Kundenrezensionen


11 Rezensionen
5 Sterne:
 (3)
4 Sterne:
 (4)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvoll, beklemmend
Drakulic' Buch betrachtet vor allem Täterfiguren des Kriegs in Kroatien und Bosnien, die in den Prozessen von den Haag zu Gericht stehen oder gesucht werden: den kleinen Mitläufer, der aus Angst um das eigene Leben tötet, die hetzerische Politikerin, die Armeeführer. Die Geschehnisse in Haag werden mit den Ereignissen im Krieg verflochten, die die...
Am 27. Juni 2005 veröffentlicht

versus
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend
Ich persönlich finde das Buch wirklich enttäuschend, realitätsfern und nicht authentisch.
Ein solches Thema darf man nicht auf Spekulationen basierend schreiben und Gefühle kann man wohl erst nach ausgiebíger Recherche darstellen, was hier nicht passiert ist.
Meiner Meinung nach einfach ein "aktuelles" Thema aufgefasst und schlecht...
Veröffentlicht am 4. Januar 2009 von plema


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvoll, beklemmend, 27. Juni 2005
Von Ein Kunde
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Drakulic' Buch betrachtet vor allem Täterfiguren des Kriegs in Kroatien und Bosnien, die in den Prozessen von den Haag zu Gericht stehen oder gesucht werden: den kleinen Mitläufer, der aus Angst um das eigene Leben tötet, die hetzerische Politikerin, die Armeeführer. Die Geschehnisse in Haag werden mit den Ereignissen im Krieg verflochten, die die Autorin meistens sehr überzeugend aus Gesprächen, Zeitungsmeldungen und Zeugenaussagen in eine Erzählung verwandelt.

Einer der Höhepunkte etwa ist die kurze, aber fürchterlich beklemmende Beschreibung des schicksalhaften Zusammentreffens von Ratko Mladic und dem niederländischen UNO-Truppenkommandanten, kurz vor dem Massaker von Srebrenica, basierend auf einem Video. Etwas weniger überzeugend ist das, wenn ihre Prosa in reine Spekulation abgleitet - wer was wann gedacht oder gefühlt hat, überhaupt wenn es sich um Angeklagte auf der Flucht oder um Tote handelt, kann sie kaum wissen. Ein etwas schaler Beigeschmack bleibt auch bei der Erzählung über den reuigen Srebrenica-Mittäter Drazen Erdemovic, dessen widersprüchliche Zeugenaussagen in diversen Prozessen unerwähnt bleiben. Dass er nach dem Kampf für so ziemlich alle Parteien des Bosnienkrieges noch immer als im Grunde netter Kerl geschildert wird, der halt zur falschen Zeit am falschen Ort war, löst auch etwas Kopfschütteln aus.

Das Buch ist daher wohl nicht als Reportage zu verstehen, sondern eher als Sammlung von "realitätsbasierten Erzählungen".

Die Autorin geht erfreulicherweise mit der bis heute nichtexistenten Vergangenheitsbewältigung der Kroaten (wonach es überhaupt keine kroatischen Kriegsverbrechen gab und selbst die übelsten Mörder Helden des Vaterlands sind) genauso hart ins Gericht wie mit der wehleidigen Opferpropaganda in Serbien.

Nach all dem Irrsin wirkt dann die schlussendliche Beschreibung des Lebens im Gefängnis in Haag umso bizarrer; Drakulic bleibt trotz oder wegen ihrer so intensiven Beschäftigung auf die Frage nach dem "warum" nur die Antwort "für nichts".

Wer sich für Tragödie am Balkan der 1990er-Jahre interessiert, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erschreckend, 30. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Slavenka Drakulic hat ein beeindruckendes Buch geschrieben über Menschen die zu Monstern wurden. Als Aufhänger nimmt sie die Prozesse in Den Haag und Kroatien, die sie teilweise beobachtet hat. Ihre Eindrücke und Schilderungen über diese Menschen sind sehr eindringlich beschrieben. An manchen Stellen hat man jedoch das Gefühl, dass sie zuviel reininterpretiert, teilweise sogar Sätze formuliert, die die Verbrecher im Kopf hatten. An diesen Stellen merkt man dann doch die Literatin, vor allem wen sie über Gespräche zwischen Mladic und seiner Tochter berichtet, über Gedanken der selbigen vor ihrem Selbstmord. Dies wirkt manchmal konstruiert da mir da, im Gegensatz zum Anfang des Buches, das persönliche Beobachten der Personen fehlt. Mladic ist ja bekanntlich flüchtig.

