Kundenrezensionen


60 Rezensionen
5 Sterne:
 (14)
4 Sterne:
 (18)
3 Sterne:
 (15)
2 Sterne:
 (8)
1 Sterne:
 (5)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auch Lipizzaner sind zunächst schwarz
Der Tschetschene Issa flüchtet nach Hamburg. Die alternative Anwältin Annabel will seinen Aufenthalt legalisieren, um ihm das angestrebte Medizinstudium zu ermöglichen. Vielleicht ist Annabel naiv und Issa ein brandgefährlicher Islamist, der Terroranschläge plant. Das jedenfalls argwöhnen die die deutschen Verfassungsschützer. Der...
Veröffentlicht am 27. April 2009 von Dr. Peter Joham

versus
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unter Verdacht im Netz der Sicherheitsbehörden verfangen
Der junge und strenggläubige Moslem Issa reist illegal nach Deutschland ein und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie in Hamburg um Hilfe. Es stellt sich heraus, dass Issa, der starke Spuren fremder Gewalteinwirkung aufweist, Tschetschene ist und beabsichtigt, in Deutschland Medizin zu studieren. Issa lässt über die Anwältin einer...
Veröffentlicht am 26. Dezember 2009 von Ralf KvF


‹ Zurück | 1 26 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unter Verdacht im Netz der Sicherheitsbehörden verfangen, 26. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Der junge und strenggläubige Moslem Issa reist illegal nach Deutschland ein und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie in Hamburg um Hilfe. Es stellt sich heraus, dass Issa, der starke Spuren fremder Gewalteinwirkung aufweist, Tschetschene ist und beabsichtigt, in Deutschland Medizin zu studieren. Issa lässt über die Anwältin einer Flüchtlingshilfsorganisation die Verbindung zum britischen Bankhaus Brue Frères herstellen und Zugriff auf ein Nummernkonto verschaffen, das aus alten Geldwäschegeschäften des Bankhauses mit der russischen Organisierten Kriminalität stammt und durch den britischen Nachrichtendienst in Auftrag gegeben wurde. Wie sich herausstellt ist Issa der uneheliche tschetschenische Sohn eines russischen Offiziers, der für Großbritanien als Quelle des britischen Dienstes tätig war. Mit den Verbindungsbemühungen der Anwältin ist für Issa die Verbindung zum Inhaber des Bankhauses hergestellt, dessen Unterstützung er in Deutschland benötigt, um hier legal studieren zu können. Issa und den Inhaber des Bankhauses verbindet eine gemeinsame Vergangenheit iher Väter im Spionagemilieu aus der Zeit des Kalten Krieges. Beide müssen nun die unbewältigte Vergangenheit dieser Herren bewältigen.
Allerdings ist Issa als illegal eingewandeter Tschetschene und strenggläubiger Moslem in den Blickwinkel der deutschen Sicherheitsbehörden geraten, die nach 9/11 gerade diesen Personenkreis besonders beobachten. Im Rahmen ihrer weiteren Nachforschungen werden die Geheimnisse der Vergangenheit aufgedeckt und Issa gerät damit sogar ins Visier der internationalen Kooperation der Nachrichtendienste im Bereich der Terrorismusabwehr. Unter Führung deutscher Sicherheitsbehörden wird er mit seinem Erbteil des Nummernkontos Teil einer nachrichtendienstlichen Operation zur Durchdringung eines vermeintlichen islamistischen Netzwerkes. Die Operation endet mit einer "extraordinary rendition" der US-Dienste, die von deutscher Seite - entgegen den Planungen ihres eigenen verantwortlichen Operationsführers - bereitwillig geduldet wird.
Le Carré hat einen durchweg spannenden Spionageroman geschrieben, der ohne blutige Zwischenfälle auskommt und sich stattdessen auf die Darstellung nachrichtendienstlicher Arbeit konzentriert. Das Romanende ist etwas abrupt, zu kurz geraten und lässt mehrere Fragen offen.
Vor dem Hintergrund des Verhaltens deutscher Sicherheitsbehörden anlässlich des Münchner Oktoberfestes 2009 ist die Thematik des Buches aktueller denn je. Die zentrale Frage ist: Wie behandeln wir strenggläubige, junge Muslime, die sich im Umfeld oder der Nähe zur islamistischen Szene bewegen? Wie gehen wir mit Ihnen und den vermeintlichen Indizien um?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auch Lipizzaner sind zunächst schwarz, 27. April 2009
Von 
Dr. Peter Joham "pjoham" (Klagenfurt, Kärnten) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Der Tschetschene Issa flüchtet nach Hamburg. Die alternative Anwältin Annabel will seinen Aufenthalt legalisieren, um ihm das angestrebte Medizinstudium zu ermöglichen. Vielleicht ist Annabel naiv und Issa ein brandgefährlicher Islamist, der Terroranschläge plant. Das jedenfalls argwöhnen die die deutschen Verfassungsschützer. Der britische Geheimdienst wiederum zeigt Interesse an dem Umstand, dass der Verdächtige vom englischen Privatbankier Tommy Brue finanziell unterstützt wird. Und auch der CIA ist - wer könnte daran zweifeln - an Ort und Stelle zugange.
Eine wunderbare Parabel über die Frage, wer eigentlich die Terroristen sind, die es zu bekämpfen gilt. Jeder, der aus "Sicherheitsgründen" bei einer Pauschalreise am Flugplatz Gürtel, Kamm und Schlüsselbund ablegen muß, und jede, der daselbst "Terrorinstrumente" - die da sind Nagelfeile, Hautschere und Badelotion - von "Securities" mit nachgewiesenem Volksschulabschluss abgenommen werden, um ein angebliches Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen, kann nur hellauf begeistert sein. Feine Ironie, britischer Humor und unglaubliche Phantasie zeichnen auch diesen Roman des Altmeisters aus, der wiederum in beispielhafter Übersetzung (dafür sind Sabine Roth und Regina Rawlinson verantwortlich) vorliegt. Kein Buch für Leser, die Action und nicht Suspense lieben, mit Stil und Sprache nichts anzufangen wissen oder Bush gewählt haben. Ein Roman für Skeptiker des Sicherheitswahns und solche, denen Freiheit, Rechtsstaat und Menschenrechte am Herzen liegen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


56 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beklemmend, 12. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
"Marionetten" spielt in Hamburg, das ist schon mal ziemlich nah dran, und als ich mit diesem Buch gestern Abend durch war, fragte ich mich schon, wie nah an der Wirklichkeit das Szenario wohl ist und ob solche Dramen sich wohl tatsächlich abspielen, ich fürchte schon...

Die Geschichte ist schnell erzählt, es geht um den illegal nach Deutschland gekommenen Issa, bei dem man bis zum Schluss nicht wirklich sicher weiß, woher er tatsächlich kommt und welche Ziele er verfolgt. Verschiedenste Menschen haben auf irgendeine Weise mit ihm zu tun, versuchen ihm zu helfen, und am Ende kommt doch alles anders als gedacht. Alle sind nur Marionetten, auch wenn sie selbst das nicht wahrnehmen und immer glauben, selbst die Fäden in der Hand zu haben.

Sprachlich musste ich mich erst in das Buch hineinfinden. John le Carré schreibt recht anspruchsvoll (und warum eigentlich in alter" Rechtschreibung?), das Buch ist definitiv nichts zum mal eben zwischendurch ein paar Seiten lesen", sondern verdient volle Aufmerksamkeit. Die Personen werden sehr detailliert beschrieben, auch wenn Melik und seine Mutter Leyla ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwinden, dafür kann man sich dann gut in Annabel Richter und den Bankier Tommy Brue hineinversetzen. Diese beiden machen neugierig, ganz im Gegensatz zu den Geheimdienstleuten, die vergleichsweise blass und ohne Kontur bleiben, was vermutlich mit Absicht geschieht.

Die Story selbst zieht einen sofort in den Bann, es bleibt spannend bis zum Schluss, auch wenn irgendwann klar wird, dass es wohl nicht zu einem guten Ende für alle Beteiligten kommen wird. Eigentlich passiert" auch gar nicht so viel, es werden viele geheime und hochgeheime Gespräche geführt, Gedanken gewälzt und Thesen gesponnen, aber auch das fesselte mich wider Erwarten sehr.

Gut recherchiert sind sicher die ungewohnten Gedanken und Ansichten, Denkmuster und Rituale der islamischen Welt. Auch die Theorie des zu 95% guten" und zu 5 % bösen" Menschen hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wieviel Gutes muss man tun, um wieviel Böses zu kompensieren? Darf man unschuldige Menschen opfern, um Böses zu verhindern? Ab wann ist das Gemeinwohl" wichtiger als das Wohl und die Freiheit des Einzelnen?

Eine Antwort darauf gibt das Buch nicht, am Ende sind so ziemlich alle Opfer, einen Gewinner gibt es nicht und noch nicht einmal Leyla und Melik kommen unbeschadet aus der Geschichte heraus, obwohl sie doch einfach nur Gutes tun wollten.

Ein wirklich beeindruckendes Buch, das noch lange nachwirkt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Doch wer ist der Puppenspieler?, 10. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Issa, ein tschetschenischer Moslem, flüchtet sich nach Deutschland, wo ihn eine türkische Familie aufnimmt. Diese stellt für ihn Kontakt zu einer jungen Flüchtlingshilfswerk-Anwältin Annabelle her, die ihm dabei hilft, sein ihm zustehendes" Geld aus Kriegsgeschäften seines Vaters vom Bankhaus Frères zu beschaffen, damit er das geplante Medizinstudium in Deutschland aufnehmen kann.
Dadurch werden beim Bankier Brue alte Wunden" aufgerissen, denn die sog. Lippizaner-Konten rühren aus dubiosen Bankgeschäften, die sein Vater mit ausländischen Geldwäschern zu Zeiten des Kalten Krieges abgewickelt und in die er selbst nie involviert war. Doch damit nicht genug. Aufgrund seiner Herkunft und seiner umständlichen Einreise nach Deutschland ist der Geheimdienst auf Issa aufmerksam geworden und beobachtet ihn. Dies hat auch für seine Kontaktpersonen" in Deutschland verheerende Folgen, denn auch sie geraten ins Visier der Terrorfahnder.

Auch wenn der Autor und ehemalige MI5-Agent in seiner Heimat in England regelrecht gefeiert und über den grünen Klee gelobt wird, so kann ich diese Euphorie nicht ganz nachvollziehen. Mich hat sein Werk Marionetten" nicht gerade bedingungslos überzeugt. Das mag vielleicht aber auch daran liegen, dass mich der Kalte Krieg und die damit einhergegangenen Folgen noch nie sehr interessiert haben. Und dieses geschichtliche Ereignis kam bisweilen häufiger und intensiver in der Geschichte vor als die angekündigten Folgen des 11. September.

Weiterhin ist das Buch sprachlich eine wahre Herausforderung. Es ist inhaltlich sehr anspruchsvoll geschrieben, setzt einiges an geschichtlichem Wissen und bilateralen Beziehungen voraus, so dass man sich darauf konzentrieren muss, um es vollends zu verstehen.

Am Ende gibt es nur Verlierer, die trotz des Gefühls eigenständig zu handeln, letztendlich Marionetten und somit für den (nicht existierenden) Puppenspieler durchschaubar waren.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


35 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer zieht hier die Fäden?, 7. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Bei dem Buch handelt es sich um "Marionetten" Von John le Carré. Der Autor hat schon viele Bücher veröffentlich, die zum Teil dann auch Grundlage von Filmen wurden.

Inhalt:

Ein junger Moslem reist illegal über die Türkei und Dänemark nach Deutschland ein. Der junge Moslem, der eigentlich Tschetschne und auf der Flucht vor der Polizei ist, heißt Issa. Im Hamburger Stadtteil Altona bitte er eine türkische Familie um Hilfe, die ihn schließlich aufnimmt. Nur langsam finden die verängstigten Gastgeber heraus, wer der Fremde ist und was er in der Hansestadt will. Die Geheimdienste und auch andere Organisationen sind im ständig auf den Fersen. Er wendet sich schließlich an eine Organistion in Hamburg, die ihm eine Anwältin, Anabell Richter, zuteilt. Ein Bankier in Hamburg, Tommy Brue, dessen Großvater die Brue Frères vor "Urzeiten" gegründet hat, scheint mit dem Schicksal des jungen Isssas, der in Deutschland Arzt werden und den tschetschenischen Menschen helfen will, verbunden. Was haben die ominösen Lippizaner-Konten damit zu tun, und warum trägt Issa einen Zeitungsauschnitt und eine Todesanzeige von einem General der Roten Armee namens Karpow bei sich?...
So beginnt John le Carrés meisterhaft komponierter Roman über unsere Gesellschaft des Verdachts nach dem 11. September 2001. In einem raffiniert gesponnenen Netz aus privaten und politischen Interessen bewegen sich die Figuren zwischen Gewissenlosigkeit und Nächstenliebe, eiskaltem Kalkül und Gleichgültigkeit. Die Bedrohung durch den islamistischen Terror wird zur Kulisse für ein skrupelloses Spiel der Geheimdienst, in dem jeder, gleich ob Schuldig oder Unschuldig, Statist eines undurchschaubaren Marionettenspiels wird.

Über den Autor:

John le Carré, geboren 1931 in Poole, Dorset, studierte in Bern und Oxford Germanistik, bevor er in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig war. "Der Spion, der aus der Kälte kam" begründete seinen Weltruhm als Bestsellerautor. Der Autor lebt mit seiner Frau in Cornwall und London.

Eigene Meinung:

Der Titel "Marionetten" passt gut zum Inhalt des Buches, er spiegelt die Ausweglosigkeit der Personen wider, die an ihrem Marionettendasein, seien sie reich oder in höherer Position, nichts ändern können. Das Wort "Marionetten" fällt im Verlauf des ganzen Buches kein einziges Mal, erst zum Ende wird deutlich, wie wenig manche Personen an ihrem Schicksal ändern können, sogar diejenigen, die meinen selbst die Stricke der Marionetten zu halten. Im Englischen heißt das Buch übrigens "A Most Wanted Man"

Es handelt sich bei diesem Buch um ein gebundes Buch mit einem Schutzumschlag, der als Cover fungiert. Abgebildet ist eine regennasse Straße, die eine Person überquert. Von der Person ist allerdings nur die untere Körperhälfte zu sehen.

"Marionetten" hat mir wirklich sehr gut gefallen, ich habe es innerhalb einer Nacht und dem darauffolgenden Vormittag durchgelesen. Das Buch hat mich wirklich gefesselt, ich wollte unbedingt mehr über das Schicksal von Issa erfahren und auch wie es mit ihm weitergeht.
Ein kleiner Makel ist mir aber gleich zu Beginn des Lesen aufgefallen: Das Buch ist in alter Rechtschreibung geschrieben, d. h. "dass" steht noch mit "ß" und auch andere Wörter. Anfangs hat mich das gestört, aber mit der Zeit habe ich diese Stellen einfach gekonnt überlesen.
Das Buch beeinhaltet einen sehr verwickelte Handlung, er ganz am Schluss des Buches wird diese ein wenig gelöst, wobei mir noch ein paar Fragen offen bleiben. Gibt es eine Fortsetzung?
Teilweise ist das Buch sehr ironisch geschrieben, was nachteilig sein kann, aber hier hat es keinesfalls gestört. Dadurch wurden manchen Situationen sehr aufgelockert. Mr. Brue z. B. redet häufig (in Gedanken) mit sich selbst und ist dabei sehr ironisch.

Die Familie, die Issa aufnimmt, Melik und seine Mutter Leyla scheint es nicht zu stören, dass sie einen Wildfremden Mann aufnehmen. Das finde ich etwas komisch. Aber im Laufe des Buches spielen sie eh eine weniger wichtige Rolle, sie werden eingentlich erst am Schluss nochmal kurz erwähnt.

Das Buch behandelt ein sehr aktuelles Thema, was es für mich persönlich sehr interessant gemacht hat.
Vorurteile scheinen in dem Buch eine große Rolle zu spielen, hier ein Beispiel: Mr Brue verlässt Issa und seine Gastfamilie und ist sehr verwirrt, daraufhin verläuft er sich auf dem Heimweg. Seine Beobachter denken aber, dass er ein Profi sei und das absichtlich gemacht hat. So entstehen Vorurteile...

Zum Abschluss noch ein paar Zitate aus dem Buch:
"Wir sind Deutschland, aber wir sind auch etwas Eigenes. Wir sind besser als Deutschland. Wir sind Hamburg, aber zugleich nicht New York. Wir haben vielleicht keine Zwillingstürme. Aber die hat New York jetzt ja auch nicht mehr. Trotzdem, wir sind attraktiv. Wir haben das richtige Odeur für die falschen Leute."
Dieses Zitat stammt von einem gewissen Herrn Bachmann, der in dem Buch eine wichtige Rolle einnimmt. Hier sieht man, dass Ironie auch falsch eingsetzt werden kann und überzogen wirkt, vor allem, was die Zwillingstürme anbelangt.

"Das ist aber eines der großen Probleme unserer Modernen Welt, wissen Sie. Das Vergessen. Die vergessen nie. Fragen Sie einen Iren, was ihm die Engländer 1920 angetan haben, und er wird Ihnen die Namen sämtlicher Getöteten aufzählen, mit Datum un Uhrzeit. Fragen Sie einen Iraker,was ihm die Engländer 1953 angetan haben, und er kann es Ihnen sagen. Sein Kind kann es Ihnen sagen. Sein Enkel kann es Ihnen sagen. Selbst sein Urenkel wird es Ihnen noch sagen können, falls er einen hat. Aber fragen Sie einen Engländer...? (...) Schaut nach Vorne! Vergesst, war wir euch angetan haben. Morgen ist einer neuer Tag!" (...) Aber das Stimmt nicht. Das Morgen geht aus dem Gestern hervor, und aus dem Vorgestern, verstehen Sie? (...)Wer die Geschichte ingoriert, ignoriert den Wolf vor der Tür. (...)"
Das steckt Wahrheit drin, wie ich finde...

Fazit: Ein spannendes Buch, das mich sehr fesselte und sich lohnt gelesen zu werden.

Ich vergebe 9,5 von 10 Punkten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brilliantes Werk, 30. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Dass John le Carre die US-Regierung wegen des Irak-Krieges "Junta" nannte, ist bekannt. Nun bekommt sie ihre brilliante Abrechnung für Guantanamo.

Da ist der flüchtige Tschetschene Issa (Jesus), von dem wir wissen, dass er in zwei Ländern im Gefängnis sass, aber von dem wir nicht erfahren, ob und welche Verbrechen er begangen hat. Es wird auch nicht gesagt, dass er selbst welche plane (wie es die "Dienste" nicht müde werden zu behaupten).

Da ist die Annabel, die Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie und Bürgerrechtsanwältin, die dem Issa zu Medizinstudium, legalem Aufenthalt und viel Geld verhelfen will.

Und da ist der britische Banker Tommy Brue, dessen Bank zuerst in Wien (Oh Dritter Mann), dann in Hamburg russisches Schwarzgeld blütenweiss wäscht.

Doch bei aller Tiefe der Personenbeschreibung und Darstellung ihrer Motive sind sie nicht Herr ihres Handels, sondern werden zu Marionetten eines miesen Spieles der "Dienste", die den Rechtstaat hassen und ihn umgehen, wenn sie ihn schützen sollen.

So brutal hat le Carre noch nie mit der miesen Performance der Dienste abgerechnet (die im Sauerland in "Sprengflüssigkeiten" panschen, wo Täter ohne Tat für die Absicht mit nicht funktionierenden "Bomben" lebenslang in das Gefängnis gestopft werden und wo Liebesbriefe zu Verschwörungen einer terroristischen Vereinigung umgedeutet werden).

Keine einzige Leiche, kein Mord, kein Totschlag, keine wilden Verfolgungsjagden und dennoch stellen sich einem gruselig die Nackenhaare hoch, weil er so nah an der Realität schreibt, die uns alle noch im Ohr ist.

Im Nachwort wird der Kurat Murnaz erwähnt, der jahrelang von der "Junta" am Rechtsstaat vorbei ohne Tat in Guantanamo festgehalten wurde.

Am Rande: ich habe das Buch in Englisch genossen und wurde nicht durch unterschiedliche Zwischenstände korrekter deutscher Rechtschreibung vom Inhalt abgelenkt. Aber so sind wir: Fehler in der Rechtsschreibung finden wir, aber unser Bundespräsident unterschreibt bedenkenarm das BKA-Gesetz, das uns die le-Carre-Fiktion wieder ein Stück näher an die Realität bringt, und wir beschweigen es lauthals.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich mal wieder ein Klassiker - Geheimdienste gegeneinander, 18. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Marionetten ist (endlich mal wieder) ein Werk, in dem sich LeCarre auf seine Stärken besinnt: Im Kreuzfeuer, Kreuzverhör, Fadenkreuz der Geheimdienste. Wer gegen wen, wer mit wem, wer lenkt wen und wer versucht sich zu entziehen, Information, Desinformation, Manipulation, Steuerung, Benutztwerden, Intrigen. Spannend! Der Leser bekommt also wieder einen klitzekleinen Einblick davon, wie Geheimdienste arbeiten, lavieren, taktieren, manipulieren, agieren. Alle anderen Charaktere sind dabei eigentlich Nebensache - auch wenn sie realitätsnah erdacht, beschrieben, charakterisiert und entwickelt sind. Bei keinem einzigen der Charaktere hat man Zweilel, dass er tatsächlich so existieren kann. Dass es dabei eigentlich um die Thematik nach 9/11 geht, ist fast ebenso nebensächlich, nichtsdestoweniger aber hochaktuell - und realistisch. LeCarre erinnert mit diesem Buch daran, dass die Welt der Geheim- und Nachrichtendienste zu großen Teilen außerhalb des Vorstellungshorizontes des normalen Bürgers liegt. (Vielleicht wollen wir Vieles auch besser gar nicht so genau wissen).
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aktuell und super spannend, 25. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich lese ich keine Agenten-Thriller, aber Marionetten ist ein tolles Buch! Von einem Profi geschrieben, der genau weiß worauf es ankommt.
Kurz die Story: Ein gefolterter, geflohener tschetschenischer Moslem reist illegal nach Deutschland ein, wird von einer jungen Anwältin ohne Erfahrung gegenüber einem Privatbankier vertreten, der das Erbe des Flüchtlings, schmutziges Geld aus Russland, verwaltet. Gleich nach der Einreise gerät der Mann in das Fadenkreuz verschiedener Geheimdienste, die sich in ihn verbeißen wie eine Meute Terrier in einen angeschossenen Hasen. Allerdings soll der kleine Hase nicht als schnöde Beute dienen - er selber soll als Luder benutzt werden. Ein Katz und Maus Spiel aus Lügen, Intrigen, Erpressung und Gewalt beginnt, das keine Macht der Welt mehr zu stoppen vermag. Denn letztendlich geht es um Glaube und Wahrheit - und in diesen Punkten ist die Menschheit bekannter Maßen intolerant bis aufs Blut.
Wie Hardy Crueger bereits in seinem Krimi Experten, so hat auch John le Carré das dahinschwinden der Menschlichkeit als Grundlage für seinen neuen Thriller gewählt. Und auf dieser Grundlage lassen sich heutzutage allemal spannende, aber in der Sache eben leider auch deprimierende, Geschichten erzählen.
Neben dem Thema überzeugt die Story durch ihre Glaubwürdigkeit. Keine der vielen Figuren ist überzeichnet oder zu statisch dargestellt. Jeder Satz ist präzise und ohne überflüssige Floskeln. Ein gutes Buch. Im Vergleich mit einem Grangé oder einem Fitzek ist der Roman von John le Carré echte Literatur.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Demnächst im Kino, 5. August 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Taschenbuch)
Der Film zum Buch erscheint wohl im November in den deutschen Kinos, gedreht in Hamburg. John Le Carré schafft ein locker-spannenden Roman zu schreiben, der unterhält, ohne zu schocken. Und so ist wohl die Welt der Geheimdienst: Verborgen im Detail, mächtig in der Durchsetzung. Ein gutes Buch für einen ruhigen Abend.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Terrorismus als Instrument der Geheimdienste, 5. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Issa, ein tschetschenischer Flüchtling und gesuchter Schwerverbrecher, bittet den türkischen Schwergewichtsboxer Melik und seine Mutter Leyla um Hilfe. Er möchte in Deutschland Medizin studieren, doch leider hält er sich seit seiner Flucht aus einem türkischen Gefängnis und seiner langen, durch Bestechungsgelder erkaufte Reise über Schweden und Dänemark, illegal in Deutschland auf. Außerdem steht er auf der Fahnungdungsliste von Interpol. Hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Misstrauen beschließen die beiden ihm zu helfen. So geraten sie, eine Anwältin und ein Bankier bald ins Visier der Geheimdienste, die auch vor Lügen, Betrug und falschen Versprechungen nicht zurückschrecken, um ihre Ziele durchzusetzen...

Zum Autor:
John le Carré, geboren 1931 in Poole, Dorset, studierte in Bern und Oxford Germanistik, bevor er in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig war. "Der Spion, der aus der Kälte kam" begründete seinen Weltruhm als Bestsellerautor. Der Autor lebt mit seiner Frau in Cornwall und London.

Meine Meinung:
Wer einen Thriller um den 11.September erwartet hat wird wohl enttäuscht werden, denn ein direkter Bezug zum diesem Datum fehlt fast völlig. Es geht mehr um die Auswirkungen des Terrorismus, darum wie schlecht und misstrauisch mit Ausländern seit diesem Terrorakt umgegangen wird und wie gut es Geheimdienste verstehen, den Terrorismus für sich zu nutzen. Ein kleiner Bezug zu Amerika wird erst hergestellt, als der Leser schon nicht mehr damit rechnet.
Das Buch gliedert sich in drei Handlungsstränge - nämlich Issa und seine Pläne, eine Bank mit Kontakten zu russischen Geldwäschern und die Ermittlungen uneiniger Geheimdienstmitarbeiter und Verfassungschützer. Schnell beginnen die einzelnen Bausteine miteinander zu verschmelzen, um dann am Ende ein überzeugendes Gesamtbauwerk zu erzeugen.
Geschildert wird das komplette Buch in der 3. Person. Durch die von Beginn an lebendige Erzählweise fühlt man sich gleich mitten im Geschehen und die immer neu auftretenden Fragezeichen lassen einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Die Sprache ist ansprechend, aber auch dem ernsten Thema angepasst. Trotz eines etwas anspruchvolleren Tons ist das Thema verständlich und einfühlsam übertragen worden. John le Carrè gelingt es auch den Charakter der Protagonisten durch die Wahl von stimmigen Adjektiven zu übermitteln.
Auffällig ist auch, dass der Autor teils sehr lange Sätze benützt und das Buch in der alten Rechtschreibung gedruckt wurde.
Die Figuren sind abwechslungsreich, sowohl was das Erscheinungsbild, als auch die zu gehörigen Charaktere betrifft. Allein Melik und Issa sind schon grundverschieden, Melik ist stark und kräftig, hat einen gefestigten Charakter und weiß was er will, während sich Issas Naivität auch in seinem schwachen, ausgemergeltem Äußeren widerspiegelt.
Schade ist nur, dass der Autor einige Protagonisten gleich nachdem sie nicht mehr gebraucht wurden, in den Hintergrund gedrängt hat.

Fazit:
Der Titel ist bestens gewählt, denn hier sind wirklich fast alle Protagonisten Marionetten und selbst diejenigen, die erst geglaubt haben die Fäden zu ziehen müssen am Ende erkennen, das sie nur ein Spielzeug der wahren Marionettenspieler waren.
Dem Autor ist es überzeugend gelungen ein eigentlich abgedroschenes Thema, nämlich den Terrorismus und die Reaktionen der Geheimdienste darauf, spannend, fesselnd und erschreckend plausibel darzustellen. Die vielen politischen und religiösen Hintergrundinformationen verhelfen dem Roman zu einer großen Glaubwürdigkeit und lassen ein solches Szenario durchaus realistisch erscheinen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 26 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0xa685eeac)

Dieses Produkt

Marionetten
Marionetten von John le Carré (Gebundene Ausgabe - 3. November 2008)
EUR 9,10
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen