Kundenrezensionen


43 Rezensionen
5 Sterne:
 (19)
4 Sterne:
 (15)
3 Sterne:
 (6)
2 Sterne:
 (3)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Höchst empfehlenswert!
Diesmal also kein Krimi aus der Feder des skandinavischen Autors, der wohl den meisten Lesern durch seine Romane mit Kommissar Kurt Wallander aus dem schwedischen Ystad ein Begriff sein wird.

Für Erinnerung an einen schmutzigen Engel" hat sich Henning Mankell in seiner Wahlheimat Mosambik (Südostafrika) umgesehen. Inspiriert durch historische...
Veröffentlicht am 29. Juli 2012 von Hamlet

versus
21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überdeutlich
Eine erstaunliche Geschichte wird uns da versprochen, die obendrein den Anspruch erhebt, wahr zu sein: Hanna Renström, ein armes Mädchen aus Schweden, heuert auf einem Frachter als Köchin an, heiratet im Mosambik des Jahres 1904 einen Bordellbesitzer, wird zur steinreichen Witwe, gibt um der Geliebten eines portugiesischen Kaufmanns und schließlich...
Vor 23 Monaten von alasca veröffentlicht


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überdeutlich, 13. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine erstaunliche Geschichte wird uns da versprochen, die obendrein den Anspruch erhebt, wahr zu sein: Hanna Renström, ein armes Mädchen aus Schweden, heuert auf einem Frachter als Köchin an, heiratet im Mosambik des Jahres 1904 einen Bordellbesitzer, wird zur steinreichen Witwe, gibt um der Geliebten eines portugiesischen Kaufmanns und schließlich eines schwarzen Mannes willen allen Reichtum auf und verschwindet kurz darauf aus einem berühmten Grand Hotel in Beira, ohne jemals wieder gesehen worden zu sein.

Das klingt nach einem starken Charakter, nach Glamour, nach Verruchtheit, nach moralischem Absturz, Umkehr und Heldentum. Nach einem schmutzigen Engel eben.

Aber Hanna ist zunächst keine Heldin, die durch ihr Handeln die Geschichte antreibt. Sie ist ein naives junges Mädchen, das auf das reagiert, was ihr zustößt, und die versucht, der Erwartung ihrer Umgebung zu entsprechen. Nachdem ihre erste bewusste Entscheidung sie in einem afrikanischen Hafen stranden lässt, erkrankt sie und wird von schwarzen Frauen gesund gepflegt. Trotzdem übernimmt sie zunächst die verächtliche Haltung der afrikanischen Weißen gegenüber der schwarzen Bevölkerung, versucht aber gleichzeitig, sich der Gemeinschaft der schwarzen Frauen anzunähern. Sie wird unvermeidlich zurückgewiesen, und der Schmerz darüber öffnet ihr die Augen: An ihrer Wahrnehmung das Verhältnis zwischen Kolonialherren und Unterworfenen in ihrem Gleichgewicht gegenseitiger Angst darzustellen, gelingt dem Autor überzeugend - an der Stelle fand ich den Roman am gelungensten. Hannas Unbehagen mündet in ihren Rettungsversuch der Mörderin Isabel. Von Schwarzen und Weißen unverstanden, weiß Hanna endlich genau, wo sie steht und wer sie ist. Am Schluss hat sie sich den Respekt ihrer Huren errungen, aber dafür boykottiert die weiße Kundschaft das Bordell: Hanna sieht ein, dass sie fortgehen muss, verkauft das Hurenhaus und besteigt ein Schiff nach Beira, um die Eltern von Isabel zu finden.

Die Sprache des Romans ist einfach - das passt zur einer Heldin, die nur mühsam lesen und schreiben kann. Kurze Sätze, ein harter Rhythmus, oft wie abgehackt, manchmal werden bloße Halbsätze aneinandergereiht. Das irritiert, erzeugt aber auch Intensität. Manche Vergleiche fand ich schwergängig, manche Bilder nicht recht geglückt. Gelegentlich entwickelt der Autor ein unangenehmes Pathos, viele Formulierungen wirken unbeholfen, und ich zögere hier, wie üblich die Übersetzung zu verdächtigen. Trotzdem hat die Schilderung Kraft, sie schafft ein dramatisches Helldunkel und lässt uns nie im Zweifel darüber, wer sich im Licht und wer im Schatten befindet.

Genau das habe ich auch als des Romans größte Schwäche empfunden: Mankell geht es nicht darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern eine Botschaft zu übermitteln. Die Figur der Hanna wird nicht wirklich lebendig, den allzu beziehungsreichen Buchtitel konnte ich nicht mit ihr zusammen bringen. Hannas Wandlungen haben mich nicht überzeugt, da halfen auch die ostentativen Namenswechsel nicht; ihre Entwicklung ist nicht zwingend, ihre flache Psychologie gibt das Handeln der Figur nicht her. Und so geht es mit dem gesamten Personal des Romans, es ist reine Staffage für eine Message, die in Riesenlettern quer über jeder Seite steht. Ich mag es nicht, wenn mir als Leserin eine Sichtweise aufgedrückt wird, so berechtigt sie auch sein mag. Dazu kommt ein völliger Mangel an Humor; der Text nimmt sich schrecklich ernst.

Ich habe dieses Buch nicht ungern gelesen, es am Ende aber eher unzufrieden aus der Hand gelegt. Wirklich empfehlen kann ich es daher - trotz einiger Pluspunkte - nicht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider enttäuschend, 24. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich mag die Bücher von Henning Mankell, seine Wallander-Krimis habe ich als sehr klug, sehr gesellschaftskritisch und in sich sehr schlüssig empfunden. Aber auch seine anderen Bücher wie "Teabag" oder "Kennedys Hirn" habe ich so empfunden. Alle durch und durch lesenswert!

Als ich die Ankündigung des neuen Mankell-Buches "Erinnerung an einen schmutzigen Engel" gelesen habe, war ich daher voller Vorfreude, auch weil ich die Geschichte der jungen Hanna aus Schweden, die durch einige Zufälle in Mosambique landet, dort durch Heirat reich wird und nach dem frühen Tod ihres Mannes ein Bordell betreibt, mich fasziniert hat.

Um so größer war die Enntäuschung als ich das Buch gelesen habe. Die Charaktere sind in sich nicht schlüssig, mir fiel es schwer einzuschätzen wer was denkt, wer welche Ziele verfolgt. Die Entwicklung der jungen Hanna von einem naiven Mädchen, die den Umgang mit den farbigen Einheimischen erst lernen muss, auch lernen muss, diese als vollwertige Menschen zu betrachten, was in der damaligen Zeit leider nicht selbstverständnlich war, ist für mich nicht klar nachvollziehbar. Mir fehlte der "rote Faden", an manchen Stellen hatte ich das Gefühl, das Buch wäre gekürzt, entscheidende Stelle wären entfernt worden. Hinzukommt die Sprache, die als zu einfach, platt, ja nahezu abgehackt empfunden habe. Dies kann aber auch an der Übersetzung liegen, das vermag ich nicht zu beurteilen.

Trotz allem ist es eine schöne und eine kluge Geschichte. Doch gerade ein Autor wie Hennig Mankell hätte aus diesem Stoff viel mehr machen können. Das Buch wird sicherlich bei "eingefleischten" Mankell-Fans seine Leserschaft finden, meinen Ansprüchen und Erwartungen genügt es nicht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Höchst empfehlenswert!, 29. Juli 2012
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Diesmal also kein Krimi aus der Feder des skandinavischen Autors, der wohl den meisten Lesern durch seine Romane mit Kommissar Kurt Wallander aus dem schwedischen Ystad ein Begriff sein wird.

Für Erinnerung an einen schmutzigen Engel" hat sich Henning Mankell in seiner Wahlheimat Mosambik (Südostafrika) umgesehen. Inspiriert durch historische Dokumente, auf die der Schriftsteller Tor Sällström bei Recherchearbeiten in einem Archiv gestoßen ist, erzählt Mankell die fiktive Geschichte der Hanna Rennström:

Wir schreiben das Jahr 1904. Die Verhältnisse, in denen Hanna aufwächst, sind ärmlich, und als ihr Vater stirbt, trifft ihre Mutter eine folgenschwere Entscheidung über die Zukunft des 17jährigen Mädchens. Sie soll in Sundsvall bei Verwandten unterkommen und für ihren eigenen Lebensunterhalt arbeiten. Dort angekommen gibt es jedoch von diesen keine Spur, und so bleibt Hanna vorerst im Haushalt des Händlers Forsmann, der sich für sie verantwortlich fühlt. Dieser entscheidet dann auch, dass sie als Köchin auf einem Handelsschiff zur See fahren soll. Auf dem Schiff lernt Hanna den Steuermann Lundmark kenne, heiratet ihn, und wird, da er kurz darauf erkrankt und stirbt, zur jungen Witwe. Als das Schiff in Lourenco Marques Zwischenstation macht, geht die junge Frau heimlich von Bord und mietet sich in einem, wie sich später herausstellt, Bordell ein, dessen Besitzer ihr recht bald Avancen macht und sie um ihre Hand bittet. Nach Abwägen ihrer Situation willigt sie schließlich ein, aber auch diese Beziehung ist nicht von Dauer. Senhor Vaz stirbt überraschend und macht Hanna zur Alleinerbin. Nun ist sie also eine vermögende Bordellbesitzerin, die aber nicht nur an der Mehrung ihres Reichtums interessiert sondern sich auch der Verantwortung für die Prostituierten bewusst ist, die für sie arbeiten.

Hanna hat noch nichts von der Welt gesehen, ist unbedarft und naiv, als sie in Mosambik ankommt und erstmals mit einer Gesellschaft konfrontiert wird, die aus schwarzen und weißen Menschen, Herren und Sklaven besteht. Anfangs übernimmt sie, ohne groß zu hinterfragen, das Verhalten der Kolonialherren. Aber allmählich kommen ihr Zweifel, wird sie sensibel im Umgang - bis sie schließlich offen gegen die Ungerechtigkeiten protestiert, die den Schwarzen widerfahren. Doch auch damit macht sie sich auf beiden Seiten keine Freunde.

Mankell beschreibt die Erlebnisse der jungen Schwedin auf dem ,Schwarzen Kontinent` in einfacher Sprache, sehr distanziert und eher aus der Sicht eines Beobachters. Seine Protagonistin ist nicht so, wie man es als Leser eigentlich erwartet. Sie ist spröde und ihre Erlebnisse, Gedanken und Erfahrungen sind anfangs nicht immer verständlich oder gar nachvollziehbar. Erst dann, als Hanna zunehmend ein Gespür für die Ungerechtigkeiten und die Unterdrückung ihrer schwarzen Mitmenschen entwickelt und aktiv dagegen vorgeht, wird sie zu einer Sympathieträgerin, an deren Schicksal der Leser Anteil nimmt.

Mit Erinnerung an einen schmutzigen Engel" hat Henning Mankell die Reihe seiner Afrika-Romane fortgesetzt und um ein höchst lesenswertes, historisch-politisches Buch mit einer unkonventionellen Hauptfigur erweitert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Buch!, 7. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin eher unerfahren mit Büchern von Hening Mankell, habe vor ein paar Jahren mal zwei Wallanderbücher gelesen und bin wirklich begeistert von diesem Buch!
Es ist eine absolut mitreissende Geschichte, die unglaublich gut geschrieben ist! Ich habe das Buch innerhalb von 5 Tagen verschlungen und würde es jedem empfehlen, der etwas über das Leben in Afrika zu Kollonialzeiten erfahren möchte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Schwedin in Afrika, 6. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
In "Erinnerung an einen schmutzigen Engel" greift Henning Mankell das Schicksal einer real existierenden Person auf, um daraus einen fiktiven Roman zu schreiben. Das Buch könnte man auch als historischen oder historisierenden Roman bezeichnen. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wird die junge Hanna von ihrer Mutter weggeschickt, da sie ein zusaetzlicher Esser ist. So landet Hanna auf einem Schiff, und heiratet einen Mann, den sie trotz geringer Kenntnis innig liebt. Doch der Mann stirbt.

In Portugiesisch - Afrika geht Hanna von Bord. Das vermeintliche Hotel, in welchem sie sich einquartiert, erweist sich als Bordell. Schwarze Prostituierte werden von (vermeintlich) zivilisierten Europäern " frequentiert". Der Besitzer des Etablissements heiratet Hanna - die weiße, wohl standesgemässe Frau schliesslich, kann aber die Ehe nicht vollziehen, was schon ironisch ist. Er hat einen kränklichen Bruder und besitzt einen vermenschlichten Affen namens Carlos. Wofür steht der Affe ?

Auch Hannas zweiter Mann stirbt - und vermacht ihr das Bordell....

Henning Mankells Geschichte ist in ihrem Kern eine Kritik an Imperialismus, Kolonialismus, Eurozentrismus und Chauvinismus. Selbst die Protagonistin partizipiert anfangs (teils widerwillig) an Aktionen, die die indigene Bevölkerung marginalisieren, stigmatisieren und herabwürdigen. Mit einem Wort: Rassismus.
Doch Mankell lässt den Leser lieber zwischen den Zeilen lesen, als mit dem "Holzhammer" seine message zu verbreiten. Mir scheint, dass er ganz bewusst keine Schwarzweissmalerei betreibt. Seine Sprache und der Erzählstil sind von grosser Präzision geprägt. Die Hauptfigur ist anfänglich als sehr ambivalent handelnde Person angelegt, wandelt sich aber sukzessive.
Fast beiläufig schildert Mankell das Ungleichgewicht in Afrika und erklärt die Gewalt und den Rassismus v.a. mit "Angst" , was nicht die alleinige Ursache sein kann.
Sehr gut hat mir gefallen, dass der Autor auf jeglichen Afrikakitsch verzichtet. Vielmehr schildert er immer wieder die Hitze, die Schwüle, fast eine klaustrophobische Situation.
Auch das Bordell wird nicht romantisiert; die Frauen haben teils Kinder, also eine Familie zu versorgen.

Damit hebt sich Henning Mankell von anderen Autoren des Genres "Historischer Roman" ab. Wo andere in überbordenden Landschaftsbeschreibungen schwelgen, das Fatum der Protagonisten als Fügung glorifizieren, da bleibt Mankell nüchtern.
So begeht er nicht den Fehler, selbst ein Bild von Afrika zu entwerfen, dass es so gar nicht gibt (Vgl. Said: "Orientalismus"). Nein, Exotismus ist Mankells Sache nicht.

Der Roman erhält von mir einen Stern Abzug, da er meine Leseerwartung nicht ganz erfüllen konnte. Gegen Ende wurde ich aber nochmals überrascht. Vor allem Hannas Reifeprozess und Emanzipation ist glaubwürdig - anders als in vielen Historomanen, in welchen es eine ahistorische "Superfrau" gibt.

Da der Autor auch viele Klischeeklippen umschiffte, ist es ein gutes Buch. Alles in allem hat mir der Roman sehr gut gefallen, weil der Autor aus den wenigen Quellen ein tolles Buch gemacht hat, welches sich zudem durch ein hohes Sprachniveau auszeichnet.

Klare Leseempfehlung!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Angst der Unterdrücker und Unterdrückten, 5. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hanna, Älteste von fünf Geschwistern, sucht Zeitlebens einen Ort an den sie hingehört. Mit achtzehn Jahren wird sie von ihrer Mutter als Dienstmagd an die schwedische Küste geschickt, um das Überleben der restlichen Geschwister zu ermöglichen. Als Hanna anfängt im Haus des Reeders Jonathan Forsman heimisch zu werden, schickt dieser sie als Köchin auf ein Handelsschiff, das Holz nach Australien liefert. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung an Bord, heiratet sie in Algier den Steuermann Lundmark. Nach nur zwei Monaten Ehe wird sie Witwe und muss Lundmark aus See bestatten. Nach der Bestattung hält sie es an Bord nicht mehr aus und verlässt heimlich in Afrika das Schiff. Sie mietet sich im Hotel O Paraiso ein. Erst nach einer Fehlgeburt und anschließendem hohen Fieber, wird ihr bewusst, dass sie sich in einem Bordell befindet.
Henning Mankell hat nach eigenen Angaben die Geschichte der Hanna Lundmark geschrieben, eine Schwedin, die tatsächlich Ende des 19. Jahrhunderts in Lourenco Marques, Afrika lebte. Trotzdem sind viele Teile dieser Geschichte mangels Archivunterlagen fiktiv. Er beschreibt ein Mädchen, das hin und her geschickt wird. Als es selbst den Weg bestimmen soll, nicht mehr weiß wohin. Sie ist sehr zögerlich und versucht von verschiedenen Menschen Rat einzuholen, aber sie treibt immer mehr zwischen den Welten. Sie fühlt sich nicht zur weißen Welt zugehörig, da sie das rassistische Verhalten der Weißen in Afrika nicht gutheißt. Sie lässt sich selbst aber auch dazu hinreißen, Schwarze in ihrer Umgebung schlecht und ungerecht zu behandeln. Erst ein dramatisches Ereignis lässt sie umkehren, aber sie wird von den Schwarzen nicht unterstützt. Jeder ist in seiner Welt gefangen und fürchtet die Welt der Anderen. Mankell führt den Leser behutsam auf seine besondere Art zu dieser Erkenntnis. In manchen Passagen dieses Buches braucht der Leser aber auch Geduld, insbesondere wenn das zögerliche Verhalten von Hanna überhand nimmt. Ich kann dieses Buch empfehlen. Es ist ein Roman, der dem Leser eine Ahnung von den Problemen Afrikas gibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für mich sein bester Roman, 27. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin kein Mankell-Fan. Die Krimis finde ich total überbewertet. Trotzdem habe ich fast alles von ihm gelesen. Dieser Roman ist anders. Irgendwie glaubhaft. Man spürt Mankells Affinität zu Afrika. Die Geschichte ist nicht aufwühlend, eher leise, aber sehr spannend. Ehrlich gut geschrieben, ohne Mankells sonst so oft übliche Effekthascherei. Man bekommt einen wirklich guten Einblick in ein Afrika, wie es war und wie es leider immer noch funktioniert. Es wird auf die bei Afrikaromanen häufig vorkommende Sonnenuntergangs-Hyänenjaulen-Eingeborenenkitsch-Romantik zum Glück weitgehend verzichtet. Dafür eine gute Story, straight und Tacheles. Hat mir sehr gut gefallen, trotzdem bleibt zum Schluss eine leichte Unzufriedenheit. Irgendwas fehlt noch, eine Prise Salz oder was weiß ich. Deswegen nicht alle Sterne.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswerter, polarisierender Afrikaroman, 18. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Anfang des letzten Jahrhunderts muss die junge Hanna Nordschweden verlassen, sie arbeitet kurz in Sundsvall als Magd, schon bald schickt sie aber ihr Arbeitsgeber als Köchin an Bord eines Frachtschiffs nach Australien.
Während der Überfahrt verliebt sie sich und heiratet den Steuermann. Doch ihr Ehemann stirbt kurz danach an einer Krankheit, die er sich während eines Landganges in Afrika zugezogen hat.
Verzweifelt geht Hanna in der portugiesischen Kolonie Mocambique von Bord und leistet sich ein Hotelzimmer. Das O Paraiso ist aber eigentlich ein Bordell.

Vorneweg: Ich bin kein Fan von Mankells Wallander-Krimis, aber seine Afrikaromane im Zusammenhang mit Schweden haben mich in der Vergangenheit überzeugt. Der Autor lebt selbst teilweise in Maputo, und man merkt, Afrikas Schicksal liegt ihm am Herzen.

In diesem Roman zeigt er gewalttätige weiße Männer, rassistische weiße Frauen und die unterdrückten Einheimischen, die sich nicht einmal als Menschen zweiter Klasse fühlen könnten, aber sich doch eine gewisse Würde bewahrt haben. Jeder der dort lebt, egal welcher Klasse und Rasse, lebt mit einer Angst, die unter der Oberfläche dahinköchelt.
Dann sind da noch die ganz eigentümlichen Figuren - der Klavierstimmer, der nie ein Wort sagt und jeden Tag dasselbe Klavier stimmt, der Schimpanse, der zum Bordell gehört und das junge schwarze Mädchen, das es kaum erwarten kann, im Bordell zu arbeiten. Und natürlich die Hauptfigur Hanna, die ihren Weg finden muss, um mit den Ungerechtigkeiten, die in diesem Land herrschen, umzugehen.

Mankell beginnt den Roman mit mehreren Ankerpunkten, mit denen er das Interesse des Lesers wecken will: Zu Beginn wird im Jahr 2002 ein Tagebuch einer jungen Schwedin im Hotel Afrika gefunden. Danach steigt man zeitlich bei der Seebestattung von Hannas Mann ein, und es wird in Rückblicken aus ihrem Leben in Schweden erzählt. Tatsächlich ist es auch sinnvoll mehr über ihr Leben in der Heimat zu erfahren, um ihre weiteren Beweggründe im Laufe der Geschichte besser zu verstehen. Allerdings will man während man diese doch ausführlichen Rückblicke liest, schon viel dringender wissen, wie die Geschichte nun nach der Seebestattung weiter geht - und wie genau Hanna danach in Afrika strandet.

Fazit:
Vor allem ab Hannas Ankunft in Afrika ein sehr lesenswerter, bewegender und auch polarisierender Roman. Die Übersetzung ist diesmal von sehr guter Qualität, was auch nicht auf alle früheren Bücher von Mankell zutrifft.
Nordlicht oder Sari?
Kennedys Hirn: Roman
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trügerisches Paradies, 28. April 2013
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine Verstrickung schicksalhafter Umstände hat Hanna Rennström alias Lundmark 1904 nach Lourenco Marques, die Hauptstadt der portugiesischen Kolonie Mocambique verschifft. Kaum verheiratet auf See hat sie ihren Ehemann auch dem Meer übergeben, war in Mosambique vor lauter Kummer an Land gegangen und dort eingeschlafen. Als sie zu sich kam, lag sie in einem Hotelzimmer des Hotels O Paraiso, das sich als lukrativstes Bordell Afrikas herausstellte.

Als sie auf Grund verschiedener, kaum zu glaubender Ereignisse und Todesfälle zur Besitzerin des Bordells wurde, entfernten sich die ansässigen Frauen noch weiter von ihr. Auch ihre unbeschreibliche Mühe, eine schwarze Frau vor der Todesstrafe zu bewahren, ließen ihre Angestellten ungerührt.

Die junge Schwedin war keine Exotin im schwarzen Afrika, sie war eine Herrin! Auch wenn sie zuhause ihr Auskommen als Dienstmagd verdiente, war sie hier reich geworden, reich durch die Arbeitskraft vieler Schwarzer. Sie gewährte Schutz, wo keiner ersehnt wurde, sie suchte die Nähe zu ihren Frauen, wo niemals Nähe entstehen konnte. Sie war die Herrin!

Henning Mankell beschreibt in seinem jüngsten Roman eine Kolonialherrschaft zur Jahrhundertwende, die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in Afrika und die gravierenden Unterschiede im Denken, im Tun, im Empfinden von Wertschätzung - kurz: in einer anderen Welt. Seine Hauptprotagonistin Hanna Lundmark alias Ana Branca jedoch ist real, sie war tatsächlich schwedischer Abstammung und hatte zur beschriebenen Zeit ein Bordell in Mosambique geleitet, alle Geschichte drum herum entspringt der nüchternen, bildgewaltigen, aber auch brutalen Feder Henning Mankells.

Ein Roman mit vielen Überraschungen, unzähligen, unerwarteten Wendungen und viel Wahrheit unserer Geschichte! Kurzweilig, spannend und sehr gut intensiv!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erinnerungen an einen schmutzigen Engel, 12. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman (Gebundene Ausgabe)
In diesem Moment überfällt Hanna eine Erinnerung. An ihren Vater, an seine Stimme, die gegen Ende seines Lebens nur noch ein Flüstern war. Als verlangte er von ihr, alles, was er sagte, wie ein kostbares Geheimnis zu bewahren. "Ein schmutziger Engel. Das ist es, was du bist".

Inhalt
Africa Hotel, Beira 2002: da die afrikanische Kälte schlimmer war, als seit vielen Jahren, hackt Jose Paulo ein Loch in einen verrotteten Fussboden. Er möchte das Parkett als Brennholz verwenden und stößt dabei auf das Tagebuch von Hanna Lundmark aus dem Jahr 1905.

Hanna ist 18 Jahre alt als ihre Mutter sie mit dem Schiff nach Australien schickt. Auf diesem arbeitet sie als Köchin und heiratet den Steuermann Lars Lundmark. Das Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer, da er nur 3 Monate später stirbt. In ihrer Trauer geht sie bei einem Landgang vom Schiff und bleibt in der portugiesischen Kolonie Mocambique. Dort heiratet sie einen Bordellbesitzer, der ebenfalls kurz nach der Hochzeit verstirbt und ihr das Bordell vererbt. Sie leitet dieses und wird dadurch sehr reich. Eines Tages ist sie jedoch spurlos verschwunden.

Meine Meinung
Henning Mankell hat ein für seine Verhältnisse ungewöhnliches Buch geschrieben. So ungewöhnlich, dass ich Mankell in diesem nicht "finden" konnte. Ich habe in der Vergangenheit alle Wallander-Krimis, aber auch seine Afrika-Romane gelesen und finde diese Geschichte so ganz anders. Das soll aber nicht bedeuten, dass mir das Buch nicht gefallen hat, es hat nur der letzte Funke gefehlt, der mich bei den anderen Mankell-Büchern so begeistern konnte.

Hanna ist für mich bis zum Schluss blass geblieben. Ich habe sie als verschüchtertes Mädchen kennenlernen dürfen und auch wenn es eine Entwicklung zu einer Frau, die durch die Ereignisse in ihrem Leben gewachsen ist, gab, so blieb diese sehr unter der Oberfläche. Richtig deutlich wurde die Veränderung zur starken Frau für mich nicht und auch fiel es mir schwer Sympathie für sie zu hegen.

Mankell schreibt das Buch aus der Perspektive des Beobachters. Ich mag seinen Erzählstil eigentlich sehr gerne. Hier war er mir jedoch zu distanziert, sodass es schwer war eine Beziehung zu den Protagonisten herzustellen.

Interessant finde ich, dass dem Roman eine wahre Geschichte zu Grunde liegt und Mankell anhand weniger Informationen das Buch geschrieben hat. Für mich hätte die Erzählweise allerdings lebendiger und spannender sein können.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dem Buch 3 oder 4 Sterne geben soll und habe mich für 4 entschieden, weil der Roman alles in allem gut geschrieben war und ich ihn, bis auf die oben genannten Schwachpunkte, auch gerne gelesen habe.

Fazit
Echte Mankell-Fans werden eine Überraschung mit dem Buch erleben, weil es so völlig anders ist, als alle seine vorherigen Werke. Mir hat er mit Abzügen in der B-Note dennoch gut gefallen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman
Erinnerung an einen schmutzigen Engel: Roman von Henning Mankell (Gebundene Ausgabe - 30. Juli 2012)
EUR 21,90
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen