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am 11. März 2012
Seitdem ihre Mutter gestorben ist, verbringt Mascha ihre Sommerferien bei ihren Großeltern. Dort ist es zwar langweilig und es gibt kaum Kinder in ihrem Alter, mit denen sie sich unterhalten könnte, aber ihr Vater braucht einmal im Jahr Zeit, um alleine über den Tod seiner Frau trauern zu können.Doch dieses Jahr kommt alles anderes: Mascha wird indirekt Zeuger von Kindesmisshandlung der brutalsten Art. Julia und Max, mit denen Mascha sich einige Tage zuvor angefreundet hatte, haben am ganzen Körper blauen Flecken und Schnittwunden. Mascha beschließt zu handeln. Doch die Erwachsenen im Dorf ihrer Großeltern wollen von all dem nicht wissen. Ihnen ist ihr Ruf und das gute nachbarliche Zusammenleben mehr wert, als das Leben zweier Kinder. Mascha sieht keinen Ausweg und fasst kurzerhand einen Entschluss, der nicht folgenlos bleiben wird...

Noch nie zuvor habe ich ein Buch gelesen, dessen Titel den kompletten Inhalt so sehr auf den Punkt bringt. Denn Kindesmisshandlung ist ein riesiges Problem, genau wie Elefanten riesig sind. Doch Elefanten sind nicht zu übersehen und da stellt sich die Frage, ob das daher nicht auch bei Kindesmisshandlung der Fall sein sollte. Leider ist dem nicht so. Viele Menschen schließen aus Angst vor den Konsequenzen für sich selbst die Augen und flüchten sich in Ausreden, die eigentlich unmöglich zu glauben sind. Wie man einen so komplexen Sachverhalt mit nur einem Satz so konkret auf den Punkt bringen kann, finde ich einfach nur faszinierend!

Und genauso ist auch der Roman: faszinierend und atemberaubend zugleich. Man liest schockiert von den Taten des Vaters, der seine eigenen Kinder misshandelt; von der Mutter, die selbst geschlagen wird, jedoch nicht die Kraft aufbringt, etwas zu unternehmen; von den Einwohnern, die die Augen verschließen, obwohl sie es genau wissen, nur um ihr gewohntes, sicheres Leben weiterführen zu können; von Julia, die sich selbst die Schuld gibt und ihren Vater in Schutz nimmt; von Max, der von allen gehänselt wird und seine Aggressionen an einem imaginären Freund auslässt und schließlich von Mascha, die sich nicht anders zu helfen weiß, als zu einer drastischen Maßnahme zu greifen.

Die Autorin hat eine so angenehme Art und Weise zu schreiben, dass man als Leser komplett in der Geschichte versinkt. Der Sprachgebrauch ist einfach wunderbar. Maschas Gedanken wirken teilweise so poetisch und melancholisch, und dennoch sind sie der Sprache eines Mädchens von 13 Jahren angepasst. Mascha bringt ihre Gedanken gezielt auf den Punkt und braucht keine Umschreibungen um ihre Gefühle auszudrücken. Der Leser erfährt aus erster Hand, was in ihr vorgeht und wieso sie sich so verhält, wie sie es nunmal tut.

"Elefanten sieht man nicht" hat mich wirklich sehr berührt. Vorallem der kleine Max hat mich das eine oder andere Mal dazu veranlasst, mir eine Träne zu verkneifen. Ich weine eigentlich nie bei Büchern, doch dieses Mal war ich ganz kurz davor. Zu bewegend ist das Schicksal der beiden Kinder, die für ihr Alter einfach viel zu reif sind. Vorallem Julia mit ihren 9 Jahren verhält sich teilweise viel erwachsener als Mascha, die doch 4 Jahre älter ist. Wie das bei misshandelten Kindern eben so ist, begreifen auch Max und Julia nicht, dass ihr Vater einfach nur aggressiv und bösartig ist und suchen die Schuld bei sich. Das zu lesen tut einfach nur wahnsinnig weh. Zwischendurch musst ich das Buch weglegen, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, von so viele Trauer zu lesen.

