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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die kleine Welt von Wischegrad als Spiegel der Weltgeschichte
Am Anfang hat Gott die ganze Erde topfeben geschaffen, heißt es in einer der zahlreichen Erzählungen des vorliegenden Buches, damit sich die Menschen ohne große Schwierigkeiten von einem Ort zum nächsten bewegen können. Dann aber zerkratzte der Satan in seiner Missgunst die ganze Erdoberfläche, so dass Berge, Schluchten und Täler...
Veröffentlicht am 31. Juli 2009 von euripides50

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9 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Balkanroman schlechthin
"Der Den Balkan kann man heute ohne Ivo Andric nicht begreifen" - so lautet das auf dem Schutzumschlag dieser Ausgabe abgedruckte Zitat des weltberühmten serbischen Regisseurs Emir Kusturica.

In der Tat liefert der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete bosnische Kroate mit seinem Roman "Die Brücke über die Drina" ein breit angelegtes Panoptikum der...
Veröffentlicht am 6. Februar 2009 von Sommerzeit


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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die kleine Welt von Wischegrad als Spiegel der Weltgeschichte, 31. Juli 2009
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Am Anfang hat Gott die ganze Erde topfeben geschaffen, heißt es in einer der zahlreichen Erzählungen des vorliegenden Buches, damit sich die Menschen ohne große Schwierigkeiten von einem Ort zum nächsten bewegen können. Dann aber zerkratzte der Satan in seiner Missgunst die ganze Erdoberfläche, so dass Berge, Schluchten und Täler entstanden. Damit die Menschen sich auch weiterhin auf der Erde fortbewegen können, schenkte ihnen der Herr in seiner Gnade die Brücke, die neben dem Brunnen größte Gabe der Schöpfung an das Menschengeschlecht.
Von einer solchen Brücke, der Brücke über die Drina, handelt auch das vorliegende Buch. Entstanden ist die Brücke als Geschenk des weisen Wesirs Mechmet Pascha, der im 16. Jhdt. von den Türken aus seiner Heimat im Umkreis der Stadt Wischegrad verschleppt wurde. Unter unsäglichen Mühen und unter Einsatz schockierender Gewalt erbaut, wird sie mit der Zeit zum Symbol einer kosmopolischen balkanesischen Welt, in der die Angehörigen der moslemischen, christlichen und der jüdischen Bevölkerung friedlich nebeneinander auf der Kapija, der terrassenförmigen Mitte der Brücke, sitzen um ihren Kaffee zu trinken oder ihre Geschichten zu erzählen.
Diese Geschichten und Mythen der Menschen von der Drina machen einen Großteil des vorliegenden Buches aus. Es sind Sagen von eingemauerten Kindern, unglücklichen Liebespaaren, Helden und Halunken jeder Art, die alle mit der Brücke zu tun habe, sei es, dass sie die Brücke zerstören wollen, dass sich dort in der Nacht die Liebenden treffen oder die Bösewichter dort ihre schrecklichen Strafe erleiden.
Doch unmerklich gerät die Weltgeschichte in Bewegung und verändert die scheinbar so unverrückbare Welt von Wischegrad. Zuerst ziehen sich um 1700 die Türken aus Ungarn zurück, die regelmäßigen Einkünfte zum Unterhalt der Karawanserei entfallen, und die erste Ruine entsteht. Als nach 1800 die serbischen Aufstände gegen die Türkenherrschaft den Balkan erschüttern, erhält die Brücke ein Wache und bald verunzieren die Köpfe ermordeter Christen die Brücke über die Drina. 1878, nach dem Berliner Kongress, kommt Bosnien- Herzegowina und damit auch Wischegrad unter österreichisch-ungarische Verwaltung, und mit den gepflegten und agilen "Schwaben" ( ein Sammelbegriff für die Mitteleuropäer) zieht mit Macht die Moderne ein. Es entstehen Hotels, Eisenbahnen, Freudenhäuser, Spielkasinos, Straßenbeleuchtung und eine allgemeine Wehrpflicht. Die Schwaben und ihre rätselhaften Errungenschaften beschleunigen das Leben auf eine beunruhigende Weise, es wird leichter Geld verdient, aber auch verloren, die Jugend arbeitet nicht mehr auf den Feldern sondern geht auf das Gymnasium nach Sarajewo und kommt mit halbgaren Ideen von serbischer Freiheit nach hause.
