Kundenrezensionen


4 Rezensionen
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhafter Roman, anspruchsvoll und sehr lesbar zugleich, 8. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Standarte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein fesselnder Roman vor dem Hintergrund der zerfallenden Donaumonarchie. Die anschauliche Schilderung und der spannende Handlungsablauf lassen dem Leser keine Atempause - dieses Buch sollte eigentlich den Rang eines Bestsellers haben. Obwohl sich das Werk leicht liest, bleibt ein tieferer Eindruck zurück, und gerade darin sehe ich das Besondere an der "Standarte". Denn hinter der drängenden Handlung, die von der geordneten Welt der alten Monarchie auf das Chaos von Revolution und Umbruch zusteuert, erleben wir auf Schritt und Tritt den Zerfall der Werte. Der Leser der heutigen Zeit wird aber nachspüren können, dass das Thema der verlorenen Werte ein allgemeingültiges ist, dem sich jede Generation stellen muss. Gerade die rasante politische Entwicklung unserer Zeit laesst das Zeitlose hinter den Erlebnissen des k.u.k. Offiziers erkennen, das sich hier so gelungen "historisch" kostümiert hat. Ich kann angesichts dieses Romans und des reichen literarischen Oeuvres des Autors nicht verstehen, warum Alexander Lernet-Holenia heute so vernachlaessigt wird und die meisten seiner Romane dem Leser nicht mehr zugänglich sind. Es wäre an der Zeit, sich wieder an den grossen österreichischen Romancier zu erinnern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der fünfte Stern ist leicht umwölkt, 8. August 2005
Von 
Werner Fletcher (Delbrück Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
"Die Toten waren jetzt die Lebenden, und die Lebenden waren die Toten."
Alexander Lernet-Holenia, der als junger Offizier den ersten Weltkrieg miterlebt hat, verarbeitete seine Eindrücke und Erlebnisse aus diesem Krieg in dem hier vorliegenden Roman. Er schildert den Zersetzungsprozeß, dem das Vielvölkergemisch Österreich-Ungarns gegen Ende des Krieges unterworfen war, bis hin zu seiner Auflösung in Anarchie und Chaos.
Der Dualismus, die Doppelnatur alles Seienden, der aus dem oben angeführten Zitat spricht, ist bezeichnend für Lernet-Holenia. Seine Personen durchleben immer wieder die Unsicherheit einer Identitätskrise, der Fähnrich Menis als Hauptperson macht eine solche Krise durch, und ganz tief im Geheimnisvollen verborgen liegt die Identität des Rittmeisters Hackenberg, der etwas Gespenstisches an sich hat, er scheint gar nicht er selbst zu sein, sondern vielmehr von einem Dämon besessen, der auf unheimliche Weise ins Schicksal der Menschen einzugreifen vermag. Lernet-Holenia drückt es so aus: "Damals ist Ungeheures geschehen. Warum sollte, in so gewaltigen Momenten, das Unsichtbare nicht wirklich, und deutlicher als sonst, waltend in das Sichtbare herübergegriffen haben." Diesen symbolhaft wirkenden Gestalten, wie in diesem speziellen Fall dem Rittmeister Hackenberg, die scheinbar den Gang der Dinge beeinflussen können, begegnet man immer wieder in den Romanen Lernet-Holenias, der sich, bevor er zum Roman kam, vorwiegend mit Dramen und Lyrik befaßt hat.
Die mangelnde thematische Vielfalt, das immer wieder in neuen Varianten aufgegriffene zentrale Thema der gespaltenen Persönlichkeit, ist dem Autor von einigen Kritikern vorgehalten worden. Sie mögen damit Recht haben, trotzdem sind seine Romane durch die Bank lesenswert. Das gilt natürlich auch für dieses Buch, obwohl es sich nach meinem Dafürhalten dabei nicht um das beste Werk des Autors handelt.
In "Die Standarte" spielt logischerweise auch der Einfluß der Kriegserlebnisse auf die menschliche Psyche eine tragende Rolle. Aber ich möchte möglichst wenig von der eigentlichen Handlung verraten und nicht mehr dazu sagen. Leider haben Rezensenten vor mir viel zu ausgiebig (nach meinem Geschmack) den Inhalt des Buches einfach nacherzählt.
Zum Abschluß noch ein bezeichnendes Zitat Lernet-Holenias zum Krieg und zur Dialektik von Leben und Tod: "Sie selbst waren aus dem Felde nicht mehr zurückgekehrt. Was zurückgekehrt war, waren Schemen. Die Lebenden, die zurückgekehrt waren, waren selber die Toten."
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte spannend verpackt, 15. Mai 2005
Eine Geschichte, die den Geist der damaligen Zeit und die Meinung der Leute gegenüber der Monarchie deutlich zum Ausdruck bringt.
Der Roman, „Die Standarte", handelt von den Erfahrungen des Fähnrichs und späteren Standartenträgers Herbert Menis. Anfangs wird die Geschichte von einem Unbekannten eingeleitet, aber bereits im zweiten Kapitel übernimmt Herbert Menis die Rolle des Erzählers.
Er schildert, wie er im Jahre 1918 an der Front verwundet wurde und anschließend als Ordonnanzoffizier einem anderen Armeekommando beitrat. Dieses Armeekommando war in Belgrad stationiert und gleich an seinem ersten Abend besuchte er dort die Oper. Doch das sollte ihm zum Verhängnis werden, denn dort sah er in der Ehrenloge das schönste Mädchen, welches er je gesehen hatte. Eigentlich klingt das ja ganz wie eine moderne Liebesgeschichte, der einzige Unterschied ist allerdings die Kriegszeit.
Menis meldete sich in der Loge und bat der jungen Dame vorgestellt zu werden - Resa war ihr Name. Die beiden, wie sollte es auch anders sein, verliebten sich ineinander. Doch leider wurde Herbert Menis gerade wegen dieser Vorstellungsaktion strafversetzt, aber lediglich zu einem Regiment das zufälligerweise ganz in der Nähe lagerte.
Menis fand sich noch in derselben Nacht dort ein, ritt allerdings schon in der darauffolgenden Nacht zu seiner Resa. Doch der Krieg macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Herbert Menis Regiment, dessen Standarte ihn in seinen Bann gezogen hatte, sollte über die Donau gegen die Front reiten, im Wissen, dass es ein heilloses Unterfangen war. Um das Übel noch zu vergrößern, weigertenn sich auch noch die Mitglieder der Kavallerie über die Donau zu gehen, da ihnen dort der Tod sicher war. Der Hauptmann ließ sie daraufhin alle unter Beschuss nehmen und viele verloren dabei ihr Leben. Menis allerdings bekam als dienstältester Fähnrich die Standarte zugesprochen und fühlte sich ihr nun voll und ganz unterlegen. Er wollte sie beschützen, koste es was es wolle, auch wenn es sein Leben sein sollte.
Die Truppe ritt in Belgrad ein, doch bald darauf kamen auch schon die Briten und nahmen alles in Besitz. Resa, Menis und einige andere Offiziere versteckten sich im Kornak, ermordeten einen englischen Offizier und flüchteten durch einen Geheimgang. Auf ihrem Weg in die Freiheit trug Menis die Standarte die ganze Zeit an seinem Körper, aus Angst ihr könne etwas zustoßen. Ganz genau wußte er zwar nicht, warum er dies alles auf sich nahm, doch er musste es einfach tun.
Als er schließlich über die österreichische Grenze kam, allerdings ohne seine Resa und seinen Diener, da er diese verlassen musste, sowie auch ohne zwei seiner Freunde, da sie den Tod fanden, ist er gerade zur rechten Zeit angekommen um den Kaiser und dessen Familie flüchten zu sehen und der Verbrennung all der Kriegsfahnen und Standarten beiwohnen zu müssen. Hierauf warf auch er die Standarte in die Flammen und kehrte zu Resa zurück.
Wenn man den Roman rein vom inhaltlichen betrachtet, wirkt er nicht wie ein Werk, welches sehr genau auf die Einstellung der Leute gegenüber dem Kaiser und dem Weltkrieg Bezug nimmt, doch täuscht dieser Eindruck. Lernet-Holenia schildert verpackt in einem spannenden Roman, der sich beinahe wie ein Krimi liest, wie sich die verschieden Völkergruppen innerhalb von Österreich mehr und mehr dem Nationalismus zusprachen und begannen, statt für das Ganze, lediglich für einen Teil zu kämpfen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abgehobene Offizierswelt, 15. Juli 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Standarte: Roman (Gebundene Ausgabe)
In diesem Werk lässt sich eindrucksvoll die abgehobene Gedankenwelt der Offiziere des untergehenden "Heiligen Reiches" nachvollziehen. Während sie selbst noch die Annehmlichkeiten der Elite genießen, entgeht ihnen der Zusammenbruch der Welt, die sie zu verteidigen glauben. Sie haben einen Eid geschworen auf etwas, das sich ihnen bereits völlig entzogen hat. Sie wissen eigentlich gar nicht mehr wer gegen wen und warum Krieg führt, aber es wird einfach Krieg und Armee gespielt - eine andere Existenzberechtigung haben sie nicht. Als sie von der Realität eingeholt werden, müssen sie erkennen, dass diejenigen denen sie die die Treue geschworen haben und an deren Eid sie sich mit letzter Kraft nun klammern, ihnen schon lange den Rücken zugedreht haben.
Ein durchaus interessantes Werk, das aber nicht schwer zu lesen ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die Standarte: Roman
Die Standarte: Roman von Alexander Lernet-Holenia (Gebundene Ausgabe - 16. September 1996)
Gebraucht & neu ab: EUR 9,98
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen