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TOP 1000 REZENSENTam 13. Juli 2005
Eine 16jährige reißt von zu Hause aus, weil der Freund ihrer Mutter sie regelmäßig missbraucht. Sie kauft sich ein klappriges Auto und fährt...irgendwohin. Im US-Staat Washington wohnt sie auf einem Campingplatz im Wald und lebt vom Pilzesammeln. Sie leidet an heftigen Allergien und nimmt allerlei dagegen, was sich im Drugstore halt so klauen läßt, klaut nebenbei auch noch einen Katechismus und liest die Bibel. Warum eine geistig gesunde, nicht vorbelastete und nicht einmal katholische 16jährige das tun sollte, bleibt dem Leser vorenthalten. Eines Tages hat dieses Mädchen beim Pilzesammeln eine Marienerscheinung. Diese trägt ihr auf, Egoismus und Gier aus der Welt zu räumen, mit dem Pfarrer zu sprechen und am Ort der Erscheinung eine Kirche zu bauen.
Zunächst glaubt ihr niemand. Ihre Nachbarin auf dem Campingplatz, die zynische, faule Carolyn, nimmt sich ihrer an und wird bald zu ihrer Sprecherin - ein äußerst lukrativer Job. Nach kürzester Zeit brechen Scharen von Pilgern über das heruntergekommene ehemalige Holzfällernest, in dem die Maria gesichtet wurde, herein. Wie es der jungen Seherin dabei geht, interessiert keinen so recht, und das Schicksal nimmt seinen Lauf...
Guterson schwafelt manchmal sehr lange über Religiöses, allerdings ist das auch der Kernpunkt dieses Buches. Die Sinnsuche einer Gesellschaft, die Hoffnung, die von etwas so Vagem wie einer Marienerscheinung ausgeht, werden brilliant portraitiert. Wunderbar ist auch, wie er eine auseinanderbrechende Existenz seziert, Charaktere und ihre Zweifel an sich selbst und der Welt durchleuchtet. Nicht zuletzt gibt es auf den allerletzten Seiten einen Knalleffekt, der einem ohnehin schon lesenswerten Roman die Krone aufsetzt.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Einst hatte Franz Werfel den Roman "Das Lied der Bernadette" geschrieben, die Geschichte der kleinen Soubirous, der in Lourdes die Muttergottes erschienen ist; eine Art persönliches und ergreifendes Bekenntnis, das der Autor sozusagen mit Herzblut geschrieben hat.

Auch David Guterson, ein amerikanischer Autor, der sich mit dem Roman "Schnee, der auf Zedern fällt" einen Namen gemacht hat, singt sein "Lied der Bernadette", nur sind Melodie und Text völlig verschieden vom großen Werfel-Roman. Während Werfel das religiöse Moment dieser Marienerscheinung in Lourdes besonders herausstellt, ist Gutersons "Unsere Liebe Frau vom Wald" nach seiner eigenen Aussage eher ein Roman über das Weibliche, ein Buch, das sehr stark von der Gnosis bestimmt ist, ein Buch über den Fundamentalismus und über den bankrotten Kapitalismus.

"Ich wollte erkunden, was passieren würde, wenn Bernadette von Lourdes im Amerika von heute auftreten würde, und es schien mir, als würde sie tatsächlich eine unterernährte, ungewaschene Rotznase sein", so David Guterson über seinen Roman. Und in der Tat: Ann Holmes ist sechzehn Jahre alr und hat die dunklen Seiten des Lebens bereits kennengelernt. Sie ist eine labile Außenseiterin, der wie aus heiterem Himmel in einer gottverlassenen Gegend Amerikas die Jungfrau Maria erscheint. Statt wie bisher Pilze zu sammeln, wird sie künftig Botschaften der Gottesmutter einer willigen zur Massenpsychose neigenden Anhängerschaft verkünden. Assistiert von einem Alt-Hippie, einer alkoholkranken Barfrau, einer eifernden Katholikin und der Mutter eines vermissten Mädchens. Ein skeptischer Priester kommt ob dieses Mädchens in Zölibatsbedrängnisse, und ein ehemaliger Holzfäller will die Heilung seines gelähmten Sohnes erzwingen. So sind sie alle auf der Suche nach persönlichem Heil, nach Erlösung, nach schnellem Geld und irgendwelchen Wundern.

Ohne jeglichen religiösen Hintergrund, ungebildet und naiv reagiert Ann erst verschüchtert, dann fast gleichgültig, später bedrängt auf das, was ihr geschah. Sie wird zu einer Heiligen, einer modernen Jeanne d'Arc für alle die, die sich vom Schicksal verstoßen und vergessen fühlen, füe alle, die einen tieferen Sinn in ihrem Leben suchen, und zu einem willigen Werkzeug jedweder Manipulation. Sie verkörpert die Sehnsucht nach einer besseren Welt, die von hier ihren Ausgang nehmen soll.

David Guterson gelingen einige hervorragende Charakterstudien. So wie die der völlig vom Leben desilllusionierten Catherine, die sich zur "Managerin" von Ann aufschwingt. So auch die des Holzfällers Tom mit seiner ganz eigenen schuldbeladenen Geschichte. Dagegen bleiben andere Figuren bläßlich und ohne sonderliche Kontur, so als seien sie nur Staffage. Auch die theologische, geistige und gesellschaftspolitische Auseindersetzung mit dem Phänomen bleibt oberflächlich, im religiösen Bereich wirkt sie fast nur zynisch. Und Ann, so wie sie geschildert ist, taugt weder als Beweis für die Heiligkeit der Frauen noch als Beleg für die Frauenunterdrückung. Was bleibt, ist eine flotte Story über eine alte Geschichte in einem neuen Gewand und in neuen Kontext, die jedoch keineswegs überzeugt.
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10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. September 2004
Nachdem ich vor einigen Jahren "Schnee, der auf Zedern fällt" mit Begeisterung gelesen habe, waren meine Erwartungen an dieses Buch recht groß. Leider wurden sie nicht ganz erfüllt. In diesem Buch geht es um ein Mädchen, das scheinbar beim Pilzesammeln eine Marienerscheinung hat. Guterson beschreibt, wie die Gesellschaft darauf reagiert und zeichnet ein Sittengemälde der westlichen Gesellschaft. Durchaus lesenswert - aber nicht der "grosse Wurf".
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Februar 2007
...das Buch bietet eigentlich einen sehr interessanten Inhalt, aber das ständige Reden von Sex bzw. dessen Schilderung (muß denn alles bis ins letzte Detail geschildert werden?) geht einem auf die Nerven. Außerdem: Wieso ist die Wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen (wie üblich!) gesetzt, sondern verschwindet mit im Text? Ich finde, das verwirrt nur unnötig und strengt beim Lesen an. Einen Sinn sehe ich darin nicht!!

Aber, wie gesagt, der Inhalt ist interessant.
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