Schön, dass es doch noch Menschen in Ex-Jugoslawien gibt, die ihre jüngste Vergangenheit reflektieren. Dies sollte viel stärker stattfinden, damit es in Zukunft nicht mehr zu solchen Gewaltexzessen kommt. Traurig ist, dass sie in Kroatien ob ihrer Aufrichtigkeit in diesem Buch sehr angefeindet wird. Den Menschen fällt es schwer mit den durch ihre Landsleute verübten Gräueln umzugehen. Man war immer nur "böse" weil es die anderen auch waren.

Solche Literatur sollte Pflicht für alle Schüler auf dem Balkan werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nachdenklich stimmend, wenn auch oft nicht authentisch, 12. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Slavenka Drakulic schildert berichtsartig einzelne Verhörsituationen vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.
Dabei wird nach der sächliche Schilderung ziemlich flott versucht, ein Bild von dem Menschen hinter der Anklagebank zu zeichnen - und manches Mal merkt man, dass die Autorin sonst eher Romane schreibt.

Nichtsdestotrotz bekommt man bei einigen, bei aller Phantasie dennoch sehr realistischen Geschichten echte Gänsehaut. Das Buch stimmt nachdenklich und macht Appetit auf mehr Informationen zum Balkan-Konflikt.

Auch für mich als Kroaten war wichtig, von den Greueltaten des "eigenen Volkes" zu lesen.

