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5.0 von 5 Sternen Lesenswert
Schade, dass diese Novelle jetzt erst veröffentlicht wurde. Zu den ganz großen Werken Schnitzlers zählt dieses Werk zwar nach meinem Empfinden nicht. Aber wer Freude an psychologisch tiefsichtiger Beschreibung hat und sich ein wenig über die Ruhmsucht verkannter Künstler amüsieren kann, wird einen vergnüglichen Lese-Nachmittag mit...
Vor 2 Monaten von JMB veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Von Talenten und Höhenflügen
Als Eduard Saxberger, langgedienter Beamter, eines Tages nach Hause kommt, erwartet ihn schon ein junger Mann. Dichter sei er und Bewunderer seiner „Wanderungen“, meint Wolfgang Meier. Damit nicht genug, eine ganze Gruppe junger Schriftsteller seien sie und alle bewundern sie Saxbergers Gedichtband, welchen derselbe als längst vergessen geglaubt hat,...
Vor 25 Tagen von cosima73 veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert, 28. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Schade, dass diese Novelle jetzt erst veröffentlicht wurde. Zu den ganz großen Werken Schnitzlers zählt dieses Werk zwar nach meinem Empfinden nicht. Aber wer Freude an psychologisch tiefsichtiger Beschreibung hat und sich ein wenig über die Ruhmsucht verkannter Künstler amüsieren kann, wird einen vergnüglichen Lese-Nachmittag mit dieser Novelle finden.

Wer jedoch von dieser Novelle eine "unerhörte Begebenheit" erwartet oder etwas vergleichbar Spektakuläres wie Schnitzlers "Traumnovelle", der wird enttäuscht sein.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein früheres Werk Arthur Schnitzlers, dass zwischen Melancholie und Zuversicht schwebt., 7. Juni 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Nun, es mag schon als eine kleine Sensation gelten dürfen, dass jetzt, gut 80 Jahre nach Arthur Schnitzlers Tod, seine Novelle „Später Ruhm“ zur Veröffentlichung gelangt.

Dem Wiener Paul Zsolnay Verlag ist es gelungen, dieses Kleinod aus Schnitzlers Werk der literarisch interessierten Welt zugängig zu machen und mit einem sehr gut recherchierten und lesenswerten Nachwort der Herausgeber Wilhelm Hemecker und David Österle versehen, zu veröffentlichen.

Die Geschichte wandelt zwischen den Lebensentwürfen des gealterten Dichters Eduard Saxberger und denen der literarisch interessierten Gruppe der Begeisterten, der vorwiegend jüngere Nachwuchsschriftsteller angehören.
Schon lange ist es her, dass Saxberger kleine Verse unter dem Titel „Wanderungen“ veröffentlichte und Ruhm war ihm damit nicht beschieden. So fristet der in die Jahre gekommene Mann sein Dasein als Beamter in einem Büro und seine einzige Freude ist es, nach der Arbeit in seinem Wirtshause einzukehren. Dies ändert sich, als er zu den Treffen der Begeistertengruppe eingeladen wird und schnell reift der Entschluss, die alten Verse anlässlich eines Vortragsabends zum besten zu geben.

Der damals gut dreißigjährige Autor Schnitzler versteht es hervorragend, sich in sein älteres alter ego hineinzufühlen und es sind wohl auch seine Sorgen und Ängste, dereinst vergessen und ohne Ruhm zu sein, wenn er in die Jahre gekommen ist.

Mit Akribie arbeitet Arthur Schnitzler die Figur des Saxbergers ebenso wie die Figuren der Nachwuchsdichter und der alternden aber immer sendungsbewussten Schauspielerin Gasteiner heraus und die damals zeitgemäße und heute ältlich wirkende Sprache wird zum stabilen Gerüst der zwischen Melancholie und Zuversicht schwebenden Novelle.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Leut, begeistert Euch!", 22. Mai 2014
Von 
Thomas Brasch (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Vorab muss ich gestehen, dass Werke Arthur Schnitzlers bislang selten in meinen Händen lagen. Doch als ich erfuhr, dass eine frühe, bisher unveröffentlichte Novelle von ihm erscheint, wurde ich sehr neugierig. Und da Schnitzler sich einem zeitlosen Thema – über die großen und kleinen Eitelkeiten im Künstlermetier – widmete, erwartete ich nicht nur ein literaturhistorische Entdeckung für germanistische Proseminare, sondern auch ein aktuell lesenswertes Panoptikum über eine eigenwillige Spezies. Und dies ist auch gelungen. Ob meisterlich oder gar sensationell mag der Schnitzler-Kenner urteilen, aber auf jeden Fall unterhaltend und amüsant.

Schnitzlers Novelle lässt uns an der Wiener Kaffeehaus-Literatenszene Ende des 19. Jahrhunderts teilhaben. Mit dem alten Herrn Eduard Saxberger, ein kurz vor der Pensionierung stehender Beamter, nehmen wir Platz am Tisch einer Kaffeehaus-Clique von ebenso hoch ambitionierten wie bislang unbekannten Jungliteraten. Sie nennen sich „Die Begeisterten“ und meinen eigentlich „Leut, begeistert Euch über unser Genie!“. In sichtbarer Entfernung tagt auch die Konkurrenz, die zugebener Maßen zwar schon Anerkennung im Wiener Publikum gefunden habe, jedoch eigentlich talentlose Epigonen seien, die nur dem Publikumsgeschmack dienen. Eduard Saxberger tritt nicht zufällig in den Kreis ein, sondern folgt der Einladung eines „Begeisterten“, der ihn bzw. seine literarisches Werk wiederentdeckt hat. Denn Saxberger hatte vom Publikum unbeachtet in jungen Jahren – fast 50 Jahre her – eine Gedichtsammlung mit dem Titel „Wanderungen“ veröffentlicht, die der junge Mann, Herr Maier, in einem Antiquariat entdeckt. Maier ist so berauscht von seiner Entdeckung, dass er den noch lebenden Saxberger ausfindig macht, um ihm seine Begeisterung mitzuteilen und als Heroen der Dichtkunst in seinem Freundeskreis einzuführen. Eduard Saxberger kann sich der ihm schmeichelnden jugendlichen Euphorie nicht entziehen und lässt sich gern auf die Aufnahme und Verehrung in der Runde der Jungliteraten ein.

Die dramaturgischen Befürchtungen des Lesers, dass nun im Fortlauf der Geschichte die herbe Ernüchterung auf beiden Seiten folgt, werden zwar erfüllt, doch unerwarteter Weise ohne tragische Elemente. Das macht für mich das überzeugende dieser Novelle aus. Sie ist vollkommen frei von Effekthascherei. Sie spitzt nicht beschämend die Handlungen und Erlebnisse der Protagonisten zu, sondern alle Figuren bleiben bis zum Schluss weitgehend unbeschadet. Für Saxberger endet der Ausflug in die Welt der selbsternannten kühnen Dichter und Denker als erhellende Episode. Er erlebt keinen zweiten Frühling, in dem er sich erneut zum Dichter berufen fühlt. Die Welt der Künstler befremdet ihn letztlich doch und sein vor Jahrzehnten gewählter Lebensweg – trotz aller kleinbürgerlichen Idylle und fehlender privaten Erfüllung – war denn doch der vorzuziehende für ihn gewesen. Und die hoffnungsvollen Jungen, die Arthur Schnitzler sehr eigen und nicht stereotyp skizziert, verfolgen weiterhin ihre Träume nach Anerkennung, Popularität und baldigen Ruhm.

Parallelen der Geschichte und ihrer Figuren zur heutigen Zeit zu ziehen erweist sich immer als etwas willkürlich. Ich denke jedoch, dass jeder Leser an einigen Stellen individuell fündig wird. So sehe ich Wesenszüge bei den „Begeisterten“, die mich an viele Teilnehmer der heutigen Blogosphäre erinnern. Besonders in der Verkündigung einzig akzeptabler Lebensphilosophien, die traditionelle Arbeitsmodelle und Lebensläufe ablehnt, klingt das doch sehr ähnlich wie die digitale Boheme heute. Und Arthur Schnitzler trifft meines Erachtens zeitlos den typischen Ton der naiven Gewissheit der Jugend als auch der ernüchtert gelassenen Bestandsaufnahme des Lebenserfahrenen.

In der Zeitung „Die Welt“ weist Daniela Strigl darauf hin, dass „Das Nachwort ein Resümee des Autors unterschlägt, Monate nach der Endkorrektur: "Verstimmt über 'den greisen Dichter', den ich durchlas und der mir höchlichst mißfiel.–" Wohl auch deshalb plädierte Schnitzlers Sohn gegen die Aufnahme der Erzählung in den Nachlassband.“

Ich denke, dass Schnitzler hier zu hart mit sich ins Gericht gegangen ist. Immerhin wurde die damals geplante Veröffentlichung als Fortsetzungsgeschichte in 8 Teilen durch eine Wochenzeitung vom Redakteur nur deshalb abgelehnt, weil die „Zerstückelung in etwa acht Partien, mit Pausen von acht Tagen die Novelle schädigen und um jede Wirkung bringen würde.“ Diese Wirkung kann sie nun nach 120 Jahren in einem schönen Buchformat voll und ganz entfalten.
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5.0 von 5 Sternen Der Dichter als alter Mann, 4. Juli 2014
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Eduard Saxberger heißt er und ist ein Beamter. Aber eigentlich ist er Dichter; besser: Er war ein Dichter. Kein hochberühmter – nein. Aber seine „Wanderungen“ waren doch nicht ganz unbeachtet geblieben. Doch dann ging die Zeit über ihn und seine Gedichte hinweg. Und so lebte der Dichter von einst nun als alter Mann etwas vereinsamt, aber insgesamt mit sich und der Welt zufrieden, in Wien.

Arthur Schnitzler, hat – ja, man möchte sagen – eine Parodie auf den Literaturbetrieb seiner Zeit geschrieben. Und zugleich mit dem alternden Dichter, dem am Ende die Worte fehlen, eine berührende Figur „erfunden“. Oder besser: der Wirklichkeit nachgebildet. Gleichzeitig demaskiert er in dieser faszinierenden Novelle, Schnitzler war ein Meister dieser Literaturgattung, Zeitgenossen. Die Wiener Kaffeehausliteratur feiert fröhliche Urständ. Die Literatur ist im Aufbruch. Und so treffen wir sie, die berühmten Dichter: Hugo von Hofmannsthal als Winder, Christian als Schnitzler, Adele Sandrock als die Schauspielerin Gasteiner in den bekannten Kaffeehäusern wie dem „Griensteidl“ und anderen, diskutierend und schwadronierend.

Sie bilden die Gruppe „Die Begeisterten“, die sich in den Kaffeehäusern feiert und an ihrem frühen Ruhm bastelt. Ihre Mitglieder, Dichter, Schauspieler, Kritiker, sind ein wenig arrogant und vor allem von sich überzeugt, auch wenn ihr „Ruhm“ sozusagen noch in den Kinderschuhen steckt. Und dieser Intellektuellenclub hat sich, um sein Ansehen zu mehren, Saxberger, den alten Dichter, ausgesucht. Er wird für sie zu einer Art Guru.

Ach, armer Saxberger. Von der Aufmerksamkeit der jungen Leute sichtlich gerührt, von ihrem Lob seines fast vergessenen kleinen Werkchens ein wenig geblendet, genießt er den „Späten Ruhm“, der ihm so unerwartet zuteil wird. So war plötzlich „um ihn eine Atmosphäre von Hoffnung, Jugend, Selbstbewusstsein, in der er tief aufatmete“. Deshalb merkt er nicht, dass er nicht nur von den jungen Literaten „missbraucht“ wird, sondern dass sie gar ein übles Spiel mit ihm treiben. Als er jedoch ihrer Aufforderung, ein neues Werk zu schreiben, nachkommen will, stellt er schnell fest, dass er dem nicht nur nicht mehr gewachsen ist. Armer alter Dichter.

Wunderbar, wie Arthur Schnitzler seine Figuren zeichnet, wie er nicht ohne Selbstironie das ganze noch unreife Künstlergehabe beschreibt, uns den Jargon der Gruppe, aus der später die „Wiener Moderne“ werden sollte, “hörbar“ werden lässt. Großartig vor allem – und das macht diese Novelle zu einem kleinen Meisterwerk – Saxberger, der Dichter als alter Mann. Der Leser erlebt mit ihm mitfühlend, dank der hohen psychologischen Meisterschaft seines Schöpfers, das Wechselbad der Gefühle, dem sich Eduard Saxberger ausgesetzt fühlt. Er erlebt emotionale Höhen und Tiefen. Am Ende heißt es „Ich habe geträumt… ich habe mein Leben geträumt.“ Und so atmet der Leser gleichsam mit ihm auf, wenn er am Ende der Novelle wieder in sein „normales“ Leben zurückkehrt. Er geht wieder „aufs Amt“ und trifft sich wieder mit seinen Freunden im Wirtshaus. Hier ist Eduard Saxberger, dem die volle Sympathie, das ganze Mitgefühl des Lesers gehört, nicht mehr Dichter, sondern, man möchte sagen, Mensch.

Über diese wundervolle Geschichte möchte man fast vergessen, dass sie, wenn auch Meisterwerk, keineswegs vollendet ist. Auch Arthur Schnitzler selbst hatte kritische Einwände gegen die 1894 geschriebene Novelle. Daher mag es auch kommen, dass „Später Ruhm“ bis heute unveröffentlicht geblieben ist – sieht man von einer fast unbeachtet gebliebenen Publikation in 1977 ab. Jetzt haben wir also nun auch diese Novelle des Altmeisters und sollten uns trotz manch kritischen Einwands darüber freuen.
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5.0 von 5 Sternen Ein typischer Schnitzler, 13. Juli 2014
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Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Ich liebe Schnitzler seit ... Jahren, habe fast alles von ihm gelesen und bin angetan, von der Melancholie und der leisen Ironie
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3.0 von 5 Sternen Von Talenten und Höhenflügen, 3. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Als Eduard Saxberger, langgedienter Beamter, eines Tages nach Hause kommt, erwartet ihn schon ein junger Mann. Dichter sei er und Bewunderer seiner „Wanderungen“, meint Wolfgang Meier. Damit nicht genug, eine ganze Gruppe junger Schriftsteller seien sie und alle bewundern sie Saxbergers Gedichtband, welchen derselbe als längst vergessen geglaubt hat, genauso wie er sein Dichtertum an den Nagel gehängt hat, um Beamter zu sein. Was ihm all die Jahre nie beschwerlich erschien, stellt er nun in Frage.

Saxberger lässt sich auf die jungen Menschen ein, die alle hochstrebend sind, an ihr Talent, ihren späteren Erfolg glauben und sich damit wichtig tun. Dass ihnen Ruhm gebührt, die anderen die Talentlosen sind, scheint sonnenklar.

Der alte Mann, der sein eigenes Dichten längst der Vergangenheit überlassen hatte, sieht sich neu beflügelt durch die Bewunderung der jungen Dichter und lässt sich mehr und mehr vom Sog des Künstlertums zurückerobern.

Später Ruhm ist ein frühes Werk Schnitzlers, das zu dessen Lebzeiten nie veröffentlicht wurde. Bis zu seinen grossen Erfolgen sollte noch viel Zeit verstreichen. Der Aufruhr war gross, als es hiess, man hätte das lange verschollene Werk aufgefunden und es stünde nun dessen Erstpublikation an. In Tat und Wahrheit wurde eine Skizze davon bereits 1977 veröffentlicht (Reinhard Urbachs Nachlassband Entworfenes und Verworfenes) und mit einem Hinweis auf die noch unveröffentlichte Geschichte versehen. So oder so liegt die Veröffentlichung in dieser Form zum ersten Mal vor und darf durchaus als Fundstück Begeisterung erwecken, wenn auch die literarische Qualität eines späteren Schnitzlers bei weitem nicht würdig ist.

Die Geschichte beschäftigt sich mit den Konflikt Bürgertum und Künstlertum, einer Thematik, die dazumal viele Schriftsteller beschäftigte, Schnitzler insbesondere, der mit seinem Arztberuf haderte, den er nur seines Vaters wegen aufgenommen hatte, wollte er doch immer lieber Schriftsteller sein. Allein, von der Schriftstellerei konnte er nicht leben, was sich zeitlebens nicht wirklich besserte.

Dem Stück fehlt das Tempo, der Schreibstil ist schwülstig, anfänglich wird viel zu bemüht Geheimniskrämerei betrieben. Das Buch ist durchdrungen von autobiographisch erscheinenden Zwiespälten Schnitzlers, was als Einblick in die Psyche desselben durchaus spannend ist, als literarisches Werk etwas spannungslos erscheint. Der spätere Schnitzler ist aber durchaus schon erkennbar, allerdings fehlt diesem Frühwerk noch die Brillanz des Spiegels, den er der Gesellschaft vorhält, es fehlt die tiefgründige Entlarvung falscher Moral, welche in den späteren Werken Schnitzlers grosses Talent war.

In einem Brief schrieb Sigmund Freud an Schnitzler, dass dieser von Natur beherrsche, was er (Freud) sich hätte mühevoll erarbeiten müssen: Die Offenlegung der menschlichen Befindlichkeiten, der inneren Kämpfe, das Durchschauen der Mechanismen des menschlichen Tuns und Denkens. All das zeigt sich schon in diesem Frühwerk. Des Weiteren besticht es durch die ironische Darstellung des überheblichen Künstlerjargons:
„Talentlos“, war Meiner in seiner ruhigen Weise ein, „nennen wir im Allgemeinen diejenigen, welche an einem anderen Tisch sitzen als wir.“
Später Ruhm ist kein Meisterwerk Schnitzlers, dass er es nicht veröffentlicht hat, verwundert nicht. Trotzdem ist es lesenswert, ist es ein Zeugnis der Entwicklung von Schnitzlers Schreiben, zeigt es die Anlagen, die er in den späteren Werken voll ausschöpfte und es damit zu recht zu (späterem) Ruhm brachte.

Fazit:
Ein Frühwerk, das als solches wenig meisterlich, aber durchaus interessant zu lesen ist. Für einen Schnitzlerfan ein Muss, für einen, der Schnitzler kennenlernen will eher auf später zu verschieben, wenn er durch die grossen Werke angeschnitzlert ist. Schön, ist es nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht!
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen spät... aber kein später Ruhm, 20. Mai 2014
Von 
Steffen Rutter (Luzern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
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Rezension bezieht sich auf: Später Ruhm: Novelle (Kindle Edition)
Die wahrscheinlich in den Jahren 1894 und 1895 entstandene Novelle >Später Ruhm< zählt zu den bislang unveröffentlichten Frühwerken dieses großen österreichischen Dramatikers Arthur Schnitzler. "Freilich ist >Später Ruhm< kein Schlüsselroman" wie es die Herausgeber im Anhang schreiben. In jedem Fall aber eine ausgesprochen unterhaltsame und zugleich zeitlose Sicht auf kreative Menschen und die Verwirklichung ihrer Schaffenskraft.

"'Es ist eben die alte Geschichte. Anfangs genügt uns die eigene Freude am Schaffen und die Teilnahme der wenigen, die uns verstehen. Aber endlich, wenn man sieht, was alles neben einem aufkommt, Namen und selbst Berühmtheit erringt - möchte man doch auch gehört und gewürdigt werden. Und da kommen dann die Enttäuschungen! Der Neid der Talentlosen, die Leichtfertigkeit und Böswilligkeit der Rezensenten und dann die entsetzliche Teilnahmslosigkeit der Menge. Und man wird müde, müde, müde. Man hätte ja noch viel zu sagen, aber es will ja keiner hören, und endlich vergisst man selbst, dass man einer von denen war, die Großes gewollt, vielleicht sogar Großes geschaffen haben.'" (Position 97 im Kindle eBook)

"'[..] ich hab mir ja das Dichten schon ganz abgewöhnt! Es hat sich ja nie wer um mich gekümmert!" (Position 413) "Hätte er diese da doch früher kennengelernt! Da hätte er sich selbst nicht so rasch aufgegeben und sich unter das Alltagsgesindel gemischt, das ihn nicht verstand." (Position 741) "Alles wäre ganz anders gekommen, wenn sich sein äußeres Leben anders gefügt, wenn die Menge auf ihn geachtet hätte."(Position 852) So spricht der beinahe siebzig Jahre alte Eduard Saxberger, der sich in frühen Lebensjahren als Dichter versucht und letztlich als Beamter verwirklicht hat.

So wirft diese Novelle erneut die "konfliktbeladene Frage nach der negativen Dialektik zwischen künstlerischem Schaffen und bürgerlicher Existenz" auf, wie es im Anhang heißt. >Später Ruhm< umfasst somit nicht nur psychologische Konzepte der Motivation - intrinsisch vs. extrinsisch -, sondern wirft zugleich auch gekonnt die Frage nach Idealismus vs. Pragmatismus auf. Eine ausgesprochen gelungene Einladung zur Diskussion.

Und mit den Worten Arthur Schnitzlers: "Bereitsein ist viel, warten können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick nützen, ist alles." Eine späte Veröffentlichung. Zur rechten Zeit.
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Später Ruhm: Novelle
Später Ruhm: Novelle von Arthur Schnitzler (Gebundene Ausgabe - 17. Mai 2014)
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