Regelrecht wütend war ich auf die Bewohner des Dorfes und vorallem auf Maschas Großmutter. Sie ist eine so ignorante alte Frau, wie sie sicherlich jeder aus dem eigenen Umfeld kennt. Sie glaubt nichtmal ihrer eigenen Enkeltochter und ist wütend darüber, dass Mascha den beiden Kindern helfen will. Und das alles nur, weil sie sich um ihren guten Ruf fürchtet. Sie hat Angst, bald nicht mehr angesehen zu sein und bei den kleinen spießigen Grillfesten nicht mehr dabei sein zu dürfen. Das ganze Dorf ist so engstirnig und einfältig, dass ich manchmal vor Wut schreien wollte, auch wenn es "nur" eine Geschichte ist.

Gerade das Ende von "Elfanten sieht man nicht" wirkte auf mich so realistisch, wie es nur geht. Wie werden nicht mit einem Happy End abgefertigt, dass uns all die schlimmen Dinge, die im Verlauf der Geschichte passiert sind, vergessen lässt. Stattdessen lässt die Autorin uns frei entscheiden, wie die Geschichte weiter gehen könnte. Ein Happy End hätte einfach nicht in die Geschichte gepasst und hätte nicht authentisch gewirkt. So wie der Roman ausgeht, ist es, wie ich finde, einfach nur perfekt.

Dennoch gibt es einen Kritikpunkt, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Wie ich finde, hat Mascha ihrem Alter nicht entsprechend gehandelt. Sie tut Dinge, die so unüberlegt und einfach wirklich unklug sind, dass man nur den Kopf darüber schütteln kann. Ich glaube, eine Dreizehnjährige hat durchaus die geistige Reife, auch in Ausnahmesituationen überlegt zu handeln und sich nicht noch tiefer in die Katastrophe hineinzureiten. Denn was Mascha tut, tut sie zwar aus der richtigen Motivation heraus, dennoch ist es so falsch, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass ein junger Teenager noch auf solche Gedanken kommen kann. Im Laufe der Handlung werden Maschas Gedanken immer absurder und realitätsfernen, dass ich sie irgendwann leider nicht mehr ernst nehmen konnte. Daher hat mir der Mittelteil der Geschichte nicht gefallen.

Kurzum: "Elefanten sieht man nicht" ist ein unglaublich bewegender Roman. Auch wenn ich Maschas Handlungen für überspitzt und zu sehr dramatisiert halte, finde ich die Kernaussage des Roman einfach überwältigend. Nicht viele Autoren trauen sich an so ein gewagtes Thema und ich ziehe meinen Hut vor Frau Kreller, da ihr die Umsetzung im Großen und Ganzen wirklich gut gelungen ist. Wer eine berührende Geschichte mit einem authentisch umgesetzten Thema, das leider in der heutigen Gesellschaft viel zu wenig angesprochen wird, lesen möchte der sollte sich "Elefanten sieht man nicht" nicht entgehen lassen.
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am 24. Februar 2012
Dieser äußerst packenden Jugendroman thematisiert häusliche Gewalt gegen Kinder, aber eigentlich entlarvt die 13-jährige Ich-Erzählerin, die Zeugin der Gewalt wird, schonungslos die kleinbürgerliche Fassadenidylle in der Welt ihrer Großeltern. Dass sie dabei immer wieder zweifelt, mit sich ringt und am Ende nur einen Ausweg sieht, diesen aber mutig beschreitet, das ist das bewegende an diesem Roman. Es ist beeindruckend, wie es der Autorin gelingt, das Gefühlsleben der Erzählerin einzufangen und mit welch sprachlichem Geschick sie die beklemmende Enge der kleinbürgerlichen Spießerwelt beschreibt... Eine Empfehlung von der ersten bis zur letzten Seite. Lesen!
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am 20. Juli 2012
Jedes zehnte Kind wird Opfer von Gewalt in der eigenen Familie. In dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« erzählt Susan Kreller die ergreifende Geschichte von Mascha, einem dreizehnjährigen, sehr mutigen Mädchen, das nicht verstehen kann, warum die Erwachsenen nicht sehen wollen, was sie sieht: Dass ihre beiden Freunde von ihrem Vater misshandelt werden.

Mascha verbringt die Sommerferien wie jedes Jahr bei ihren Großeltern, die in einer piekfeiner Siedlung leben, in der die Welt noch in Ordnung ist. In der Nachbarschaft kennt man sich, man feiert Grillpartys und geht zusammen in den Schützenverein. Auch wenn das für die dreizehnjährige oft ziemlich langweilig ist, fühlt sie sich eigentlich ganz wohl bei ihren Großeltern. Sie verbringt ihre Tage auf dem Spielplatz und lernt dort Julia und Max kennen. Die beiden sind verschlossen, außerdem lachen und spielen sie nie. Auf den ersten Blick erkennt sie, dass mit den beiden etwas ganz und gar nicht stimmt.

Als Mascha die vielen blauen Flecken auf den Körpern von Julia und Max entdeckt und anschließend beobachtet, wie der kleine Junge von seinem Vater geschlagen wird, will sie nicht mehr länger den Mund halten und ist fest dazu entschlossen den Kindern zu helfen. Doch davon will Maschas Familie nichts hören und auch die Polizei glaubt ihr nicht. Deshalb entscheidet sie, die beiden auf eigene Faust aus der ausweglosen Situation zu befreien ' und dabei macht sie einen folgenreichen Fehler.

Obwohl das ganze Dorf von den Kindesmisshandlungen weiß, ist niemand dazu bereit, Julia und Max zu helfen ' ganz im Gegenteil: Die Erwachsenen behaupten sogar, Mascha erzähle Lügen, obwohl sie es besser wissen. Die Situation wird tot geschwiegen und ist damit typisch für häusliche Gewalt. Die Geschichte von Mascha könnte jederzeit genau so passieren, wie die Autorin sie schildert und liegt daher umso schwerer im Magen. Es bleibt zu hoffen, dass es mehr Menschen wie Mascha gibt, die mit offenen Augen durch die Welt laufen und nicht davor scheuen, Zivilcourage zu leisten.

Susanne Kreller behandelt das Thema ohne den Leser mit schrecklichen Gewalttaten zu schockieren (wie es beispielsweise in »Sie nannten mich 'Es'« der Fall ist) oder den Zeigefinger zu erheben. Stattdessen macht sie bewusst, dass es manchmal auch richtig sein kann, etwas Falsches zu tun und dass nicht immer alles nur schwarz oder weiß ist. »Elefanten sieht man nicht« ist ein emotionsgeladenes, hochsensibles Buch zum Thema Gewalt und nicht nur eine empfehlenswerte Lektüre für Jugendlich ab 14 Jahren, sondern auch für Erwachsene geeignet.
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am 10. März 2012
Elefanten, groß, grau und imposant und eigentlich nicht zu übersehen.
Aber wenn man einfach wegschaut, dann sieht man auch den größten von ihnen nicht, dann ist das Blickfeld leer und man sieht nur eine schöne Landschaft, ohne Makel, ohne "störenden Elefant".

Elefanten als Metapher für ein Problem, welches so schockierend und tief ergreifend ist, Kindesmisshandlung.
Aus der Sicht der 13 jährigen Mascha erzählt die Autorin eine Geschichte wie sie jeden Tag passiert.
Kinder geraten in Not, alle wissen es, aber keiner tut was.
Wir blicken hinter die Kulisse eines Dorfes, wo man lieber wegschaut, als zu helfen und wo die ländliche Idylle aufrechterhalten werden muss, auf Kosten des Leids zweier Kinder.
Warum sich in andere Angelegenheiten mischen, warum etwas aufrühren, was doch hinter verschlossenen Türen leise geschieht?

Doch Mascha kann nicht wegsehen, kann nicht untätig bleiben und versteht nicht, warum Erwachsene nicht sehen wollen was sie sieht. Sie versteht nicht, warum keiner etwas tut, wo doch Hilfe so dringend notwendig ist.
Mit kindlicher Naivität zeigt sie mehr Einfühlungsvermögen und Verantwortung als jeder Erwachsene, auch wenn dahingestellt bleibt, ob ihre Vorgehensweise richtig ist.

Ob das Buch jetzt für Jungendliche wirklich geeignet ist, kann ich nicht genau sagen. Fehlt es den Heranwachsenden doch oft noch an Lebenserfahrung um die wahren Konsequenzen dieses Buches zu verstehen.
Aber die Botschaft, welches diese Geschichte vermittelt ist eindeutig und für jeden verständlich:
Lieber etwas falsches machen, als gar nichts!
Lieber durch die eigene "Straftat" den Blick auf den "Elefanten" richten, damit er endlich gesehen wird, in seiner ganzen Kraft und deren Tragweite.

Mein Fazit
Ein Buch für Jugendliche und Erwachsene über ein Thema, das nicht mehr stillgeschwiegen werden sollte!
Ein Buch zum diskutieren und zum darüber reden!
Ein Buch das auf und wach rüttelt.
Einfühlsam und ergreifend erzählt.
Eine Aufforderung an alle:
NICHT WEGSCHAUEN SONDERN HANDLEN!!!
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am 24. November 2013
Ein Buch, in dem die Oma anfangs schon den Kaffee kalt rührt, in dem es zwar gelegentlich Gespräche mit richtiger Sahne gibt, aber viele Gardinen wackeln und eigentlich immer alle am liebsten woanders sind, kann konsequenterweise nur mit dem Unpassendsten und dringendst Benötigten: einem Aufladegerät enden. Solche kleinen Details entscheiden genauso über die Größe einer Story wie wichtige und augenfälligere natürlich, etwa, dass die Kinder am Ende unversöhnt auseinandergehen.
Die Frage nach der Realitätsnähe oder -ferne verdient Ergänzungen, keine Frage. Die Überlegungen zur Altersgemäßheit treffen jedoch genauso wenig wie die nach dem dörflichen Totschweigen. Kinder - insbesondere solche mit traumatischen Erfahrungen - denken und handeln selten erwartungsgemäß, und das kollektive Wegsehen ist hoffent- und sicherlich der Ausreißer, aber - wie immer wiederkehrende Zeitungsmeldungen zeigen - entsetzliche Realität, die nicht oft genug angeprangert werden kann.
Daher: Danke, liebe Susan, für dein tolles Buch!
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TOP 1000 REZENSENTam 2. August 2012
Die 13jährige Mascha verbringt jeden Sommer ihre Ferien bei ihren Großeltern im langweiligen Barenburg. Dieses Jahr trifft sie auf dem Spielplatz die Geschwister Julia und Max Brandner, neun und sieben Jahre alt. Zunächst wundert sie sich über deren merkwürdiges Verhalten. Max ist in sich gekehrt, übergewichtig, aggressiv und wird gehänselt. Mascha wird einiges klar, als sie blaue Flecke und Wunden an den beiden sieht. Als sie sich an Erwachsene wendet und von ihnen abgewiegelt wird, weiß sie sich nicht anders zu helfen. Sie weiß nur, dass sie etwas tun muss und trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Der Klappentext kündigt bereits an, dass es manchmal besser ist, etwas Falsches zu tun als gar nichts. Und so kommt es dann auch. In ihrer Jugend, Naivität und Hilflosigkeit handelt Mascha einfach und erntet vom Leser Kopfschütteln und Respekt gleichzeitig. Und doch hofft man immer wieder, dass ihr ihr Handeln auch einmal bewusst wird. Gleichzeitig befindet man sich jedoch selbst mit ihr in der Zwickmühle: Ist das nicht besser, als das, was die Kinder zuhause erleben?
Mir ist dieses Buch unglaublich nah gegangen. Auf knapp 200 Seiten gelingt es der Autorin in ihrem Debütwerk, mich zu fesseln und mir eine wochen- und jahrelange Geschichte überzeugend und gefühlvoll zu vermitteln. Außer an der Perspektive der Protagonistin habe ich an keiner Stelle gemerkt, dass dies eigentlich ein Jugendbuch ist. Überzeugend wird die noch naive Weltsicht von Mascha und ihr Unverständnis über das Verhalten der Erwachsenen geschildert: "Du hast keine Ahnung, was du da sagst! Weißt du, wie peinlich das für uns ist, wenn du so was sagst? [...] Die Brandners würden das nie machen, nie würden die das machen, das sind angesehene Leute" (S. 40). Und auch wenn es zum Ende hin etwas moralisierend wirkt, erinnert mich die Ereigniskette doch an zahllose Beispiele aus der Presse, in denen erst Aktionismus auftritt, wenn das Geschehen an die Öffentlichkeit kommt.
Auch der Titel und die Metapher(n) gefallen mir. Angelehnt an eine englische Redewendung, in der ein Elefant im Zimmer ein unausgesprochenes Thema bedeutet (S. 7) wird der Titel des Buchs beim Lesen mehr als verständlich. Zudem sind Elefanten als Tiere auch bedeutungsvoll für die Kinder, da Max immer wieder als solcher beschimpft wird und sich gleichzeitig viel Mühe gibt, nicht gesehen zu werden.

Dieses Buch ist definitiv keine leichte Kost und junge Leser sollten damit nicht allein bleiben. "Elefanten sieht man nicht" ist es wert und gleichzeitig auch notwendig, diskutiert zu werden. Denn auch für mich ist nach dem Lesen nicht klar, wie man hätte richtig handeln können (im Gewissenskonflikt mit einem gegebenen Versprechen und das Alter von Mascha bedenkend) und dies bringt auch Maschas Großvater passend auf den Punkt: "Ich glaube, alles, was man tun kann, ist zwangsläufig ein wenig falsch" (S. 199).
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TOP 500 REZENSENTam 7. März 2012
Mascha ist 13 Jahre alt. Wie jeden Sommer, seit ihre Mutter tot ist, verbringt sie die Ferien bei den Großeltern. Diese leben in einer Siedlung, wo jeder jeden kennt, wo es Nachbarschaftsfeste und einen Schützenverein gibt und wo man am Gartenzaun ein Schwätzchen hält. Als Mascha die neunjährige Julia und den siebenjährigen Max kennenlernt, spürt sie schon gleich am Verhalten der Kinder, dass etwas nicht stimmt. Als sie dann noch zufällig die großen blauen Flecken an Julias Bauch und die Wunde an Max' Kopf sieht, weiß sie Bescheid. Sie beobachtet, wie der Vater der Kinder Max misshandelt. Nun ist es genug. Mascha sucht Unterstützung bei den Erwachsenen, bei Oma und Opa, bei den Nachbarn. Doch die sind Meister im Abwiegeln. In ihrer sauberen Siedlung gibt es so etwas nicht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Doch Mascha lässt sich nicht beirren. Sie fühlt sich für die beiden Kinder verantwortlich, da sie allein weiß, was wirklich passiert. In einer Art Kurzschlusshandlung greift sie zu einer drastischen Maßnahme, die sicher nicht das Richtige ist. Dabei verrennt sie sich immer mehr in ihre Aktion, schafft es aber nicht, den Stein, der ins Rollen gekommen ist, wieder aufzuhalten.

Susan Kreller greift in ihrem Debütroman ein leider ständig aktuelles und brisantes Thema auf. Dabei liegt das Hauptaugenmerk weniger auf den Misshandlungen der Kinder, es kommt fast nicht mehr als das oben Beschriebene vor, sondern mehr auf der Ignoranz der Mitmenschen. Jeder weiß Bescheid, doch keiner schaut hin. Elefanten sieht man nicht. Keiner will sich Ärger einhandeln. Alle wollen nur ihre Ruhe, nicht ihre friedliche Siedlung in Verruf bringen. Es ist der Autorin ganz toll gelungen, diese Verlogenheit der Siedlungsidylle darzustellen, und dazu die Verzweiflung von Mascha, die genau das nicht will: wegschauen. Sie weiß, es ist richtig zu handeln, aber sie weiß nicht, was sie tun kann, wenn die Erwachsenen ihr nicht zuhören und glauben wollen. Sie ist offensichtlich mit der Situation überfordert. Aber wenigstens handelt sie und beweist damit mehr Mut als die Erwachsenen.

Das ganze Buch ist aus Maschas Sicht in der Ich-Form geschrieben. So kann man sich super in das Mädchen hineinversetzen, bekommt ihre Gedanken, Gefühle, ihre Verzweiflung direkt mit und kann vieles, was einem Außenstehenden vielleicht unlogisch erscheinen würde, nachvollziehen. Die Sprache ist den jugendlichen Lesern angepasst. Sie ist leicht verständlich, aber keine Umgangssprache, es gibt keine komplizierten Sätze, dafür aber viele unwahrscheinlich schöne poetische Ausdrücke. Z. B. auf S. 178: "Selbst im Dunkeln konnte man erkennen, wie schön das blaue Haus da ins Gerstenmeer passte, still lag es da und ließ den Wind über sein Dach gleiten."

Fazit: Ein ganz fantastisches Debüt! Dieses Buch sollte jeder lesen, egal welchen Alters. Dabei ist es sicher gut, jüngere Leser nicht damit allein zu lassen, sondern mit ihnen darüber zu sprechen.
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am 29. Februar 2016
Wirklich, ich bin niemand, der andere Menschen umarmt, das hatte mir keiner beigebracht, aber in diesem Moment, in dem ich Max' Körper sah, in diesem Moment hätte ich das am liebsten getan. Ich hätte Max am liebsten umarmt und ihn so sehr an mich gedrückt, dass es keiner mehr wagen würde, ihm was anzutun, keiner! - Seite 112

Inhaltsangabe:
Mascha verbringt die Sommerferien immer bei ihren Großeltern. Seitdem ihre Mama gestorben ist, braucht ihr Papa einmal im Jahr Zeit für sich selbst, um alleine trauern zu können. Bei ihren Großeltern ist es ziemlich langweilig, bis Mascha Julia und Max, die beiden Geschwister, auf dem Spielplatz kennenlernt. Sie merkt jedoch sofort, dass mit den beiden etwas nicht stimmt. Eines Tages wird sie indirekt Zeugin schwerer Kindesmisshandlungen, als sie einen Blick in das Haus von Julia und Max erhascht. Die beiden Geschwister haben am ganzen Körper Schnittwunden und blaue Flecken. Als Mascha dies ihren Großeltern erzählt, wollen die von alldem nichts wissen. Mit den Nachbarn wollen sie keinen Ärger und schon gar keine Gerüchte verbreiten. Niemand will Mascha Glauben schenken und schon bald beschließt sie kurzerhand selbst etwas zu unternehmen.

Meine persönliche Meinung:
Ein Buch, dass ich in der Taschenbuchvorschau entdeckt habe. Der Klappentext ließ meine Neugierde sofort in die Höhe schlagen und ich wusste, dass dieses Buch unbedingt bei mir einziehen muss. Nun habe ich es bereits ausgelesen und ich kenne keine Geschichte, die mich jemals so wütend wie Elefanten sieht man nicht gemacht hat.

Mascha ist ein Mädchen, dass sich viel selbst beschäftigt, vor allem dann, wenn sie die Sommerferien bei ihren Großeltern verbringt. Sie schlendert gerne durch die Siedlung oder besucht in der Nähe einen Spielplatz. Sie beobachtet die fremden Kinder und so kam es, dass sie dadurch Julia und Max kennengelernt hat. Auch die beiden sind immer alleine aber zumindest gemeinsam unterwegs. Es ist Sommer und ein Tag ist heißer als der andere und trotzdem haben die beiden Geschwister immer langärmelige Sachen an. Mascha fragte sich stets, ob sie keine kurzen Sachen besitzen, bis sie eines Tages am Haus der beiden vorbei kommt und indirekt Zeugin schwerer Misshandlungen wird. Mascha läuft nach Hause um es ihren Großeltern zu erzählen, doch denen ist ihr Ruf und die gute Nachbarschaft wichtiger als irgendwelche Flausen im Kopf, die sich ihre Enkelin einfach nur eingebildet haben muss.

Ein Schreibstil und eine Erzählweise, die mich sofort in den Bann gezogen hat. Ich konnte und wollte das Buch nicht mehr zur Seite legen, als die Geschichte rasant in Fahrt gekommen ist. Mascha versucht nicht weiter ihre Großeltern zu überzeugen, dass Julia und Max zu Hause misshandelt werden, sondern schmiedet selbst einen Plan, wie sie den beiden helfen kann. Ihr Plan bleibt leider nicht ohne Folgen und doch hab ich Mascha wahnsinnig ins Herz geschlossen, denn sie hat die Augen vor dieser schlimmen Tat nicht verschlossen. Sie hat hingesehen und geholfen, während die ganze Nachbarschaft eigentlich schon viel länger von den Misshandlungen wusste, aber stets weggesehen haben. Und genau dies macht mich so wütend, weil es auch im realen Leben wahnsinnig oft genau so zugeht. Dieses Buch hat mir erst recht noch einmal die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass man wie Mascha sofort einschreiten muss, egal ob nur ein Fünkchen Wahrheit dran ist oder man sich tatsächlich getäuscht hat. Hört oder sieht man etwas, auf jeden Fall nicht die Augen verschließen sondern sofort handeln!

Susan Kreller hat eine Geschichte niedergeschrieben, die meiner Meinung nach eine absolut tolle Schullektüre wäre. In sehr vielen Familien herrscht häusliche Gewalt und es ist nicht schlimm sich helfen zu lassen oder sich jemanden anzuvertrauen. Während Julia und Max selbst sehr lange alles abstreiten, um ihre Eltern zu schützen und nicht noch mehr Prügel zu Hause zu bekommen, sind sie doch am Ende heilfroh, dass Mascha etwas gemerkt hat, auch wenn ihre Hilfe anfangs in die komplett andere Richtung geht und sie all das nicht verstehen können. Mascha erfindet eine komplette Lügengeschichte um die beiden zu retten.

Protagonisten die wahnsinnig stark und sehr gut dargestellt werden. Ich mochte alle drei sehr sehr gerne. In jeden einzelnen Charakter kann man sich wahnsinnig gut hineinfühlen, kann man die Gedanken, Ängste und Zweifel sehr sehr gut verstehen. Die Autorin beschreibt die Geschichte sehr detailgenau und man fühlt sich, als würde man all dies selbst beobachten.

Für mich hätte die Geschichte noch ein wenig mehr Seiten vertragen. Trotz der schweren Thematik war für mich dies eine eher sehr kurzweilige Geschichte. Auch an Mascha habe ich ein paar Kritikpunkte auszusetzen. Sie ist in der Geschichte dreizehn Jahre alt und doch handelt sie oftmals so unüberlegt und unreif, wie es eigentlich ein Mädchen in diesem Alter bestimmt nicht mehr tun würde. Desöfteren konnte ich über ihr Handeln einfach nur den Kopf schütteln. Maschas Gedanken wurden immer absurder und realitäsferner, wodurch ich sie nicht mehr wirklich ernst nehmen konnte.

Ein Ende, dass mir richtig gut gefallen hat. Man wird nicht mit einem Happy End abgefertigt. Die Autorin lässt den Leser frei entscheiden, wie die Geschichte weitergehen oder enden könnte. Elefanten sieht man nicht ist ein unglaublich bewegender Roman, der im Kopf noch lange Nachwirkungen haben wird. Frau Keller ist die Umsetzung eines so schwierigen Themas wirklich gut gelungen. Eine berührende Geschichte, die sich niemand entgehen lassen sollte.

www.beautybooks.at
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am 28. April 2012
Als sie Julia und Max zum ersten Mal auf dem Spielplatz begegnet, fallen Mascha zugleich diese merkwürdigen Flecken bei den beiden auf, die sie sich einfach nicht erklären kann. Durch Zufall blickt sie dann eines Tages durch das Fenster vom Haus der beiden und kann nicht glauben was sie sieht. Ihre schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt. Sogleich berichtet sie ihren Großeltern von ihrer grausamen Entdeckung, aber wer glaubt schon einer 13-jährigen. Es scheint jedoch, als ob das ganze Dorf eine Ahnung hat, nur jeder schaut weg. Doch Mascha kann einfach nicht wegschauen und beschließt zu handeln. Denn alles ist besser, als wegzusehen'

Elefanten sieht man nicht! Lieber wegschauen, ehe man selber Probleme bekommt. So scheint es jedenfalls die Gemeinde zu sehen, in der die Großeltern von Masha wohnen. Das Setting, welches Susan Kreller zeichnet, erscheint leider allzu real. Und man fragt sich nicht nur einmal, warum wird nur weggeschaut. Des Öfteren möchte man Personen einfach nur wachschütteln und ihnen die Augen öffnen. Durch die kindliche Unbekümmertheit und Weltsicht wird das schwierige Thema Kindesmisshandlung sehr schonend und trotzdem realistisch präsentiert. Die recht einfache Kindersprache spitzt die Schwere dieses Verbrechens noch zu. Die etwas kindlich unbeholfenen Beschreibungen der Situation durch Julia und besonders Max appellieren sehr an das Mitgefühl. Mascha beweist als einzige mit ihren 13 Jahren Zivilcourage und versucht auf ihre Weise zu helfen.

Ein Buch welches durch seine Aktualität besticht! Nicht nur durch das Thema Kindesmissbrauch, welches leider immer wieder in den Medien vertreten ist. Ebenso wird Zivilcourage immer häufiger diskutiert, auch wenn dies durch einen tragischen Vorfall ausgelöst wurde. Schau hin und blicke nicht weg, möchte bei jedem Kapitel erneut schreien. Kreller wirft interessante Fragen auf, die jeder nach dieser Lektüre für sich selber beantworten muss. Ein Buch welches auch noch Tage nach dem Beenden nachwirkt und zum Nachdenken anregt.
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am 11. März 2012
Klappentext:
Max atmete ruhig und gleichmäßig, nur manchmal schnarchte er leise. Julia hatte sich zusammengerollt, aber nicht so, als hätte sie Angst, eher, als hätte sie nichts mehr zu befürchten, weil draußen jemand Wache hält.

Und auf einmal kam mir der Gedanke, dass man Menschen beschützen kann. Ich drehte mich um und schlich zur Tür. Ich hörte den Gesang der Amseln und ein Autohupen in der Ferne, und ich hörte mein schlagendes Herz.
Ich schloss die Tür.
Drehte den Schlüssel zweimal herum.
Und dann rannte ich.

Meine Meinung:
Die 13-jährige Mascha verbringt ihre Sommerferien meistens bei ihren Großeltern, die in einer kleinen Siedlung leben, in der jeder jeden kennt. Sie fühlt sich dort relativ wohl, allerdings auch einsam, was sich ändert, als sie die neunjährige Julia und ihren kleinen Bruder Max auf einem Spielplatz kennenlernt. Zwar ist ihr das Verhalten der Kinder oft ein Rätsel, trotzdem ist sie froh, bekannte und liebenswürdige Menschen gefunden zu haben. Eines Tages entdeckt sie an Julias Bauch blaue Flecken und auch Max hat eine Verletzung auf seiner Stirn. Das Gesehene lässt Mascha nicht in Ruhe und einige Nachforschungen bringen schnell ans Tageslicht: Julia und Max werden von ihrem Vater geschlagen.
Hilfesuchend wendet sich die 13-jährige an die 'Erwachsenen', möchte den beiden Kinder aus der schrecklichen Situation helfen, doch alle verschließen die Augen vor dem Problem. Niemand will wahrhaben, dass in ihrer sauberen Siedlung so etwas stattfinden kann.
Mascha will der Situation nicht tatenlos zusehen und entscheidet sich zu handeln. Eine Handlung mit unabsehbaren Folgen.

Bis man sich in 'Elefanten sieht man nicht' einfindet, braucht es ein wenig Zeit. Das Mitgefühl war schon vorhanden, weil Kindesmisshandlung so etwas vermutlich automatisch auslöst, allerdings fiel es mir schwer, diese Gefühle wirklich durch die Geschichte zu erleben. Man lernt die einzelnen Charaktere kennen und sie lernen sich untereinander kenne. Mascha, die eher unnahbar wirkt, Julia die selbstsichere, tapfe und Max, der auf den ersten Blick in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Sie sind klar beschrieben und je mehr man von ihnen weiß, desto mehr kann man mit ihnen fühlen, sich auf ihre Geschichte einlassen.
Was ich einzig an den Personen auszusetzen habe ist eventuell, dass Mascha für ihre 13 Jahre doch relativ naiv auf mich wirkt. Kann sein, dass der Kontrast zu der doch, für ihr Alter, sehr erwachsenen Julia dieses Bild entstehen lässt, aber für mich gab es einige Handlungen, die nicht sonderlich nachvollziehbar sind.

Anders als erwartet schadet es der Geschichte allerdings nicht, es ist vielleicht alles ein bisschen überspitzt dargestellt, aber vielleicht braucht es genau das, damit die Menschen aufmerksamer sind. Ihr Augenmerk auch auf die kleinen Dinge richten, weil es die sind, die ein Gesamtbild erschaffen.

Die Situation und Reaktion in der Siedlung hat mich auf der einen Seite wütend gemacht, auf der anderen war sie einfach nur realistisch. Hinter vorgehaltener Hand wird einiges getratscht, einmischen möchte sich aber niemand, weil es nur Probleme geben könnte und sowieso selbst jeder wissen muss, wie man seine Kinder erzieht.
Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass man nicht aufgeben sollte, nur weil andere wegschauen, nicht zu hören wollen. Sicherlich ist es manchmal schwierig, sich durch die Widrigkeiten zu kämpfen, aber letztlich geht es darum, dass man niemals alleine ist, es gibt die Menschen, die zuhören und es lohnt sich, nicht aufzugeben, bis man an solch einen gerät.

Fazit:
Für mich war letztlich wirklich die Frage, inwieweit die Geschichte tatsächlich so geschehen sein könnte, wie sie die Autorin beschreibt und für mich bleiben einfach leise Zweifel übrig. Nicht alles überzeugt 100 %.

Trotzdem bleibt 'Elefanten sieht man nicht' ein wichtiges Buch, was erschreckt, aber hoffentlich vor allem aufrüttelt.
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