Sehr gut geeignet für Balkanier, die nach geschichtlichem input dürsten - aber auch für den Nicht-Betroffenen ein sicher spannendes Erzählwerk, was der Krieg aus uns imstande zu machen ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Böse ist die Abwesenheit von Mitgefühl!, 24. September 2004
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Slavenka Drakulic forscht in diesem Buch nach den Ursachen der Kriegsverbrechen auf dem Balkan in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aus diesem Grund auch hat die kroatische Schriftstellerin als Beobachterin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag teilgenommen. Wie konnte es dazu kommen, dass vormals friedlich zusammenlebende Serben, Kroaten und Bosnier zu Todfeinden wurden? Genügte die Idee der Nationalstaatlichkeit als Auslöser für so genannte " ethnische Säuberungen" ? Waren es Mythen und Vorurteile den anderen gegenüber, die den Motivationsschub hin zum Bösen ausmachten oder gab es pathologische Vorbedingungen in der Persönlichkeit der Täter, durch die Misshandlungen, Vergewaltigungen und grausame Tötungshandlungen erst möglich gemacht wurden? Drakulic analysiert das Persönlichkeitsprofil der Führer, wie etwa Milosevic, Karadzic und Mladic, als auch das von deren Helfern und Helfershelfern. Die Autorin fragt was in einem Menschen vorgehen muss, damit er so kaltblütig ein anderes Wesen töten kann? Sie diagnostiziert das totale Zurückweisen von Verantwortung, asoziale, autistische Persönlichkeitsstrukturen, Narzissmus, Unreife und Gier nach Anerkennung, die Macht über Leben und Tod, die Freude am Töten, je größer die Angst des Opfers ist und damit die völlige Abwesenheit von Mitgefühl seinem Nächsten gegenüber. Das Kultivieren von Empathie geschieht, wie die Autorin schreibt, nur in Gesellschaften, in welchen der Individualismus einen Wert darstellt. Sozialistische, wie auch nationalistische Gesellschaften sind Kollektivgesellschaften ohne persönliche Verantwortung. Gnadenlose Parteibürokraten und Opportunisten schaffen eine Wirklichkeit, in der es einzig um Machterhalt, Machtausweitung und Machtdemonstration geht. Moralische Schranken spielen keine Rolle. Das Blutbad in Sebrenica und die Massaker der Nazis an den Juden haben den gleichen Ursprung: Opportunismus - Wegsehen, Schweigen, Feigheit-, Machtexzesse sowie Mangel an Zivilcourage. Wirksamer Garant für ein friedliches Zusammenleben der Menschen auf dem Balkan und anderswo sind die liberalen Grundwerte, die auf humanistischem Gedankengut beruhen. Um die fortdauernde, individuelle Kultivierung genau diesen Gedankengutes geht es, wenn man zukünftig mit solchen Grausamkeiten nicht mehr konfrontiert werden möchte.
Ein hervorragendes Buch, einer bemerkenswerten Autorin!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Blick in seelische Abgründe, 5. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Das Zeugnis des Drazen Erdemovic ist das aufwühlendste in dieser Reihe von Charakterstudien. Ein einfacher Soldat, der Befehle befolgt hat, bis er eine Blase am Daumen hatte - nachdem er einen halben Tag lang mechanisch Männer und Jungen bei Srebrenica erschossen hat. Weil man ihm gedroht hatte, das Gleiche mit ihm zu tun. Eine Antwort auf die vielen Warums, die die kroatische Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulic in die Gerichtssäle von Den Haag getrieben hat, wo man versucht, über die Verbrechen der jugoslawischen Zerfallskriege zu richten.
Mit scharfer Beobachtungsgabe und klarer, anschaulicher Sprache beschreibt Drakulic diese Angeklagten, und beweist dabei ein sicheres Gespür für menschliche Eigenschaften und Details, die sie in einer Mischung aus Journalismus und Literatur aufarbeitet. Auch wenn bisweilen ein persönliches Urteil einfließt, geht es Drakulic vor allem um die Konstellation von Charaktereigenschaften, die zu diesen undenkbaren Taten geführt haben. Die einzigartige Beziehung zwischen Milosevic und seiner Frau. Die ungläubigen Mienen der Soldaten, die wegen Massenvergewaltigungen verurteilt werden und damit offenbaren, dass sie ihre Taten bis zum Schluss nicht als Verbrechen begreifen.
"Sie könnten keiner Fliege was zuleide tun" - der Ausspruch einer Dorfbewohnerin über die wegen Greueltaten angeklagten Nachbarjungs ist der schlecht übersetzte Originaltitel und der rote Faden dieser Sammlung von Porträts. Sie spielen ausnahmslos im ehemaligen Jugoslawien, doch man versteht die Texte ohne geschichtliche Vorkenntnisse, weil die Autorin das Problem auf die menschliche Ebene zieht, und damit universell macht. Unbedingt empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mutig und beeindruckend, 12. April 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Slavenka Drakulic beschäftigt sich mit der Frage, die uns Europäer spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg quält: wie macht der Krieg aus ganz normalen Menschen brutale Mörder, Folterknechte und Vergewaltiger? Obwohl es ihr offensichtlich schwer fällt, beschäftigt sie sich intensiv mit den Tätern - vom kleinen Mitläufer bis hin zu den Männern (und Frauen) die die politische und militärische Verantwortung für die Massaker im ehemaligen Jugoslawien tragen.
Dabei ist das Kriegsverbrechentribunal in Den Haag nur der Ausgangspunkt der Beobachtungen der Autorin, es handelt sich hier keinesfalls um eine Gerichtsreportage. Drakulic zeichnet Porträts der Kriegsverbrecher, die tief unter die Haut gehen. Der Autorin ist der Spagat durchaus gelungen, sich einerseits in die Lage der Täter hineinzuversetzen, anderseits die nötige Distanz zu ihnen zu wahren und niemals vergessen zu lassen, was sie getan haben.
Das Buch hat dennoch seine Schwächen. Drakulic ist Literatin, und als solche betreibt sie keinen investigativen Journalismus. Vielleicht ist das der Grund, warum mancher psychologischer Erklärungsversuch einfach zu spekulativ ausfällt. Stilistisch hat mich auch manches irritiert, vor allem viele Wiederholungen (z.B.: "25. Mai, Titos Geburtstag, Tag der Jugend"). Man merkt auch, dass die Autorin beim Schreiben in erster Linie an ein westeuropäisches Publikum gedacht hat, das nicht mit historischen Details überstrapaziert werden sollte.
Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, das tiefe Einblicke in das Seelenleben der Menschen im ehemaligen Jugoslawien liefert, manche sehr spannende Frage aufwirft und verblüffende Gedanken formuliert - vor allem aber Geschichten erzählt, die einen so schnell nicht loslassen werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 4. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Ich persönlich finde das Buch wirklich enttäuschend, realitätsfern und nicht authentisch.
Ein solches Thema darf man nicht auf Spekulationen basierend schreiben und Gefühle kann man wohl erst nach ausgiebíger Recherche darstellen, was hier nicht passiert ist.
Meiner Meinung nach einfach ein "aktuelles" Thema aufgefasst und schlecht präsentiert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen belanglos und unprofessionell, 22. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
"Keiner war dabei" oder "Feminismus in Zeiten des Bürgerkriegs"

Als Geschichtestudent schärft man mit der Zeit seinen Blick für die politischen Vorgänge hinter den Kulissen und so habe ich mich von Anfang an geweigert die durch die Medien vermittelte Version des Jugoslawienkrieges zu glauben. Aus Mangel an Zeit und an jugoslawischen Bekannten (ich selbst bin Österreicher) hatte ich mich beim Milosevic Prozess noch nicht näher mit der Thematik auseinandergesetzt, nun habe ich aus aktuellem Anlass (Auslieferung von General Mladic) beschlossen mir ein Buch von einem (ex-)jugoslawischen Autor zu kaufen, von dem ich eine objektivere Sicht auf den Bürgerkrieg erhoffte als die von den westlichen Medien übermittelte.