Als nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo der Erste Weltkrieg ausbricht, ist es mit dem gedeihlichen Leben in Wischegrad entgültig vorüber. Die Stadt wird geräumt, die Brücke wird gesprengt, und die multikulturelle Eintracht an der Drina verschwindet im Orkus der Geschichte.
Es ist ein Roman zwischen Märchen und Tragödie, die Ivo Andric auf über 400 Seiten so erzählt, als säße er selbst auf einer wieder erbauten Kapija. Dutzende Geschichten aus vier Jahrhunderten werden zu einem west-östlichen Diwan verwoben, in dem es keine Schwarz-Weiß-Urteile gibt, sondern in denen jede Seite, die moslemische, die christliche und die jüdische ihr Recht erhält. Erst am Ende, als die Dinge nach der vielleicht etwas idealisierten guten alten Zeit, aus dem Ruder zu laufen beginnen, bezeiht das Buch Position - gegen den Nationalismus, der als eine Variante der menschlichen Eitelkeit erscheint, gegen die ideologisierte Jugend und die modernen Pseudointellektuellen, die jegliche Bodenhaftung zum Volk verloren haben. Der erste Weltkrieg, mit dem das Buch endet, verschlingt dann alles, ohne dass klar wird, in welche Richtung sich die Geschichte weiter entwickeln wird.
"Die Brücke an der Drina", in einer abgehobenen, poetisch ambitionierten Sprache erzählt wird, ist Literatur im besten Sinne. Der Roman unterhält und unterrichtet zugleich und wäre die ideale Lektüre für eine Reise nach Srebenitza, Banja Luka oder Sarajewo, wenn nicht dort die Entzweiung, die am Ende des Buches beschrieben wird, in extrem verstärkten Formen weiter leben würde. Denn mit der zerstörten Brücke von Mostar hat die Wirklichkeit die Literatur auf eine schreckliche Weise bestätigt und überboten.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Menschsein, 19. November 2003
In Andrics Buch „Die Bücke über die Drina" begleiten wir die Geschichte eines Bauwerkes, eben die jener Brücke bei Wischegrad. Sie beginnt schon im Jahre 1516 kurz vor ihrer im Jahre 1571 vollendeten Errichtung und endet im Jahre 1914 mit ihrer tragischen Teilzerstörung.
Die Brücke über die Drina verdankt ihre Existenz machtpolitischer Notwendigkeit. Sie erst hat das Eindringen des Osmanischen Reiches nach Mitteleuropa ermöglichen sollen. Auch die teilweise Zerstörung knapp vier Jahrhunderte später folgt derselben machtpolitischen Logik. Ziel war es, zum Schutz der zu Beginn des Ersten Weltkrieges bestehenden politische Struktur Mitteleuropas beizutragen. Beide Vorhaben sind gescheitert.
Nichts liegt nun näher, als zu vermuten, es handele sich bei der Brücke um ein rein politisches Bauwerk - das Gegenteil ist der Fall. Das Buch Andrics beschreibt vielmehr die Geschichte der Inbesitznahme dieser Brücke durch und für die örtlich ansässige Bevölkerung, die im Grunde nur eines will: Leben und Menschsein! Es war dabei einerlei, welcher Religion, welcher Volksgruppe man angehörte.
Der Leser begleitet so, über die verstreichenden Jahrhunderte hinweg, das Schicksal vieler verschiedener Menschen, in deren Leben eines gemeinsam ist: Die Brücke über die Drina. Wir lernen dabei eine unglückliche Braut, einen geheilten Spieler, eine tüchtige Hotelbesitzerin und einen leichtsinnigen Trinker kennen. Auch geistliche Würdenträger, seien es Popen, Mullahs oder Rabbiner begegnen uns über die Zeit hinweg mit ihrer Weisheit und ihren Schwächen. Stellvertretend stehen sie für all die anderen, welche Andrics Chronik mit Leben erfüllen.
Die Brücke, so unerschütterlich fest der Drina trotzend, stellt den ruhenden Pol, den Mittelpunkt und den Garanten des Zusammenlebens in einem dar. Nur der Leser weiß, daß sie gleichsam grausames Menetekel einer zukünftigen unseligen Zeit war - einer Zeit, in der mehr Brücken eingerissen, als neue geschlagen wurden.
Andric beschreibt in seinem Werk, was als Ursache und Wegbereiter für die noch immer andauernden großen Probleme der vergangenen neun Jahrzehnte angesehen werden kann: Das allgemeine Umsichgreifen politischer Ideen in den Köpfen derjenigen Menschen, welche nicht mehr mit Leib und Seele in ihrer Heimat verwurzelt sind.
Lest deshalb wie schön es war in dieser Region Europas, wenngleich als Spielball der Politik, so doch ein unpolitisches Leben geführt zu haben! Laßt die Geschichte der Menschen, welche in Wischegrad bis zur besagten Teilzerstörung der Brücke zusammengelebt haben, Vision für eine neue Zeit sein!
Das Buch ist ein Geschenk Andrics an die Menschheit. Er ist dafür zurecht 1961 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden.
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40 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Balkan - 1000 Meinungen und Wahrheiten, 11. Oktober 2002
Von Ein Kunde
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kurzum: Dieses Buch ist zurecht eines der Meisterwerke der Weltliteratur. Andric als "bosnischen Serben" zu bezeichnen, ist aber nur eine der vielen Meinungen und "Wahrheiten" die sich in den Rezensionen ebenso wiederspiegeln, wie im Buch selbst. Obwohl Kroate, war Andric ein Mensch der sich in erster Linie als eben dies sah: Als Mensch! Oftmals Ziel nationalkroatischer Kritiker, die ihm "Serbennähe" unterstellten, war er doch ein Mann der die südslawische Seele aller Balkanvölker verstand und dies in seinem Buch sehr gut zum Ausdruck brachte.
Vor allem Personen, die die tieferen Zusammenhänge des Balkans verstehen wollen, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Obwohl die Erzählungen zum Teil frei erfunden sind, so kommen sie der Wahrheit doch viel näher als es ein Geschichtsbuch je könnte. Von den ersten Türken am Balkan bis zum letzten Österreicher, von der Selbstfindung der Moslems bis zum nationalen Freiheitsdrang der Serben - wer die Antworten sucht, findet sie hier.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Am Menschlichen orientiert, 3. November 2007
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Andric Ivo, Die Brücke über die Drina, (1945), SZ Bibliothek, 2007

Andric stellt in seinem Buch die geschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis zum 1.Weltkrieg in Wischegrad an der Drina zwischen Bosnien und Serbien dar, und zwar macht er die Schilderung fest an der Brücke, wie sie unter dem Großwesir des Osmanischen Reiches, Mehmet Pascha Sokolis, in mühevoller und jahrelanger Arbeit gebaut wurde, wie sich die kleine Stadt daraufhin entwickelte, welche Bedeutung die Brücke im Bewusstsein der verschiedenen Generationen hatte und wie sie schließlich beim Ausbruch des 1.Weltkrieges gesprengt wurde. Man hat den Eindruck, dass Andric auf Chroniken und überlieferte Erzählungen zurückgreift, wenn er die Entwicklung zu verlebendigen versucht. Das fängt z.B. an mit der Schilderung der unmenschlichen Strapazen beim Brückenbau: Als einige Bauern versuchen, den Bau zu sabotieren, wird ihr Anführer gepfählt - diese Schilderung verlangt dem Leser schon einiges ab. Offensichtlich ist diese Pfählung also geschichtlich verbürgt und Andric vermag es, diesen Vorfall so konkret zum Leben zu erwecken, dass es einem wirklich nahegeht. Das Problem bei dieser Art des Vorgehens ist, dass viele Schicksale vorgeführt werden, die nur kurz geschildert werden können und die auch noch repräsentativ sein müssen, die Gefahr ist also, dass das Ganze eine Addition von relativ zusammenhanglosen Episoden wird und dass diese Episoden zum Zwecke der Repräsentation hergerichtet werden, also z.T. geglättet oder idealisiert werden müssen. Andric vermeidet diese Gefahr nur zum Teil: In der Tat muss man sich streckenweise durch die Fülle der Namen und Beschreibungen hindurcharbeiten, es fehlt eine verbindende Handlung, obwohl auch gesagt werden muss, dass die erzählerische Kraft enorm ist - Andric vermag sich visionär in die Schicksale einzelner Menschen und Situationen einzufühlen. Verbindend ist aber in erster Linie die Brücke mit ihrer faktischen und symbolischen Bedeutung - hier entfaltet sich die gesellschaftlich-wirtschaftliche Dynamik und hier ist der Treffpunkt der verschiedenen Generationen, die in ihrer jeweiligen Mentalität sichtbar werden. Interessanter wird die Lektüre, wenn Andric sich frühzeitig auf die Moderne konzentriert, die Zeit im letzten Viertel des 19.Jh. bis zum 1.Weltkrieg, also die Zeit im österreichisch-ungarischen Kaiserreich, hier tauchen dann auch zunehmend die gleichen Namen und Schicksale in den einzelnen Kapiteln wieder auf und gewinnen das Interesse des Lesers, z.B. das Schicksal des Ladenbesitzers Alihodscha, dessen Tod im letzten Kapitel (Sprengung der Brücke) im Mittelpunkt steht, oder das Schicksal der unternehmerischen, versierten jüdischen Hotelbesitzerin Lottika, die von der Dynamik der Verhältnisse schließlich überrollt wird und moralisch-psychisch zusammenbricht. Die Gefahr einer idealisierenden, repräsentativen Darstellung zeigt sich z.B. im 19.Kapitel, in dem die Zeit vor dem Ausbruch des 1.Weltkrieges geschildert wird. Inzwischen hat sich die Kaste der Intellektuellen (Studenten) herausgebildet, die in repräsentativer Weise über die gängigen Ideologien der Zeit um 1900 diskutieren: den Nationalismus mit rassistischen Anklängen und den Sozialismus. Zwei miteinander rivalisierende Freund-Feinde diskutieren miteinander, dabei sprechen sie absolut unrealistisch, es handelt sich um eine idealisierte, komprimierte Darstellung der jeweiligen Positionen, was das Ganze geistig anregend macht, aber dem Realismus abträglich ist.
In diesem Zusammenhang kann man sich Gedanken über Andrics eigene geistige Position machen. Er schreibt als auktorialer Autor und packt also seine ganze Lebenserfahrung als Intellektueller, Künstler und Politiker (Botschafter in Berlin bis 1941) und vor allem als Mensch in seinen Roman - was den Roman übrigens als relativ konventionell gemacht erscheinen lässt. Nichtsdestoweniger ist man durchaus bereit, dem Autor mit seinem tiefen Gefühl und weitem Horizont zu folgen. Dabei bleibt Andrics Haltung auch ambivalent, z.B. scheint er sich nicht zwischen der nationalistischen oder sozialistischen Position entscheiden zu können. Sein Lebenslauf selbst zeigt ihn einerseits als national denkenden Menschen, indem er sich in der Realität für Serbien und Jugoslawien einsetzte, andererseits als Sozialisten, indem er später der kommunistischen Partei Jugoslawiens beitrat. Interessanter ist, dass er sich im Roman eher grundsätzlich für eine dritte Position zu entscheiden scheint, die man etwa als konservativ und am Menschlichen orientiert bezeichnen könnte, wie sie durch den ganzen Roman hindurch sichtbar wird. Seine Sympathie gehört z.B. dem von allen gemiedenen und ignorierten Pessimisten Alihodscha, einem Vertreter der süßen Stille" der Türkenzeit, seine Skepsis richtet sich gegen die entfesselte Dynamik der Moderne, der Begierden und Ideologien:
"Alle diese stürmischen Wünsche und kühnen Worte unter nächtlichem Himmel, auf der Kapija, werden im Grunde nichts ändern; sie werden an den großen und dauernden Wirklichkeiten der Welt vorübergehen und sich dort verlieren, wo sich Wünsche und Winde beruhigen. Und wahrhaft große Menschen, wie auch große Bauwerke, sprossen immer dort hervor, wo ihnen der Ort nach Gottes Ratschluss bestimmt ist, unabhängig von leeren, vergänglichen Wünschen und menschlicher Eitelkeit." (328)
Prophetisch gehen dem sterbenden Alihodscha diese Gedanken durch den Kopf:
"Wer weiß, vielleicht werden diese Unmenschen, die mit ihrem Tun alles ordnen, putzen, ändern und zurechtmachen, um es sofort danach zu verschlingen und zu zerstören, sich über die ganze Erde verbreiten, vielleicht werden sie aus der ganzen weiten Welt ein wüstes Feld für ihr sinnloses Bauen und henkerisches Vernichten machen, eine Weide für ihren unersättlichen Hunger und ihre unfassbaren Gelüste? Alles kann sein, eines aber kann nicht sein: es kann nicht sein, dass die großen, mitfühlenden Menschen ganz und für immer verschwinden, die nach Gottes Gebot dauerhafte Bauwerke errichten, auf dass die Erde schöner sei und der Mensch auf ihr leichter und besser lebe. Würden sie verschwinden, dann hieße dies, dass Gottes Liebe auf Erden ausgelöscht und verschwunden sei. Das aber kann nicht sein." (422)
Es scheint, als ob Andric sich dieses Glaubens während des 2.Weltkrieges, als er sich von seinem Botschafterposten aus Berlin zurückzog, um seine Romane zu schreiben, vergewissern musste - und noch heute ist seine Botschaft mit Zustimmung zu lesen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "DAS" Buch über den Brückenschlag der Kulturen., 15. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Ivo Andric beschreibt mit der "Brücke über die Drinia" (orig. Na Drini Cuprija) die Möglichkeit, über eine "Brücke" mehrere Ethnien in einem Land zu verbinden. Das Originalwort "cuprija" ist türkischem Ursprungs und bedeutet dasselbe wie "most" (kroatisch!!) nämlich Brücke. Letzenendes scheint hier Ivo Andric den Konflikt schon gesehen zu haben, der sich im ehemaligen Jugoslawien ausbreitete. Dies vorwegzunehmen und gleichzeitig die Menschen, gleich welcher religösenZugehörigkeit, so treffend zu beschreiben, ist ein großer Verdienst dieses "serbischen Bosniers" oder besser Menschen. Leider scheint er heute in den ehemaligen Ländern Jugoslawiens vergessen zu sein, oder wohl eher unbeliebt. Hält er ihnen doch einen Spiegel ihrer Seele vor. Auch scheint er zu beschreiben, daß die Gemeinsamkeiten letztenendes größer sind als manche glauben wollen (sollen????). Und so kommt es zu dem unvermeidlichen Ende, an welchem alles, was jene Menschen noch verband, durch die Zerstörung der Brücke über die Drina ebenfalls zerstört wird. Was wollte uns Ivo Andric damit sagen???
Ich meine, daß dieses Buch eines der großen Werke des 20.Jahrhunderts und zugleich eine Liebeserklärung an die Menschen mit ihren vielfältigen Kulturen darstellt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein absolutes Muss, 2. Oktober 2008
Ivo Andric hat nicht zu Unrecht den Literaturnobelpreis erhalten. Wer sich anhand eines Buches über die wechselvolle Geschichte des Balkan informieren möchte, der sollte zu Andric's "Die Brücke über die Drina" greifen. Im Mittelpunkt des literarischen Werkes steht eine Brücke, aus deren Sicht die Geschichte vom 16. Jahrhundert bis zum 2. Weltkrieg betrachtet wird. Angesichts der Aktualität des neuen Balkankrieges in den 90-er Jahren (fast) eine Pflichtlektüre - die jedoch viel Lesevergnügen bereitet. Literarisch anspruchsvoll, wunderschöne Beschreibungen, viele kleine Begebenheiten, die zum Verständnis des Balkankonflikts beitragen. Kurzweilig trotz der Dicke des Buches. Absolut lesenswert.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es war möglich, 24. Juli 2004
Von 
Ivo Andric's "Brücke über die Drina" ist wie ein langer, langsam fliessender Fluss, der die Jahrhunderte durchmisst und zeigt, dass das Zusammenleben zwischen den Ethnien und Religionen möglich war und als Teil des Osmanischen Reiches leidlich funktionierte. Er verschweigt aber nicht, dass kleine Fremdheiten und leises Misstrauen schon immer mitspielten. Die Österreicher bringen noch die Administration, aber der Niedergang ist eingeläutet mit dem Verschwinden des alten und toleranten Reiches aus dem fernen Stambul.

Ganz nebenbei ist es ermutigend zu sehen, dass das Zusammenleben auf dem Balkan lange möglich war und es ist tröstlich angesichts der heutigen Kalamitäten.

Wie Andric das organisiert, in Worte fasst und uns vermittelt, das finde ich sehr gut. Der Roman gehört zum interessantesten und besten, was mir in die Finger geraten ist.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltkulturerbe, 21. August 2007
Wie viele Reportagen, Nachrichtenbeiträge, Hintergrundberichte, persönliche Dokumentationen gab es über Kroaten, Serben, Kosovo-Albaner, Bosniaken und Mazedonier? Und wann begann der Moment, wo sie an Nachrichtenwert in den hinteren Reihen verschwanden? Vor dem Vergessen bewahren uns Bücher. Die besten Romane schaffen es, durch ihre an die Historie gebundene Fiktion tieferen Einblick in einen Konflikt zu geben, als es Fakten vermögen.

Wer den tiefen Haß zwischen den Bevölkerungsgruppen verstehen will, ist bei Die Brücke über die Drina gut aufgehoben. Ivo Andric zeigt Verfolgung von beiden Seiten, sie führt zum einen Tal hinaus und kehrt aus derselben Richtung zurück. Dabei trifft es Moslems wie Christen wird keine Glaubensrichtung ausgelassen, bis der Haß über die Generationen so tief verwurzelt ist, daß er sich in Progromen äußert. Die Widersprüche, die dabei auftauchen, sind so allgegenwärtig, daß sich keine der Seiten vor ihr sicher fühlen dürfen.

Versöhnung findet da statt, wo man auf seiner Seite beginnt, über die eigenen Fehler nachzudenken. Erst dann ist man bereit zu vergeben. Ein beeindruckender Roman, nach dem man die Drina und alle anderen Flüße dort anders betrachtet. Die Menschen sowieso. Sie sind nämlich nicht soweit von uns weg, als daß uns ihre Verblendung nicht bekannt vorkäme.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Makellos, 16. Mai 2010
Bücher wie dieses sind Jahrhundertwerke. Wer hat schon sonst den langen Atem, so einen weiten geschichtlichen und Geschichten-Bogen zu schlagen, wird dabei nie langweilig, schielt nie nach billigen Effekten, hält ein makelloses Sprachniveau - das tut bereits die Übersetzung, wie wunderbar muß das Original sein... - zum Niederknien!
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Brücke als Symbol der Verbindung von Ost und West, 29. März 2002
Von 
Hans Henkel (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Standes, unterschiedlicher Religion und deren vielfältige Schicksale sind es, denen das Interesse von Ivo Andric gilt. Ohne Beschönigung purzeln sie in die Bilder der Geschichten und formen ein großes, zusammenhängendes Ganzes, in dem die Gegensätze und Gemeinsamkeiten einen Ausgleich suchen.
Geschrieben in den frühen sechziger Jahren, in einer Zeit, in der Tito's Jugoslawien einen Vielvölkerstaat bildete, ist Andric bemüht, dem Titel entsprechend, Brücken zu schlagen. Er betont das allen Gemeinsame und stellt Anderssein als Bereicherung dar.
An Hand der Stadt Wischegrad, entwirft der Autor einen zeitlichen Bogen, der beginnend vom Bau der Brücke unter türkischer Herrschaft, über mehrere Jahrhunderte bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs reicht. Im Zentrum dieser Episoden steht oft 'Die Brücke über die Drina'.
Die Geschichten sind voll von Weisheit, Klugheit und Verständnis und viele gehen zu Herzen. Die Menschen werden nicht in Gute und Böse eingeteilt. Die Vorgänge stehen in größeren Zusammenhängen und die Akteure sind Ausführende von mächtigen Denk- und Handlungsströmen.Mit besonderer Aufmerksamkeit und Zuwendung beschäftigt sich Andric mit denen, die versuchen sich dem Strom der Zeit entgegenzustellen und die die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens erkennen müssen. Erstaunt, dass nicht Bedächtigkeit, noch Sorgfalt und Anstand den Lauf der Welt beeinflussen können, teilen sie das Schicksal der für unzerstörbar gegolten habenden Brücke.
Wenn auch seit Erscheinen des Buches vierzig Jahre vergangen sind und der Zeitgeist ein anderer geworden ist, vielleicht dringt die Botschaft des Buches - Respekt vor Andersdenkenden, Andersgläubigen, Zugehörigen anderer Völker zu haben und das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen - noch immer an so manches Ohr.
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Die Brücke über die Drina: Roman
Die Brücke über die Drina: Roman von Ivo Andric (Gebundene Ausgabe - 7. März 2011)
EUR 25,90
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