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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur für Theologen eminent wichtige Vorträge zu einem Thema, das in Zukunft hoch aktuell bleiben wird, 27. August 2008
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Gretchenfrage: "Nun sag', wie hast du`s mit der Religion?" (Gebundene Ausgabe)
Zum mittlerweile elften Mal hat im vergangen Jahr in dem kleinen Ort Lech am Vorarlberg in Österreich das von dem Wiener Philosophieprofessor Konrad Paul Liessmann und anderen ins Leben gerufene "Philosophicum Lech" stattgefunden, eine einzigartige Veranstaltung, bei der sich jeweils zu unterschiedlichen Fragestellungen, die aber immer aktuell und nicht akademisch formuliert sind, Philosophen, Theologen, Religions- und Kulturwissenschaftler und je nach Thema auch Vertreter anderer Disziplinen vor einem öffentlichen Publikum austauschen.
Der Zsolnay Verlag hat es sich dankenswerterweise seit 1999 zur Aufgabe gemacht, diese Vorträge unter der Herausgeberschaft von Konrad Paul Liessmann der deutschsprachigen Öffentlichkeit in Buchform zu präsentieren.

Im vorliegenden Buch sind die zwölf Vorträge versammelt, die im vergangenen Jahr unter dem Titel "Die Gretchenfrage" in Lech gehalten wurden. Nachdem schon Goethes Frage, die er Gretchen dem Faust stellen lässt, damals sehr scharf die Trennungslinie beschrieb, die zwischen Gottesgläubigkeit und einer Haltung sich zieht, die sich der Aufklärung und ihren Gedanken verpflichtet weiß, schien im Laufe der Entwicklung der Moderne bis vor kurzem diese Frage erledigt zu sein. Religion wurde je nach Sichtweise als Neurose oder eine spezifische Seelenstimmung definiert, nicht ernst zu nehmen, und auf keinen Fall vernünftig. Nicht erst seit der Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt XVI., aber danach in großem Umfang, ist die Frage, wie man es mit der Religion halten soll, als philosophische Frage, aber auch als eminent drängende politische Herausforderung auf die Tagesordnung und die Agenden der Gegenwart zurückgekehrt. Jürgen Habermas sprach schon vor Jahren unter dem Eindruck des 11. September 2001 davon, dass wir uns ein Bewusstsein davon bewahren müssten, von dem was fehlt, ohne dass er dabei ausdrücklich die Religion nannte. Sie war aber mit gemeint und auch in seinen Gesprächen mit dem damaligen Kardinal Ratzinger taucht das Problem immer wieder auf. Die Politiker und die sie beratenden Wissenschaftler auf der anderen Seite sehen sich außenpolitisch und innenpolitisch mit einer durch Immigration importierten Form von Religion konfrontiert, die alles in Frage stellt, was bisher im Ungang mit dem Phänomen Religion Geltung hatte und sich bewährte.

Insbesondere der Hamburger Wissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, dessen Vortrag "Muss man Religion respektieren ?" dieses für Theologen unverzichtbare Buch einleitet, geht in einer wohltuend differenzierten Form dieser Frage nach.
Lesenswert auch der Vortrag des Baseler Astronomieprofessor Bruno Binggeli, der zu der Erkenntnis gelangt:
"Es ist meine persönliche Überzeugung, dass es nicht nur nicht naiv, sondern geradezu lebensnotwendig ist, dass wir unsere seelische Verbundenheit mit dem Kosmos, den 'Blick zum Himmel', aufrechterhalten. Denn was ist mit der Erdoberfläche passiert ? Sie ist zum 'Weltinnenraum des Kapitals' (Peter Sloterdijk) geworden. Weltmarkt und Mediensphäre sind die Großprojekte, die nun auf die Nachahmung der verlustig gegangenen Sphärensicherheit abzielen. Längst hat die Wirtschaft den Status einer ethischen, ja religiösen Instanz erhalten, denn es sind die Interessen der Wirtschaft, die uns diktieren, was wir zu tun und zu lassen haben."

Der einzige christliche Theologe auf der Tagung, der Münchner Systematiker Friedrich Wilhelm Graf, sagt in seinem, in für ihn gewohnter Weise mit hochgestochenen Formulierungen und zahlreichen neuen Wortschöpfungen gespickten Vortrag zum Thema "Götterdiskriminierung" am Ende:
"Gute Religion befördert die Einsicht, dass freie Vernunftwesen sich verfehlen, wenn sie Freiheit als Selbstentgrenzung missverstehen. Zur Abwehr solcher Fehldeutungen der Geschöpflichkeit des Menschen bedürfen religiöse Organisationen einer institutionell unabhängigen kritischen Dauerreflexion ihrer symbolischen Bestände, also wissenschaftlicher Theologie. Gut wird und bleibt Religion nur dann, wenn sie sich durch autonome theologische Rationalität immer neu in Frage stellen lässt, auf ihre immanenten Perversionspotentiale hin analysieren lässt - um reflektierter Freiheit der Frommen willen. Die Wissenschaft selbst kann hier nicht entscheiden, und dies kann man auch in religiöser Symbolsprache ausdrücken. Spätestens am Jüngsten Tage muss jeder für sich seine individuelle Götterwahl, Gottesselektion rechtfertigen; denn an der Wahl des richtigen Gottes entscheidet sich nun einmal, was man aus dem kontingenten Geschenk seines Lebens zu machen gedenkt."

Man merkt, da ist eine ganze Menge an Klärungsbedarf, eine ganze Menge Theologie ist von Nöten, auch und gerade in den christlichen Kirchen und ihren Gemeinden, denn mit dem Besuch von Konfirmandengruppen in Moscheen und dem Abhalten ökumenischer Abende ist es nicht getan. Es geht um nicht weniger als um klares Profil, und wer Profil zeigen will muss sich abgrenzen und nicht anpassen an den jeweiligen Zeitgeist. Vor allem in Deutschland darf nicht mehr einer alten politischen Korrektheit gehuldigt werden, die das Aussprechen von Wahrheiten z. B. zum Islam und seiner Kultur in die Nähe des Rassismus rückt.
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Die Gretchenfrage: "Nun sag', wie hast du`s mit der Religion?"
Die Gretchenfrage: "Nun sag', wie hast du`s mit der Religion?" von Konrad Paul Liessmann (Gebundene Ausgabe - 8. März 2008)
EUR 21,50
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