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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Kleinstadt und der Wahnsinn
Mag "Die Süße des Lebens" von Paulus Hochgatterer vom Gestus her ein Kriminalroman sein, so liegen seine Stärken aber eindeutig im Entwurf eines Gesellschaftspanoramas. Man liest von einer scheinbar idyllischen, funktionierenden Welt einer Kleinstadt, unter deren bürgerlicher Oberfläche der Wahnsinn lauert. Dass man in diesem Roman eine Reihe von...
Veröffentlicht am 28. November 2006 von Wolfgang Stroebl

versus
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur bedingt die Süsse des Lesens!
Wer Krimis liebt, die eine klare und verständliche Handlung haben und die dem Leser am Geschehen beteiligen, in dem sie ihm eine spannende Story bieten und ihm eigene Vermutungen und Schlussfolgerungen ermöglichen, sollte vom Paulus Hochgatterer "Die Süsse des Lebens" die Finger lassen.

Für mein Empfinden schreibt der Autor, wie ein Tachist...
Veröffentlicht am 8. Juni 2010 von Lu Latsch


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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Kleinstadt und der Wahnsinn, 28. November 2006
Von 
Wolfgang Stroebl (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mag "Die Süße des Lebens" von Paulus Hochgatterer vom Gestus her ein Kriminalroman sein, so liegen seine Stärken aber eindeutig im Entwurf eines Gesellschaftspanoramas. Man liest von einer scheinbar idyllischen, funktionierenden Welt einer Kleinstadt, unter deren bürgerlicher Oberfläche der Wahnsinn lauert. Dass man in diesem Roman eine Reihe von zutiefst gestörten Zeitgenossen antrifft, mag damit zu tun haben, dass der Psychiater Hochgatterer nur zu genau weiß, wozu der Mensch fähig ist. Der Unterhaltungswert der Abgründe der menschlichen Seele scheint doch recht begrenzt, sodass man sich in manch düsterem Kapitel an Henning Mankell erinnert fühlt - wenn auch der Kriminalfall an sich nicht den ausweglosen Sog des Skandinaviers erreicht. Die Auflösung wirkt doch ein wenig aus dem Hut gezogen.

Stilistisch abgegrenzt, lockerer und leichter lesen sich die Abschnitte, die von Hochgatterers Alter Ego, einem Krankenhauspsychiater handeln. Hier plaudert der Autor offensichtlich ein wenig aus der Schule, hier finden sich interessante Einblicke und Gedanken über diesen Arztberuf. Diese realeren Einschübe finde ich am interessantesten in diesem Roman, der trotz seiner Uneinheitlichkeit erneut die große literarische Begabung seines Autors zeigt.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel mehr als ein Krimi..., 8. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Gebundene Ausgabe)
Über die Handlung von "Die Süße des Lebens" ist schon sehr viel und ausführlich geschrieben worden, ich denke, zu ausführlich.
"Die Süße des Lebens" als Krimi (bzw. Kriminalroman) zu bezeichnen, wäre eigentlich schade, da dieses Buch viel mehr ist. Ja, es passiert ein (bestialischer) Mord, es passiert einiges in diesem Buch. Ja, es gibt einen Kommissar und ja, der Mörder wird entlarvt (ganz am Schluß).
Paulus Hochgatterer lässt seine Protagonisten kapitelweise (jeder Protagonist ist auch an einer ganz bestimmten Erzählweise deutlich zu erkennen) erzählen und löst das Rätsel (bzw. die Frage nach dem Mörder) erst am Ende. Die Lösung der "who-did-it" Frage ist aber eigentlich der Punkt, der den Leser verstört zurücklässt, den dadurch bleiben die schwarzen Felder (bzw. Probleme) schwarz, bzw. ungelöst. Die Auklärung des Mordes ist nur ein ganz kleiner Teil des Bildes, das hier in 296 Seiten ensteht und das ist auch der Unterschied zu einem (herkömmlichen) Kriminalroman. "Die Süße des Lebens" ist (von der psychologischen Tiefenstruktur, nicht dem Erzählstil) am ehesten mit den Romanen von Patricia Highsmith oder Georges Simenon vergleichbar. Paulus Hochgatterer hat jedoch eine ganz eigenständige Stimme, die winterliche Stimmung und das österreichische Lokalkolorit ist grossartig.
Ein düsteres, faszinierendes Buch, das zum Denken anregt und viel mehr ist als was es will.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wachsstöpsel, 26. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Gebundene Ausgabe)
Furth am See zu Weihnachten, Schnee, Eiseskälte und behagliche Wärme in der großväterlichen Stube bei einer Partie "Mensch Ärgere Dich Nicht" und Kakao. Es klingelt, der Großvater Sebastian Wilfert geht nach draußen und kommt nicht wieder - er wird ermordet, sein Gesicht zur Unkenntlichkeit zermalmt und regelrecht ausgelöscht. Katharina Maywald, sieben Jahre alt packt die beiden Stöpsel - den gelben und den blauen - vom Spielbrett, sucht und findet den Großvater. "Vier, ich hab dich"! sie schließt die Hände zu Fäusten und sagt vorerst nichts mehr.

Auf der Suche nach Motiv und Mörder begleiten uns der Kommissar Ludwig Kovac, der Kinderpsychiater Raffael Horn, Er und Ich. Die Erzählperspektiven der Vier wechseln regelmäßig und sind einerseits greifbare Charaktere mit Persönlichkeit, Vorlieben und Sorgen, andererseits krankhaft neurotische Sonderlinge und psychopatische Jugendliche mit krimineller Zukunft bzw. Vergangenheit.
Bilden der Mord zu Beginn und die Aufklärung am Ende den Rahmen, so erzählt uns Hochgatterer in erster Linie die düstere Geschichte der Bewohner einer Kleinstadt in Niederösterreich, verschafft uns Begegnungen mit unscheinbaren manchmal sympathischen, manchmal widerlichen Menschen und lässt uns von der winterlichen Kälte in die Wärme flüchten. Wir erleben die Hilflosigkeit Horns gegenüber Katharinas Schweigen, die Chancenlosigkeit der örtlichen Polizei gegen gemein gefährliche Familienväter und die Unzurechnungsfähigkeit eines jungen Benediktinerpaters, der mit IPod am offenen Grab Joyces "Ulysses" zitiert .

Feinst umschmeichelt wird die Darstellung durch eine Vielzahl von Beschreibungen der ganz kleinen Dinge. Ein fabelhaft atemloser Roman, den man zwischenzeitlich zur Seite legt, um sich vom Erzählten zu erholen und am Ende angelangt noch einmal durchblättert, um die versteckten Hinweise auf den Mörder und sein Motiv aus der Perspektive des Eingeweihten und Wissenden nach zu lesen.
Erschüttert, bewegt, gespannt und absolut begeistert!!!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur bedingt die Süsse des Lesens!, 8. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Taschenbuch)
Wer Krimis liebt, die eine klare und verständliche Handlung haben und die dem Leser am Geschehen beteiligen, in dem sie ihm eine spannende Story bieten und ihm eigene Vermutungen und Schlussfolgerungen ermöglichen, sollte vom Paulus Hochgatterer "Die Süsse des Lebens" die Finger lassen.

Für mein Empfinden schreibt der Autor, wie ein Tachist malen würde.
Mehrere Erzählstränge wechseln ständig, oft gelingt es nicht bzw. erst mit den letzten Zeilen, Zusammenhänge zu erkennen. Die Handlung selbst spielt eine untergeordnete Rolle und versiegt gelegentlich ganz. Dagegen werden psychologischen Betrachtungen vorwiegend in der Form von Verhaltensanalyen der Protagonisten viel Raum gegeben. Die Sprache ist facettenreich, lebendig und originell. Die Ich-Form wird von unterschiedlichen Akteuren zugleich benutzt, was der Verständlichkeit nicht zuträglich ist.

Wer zudem nicht in der Lage ist, den Krimi "am Stück" zu lesen, bekommt ein Erinnerungsproblem mit den vielen Namen und deren Zugehörigkeit.

Das Cover ziert der Vermerk: "Deutscher Krimipreis 2007". Ich vermute, dass es der künstlerische Anspruch war, den der Autor zweifellos vermittelt, der diesem Krimi diese Auszeichnung eingebracht hat.
Dennoch empfand ich nur bedingt einen Lesespaß.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ja doch ein Krimi, 27. Dezember 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Taschenbuch)
Ich möchte schon behaupten dass es sich bei "Die Süße des Lebens" um einen Krimi handelt. Aber mehr als das, es sind mehrere Krimis in einen. Durch die vielen handelnden und erzählenden Personen wird die Spannung und das Interesse am weiterlesen auf vielen Ebenen aufgebaut und nicht selten ist man versucht ein paar Seiten vorzublättern und die eine Erzählebene zuerst fertigzulesen.

Der wichtigste Unterschied zu einen klassischen Österreichischen Krimi á la Raab oder Haas ist jedoch nicht die Handlung, die zwar nichts zum wünschen übrig lässt (schließlich werden Köpfe zerdrückt und Beine abgeschlagen usw.), sondern viel eher die tiefere und genauere Beschreibung des Milieus, in diesen Fall, der ländlichen Kleinstadt in Ö, mitsamt Seitenhieben auf österreichische Spezialitäten.

Vielleicht bin ich deshalb so begeistert von diesem Buch, weil ich genau aus so einer Gegend komme. Jeder kennt jeden und man weis von allen Gerüchten und Halbwahrheiten, manchmal mehr als einen lieb ist.

Einziger winziger Kritikpunkt ist der Schluss, der etwas unvermutet daherkommt, zwar absolut schlüssig ist, aber eigentlich so gar nicht zum ganzen Roman passt. Oder vielleicht war es nur die Enttäuschung daß die Geschichte schon zu Ende ist.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend und mit Nachhall, 24. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Taschenbuch)
Ein eigenartiger Schreibstil: man muss sich drau einlassen und einfach tapfer weiterlesen, dann erst legt sich dieser Krimi offen. Es ist wie ein Geschenk in einer riesigen Kiste. Macht man sie auf entdeckt man eine weitere, etwas kleinere Kiste, öffnet man diese so gelangt man wiederum zu einer kleineren Kiste.......
Spannend finde ich die Bilder die vor dem geistigen Auge beim lesen entstehen. Sie werden im letzten Moment erst klar; es ist, als würde man eine beinahe unanständig lange Zeit im winterlichen Roman umherirren und dann gibt ein Loch in der Nebledecke den Blick frei um sich sofort wieder zu schließen, diesmal unvollständiger.
Dieser Krimi hat mich sehr gefesselt auch wenn ich leider zugeben muss, dass ich den Schluss nicht ganz kapiert habe. Aber das macht ja nichts, ich werde den letzten Teil noch mal ganz genüsslich in Ruhe lesen und hoffen.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ohne Übertreibung eines der besten Krimis, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, 6. August 2007
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Gebundene Ausgabe)
Paulus Hochgatterer, zuletzt hervorgetreten durch die lesenswerte Novelle "Kurze Geschichte vom Fliegenfischen" hat seinen ersten Kriminalroman geschrieben, und es muß gleich zu Beginn gesagt werden: dieses Buch ist ein voller Erfolg. Wie Hochgatterer seine Personen schildert, wie er langsam das gesellschaftliche und persönliche Netz, das sie zusammen- und teilweise auch gefangen hält, entwirrt, ist allerhöchste Spannungskunst.
Doch Hochgatterer ist auch ein hervorragender Schriftsteller, der seine Zeit und seine Zeitgenossen akribisch beobachtet, und vieles von den von ihm als krank empfundenen Zuständen in der Gesellschaft und im Zusammenleben der Menschen in die Beschreibung seiner Personen und seiner Handlung eingebaut hat.

Wie in seinem letzten Buch auch hilft ihm dabei seine Berufserfahrung als Kinderpsychiater. So wundert es nicht , daß eine seine Hauptfiguren in seinem neuen Buch, Raffael Horn, ein in einer Klinik arbeitender Kinderpsychiater ist. In diese Person, seine Ansichten politischer und psychologischer Natur hat Hochgatterer vermutlich sehr viel Eigenes hineingelegt. Horn schaut ohne Illusionen auf sein Leben und seine Tätigkeit:
"Das Leben geht immer schlecht aus. Als Psychiater bin ich in Wahrheit mit nichts anderem beschäftigt als damit, den Menschen vorzumachen, daß es nicht so ist. Ich bin ein Gaukler, dachte er. Daß das Leben immer schlecht ausgeht, ist Grund genug, verrückt zu werden oder sich aufzuschneiden oder sich Heroin in die Venen zu hauen, aber das darfst du nicht laut sagen."

Dabei wird er nie zynisch, sondern er trägt zutiefst menschliche Züge, sowohl in seinen beruflichen, als auch in seinen privaten Beziehungen. Er macht sich keine Illusionen, nicht über die Politik seines Heimatlandes Österreich und der Notablen seiner Stadt Furth , in die er nach seiner Facharztausbildung in Wien zusammen mit seiner Frau gezogen ist, und auch nicht über seine Beziehung zu seinen Kindern.

Dann ist da der Kriminalkommissar Ludwig Kovacs, der, geschieden, in einer lockeren, von seiner Seite aus hauptsächlich sexuell orientierten Beziehung mit Marlene, der Betreiberin eines Secondhand-Shops lebt, mit der er sich in der Regel einmal in der Woche zu einem Essen und anderen Bedürfnisbefriedigungen trifft. In seinen einsamen Nachtstunden blickt er durch ein Fernrohr in die Weite des Universums, um versucht, dabei seine Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Es taucht weiter auf Joseph Bauer, ein Benediktinerpater, der schon seit Jahren mit Horns menschlicher und medikamentöser Hilfe versucht, eine psychische Erkrankung, wohl eine Schizophrenie, im Griff zu halten. Er läuft nachts kilometerweit und versucht so, auf seine Weise nicht zusammen- oder gar auseinanderzubrechen. Dabei macht auch er sich seine Gedanken:

"Die Leute gehen aus verschiedenen Gründen ins Kloster, denkt er, manche, weil sie Sicherheit brauchen, manche, weil sie die Vorstellung von vielen Männern auf einem Fleck geil macht, und manche, weil sie ansonsten früher oder später ihre Mutter oder Schwester erschlagen würden."

Eine Patientin mit einem Kleinkind und einem eher undurchsichtigen Ehemann liegt während der Handlung des Buches auf Horns Belegstation und glaubt, ihr Neugeborenes sei der Teufel. Ein anderes Kind wird eingeliefert mit derart zerschmetterten Unterarmen, daß sie von den Chirurgen amputiert werden müssen. Als sich ein Zeuge meldet, der die Lesart von Vater und Tochter, ein Auto sei über die Arme gefahren, widerlegt, wird die Situation für alle Beteiligten gefährlich.

Ein drittes Kind kommt zu Horn in die Behandlung, weil sie ihren toten Großvater gefunden hat, dessen Gesicht so zerschmettert war, als sei ein Meteorit hineingefallen. Sie schweigt und ist total verstört.

Und ein gerade aus dem Gefängnis entlassener jugendlicher Straftäter, Daniel, gerät nach langem erfolglosem Ermitteln und Nachdenken in Tatverdacht. Der ist auch für den Leser zunächst vollkommen schlüssig, entpuppt er sich doch als ein brutaler und perverser Mensch, der seinen kleinen Bruder, Björn, der bei Pater Bauer in den Schulunterricht geht, zu schrecklichen Taten, zunächst nur an Tieren begangen, anstiftet und regelrecht zum Killer abrichten will.

Doch der offensichtliche Verdacht bestätigt sich nicht, weil Hochgatterer die Lösung des Mordes in einer Weise auf die Spitze treibt, daß die schlußendliche Auflösung im Rahmen seiner psychopathologischen Sicht auf die Gesellschaft und auf das, was verdrängt wurde, absolut schlüssig, wenn auch total überraschend ist.

Paulus Hochgatterer lässt seine Personen abwechselnd jeweils ein Kapitel lang erzählen und treibt auf diese Weise die Handlung auf eine beeindruckende Weise vorwärts. Es gelingt ihm, ein Psychogramm einer Kleinstadt zu zeichnen, das zu keinem Zeitpunkt übertrieben wirkt.
In der Art, wie Hochgatterer mit viel menschlicher Wärme seine Protagonisten zeichnet, meistens vom Leben gezeichnete und mit irgendeiner psychischen Krankheit geschlagene Menschen, hat er mich beim Lesen oft erinnert am Karin Fossum aus Norwegen, die ebenfalls ihre jahrelange Berufserfahrung als Krankenschwester in der Psychiatrie in allen ihren Romanen verarbeitet hat.

Das Buch ist ohne Übertreibung einer der besten Krimis oder Thriller, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Der Titel des Buches ist ein Zitat des Kommissars Kovacs, der auf die erschütterte Frage seiner Kollegin Sabine Wieck, wer um alles in der Welt denn so ein schreckliches Verbrechen begehen könne, antwortet: "Ein Mensch, der ein Problem mit der Süße des Lebens hat, macht so etwas."
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intelligenter Psychothriller - und mehr!, 7. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nicht umsonst ist Paulus Hochgatterers Roman "Die Süße des Lebens" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2006 gelandet. Besonders zu würdigen ist diese Tatsache, da in Deutschland das Genre des Kriminalromans im Feuilleton immer noch stiefmütterlich behandelt wird.

Was Hochgatterers Roman ausmacht, ist nicht eine banale Krimihandlung - obwohl exquisite Morde nicht zu kurz kommen! - sondern die sehr differenzierten Psychogramme der einzelnen Charaktere, die in vielen Erzählsträngen zu einer kompakten stringenten Handlung verwoben werden. Der Roman ist also nichts für Page-Turner-Liebhaber, die auf der Suche nach einem "Reißer" sind, sondern für Liebhaber von psychologisch ausgefeilten Charakteren und intelligent konstruierten Plots.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut empfehlenswert!, 19. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Kriminalroman aus dem österreichischen Deuticke Verlag. Paulus Hochgatterer ist Schriftsteller und Kinderpsychiater und den "psychiatrischen" Einschlag merkt man diesem Buch deutlich, aber nicht unangenehm an.

Im Gegenteil. Fast alle beteiligten Figuren wirken auf Anhieb sehr lebendig und streckenweise fast schon beängstigend persönlich.

Ein alter Mann wird vom Vorleseabend mit seiner Enkelin weggeklingelt. Die Siebenjährige findet ihn wenig später mit zermalmten Schädel im Schnee und weigert sich daraufhin, zu sprechen. Aufbauend auf den beiden zentralsten Figuren des Romans, dem Psychiater Raffael Horn und dem Kriminalkommissar Ludwig Kovacs, entwirft Gatterer daraufhin ein geniales Psychogramm der Stadt. Es werden keine Fährten gelegt, sondern Erzählstränge in Kapiteln nebeneinandergelegt, die sich aus den Perspektiven der beteiligten Personen immer wieder kreuzen. Streckenweise erinnert das stark an drehbuchartige Filmschnitte, bei der ein Ort aus der Perspektive zweier Personen gezeigt wird, die jeweils etwas anderes gesehen haben - aber nur sehr selten hat das direkt mit dem eigentlichen Mord zu tun.

Verdächtige gibt es einige, "normal" ist in diesem Buch eigentlich niemand.

Das gesamte Buch hat eine merkwürdige Sogwirkung, die fast ein bisschen voyeuristisch zu sein scheint.. Die Aufklärung des Mordes auf den wirklich allerletzten Seiten ist dann ebenso unspektakulär wie überraschend.

Ein intelligentes Buch, ein guter Plot, ein schnörkelloser und trotzdem ungemein detaillierter Schreibstil und vor allem etwas zum Nachdenken über unsere Gesellschaft und unser menschliches Mit- oder besser Nebeneinander, das die Auflösung des Rätsels fast zur Nebensache macht und auch nach dem Zuklappen des Buches noch deutlich nachwirkt. Zumindest bei mir ;)
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2.0 von 5 Sternen Schwacher Erzählstil, 10. August 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Süße des Lebens: Roman (Taschenbuch)
Es wird klar, dass der Autor eine unangenehme Kleinstadt / Vorstadtsituation problematisieren will. Kann ich verstehen. Aber dazu braucht es mehr, als den Willen. Erzählen können wäre eine Voraussetzung, die hier m.E. nicht erfüllt ist.

Die Charaktere der Geschichte sind sehr blass, kaum Dialoge, meist werden schwermütige Gedanken der männlichen Midlifecrisis gewälzt. Ein jugendlicher Täter wird mit sehr ähnlicher Eigen-Sprache nur anderer Motivation als Täter vorgestellt (völlig unglaubwürdig) und Alltägliches langweilig eingebracht.

Gute Erzähler können einem alles erzählen und es bleibt lesbar. Das ist hier nicht der Fall.

Sprachlich bemüht anspruchsvoll - bemüht, nicht elegant oder gekonnt.
Kurz: öde.

Gruß, Anne
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Die Süße des Lebens: Roman
Die Süße des Lebens: Roman von Paulus Hochgatterer (Gebundene Ausgabe - 5. August 2006)
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