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4.0 von 5 Sternen Kurzgeschichten, die Dr. James gefallen hätten, 17. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Herr, erbarme dich meiner. Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Nur um das zu klären: Dr. James (= Dr. Montague Rhodes James) war ein englischer Autor des Unheimlichen, der drei Regeln für unheimliche Geschichten aufstellte: 1. Ansiedlung der Handlung im unmittelbaren (zeitlichen) Umfeld des Lesers, 2. Konzentration darauf, Angst hervorzurufen und 3. keine zu wissenschaftliche/ fachspezifische Sprache.

Leo Perutz fällt mit seinen unheimlichen historischen Romanen zwar oft aus diesem vorgegebenen Rahmen, in der Mehrheit seiner Kurzgeschichten hält er sich jedoch daran. Besonders hervorzuheben sind in der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung "Der Mond lacht", "Nur ein Druck auf den Knopf" und "Pour avoir bien servi" (letzteres zwar mit französischem Titel, die Geschichte ist allerdings auf Deutsch geschrieben und der Titel wird in der Geschichte auch übersetzt).

"Nur ein Druck auf den Knopf" hält sich beispielsweise strengstens an die James'schen Regeln, indem es mit dem Gespräch zweier flüchtiger Bekannter einsetzt, die beide aus dem österreichisch-ungarischen Raum nach Amerika ausgewandert sind, sich dort zufällig treffen und zusammen etwas trinken. Dabei erzählt der eine von seinem Grund, seine Heimat zu verlassen. All das wirkt so authentisch, so banal zunächst, daß man den Eindruck hat, man würde tatsächlich als unbeteiligter Passant das Gespräch zweier Fremder mithören. Der Schreibstil scheint der eines echten Gesprächsprotokolls zu sein, die beiden unterhalten sich über ihre Lebensumstände, die, obwohl sie das frühe 20. Jhd. abbilden, auch dem Menschen des frühen 21. Jhd. nicht allzu fremd sind. James-Punkt 1 ist also gewahrt: Wir befinden uns in einer Alltagssituation, die uns genauso zustoßen könnte. James-Punkt 2 erfüllt Perutz mit der Pointe der Geschichte, die ich hier allerdings noch nicht verraten möchte - der Auswanderer hat etwas extrem beängstigendes erlebt und darum sein Land verlassen. Das ganze wird - James-Punkt 3 gemäß - jedoch bis zum Schluß in Alltagssprache durcherzählt, also ohne großartiges lateinisches Geistervokabular oder ähnliches. Gerade darum ist es aber umso schreckenerregender, weil man unmittelbar aus einer Alltagssituation, die den Erzähler als absolut glaubwürdig erscheinen läßt, in einen Abgrund des Phantastischen geworfen wird. Die Pointe der Geschichte wurde meines Wissens nach auch noch nie so durchdacht, wie es hier der Fall ist; das Verlangen nach etwas interessantem, neuen wird also auch gestillt. Was die Geschichten insgesamt betrifft, gibt es in dem Band nur eine, die ich weniger gut finde und nur zwei, denen etwas der unheimliche Unterbau fehlt (insgesamt sind es 9 Einzelerzählungen). In den übrigen 6 Fällen scheint ganz deutlich Perutz' Genie durch. Also: Unbedingt lesen!
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Herr, erbarme dich meiner. Erzählungen
Herr, erbarme dich meiner. Erzählungen von Leo Perutz (Gebundene Ausgabe - 1985)
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