinnvolle und gute Ergänzung.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Oktober 2012
Das Buch stellt auf brillante Weise dar: Welche Wahnideen Napoleon zum Krieg verführt haben; warum der Feldzug soviele Tote aus vielen europäischen Ländern gekostet hat; wieso die Russen den Krieg gerade zufälligerweise - und nicht wegen der sogen. genialen Strategie Kutusows! - gewonnen haben; dass die Franzosen wie die Russen aus einem der blutigsten Missverständnisse - das durch unzureichende Kommunikationstechnik verursacht wurde - einen Generationen überdauernden Mythos gesponnen haben. Ein schönes Beispiel für die Differenz zwischen Literatur und Geschichtsschreibung.
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