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Kundenrezensionen

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am 1. August 2007
Als Harry, ein Freund des Autors und Psychologen Gerd Gigerenzer, vor der schwierigen Wahl stand, sich für eine Partnerin entscheiden zu müssen ("Die oder Ich"), folgte er dem erprobten Rat Benjamin Franklins. Er listete Für und Wider auf, gewichtete und rechnete. Das Ergebnis unter dem Strich war eindeutig - und er wusste, dass es falsch war. Woher? Als ein Experte jene griechische Statue aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sah, die dem J.-Paul-Getty Museum in Los Angeles für zehn Millionen Dollar zum Kauf angeboten wurde, hatte er spontan den Eindruck "frisch". Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen hatten die Echtheit des antiken Kunstwerks bestätigt. Doch der Experte behielt Recht: Es war eine Fälschung. Wie konnte er dies erahnen? Übersinnliche Wahrnehmung? Intuition? Die beiden Beispiele (das zweite ist aus dem Bestseller "Blink - Die Macht des Moments" von Malcolm Gladwell) beleuchten eine Fähigkeit des Menschen die man zwar gemeinhin Bauchentscheidung, Intuition oder Ahnung nennt, jedoch getrost als "tiefere Intelligenz" bezeichnen kann. Die Wissenschaft beginnt, die Funktionsweise dieser Form der Intelligenz zu erfassen - und zeigt, unter welchen Umständen wir auch mit Intuitionen erheblich danebenliegen können.

Mehr als Logik.
Grundlage der menschlichen Intelligenz ist das logische Denken - so meinen immer noch viele von uns. Doch das logische Denken sieht nicht, was "zwischen den Zeilen steht" und ist blind für den Inhalt. Die Sätze "Markus wurde zornig, und Maria ging" und "Maria ging, und Markus wurde zornig" enthalten jeweils zwei gleiche Aussagen, die durch 'und' verknüpft werden. Trotzdem sind die beiden Sätze vollkommen verschieden in ihrer Bedeutung. Wir erkennen intuitiv den Inhalt und den Unterschied. Gute Intuition, so Gerd Gigerenzer, muss nicht logisch sein. Sie kann über die Logik hinausgehen, indem sie Informationen hinzuzieht, die im Augenblick gar nicht vorliegen.

Die Kunst besteht, darin zu wissen was wir *nicht* zu wissen brauchen.
Bauchgefühl, Intuition oder Ahnung war früher etwas Geheimnisvolles und Unerklärliches. Weil wir alle schon mal in dunkler Vorahnung die Erfahrung eines flauen Magens gemacht haben, oder Schmetterlinge im Bauch fühlten, glauben wir, dass die Intuition so eine Art Gefühl ist. Ist es aber nicht. Intuition ist Intelligenz und findet im Kopf statt. Intuition besteht aus der unbewussten Benutzung von Faustregeln. Wir filtern nur wenige relevante Informationen heraus, vereinfachen auf diese Weise umfangreiche Betrachtungen und erhalten schnell und effizient ein Ergebnis. Die Kunst liegt darin, die richtige Faustregel für die jeweilige Situation (unbewusst) auszuwählen. Dafür hat das Gehirn des Menschen im Laufe der Evolution ein ganzes Arsenal von Fähigkeiten entwickelt, die uns helfen, aus einer komplexen Welt schnell einen Sinn herauszufinden - Fähigkeiten, die Tiere nicht haben.

Ziel des Buches ist es, solche Faustregeln zu erläutern und zu zeigen, wann Intuition zum Erfolg, und wann sie zum Scheitern führen kann. An Hand von Untersuchungsergebnissen und mit Beispielen aus Beruf und Alltag weiht uns Gerd Gigerenzer in die Geheimnisse der Intuition ein. Er zeigt, welche Faustregeln unser Gehirn verwendet. Wir benützen diese Fähigkeiten ständig; wir können gar nicht anders, als Schlüsse zu ziehen. Neu dürfte für viele sein, dass es möglich ist, Intuition zu trainieren.

Überzeugend.
Gerd Gigerenzer ist es wieder einmal glänzend gelungen, einen komplexen und für viele undurchschaubaren Sachverhalt anschaulich darzustellen. Die Lektüre gewinnt einen besonderen Wert dadurch, dass wir daraus lernen können, bewusst an unserer Intuition zu arbeiten; sie letztlich dort einzusetzen, wo sie die verlässlichste Methode darstellt um zu einer Entscheidung zu kommen. Die Aussage des Klappentextes, "dass es gute Gründe gibt, sich auf seine Bauchgefühle zu verlassen", ist allerdings nur die halbe Wahrheit und spiegelt den Sachverhalt nicht richtig wieder. Leider können wir uns eben *nicht* immer und blind auf unsere Intuition verlassen. Und, wer das Buch - wörtlich genommen - verschlingt, wird eine echte Bauchentscheidung erfahren.
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Am Denkmal des Homo oeconomicus wird in den letzten Jahren so heftig herumgehämmert, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis die Statue fällt. Was dann an seiner Stelle stehen wird, ist zwar noch völlig offen, aber irgendeine Figur, die an unser Unbewusstes erinnert, wird es bestimmt sein. Abbruch und Neugestaltung gingen wahrscheinlich etwas schneller voran, wenn die Beteiligten etwas mehr auf ihre Wortwahl achten würden. Denn mit dem missglückten Titel erneut zu suggerieren, das Unbewusste sei irgendwo im Bauch angesiedelt, zementiert nur alle Irrtümer. Zu welchen Entschlüssen unsere neuronalen Netzwerke gelangen, spüren wir zwar auch im Bauch, aber die Entscheide fallen nun mal im Kopf.

Wie solche Entscheidungen getroffen werden und was dabei alles berücksichtigt wird, erklärt Gerd Gigerenzer in diesem Buch auf selten anschauliche Weise. Das gelingt ihm vor allem mit guten Geschichten und prägnanten Formulierungen. Und weil der Autor nicht irgendeiner ist, sondern das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin leitet, wird seine Botschaft auch Menschen erreichen, die aus reflexartigem Abwehrverhalten normalerweise weghören. Wie auch Linda Pelzmann aus Wien in ihrer Rezension ausdrücklich betont, geht es in Gigerenzers Buch nicht darum, die Vernunft gegen die Intuition auszuspielen. Vielmehr ist es das Anliegen des Autors, die Stärken und Anwendungsbereiche der beiden neuronalen Datenverarbeitungssysteme aufzuzeigen. Dass allein gibt schon genügend Diskussionsstoff für die nächsten Jahre und wird scheinbar unantastbare Glaubensmodelle erschüttern.

Mein Fazit: Der Autor versteht es ausgezeichnet, seiner eigenen Theorie gerecht zu werden und Komplexes so zu vereinfachen, dass es verstanden wird und seinen wahren Kern trotzdem behält. Wir erfahren zwar nicht so viel über die Vorgänge in unserem Gehirn, wie der Autor immer wieder verspricht, aber dafür gibt es ja inzwischen viele andere empfehlenswerte Bücher. Die Reduktion auf einleuchtende Geschichten, kurze Theorieblöcke und einprägsame Formeln ist genau der Stoff, aus dem unsere Intuition schließlich unser Verhalten beeinflusst.
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Der Psychologie-Professor Gerd Gigerenzer hat über das vermeintlich Ungenaue sehr genau nachgedacht. Auf verblüffende Weise füllt er den Begriff der Intuition (vulgo 'Bauchentscheidung') mit erstaunlich konkretem Inhalt und gibt ihm eine klare Kontur. Intuition galt im abendländischen Denken einmal als sicherste Form der Erkenntnis, wohingegen sie heute oft belächelt wird. Gigerenzer beschreibt nicht nur sehr genau die Merkmale und Funktionen der Intuition, sondern er zeigt auch, welche enorm wichtige Rolle sie im Alltag spielt, auch wenn uns diese Macht des Unbewussten nicht ausreichend bewusst ist. Weil gelegentlich Begriffe wie "Adaptive Theorien" oder "Heuristik" auftauchen, ist das Buch nicht immer ganz leicht zu lesen, trotzdem ist es größtenteils anschaulich geschrieben '- wenn auch nicht in gleichem Maß wie Malcolm Gladwells Bestseller zum selben Thema, "Blink!" Allen Lesern ' insbesondere Entscheidungsträgern ', die sich vertiefend mit dem Zustandekommen von Entscheidungen befassen wollen, empfehlen wir das Buch als höchst anregende Lektüre.
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am 26. März 2007
Die Wertschätzung der Intuition boomt derzeit. Man kann sich allgemeiner Zustimmung sicher sein, wenn man mehr Bauchentscheidungen fordert; Seminare für mehr Emotionalität sind Marktrenner. Gerd Gigerenzer kommt zur richtigen Zeit mit dem richtigen Buch auf den Markt. Er informiert fundierter, besser, spannender, als alle anderen Quellen.

Er definiert Intuition als ein Urteil, das drei Kriterien erfüllt: Erstens ist es ganz schnell im Bewusstsein da; zweitens wissen wir nicht, warum wir dieses Gefühl haben; drittens ist es dennoch stark genug, um unsere Handlungen zu leiten. Gigerenzer betont, dass eine Intuition viel Information ignoriert und sich nur auf die ein, zwei oder drei wesentlichen Gründe konzentriert; dadurch sind intuitive Urteile schnell zur Hand.

Allerdings, damit man intuitiven Urteilen auch trauen kann, muss man sie genauso lernen, schulen, entwickeln und trainieren wie die analytische Vorgangsweise. Für diesen Prozess gibt es interessante neue Forschungsergebnisse und gute alte Faustregeln, die Gigerenzer anregend und spannend berichtet; sie machen den Großteil des Buches aus. Die Kernfrage ist nicht, ob eine Person intuitiv vorgeht, sondern ob sie die richtige Entscheidung trifft oder die falsche. Wie sieht es denn aus mit der Richtigkeit der Entscheidungen aus dem Bauch? Ist Intuition ein guter Ratgeber?

Wer analytische gegen intuitive Entscheidungen ausspielt, begeht einen schweren Kunstfehler. Qualifizierte Führungskräfte, Wissenschafter, Ärzte, Feuerwehrleute und Rettungsmannschaften müssen in der Lage sein, Probleme systematisch und unter Einsatz des modernen analytischen Instrumentariums zu lösen und sie müssen außerdem schnell auf Situationen reagieren können und das erfordert Intuition. Erfolgreiche Profis können es sich nicht leisten, zwischen analytischer und intuitiver Problembewältigung einen Gegensatz aufzubauen; sie müssen den Werkzeugkasten in seinem ganzen Spektrum beherrschen und je nach Situation richtig einsetzen. Analytische Methoden, die in eine intuitive, erkennungsgesteuerte schnelle Reaktionsfähigkeit eingebettet sind, das ist der Königsweg.

Wer sich auf unbekanntes Terrain wagt, hat gar nicht die Wahl, nur jene Aspekte einzubeziehen, die er bewusst durchschaut. Wer nach neuen, noch unbekannten Lösungen sucht, kann sich nicht nur auf das stützen, was er bewusst durchdacht und geklärt hat. Und er hat auch nicht die Zeit, so lange weitere Informationen zusammenzutragen, bis er alle Möglichkeiten überblickt. Wenn die zu bewältigende Informationsmenge unüberschaubar ist und viele irrelevante Informationen enthält, dann reicht angestrengtes Nachdenken allein nicht aus. Unter solchen Umständen hat man gar keine andere Wahl, als der Intuition Raum zu geben. Damit intuitives Vorgehen zur richtigen Entscheidung führt, braucht es Regeln, Lernprozesse und Begleitmaßnahmen, die Professor Gigerenzer beschreibt.

Intuition hängt essentiell zusammen mit dem Erkennen der wesentlichen Gesetzmäßigkeiten. Personen, die intuitiv richtig handeln, gehen more principled - bezogen auf die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten - vor und verwenden aufgrund ihrer Erfahrung profunde und wirksame Kriterien anstatt irrelevante und falsche. Sie haben sich dazu erzogen, in die Tiefe zu gehen und relevante von irrelevanten Hinweisen zu unterscheiden. Intuitiv Erfolgreiche gehen schnurstracks auf den Kern der Sache los. Während sich Anfänger und Unkundige dem Problem in kleinen Schritten nähern müssen, haben erfahrene Experten schnellen Zugriff auf das Wesentliche und eine gut organisierte Vorgangsweise.

Im Gegensatz zu den kleinen Schritten des Anfängers macht der Experte in seinem Denkprozess riesige intuitive Sprünge. Das lässt sich dadurch erklären, dass er mit einem Erkennungs- und Abfrageprozess arbeitet, der eine große Anzahl von Kombinationsmustern absucht, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Demnach ist die Intuition kein von der Analyse getrennter Prozess, sondern beide Vorgangsweisen ergänzen einander und wirken komplementär.

Ein weiteres Geheimnis der "richtigen" Intuition ist, dass genug Aufmerksamkeit und Arbeitsspeicher offen bleiben dafür, was sich im Umfeld abspielt. Den Spielraum im Arbeitsspeicher braucht man für die situationsgerechte Anpassung einer Entscheidung. Das Bedürfnis, sich von Angst, Druck und Peinlichkeit zu befreien, löst ein Verhalten aus, das zwar kurzfristig Erleichterung verschafft, aber diese intuitive Reaktion unterscheidet sich maßgeblich von der qualifizierten Intuition des Experten.

Die Schwächen der Intuition kommen etwas zu kurz bei Gigerenzer. Das intuitive Vorgehen hat sich in Jahrmillionen der Evolution entwickelt; es hat sich bewährt und es hat auch in die Irre geführt. Die intuitive Angst vor einem Verlust wirkt sich ungefähr doppelt so stark aus wie die Aussicht auf einen Gewinn. Beim Spekulieren mit Aktien führt das zu einem systematischen Fehler, einem sogenannten bias: Bei steigenden Aktienkursen neigen Anleger dazu, zu früh den Gewinn mitzunehmen; bei fallenden Kursen hingegen erliegen sie dem gegenteiligen bias, indem sie mehr riskieren um erlittene Verlusten zu reparieren. Ein weiterer Intuitions-Defekt besteht darin, dass Menschen ihre Fähigkeit überschätzen, die Zukunft zu überblicken. 80 Prozent aller Firmengründer glauben daran, dass sie sich am Markt behaupten können. Tatsächlich sind aber schon nach fünf Jahren 75 Prozent wieder vom Markt verschwunden. Ohne diesen bias zum Optimismus gäbe es die wirtschaftliche Dynamik nicht in diesem Maße. Das führt aber auch dazu, dass Unternehmer das Risiko des Scheiterns unterschätzen; dass Konzerne viel zu viel Geld für die Übernahme anderer Firmen bieten; dass Privatleute in die Schuldenfalle geraten, weil sie ihre künftigen Einnahmen zu hoch veranschlagen. Der intuitive bias ist ein starker Motor, er bewirkt Optimismus und stete Geschäftigkeit.

Was viele in die Irre führt, ist die starke, ja zwingende Empfindung subjektiver Gewissheit, die in der Regel mit intuitiven und emotionalen Urteilen verbunden ist. Aber subjektiv empfundene Gewissheit, und mag sie noch so stark sein, hat absolut gar nichts zu tun mit objektiver Richtigkeit. Es braucht die qualifizierte Intuition, um eine richtige Entscheidung zu treffen und der Weg dorthin ist lang und steinig. Das Buch ist ein unverzichtbarer Wegbegleiter für Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, für Ärzte, Rettungsmannschaften und Feuerwehrleute in allen Situationen, in denen sie schnelle Entscheidungen treffen müssen.

Professor Gigerenzer macht die Frage, ob Intuition ein guter Ratgeber ist, so spannend, dass ich sein Buch in einer Nacht durchgelesen habe.
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am 17. September 2007
Nach der Lektüre von Jens Försters Meisterwerk "Kleine Einführung ins Schubladendenken" habe ich eine Lesereihe "Sozialpsychologie" initiiert, die vor allem leicht geschriebene Bücher zu den Themen Entscheidungen und Personenbewertungen beinhaltet. Auch dieses Buch gibt einen wunderbaren Überblick zum Stand der Entscheidungsforschung, auch dieses Buch ist schön geschrieben, mit zahlreichen Beispielen ausgestattet und unbedingt lesenswert. Manchmal fehlt ihm die Frische, mancherorts kommt es ein wenig unbescheiden daher und natürlich kann es mit dem rasanten, kreativen Schreibstil von Förster nicht mithalten. Insgesamt jedoch ist es wunderbar, wie gerade die deutsche Psychologie den Spagat zwischen leserfreundlicher Vermittlung und Wissenschaftlichkeit meistert. Dagegen sollte man amerikanische Bestseller wie Gladwells "Blink" oder Cialdinis "Sozialer Einfluss" lieber meiden. Jene lesen sich dagegen wie verklemmte Kinderbücher aus den 50er Jahren.
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am 14. Mai 2008
Professor Gerd Giegerenzer ist Direktor am Max-Plack-Institut für Bildungsforschung in Berlin und beschreibt in seinem Buch Bauchentscheidungen und wie sie funktionieren, sehr anschaulich.
Darüber hinaus wird beschrieben, warum diese Entscheidungen, insbesondere bei Unwissenheit, sehr präzise sein können. Auch logische Berechnungen von Maschinen können zu falschen Entscheidungen führen. Gute Intuitionen müssen nicht logisch sein und führen doch zum richtigen Ergebnis. Giegerenzer hat die intuitiven Bauchentscheidungen systematisiert und kommt zu unterschiedlichen Methoden und Werkzeugen, die diese Bauchentscheidungen untermauern.
Als Werkzeuge beschreibt er u.a die Rekognitionsheuristik, den weniger-ist mehr-Effekt oder die moralischen Intuitionen und sozialen Instinkte. Nicht zuletzt beschreibt Giegerenzer, wie ein Gerücht die Berliner Mauer eingerissen hat. Die komplizierte Materie der Intelligenz des Unbewußten, die Macht der Intuition wird vom Autor auch für einen psychologischen Laien sehr überzeugend, systematisch und anhand von Beispielen erklärt. Ich möchte das Buch daher sehr empfehlen.
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am 4. August 2011
Da ich inzwischen aus eigener Erfahrung und aus umfassender Recherche einiges über Intuition gelernt habe, schlage ich bei einem neuen Werk zuerst das Kapitel auf, in dem erklärt wird was Intuition eigentlich ist. Dadurch erspare ich mir viel Zeit und Mittelmäßigkeit. Denn wenn die Detailtiefe schon bei den Kernfragen zum Thema fehlt, bleibt es in der Regel auch dabei. So begann ich auch dieses Buch mit dem Kapitel: Wie Intuition funktioniert. Leider sind die Ausführungen sehr dürftig und der Autor liefert keine detaillierte Erkenntnis darüber wie Intuition funktioniert. In den anderen Kapiteln werden Beispiele aus unterschiedlichen Disziplinen herangezogen, die nicht unbedingt neu aber teilweise unterhaltsam und auch interessant sind, aber das Thema verfehlen. Wer aufschlussreiche Erkenntnisse darüber erwartet wie Intuition und Bauchgefühl funktionieren, oder wodurch sie sich unterscheiden, der wird durch das Lesen dieses Buchs keine Klarheit gewinnen. Um Redundanzen zu vermeiden, verweise ich auf die anderen ausführlichen 2-Sterne-Rezensionen.
Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
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In diesem Buch des Direktors des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung geht es darum, wie Menschen Entscheidungen oder Urteile treffen. Es geht um die meist unbewussten Mechanismen und wie diese oft auf vereinfachten Faustregeln zurückgreifen oder eine viel geringere Informationsbasis nutzen als dies möglich wäre. Neben 'echten' und eher sachorientierten Entscheidungen geht es auch um Intuition (aber nicht um Kreativität) und moralische Urteile.

Das Buch beinhaltet eine ganze Reihe von interessanten Befunden, pfiffigen Untersuchungen, guten Überlegungen und klugen Konzepten und ist in dieser Form gewinnbringend und bietet einen erhellenden Einblick in die 'Wahrheit' menschlicher Entscheidungfindung und die Einsicht, dass vermeintlich 'irrationale' Entscheidungsfindung oft so schlecht gar nicht ist. Für diesen positiven Effekt vier Sterne.

Gestört hat mich allerdings, dass es sehr weitschweifend geschrieben ist (viele Wiederholungen und Schwurbeleien). Ein Drittel der Seiten hätte für die pure Information auch gereicht. Der Stil ist durchaus freundlich, nicht arrogant und kolloquial, aber durchaus selbstverliebt, professoral ausschweifend und distanziert und der Autor ist sich deutlich der eigenen (vermeintlichen) Bedeutung bewusst. Zudem besteht es fast nur aus Fließtext mit sehr wenig Abbildungen und Aufzählungen oder ähnlichen Textstrukturierungen (schwaches Lektorat). Dass es eine (vermutlich wörtliche) Rückübersetzung einer englischen Fassung ist, merkt man der manchmal etwas holprigen Sprache an.

Gleichzeitig hätte es pschyologisch etwas präziser und umfassender sein dürfen (dann auch wieder länger). Auf Erkenntnisse aus Sozialpsychologie, Entscheidungsfindung, Gedächtpsychologie, etc., die nicht (!) von Gigerenzer selbst stammen, wird zu wenig Bezug genommen. Der Leser erfährt über die Gedanken und Ergebnisse des Autors, nicht unbedingt über die gesamte erhältliche Wissenbasis.
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Der Autor ist Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und Psychologe. Er hat sein Buch ursprünglich auf englisch geschrieben Gut Feelings: The Intelligence of the Unconscious, dies ist die deutsche Übersetzung.

Das Buch versucht dem Thema Intuition und unbewusste Entscheidungen näher zu kommen. Ein schwieriges Thema, weil diese Prozesse per definition nicht bewusst ablaufen. Im Stil amerikanischer populärwissenschaftlicher Bücher reiht Gerd Gigerenzer Anekdoten aneinander, um daraus allgemeinere Aussagen deutlich zu machen. Beispiele:
- Unwissenheit kann manchmal zu besseren Entscheidungen führen
- Menschen halten wieder erkannte Objekte für wertvoller, etwa Markenartikel
- unter Zeitdruck ist ein effizienter Entscheidungsbaum wertvoller als ein vollständiger

Allerdings stimmen mitunter exakt die gegenteiligen Aussagen. In der Regel ist Unwissenheit eben keine gute Entscheidungsgrundlage. Jetzt wäre die entscheidende Frage, wann denn die Regeln gelten und wann die Ausnahmen von der Regel. Doch dabei hilft das Buch leider nicht, die Aussagen sind allesamt ziemlich wischiwaschi, auch wenn sie mit vielen Fußnoten belegt sind. Von daher ist es zwar ein leicht lesbares und unterhaltsames Buch, aber mit bescheidenem Nutzen.

Im Vergleich finde ich Blink!: Die Macht des Moments von Malcolm Gladwell wesentlich ergiebiger.
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am 26. Oktober 2007
Was ist denn nun Intuition? Gigerenzer gibt darauf für mich keine befriedigende Antwort. Seine Beispiele umfassen unterbewusste rationale Entscheidungen, das Befolgen von Gesetzen, pures Glück, bewusst angewendete Alltagsregeln und simple Vorurteile. So viele, vollkommen unterschiedliche, Mechanismen als ein Phänomen zu behandeln ist für mich nicht korrekt.
Der Schreibstil ist angenehm verständlich. Wenn es dann um die ständig erwähnten evolutiven Prozesse geht, beginnt der Autor aber doch merklich zu schwimmen. Ziemlich nervig ist das ständige Wiederholen bestimmter Thesen und Sachverhalte, die Gigerenzer wohl für besonders wichtig erachtet. Aber ein bisschen Vertrauen in die Leser sollte man schon haben. Wenn man eine relativ banale Tatsache nun zum fünften oder sechsten Mal erklärt bekommt, ist man doch geneigt das Buch einfach zur Seite zu legen.
Warum das Buch dann doch 3, statt der angedachten 2, Sterne bekommt: die vielen psychologischen Studien die hier vorgestellt werden und die, zumindest für auf diesem Gebiet relativ unbelastete Leser, immer wieder interessante Erkenntnisse bieten und den eigenen Horizont erweitern können.
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