Leider habe ich mit Slavenka Drakulic weit daneben gegriffen. Hinter dem jugoslawischen Namen der Autorin versteckt sich dieselbe Erklärung des Bürgerkriegs, die BBC, CNN & Co. seit Mitte der 90er propagieren: die Serben (Milosevic-Karadzic-Mladic) sind schuld, und im Prinzip ist ganz Jugoslawien ein Land von Mördern und Nationalisten, Gott sei Dank gibt es die NATO und das Tribunal in Haag um Gerechtigkeit unter die Wilden zu bringen
(den Grund für diese Botschaft des Buches gibt die Autorin sogar selbst an: in ihren "Danksagungen" findet sich eine Liste der westlichen Geldgeber)

Zum Inhalt:

Die Autorin beschreibt ihre passive Teilnahme an den Prozessen einiger (hauptsächlich "bosno-serbischer") Kriegsverbrecher in Den Haag und beurteilt diese nach dem immer wiederkehrenden Muster: die angeklagten Männer seien "klein", "schwach" oder vor dem Krieg "unbedeutend" gewesen: das ist also der Grund wieso sie "diese abscheulichen und menschenverachtenden Verbrechen" verübt haben. (Siegmund Freud hat schon Bäder genommen die tiefgründiger waren als die Psychogramme der Autorin).

Positive Eigenschaften wie Mut und Willensstärke findet sie hingegen in jeder auftretenden Frauengestalt, ob afrikanische Richterin, muslimisches Vergewaltigungsopfer oder Angeklagte Biljana Plavsic und das geht soweit dass sie richterliche Befangenheit gutheißt (!) und sagt (in einer Art feministischen Umnachtung - nachdem sie erfolgreich aufgezeigt hat wie in Den Haag mit zweierlei (Straf-) Maß gemessen wird - dass sie dies "verstehen und akzeptieren kann" (!!)

Das Buch hat weniger mit wissenschaftlicher Arbeit oder seriösem Journalismus zu tun als mit dem belanglosen Manifest einer frustrierten Feministin, da die Autorin die Beschreibungen der Prozesse hauptsächlich dazu nutzt ihrem persönlichen Hass Raum zu geben: Hass auf Männer, Hass auf Tito und den Sozialismus und ganz besonders: Hass auf die Serben. Auch mit Ihren Eltern scheint die Autorin ein ernstes Problem gehabt zu haben: in Mladic erkennt sie ihren Vater wieder, in Mira Markovic (Milosevics Ehefrau) Ihre Mutter und kaum wurde die "Ähnlichkeit" erkannt zögert die Autorin nicht alle anderen Eigenschaften ihrer Eltern zu übertragen was zu einer Mutmaßung über die Gründe für den Selbstmord von Mladics Tochter (als deren Seelenverwandte sie sich fühlt ohne sie jemals getroffen zu haben) oder in der Behauptung das Ehepaar Milosevic sei autistisch (!!) ausufert.(So wir ein von Milosevic vor dem Tribunal angesprochener Teilfaktor für den Konflikt, nämlich die Finanzierung und Förderung des Bürgerkriegs von außen wird von ihr durch Verweis auf ebendiesen Autismus "entkräftet"!!!)

Des Weiteren schreckt die Autorin nicht davor zurück die Angeklagten zu beleidigen und herabzusetzen (sodass man verleitet wird mit den Angeklagten zu sympathisieren) , das Wort "mutmaßlich" gehört anscheinend nicht zu ihrem Wortschatz und ihre Serbenfeindlichkeit ist auf jeder Seite zu spüren (das geht so weit, dass die Autorin andeutet für Serbien sei zwar das Den Haager Tribunal notwendig, Kroatien könne über seine Kriegsverbrecher aber mittlerweile selbst richten), und diese Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen.

Fazit:
Nach der Lektüre dieser respektlosen 195 Seiten weiß man genau so wenig von der Wahrheit wie zuvor aber (-und das ist das einzige positive an diesem Buch, und der Grund wieso ich überhaupt einen Stern verleihe -) zumindest wird man davon überzeugt dass die im Buch gelieferte Version (und somit auch die der westlichen Berichterstattung) weit davon entfernt ist, und man wird der Propaganda in den Medien nicht mehr trauen und sich auf die Suche nach einem anderen objektiveren Buch machen, so wie ich es jetzt tun werde.

PS: Ich möchte darauf hinweisen dass ein Bürgerkrieg eine ernstere und kompliziertere Angelegenheit ist als der Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter, deswegen ist davon Abstand zu nehmen eine Scheinabhandlung von Ersterem als Vorwand für die Ziele von Letzterem zu nehmen.

A.K.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen durchaus lesenswert, 21. Januar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
Jeder von uns hat seine Vorurteile und seine Meinung zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien und mir kommt es vor, keiner wird mit diesem Buch zu 100% übereinstimmen können. Krieg ist eine schmutzige Sache und es wäre irreal zu behaupten es hätte nie ein Kroate einen serben getötet und Slavenka Drakulic zeigt, wie zB ein jeder Kroate gespalten ist...hätte er ihn töten sollen, kriegsverbrecher werden, oder seine Familie und sein Land beschützen? Allerdings verneint sie nie wer Agressor und wer der Angegriffene in diesem Krieg war. Sie zeigt auch die erschreckende "menschliche Seite" der "Monster" die in Haag im Gefängnis sitzen. Es ist zeitweise erschreckend, was für ein gutes Leben ein Slobodan Milosevic eigentlich führt. Während dieses Buch geschrieben wurde saß der kroatische General Tihomir Blaskic auch noch im Gefängnis und war zu 45 Jahren wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Dann jedoch, wurde das Urteil wegen "Irrtums" zurückgezogen und er wurde nach 7-8 Haft Jahren freigelassen. In seiner Heimeit wurde er gefeiert. Es wundert mich nicht dass man nach diesem Fall diesem "unabhängigen Kriegstribunal" misstraut. Vorallem wenn man weiß was für ein schutziges Spiel Europa in diesem Krieg gespielt hat. Dieses Beispiel zeigt, dass nicht alles schwarz und weiß ist und man viel zu leichtfertig über Dinge urteilt von denen man viel zu wenig weiß. Für mich eine leicht erschreckende Erkenntnis....
Ein Buch, dass man gelesen haben sollte, aber meiner Meinung nach nicht ohne gewisses Vorwissen. Es soll nicht belehren sondern zum Denken anregen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen zu unklar, 7. November 2005
Von Ein Kunde
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (Gebundene Ausgabe)
so interressant das buch auch scheint und die rezensionen dazu sind fehlt mir in dem buch doch wesentliches. eine nicht-außen-stehende berichtet also über die den haag prozesse und beleuchtet die (möglichen) hintergründe einiger angeklagten zu ihren untaten. aber eines ist stets das resumee: es ist halt so und es gibt keinen grund dafür. keine trauer, keine wut, keine persönlich geprägte aussagen. das klingt mir einfach zu oft nach resignation gegenüber etwas schwer begreiflichen.
werden die großen machthabe noch als opfer ihrer familenprägung oder ihres machtstrebens dargestellt, so werden die "kleinen" fische als ganz normale menschen beschrieben, die halt einen aussetzer hatten und sowieso nie verstehen werden was sie da getan haben. das ist - finde ich - nun doch zu einfach, oder einfach zu weiblich vergebend.
im moment wo ich dies schreibe herrschen in paris chaos wegen der randalierenden jungen leute. es entlädt sich keinesfalls ein hass auf jemanden, sondern die pure lust an der ohnmacht der obrigkeit scheint hier triebfeder zu sein. zerstören, brandschatzen und sogar morden unter dem schutz eines "gegen jemanden sein". selbiges erlebten wir hinter unserem zaun auch im ehemaligen jugoslawien. jeder konnte sich in diesem macht-teilhaben erproben und viele nutzten dies. und es wird leider an jedem ort der welt nicht anders sein. in diesem buch wäre die chance gegeben gewesen diesen wahnsinn in einer nachbetrachtung zu erörtern.... ging leider knapp daran vorbei.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0xad61bc00)

Dieses Produkt

Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht
Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht von Slavenka Drakulic (Gebundene Ausgabe - 15. März 2004)
Gebraucht & neu ab: EUR 8,77
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen